{"id":1180,"date":"2006-04-03T16:36:43","date_gmt":"2006-04-03T14:36:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1180"},"modified":"2016-02-14T16:09:02","modified_gmt":"2016-02-14T15:09:02","slug":"so-wirkt-sinns-menschenverachtender-okonomismus-auf-einen-burger-der-ehemaligen-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1180","title":{"rendered":"So wirkt Sinns menschenverachtender \u00d6konomismus auf einen B\u00fcrger der ehemaligen DDR"},"content":{"rendered":"<p>Am <a href=\"?p=1134\">02.04.06<\/a> haben wir uns auf den NachDenkSeiten mit einem Streitgespr&auml;ch des Leipziger Pfarrers Christian F&uuml;hrer mit dem M&uuml;nchner Ifo-Chef Hans-Werner Sinn auseinandergesetzt. Ein Leser aus dem Osten Deutschlands hat uns dazu einen Brief geschrieben, der uns sehr nachdenklich macht. Er belegt, wie Sinn mit seinem &ouml;konomistischen &bdquo;Alternativ-Radikalismus&ldquo; zum fr&uuml;heren &bdquo;real existierenden Sozialismus&ldquo; den B&uuml;rgern in der ehemaligen DDR, die die erste friedliche Revolution auf deutschem Boden getragen haben, ihre Hoffnungen nimmt. Wir halten die Entt&auml;uschung, die aus diesem biografischen Brief spricht, deshalb f&uuml;r dramatisch, nicht weil wir den Wichtigtuer Sinn f&uuml;r so wichtig halten, sondern weil daraus deutlich wird, wie sehr die Gesinnungsgenossen von Sinn mit ihrem neoliberalen Weltbild, die innere Einheit Deutschlands sabotieren.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Ich habe selten einen solchen ideologisch verblendeten, arroganten Unfug gelesen. Den Pfarrer F&uuml;hrer wird Herr Sinn nie begreifen, geschweige denn den Osten dieses Landes.<\/p><p>Die Meinung, fr&uuml;her im Osten zufriedener gelebt haben zu k&ouml;nnen, darf man sowieso nicht laut &auml;u&szlig;ern. Da man diese, ohne sie tiefer auszuleuchten, nur den SED-Apparatschiks als Erkennungsmerkmal zubilligt, und sie so zur  Stigmatisierung kritischer Meinungen benutzt.<br>\nAber mit der Meinung, dass da noch etwas fertig zu stellen ist, ist Herr F&uuml;hrer hier im Osten nicht allein.<\/p><blockquote><p>Den &Auml;rmsten der Armen hier geht es immer noch viel besser, als es dem Durchschnittsb&uuml;rger im Kommunismus ging, auch wenn heute die Ungleichheit viel gr&ouml;&szlig;er ist.<\/p><\/blockquote><p>Ich glaube eher oder besser noch &ndash; ich wei&szlig; es -, dass jeder die M&ouml;glichkeit hatte, ein ausk&ouml;mmliches Leben zu f&uuml;hren. Auch w&uuml;rde ich das Gesellschaftsmodell, was wir erleben mussten, nicht als &bdquo;Kommunismus&ldquo; bezeichnen. Honecker und Co. bezeichneten das Modell merkw&uuml;rdigerweise als &ldquo;real existierenden&rdquo; Sozialismus. Ich glaube, F&uuml;hrer zielt auf diesen Sachverhalt ab: &ldquo;Wir haben uns nicht f&uuml;r eine Wirtschaftsform entschieden. Wir gingen gegen ein politisch ungerechtes und menschenunw&uuml;rdiges System auf die Stra&szlig;e.&rdquo;<br>\nDie Leute sind 1989 auch auf die Stra&szlig;en gegangen, nicht weil die Sparkonten leer waren &ndash; sondern eher, weil es f&uuml;r das Geld nichts zu kaufen gab. Die Probleme der Rentner waren mehr gesundheitlicher Art. Meine Urgro&szlig;mutter musste nicht bis 67 arbeiten, sie durfte aus freien St&uuml;cken &ndash; weil sie gern arbeitete &ndash; dies bis achtzig tun. Dann ist sie an einer Lungenentz&uuml;ndung verstorben, nicht weil sie sich die Behandlung nicht leisten konnte. Dass es dem Durchschnittsb&uuml;rger schlechter ging, lasse ich nur f&uuml;r das Angebot in den L&auml;den gelten. Wir hatten schon &ldquo;kostenlose&rdquo; Kinderkrippen und -g&auml;rten, Reihenuntersuchungen, Krebsregister&hellip;..<br>\nWir waren drei Kinder zu Hause, meine Mutter hat halbe Tage gearbeitet, mein Vater nicht sonderlich verdient.<br>\nDamit war es aber m&ouml;glich, drei Kindern eine Schulausbildung mit Abitur zu gew&auml;hren, zwei haben einen  Hochschulabschluss erworben.<br>\nDie Schwester hat eine andere berufliche Entwicklung eingeschlagen, die Ihr im Gegensatz zu ihren Br&uuml;dern in diesem Staat in einem Amt eine durchaus als gesichert geltende Existenz beschert hat. Wir Br&uuml;der haben uns dummerweise einen Bauberuf (Beruf mit Zukunft&hellip;.) ausgesucht. Von dem relativ wenigen Geld haben meine Eltern noch das Haus unterhalten, die zwei vermieteten Wohnungen haben nie die Miete eingebracht, um die Unterhaltung zu sichern. Das war sicherlich nicht in Ordnung und f&uuml;r einen Vermieter ungerecht. Aber es stand nie zur Debatte, zu Ostzeiten bei allen Schwierigkeiten, das Haus zu verlieren. Die Chance hat daf&uuml;r jetzt mein Bruder, n&auml;mlich durch Arbeitslosigkeit das Lebenswerk meiner Eltern zu verlieren.   <\/p><p>Meine Frau konnte genauso wie ich studieren, einen guten Beruf ergreifen und diesen lange Jahre aus&uuml;ben.<br>\nJedoch jetzt haben wir  infolge wiederholter und bereits langj&auml;hriger Arbeitslosigkeit nur noch das Einkommen meiner Frau zur Verf&uuml;gung, unterhalb der Kriterien von Harztz IV f&uuml;r eine vierk&ouml;pfige Familie. Leben und die Ausbildung unserer Kinder finanzieren wir heute vom Gesparten. Wir messen einer guten Ausbildung, dem Dr&auml;ngen nach Wissen, nach wie vor einen h&ouml;heren Rang als materiellen Dingen zu. Hierbei geht es nicht vordergr&uuml;ndig um &ldquo;Karriere&rdquo;.<br>\nHerr Sinn sollte mal denjenigen in der DDR zeigen, einschlie&szlig;lich dem Mindestrentner, der wesentliche Dinge zum Leben von seinem Ersparten finanzieren musste!!<\/p><blockquote><p>Je niedriger der Lohn, desto mehr Arbeit ist da.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Wenn der Mensch billiger ist als der Automat, dann wird er nicht ersetzt.<\/p><\/blockquote><p>Herr Sinn schl&auml;gt, ohne im Detail darauf eingehen zu wollen, zur Behebung der Probleme merkw&uuml;rdigerweise schlicht und einfach die alten &ldquo;DDR-Werkzeuge&rdquo; vor. Das vermeintliche Ergebnis beschreibt er ja allerdings dann in schillernden abschreckenden Farben&hellip;.. (Als &Ouml;konom hat er offenbar die DDR nie begriffen, insbesondere nicht die &ouml;konomischen Ursachen des Untergangs dieses Landes.) Das l&auml;sst mich sehr an seiner Kompetenz zweifeln. Sein Credo f&ouml;rdert Zur&uuml;ckbleiben in der Entwicklung!!<\/p><p>Ist doch absurd, oder?&ldquo;\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am <a href=\"?p=1134\">02.04.06<\/a> haben wir uns auf den NachDenkSeiten mit einem Streitgespr&auml;ch des Leipziger Pfarrers Christian F&uuml;hrer mit dem M&uuml;nchner Ifo-Chef Hans-Werner Sinn auseinandergesetzt. Ein Leser aus dem Osten Deutschlands hat uns dazu einen Brief geschrieben, der uns sehr nachdenklich macht. 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