{"id":11801,"date":"2012-01-06T15:13:53","date_gmt":"2012-01-06T14:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11801"},"modified":"2016-05-11T11:13:13","modified_gmt":"2016-05-11T09:13:13","slug":"rosler-vollig-losgelost-im-raum-schwebend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11801","title":{"rendered":"R\u00f6sler: V\u00f6llig losgel\u00f6st im Raum schwebend"},"content":{"rendered":"<p>Wie &uuml;berfl&uuml;ssig die FDP geworden ist, zeigt sich darin, dass sie nur noch gegen eine selbst inszenierte Scheinwelt anrennt. In narzisstischer Manier kreist sie nur noch in Selbstbewunderung und Selbstverliebtheit, was in der realen Welt um sie herum vorgeht, geht an dieser Partei offenbar v&ouml;llig vorbei. <strong>Von Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Deutschland geht es gut&ldquo;, &bdquo;wir sind sehr erfolgreich&ldquo;, &bdquo;die Marktwirtschaft wird immer erfolgreicher&ldquo;, &bdquo;noch nie gab es auf der Welt so viele Chancen f&uuml;r junge Menschen&ldquo;, die &bdquo;soziale Sicherheit&ldquo; sei gr&ouml;&szlig;er geworden, &bdquo;die Renten steigen&ldquo; und das alles nur, weil die FDP &bdquo;mitregiert&ldquo; und weil die Liberalen &bdquo;den richtigen Rahmen setzen.&ldquo; <\/p><p>Das waren die Spr&uuml;che die Philipp R&ouml;sler auf dem Stuttgarter Dreik&ouml;nigstreffen der FDP von seinem Manuskript ablas, in der Hoffnung, sich selbst und seinen im Staatstheater versammelten Parteifreunden wieder Selbstbewusstsein einzuhauchen.  Alle anderen, die nicht unter einer solchen geradezu autistischen Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsst&ouml;rung leiden, von den Gr&uuml;nen angefangen, die SPD sowieso und sogar der eigene Koalitionspartner, angesprochen in der Person von Finanzminister Sch&auml;uble, die meinen, dass es dr&auml;ngende Probleme und dramatische Herausforderungen gibt, die es zu l&ouml;sen gilt, sind f&uuml;r R&ouml;sler &bdquo;Skeptiker&ldquo;, &bdquo;Gutmenschen&ldquo;, &bdquo;Miesmacher&ldquo;, &bdquo;Gegner der Marktwirtschaft&ldquo;, ja geradezu Sektierer, die R&ouml;sler an die &bdquo;Zeugen Jehovas&ldquo; erinnern, die glaubten, dass morgen die Welt unterginge. <\/p><p>Dass Deutschland in eine Rezession schlittert, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise die &bdquo;Marktwirtschaft&ldquo; in ihre gr&ouml;&szlig;te Vertrauenskrise gef&uuml;hrt hat, dass etwa in Griechenland die Jugendarbeitslosigkeit die 40-Prozent-Marke &uuml;berschritten hat und auch weltweit zugenommen hat, dass die Menschen sich um ihre soziale Sicherheit die gr&ouml;&szlig;ten Sorgen machen, dass die Renten nicht etwa steigen, sondern dramatisch gesunken sind und weiter sinken werden, das alles ist f&uuml;r R&ouml;sler nicht wahr und wer auf solche Tatsachen hinweise, diskreditiere die &bdquo;Soziale Marktwirtschaft&ldquo;. <\/p><p>Die Euro- und Europakrise kommt in R&ouml;slers Rede &uuml;ber die heile Welt nicht vor. Kein Wunder, dass er die ihr zugrundeliegende Hauptursache, n&auml;mlich die Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb der W&auml;hrungsunion, in geradezu chauvinistischer Manier auf die anderen L&auml;nder verlagert: &bdquo;Als deutscher Wirtschaftsminister, werde ich mich niemals f&uuml;r Export&uuml;bersch&uuml;sse entschuldigen&ldquo;. <\/p><p>Nachdem R&ouml;sler offenbar erkannt hat, dass die FPD als reine Steuersenkungspartei abgewirtschaftet hat, suchte er ein neues Hauptthema f&uuml;r seine Partei: Gef&uuml;hlte hundert Mal beschwor der Parteivorsitzende &bdquo;Wachstum&ldquo;. Er hat offenbar die Wahnvorstellung, als lebten um ihn herum nur noch Wachstumsskeptiker. Nur die FDP sei die Partei, &bdquo;die sich klar zum Wachstum bekennt&ldquo;. Mit dem von R&ouml;sler postulierten Wachstumsbegriff f&auml;llt R&ouml;sler ein halbes Jahrhundert hinter die Debatte um ein qualitatives Wachstum zur&uuml;ck. Er bleibt jede Antwort darauf schuldig, was er unter einem von ihm nur nachgeschobenen &bdquo;wertgebundenen&ldquo; oder &bdquo;nachhaltigen&ldquo; Wachstum versteht. Seine Forderung nach einem &bdquo;Einsteigen in fossile Energie&ldquo; und der Kampf gegen die &bdquo;&Uuml;bersubventionierung&ldquo; der Photovoltaik zeigen, dass sein &bdquo;erfolgreiches Wachstum&ldquo; keineswegs, wie er behauptet, &bdquo;die Natur im Blick&ldquo; hat. <\/p><p>R&ouml;slers Klage &uuml;ber die &bdquo;Tendenz zur Verantwortungslosigkeit und Ordnungslosigkeit&ldquo; der Finanzm&auml;rkte, die die &bdquo;Gemeinschaft und die Demokratie&ldquo; gef&auml;hrdeten, ist angesichts seiner Polemik gegen die &bdquo;Regulierer&ldquo; und gegen &bdquo;staatlichen Dirigismus&ldquo; sowie seinem Eintreten f&uuml;r die &bdquo;Offenheit&ldquo; der M&auml;rkte v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdig.    <\/p><p>Nur noch blanker Populismus ist es, wenn R&ouml;sler ein &bdquo;schuldenfreies Deutschland&ldquo; fordert. Er spinnt die Legende von der Staatsschuldenkrise weiter. Wer in der gegenw&auml;rtigen Situation gleichzeitig Steuererh&ouml;hungen verteufelt  und Schuldenfreiheit fordert, der will nicht nur den Staat aus dem wirtschaftlichen Geschehen vollends herausdr&auml;ngen, er will ihn &ndash; wie dereinst die Reagans und Thatchers &ndash; aushungern. Und das w&auml;re das Ende der von ihm so hochgelobten &bdquo;Sozialen Marktwirtschaft&ldquo; und des Sozialstaates sowieso. <\/p><p>Zum Gl&uuml;ck f&uuml;r Deutschland hat sich diese FDP, die sich derart weit von der Wirklichkeit entfernt hat, als politische Kraft komplett &uuml;berfl&uuml;ssig gemacht. Ihre Anh&auml;nger werden mit so schwachen Reden eines Parteivorsitzenden bald nicht einmal mehr die ohnehin gelichteten Reihen im Stuttgarter Staatstheater f&uuml;llen k&ouml;nnen. R&ouml;sler ist ein Parteivorsitzender der nur noch v&ouml;llig losgel&ouml;st im Raum schwebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie &uuml;berfl&uuml;ssig die FDP geworden ist, zeigt sich darin, dass sie nur noch gegen eine selbst inszenierte Scheinwelt anrennt. 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