{"id":118187,"date":"2024-07-16T10:01:57","date_gmt":"2024-07-16T08:01:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118187"},"modified":"2024-07-16T15:25:09","modified_gmt":"2024-07-16T13:25:09","slug":"bundesregierung-brutaler-bote-der-hoffnungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118187","title":{"rendered":"Bundesregierung: Brutaler Bote der Hoffnungslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Etwas hat sich gedreht: Wurden den B&uuml;rgern fr&uuml;her noch schamlos &bdquo;bl&uuml;hende Landschaften&ldquo; versprochen, so wird ihnen nun kaltschn&auml;uzig angek&uuml;ndigt, dass &bdquo;wir&ldquo; alle &auml;rmer w&uuml;rden. Auch Diplomatie wird nicht mal mehr in blumigen Phrasen gefordert oder als schm&uuml;ckende Folklore genutzt, geschweige denn praktiziert: Eiskalt wird sie als Irrweg dargestellt, Frieden nicht mal mehr als ferne Perspektive formuliert. Diese unverbl&uuml;mte Brutalit&auml;t in der offiziellen Kommunikation ist neu und bedenklich. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1628\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-118187-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240716_Bundesregierung_Brutaler_Bote_der_Hoffnungslosigkeit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240716_Bundesregierung_Brutaler_Bote_der_Hoffnungslosigkeit_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240716_Bundesregierung_Brutaler_Bote_der_Hoffnungslosigkeit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240716_Bundesregierung_Brutaler_Bote_der_Hoffnungslosigkeit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=118187-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240716_Bundesregierung_Brutaler_Bote_der_Hoffnungslosigkeit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240716_Bundesregierung_Brutaler_Bote_der_Hoffnungslosigkeit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Wir schaffen das&ldquo; ist pass&eacute; &ndash; zum einen war es schon immer gemeint im Sinne von: &bdquo;Ihr schafft das schon, was wir hier anrichten&ldquo;. Zum anderen ist die Zeit der hoffnungsvollen offiziellen Signale wohl insgesamt vorbei, so durchschaubar und unzutreffend sie schon immer gewesen sein m&ouml;gen. <\/p><p>Verst&auml;rkt seit der Corona-Politik nehmen viele B&uuml;rger Teile der Kommunikation vonseiten verantwortlicher Politiker und &bdquo;verb&uuml;ndeter&ldquo; Medien geradezu als Schocktherapie &bdquo;von oben&ldquo; wahr. Au&szlig;erdem: Galt nicht fr&uuml;her eher die Regel, dass offizielle Stellen Panik vermeiden wollten und dass daf&uuml;r auch gef&auml;hrliche Vorg&auml;nge m&ouml;glichst unter Verschluss gehalten werden sollten? Bei Corona wurde wurde das praktisch umgedreht: Eine Panik war erw&uuml;nscht und sie wurde gezielt gesch&uuml;rt, die schlimmen und andauernden gesellschaftlichen Folgen dieses Schrittes wurden billigend in Kauf genommen. Neu sind seitdem auch (zumindest in dieser Deutlichkeit) hoffnungslose Ank&uuml;ndigungen wie die von Karl Lauterbach, dass k&uuml;nftig <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0lMfh8tSkB4\">&bdquo;der Ausnahmezustand die Normalit&auml;t sein wird&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Auch mit Ank&uuml;ndigungen wie der des gr&uuml;nen Wirtschaftsministers, dass &bdquo;wir&ldquo; als Folge der eigenen Politik <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/meinung\/kolumnen\/ein-einziger-satz-91456992.html\">&auml;rmer werden w&uuml;rden<\/a>, h&auml;tten Politiker fr&uuml;her eher hinter dem Berg gehalten. Auch wenn manche einen &bdquo;Wohlstand des Weniger&ldquo; begr&uuml;&szlig;en und das auch den Mitb&uuml;rgern, die sowieso schon wenig haben, &uuml;berhelfen wollen: Die gro&szlig;e Mehrheit lehnt solche Vorhaben ab, aber man kann sie in der heutigen Zeit dennoch nicht nur vorantreiben, sondern auch noch vorher gro&szlig; ank&uuml;ndigen. Wie absurd die Meinungsmache gegen einen auch auf russischer Energie beruhenden Wohlstand in Deutschland teils ist, habe ich im Satire-Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89739\">Frieden und Wohlstand waren schreckliche Irrt&uuml;mer<\/a>&rdquo; thematisiert. <\/p><p>&bdquo;<strong>Ein einziger Abwehrkampf auf einer absch&uuml;ssigen Bahn nach unten&rdquo;<\/strong><\/p><p>Die militaristische &bdquo;Zeitenwende&ldquo; birgt nicht nur milit&auml;rische Gefahr, sondern auch die des sozialen Kahlschlags zugunsten der Aufr&uuml;stung. Zur Kommunikation, die diese versuchte &bdquo;Zeitenwende&ldquo; begleitet sowie jene zu Themen wie Klima oder Migration hat die <em>Tagesschau<\/em> bereits im Juni <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/soziologe-zeitenwende-100.html\">ein Interview mit dem Soziologen Hartmut Rosa<\/a> gef&uuml;hrt. Rosa leitet das Max-Weber-Kolleg der Universit&auml;t Erfurt und er lehrt an der Universit&auml;t Jena. In dem Interview sagt er etwa zu Waffenlieferungen an die Ukraine viele Dinge, bei denen ich ganz anderer Meinung bin. An anderer Stelle stimme ich ihm aber zu. Etwa bei der Diagnose, dass &bdquo;die derzeitige Kommunikation schon jetzt fatale Folgen&ldquo; habe. Er sagt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In der politischen Bildersprache ist die Zukunft heute ein einziger Abwehrkampf auf einer absch&uuml;ssigen Bahn nach unten. Gegen die Russen. Gegen den Klimawandel. Gegen den wirtschaftlichen Niedergang. Gegen die AfD. Gegen die Migration. Das sorgt f&uuml;r Hoffnungslosigkeit und Wut<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Rosa f&auml;hrt fort:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Kriege gab es auch schon vor dem Ukraine-Krieg. Nehmen Sie Afghanistan, Irak oder Jugoslawien. Aber trotz Kriegen, Seuchen, Piraterie und Folter lautete in der Vergangenheit die &Uuml;berzeugung immer: Wir m&uuml;ssen es schaffen, wir k&ouml;nnen es schaffen und wir werden es schaffen, diese zu &uuml;berwinden, eine friedlichere und gerechtere Weltordnung zu schaffen. Mit der Zeitenwende hat Olaf Scholz deutlich auf den Punkt gebracht, dass wir diese Hoffnung aufgeben sollten. Die Zukunft sei Krieg. Das hat etwas Tiefgreifendes gemacht mit der Bev&ouml;lkerung<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Eine einzige dunkle Wand aus Kriegen, Seuchen und Klimakatastrophen <\/strong><\/p><p>Es soll hier aber keineswegs gefordert werden, dass die Bundesregierung also fortan positive Botschaften verbreiten soll oder dass die Politik der Regierung eigentlich gut sei, dass sie nur besser dargestellt und verkauft werden m&uuml;sse. Die Politik der Bundesregierung ist schlecht und gef&auml;hrlich, das kann auch eine aufw&auml;ndige Inszenierung nicht kaschieren: Die angeblich bek&auml;mpften Krisen wurden durch eigenes Handeln erst zugespitzt.<\/p><p>Statt einer besseren PR wird hier (ganz naiv) eine Politik gefordert, die den B&uuml;rgern eher dient und sie besch&uuml;tzt &ndash; und zwar &bdquo;Schutz&ldquo; nicht in dem Sinne, wie Verteidigungsminister Pistorius das meint, und auch nicht im Sinne einer Stationierung von weitreichenden gegen Russland gerichteten US-Raketen in Deutschland. Denn das ist m&ouml;glicherweise das Gegenteil von Schutz &ndash; und unbezahlbar ist die geplante deutsche Aufr&uuml;stung noch dazu. Es wird also hier eine Politik gefordert, die Waffenstillstand, Entspannung und Handel f&ouml;rdert und die dann (dieser Politik entsprechend!) auch eine positivere Meinungsmache nach sich zieht. Wichtig ist auch die gleichzeitige Aufarbeitung der Corona-Politik und die Versicherung, dass die Hoffnung berechtigt ist, dass sich eine auf unseri&ouml;sen Daten beruhende, &uuml;bergriffige Politik nicht wiederholt. <\/p><p>Zur oft wiederholten Behauptung mancher Politiker oder Journalisten, der aktuelle Unmut gegen&uuml;ber der Bundesregierung beruhe nur auf Gef&uuml;hlen, den Leuten gehe es doch eigentlich noch viel zu gut, sagt der Soziologe Rosa:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wenn wir wissen wollen, wie es den Menschen geht, d&uuml;rfen wir nicht fragen, was sie haben, sondern, wohin sie gehen. Menschen nehmen ihr Leben als Bewegung wahr. Und da gibt es derzeit die Wahrnehmung einer Bewegung auf eine einzige dunkle Wand aus Kriegen, Seuchen und Klimakatastrophen zu<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Panisch einerseits &ndash; leichtfertig andererseits<\/strong><\/p><p>Die aktuelle Konfrontation und die vors&auml;tzliche Ausweitung eines Regionalkonfliktes um Donbas und Krim zum internationalen Gro&szlig;konflikt bergen potenziell gro&szlig;e Gefahren &ndash; bis hin zum Weltkrieg. Es bildet sich darum ein schriller Kontrast in der offiziellen Kommunikation: zwischen dem verantwortungslos-leichtfertigen Herunterspielen dieser realen Gefahren einerseits und der H&auml;rte, mit der andererseits in der offiziellen Kriegsrhetorik und in weiteren apokalyptischen Szenarien gearbeitet wird. <\/p><p>Die H&auml;rte in der offiziellen Kommunikation hat nichts damit zu tun, dass sich Politiker und Journalisten nun endlich &bdquo;ehrlich machen&ldquo; w&uuml;rden. So, wie fr&uuml;her m&ouml;glicherweise falsche Heilsversprechen die B&uuml;rger besser &bdquo;funktionieren&ldquo; lie&szlig;en, so kann auch die heutige Botschaft der Hoffnungslosigkeit Widerstand l&auml;hmen. Heilsversprechen haben offenbar vorerst ausgedient. Die destruktive Atmosph&auml;re einer tiefen Hoffnungslosigkeit wird vors&auml;tzlich erzeugt.<\/p><p><small>Titelbild: thebigland \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89739\">Satire: Frieden und Wohlstand waren schreckliche Irrt&uuml;mer<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/a0f61c64332b438fba98e98a3eec031b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwas hat sich gedreht: Wurden den B&uuml;rgern fr&uuml;her noch schamlos &bdquo;bl&uuml;hende Landschaften&ldquo; versprochen, so wird ihnen nun kaltschn&auml;uzig angek&uuml;ndigt, dass &bdquo;wir&ldquo; alle &auml;rmer w&uuml;rden. 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