{"id":11837,"date":"2012-01-10T16:17:29","date_gmt":"2012-01-10T15:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11837"},"modified":"2015-01-18T11:00:47","modified_gmt":"2015-01-18T10:00:47","slug":"ezb-kredite-sorgen-fur-irrungen-und-wirrungen-bei-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11837","title":{"rendered":"EZB-Kredite sorgen f\u00fcr Irrungen und Wirrungen bei der WELT"},"content":{"rendered":"<p>Dass es gute Gr&uuml;nde gibt, das 500-Milliarden-Euro-Kreditpaket der EZB an Privatbanken zu kritisieren, hat nicht zuletzt Heiner Flassbeck in seinem <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/international\/:geldpolitik-heiner-flassbeck-direkte-staatshilfe-macht-s-billiger\/60149592.html#utm_source=rss2&amp;utm_medium=rss_feed&amp;utm_campaign=\/meinungshungrige\">j&uuml;ngsten Aufsatz<\/a> f&uuml;r die Financial Times Deutschland gezeigt. Kritisch wollte auch Springers konservatives Flaggschiff WELT sein. Doch aus dem erw&uuml;nschten kritischen Ansatz wurde ein <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article13803049\/Krisenstaaten-buerden-EZB-neue-Milliardenrisiken-auf.html\">publizistisches Desaster<\/a>, das vor allem eines zeigt: Die konservative Presse hat noch nicht einmal im Ansatz verstanden, worum es bei der &bdquo;Eurokrise&ldquo; geht, und versteht auch nicht die Grundlagen der Staatsfinanzierung und der Notenbankpolitik. Das w&auml;re nicht weiter tragisch, w&uuml;rden diese Bl&auml;tter nicht durch ihre Meinungsmacht auch aktiv die Finanzpolitik Deutschlands mitgestalten. <strong>Von Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBevor man sich den WELT-Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article13803049\/Krisenstaaten-buerden-EZB-neue-Milliardenrisiken-auf.html\">Krisenstaaten b&uuml;rden EZB neue Milliardenrisiken auf<\/a>&ldquo; zu Gem&uuml;te f&uuml;hrt, sollte man sich zun&auml;chst einmal kurz die Hintergr&uuml;nde dieses Artikels vergegenw&auml;rtigen. Ende Dezember er&ouml;ffnete die Europ&auml;ische Zentralbank den Banken eine &auml;u&szlig;erst <a href=\"\/?p=11683#h03\">lukrative Gesch&auml;ftsm&ouml;glichkeit<\/a> &ndash; sie d&uuml;rfen sich in nahezu unbegrenzter H&ouml;he Geld von der EZB zum Leitzins (derzeit 1,0%) f&uuml;r volle drei Jahre ausleihen. Als Sicherheit f&uuml;r diese Kredite akzeptiert die EZB Papiere, die keine Bank momentan freiwillig in ihre Bilanz aufnehmen w&uuml;rde &ndash; Bankanleihen der kreditnehmenden Institute, die von den jeweiligen Staaten <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/finanzen\/maerkte\/anleihen-devisen\/:schuldenkrise-italien-druckt-geld-fuer-seine-banken\/60145709.html\">garantiert werden<\/a>. Damit verfolgt die EZB zwei Ziele:<\/p><ul>\n<li>In diesem Jahr laufen Bankanleihen im Werte von mehreren hundert Milliarden Euro aus, die refinanziert werden m&uuml;ssen. Da vor allem Banken aus den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern aber zu vertretbaren Zinsen kein frisches Geld am Kapitalmarkt bekommen, droht ohne eine Intervention der EZB eine weitere handfeste Bankenkrise. W&uuml;rden die Staaten ihre Banken direkt unterst&uuml;tzen, w&uuml;rde sich ihre Staatsschuldenquote abermals erh&ouml;hen, was eine Steilvorlage f&uuml;r Spekulanten w&auml;re. &Uuml;ber den Umweg der EZB haften die Staaten nur indirekt f&uuml;r die Kredite der Banken.<\/li>\n<li>Alleine im ersten Quartal 2012 m&uuml;ssen die EU-Staaten auslaufende Staatsanleihen im Wert von mindestens 250 Milliarden Euro refinanzieren. Diese Anleihen werden zum Gro&szlig;teil von nationalen Banken gehalten, die jedoch aufgrund der angeschlagenen Bonit&auml;t der Staatsanleihen (und ihrer eigenen Anleihen) in Versuchung geraten k&ouml;nnten, die dann frei werdenden Gelder nicht in neue Staatsanleihen zu investieren, sondern die eigenen Schulden abzubauen. Dies h&auml;tte jedoch Auswirkungen auf den Zinssatz f&uuml;r die betroffenen Staatsanleihen, da ein signifikanter Anteil der Interessenten f&uuml;r neu herausgegebene Anleihen wegfallen w&uuml;rde.<\/li>\n<\/ul><p>Diese Probleme lie&szlig;en sich auch ohne einen fragw&uuml;rdigen Drahtseilakt seitens der EZB l&ouml;sen, wenn man sich nur endlich dazu entschlie&szlig;en k&ouml;nnte, der EZB Prokura zu geben, auch selbst bei den Versteigerungen (siehe dazu: <a href=\"\/?p=11186\">Erg&auml;nzungen und Erkl&auml;rungen zum Artikel &raquo;Der &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; und das Kleingedruckte<\/a>&laquo; und Vorschl&auml;ge zur Beendigung der Eurokrise) aktiv mitbieten zu d&uuml;rfen oder die Staatsfinanzierung gleich direkt zu &uuml;bernehmen. Auch beim jetzigen Modell finanziert die EZB bereits die Staaten (siehe dazu: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/international\/:geldpolitik-heiner-flassbeck-direkte-staatshilfe-macht-s-billiger\/60149592.html#utm_source=rss2&amp;utm_medium=rss_feed&amp;utm_campaign=\/meinungshungrige\">Heiner Flassbeck &ndash; Direkte Staatshilfe macht&rsquo;s billiger<\/a>) &ndash; der einzige Unterschied ist, dass sie dabei dem Bankensektor dazu verhilft, ohne nennenswerte Eigenleistung Zinsgewinne in Milliardenh&ouml;he einzustreichen und die angeschlagenen Staaten weiterhin der Willk&uuml;r der Finanzm&auml;rkte aussetzt. All dies w&auml;re vermeidbar, h&auml;tte die deutsche Regierung, die jede produktive Diskussion &uuml;ber dieses Thema bereits im Keim erstickt, den Schneid, ihre ideologische Borniertheit zum Wohl der europ&auml;ischen (und somit auch der deutschen) Bev&ouml;lkerung hintanzustellen. Niemand anders als die deutsche Regierung ist daf&uuml;r verantwortlich, dass die Eurokrise weiter w&uuml;tet. Es ist alles andere als absurd, die deutsche Linie als vors&auml;tzliche Schock-Strategie <a href=\"\/?p=11639#h01\">zu werten<\/a>, die Europa einen neoliberalen Kurs aufzwingen soll.<\/p><p>Wie Sie sehen, bietet die Thematik zahlreiche Facetten, anhand derer man f&uuml;r seine Leser einen interessanten Artikel schreiben k&ouml;nnte. Das dachte man sich wohl auch im Springer-Verlag und lie&szlig; gleich vier WELT-Autoren einen Artikel schreiben, der jedoch f&uuml;r sich genommen ein einziges Fiasko darstellt. Bereits die &Uuml;berschrift &bdquo;Krisenstaaten b&uuml;rden EZB neue Milliardenrisiken&ldquo; auf, ist komplett abstrus, sind es doch nicht die Staaten, sondern die Banken, die das &uuml;beraus gro&szlig;z&uuml;gige Angebot der EZB nur all zu gerne als rettenden Strohhalm annehmen. Dies w&auml;re (s.o.) jedoch noch nicht einmal n&ouml;tig, w&uuml;rde Deutschland nicht s&auml;mtliche konstruktiven Auswege aus der Eurokrise blockieren.<\/p><p>Weiter im Text: <\/p><blockquote><p><em>Die EZB-Risiken sind sehr viel h&ouml;her als bislang bekannt. Vor allem Italien bedient sich mit staatlich garantierten Bankanleihen bei der Notenbank.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Nicht &bdquo;Italien&ldquo;, sondern italienische Banken nutzen das Angebot der EZB. Diese &bdquo;Erkenntnis&ldquo; ist &uuml;brigens nicht wirklich neu. Bereits am 21.12.2011 berichtete die <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/finanzen\/maerkte\/anleihen-devisen\/:schuldenkrise-italien-druckt-geld-fuer-seine-banken\/60145709.html\">Financial Times Deutschland im Detail<\/a> &uuml;ber diesen Vorgang und erg&auml;nzte dies am 9.1.2012 durch einen <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/finanzen\/maerkte\/anleihen-devisen\/:schuldenkrise-italienische-banken-haengen-am-tropf-der-ezb\/60151984.html\">Folgeartikel<\/a>. Davon, dass die Risiken &bdquo;sehr viel h&ouml;her als bislang bekannt&ldquo; seien, kann also wirklich nicht die Rede sein.<\/p><blockquote><p><em>Mario Draghi antwortete in ruhigem Ton, aber die Ansage war deutlich: &bdquo;Warum sollte die Europ&auml;ische Zentralbank den Retter f&uuml;r die Euro-Krisenstaaten spielen? Wie kommen Sie auf so eine Frage?&ldquo;, wies der EZB-Pr&auml;sident in seiner ersten Pressekonferenz einen Journalisten zurecht. Der Italiener gibt zu Beginn seiner Amtszeit den Stabilit&auml;tspolitiker. Hemmungslose Aufk&auml;ufe von Staatsanleihen? W&uuml;rde die Glaubw&uuml;rdigkeit ruinieren. Die Geldflut? Hat die Notenbank unter Kontrolle. Das ist die Linie f&uuml;r die offiziellen Auftritte.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Fragt sich, von was f&uuml;r einer &bdquo;Geldflut&ldquo; die WELT da schreibt. Die Geldmenge M3 d&uuml;mpelt seit Beginn der Eurokrise <a href=\"https:\/\/stats.ecb.europa.eu\/stats\/download\/bsi_tab02_03\/bsi_tab02_03\/bsi_tab02_03.pdf\">vor sich hin [PDF &ndash; 27,9 KB]<\/a> und auch die anderen Geldmengenaggregate sind seit Monaten im Keller. Man sollte sich hier auch die Frage stellen, warum Staatsanleihenk&auml;ufe die &bdquo;Glaubw&uuml;rdigkeit&ldquo; der EZB &bdquo;ruinieren&ldquo; sollen &ndash; selbst dann, wenn sie &bdquo;hemmungslos&ldquo; sind, wobei man sich doch ernsthaft fragen muss, was dieses negativ wertende Attribut in einem vermeintlich sachlichen Artikel &uuml;berhaupt zu suchen hat.<\/p><blockquote><p><em>Offiziell hat sie Staatsanleihen in einem Volumen von 212 Milliarden Euro aufgekauft und so den Staatshaushalt von Schuldenl&auml;ndern wie Griechenland oder Italien mitfinanziert.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das ist falsch. Die EZB hat die genannten Papiere ausnahmslos auf dem Sekund&auml;rmarkt (siehe dazu: <a href=\"\/?p=11186\">Erg&auml;nzungen und Erkl&auml;rungen zum Artikel &raquo;Der &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; und das Kleingedruckte&laquo;<\/a>) gekauft, da ihr jegliche Intervention am Prim&auml;rmarkt verboten ist. Wer auf dem Sekund&auml;rmarkt Anleihen erwirbt, kauft sie jedoch nicht dem Staat, sondern den Banken ab. Die EZB hat also den Banken Staatsschulden im Wert von 212 Milliarden Euro abgekauft. Das hat mit einer &bdquo;Finanzierung der Schuldenl&auml;nder&ldquo; jedoch nichts zu tun. Auch das ist nicht neu, die NachDenkSeiten haben bereits im Mai letzten Jahres diese Praxis anhand am Beispiel Griechenland <a href=\"\/?p=9483\">kritisiert<\/a> &ndash; nicht, weil die EZB Staatsanleihen kauft, sondern weil auf diese Art und Weise die privaten Gl&auml;ubiger aus der Verantwortung entlassen werden.<\/p><blockquote><p><em>Doch faktisch hat die Zentralbank den Krisenstaaten nach Recherchen der &bdquo;Welt am Sonntag&ldquo; viel mehr Geld zugeleitet &ndash; und zwar &uuml;ber die Finanzierung der dortigen Banken. Die haben sich rund 209 Milliarden Euro mittels Anleihen geliehen, die mit nichts anderem besichert sind als einer Garantie ihrer wackeligen Heimatl&auml;nder. Davon k&ouml;nnten Papiere im Gegenwert von mehr als 100 Milliarden Euro bei der EZB liegen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hier kommt die WELT dem Kern des Problems schon sehr nah, scheitert aber doch auf der Zielgeraden und sieht den Wald vor lauter B&auml;umen nicht. Da s&auml;mtliche Banken die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen mit Krediten der EZB voll finanziert haben, haftet die EZB nach dieser Logik f&uuml;r alle Staatsanleihen. Eben dies ist ja in den letzten drei Jahren ganz offensichtlich geworden, da das Finanzsystem untereinander derart verflochten ist, dass s&auml;mtliche Staaten f&uuml;r ihre &bdquo;systemrelevanten&ldquo; Banken direkt oder indirekt b&uuml;rgen. Auch s&auml;mtliche Staatsanleihen, die der Branchenprimus Deutsche Bank h&auml;lt, wurden mit Geld finanziert, das die Deutschbanker sich von der EZB geliehen haben. Da auch die Deutsche Bank gar keinen ausreichenden Risikopuffer <a href=\"\/?p=11371#h01\">besitzt<\/a>, tr&auml;gt sie de facto auch nicht das Risiko f&uuml;r den m&ouml;glichen Ausfall dieser Anleihen. Das tr&auml;gt der deutsche Staat und als &bdquo;lender of last resort&ldquo; (Kreditgeber der letzten Zuflucht) die Europ&auml;ische Zentralbank, bei der diese Staatsanleihen als Sicherheit hinterlegt wurden. Bei der EZB liegen somit nicht nur Staatsanleihen &bdquo;im Gegenwert von mehreren 100 Milliarden Euro&ldquo;, sondern im Gegenwert von mehreren Billionen Euro.<\/p><blockquote><p><em>Sollte eines der Krisenl&auml;nder pleitegehen, st&uuml;nde f&uuml;r das Euro-System dadurch wesentlich mehr Geld auf dem Spiel, als es das Volumen der Staatsanleihenk&auml;ufe suggeriert &ndash; gerade f&uuml;r Deutschland als gr&ouml;&szlig;ten Kapitalgeber der EZB. <\/em><\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Sollte eines der Krisenl&auml;nder pleitegehen&ldquo;, st&uuml;nde vor allem das dortige Bankensystem vor dem Kollaps &ndash; egal, welche Sicherheiten es bei der EZB hinterlegt hat. Die EZB &bdquo;geh&ouml;rt&ldquo; nicht den Staaten, sondern den nationalen Zentralbanken. Den deutschen Anteil h&auml;lt die Bundesbank. Deutschland ist auch kein &bdquo;Kapitalgeber&ldquo; der EZB &ndash; was die WELT hier schreibt, ist absurd. Weder die Bundesbank noch die EZB sind Institute, f&uuml;r die das Kreditwesengesetz Geltung hat. Beide haben kein &bdquo;Stammkapital&ldquo; &ndash; beide k&ouml;nnen rein theoretisch so viele Schulden ansammeln wie sie wollen, ohne dass der Staat Kapital nachschie&szlig;en muss. F&uuml;r Zentralbanken gilt weder die Anstaltslast noch die Gew&auml;hrtr&auml;gerhaftung. Oder um es einfacher zu sagen: Der Steuerzahler muss nicht zwingend f&uuml;r Verluste oder Schulden der Zentralbanken aufkommen. Mehr noch: Die EZB k&ouml;nnte ohne weitere Probleme bei sich selbst einen Kredit aufnehmen, um die L&ouml;cher zu stopfen. Dass solch einfachen Zusammenh&auml;nge f&uuml;r die WELT ein Mysterium darstellen, ist eigentlich unbegreiflich. <\/p><blockquote><p><em>Bis zum Ausbruch der Krise akzeptierte die EZB nur solche Papiere als Pfand, die die Ratingagenturen als risikolos einstuften. <\/em><\/p><\/blockquote><p>Es gibt keine Papiere, die &bdquo;risikolos&ldquo; sind und weder die EZB noch irgendeine Ratingagentur kennen risikolose Papiere. Selbst das ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte AAA hei&szlig;t lediglich, dass die Agenturen das Ausfallrisiko dieser Papiere f&uuml;r &bdquo;sehr gering&ldquo; halten. Vor der Krise durften bei der EZB Staatsanleihen bis zur Ratingstufe A als Sicherheit hinterlegt werden. Die deutsche Definition der Stufe A lautet: &bdquo;Die Anlage ist sicher, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeintr&auml;chtigen&ldquo; &ndash; das ist schon etwas anderes als &bdquo;risikolos&ldquo;. <\/p><blockquote><p><em>Aber auch das reichte Banken in den vergangenen Jahren nicht, um sich mit normalen Mitteln zu finanzieren. Deshalb setzten europ&auml;ische Finanzminister kurz nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers 2008 in gro&szlig;em Stil auf ein Gegenmittel: die staatlich garantierte Bankanleihe. Dabei haftet die Regierung ganz offiziell f&uuml;r bestimmte Schulden einer Bank.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Und wer hat&acute;s erfunden? Als erste Banken nutzten die Hypo Real Estate und die <a href=\"http:\/\/www.dghyp.de\/fileadmin\/media\/dg_hyp_deutsch\/downloads\/broschueren_marktberichte\/marktberichte\/Pfandbriefmarkt_2009_04.06_Druck_klein.pdf\">Commerzbank diese M&ouml;glichkeit [PDF &ndash; 411 KB]<\/a>, sich trotz miserabler Bonit&auml;t mit Hilfe des Staates zu refinanzieren. <\/p><blockquote><p><em>Die Papiere waren eigentlich dazu gedacht, dass es kriselnde Banken leichter haben, sich bei privaten Gl&auml;ubigern Geld zu leihen. Nun werden die Papiere allerdings von den klammen Finanzh&auml;usern genutzt, sie bei der EZB als Sicherheit einzureichen, um sich so Geld zu besorgen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Genau dies war Sinn und Zweck des Gesetzes, da Banken wie die Hypo Real Estate oder die Commerzbank zu diesem Zeitpunkt von &bdquo;privaten Gl&auml;ubigern&ldquo; ohnehin keine Cent mehr bekommen h&auml;tten.<\/p><blockquote><p><em>Nach Recherchen der &bdquo;Welt am Sonntag&ldquo; haben Geldinstitute in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland staatsgarantierte Anleihen in einem Volumen von 208,7 Milliarden Euro aufgelegt. [&hellip;]Die Banken k&ouml;nnen folglich quasi selbst Geld drucken, indem sie Anleihen emittieren und sie bei der Zentralbank einreichen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Und in welchem Punkt unterscheidet sich dies von der normalen Praxis? Wenn die Deutsche Bank Bundesanleihen kauft, nimmt sie ebenfalls einen Kredit bei der EZB (zum Leitzins von 1%) auf und hinterlegt die Bundesanleihen nach dem Erwerb bei der EZB als Sicherheit f&uuml;r weitere Kredite. Auch die Deutsche Bank &bdquo;druckt sich quasi selbst Geld&ldquo;. Dies ist nicht neu und auch nicht der Krise geschuldet, sondern schlicht und einfach die Grundlage des g&auml;ngigen Staatsfinanzierungssystems und keine Besonderheit der &bdquo;Probleml&auml;nder&ldquo;. Eben aus diesem Grund sollte man sich auch dar&uuml;ber Gedanken machen, warum die EZB die Staaten nicht gleich selbst finanziert. <\/p><blockquote><p><em>Normalerweise verlangt die Notenbank gerade deshalb Sicherheiten, um diese im Fall eines Zahlungsausfalls einer Bank verwerten zu k&ouml;nnen. Dieser Mechanismus wird aber ad absurdum gef&uuml;hrt, wenn die Sicherheit nur in einer Garantie des Heimatlands besteht.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Warum sollte beispielsweise eine italienische Staatsgarantie &bdquo;diesen Mechanismus&ldquo; ad absurdum f&uuml;hren? Wenn italienische Staatsanleihen bei der EZB als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/gm\/gm_sicherheiten_zulassungskriterien.php\">notenbankf&auml;hige Sicherheiten<\/a>&ldquo; gef&uuml;hrt werden, sind nat&uuml;rlich auch Bankanleihen, die vom italienischen Staat zu 100% garantiert werden, notenbankf&auml;hig. Trotz Herabstufung besitzt das Land immer noch ein A-Rating, was in Finanzkreisen als &bdquo;Investment Grade&ldquo; bezeichnet wird. Die WELT geriert sich gerade so, als rangierten Italien und Spanien (AA-Rating) &auml;hnlich wie Griechenland auf Ramschniveau &ndash; das ist manipulativ. <\/p><blockquote><p><em>So haften f&uuml;r eine staatlich garantierte Anleihe zwar formal sowohl die Bank als auch der Staat &ndash; da aber etwa bei einer Pleite Griechenlands auch alle ma&szlig;geblichen Banken dort zusammenbr&auml;chen, ist diese doppelte Haftung nichts wert.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das gilt analog auch f&uuml;r deutsche Sicherheiten und nicht nur die Italiens und Spaniens. <\/p><blockquote><p><em>F&uuml;r die Krisenstaaten ist dieser Mechanismus wichtig, um das Finanzsystem liquide zu halten. So w&auml;re die klamme griechische Regierung unm&ouml;glich in der Lage, auch noch ihre angeschlagenen Banken mit fl&uuml;ssigen Mitteln zu versorgen. De facto k&ouml;nnen die Staaten den Mechanismus sogar f&uuml;r ihre Defizitfinanzierung ausnutzen: Die Banken legen Schuldverschreibungen auf und reichen sie als Sicherheit bei der Zentralbank ein. Im Gegenzug werden ihnen Euro gutgeschrieben, die sie dann wieder etwa in Staatsanleihen ihres Heimatlandes investieren k&ouml;nnen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Genau dies ist ja auch Sinn und Zweck der ganzen Aktion. F&uuml;r Griechenland spielt dies jedoch gar keine Rolle, da es sich ohnehin nicht mehr am Prim&auml;rmarkt mit frischem Kapital versorgen kann und die griechischen Banken somit gar keine neuen Anleihen erwerben k&ouml;nnen, selbst wenn sie dies wollten.<\/p><blockquote><p><em>Drucken die Krisenl&auml;nder faktisch l&auml;ngst ihr eigenes Zentralbankgeld? <\/em><\/p><\/blockquote><p>Nicht nur die &bdquo;Krisenl&auml;nder&ldquo; tun dies, sondern die gesamte Eurozone. Auch Deutschland garantiert die Schulden seiner &bdquo;systemrelevanten&ldquo; Banken, die regelm&auml;&szlig;ig mit EZB-Krediten deutsche Staatsanleihen kaufen. Man kann dies kritisieren, dann sollte man jedoch auch Ross und Reiter nennen und sich dar&uuml;ber Gedanken machen, ob das gesamte Staatsfinanzierungssystem &uuml;ber den Bankensektor nicht de facto eine unglaubliche Subventionierung des selbigen darstellt und abgeschafft werden sollte. Die WELT unterl&auml;sst es jedoch, die einzig logischen Schl&uuml;sse aus ihren Gedankenspielen zu ziehen und baut stattdessen einen Popanz auf, dessen einziger Sinn und Zweck darin besteht, s&uuml;deurop&auml;ische L&auml;nder daf&uuml;r zu kritisieren, dass sie ihren Banken genau die M&ouml;glichkeiten einr&auml;umen, die deutsche Banken ganz selbstverst&auml;ndlich genie&szlig;en. Es ist auff&auml;llig, dass konservative Zeitungen &ndash; wie der Teufel das Weihwasser &ndash; f&uuml;rchten, das Bankensystem auch nur oberfl&auml;chlich zu kritisieren. Stattdessen arbeitet man sich &ndash; ohne Sinn und Verstand &ndash; an s&uuml;deurop&auml;ischen Staaten ab, die ihr Bankensystem genauso p&auml;ppeln, wie es Deutschland auch tut.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/25b8bd5087994ad08777b34ce68e2f26\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass es gute Gr&uuml;nde gibt, das 500-Milliarden-Euro-Kreditpaket der EZB an Privatbanken zu kritisieren, hat nicht zuletzt Heiner Flassbeck in seinem <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/international\/:geldpolitik-heiner-flassbeck-direkte-staatshilfe-macht-s-billiger\/60149592.html#utm_source=rss2&amp;utm_medium=rss_feed&amp;utm_campaign=\/meinungshungrige\">j&uuml;ngsten Aufsatz<\/a> f&uuml;r die Financial Times Deutschland gezeigt. Kritisch wollte auch Springers konservatives Flaggschiff WELT sein. 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