{"id":118402,"date":"2024-07-20T13:00:43","date_gmt":"2024-07-20T11:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118402"},"modified":"2024-07-19T22:07:50","modified_gmt":"2024-07-19T20:07:50","slug":"venezuela-vor-den-wahlen-was-die-mainstream-medien-ueber-maria-corina-machado-verschweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118402","title":{"rendered":"Venezuela vor den Wahlen: Was die Mainstream-Medien \u00fcber Mar\u00eda Corina Machado verschweigen"},"content":{"rendered":"<p>Sie ist nicht das Geschenk des Himmels f&uuml;r die Opposition, als das sie von den Medien dargestellt wird. Bei all dem Hype um Mar&iacute;a Corina Machado als angeblich einzige wirkliche Hoffnung f&uuml;r Venezuela, 25 Jahre autokratischer Herrschaft zu &uuml;berwinden, verlieren die Mainstream-Medien mehrere Schl&uuml;sselfaktoren im Zusammenhang mit den f&uuml;r den 28. Juli angesetzten Pr&auml;sidentschaftswahlen aus den Augen. Von <strong>Steve Ellner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nErstens haben die USA eine zentrale Rolle zugunsten von Machados Kandidatur gespielt. Als klar war, dass sie ausgeschlossen ist, unterst&uuml;tzte Washington die Idee, dass sie das Recht habe zu entscheiden, wer die sogenannte vereinigte demokratische Opposition bei den Wahlen vertreten w&uuml;rde.<\/p><p>Zweitens war nie klar, auf welcher Grundlage Machado dieses Recht beanspruchte &ndash; vor allem angesichts der Tatsache, dass es Kandidaten gab, die ebenso gegen Maduro waren wie sie und die weitaus qualifizierter waren.<\/p><p>Und drittens ist Machados Aufstieg zur wichtigsten F&uuml;hrungsfigur der venezolanischen Opposition Teil eines weltweiten Trends, bei dem ultrarechte F&uuml;hrer und Bewegungen erheblichen Zulauf erhalten haben.<\/p><p>Machado ist nicht das Geschenk des Himmels f&uuml;r die Opposition, als das sie von den Medien und ihren engen Anh&auml;ngern dargestellt wird. Aber die Oppositionsf&uuml;hrer haben mehr Grund zur Hoffnung als in der Vergangenheit.<\/p><p>Anders als bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen 2018 und den darauffolgenden Wahlk&auml;mpfen haben sich alle Oppositionsparteien, ob gro&szlig; oder klein, f&uuml;r eine Wahlbeteiligung entschieden. Selbst die sch&auml;rfsten Gegner der Chavisten erkennen nun, dass die Wahlenthaltung ein verlorenes Spiel gewesen ist. Au&szlig;erdem stehen die vier wichtigsten Oppositionsparteien und ihr breiteres B&uuml;ndnis, die Einheitliche Plattform (PUD), geschlossen hinter Machado. Im Oktober letzten Jahres wurde sie bei deren Vorwahlen mit satten 92 Prozent der Stimmen zur Siegerin erkl&auml;rt.<\/p><p>Nach ihrem Ausschluss von der Kandidatur bestand Machado darauf, dass die Unterst&uuml;tzung der Bev&ouml;lkerung im eigenen Land und der internationale Druck die Regierung Maduro zum Einlenken zwingen w&uuml;rden. Kurz vor Ablauf der Frist f&uuml;r die Registrierung von Kandidaten im M&auml;rz dieses Jahres schaltete sie einen Gang zur&uuml;ck und w&auml;hlte einen Stellvertreter, der an ihrer Stelle kandidieren sollte. &Uuml;berraschend &uuml;berzeugte sie Edmundo Gonz&aacute;lez Urrutia, einen wenig bekannten ehemaligen Diplomaten ohne Charisma und zugegebenerma&szlig;en auch ohne den Wunsch, f&uuml;r ein Amt zu kandidieren, als Pr&auml;sidentschaftskandidaten der PUD. Als er die Kandidatur annahm, erkl&auml;rte Gonz&aacute;lez, er habe nicht die Absicht, durch das Land zu ziehen, und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/en\/international\/article\/2024\/04\/27\/in-venezuela-edmundo-gonzalez-urrutia-the-unknown-challenger-to-nicolas-maduro_6669685_4.html\">f&uuml;gte hinzu<\/a>:&nbsp;&bdquo;Maria Corina macht das sehr gut.&rdquo;<\/p><p>Gonz&aacute;lez hat bisher nur an einer von Machados zehn gro&szlig;en Wahlkampfveranstaltungen teilgenommen, die bisher stattfanden. &bdquo;Machado dominiert die B&uuml;hne&rdquo;,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2024\/06\/19\/venezuela-diez-errores-claves-de-maria-corina-machado-en-esta-campana\/\">schrieb<\/a>&nbsp;<em>Resumen Latinoamericano<\/em> und f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Sie hat sich selbst zur K&ouml;nigin der Plattform gemacht.&rdquo; &ndash; und damit alle anderen PUD-F&uuml;hrer in den Schatten gestellt.<\/p><p>Trotz der Einigkeit der Opposition (oder zumindest dem Anschein davon) sind zwei gro&szlig;e politische Str&ouml;mungen, die die Kandidatur von Gonz&aacute;lez unterst&uuml;tzen, in gewisser Weise gegens&auml;tzlich. F&uuml;r die Mitte-rechts-Parteien (angef&uuml;hrt von Acci&oacute;n Democr&aacute;tica (AD), Un Nuevo Tiempo und einigen F&uuml;hrern von Primero Justicia) ist der Sturz von Pr&auml;sident Nicol&aacute;s Maduro die einzige Priorit&auml;t. Dazu ist die Einheit der Opposition unerl&auml;sslich. In der Tat ist es fast egal, wer der gemeinsame Kandidat ist, denn die wichtigste Botschaft der Opposition ist, dass die Absetzung von Maduro ein sofortiges Ende der wirtschaftlichen N&ouml;te des Landes bedeuten wird.<\/p><p>Die Mitte-rechts-Strategie zur Erlangung der Macht unterscheidet sich in zwei Aspekten von derjenigen Machados und der Ultrarechten. Erstens hofft Mitte-rechts, die Einheit der Opposition zu gew&auml;hrleisten, indem sie ihre Botschaft auf den Sturz Maduros und nicht auf bestimmte politische Ma&szlig;nahmen konzentriert und so spaltende Positionen vermeidet. Und zweitens h&auml;tte ein weniger aggressiver Diskurs eine bessere Chance, die Chavistas davon zu &uuml;berzeugen, ein schlechtes Wahlergebnis zu akzeptieren.<\/p><p>Eduardo Fern&aacute;ndez, ein Pr&auml;sidentschaftskandidat von 1988, der 2024 f&uuml;r die PUD kandidieren wollte,&nbsp;<a href=\"https:\/\/english.elpais.com\/international\/2024-03-20\/from-manuel-rosales-to-eduardo-fernandez-how-the-search-for-an-alternative-candidate-to-maria-corina-machado-is-playing-out-in-venezuela.html\">rief<\/a>&nbsp;zur nationalen Einheit und &bdquo;Vers&ouml;hnung&rdquo; auf, um die Einheit der Opposition zu gew&auml;hrleisten und die Chavistas davon zu &uuml;berzeugen, die Macht ohne Angst vor Vergeltung abzugeben. Ein anderer Pr&auml;sidentschaftskandidat, Antonio Ecarri, der nicht der PUD angeh&ouml;rt, hat sich verpflichtet, Vladimir Padrino L&oacute;pez als Verteidigungsminister beizubehalten. Mit diesem Vorschlag sollen die Chavisten davon &uuml;berzeugt werden, dass keine Repressionen gegen sie zu erwarten sind, &auml;hnlich wie es Violeta Chamorro 1990 versuchte, als sie den Sandinisten Humberto Ortega zum Chef der Armee ernannte.<\/p><p>Ein weiteres Zeichen daf&uuml;r, dass er ein Ersatzmann ist: Gonz&aacute;lez erkl&auml;rte, sein Regierungsprogramm sei dasselbe wie das von Machado bei ihrer Bewerbung um die Pr&auml;sidentschaft vorgelegte. Im Programm seiner Kandidatur wird die Laissez-faire-Wirtschaft mit Nachdruck bef&uuml;rwortet. Seine Position zur Privatisierung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.eluniversal.com\/economia\/183582\/privatizacion-y-destruccion-total-de-pdvsa-el-plan-de-gobierno-de-maria-corina-machado-y-edmundo\">sagt alles<\/a>: &bdquo;Die Anziehungskraft des privaten Kapitals ist die L&ouml;sung, und die Privatisierung ist die Strategie, um dies zu erreichen.&rdquo;<\/p><p>Die Aussicht auf die Privatisierung des Erd&ouml;ls kann der AD und ihrem Ableger Un Nuevo Tiempo nicht gefallen, die sich auf die Verstaatlichung der Industrie im Jahr 1976 durch eine AD-Regierung berufen. Manuel Rosales von Un Nuevo Tiempo, der laut Bloomberg &bdquo;in seiner Ideologie tendenziell linker&rdquo; ist als Machado, hat seine Pr&auml;sidentschaftskandidatur mit Unterst&uuml;tzung der Partei Fuerza Vecinal gestartet, die sich ausdr&uuml;cklich gegen die &Ouml;lprivatisierung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?app=desktop&amp;v=0Si3sctL__Y&amp;embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fconfirmado.com.ve%2F&amp;feature=emb_imp_woyt\">ausspricht.<\/a>&nbsp;Machado-Anh&auml;nger kritisierten einen anderen Pr&auml;sidentschaftskandidaten, Henrique Capriles, f&uuml;r seine &Auml;u&szlig;erung, &bdquo;das &Ouml;l geh&ouml;re dem Volk&rdquo;.<\/p><p>Trotz aller Differenzen hat sich Machado in jedem Fall durchgesetzt. Seit sie Gonz&aacute;lez ausgew&auml;hlt hat, hat sie ihren Verb&uuml;ndeten die Anweisung erteilt, die vollst&auml;ndige Privatisierung des Gesundheits- und Bildungswesens sowie der staatlichen &Ouml;lgesellschaft PDVSA nicht mehr zu erw&auml;hnen.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus stellt Gonz&aacute;lez die M&ouml;glichkeit in Aussicht, eine &bdquo;&Uuml;bergangsjustiz&rdquo; einzuf&uuml;hren, was Nachsicht gegen&uuml;ber f&uuml;hrenden Chavisten impliziert.<\/p><p>Machado ist jedoch zu sehr mit radikalen Positionen der Rechten identifiziert, als dass man die neue Linie f&uuml;r mehr als eine pragmatische Wahlkampftaktik halten k&ouml;nnte. Au&szlig;erdem fehlt es Gonz&aacute;lez an politischem Kapital, um sich dem Willen Machados zu widersetzen, selbst wenn er die Absicht hat, dies zu tun.<\/p><p>Carlos Ron, stellvertretender venezolanischer Minister f&uuml;r Nordamerika, sagte mir: &bdquo;Machado kann niemanden t&auml;uschen, wenn sie nicht mehr von Massenprivatisierung spricht. W&auml;hrend ihrer gesamten politischen Laufbahn war dies ihr wichtigstes Banner.&rdquo;<\/p><p><strong>Washington: Machados treuer Verb&uuml;ndeter<\/strong><\/p><p>Unter den F&uuml;hrungsfiguren der venezolanischen Opposition ist Machado Washingtons eindeutiger Favorit. Die Regierung von Joe Biden unterst&uuml;tzt sie, obwohl sie am Vorabend der US-Pr&auml;sidentschaftswahlen 2020 ihre Sympathie f&uuml;r Donald Trump bekundet hat. Aus ideologischer Sicht hat Biden sicherlich mehr Gemeinsamkeiten mit PUD-F&uuml;hrern wie Rosales und Capriles als mit Machado.<\/p><p>Washingtons eindeutige Vorliebe f&uuml;r Machado wurde besonders deutlich zwischen dem 26. Januar, als der Oberste Gerichtshof endg&uuml;ltig entschied, dass sie nicht f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt kandidieren kann, und dem 19. April, als Gonz&aacute;lez zum Kandidaten der Opposition wurde. In dieser Zeit fragte ein Journalist Francisco Palmieri, den Leiter der US-Mission f&uuml;r Venezuela in Bogot&aacute;, ob &bdquo;irgendein Kandidat der Opposition die Regierung Biden zufriedenstellen w&uuml;rde&rdquo;. Palmieri&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cFSaFieXjes\">kam<\/a>&nbsp;direkt zur Sache: &bdquo;Wir haben Mar&iacute;a Corina Machado als Kandidatin der demokratischen Opposition unterst&uuml;tzt und werden sie weiterhin unterst&uuml;tzen.&rdquo;<\/p><p>Mit dieser Haltung verwarfen die USA andere Optionen, um Maduro zu st&uuml;rzen. F&uuml;r Manuel Rosales zum Beispiel sprach vieles. Er war nicht nur zum B&uuml;rgermeister von Maracaibo und anschlie&szlig;end dreimal zum Gouverneur des bev&ouml;lkerungsreichen Bundesstaates Zulia gew&auml;hlt worden, sondern seine Pr&auml;sidentschaftskandidatur wurde auch von der Fuerza Vecinal, einer neuen Partei mit guten Wahlergebnissen, bef&uuml;rwortet.<\/p><p>Palmieri begr&uuml;ndete die Unterst&uuml;tzung der USA f&uuml;r Machado damit, dass sie die Vorwahlen der Opposition gewonnen habe. Au&szlig;erdem gibt es neun Kandidaten, die bei den Wahlen am 28. Juli gegen Maduro antreten. Die Hardliner-Opposition beschuldigt einige von ihnen der &bdquo;Kollaboration&rdquo; mit Maduro und bezeichnet sie als &bdquo;alacranes&rdquo; (Skorpione).<\/p><p>Die Tatsache, dass die Regierung Biden es vers&auml;umt hat, eine neutrale Position zu den internen Spaltungen der Opposition einzunehmen, wirft eine Reihe von Fragen und Problemen auf. Vor allem angesichts der Attraktivit&auml;t anderer Pr&auml;sidentschaftskandidaten ist die bedingungslose Unterst&uuml;tzung Washingtons f&uuml;r Machado nicht nur eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas, sondern auch in die inneren Angelegenheiten der venezolanischen Opposition. Claudio Ferm&iacute;n, der 1993 auf dem Ticket der AD f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt kandidiert hatte und einer der zehn Pr&auml;sidentschaftskandidaten f&uuml;r 2024 ist,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/C6tG59Ju9RY\/\">sagte<\/a>: &bdquo;Ich habe noch nie ein solches Ausma&szlig; an externer Einmischung in einen venezolanischen Wahlkampf gesehen&rdquo;, und f&uuml;gte hinzu, dass das von einigen &bdquo;&uuml;berschw&auml;ngliche Zustimmung&rdquo; erhalten habe.<\/p><p>Washingtons unersch&uuml;tterliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Machado k&ouml;nnte mit ihrer extremen Variante des Neoliberalismus zusammenh&auml;ngen, die die Privatisierung der &Ouml;lindustrie beinhaltet. Machados harte Linie gegen&uuml;ber den Chavisten k&ouml;nnte auch nach dem Geschmack der USA sein. W&auml;hrend der Trump-Administration forderte Machado Washington sogar auf, die Bem&uuml;hungen um einen Dialog mit Maduro abzubrechen, und&nbsp;<a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2017\/01\/12\/venezuelas-meltdown-could-be-trumps-first-nightmare-too\/\">nannte<\/a>&nbsp;ein solches Unterfangen einen &bdquo;Betrug&rdquo;. In Anlehnung an die Vorw&uuml;rfe aus Washington lehnte sie &bdquo;Straffreiheit&rdquo; f&uuml;r Chavisten ab, die sie als &bdquo;Kriminelle und Mafiosi&rdquo;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/watch\/?v=763704757362732\">bezeichnete<\/a>, &bdquo;die Geld aus dem Drogenhandel und dem Essen der Venezolaner verwenden&rdquo;.<\/p><p>Diese harte Linie steht der These des Meinungsforschers der Opposition, Luis Vicente Le&oacute;n, entgegen, dass Verhandlungen zwischen der Opposition und der Regierung Maduro notwendig und sogar unvermeidlich sind, unabh&auml;ngig davon, wer am 28. Juli gewinnt. Le&oacute;ns Position ist besonders &uuml;berzeugend, wenn man bedenkt, dass die neue Amtszeit des Pr&auml;sidenten erst sechs Monate nach den Wahlen am 28. Juli beginnt.<\/p><p>Ihre konfliktive und konfrontative Herangehensweise ist aber eher darauf aus, einen radikalen Bruch mit der chavistischen Vergangenheit und die Durchsetzung des radikalen Neoliberalismus, f&uuml;r den sie steht, zu erreichen.<\/p><p><strong>Die Mainstream-Medien: Machados anderer treuer Verb&uuml;ndeter<\/strong><\/p><p>Die Mainstream-Medien haben minuti&ouml;s &uuml;ber jeden einzelnen von Machados Vorw&uuml;rfen gegen die Maduro-Regierung berichtet, die demokratischen Normen im Zusammenhang mit dem Wahlprozess zu verletzen. &Uuml;ber den weitreichendsten Versto&szlig; gegen das Demokratieprinzip wird jedoch &uuml;berhaupt nicht berichtet, n&auml;mlich die verheerenden US-Sanktionen, die viele Venezolaner dahingehend beeinflussen werden, f&uuml;r die Opposition zu stimmen &ndash; als einzigem Weg, die Beziehungen zu Washington zu normalisieren. So wurde etwa &uuml;ber die Stellungnahme des kolumbianischen Ex-Pr&auml;sidenten Ernesto Samper in den Mainstream-Medien nicht berichtet, dass die Sanktionen eine Form des &bdquo;monet&auml;ren Kolonialismus&rdquo; und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas und anderer L&auml;nder darstellen.<\/p><p>Die Mainstream-Medien dienten als Echoraum f&uuml;r Machados Behauptungen, selbst f&uuml;r solche, die manche f&uuml;r dubios halten. Ihre Behauptung, sie genie&szlig;e eine &uuml;berw&auml;ltigende und bedingungslose Unterst&uuml;tzung im In- und Ausland, untermauert zwei ihrer zentralen Argumente: erstens, dass sie das Recht hatte, den Kandidaten der Opposition zu w&auml;hlen, und zweitens, dass dieses Mal, anders als in den vergangenen Jahren, die Wahlenthaltung unn&ouml;tig sei. Aber sind ihre Behauptungen glaubw&uuml;rdig? Die Tatsachen lassen daran zweifeln.<\/p><p>So gehen die Mainstream-Medien beispielsweise davon aus, dass die verk&uuml;ndeten Ergebnisse der Vorwahlen der Opposition vom vergangenen Oktober, bei denen Machado 92 Prozent der Stimmen erhielt, korrekt sind.<\/p><p>Machado hatte ein Veto gegen die Beteiligung des Nationalen Wahlrats (CNE) an dem Prozess eingelegt. Henrique Capriles und andere F&uuml;hrer der rechten Mitte hatten die Beteiligung mit der Begr&uuml;ndung bef&uuml;rwortet, sie verspreche eine gr&ouml;&szlig;ere logistische Unterst&uuml;tzung, einschlie&szlig;lich 5.000 Wahlzentren. Stattdessen wurden die Vorwahlen von der Nichtregierungsorganisation S&uacute;mate &bdquo;&uuml;berwacht&rdquo;. Diese hatte Machado selbst gegr&uuml;ndet und war deren Vizepr&auml;sidentin. S&uacute;mate &ouml;ffnete nur etwas mehr als die H&auml;lfte der Wahllokale, einige davon in den Wohnungen von B&uuml;rgern.<\/p><p>In der Vergangenheit war angeprangert worden, dass S&uacute;mate von der ber&uuml;chtigten US-amerikanischen National Endowment for Democracy (NED) finanziert wurde. Der verstorbene Oppositionsf&uuml;hrer Teodoro Petkoff hatte S&uacute;mate als autorit&auml;r bezeichnet. Er weigerte sich, an den Pr&auml;sidentschaftsvorwahlen der Opposition im Jahr 2006 teilzunehmen, die S&uacute;mate &uuml;berwachen sollte, mit der Begr&uuml;ndung, die Organisation sei nicht zuverl&auml;ssig.<\/p><p>Der zweitplatzierte Kandidat f&uuml;r die Vorwahlen im Oktober 2023, Carlos Prosperi von AD, stellte die Richtigkeit der offiziellen Ausz&auml;hlung in Frage. Sein Vorwurf wurde durch die Tatsache verst&auml;rkt, dass S&uacute;mate keine Pr&uuml;fung der Vorwahlen vornahm und die Stimmzettel sofort verbrannte.<\/p><p>Luis Vicente Le&oacute;n stellt auch ihre Behauptung in Frage, dass sie 80 Prozent Unterst&uuml;tzung der W&auml;hlerschaft genie&szlig;e. Er&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@venezuelanews\/video\/7377405074135371014\">f&uuml;gt hinzu<\/a>, dass die Kundgebungen von Capriles f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahlen 2012 &bdquo;absolut und eindeutig gr&ouml;&szlig;er waren als alle Mobilisierungen von Machado&rdquo;. Le&oacute;n argumentierte auch, dass es zu viele Variablen gebe, um vorherzusagen, dass Machado am 28. Juli gewinnen werde. Er hat auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5ymNzTCjIDw\">vorgebracht<\/a>, dass Maduro die Wahlen ohne Betrug, aber durch das, was er als &bdquo;Wahlmanipulation&rdquo; bezeichnet, gewinnen k&ouml;nnte. Als Beispiel verweist Le&oacute;n auf die M&ouml;glichkeit extrem langer Schlangen vor den Wahllokalen in Gebieten der Mittelklasse, die Hochburgen der Opposition sind.<\/p><p><strong>Machado und der Aufstieg der internationalen Ultrarechten<\/strong><\/p><p>Im Jahr 2012 erhielt Machado bei den Vorwahlen der Opposition weniger als vier Prozent der Stimmen. Ihr Aufstieg zur &bdquo;wichtigsten Oppositionsf&uuml;hrerin&rdquo; ist ein Zeichen der Zeit und st&auml;rkt die Bem&uuml;hungen, eine &bdquo;entstehende reaktion&auml;re Internationale&rdquo; zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/jacobin\/status\/1794862326556021164\">schaffen<\/a>, oder was Steven Forti in der diesj&auml;hrigen Fr&uuml;hjahrsausgabe von Nacla als &bdquo;eine gro&szlig;e globale Familie&rdquo; der &auml;u&szlig;ersten Rechten bezeichnete.<\/p><p>Die meisten der wichtigsten Merkmale von Machados Diskurs und Positionen stimmen mit denen reaktion&auml;rer F&uuml;hrer und Bewegungen &uuml;berein, die im Lateinamerika des 21. Jahrhunderts hochkamen. Ihr Bekenntnis zum Laissez-faire-Kapitalismus einschlie&szlig;lich der Deregulierung zur &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.elcato.org\/maria-corina-machado-una-bocanada-de-aire-fresco-para-venezuela%E2%80%9E&gt;Stimulierung&lt;\/a&gt;%C2%A0der%20Privatinitiative%E2%80%9D%20weist%20in%20die%20Richtung%20des%20Neoliberalismus%20im%20Stil%20der%20%E2%80%9ESchocktherapie%E2%80%9D.&lt;\/p&gt;%0A&lt;p&gt;Dieses%20Muster%20manifestiert%20sich%20in%20Javier%20Mileis%20Bestreben,%20%E2%80%9Eden%20Staat%20von%20innen%20heraus%20zu%C2%A0&lt;a%20href=\" https:>zerst&ouml;ren<\/a>&ldquo;, und in seiner damit einhergehenden Schocktherapiepolitik sowie in der Verteidigung von Pinochets &bdquo;wirtschaftlichem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2021\/dec\/16\/chile-far-right-candidate-jose-antonio-kast-win-presidency\">Erbe<\/a>&rdquo; durch Chiles rechten F&uuml;hrer Jos&eacute; Antonio Kast.<\/p><p>Machados Positionen zu den internationalen Beziehungen decken sich auch mit denen der Ultrarechten in anderen Teilen der Region. Machado macht keinen Hehl daraus, dass sie f&uuml;r die USA ist und deren Gegnern, darunter Russland, China und Iran, feindselig gegen&uuml;bersteht. In diesem Sinne&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.clarin.com\/mundo\/maria-corina-machado-socialismo-culpable-degradacion-destruccion-venezuela-_0_qMMUcSUod8.html\">sagt<\/a>&nbsp;sie auch voraus, dass &bdquo;wenn wir in Venezuela das erreichen, was wir vorhaben, dies der entscheidende Schlag gegen Regime wie Nicaragua und Kuba sein wird&rdquo;.<\/p><p>Eines der hervorstechenden Merkmale der Ultrarechten ist ihr Hass auf die Linke, den Machados Rhetorik reproduziert. So greift sie das Forum von S&atilde;o Paulo an und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.clarin.com\/mundo\/maria-corina-machado-socialismo-culpable-degradacion-destruccion-venezuela-_0_qMMUcSUod8.html\">beschuldigt<\/a>&nbsp;es indirekt, &bdquo;kriminelle Dynamiken zu unterst&uuml;tzen, die von obsz&ouml;ner und grausamer Korruption bis zur Finanzierung des Drogenhandels &hellip; [und] terroristischer Gruppen reichen&rdquo;.<\/p><p>Im Gegensatz zu den Ultrarechten in anderen L&auml;ndern vertritt sie jedoch gem&auml;&szlig;igte Positionen in sozialen Fragen wie der Ehe f&uuml;r alle, die sie akzeptiert, und der Abtreibung&nbsp;&#8210; was ihr zugutekommt.<\/p><p>Machado ist eine Internationalistin. Sie vertritt nicht nur reaktion&auml;re Positionen, sondern unterst&uuml;tzt rechte Kr&auml;fte in Europa,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.eluniversal.com\/politica\/182834\/revelan-documento-donde-maria-corina-machado-pidio-a-netanyahu-intervencion-militar-a-venezuela\">Israel<\/a>&nbsp;und Lateinamerika offen und hat Beziehungen zu ihnen aufgebaut.<\/p><p>Wie die Ultrarechte in anderen L&auml;ndern ergreift auch Machado bei Wahlen Partei f&uuml;r ihre ideologischen Gegenspieler in anderen L&auml;ndern. Sie hoffte auf die &bdquo;endg&uuml;ltige Niederlage des Kirchnerismus&rdquo; bei den Wahlen 2023 in Argentinien und bezeichnete Milei gleichzeitig als &bdquo;superklar, mutig und voller Energie&rdquo;.<\/p><p>Sie unterh&auml;lt Beziehungen zur rechten Volkspartei Spaniens, betont aber auch ihre besondere Beziehung zur ultrarechten Vox, die laut&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/jacobin\/status\/1794862326556021164\">Jacobin<\/a>&nbsp;eine &bdquo;zentrale Rolle in einer entstehenden reaktion&auml;ren Internationale&rdquo; spielt und deren Chef Santiago Abascal sie ihren &bdquo;Freund&rdquo;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/spa\/antichavista-machado-mantiene-contacto-con-felipe-gonz%C3%A1lez-rajoy-y-miembros-de-vox-y-pp\/48965904\">nannte<\/a>.<\/p><p>Die Unterst&uuml;tzung, die Machado von ihren rechtsgerichteten Verb&uuml;ndeten in der Welt erh&auml;lt, ist nachdr&uuml;cklicher und deutlicher ausgedr&uuml;ckt als die von Zentristen. So erkl&auml;rte beispielsweise der rechte Ex-Pr&auml;sident Kolumbiens, Iv&aacute;n Duque, in einem Videogespr&auml;ch mit Machado, dass die venezolanische Opposition als &bdquo;der Widerstand&rdquo;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_4af1cKgLE4\">bezeichnet<\/a>&nbsp;werden sollte. Er behauptete, wie Machado es seinerzeit nachdr&uuml;cklich tat, dass Ch&aacute;vez das Abwahlreferendum von 2004 tats&auml;chlich verloren habe, obwohl er mit 59 Prozent der Stimmen zum Sieger erkl&auml;rt wurde.<\/p><p>Machado verk&ouml;rpert wie Milei und der brasilianische Jair Bolsonaro Merkmale des Populismus: Sie ist eine charismatische, polarisierende Figur mit einem manich&auml;ischen Diskurs, und sie wird nicht von einer starken politischen Partei unterst&uuml;tzt.<\/p><p>In vielen L&auml;ndern haben die Mitte-rechts-Parteien (die Partido Popular in Spanien und die F&uuml;hrer der Republikanischen Partei in den USA) mit der Ultrarechten paktiert oder die von ihr auferlegten Bedingungen akzeptiert. In anderen L&auml;ndern sind die traditionellen Parteien der Mitte nur noch ein Schatten ihrer selbst und wurden von der Ultrarechten verdr&auml;ngt (Kolumbien, Argentinien).<\/p><p>Die politische Polarisierung, die sich hinter diesen Tendenzen verbirgt, ist genau das, was in Venezuela stattfindet. Dort haben die W&auml;hler am 28. Juli die Wahl zwischen einem ultrarechten Kandidaten und Nicol&aacute;s Maduro, der auf der linken Seite des politischen Spektrums angesiedelt ist.<\/p><p>Unabh&auml;ngig vom Wahlausgang werden sich die Mitte-rechts-F&uuml;hrer der PUD nicht so leicht von den blauen Flecken erholen, die sie von Mar&iacute;a Corina Machado bekommen haben.<\/p><p><em>&Uuml;ber den Autor: Steve Ellner lehrt seit 1977 an der Universidad de Oriente in Venezuela Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft und ist Autor vieler B&uuml;cher &uuml;ber die venezolanische Politik.<\/em><\/p><p>&Uuml;bersetzung: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/270448\/venezuela-mainstreammedien-machado\">Vilma Guzm&aacute;n, Amerika21<\/a>.<\/p><p><small>Titelbild: &nbsp;Mar&iacute;a Corina Machado, die Hauptkandidatin der venezolanischen Oppositionen f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahlen am 28. Juli 2024 &ndash; Quelle: Shutterstock \/ Humberto Matheus<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115645\">Venezuela vor den Wahlen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111853\">Venezuelas Opposition und die Pr&auml;sidentschaftswahlen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110839\">Venezuela: Sanktionen, Einflussnahme und Souver&auml;nit&auml;t<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110462\">US-Regierung versch&auml;rft Sanktionspolitik gegen Venezuela und mischt sich in den Wahlkampf ein<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/a1e771bce7954b4ea53e8a32e4c011e9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist nicht das Geschenk des Himmels f&uuml;r die Opposition, als das sie von den Medien dargestellt wird. 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