{"id":118412,"date":"2024-07-19T13:00:50","date_gmt":"2024-07-19T11:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118412"},"modified":"2026-01-27T11:45:18","modified_gmt":"2026-01-27T10:45:18","slug":"zuendeln-mit-dem-spiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118412","title":{"rendered":"Z\u00fcndeln mit dem SPIEGEL"},"content":{"rendered":"<p>Wenige Tage nach dem Mordversuch an Trump hei&szlig;t es: &bdquo;Ein durch und durch schlechter Mensch&ldquo;, ein &bdquo;Diktator&ldquo;. Die Spezialisten im Anprangern von Hetze hetzen immer wieder selbst. Das ist seit langem zu beobachten. Auf <em>Spiegel Online<\/em> ist folgende &Uuml;berschrift zu lesen: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/donald-trump-und-der-parteitag-der-republikaner-ein-durch-und-durch-furchtbarer-mensch-a-72b8ceb7-bc64-4c10-bbd3-d9c55cb498c7\"><em>Trump-Gegner bei den Republikanern: &sbquo;Ein durch und durch furchtbarer Mensch<\/em><\/a>. Wie nennt man solch eine Schlagzeile, nachdem der Mensch, um den es hier geht, gerade ein Attentat &uuml;berlebt hat? Ist das journalistisch tragbar? Ja, das ist es &ndash; wenn man den journalistischen Anstand mit dem Schauml&ouml;ffel gefressen hat. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1074\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-118412-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240719_Zuendeln_mit_dem_SPIEGEL_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240719_Zuendeln_mit_dem_SPIEGEL_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240719_Zuendeln_mit_dem_SPIEGEL_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240719_Zuendeln_mit_dem_SPIEGEL_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=118412-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240719_Zuendeln_mit_dem_SPIEGEL_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240719_Zuendeln_mit_dem_SPIEGEL_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Donald Trump hat gute Chancen, erneut zum Pr&auml;sidenten der USA gew&auml;hlt zu werden. Aufgrund der Tragweite, die seine Funktion mit sich bringt, d&uuml;rfen Journalisten auch &uuml;ber Trump als Mensch berichten. Doch da geht es schon los. Der Begriff &bdquo;berichten&ldquo; im Zusammenhang mit Trump ist im Hinblick auf den Journalismus in Deutschland ohnehin h&auml;ufig nur noch in einem grotesk pervertierten Sinn zu verstehen. Davon abgesehen, wenn Journalisten &uuml;ber den Menschen hinter einer Funktion berichten, gilt: auf das rechte Ma&szlig; achten.<\/p><p>Vor wenigen Tagen wurde auf Trump ein Attentat ver&uuml;bt. Im wahrsten Sinne des Wortes ist der 78-J&auml;hrige dem Mordversuch um ein Haar entgangen. Die Bilder sind noch pr&auml;sent. Ein Teil des Ohrs weggeschossen, Blut im Gesicht, ein Secret Service, der mehr schlecht als recht agiert, eine geschockte &Ouml;ffentlichkeit. Trump meldet sich nach dem Anschlag mit einer Rede zu Wort, die von Beobachtern als vers&ouml;hnlich beschrieben wird.<\/p><p>Und nun, Auftritt <em>Der Spiegel<\/em>. Am Donnerstag &bdquo;berichtete&ldquo; das Magazin &uuml;ber den Parteitag der Republikaner. Ein Beitrag tr&auml;gt die &Uuml;berschrift: <em>Trump-Gegner bei den Republikanern: Ein durch und durch furchtbarer Mensch. <\/em>In der Unterzeile hei&szlig;t es: <em>Kritische Stimmen gegen Donald Trump? Gibt es beim Parteitag der Republikaner nicht, sagt SPIEGEL-Korrespondent Ren&eacute; Pfister. Aber auf einer Nebenveranstaltung &auml;u&szlig;ern republikanische Trump-Gegner ihren Frust.<\/em><\/p><p>Dass der Parteitag der Republikaner unmittelbar nach dem Attentat stattfindet, daf&uuml;r kann der <em>Spiegel<\/em> nichts. Welchen Blickwinkel die Redaktion veranschlagt, daf&uuml;r kann sie aber sehr wohl etwas.<\/p><p>Trump ist gerade erst dem Tod von der Schippe gesprungen. Hass gegen ihn k&ouml;nnte ein Motiv gewesen sein. In Anbetracht dessen: Ist es gerade einmal einige Tage nach dem Anschlag angebracht, Trump in einer &Uuml;berschrift als &bdquo;durch und durch&ldquo; f&uuml;rchterlichen Menschen zu bezeichnen?<\/p><p>Diese Frage f&uuml;hrt in den Abgrund einer journalistisch verwahrlosten, l&auml;ngst jeden Anstand verlorenen Medienlandschaft. Warum sachlich, wenn auch Hetze geht?<\/p><p>Die &Uuml;berschrift greift Trump nicht in seiner politisch agierenden Funktion an. Das Zitat ist eine Attacke auf Trump im Hinblick auf seine Existenz als Mensch. Eine Schlagzeile in deutscher Sprache auf <em>Spiegel Online<\/em> wird &ndash; wahrscheinlich &ndash; nicht dazu f&uuml;hren, dass ein Gest&ouml;rter in den USA ein weiteres Attentat auf Trump ver&uuml;ben wird. Zum Gl&uuml;ck versickern Schlagzeilen wie diese letztlich in der Kloake &bdquo;journalistischer&ldquo; Verkommenheit. Das in der &Uuml;berschrift angelegte Ressentiment tritt dennoch zun&auml;chst nach au&szlig;en. Das Zitat emotionalisiert. Es stimuliert Ver&auml;rgerung, Wut, Hass.<\/p><p>Hier w&auml;re insbesondere aufgrund der Umst&auml;nde ein gewisses Ma&szlig; an R&uuml;cksichtnahme und Fingerspitzengef&uuml;hl vonseiten der Spiegel-Redaktion angebracht. Den erfahrenen Journalisten ist zuzutrauen, dass sie mit der Waage, die Inhalt und Emotion austariert, umgehen k&ouml;nnen. Es sollte ein Leichtes gewesen sein, unter den gegebenen Umst&auml;nden dem Inhalt mehr Gewicht als der Emotion zu geben.<\/p><p>Trump mag ein &bdquo;furchtbarer Mensch&ldquo; sein &ndash; oder auch nicht. Von Interesse ist, dass der <em>Spiegel<\/em> es offensichtlich nicht lassen kann. Dass er es nicht lassen kann, ideologisch motiviert dorthin zu leuchten, wo das erscheint, was erscheinen soll.<\/p><p>Erinnert sei an den ber&uuml;chtigten Beitrag des ehemaligen Spiegel-Kreativreporters Claas Relotius <em><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/fergus-falls-in-minnesota-in-der-kleinen-welt-der-waehler-von-donald-trump-a-1140600.html\">Fans des US-Pr&auml;sidenten: Wo sie sonntags f&uuml;r Trump beten<\/a>. <\/em>Damals hatte die Redaktion einen Artikel ins Blatt gehoben, der Trump-W&auml;hler wohl so zeichnete, wie sie in der redaktionellen Sinnprovinz aussehen mussten: rechte, tumbe Hinterw&auml;ldler. Dumm nur: Die &bdquo;Dummen&ldquo; waren gar nicht so dumm und konnten gar auf Deutsch die Fantasiegeschichte Relotius&lsquo; lesen. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/media\/a3a46a28-7ac2-480e-b3a8-97366f1f4c1e\/CR-Dokumentation.pdf\">Der Rest ist bundesdeutsche Mediengeschichte &ndash; im negativsten Sinne<\/a>. Schon damals lag dem Blickwinkel auf Trump eine negative Verzerrung zu Grunde.<\/p><p>Und heute? Selbst nach dem Attentat kann die Redaktion es nicht lassen, irgendetwas Negatives im Zusammenhang mit Trump zu finden. Wenn schon keiner Trump auf dem Parteitag direkt offen kritisiert, dann marschieren die wackeren Spiegel-Reporter eben zu einer &bdquo;Nebenveranstaltung&ldquo; der Republikaner. Irgendwo muss irgendwer irgendwie doch etwas Schlechtes &uuml;ber Trump sagen. Und voil&agrave;: Trump sei ein &bdquo;durch und durch furchtbarer Mensch&ldquo;. Hat man Derartiges schon einmal vom <em>Spiegel<\/em> &uuml;ber Spitzenpolitiker aus Deutschland gelesen, mit denen das Blatt sympathisiert? Oder sind diese Politiker alles Engel in Menschengestalt? Wie bestellt sagt der ehemalige Abgeordnete der Republikaner Joe Walsh in die Spiegel-Kamera: &bdquo;Wir wollen keinen Diktator anbeten (&hellip;).&ldquo;<\/p><p>Trump ein Diktator? Darf man einen Diktator vielleicht einfach&hellip; ? In Anbetracht eines Mordanschlags ist publizistische Verantwortung angebracht. Vielleicht findet der <em>Spiegel<\/em> sie ja neben dem Journalistenmotto von Spiegel-Gr&uuml;nder Rudolf Augstein: &bdquo;Sagen, was ist&ldquo;. Der hehre Spruch ist leider schon vor langer Zeit dem l&auml;ngst allt&auml;glich gewordenen zombiejournalistischen <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000052134097\/trump-als-is-enthaupter-spiegel-cover-entsetzt-us-medien\">Gemetzel<\/a> zum Opfer gefallen.<\/p><p><small>Titelbild: Collage NachDenkSeiten, Cover &copy; SPIEGEL<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/81fb029cb06543b791e0b3708c82dd78\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenige Tage nach dem Mordversuch an Trump hei&szlig;t es: &bdquo;Ein durch und durch schlechter Mensch&ldquo;, ein &bdquo;Diktator&ldquo;. Die Spezialisten im Anprangern von Hetze hetzen immer wieder selbst. 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