{"id":11850,"date":"2012-01-11T17:01:38","date_gmt":"2012-01-11T16:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11850"},"modified":"2015-01-18T11:04:48","modified_gmt":"2015-01-18T10:04:48","slug":"revison-der-riesterrente-die-klare-losung-wird-immer-noch-verdrangt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11850","title":{"rendered":"Revison der Riesterrente \u2013 Die klare L\u00f6sung wird immer noch verdr\u00e4ngt"},"content":{"rendered":"<p>Der Film &ldquo;Das Riester-Dilemma &ndash; Portr&auml;t einer Jahrhundertreform&ldquo; von Ingo Blank und Dietrich Krau&szlig;, auf den wir <a href=\"\/?p=11828\">hier<\/a> schon hingewiesen haben, ist eine sehr verdienstvolle Arbeit. Wir kommen darauf aus verschiedenen Gr&uuml;nden zur&uuml;ck. Der wichtigste: Es wird von den politisch handelnden und die Riester-Rente bisher propagierenden Personen und Parteien immer noch die klare Konsequenz verdr&auml;ngt: damit Schluss zu machen. Ich beginne deshalb mit der Antwort auf die Frage, wie nach der Re-Vision, der sachlich, kritischen Betrachtung der Riester-Rente und der sich verbreitenden Erkenntnis, dass wir mit dieser Reform auf einen falschen Weg geschickt worden sind, die L&ouml;sung aussehen muss. Was ist zu tun? Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Vorweg noch der Hinweis, dass der Film heute Abend wiederholt wird: Mittwoch, 11.1.2012, um 20.15 h (!!!) im SR- und SWR-Fernsehen. Diese Ausstrahlung d&uuml;rfte f&uuml;r die Mehrheit unserer Leserinnen und Leser technisch erreichbar sein.<\/p><p><strong>Was muss Konsequenz aus dem Scheitern der Privatvorsorge sein?<\/strong><\/p><p>Diese Frage zu stellen und zu beantworten ist wichtig, weil bei diesem Thema wie auch bei anderen h&ouml;chst fragw&uuml;rdigen neoliberalen Reformen wie etwa der Deregulierung der Finanzm&auml;rkte und der Privatisierung &ouml;ffentlicher Einrichtungen die Einsicht in die Notwendigkeit einer klaren L&ouml;sung verweigert wird. Im konkreten Fall konnten wir im Film sehen, wie sich Riester selbst der Konsequenz verweigert, wie der SPD-Vorsitzende Gabriel sich herauszureden versucht und wie die anderen Verantwortlichen beredt schweigen. Einer der Hauptpropagandisten f&uuml;r die Privatvorsorge, der Chefredakteur von Finanztest Tenhagen schl&auml;gt vor, die Riester-Rente einfacher zu machen. F&uuml;r eine wirkliche Revision gebe es keine politische Mehrheit. Die Autoren selbst bringen eine schwedische L&ouml;sung als Hilfsl&ouml;sung. Meines Erachtens unn&ouml;tigerweise. Was spricht gegen eine klare L&ouml;sung?<\/p><p>Diese s&auml;he so aus:<\/p><ol>\n<li>Die F&ouml;rderung der Privatvorsorge &uuml;ber Riester-Rente, R&uuml;rup-Rente und Entgeltumwandlung zu Gunsten der betrieblichen Altersvorsorge wird eingestellt. Selbst verst&auml;ndlich werden die abgeschlossenen Vertr&auml;ge weiter bedient.<\/li>\n<li>Alle staatlichen Mittel werden auf die gesetzliche Rente und das Umlageverfahren konzentriert.<\/li>\n<li>Die in den vergangenen 15 Jahren beschlossenen Ma&szlig;nahmen zur Minderung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente werden revidiert; das Rentenniveau wird wieder auf ein Niveau angehoben, das es m&ouml;glich macht, von der Rente zu leben.<\/li>\n<li>Die Leistungsf&auml;higkeit und die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung werden durch ein B&uuml;ndel von Ma&szlig;nahmen verbessert:\n<ol type=\"a\">\n<li>Die Bundesregierung ermuntert zu h&ouml;heren Tarifabschl&uuml;ssen. H&ouml;here L&ouml;hne sind auch aus Gr&uuml;nden der Angleichung der Wettbewerbsf&auml;higkeit innerhalb der Eurozone ohnehin angesagt.<\/li>\n<li>Abbau des Niedriglohnsektors, Ausbau des Anteils sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertr&auml;ge<\/li>\n<li>Erh&ouml;hung der Erwerbsquote<\/li>\n<li>Tats&auml;chliche Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters in Richtung 64 und 65 Jahre durch Verbesserung der Chancen &Auml;lterer.<\/li>\n<li>Abschaffung der Rente mit 67 und der beschlossenen Abz&uuml;ge von 2 &times; 3,6 %<\/li>\n<li>Erh&ouml;hung der Beitr&auml;ge auf das dann noch notwendige Niveau. Im Film wurde sehr gut und schl&uuml;ssig gezeigt, dass dies nie bedeuten wird, dass das Beitragsniveau auf das Niveau erh&ouml;ht werden m&uuml;sste, das tats&auml;chlich heute schon erreicht wird, wenn zum bisherigen Beitragssatz f&uuml;r die gesetzliche Rente der Satz f&uuml;r den Beitrag\/Pr&auml;mie von 4 % f&uuml;r die Riester-Rente addiert wird. Die bisherige Behauptung, der Beitragssatz werde durch Einf&uuml;hrung der Privatvorsorge festgehalten, ist ja ein glatter Betrug, eine L&uuml;ge, auf die Medien wie auch die betroffene &Ouml;ffentlichkeit hereingefallen sind.<\/li>\n<li>Bewusste F&ouml;rderung der Arbeitsproduktivit&auml;t.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Von staatlicher Seite und von Seiten der sonst beteiligten &ouml;ffentlichen Stellen muss das Vertrauen in die gesetzliche Rente gef&ouml;rdert und nicht besch&auml;digt werden. Bisher erleben wir das wirklich groteske Schauspiel, dass sogar die Verwalterin der gesetzlichen Rente, die Deutsche Rentenversicherung und das zust&auml;ndige Ministerium, dass Volkshochschulen und der halb &ouml;ffentliche Finanztest der Stiftung Warentest Propaganda f&uuml;r die Privatvorsorge machen. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt regelm&auml;&szlig;ig Rentenbescheide, die vielen Menschen immer wieder vorf&uuml;hren, wie gering ihre Rente sein w&uuml;rde. Das ist in Kombination mit der Absenkung des Rentenniveaus eindeutig eine gesteuerte Aktion zu Gunsten der privaten Versicherer.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Nun noch einige andere Anmerkungen zum Film und zur Thematik insgesamt:<\/strong><\/p><p><strong>Sp&auml;te Einsicht oder: wer zu fr&uuml;h kommt, den bestraft das Leben<\/strong><\/p><p>Viele Einsichten, die Ihnen in Interviews des Films pr&auml;sentiert werden, konnten Sie als Leser der NachDenkSeiten oder meiner Texte oder jener von Gerd Bosbach schon sehr viel fr&uuml;her lesen. Mein erster Text zum Thema stammt von November 1999. Damals habe ich f&uuml;r das kritische Tagebuch des WDR die damalige aufw&auml;ndige Werbekampagne der Banken und Versicherer zu Gunsten der Privatvorsorge analysiert. Das war sozusagen das Vorspiel f&uuml;r die Riester-Rente und die anderen Privatvorsorgeprodukte. Als Anlage 1 f&uuml;ge ich diesen Text bei.<\/p><p>In den NachDenkSeiten haben wir schon 2005 ff dokumentiert, was ich im Jahr 2004 in der &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; zum Thema Demographie und Altersvorsorge ver&ouml;ffentlicht hatte. Hier zum Beispiel 4. Januar 2005 Denkfehler 7: &ldquo;<a href=\"\/?p=247\">Jetzt hilft nur noch private Vorsorge.&rdquo;<\/a>  oder  am 10. Juni 2006 um 16:58 Uhr Denkfehler 6: &raquo;<a href=\"\/?p=1159\">Wir werden immer &auml;lter. Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr.<\/a>&laquo;<br>\nIn diesem Text finden Sie mit Berufung auf den Sozialpolitiker Richard Hauser, der 2003 f&uuml;r seine Abschiedsvorlesung ausgerechnet hatte, wie hoch die Arbeitsproduktivit&auml;t sein m&uuml;sste, wenn alle Gruppen, die Jungen, die Arbeitenden und die Alten auch in Zukunft gut und besser leben sollten, den Hinweis, dass 1,5 % Steigerung der Arbeitsproduktivit&auml;t ausreichen w&uuml;rden. Im Film wurde jetzt das Ergebnis der Berechnungen des &Ouml;konomen Robert von Weizs&auml;cker pr&auml;sentiert.<br>\nSeit Jahren predigen wir, dass die Stabilisierung des Beitragssatzes eine Fiktion ist. Genauer: ein Betrug. Wenn man n&auml;mlich den Beitragssatz f&uuml;r die Privatvorsorge, der Riester-Rente zum Beispiel, einrechnet, dann liegt der Beitragssatz nicht bei 19,9 sondern bei fast 24 %. Jahrelang haben wir versucht, diese Erkenntnis zu verbreiten. Jetzt kommt sie im Film als neue Erkenntnis daher.<br>\nEs geht mir nicht um eine Kritik des Films. Ganz im Gegenteil. Es geht um die Frage, was falsch l&auml;uft in diesem Land, wenn man alles, was man heute wei&szlig; und wof&uuml;r im Film Zeugen von heute pr&auml;sentiert werden, auch schon vor der Entscheidung f&uuml;r die staatliche F&ouml;rderung der privaten Rente wissen konnte. Wir m&uuml;ssen ein Interesse daran haben, dass solche Fehlentscheidungen k&uuml;nftig unterbleiben. Man konnte wirklich alles wissen. Sp&auml;te Einsicht ist teuer.<\/p><p><strong>Sind die handelnden Personen nur dumm oder sind sie politisch korrupt.<\/strong><\/p><p>Bei diesem Thema wie etwa auch bei der Lekt&uuml;re des Interviews des Bundesbankpr&auml;sidenten Jens Weidmann mit dem Stern (Ziffer 4 e <a href=\"http:\/\/\">hier<\/a>), kommt diese Frage immer wieder auf. Haben die handelnden Personen wirklich nicht begriffen, dass ein Rentensystem, dessen Betrieb das Zehnfache des Umlageverfahrens kostet, sich nicht lohnen kann? Haben sie nicht begriffen, dass die Privatvorsorge den demographischen Wandel nicht korrigiert? Dass also der demographische Wandel kein Argument f&uuml;r die Umstellung auf eine zweite S&auml;ule sein.<br>\nIch kann nur schwer nachvollziehen, dass man so bl&ouml;d sein kann. Aber ich w&uuml;rde mich davon lieber &uuml;berzeugen lassen, als bei der Einsicht zu bleiben, dass politische Korruption die eigentliche Triebfeder wichtiger politischer Entscheidungen und im konkreten Fall der Zerst&ouml;rung einer wichtigen gro&szlig;en Errungenschaft, des Umlageverfahrens und der solidarischen Altersvorsorge ist.<\/p><p><strong>Die politischen Kr&auml;fte f&uuml;r eine Revision der sachlich richtigen Richtung fehlen<\/strong><\/p><p>Im Film wird gezeigt, wie der SPD-Abgeordnete und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft f&uuml;r Arbeitnehmerfragen, Ottmar Schreiner, f&uuml;r eine wirkliche Revision k&auml;mpft und unterliegt, weil die SPD F&uuml;hrung kein Einsehen hat. &Auml;hnlich ist es bei der CDU\/CSU, bei den Gr&uuml;nen, bei der FDP. Sie alle sind gefangen im Netz ihrer fr&uuml;heren Untaten.<br>\nEs bleibt uns nichts anderes &uuml;brig, als trotzdem f&uuml;r eine Korrektur auch bei diesen Altparteien zu k&auml;mpfen. Deshalb der kleine Rat: F&uuml;hren Sie diesen Film Sympathisanten der genannten Parteien und &ndash; wenn sie Zugang haben &ndash; auch Mandatstr&auml;gern der genannten Parteien vor.<\/p><p><strong>Anlage 1:<\/strong><br>\n<strong>Entwurf f&uuml;r einen Beitrag Albrecht M&uuml;llers<\/strong> im Kritischen Tagebuch des WDR vom November 1999:<\/p><p><strong>Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr. Deshalb m&uuml;ssen wir die bisherige Rentenversicherung um die private Altersvorsorge erg&auml;nzen.<\/strong><\/p><p>Angenommen, Sie h&auml;tten einen Umsatz von 100 Milliarden Mark und einen Konkurrenten, der 400 Milliarden Mark umsetzt. Und nun h&auml;tten Sie die Chance, mit einer Mischung aus Eigenwerbung und Verbreitung des Ger&uuml;chtes, der Konkurrent sei ein Auslaufmodell, die Umsatzzuw&auml;chse des Konkurrenten und dann auch von seiner Substanz Milliarden auf sich umzulenken; vielleicht f&uuml;r&rsquo;s erste gute 10% seines Umsatzes. So k&ouml;nnten Sie auf Anhieb Ihren Umsatz um 40 Milliarden, also um mehr als ein Drittel aufstocken. &ndash; Das w&auml;re doch was&hellip;  Bei einem erwarteten Umsatzplus von 40 Milliarden w&auml;ren einige 10 Millionen f&uuml;r Zeitungsanzeigen und eine gro&szlig; angelegte PR-Arbeit unter Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten eine l&auml;cherlich kleine Investition, um das Ger&uuml;cht &uuml;ber den Konkurrenten als Auslaufmodell am Leben zu halten. Peanuts sozusagen. <\/p><p>Dieses M&auml;rchen ist Wirklichkeit. Nicht f&uuml;r Sie und nicht f&uuml;r mich. Aber f&uuml;r die Lebensversicherungsbranche und die Banken.<br>\nEine Kostprobe aus der laufenden Werbearbeit. Zitat aus einem Brief des Vorstandmitglieds der Dresdner Bank, Dr. jur. Joachim von Harbou, ver&ouml;ffentlicht per Zeitungsanzeige am 22. Oktober:<\/p><p><em>Sprecher:<\/em><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Sehr geehrte Damen und Herren,<br>\nangesichts des demographischen Wandels &ndash; immer mehr &auml;lter werdende Menschen stehen immer weniger jungen B&uuml;rgern gegen&uuml;ber &ndash; machen sich viele Sparer Gedanken &uuml;ber ihre finanzielle Sicherheit im Alter. Es zeichnet sich ab, dass die staatliche Rentenversicherung den Versicherten in Zukunft nicht mehr das gewohnte Leistungsniveau bieten kann. Deshalb w&auml;chst der privaten Altersvorsorge eine immer gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung zu&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Und weil das so sei, wirbt Herr von Harbou f&uuml;r <\/p><p><em>Sprecher:<\/em><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;..ertragsstarke Anlageformen wie beispielsweise Wertpapierfonds&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Ihre deutschen Lebensversicherungen&ldquo; werben schon seit dem letzten Bundestags-Wahlkampf nahezu ununterbrochen in teuren Anzeigen f&uuml;r die private Vorsorge durch Abschluss einer Lebensversicherung:<\/p><p><em>Sprecher:<\/em><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Was bei der gesetzlichen Rente sp&auml;ter f&uuml;r Sie rausspringt, kann Ihnen keiner sagen&ldquo;<\/em><br>\n<em>&bdquo;Eine Lebensversicherung h&auml;lt, was sie verspricht. Ein Leben lang&ldquo;.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Die Banken und die Lebensversicherer schwimmen mit ihrer Kampagne zur St&ouml;rung des Vertrauens in die klassische Rentenversicherung wie der Fisch im gro&szlig;en Strom von Wissenschaftlern und Politikern, von Talkshows, Zeitungen und Zeitschriften.  Der SPIEGEL &ndash; bei diesem Thema schon seit langem an vorderer Front &ndash; forcierte die Kampagne am 30. August mit einer eigenen Titelgeschichte:<\/p><p><em>Sprecher:<\/em><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Weil Deutschland vergreist, wird die Rentenversicherung unbezahlbar,&hellip;.&ldquo;  <\/em><\/p><\/blockquote><p>An einer Reform der sozialen Sicherungssysteme mit mehr Eigenvorsorge und weniger staatlicher F&uuml;rsorge f&uuml;hre kein Weg vorbei.<br>\nAnfang Oktober fasset der SPIEGEL  die Kernbotschaft so zusammen :<\/p><p><em>Sprecher:<\/em><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Letztlich geht es in der neu entfachten Debatte um eine Grundsatzfrage. Alle Parteien haben erkannt, dass die staatliche Rente allein k&uuml;nftig nicht mehr ausreichen wird. Das Umlageverfahren, das die Beitr&auml;ge der aktiven Arbeitnehmer direkt an die derzeitige Rentnergeneration weiterreicht, bedarf der Erg&auml;nzung durch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, es soll also privat Geld zur&uuml;ckgelegt werden&ldquo;.*<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das klingt schl&uuml;ssig und logisch. Aber logisch ist die Behauptung, unser demographisches Problem sei dadurch zu l&ouml;sen, dass die Gesetzliche Rentenversicherung durch ein privates Bein erg&auml;nzt wird, allein f&uuml;r die Versicherungswirtschaft, die Banken und die mit ihnen verbundenen Wirtschaftsinteressen. Sie gewinnen, wenn die Soziale Alterssicherung in Richtung Grundsicherung gedr&uuml;ckt wird und alles Zus&auml;tzliche in private Altersvorsorge gelenkt wird &ndash; in Versicherungen, in Wertpapierfonds oder was auch immer. <\/p><p>Weder f&uuml;r uns B&uuml;rger noch f&uuml;r die Politiker ist die Behauptung schl&uuml;ssig, der Generationenvertrag der Rentenversicherung trage angesichts der demographischen Ver&auml;nderungen nicht mehr und das Problem sei nur mit Hilfe privater Vorsorge l&ouml;sbar. Sie klingt nur so. <\/p><p>Es ist nicht zu bestreiten, dass in absehbarer Zeit auf <strong>einen<\/strong> arbeitsf&auml;higen Erwachsenen zunehmend mehr Menschen im Rentenalter kommen.<br>\nAber wegen dieses demographischen Problems m&uuml;sste unsere Gesellschaft nicht die Leistungsf&auml;higkeit des bisherigen Systems der Rentenversicherung in Zweifel ziehen und durch ein staatlich verordnetes privates Bein erg&auml;nzt werden.<\/p><p><strong>Erstens<\/strong> ist die bisherige Soziale Alterssicherung mit dem Umlageverfahren als Kernst&uuml;ck eine hochmoderne soziale Erfindung, eine au&szlig;erordentlich leistungsf&auml;hige und kosteng&uuml;nstige Sozialtechnik. Es werden, vereinfacht gesagt, von den Arbeitenden Beitr&auml;ge erhoben und direkt an die Rentner ausgezahlt. F&uuml;r jeden Arbeitenden wird eine Art Konto gef&uuml;hrt. Er oder sie erwirbt mit dem Beitrag einen Anspruch gegen&uuml;ber dem Staat, den dieser im Kern nicht antasten kann, weil die Eigentumsgarantie der Verfassung den Rentenanspruch sch&uuml;tzt. Der besteht gegen die n&auml;chste erwerbst&auml;tige Generation, den heutigen Beitragszahlern sp&auml;ter eine Rente zu zahlen. Deshalb ist die Gesetzliche Rentenversicherung auch eine sichere Altersvorsorge. -Die Bundesversicherungsanstalt und die Landesversicherungsanstalten verwalten die Gelder und Anspr&uuml;che, man braucht keine gro&szlig;e Verm&ouml;gensverwaltung. Entsprechend niedrig sind die Verwaltungskosten. Sie lagen 1996 bei 1,8 % des Umsatzes. Die Verwaltungskosten der privaten Lebensversicherungen liegen hingegen bei 4,5% <strong>plus<\/strong> den Provisionen der Versicherungagenturen, also um mehr als das Dreifache h&ouml;her.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> spricht f&uuml;r das bisherige System, dass die Erg&auml;nzung durch ein private Vorsorge am Problem der demographischen Entwicklung &uuml;berhaupt nichts &auml;ndert. Die Belastung der im Jahre 2020, 2030 oder 2040 arbeitenden Generation wird durch &Auml;nderung des Finanzierungssystems vom sogenannten Umlageverfahren in ein System der Kapitalansammlung nicht vermindert.<br>\nAnderes anzunehmen, w&auml;re ein Fehlschluss. Das kann man mit Hilfe eines Tricks erkennen, mit dem Laien auch sonst gelegentlich volkswirtschaftliche Probleme besser durchschauen k&ouml;nnen. Man muss sich daf&uuml;r volkswirtschaftliche Zusammenh&auml;nge in realen Kategorien vorstellen. In der National&ouml;konomie sagt man: To understand better, think in real terms.  Konkret: Heute versorgen 100 Arbeitenden 37* Rentner mit G&uuml;tern und Dienstleistungen. Im Jahre 2040 m&uuml;ssen 100 Arbeitende voraussichtlich f&uuml;r 68 Rentner aufkommen. Wenn wir in der Zwischenzeit das bisher &uuml;bliche Umlageverfahren der Rentenfinanzierung durch ein  privates Kapitaldeckungsverfahren der Lebensversicherungskonzerne abl&ouml;sen oder erg&auml;nzen, &auml;ndert sich an der Tatsache nichts, dass 100 Arbeitende f&uuml;r 68 Rentner mitzusorgen haben.<br>\nDie propagierte &Auml;nderung des Finanzierungssystems &auml;ndert &uuml;brigens auch nichts an der speziellen Last der jungen Generation zwischen 20 und 40 Jahren. Sie vor allem werden ja gegen das soziale Rentenversicherungssystem in Front gebracht. Ihretwegen h&auml;lt man die Beitr&auml;ge unter 20 % fest, angeblich weil mehr nicht zu vermitteln sei. Gleichzeitig sollen sie aber bis zu 2,5% ihres Einkommens &ndash; sp&auml;ter auch mehr &ndash; f&uuml;r ihr Alter obligatorisch privat anlegen. Offenbar spekulieren die Entscheider darauf, dass die J&uuml;ngeren unf&auml;hig sind, 20 und 2,5 zusammenzuz&auml;hlen. Nach Lage der Dinge muss man darauf gefasst sein, dass die Spekulation aufgeht.<br>\nDie J&uuml;ngeren, die gegenw&auml;rtig zus&auml;tzlich zur Altersvorsorge so eifrig Lebensversicherungen, haben offenbar auch nicht begriffen, dass sie dadurch nicht aus der Verpflichtung des Generationenvertrages entlassen werden; sie werden weiterhin Beitr&auml;ge oder Steuern f&uuml;r die Versorgung der Rentnergeneration zu zahlen haben  <\/p><p>Wie k&ouml;nnte man dennoch die arbeitende Generation von der steigenden Alterlast entlasten? Wieder in real terms gedacht:<\/p><p><em>Sprecher:<\/em><\/p><blockquote><p><em>Erstens indem man k&uuml;nftig von den 5, 6, oder 7 Millionen Arbeitsf&auml;higen, die heute ohne Arbeit sind, mehr in Arbeit bringt. Auch wenn das nicht leicht ist, es w&auml;re ein Entlastung. Mehr Schultern schultern mehr.<\/em><br>\n<em>Zweitens, indem man die Anspr&uuml;che der Rentner, also das, was f&uuml;r sie vom Sozialprodukt abgezweigt wird, geringer als vorgesehen wachsen l&auml;&szlig;t. Das ist das, was die jetzige Regierung mit der Anpassung nach Inflationsausgleich plant oder die Regierung Kohl mit dem Absenken auf 64 % *Rente geplant hatte.<\/em><br>\n<em>Drittens kann man die arbeitende Generation entlasten, in dem man alles tut, um die volkswirtschaftliche Produktivit&auml;t zu steigern. Wenn so die Gesamtleistung der Arbeitenden &ndash; das Sozialprodukt &ndash; kr&auml;ftig steigt, dann tut es nicht weh, wenn ein fairer Teil f&uuml;r die wachsende Zahl der Rentner abgezweigt wird. Es bleibt immer noch ein Wohlstandzuwachs f&uuml;r die Arbeitenden.<\/em><br>\n<em>Viertens kann man die Alterslast der hier Arbeitenden mildern, in dem man vom Ausland G&uuml;ter und Dienste einf&uuml;hrt, ohne sie gleich zu bezahlen, sich also beim Ausland verschuldet.<\/em><br>\n<em>F&uuml;nftens kann man die Last f&uuml;r die Arbeitenden verringern, in dem man die Alten sp&auml;ter in Rente gehen l&auml;&szlig;t.<\/em><\/p><\/blockquote><p>&Uuml;ber alle diese Entlastungsm&ouml;glichkeiten kann man sprechen. Man sollte dies auch tun, wenn sich die junge Generation &uuml;bervorteilt f&uuml;hlt. Aber man sollte aufh&ouml;ren, das bisherige System grundlos madig zu machen. &ndash; Es k&ouml;nnte sein, da&szlig; dies den Versicherungskonzernen und Banken mit ihrer massiven Werbe- und PR-Kampagne dennoch gelingt. Da mit w&auml;re eine der gro&szlig;en Erfindungen der deutschen Sozialgeschichte ruiniert.<\/p><p>Sp&auml;te Einsicht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Film &ldquo;Das Riester-Dilemma &ndash; Portr&auml;t einer Jahrhundertreform&ldquo; von Ingo Blank und Dietrich Krau&szlig;, auf den wir <a href=\"\/?p=11828\">hier<\/a> schon hingewiesen haben, ist eine sehr verdienstvolle Arbeit. Wir kommen darauf aus verschiedenen Gr&uuml;nden zur&uuml;ck. Der wichtigste: Es wird von den politisch handelnden und die Riester-Rente bisher propagierenden Personen und Parteien immer noch die klare Konsequenz<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11850\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[39,40,157],"tags":[288,273,301],"class_list":["post-11850","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rente","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-privatvorsorge","tag-rentenalter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11850"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11850\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11853,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11850\/revisions\/11853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}