{"id":118746,"date":"2024-07-29T09:00:16","date_gmt":"2024-07-29T07:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118746"},"modified":"2024-07-29T09:30:08","modified_gmt":"2024-07-29T07:30:08","slug":"alle-friedenspreise-erobert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118746","title":{"rendered":"Alle Friedenspreise erobert!"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Friedenspreise sind kriegst&uuml;chtig geworden. Ihre Namensgeber und ihre Satzungen, die zu V&ouml;lkerverst&auml;ndigung oder gar zum Pazifismus aufrufen, sind nur noch Ballast und werden inzwischen ignoriert. Gepriesen wird jetzt, wer lautstark nach den Waffen schreit und jeden Wunsch nach Verhandlungen denunziert. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;<strong>Krieg ist Frieden&ldquo; (das Wahrheitsministerium in George Orwells &bdquo;1984&ldquo;)<\/strong><\/p><p>Anne Applebaum ist eine Publizistin mit US- und polnischer Staatsb&uuml;rgerschaft, eine antirussische Hardlinerin, &uuml;ber welche die <em>taz<\/em> am 6. April 2024 <a href=\"https:\/\/taz.de\/Oldenburger-Carl-von-Ossietzky-Preis\/!6011980\/\">schreibt<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Seit Beginn des Ukrainekrieges ist sie in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit mit der Forderung nach Waffenlieferungen an die Ukraine sehr pr&auml;sent. Unter anderem hatte sie Olaf Scholz im Februar 2023 vorgeworfen, zu lange gez&ouml;gert zu haben bei der Lieferung von Leopard-Panzern (&hellip;) Ein Ende des Kriegs ist f&uuml;r Applebaum nur durch eine v&ouml;llige Niederlage Russlands denkbar. Verhandlungen &uuml;ber einen Waffenstillstand lehnt sie aus diesem Grund ab.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Anne Applebaum sorgt sich allerdings um die Menschen vor Ort. In einem <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/anne-applebaum-totalitaere-tendenzen-in-putins-russland-ld.1756846\">Interview mit der <em>NZZ<\/em><\/a> vom 20. September 2023 sagt sie: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich bef&uuml;rchte nicht so sehr, dass die Ukraine an ausl&auml;ndischer Unterst&uuml;tzung verliert, sondern dass die Bev&ouml;lkerung erm&uuml;det.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Applebaum ist verheiratet mit dem polnischen Au&szlig;enminister Radoslaw Sikorski, der nach dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines sofort wusste, wer daf&uuml;r verantwortlich war und euphorisch twitterte: &bdquo;Thank you, USA!&ldquo; Ach ja: Anne Applebaums bellizistische Aktivit&auml;ten wurden gerade mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels gew&uuml;rdigt.<\/p><p>Anne Applebaum hat B&uuml;cher &uuml;ber Russland respektive die Sowjetunion als Reich des B&ouml;sen geschrieben und die Ukrainer ausschlie&szlig;lich als Opfer dargestellt. &bdquo;Nicht erw&auml;hnt werden von Applebaum die Massenpogrome, die zu einem erheblichen Teil Ukrainer kurz nach dem deutschen Einmarsch in der heutigen Westukraine im Jahr 1941 an ihren j&uuml;dischen Nachbarn ver&uuml;bten, denen sie Kollaboration mit der gerade abgezogenen Sowjetherrschaft vorwarfen (&hellip;),&ldquo; so schreibt Franziska Davies in ihrer Rezension des Applebaum-Buchs &bdquo;Roter Hunger&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/stalin-ukraine-1.4752620\">am 20. Januar 2020 in der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em><\/a>. Die Osteuropaforscherin Davies, inzwischen selbst stramme Ukraine-Propagandistin, fuhr fort: &bdquo;Unerw&auml;hnt bleibt bei Applebaum ebenso die Kollaboration ukrainischer Faschisten mit den Deutschen sowie die Ermordung von ann&auml;hernd Hunderttausend Polen in Wolhynien in der heutigen Nordwestukraine durch die sogenannte Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) zwischen 1943 und 1945.&ldquo;<\/p><p><strong>Die Bellizistin und der Pazifist<\/strong><\/p><p>Die Applebaum-Preisungen haben &uuml;brigens schon vor der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels begonnen, sie wurde in diesem Jahr auch mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg ausgezeichnet. Die Jury w&uuml;rdige Applebaum, so die Stadt, weil sie sich &bdquo;mutig und mahnend f&uuml;r Demokratie und Menschenrechte in globaler Perspektive einsetze&ldquo;. Zum pazifistischen Namensgeber des Preises, der von den Nazis im KZ gefoltert wurde und 1938 an den Folgen starb, hei&szlig;t es in den <a href=\"https:\/\/www.oldenburg.de\/startseite\/kultur\/kulturprojekte-und-preise\/cvo-preis\/informationen-zum-preis\/vergaberichtlinien.html\">Vergaberichtlinien<\/a>: &bdquo;Als Sekret&auml;r der ,Deutschen Friedensgesellschaft&lsquo; (1920), als Mitarbeiter und sp&auml;terer Herausgeber der Wochenschrift ,Die Weltb&uuml;hne&lsquo; (1926-1933) ist Carl von Ossietzky entschieden f&uuml;r die Sache des Friedens eingetreten. Die ,Weltb&uuml;hne&lsquo; unterst&uuml;tzte die Entwicklung der Demokratie in der ersten deutschen Republik, die deutsch-franz&ouml;sische Verst&auml;ndigung und die Vers&ouml;hnung mit allen Kriegsgegnern des Ersten Weltkrieges. Sie war gegen Wiederaufr&uuml;stung, Militarismus, Revanchismus und Nationalsozialismus, gegen Faschismus und Anwendung von Gewalt, von welcher Seite auch immer.&ldquo;<\/p><p>Ossietzky, der 1936 den Friedensnobelpreis erhielt, wurde schon 1931, also noch in der Weimarer Republik, verurteilt und bestraft, weil er in der ,Weltb&uuml;hne&lsquo; auf die illegale Aufr&uuml;stung der Reichswehr hingewiesen hatte. Der Carl-von Ossietzky-Preis an die Aufr&uuml;stungsfanatikerin Anne Applebaum ist nichts weniger als eine Verh&ouml;hnung des Namenstr&auml;gers, in dessen Geist er eigentlich vergeben werden soll. Der neue Geist dagegen kehrt Worte und Werte perfide um und f&uuml;hrt Namen gegen sich selbst ins Feld. Auch Heinrich B&ouml;ll wird als Namenstr&auml;ger einer gr&uuml;nen Stiftung missbraucht, die nach Aufr&uuml;stung schreit. Und wie unsere Feuilletons und Kulturmagazine mitmachen, noch nicht alle, aber viel zu viele! Diese sich so feinsinnig gebenden Literaten zum Beispiel, die den Friedenspreis an Anne Applebaum vergeben haben, obwohl es auf der Webseite des Stiftungsrates hei&szlig;t, dass dieser seit 1950 an eine Pers&ouml;nlichkeit verliehen werde, &bdquo;die einen wichtigen Beitrag zum Frieden, der Menschlichkeit und der Verst&auml;ndigung der V&ouml;lker geleistet hat&ldquo;.<\/p><p><strong>Zwischentitel: Kinder, Kultur und Waffen, Waffen, Waffen<\/strong><\/p><p>Aber schon zwei Jahre vor Applebaum wurde dieser Friedenspreis an den ultranationalistischen und rechtslastigen ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan vergeben, der bei Lesungen den Stift einer Handgranate pr&auml;sentiert hat und seinem Bellizismus (&bdquo;Wir m&uuml;ssen unseren Kindern das Wichtigste weitergeben: unsere Kultur und unsere Waffen.&ldquo;) noch ein bisschen Kultur-Rassismus hinzugef&uuml;gt hat. Die <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/artikel\/437176.propagandakrieg-alles-wird-ukraine-sein.html\"><em>Junge Welt<\/em> zitiert ihn am 22.Oktober 2022<\/a>: &bdquo;Ist Puschkin daran schuld, dass Kriegsverbrecher in Russland geboren werden? Ja, er ist schuldig. Nat&uuml;rlich ist er schuldig. Sie sind alle schuldig.&ldquo;<\/p><p>Es sei freilich kein Zufall, so <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Sag-s-durch-den-Ukrainer-Nationalismus-und-Deutschlands-Wiedergutwerdung-7325111.html?seite=all\">Peter Nowak am 1. November 2022 auf <em>Telepolis<\/em><\/a>, &bdquo;dass mit Zhadan ein politischer Erbe jenes deutschfreundlichen ukrainischen Nationalismus den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat, der zeitweise mit dem Naziregime kooperierte und sich mit ihm das Feindbild &ndash; Juden und Moskowiter &ndash; teilte&ldquo;. Zhadan hat seinen Kriegsaufrufen jetzt Taten folgen lassen. Seit Juni dieses Jahres schie&szlig;t der Mann, der f&uuml;r seine &bdquo;humanit&auml;re Haltung&ldquo; ausgezeichnet wurde, aktiv an der Front mit, allerdings nicht f&uuml;r die Armee, sondern f&uuml;r die Nationalgarde, das staatliche Auffangbecken f&uuml;r die neofaschistischen Asow-K&auml;mpfer. Kleiner Nachtrag: Dem Stiftungsrat des Friedenspreises geh&ouml;rt zum Beispiel die in Deutschland lebende Schriftstellerin Jagoda Marinic an, f&uuml;r die am Ukrainekrieg ausschlie&szlig;lich Putin die Schuld tr&auml;gt. Appelle f&uuml;r Verhandlungen, wie etwa den Aufruf von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht, denunziert Marinic als &bdquo;blinden Pazifismus&ldquo;.<\/p><p><strong>Zwischentitel: Emcke macht Schluss mit l&auml;stiger Gegenrede<\/strong><\/p><p>Aber es muss doch Pers&ouml;nlichkeiten geben, die den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten haben, weil sie wirklich zum Frieden aufrufen! Da w&auml;re etwa die Publizistin und Spezialistin f&uuml;r &bdquo;Hassrede&ldquo; Carolin Emcke, die diesen Preis 2016 erhielt und, so damals die Begr&uuml;ndung, &bdquo;Vorbild f&uuml;r gesellschaftliches Handeln&ldquo; sei &bdquo;in einer Zeit, in der politische, religi&ouml;se und kulturelle Konflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen&ldquo;. Aber Emcke ist dialogm&uuml;de geworden, sie will sich nun l&auml;stiger Gegenrede entledigen. Emcke spricht sich auf dem Podium der Konferenz &bdquo;re:publica&ldquo; 2024 vehement gegen das Pro-und-Contra-Format aus, sie mahnt, sie gestikuliert, sie bittet inst&auml;ndig, sie f&uuml;hrt sich letztlich auf wie eine Sektenpredigerin, die Gehorsam verlangt: &bdquo;Lesen Sie diesen Kram nicht!&ldquo; Solche Formate m&uuml;sse man &bdquo;abschaffen&ldquo;.<\/p><p>In ihrem neuen Buch schreibt Emcke &uuml;ber &bdquo;Gewalt und Klima&ldquo;, sie hat ihm den gro&szlig;en Titel &bdquo;Was wahr ist&ldquo; gegeben. Letzteres wei&szlig; wohl nur sie, na, vielleicht noch ein paar Gleichgesinnte. So eine wie die Klimaaktivistin Claudia Kempfert, die Emckes Forderung der Pro-und-Contra-Abschaffung begeistert unterst&uuml;tzt und auf dem &bdquo;re:publica&ldquo;-Podium seltsamerweise mit der &bdquo;Dirty-Harry&ldquo;-Assoziation &bdquo;You make my day!&ldquo; kommentiert. Jawohl, mit so einer wie Kempfert k&ouml;nne man noch diskutieren, sagt Emcke, weil man sich im Wesentlichen ja einig sei. Wie hie&szlig; nochmal dieses satirische Diskussionsformat aus den Neunzigern? Richtig: &bdquo;Zwei St&uuml;hle &ndash; eine Meinung.&ldquo; (Die &bdquo;re:publica&ldquo;-Veranstaltung kann man sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IEbWnXIexNk\">auf YouTube anschauen<\/a>), die besten Emcke-S&auml;tze finden sich zwischen Minute 32 und 36.<\/p><p>Apropos Klima: Der <em>Guardian<\/em> vermeldet am 13. Juni 2024: &bdquo;Der Preis f&uuml;rs Klima in den ersten beiden Jahren des russischen Kriegs gegen die Ukraine war h&ouml;her als die j&auml;hrlichen Treibhausgasemissionen, die individuell von 175 L&auml;ndern verursacht wurden, er hat den globalen Klimanotstand zus&auml;tzlich zur ansteigenden Zahl der Todesopfer und der weit verbreiteten Zerst&ouml;rung versch&auml;rft, wie eine Untersuchung ergeben hat.&ldquo; Jawohl, der Ukrainekrieg schmutzt! Er ist &ndash; samt NATO-Man&ouml;vern in aller Welt, Pistorius-Panzerfahrten, Merz-Eurofighter-Spa&szlig;-Fl&uuml;gen und Baerbocks hyperaktiver Reiset&auml;tigkeit in Sachen Bellizismus &ndash; auch noch ein Klimakiller. Es w&auml;re interessant, welche Priorit&auml;ten die Klima-Aktivistin und Putin-Hasserin Carolin Emcke bei der Frage setzt: Verhandeln oder weiter Krieg f&uuml;hren?<\/p><p><strong>Panzer und Bodentruppen f&uuml;r den Frieden<\/strong><\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu unseren Friedenspreisen: Da w&auml;re noch der Internationale Preis des Westf&auml;lischen Friedens, mit dem im Jahr 1648 &ndash; mit einem Kompromiss! &ndash; der Drei&szlig;igj&auml;hrige Krieg beendet wurde. Es ist ein Preis f&uuml;r die europ&auml;ische Integration, und der Gewinner in diesem Jahr hei&szlig;t Emmanuel Macron, jener Mann, der den Einsatz von NATO-Bodentruppen nicht ausschlie&szlig;t, der Milit&auml;rausbilder in die Ukraine schicken und dieser auch erlauben will, mit vom Westen gelieferten Waffen St&uuml;tzpunkte in Russland anzugreifen. Der Preis zeichnet <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftliche-gesellschaft.de\/internationaler-preis-des-westfaelischen-friedens\">&bdquo;besonderes Engagement f&uuml;r nachhaltigen Frieden und internationale Verst&auml;ndigung&ldquo;<\/a> aus.<\/p><p>Und weiter mit unseren Friedenspreisen, bei denen es manchmal so wirkt, als habe die NATO die Vorauswahl getroffen. &bdquo;Befremdlich sind jene Leute, die meinen, die ukrainische Regierung m&uuml;sse sich jetzt mit Russland an einen Tisch setzen und einen Friedensvertrag schlie&szlig;en.&ldquo; Solche S&auml;tze sagt etwa die <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/ukraine-reporterin-katrin-eigendorf-die-russen-sind-kein-modernes-europaeisches-volk-6E52S7C7EFD6JFASQ7XJ4HG6MY.html\">ZDF-Kriegsreporterin Katrin Eigendorf<\/a> und bekommt daf&uuml;r den Augsburger Friedenspreis 2023. Die Journalistin, die sich gern mit Stahlhelm pr&auml;sentiert und in Gr&auml;ben und Gesch&uuml;tzm&uuml;ndungen schaut &ndash; nat&uuml;rlich nur in ukrainische! &ndash; lehrt auch V&ouml;lkerkunde, sie wei&szlig; genau: &bdquo;Die Russen sind kein modernes europ&auml;isches Volk.&ldquo; Die Ukraine, welche Faschisten und Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera zu ihren Gr&uuml;nderv&auml;tern erkoren hat, diese Ukraine dagegen schon. Diese Ukraine muss also bedingungslos unterst&uuml;tzt werden: &bdquo;Jedes einzelne gepanzerte Fahrzeug, das geliefert wird, kann einen Unterschied ausmachen&ldquo;, sagt Eigendorf. Das sich selbst als Friedensstadt bezeichnende <a href=\"https:\/\/www.friedensstadt-augsburg.de\/de\/friedenspreis\">Augsburg l&auml;sst dazu verlauten<\/a>: &bdquo;Der mit 12.500 Euro dotierte Preis zeichnet Pers&ouml;nlichkeiten aus, die sich um ein tolerantes und friedvolles Miteinander von Angeh&ouml;rigen vielf&auml;ltiger Kulturen und Religionen verdient gemacht haben.&ldquo;<\/p><p><strong>Der Russe mag lieber Geld als Freiheit<\/strong><\/p><p>Ebenfalls firm in V&ouml;lkerkunde und Nationalismus zeigt sich der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow: &bdquo;Ukrainer und Russen haben verschiedene Mentalit&auml;ten. Russen f&uuml;hlen sich dem Kollektiv verpflichtet. Sie lieben ihren Zaren, und manchmal t&ouml;ten sie ihn, um einen neuen zu lieben. Die Ukrainer sind Individualisten und Anarchisten. Sie haben wenig Respekt vor der Regierung &ndash; auch wenn es zur Zeit (sic) anders ist. Freiheit ist ihnen wichtiger als Stabilit&auml;t und Geld. Bei den Russen ist es genau umgekehrt: Stabilit&auml;t und Geld sind ihnen wichtiger als Freiheit und Menschenrechte.&ldquo; In der Ukraine, so Kurkow, sei die Mehrheit des PEN f&uuml;r einen <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/andrej-kurkow-wer-in-russland-nicht-zum-widerstaendler-wird-hat-keine-lust-zu-widerstehen-91472952.html\">&bdquo;totalen Boykott&ldquo; der russischen Literatur<\/a>. Kurkow hat 2022 den Geschwister-Scholl-Preis erhalten, vergeben vom B&ouml;rsenverein des deutschen Buchhandels und der Stadt M&uuml;nchen. Ein Zitat der von den Nazis ermordeten Sophie Scholl: &bdquo;Ich kann es nicht begreifen, dass nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und ich finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist f&uuml;r&acute;s Vaterland.&ldquo;<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000145350231\/ukrainische-kulturszene-im-heftigen-streit-ueber-alles-russische\"><em>Der Standard<\/em> schreibt am 11. April 2023<\/a>, je l&auml;nger der Krieg dauere, &bdquo;desto brutaler w&uuml;rden ukrainische K&uuml;nstlerinnen auf ihre russische und russischsprachige Kollegenschaft&ldquo; reagieren. &bdquo;Jede blo&szlig;e Erw&auml;hnung von Russland-Bez&uuml;gen verf&uuml;gt dabei &uuml;ber das Potenzial, einen gro&szlig;en Streit auszul&ouml;sen.&ldquo; Die j&uuml;disch-russische Lyrikerin Maria Stepanova wurde im vergangenen Jahr mit dem Leipziger Buchpreis zur Europ&auml;ischen Verst&auml;ndigung ausgezeichnet, mit dem laut Statut &bdquo;Pers&ouml;nlichkeiten gew&uuml;rdigt (werden), deren geistiges und literarisches Werk sich in hervorragendem Ma&szlig;e um das gegenseitige Verst&auml;ndnis in Europa und dar&uuml;ber hinaus verdient gemacht hat und sich zeitgeschichtlicher Zusammenh&auml;nge bewusst ist.&ldquo; Dass die Jury die Ehrung unter anderem auch <a href=\"https:\/\/www.leipzig.de\/freizeit-kultur-und-tourismus\/kunst-und-kultur\/kunst-und-kulturpreise\/leipziger-buchpreis-zur-europaeischen-verstaendigung\/bisherige-preistraeger\/-innen#c302120\">damit begr&uuml;ndete<\/a>, Stepanova verhelfe &bdquo;dem nicht-imperialen Russland zu einer literarischen Stimme, die es verdient, in ganz Europa geh&ouml;rt zu werden&ldquo;, n&uuml;tzte allerdings nicht. Stepanovas ukrainische Kollegin Halyna Kruk konstatierte: &bdquo;Die russische Revanche schreitet voran.&ldquo;<\/p><p><strong>Nur ein Drittel des Nobelpreises? Skandal!<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Gewalt des Krieges darf die Sprache von Literatur und Kunst nicht zum Schweigen bringen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/friedensstadt.osnabrueck.de\/de\/aktuelles\/feierliche-uebergabe-des-erich-maria-remarque-friedenspreises-an-schriftstellerin-ljudmila-ulitzkaja\/\">sagte 2023<\/a> die Vorsitzende der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis-Jury, Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl, Pr&auml;sidentin der Universit&auml;t Osnabr&uuml;ck. Das stellte sich als frommer Wunsch heraus. Es folgte ein Eklat, denn der Hauptpreis ging an die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, der Sonderpreis jedoch an den ukrainischen Illustrator Serhij Majdukow. Letzterer weigerte sich, gemeinsam mit einer Russin auf einer B&uuml;hne zu stehen, sodass die Jury schlie&szlig;lich erkl&auml;rte:<strong> <\/strong>&bdquo;Wir freuen uns, dass die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja den Friedenspreis und der ukrainische Zeichner Sergiy Majdukov den Sonderpreis annehmen, m&uuml;ssen aber zugleich auch akzeptieren, dass beide, solange der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nicht beendet ist, sich nicht auf ein Podium einfinden k&ouml;nnen.&ldquo; Bei der Verleihung an Ulitzkaja erkl&auml;rte die Oberb&uuml;rgermeisterin Katharina P&ouml;tter (CDU) Osnabr&uuml;ck quasi zur Frontstadt: &bdquo;Ich m&ouml;chte betonen, dass wir in diesem Konflikt nicht neutral sind. Wir sehen uns auch nicht in einer Vermittlerrolle. Wir stehen als Stadt vielmehr fest an der Seite der Ukraine. Denn Russland tr&auml;gt ganz eindeutig die Alleinschuld an diesem Krieg.&ldquo;<\/p><p>Dann war da noch die Sache mit dem gedrittelten Friedensnobelpreis 2022. Ausgezeichnet wurde das ukrainische Zentrum f&uuml;r b&uuml;rgerliche Freiheiten, aber auch der belarussische Menschenrechtler Ales Bialiatski und die russische Organisation Memorial. <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000139802882\/laute-kritik-in-der-ukraine-an-verleihung-des-friedensnobelpreises\"><em>Der Standard<\/em> schrieb dazu am 8. Oktober 2022<\/a>: &bdquo;Die Gewinner des Friedensnobelpreises 2022 waren gerade erst bekannt gegeben worden, als Mychajlo Podoljak, einer der hochrangigsten Berater des ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj, sein Urteil &uuml;ber die Entscheidung von Oslo mit der halben Million Menschen teilte, die ihm auf Twitter folgen: ,Das Nobelpreiskomitee hat ein interessantes Verst&auml;ndnis von ,Frieden&rsquo;, wenn zwei Repr&auml;sentanten aus L&auml;ndern ausgezeichnet werden, das ein drittes attackiert hat. Weder die russischen noch die belarussischen Organisationen waren in der Lage, Widerstand gegen den Krieg zu organisieren.&lsquo;&ldquo; <em>Der Standard<\/em> weiter: &bdquo;Von h&ouml;chster Regierungsebene angestachelt, suchten sich in der Folge zehntausende Ukrainer auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. in der Verurteilung der Entscheidung von Oslo gegenseitig zu &uuml;berbieten. Bis hin zur Forderung an die ukrainischen Preistr&auml;ger, den Nobelpreis nicht anzunehmen &hellip;&ldquo;<\/p><p><strong>Selenskyj verbietet Verhandlungen<\/strong><\/p><p>Noch einmal <em>Der Standard<\/em>: &bdquo;Dem Image der Ukraine als das eines weltoffenen Landes, dessen Gesellschaft seine multilinguale, multiethnische Zusammensetzung ebenso zelebriert wie seine liberale Demokratie, das die Selenskyj-Regierung heute den westlichen &Ouml;ffentlichkeiten verkauft, erweisen sie (RKo: die Kritiker) damit einen B&auml;rendienst.&ldquo; Apropos Selenskyj: Am 11. M&auml;rz 2022 schlugen westliche Politiker, darunter das Mitglied des Europ&auml;ischen Parlaments Katrin Langensiepen (B&uuml;ndnis90\/Die Gr&uuml;nen), dem Nobelpreiskomitee in einem Offenen Brief den ukrainischen Pr&auml;sidenten selbst als Kandidat f&uuml;r den Friedensnobelpreis vor. Jawohl, den korrupten Pandora-Paper-Man Selenskyj, der am 4. Oktober 2022 ein Dekret erlie&szlig;, in dem er direkte Verhandlungen mit Russland unter Strafe stellte!<\/p><p>Den Friedensnobelpreis hat Selenskyj bisher nicht erhalten, aber im vergangenen Jahr, zusammen mit dem ukrainischen Volk, immerhin den Aachener Karlspreis, der f&uuml;r Verdienste um Europa und die europ&auml;ische Einigung verliehen wird. Fr&uuml;here Karlspreistr&auml;ger sind Tony Blair, Bill Clinton und Javier Solana, die von Karlspreis-Kritikern als Verantwortliche der NATO-Angriffe im Jugoslawien-Krieg bezeichnet wurden. Ebenfalls in der Preistr&auml;gerliste: Donald Tusk (2010), Wolfgang Sch&auml;uble (2012) und Emmanuel Macron (2018). Ursula von der Leyen, die vom Korruptionsdunst umwehte und gerade wiedergew&auml;hlte Pr&auml;sidentin der Europ&auml;ischen Union, damals bei der <a href=\"https:\/\/germany.representation.ec.europa.eu\/news\/kommissionsprasidentin-von-der-leyen-bei-verleihung-des-karlspreises-wolodymyr-selenskyj-und-das-2023-05-14_de\">Preiszeremonie<\/a>: &bdquo;Die Ukraine verk&ouml;rpert all das, wof&uuml;r die Europ&auml;ische Idee steht: den Mut, zu seinen &Uuml;berzeugungen zu stehen, den Kampf f&uuml;r Werte und Freiheit, das Ringen f&uuml;r Frieden und Einheit.&ldquo; Schon ein Jahr vorher hatte von der Leyen <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/speech_22_5493\">in Bezug auf die Ukraine gejubelt<\/a>: &bdquo;Eine Nation von Helden wurde geboren. Wir verneigen uns vor einem Land europ&auml;ischer Helden.&ldquo;<\/p><p><strong>Kaja Kallas, die EU und der Krieg<\/strong><\/p><p>An der Seite der Obereurop&auml;erin von der Leyen steht bald Kaja Kallas, Premierministerin von Estland, die EU-Au&szlig;enbeauftragte wird, also so etwas wie die Au&szlig;enministerin der Europ&auml;ischen Union. Die &bdquo;Eiserne aus dem Baltikum&ldquo; hat in ihrem Land, in dem ein Viertel der Bev&ouml;lkerung russischsprachig ist, den Russischunterricht abgeschafft, sowjetische Kriegsdenkm&auml;ler abrei&szlig;en lassen und &auml;ltere und schon Jahrzehnte in Estland lebende russische Muttersprachler, wenn sie einen estnischen Sprachtest nicht bestanden, aus dem Land getrieben. Kallas dr&auml;ngt die NATO-Mitglieder, nicht nur zwei, sondern drei Prozent des BIP f&uuml;r das Milit&auml;r auszugeben, und sie fordert in Bezug auf Waffen f&uuml;r die Ukraine in einem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2023\/42\/kaja-kallas-premierministerin-estland-kriegsmuedigkeit\/seite-2\">Interview mit der <em>Zeit<\/em><\/a>: &bdquo;Bitte gebt alles, was ihr geben k&ouml;nnt!&ldquo;<\/p><p>Kallas ist in diesen fatalen Zeitenwendezeiten nat&uuml;rlich pr&auml;destiniert f&uuml;r einen Preis, der angeblich demokratische Grundwerte hochh&auml;lt und V&ouml;lkerverst&auml;ndigung und Toleranz &ndash; so wie der Preis der Walther-Rathenau-Stiftung, den Kallas in diesem Fr&uuml;hjahr erhalten hat. Der deutsche Au&szlig;enminister Rathenau wurde 1922, ein paar Monate, nachdem er in Rapallo mit Sowjetrussland die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen ausgehandelt hatte, von russophoben Nationalisten ermordet: &bdquo;In der Zeit des Nationalsozialismus&ldquo;, so <em>Wikipedia<\/em>, &bdquo;wurde das Andenken an Rathenau demonstrativ getilgt. Die Gedenktafel am Ort seiner Ermordung wurde entfernt.&ldquo; Die FDP-nahe Walther-Rathenau-Stiftung dagegen tilgt nicht den Namen Rathenau, aber mit der Verleihung ihres Preises an Kaja Kallas das, wof&uuml;r er stand. Die EU jedenfalls wird mit Kallas noch verhandlungsunf&auml;higer und noch kriegst&uuml;chtiger. Zur Erinnerung: Diese EU hat 2012 auch mal einen Friedenspreis gewonnen &ndash; sogar den Friedensnobelpreis. H&ouml;chste Zeit, ihn zur&uuml;ckgeben.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Vladimir Sukhachev<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115941\">Wir sind Ukraine!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112668\">Die Feigen und die Toten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103152\">L&uuml;gen, Leoparden und notwendige Gemetzel<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100370\">Auf geht&rsquo;s! Tschaikowsky, Tolstoi und Co. ausmerzen!<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Friedenspreise sind kriegst&uuml;chtig geworden. Ihre Namensgeber und ihre Satzungen, die zu V&ouml;lkerverst&auml;ndigung oder gar zum Pazifismus aufrufen, sind nur noch Ballast und werden inzwischen ignoriert. Gepriesen wird jetzt, wer lautstark nach den Waffen schreit und jeden Wunsch nach Verhandlungen denunziert. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":118747,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,161],"tags":[3293,3260,2572,3479,259,1625,260,626],"class_list":["post-118746","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wertedebatte","tag-bellizismus","tag-feindbild","tag-friedenspreis","tag-kallas-kaja","tag-russland","tag-stiftungen","tag-ukraine","tag-von-der-leyen-ursula"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/shutterstock_2279577319.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/118746","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=118746"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/118746\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":118876,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/118746\/revisions\/118876"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/118747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=118746"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=118746"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=118746"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}