{"id":1189,"date":"2006-04-10T17:52:23","date_gmt":"2006-04-10T15:52:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1189"},"modified":"2016-02-13T15:15:30","modified_gmt":"2016-02-13T14:15:30","slug":"die-ruhrkohle-ag-die-sechste-fraktion-im-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1189","title":{"rendered":"Die Ruhrkohle AG, die sechste Fraktion im Bundestag"},"content":{"rendered":"<p>Bis 2012 erh&auml;lt die deutsche Steinkohle abschmelzend zwischen 2,5 auf 1,83 Milliarden Euro Beihilfen allein vom Bund. Insgesamt haben Bund und L&auml;nder 16 Milliarden Subventionen in einem sog. Kohlekompromiss im Jahre 2003 zugesagt. Ein Gro&szlig;teil dieser Gelder flie&szlig;t an die Ruhrkohle AG (RAG). Ihr Chef, der ehemalige Wirtschaftsminister Werner M&uuml;ller, will nun 2007 auch noch unbedingt an die B&ouml;rse, dazu muss er aber die Haftung f&uuml;r Altlasten in H&ouml;he von gesch&auml;tzten 4 bis 5 Milliarden Euro aus der Bilanz schaffen, auch dabei m&uuml;ssen der Bund und die Landesregierung NRW mitspielen.<br>\nSehen wir einmal von der energiepolitischen Frage ab, so ist nochvollziehbar, dass sich die RAG in Zeiten knapper &ouml;ffentlicher Kassen und permanenter Forderung &uuml;ber einen Subventionsabbau politisch gut wappnen muss, um ihre Pfr&uuml;nde zu verteidigen.<br>\nDie RAG hat dazu ein politisches Netzwerk aufgebaut, wo viele H&auml;nde die Hand der RAG waschen.<br>\n<!--more--><br>\nDie Essener Ruhrkohle AG hat laut einer Bekanntmachung des Bundestagspr&auml;sidenten Lammert im Februar dieses Jahres &ndash; pikanterweise im Vorfeld des sog. Energiegipfels &ndash; an die SPD 100.000 Euro, an die CDU 70.000 Euro gespendet. Die CSU soll 30.000 Euro und die FDP 50.000 Euro bekommen haben (was selbst der FDP-Fraktionschef im D&uuml;sseldorfer Landtag, Papke, f&uuml;r politisch bedenklich h&auml;lt). Die Gr&uuml;nen und die WASG\/Linkspartei gingen leer aus. <\/p><p>Es ist schon ein bemerkenswerter Vorgang, wenn ein Konzern, der Milliarden an Steuergeldern kassiert, daraus beachtliche Betr&auml;ge als Spenden zur &bdquo;Landschaftspflege&ldquo; an Parteien transferiert. Das scheint der Bundesrechnungshof ganz &auml;hnlich zu sehen. Er hatte schon 2005 Anzeigenkampagnen der RAG in H&ouml;he von rund 8,8 Millionen Euro als nicht mit dem Zweck von staatlichen Zusch&uuml;ssen zur Absatzverbesserung der heimischen Steinkohle vereinbar angesehen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/data\/2006\/04\/04\/869512.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.welt.de\/data\/2006\/04\/04\/869512.html\">DIE WELT<\/a>).<\/p><p>Aber lassen wir neben der Einflussnahme auf die Energiepolitik im Lande auch noch die politische Einflussnahme &uuml;ber Parteispenden einmal au&szlig;er Betracht, schlie&szlig;lich spenden auch die Automobilkonzerne oder Siemens an die Parteien und das sogar noch in gr&ouml;&szlig;erem Umfang. Solange solche Gro&szlig;spenden nicht wie in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern verboten sind, hat das zwar ein &bdquo;Geschm&auml;ckle&ldquo;, aber als eine illegale Korruption gilt das nicht. <\/p><p>Die RAG kann das sogar guten Gewissens als &bdquo;g&auml;ngige Praxis&ldquo; ansehen, denn sie braucht f&uuml;r ihre politische Einflussnahme die Parteien gar nicht. Sie hat viel direktere Einwirkungsm&ouml;glichkeiten auf die Politik: Sie vernetzt sich mit dem politischen Personal. <\/p><ul>\n<li>Der fr&uuml;here Manager des E.on-Vorl&auml;ufers Veba und von 1998 bis 2002 parteillose Wirtschaftsminister Werner M&uuml;ller wurde 2003 Vorstandschef der RAG, nachdem er sich vorher f&uuml;r den sog. Kohlekompromiss eingesetzt hatte.<\/li>\n<li>M&uuml;llers fr&uuml;herer Staatssekret&auml;r, der sich mit einer &bdquo;Ministererlaubnis&ldquo; &uuml;ber das Votum des Bundeskartellamtes hinwegsetzte und der Fusion von E.on und Ruhrgas zustimmte, wechselte 2005 als Vorstandsvorsitzender zur RAG-Strom-Tochter Steag, die wiederum beim Bau und Betrieb von Kohlekraftwerken aktiv ist. Als E.on Tochter konnte wiederum auch die RAG von Tackes Erlaubnis profitieren.<\/li>\n<li>Tackes Nachfolger unter &bdquo;Superminister&ldquo; Clement als Zust&auml;ndiger f&uuml;r Energiefragen wurde der RAG- und kohlefreundliche Georg Wilhelm Adamowitsch, fr&uuml;her einmal einige Jahre Beauftragter des (vor allem auf der Basis von Kohlekraftwerken arbeitenden) Stromversorgers VEW AG.<\/li>\n<li>Auch der pensionierte Staatssekret&auml;r im Bundesfinanzminister Manfred Overhaus, dem nachgesagt wird, dass es ihm egal sei, wer unter ihm Finanzminister ist, landete als Berater des RAG-Chefs M&uuml;ller, angeblich als Fachmann f&uuml;r Subventionsfragen.<br>\nAngeblich honorarfrei hat sich auch Altkanzler Schr&ouml;der in die Riege der M&uuml;ller-Berater eingereiht, als er unl&auml;ngst zur &Uuml;berraschung des neuen Wirtschaftsministers Glos mit am Gespr&auml;chstisch im Berlin Nobel-Hotel Adlon sa&szlig;.<\/li>\n<li>Anfang Februar 2006 wurde der fr&uuml;here Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement in den Aufsichtsrat von RWE Power berufen, die eine gro&szlig;e Zahl von Kohlekraftwerken betreibt.<\/li>\n<li>Unl&auml;ngst wurde bekannt, dass auch der zweite Mann im Staat, der Parlamentspr&auml;sident Norbert Lammert, als Aufsichtsrat der RAG j&auml;hrlich 25.000 Euro bezieht. Markus Schulz, fr&uuml;her einmal neun Jahre lang Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der CDU-Landesgruppe NRW, wurde zum Mitarbeiter der RAG-Repr&auml;sentanz in Berlin.<\/li>\n<li>Der fr&uuml;here Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion Friedrich Merz ist als Anwalt f&uuml;r die RAG t&auml;tig. (Er will sich angeblich aus den Entscheidungen des Bundestags zum geplanten B&ouml;rsengang der RAG heraushalten.)<\/li>\n<\/ul><p>Zu den Nebent&auml;tigkeiten von Merz zitieren wir einfach einmal <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Merz\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Merz\">Wikpedia<\/a>: <\/p><blockquote><p>Neben seinem Abgeordnetenmandat bekleidet Merz noch zahlreiche Nebent&auml;tigkeiten. So ist er als Anwalt t&auml;tig und sitzt in Aufsichtsgremien bzw. Beir&auml;ten der AXA Konzern AG, der BASF AG, der Commerzbank AG, der Deutsche B&ouml;rse AG, der Interseroh AG, der M&ouml;ller &amp; F&ouml;rster KG Baum&auml;rkte-Baustoffe, der Odewald &amp; Compagnie &ndash; Gesellschaft f&uuml;r Beteiligungen mbH, der Rockwool Beteiligungs GmbH und der Wirtschaftspr&uuml;fungsgesellschaft Ernst &amp; Young. Bis zum 31.12.2004 war Friedrich Merz Anwalt in der K&ouml;lner Kanzlei Cornelius, Haesemann und Partner. Nach seinem R&uuml;ckzug als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU wurde Merz Partner in der internationalen Kanzlei Mayer, Brown, Rowe &amp; Maw.<br>\nDer britische Hedge-Fonds TCI, der zu den Klienten der Kanzlei geh&ouml;rt, ebnete Merz im Juli 2005 den Weg in den Aufsichtsrat der Deutschen B&ouml;rse AG. Er ist auch f&uuml;r den Berliner Immobilieninvestor &bdquo;Apellas&ldquo; t&auml;tig, hinter dem u.a. der amerikanische Spekulant George Soros steht. Bereits seit 2004 ist Merz Mitglied im Wirtschaftsrat von Borussia Dortmund. Er ist ein Gr&uuml;ndungsmitglied des F&ouml;rdervereins f&uuml;r die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).<\/p><\/blockquote><p>Wir haben jetzt nur einmal die bekannteren Namen aus dem Kohle-Kl&uuml;ngel genannt, man m&uuml;sste nat&uuml;rlich auch noch den ehemaligen CDU-Generalsekret&auml;r und heutigen wirtschaftspolitischen Sprecher Laurenz Meyer nennen und den ehemaligen Landtagsabgeordneten Hermann-Joseph Arentz, die mit der RAG-Mutter RWE verbandelt sind oder waren, die hunderte von Ratsmitgliedern in den Ruhrgebietsst&auml;dten, die in irgendwelchen Beir&auml;ten von RWE und RAG ihre freundlichen Zuwendungen erfahren.<br>\nUnd wenn man in den Filz noch etwas tiefer eindringen k&ouml;nnte, w&uuml;rde man auf Dutzende von Bundes- und Landtagsabgeordnete, auf zig Ratsmitglieder und auf eine Vielzahl mit Energiefragen befasste Beamte im Bund und in den Kohlel&auml;ndern sto&szlig;en, die von der RAG &bdquo;betreut&ldquo; werden. <\/p><p>Man stelle sich nur einmal einen Augenblick vor, wie die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik hier im Lande aussehen w&uuml;rde, wenn die &Auml;rmeren in diesem Land eine vergleichbare Lobby bezahlen und mit Gunsterweisen jeglicher Art die Politiker f&uuml;r sich einnehmen k&ouml;nnten.<br>\nAber das w&uuml;nschten wir uns gar nicht, denn in einer Demokratie hat bekanntlich jeder nur eine (Wahl-)Stimme. Sch&ouml;n und gut w&auml;re das f&uuml;r die Demokratie. Aber die Wirklichkeit sieht leider ziemlich anders aus, wie das Beispiel RAG zeigt.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 2012 erh&auml;lt die deutsche Steinkohle abschmelzend zwischen 2,5 auf 1,83 Milliarden Euro Beihilfen allein vom Bund. Insgesamt haben Bund und L&auml;nder 16 Milliarden Subventionen in einem sog. Kohlekompromiss im Jahre 2003 zugesagt. Ein Gro&szlig;teil dieser Gelder flie&szlig;t an die Ruhrkohle AG (RAG). 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