{"id":118904,"date":"2024-07-30T10:00:21","date_gmt":"2024-07-30T08:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118904"},"modified":"2024-07-31T07:31:15","modified_gmt":"2024-07-31T05:31:15","slug":"cancel-culture-machtmittel-und-gefahr-fuer-die-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118904","title":{"rendered":"Cancel Culture: Machtmittel und Gefahr f\u00fcr die Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Nur was perfekt kontrolliert wird, kann die Sicherheit nicht bedrohen. Perfekte Kontrolle aber hei&szlig;t Unterwerfung, hei&szlig;t besiegen.&ldquo; Das schrieb der Kommunikationswissenschaftler Claus Eurich in seinem 1994 ver&ouml;ffentlichten Buch &bdquo;T&ouml;dliche Signale &ndash; Die kriegerische Geschichte der Informationstechnik&ldquo;. Es gilt bis heute und dar&uuml;ber hinaus. Die Methoden dabei werden st&auml;ndig erweitert, wie Eurichs Fachkollege <strong>Michael Meyen<\/strong> in seinem neuesten Buch zeigt. Von <strong>Tilo Gr&auml;ser<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2325\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-118904-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730_Cancel_Culture_Machtmittel_und_Gefahr_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730_Cancel_Culture_Machtmittel_und_Gefahr_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730_Cancel_Culture_Machtmittel_und_Gefahr_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730_Cancel_Culture_Machtmittel_und_Gefahr_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=118904-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730_Cancel_Culture_Machtmittel_und_Gefahr_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240730_Cancel_Culture_Machtmittel_und_Gefahr_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Cancel Culture ist nicht nur einfach eine Marotte woker &bdquo;Gutmenschen&ldquo; und selbsternannter &bdquo;Antifa&ldquo;-Aktivisten. Dieses Ph&auml;nomen ist eher kulturlos und zerst&ouml;rt Kultur, aber es ist mehr: ein gezielt eingesetztes Machtmittel. Das hat der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen k&uuml;rzlich im Berliner <a href=\"https:\/\/www.sprechsaal.de\">&bdquo;Sprechsaal&ldquo;<\/a> deutlich gemacht, als er &uuml;ber dieses gesellschaftliche Ph&auml;nomen sprach. Der selbst von dieser &bdquo;sanften Zensur&ldquo; betroffene Kommunikationswissenschaftler hat sein <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/hintergrund-buchreihe-wissen-kompakt\/\">neuestes Buch<\/a> vorgestellt, das k&uuml;rzlich unter dem Titel &bdquo;Cancel Culture &ndash; Wie Propaganda und Zensur Demokratie und Gesellschaft zerst&ouml;ren&ldquo; erschien.<\/p><p>Meyen beschreibt darin unter anderem die technischen Grundlagen dieser neuen Form der Zensur, die ihre Wirkung vor allem mit Hilfe des Internets und der digitalen Plattformen erzielt. Er stellt fest, dass Internet und Ideologie, Kommunikationskanal und Inhalte &bdquo;zusammenpassen wie die Faust aufs Auge&ldquo;. Die digitalen Kommunikationskan&auml;le w&uuml;rden &uuml;ber Spaltung funktionieren, erkl&auml;rte er seinem Publikum in Berlin. Die digitale Kommunikation und das Internet funktionieren mit dem Code Eins und Null &bdquo;und nichts dazwischen&ldquo;. Wer Erfolg auf diesen Kan&auml;len haben will, m&uuml;sse moralisieren und &bdquo;klare Kante zeigen. Dann muss ich mich zu einer Gruppe bekennen und alle anderen Gruppen ablehnen.&ldquo; Dieses Prinzip der Kommunikationskan&auml;le sei in den 1960er-Jahren vom US-Kriegsministerium Pentagon auf den Weg gebracht worden, so Meyen.<\/p><p>Differenzierung und Zwischent&ouml;ne seien bei alldem nicht mehr gefragt, machte er deutlich und verwies auf die &bdquo;intellektuelle Barrierefreiheit&ldquo; der Inhalte. &bdquo;Da muss man nicht viel lesen, um zu verstehen, worum es dabei geht&ldquo;, was sich auch sehr gut eigne, &bdquo;um Gut und B&ouml;se zu benennen&ldquo;. Die ideologischen und theoretischen Konstrukte, auf die sich die entsprechenden Aktivisten &ndash; von Klima &uuml;ber Gender bis &bdquo;Antifa&ldquo; &ndash; st&uuml;tzen, w&uuml;rden ihnen helfen, die Welt in Gut und B&ouml;se einzuteilen. Das passe zu den Kommunikationskan&auml;len auf den digitalen Plattformen, die &uuml;ber Moralisierung und Polarisierung funktionierten.<\/p><p>&bdquo;Beide Dinge kommen also aus der gleichen K&uuml;che&ldquo;, erkl&auml;rte der Kommunikationswissenschaftler und verwies auf die Zusammenarbeit des Pentagons mit den Digitalkonzernen. Und bei beiden, der Technologie wie den ideologisierten Inhalten, gehe es um Kontrolle. In den 1960er-Jahren begann nicht nur die Umw&auml;lzung der Technologie und Gesellschaft mit ihren einzelnen Bereichen durch die zunehmend massenhaft einsetzbaren Computer und damit der Digitalisierung. Die gleichzeitigen und teilweise mit der technologischen Entwicklung verbundenen globalen gesellschaftlichen Umbr&uuml;che machten den bis dahin Herrschenden Sorgen und Angst um ihre Macht &ndash; in Ost und West.<\/p><p><strong>Gezielte Ablenkung<\/strong><\/p><p>Zunehmend sei weltweit nach den M&ouml;glichkeiten einer freieren und gerechteren Gesellschaft gesucht worden, auch ausgehend von den sozialistischen Ideen, erinnerte Meyen. &bdquo;F&uuml;r die wenigen, die fast alles besitzen, ist das bedrohlich: Sehr viel mehr Menschen, die formal sehr viel besser gebildet sind und Zeit haben, weil sie sich nicht permanent ums &Uuml;berleben k&uuml;mmern m&uuml;ssen.&ldquo; Das sei in den 1960er-Jahren der Ansatzpunkt f&uuml;r die Entwicklung des Internets gewesen, das neben der Funktion als atomkriegssicheres Kommunikationssystem die eines &Uuml;berwachungs- und Kontrollsystems habe. Letzteres k&ouml;nne nur funktionieren, wenn es global genutzt wird und die Eingabeinstrumente wie Computer und Smartphones von allen benutzt werden.<\/p><p>Dazu seien die Menschen gebracht worden mit Hilfe von Unterhaltungs- und Ablenkungsprogrammen, aber auch mit dem Aspekt der Bequemlichkeit und der scheinbaren Schnelligkeit der Kommunikation. Zu den Folgen geh&ouml;re, dass Studien zufolge junge Menschen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren rund 70 Stunden in der Woche die digitalen Ger&auml;te nutzen. Wir werden dabei in die &Uuml;berwachung und Kontrolle gelockt, so Meyen, indem uns online Dinge geboten werden, nach denen wir suchen, zuallererst ein bequemes Leben. Dazu geh&ouml;re aber auch die M&ouml;glichkeit, auf diesen Ger&auml;ten Informationen abzurufen, die den offiziellen Interpretationen der Wirklichkeit, der Rechtfertigungslehre und herrschenden Ideologie widersprechen. &bdquo;Das ist der Trigger, der uns ins Netz bringt und der letztlich uns &uuml;berwacht und kontrollierbar macht.&ldquo;<\/p><p>Hinzu komme eine Ideologie, &bdquo;die jungen Leuten das Gef&uuml;hl gibt, fortschrittlich zu sein, auf der Seite der Guten zu stehen, ohne die entscheidende Frage nach dem Eigentum zu stellen: Wem geh&ouml;rt die Welt?&ldquo; Diese Frage werde nicht gestellt, und trotzdem k&ouml;nnten sich die davon abgelenkten jungen Aktivisten gut f&uuml;hlen, weil sie &bdquo;gegen das noch B&ouml;sere&ldquo; k&auml;mpfen. Meyen beschreibt das in seinem neuen Buch ausf&uuml;hrlicher: &bdquo;Cancel Culture ist ein Programm, das Deutungshoheit sichert und damit Macht.&ldquo;<\/p><p>Meyen analysiert darin nicht nur einzelne F&auml;lle wie Warnhinweise vor alten Filmen, vermeintlich nicht bestellbare B&uuml;cher und Quasi-Berufsverbote f&uuml;r Menschen, die diffamiert werden. Bei der Buchvorstellung machte er deutlich, wer f&uuml;r Cancel Culture verantwortlich ist: &bdquo;Die Cancel Culture geht von den Leitmedien aus und von den Institutionen, die der Parteienstaat sich extra daf&uuml;r geschaffen hat oder sich in den letzten Jahren unterworfen hat, die er gekapert hat. Diese Form der Zensur st&uuml;tzt sich auf ein intellektuelles Prekariat.&ldquo;<\/p><p>Zu den Grundlagen der Cancel Culture geh&ouml;re die &bdquo;Bewusstseinsindustrie&ldquo; in Bildung, Kultur, Medien und Politik. Wer dort t&auml;tig sei und in den gro&szlig;en St&auml;dten mit ihren hohen Lebenshaltungskosten lebe, habe oft nur Zeitvertr&auml;ge und halbe Stellen. Dieses &bdquo;intellektuelle Prekariat&ldquo; konkurriere um die Posten in der Bewusstseinsindustrie. Es arbeite die Themen und die Moral ab, die von oben vorgegeben werden. Das sei das Futter f&uuml;r die Propaganda und die Zensur, die im Digitalkonzernstaat in der Zusammenarbeit von Regierung und Unternehmen durchgesetzt werden.<\/p><p><strong>Gefahr f&uuml;r die Demokratie<\/strong><\/p><p>Meyen stellte zu Propaganda und Zensur fest, dass diese als Begriffe f&uuml;r die Analyse westlicher Gesellschaften den Wissenschaftlern &bdquo;weggenommen&ldquo; worden seien. Beides werde nur noch dem politischen Gegner in anderen Systemen zugeschrieben. Es gelte f&uuml;r Sozialwissenschaftler nicht mehr als legitim, Propaganda und Zensur auch in den westlichen Gesellschaften auszumachen &ndash; &bdquo;beides machen nur die anderen&ldquo;. Dass sie auch in dem Fall zutreffende Begriffe sind, daf&uuml;r liefert er in seinem Buch eine Reihe von Beispielen.<\/p><p>&bdquo;Propaganda ist f&uuml;r mich jeder Versuch staatlicher Stellen, &ouml;ffentliche Meinung auf eine bestimmte Weise zu beeinflussen. Propaganda verlangt zwingend nach Zensur, wenn ich &Ouml;ffentlichkeit auf bestimmte Weise beeinflussen will&ldquo;, stellte er in Berlin klar. Als aktuelles Beispiel verwies er auf die politische und mediale Aufregung um die Friedensmission des ungarischen Ministerpr&auml;sidenten Viktor Orb&aacute;n. Das zeige, wie gegenl&auml;ufige Ansichten, Gegenmeinungen unterdr&uuml;ckt werden. Diese w&uuml;rden sogar erfolgreich durch Zensur unterdr&uuml;ckt, die gegen Botschaften und Inhalte zum Einsatz komme. Entscheidend seien dabei zwei Eigenschaften der betroffenen Medien und Inhalte: Die eine ist der Widerspruch zur herrschenden Meinung und die andere die hohe Reichweite unter der Bev&ouml;lkerung. Deshalb werde gegen Medien wie <em>KenFM<\/em> oder wie j&uuml;ngst das Magazin <em>Compact<\/em> vorgegangen. Auch die NachDenkSeiten haben diese Methoden schon mehrfach zu sp&uuml;ren bekommen.<\/p><p>Meyen, der als Professor f&uuml;r Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universit&auml;t (LMU) das von ihm Beschriebene selbst erlebt hat, betonte: &bdquo;Propaganda und Zensur widersprechen meinem Demokratieverst&auml;ndnis. Demokratie ist f&uuml;r mich die M&ouml;glichkeit f&uuml;r uns alle, mitbestimmen zu k&ouml;nnen, wenn es um unser Leben geht, also um die Bedingungen geht, unter denen wir leben.&ldquo;<\/p><p>Propaganda und Zensur w&uuml;rden mit Hilfe der sogenannten Leitmedien um- und durchgesetzt, die das &bdquo;Ged&auml;chtnis der Gesellschaft&ldquo; f&uuml;tterten. Sie w&uuml;rden die Themen bestimmen, &uuml;ber die die Menschen reden, ebenso die herrschende Moral. Wenn jemand nicht wisse, was in den Leitmedien berichtet wurde, falle er &bdquo;aus der Gruppe von Menschen, die man ernst nehmen muss&ldquo;. Auch daf&uuml;r sei das Magazin <em>Compact<\/em> ein Beispiel, das nur wenige wirklich kennen w&uuml;rden und gelesen h&auml;tten. Aber die meisten h&auml;tten aus den Nachrichten erfahren, es sei &bdquo;rechtsextremistisch&ldquo;. Der &bdquo;Stempel, den die Leitmedien f&uuml;r diese Angebote in das Ged&auml;chtnis der Gesellschaft eingebrannt haben&ldquo;, wirke. Deshalb sei es schwer, diese Art von Zensur auch als Zensur deutlich zu machen und zu benennen.<\/p><p>Als eine der Grundlagen dieser Mechanismen beschrieb der Kommunikationswissenschaftler &bdquo;eine sehr homogene Besetzung in einer Redaktion&ldquo; in den etablierten Medien. Es handele sich vorrangig um &bdquo;Mittelschichtkinder mit akademischer Bildung, die in teuren Gro&szlig;st&auml;dten leben. Um seine Kinder heute in den Journalismus zu schicken, muss man Geld haben.&ldquo; Der Weg zu einer festen Stelle, wenn es solche noch gibt, sei zugleich sehr lang und dauere mehrere Jahre. Das bedeute lange Zeit wenig Einkommen und Unsicherheit, die sich junge Menschen aus Arbeiterfamilien nicht leisten k&ouml;nnten. Gegenw&auml;rtig w&uuml;rden beispielsweise zwei Drittel der Programmmacher im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk, 18.000 Menschen, ohne festen Arbeitsplatz arbeiten, so Meyen.<\/p><p><strong>Zunehmende Moralisierung<\/strong><\/p><p>Das sei bis Ende des 20. Jahrhunderts anders gewesen, erkl&auml;rte er und stellte fest, dass Journalismus heute ein prek&auml;rer Beruf ist. Seit Jahren w&uuml;rden die Stellen selbst in den Lokalredaktionen abgebaut, was Konkurrenz und Konsensdruck erh&ouml;he. Das sorge mit daf&uuml;r, dass es in den Medien keinen Widerstand gegen die Vorgaben von oben gebe. Diese seien aber nur selten n&ouml;tig, wof&uuml;r eine &bdquo;Verantwortungsverschw&ouml;rung&ldquo; sorge: Diese st&uuml;tze sich zum einen auf das vermeintliche Wissen der Journalisten, &bdquo;was gut und richtig ist&ldquo; &ndash; &bdquo;das ist bei Journalisten oft das Gleiche wie bei anderen Eliten in Wirtschaft, Kultur, Politik&ldquo;. Zum anderen w&uuml;ssten die Journalisten, dass sie Einfluss auf die Gesellschaft und die &Ouml;ffentlichkeit haben. Und zuletzt bereinigten sie die Wirklichkeit um die Teile, die dem im Weg stehen k&ouml;nnten, was sie f&uuml;r gut und richtig hielten.<\/p><p>Meyen machte im Vortrag wie auch im Buch f&uuml;r die letzten Jahrzehnte eine zunehmende Moralisierung in Politik und Medien aus. Daraus seien gleichzeitig die Lebenswelt und die Themen der arbeitenden Menschen weitgehend verschwunden. Doch w&auml;hrend in den Medien fortgesetzt Stellen abgebaut w&uuml;rden, r&uuml;ste der politische und staatliche Propaganda-Apparat weiter auf. Dazu geh&ouml;re auch die zunehmende Kumpanei zwischen Regierungsstellen und Leitmedien, wie sich auch beim &Uuml;berfall auf die Compact-Zentrale gezeigt habe. Solche Vorf&auml;lle habe es auch schon in den Jahren davor gegeben, so beim Vorgehen gegen einen Verlag, der kurdische Literatur herausgab.<\/p><p>Dabei w&uuml;rden die &bdquo;Stempel im Ged&auml;chtnis der Mehrheitsgesellschaft&ldquo; in Bezug auf vermeintliche &bdquo;Rechtsextremisten&ldquo; und &bdquo;Terroristen&ldquo; helfen, eingebrannt mit Hilfe der Leitmedien. F&uuml;r diese w&uuml;rde zum Beispiel auch die auf 40 Mitarbeiter aufgestockte Abteilung f&uuml;r &bdquo;strategische Kommunikation&ldquo; im Bundesau&szlig;enministerium unter Annalena Baerbock (Gr&uuml;ne) sorgen.<\/p><p>Meyen bezeichnete die Zensur als die &bdquo;andere Seite der Propaganda-Medaille&ldquo;. Diese sei von der Europ&auml;ischen Union (EU mit dem Digital Services Act (DSA)) massiv ausgebaut worden. Damit w&uuml;rden die Internetkonzerne mit ihren digitalen Plattformen zu Kumpanen der Politik und zu &bdquo;Zensurmaschinen&ldquo; gemacht. Aber auch die Technologie der Plattformen wirke als Zensurmechanismus, da Reichweite von Inhalten und Botschaften nur durch Moralisieren erreichbar seien. Zugleich unterst&uuml;tze sie die &bdquo;Mechanik der Cancel Culture&ldquo;: &bdquo;Wir haben Leitmedien, die eine bestimmte Moral vorgeben, die bestimmte Themen vorgeben. Wir haben eine Reihe von Aktivisten im Hintergrund, die bereit sind, sich entsprechend zu &auml;u&szlig;ern. Und wir haben die Angst vor dem &ouml;ffentlichen Pranger.&ldquo;<\/p><p>Er habe das selbst erlebt, sagte Meyen und verwies auf den Umgang der LMU mit ihm, nachdem ihm Aktivisten mit Hilfe der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> N&auml;he zu Antisemiten und &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretikern&ldquo; vorgeworfen hatten. Er sei durch die Zeitung gar <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-lmu-meyen-verfassungsschutz-1.5779584?reduced=true\">zum &bdquo;Fall f&uuml;r den Verfassungsschutz&ldquo; erkl&auml;rt worden<\/a>, weil er sich f&uuml;r ein &bdquo;Querdenker&ldquo;-Medium engagiert habe. Wer einmal durch Leitmedien, Plattformen oder einen Wikipedia-Eintrag negativ gebrandmarkt worden sei, laufe &bdquo;Gefahr, dass ihnen entweder der Raum gek&uuml;ndigt wird, Demonstranten vor der T&uuml;r stehen, dass Bankdirektoren ihre Konten k&uuml;ndigen&ldquo;. Die Angst vor dem &ouml;ffentlichen Pranger bringe Bankdirektoren, Saalbetreiber, Buchherausgeber dazu, sich von Veranstaltungen und Menschen zu distanzieren.<\/p><p><strong>Widerstand gegen geistige Verarmung<\/strong><\/p><p>Dieses digitale Kesseltreiben mit einem negativen Wikipedia-Eintrag als H&ouml;hepunkt sorge daf&uuml;r, dass Autoren keine B&uuml;cher mehr ver&ouml;ffentlichen, K&uuml;nstler nicht mehr auftreten und ausstellen, Wissenschaftler nicht mehr lehren und vortragen k&ouml;nnen. Es treffe inzwischen selbst &Auml;rzte, wie Meyen am Beispiel eines Psychiaters schilderte, der sich aktivistischen Trends widersetze.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Allein schon die Angst, dass dieser Mechanismus in Gang gesetzt wird, f&uuml;hrt dazu, dass bestimmte Dinge nicht mehr passieren, dass bestimmte Dinge nicht mehr stattfinden. Bestimmte Ausstellungen, bestimmte Vortr&auml;ge, bestimmte B&uuml;cher werden nicht mehr publiziert.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In der Folge w&uuml;rden viele Dinge nicht mehr an die &Ouml;ffentlichkeit kommen. Vieles werde &bdquo;stillschweigend entsorgt&ldquo;. Das Ergebnis ist nicht nur eine Verengung des Debattenraumes, der zunehmend beklagt wird, und die Unterdr&uuml;ckung jeglichen freien Diskurses, worauf Meyen auch aufmerksam machte. Diese Entwicklung f&uuml;hre auch zu einer geistigen Armut in der Gesellschaft, die nur noch den Unterschied zwischen Gut und B&ouml;se zul&auml;sst &ndash; mit Hilfe der auf 0 und 1 basierenden digitalen Technologie. Eines der Mittel gegen die geistige Verarmung seien analoge B&uuml;cher, erkl&auml;rte der Kommunikationswissenschaftler.<\/p><p>In der Diskussion nach seinem Vortrag betonte er: &bdquo;Macht hat der, der bestimmen kann, wie wir &uuml;ber die Wirklichkeit sprechen, wie wir die Wirklichkeit sehen.&ldquo; Der Kommunikationswissenschaftler hat nach seinen Worten die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass &bdquo;Ideen wachsen werden, auch Informationssammlung und Aufbereitung auf eine andere Basis zu stellen, als wir das jetzt in den Leitmedien haben&ldquo;. Das gesellschaftliche Bewusstsein f&uuml;r die Rolle der Medien habe in den letzten zehn Jahren zugenommen, was eine Quelle f&uuml;r eine Gegenbewegung sei.<\/p><p>Er wurde auch nach Alternativen gefragt, worauf er auf die M&ouml;glichkeiten der analogen Kommunikation und Medien verwies. Letztere k&ouml;nnten nicht so schnell abgeschaltet werden wie digitale Kan&auml;le und k&ouml;nnten Inhalte vermitteln, die auf den Internet-Plattformen durch die &bdquo;Cancel Culture&ldquo; verschwinden.<\/p><p>Deshalb sei nicht nur auf Meyens B&uuml;cher hinweisen, sondern zum Abschluss ein weiteres Mal der Kommunikationswissenschaftler Claus Eurich zitiert. Der schrieb in seinem 1991 erschienenen Buch &bdquo;Die Megamaschine &ndash; Vom Sturm der Technik auf das Leben und M&ouml;glichkeiten des Widerstands&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine Gesellschaft ohne Bibliotheken, ohne Buch und Lesen hat sich selbst aufgegeben. Sie wird sich hoffnungslos im Netzwerk der Elektronik verstricken, der &uuml;berlebensnotwendigen Ideen beraubt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Eurich stellte klar: &bdquo;Lesen ist kultureller Widerstand. Wer es missachtet, ist gegen das Denken.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: &copy; Tilo Gr&auml;ser<\/small><\/p><p>Buchtipp: Michael Meyen: <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/hintergrund-buchreihe-wissen-kompakt\/\">Cancel Culture &ndash; Wie Propaganda und Zensur Demokratie und Gesellschaft zerst&ouml;ren<\/a>. Verlag Hintergrund 2024, 80 Seiten, ISBN 978-3-910568-07-5, 10,90 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Nur was perfekt kontrolliert wird, kann die Sicherheit nicht bedrohen. Perfekte Kontrolle aber hei&szlig;t Unterwerfung, hei&szlig;t besiegen.&ldquo; Das schrieb der Kommunikationswissenschaftler Claus Eurich in seinem 1994 ver&ouml;ffentlichten Buch &bdquo;T&ouml;dliche Signale &ndash; Die kriegerische Geschichte der Informationstechnik&ldquo;. Es gilt bis heute und dar&uuml;ber hinaus. 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