{"id":118916,"date":"2024-07-31T15:00:04","date_gmt":"2024-07-31T13:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118916"},"modified":"2024-08-01T19:04:07","modified_gmt":"2024-08-01T17:04:07","slug":"suedlibanon-verbranntes-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118916","title":{"rendered":"S\u00fcdlibanon: Verbranntes Land"},"content":{"rendered":"<p>In den S&uuml;den des Libanon zu fahren, bedarf einiger Vorbereitungen. Libanon und Israel sind seit Jahrzehnten im Kriegszustand, eine offizielle Grenze gibt es nicht. Die Trennungslinie zwischen dem Gebiet, das Israel f&uuml;r sich reklamiert &ndash; was vom Libanon nicht anerkannt wird -, ist mit blauen Tonnen markiert, die von der UNO dort platziert wurden. Sie markieren die &bdquo;Blaue Linie&ldquo;, eine Waffenstillstandslinie, die von UNIFIL, einer UN-Interimstruppe f&uuml;r Libanon, <a href=\"https:\/\/unifil.unmissions.org\/unifil-mandate\">kontrolliert wird<\/a>. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5156\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-118916-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730-Suedlibanon-Verbranntes-Land-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730-Suedlibanon-Verbranntes-Land-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730-Suedlibanon-Verbranntes-Land-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730-Suedlibanon-Verbranntes-Land-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=118916-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240730-Suedlibanon-Verbranntes-Land-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240730-Suedlibanon-Verbranntes-Land-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Die Reportage basiert auf Recherchen der Autorin im S&uuml;dlibanon am 18. Juli 2024<\/em><\/p><p>Seit dem 7. Oktober 2023 wird entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; geschossen. Die libanesische Hisbollah bombardiert milit&auml;rische Ziele und &Uuml;berwachungsanlagen der israelischen Streitkr&auml;fte (IDF), die mit Drohnen, Kampfjets, Artillerie bis weit in den Libanon hinein bombardieren. Der Krieg begann mit dem Krieg gegen Gaza. Nach Angaben der Hisbollah werden die Angriffe gestoppt, sobald es in Gaza einen Waffenstillstand gibt.<\/p><p>In der Zeit vom 7. Oktober 2023 bis 21. Juni 2024 haben sich entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; mindestens 7.400 Angriffe <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/6\/27\/mapping-7400-cross-border-attacks-between-israel-and-lebanon\">ereignet<\/a>. Das ergibt eine Dokumentation des <em>Armed Conflict Location and Event Data Project<\/em> (ACLED), das entsprechendes Kartenmaterial ver&ouml;ffentlichte. 83 Prozent dieser Angriffe wurden demnach von Israel ver&uuml;bt, insgesamt 6.142. Dabei wurden mindestens 543 Personen im Libanon get&ouml;tet. Hisbollah und andere bewaffnete Gruppen seien demnach f&uuml;r 1.258 Angriffe verantwortlich, hei&szlig;t es in dem Bericht. Dabei seien mindestens 21 Israelis get&ouml;tet worden.<\/p><p>Nach Angaben der Ern&auml;hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurden auf libanesischer Seite mindestens 340.000 Tiere get&ouml;tet, 47.000 Olivenb&auml;ume und 790 Hektar Agrarland zerst&ouml;rt, und zwar &bdquo;w&auml;hrend der Erntezeit&ldquo;. Die Folge sei, dass die libanesischen Bauern mehr als 70 Prozent ihrer Ernte (2023\/24) verloren und das Angebot von Nahrungsmitteln f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung sich verringert habe, hei&szlig;t es in dem FAO-Bericht. In gro&szlig;em Umfang feuern die israelischen Streitkr&auml;fte wei&szlig;en Phosphor auf libanesische W&auml;lder und Agrarland. Ernten, Boden und Grundwasser werden verseucht, das Gift bedroht Menschen und Vieh gleicherma&szlig;en. Israel zerst&ouml;re absichtlich die Lebensgrundlagen der Bev&ouml;lkerung, sind Gespr&auml;chspartner im Libanon sich sicher. Niemand soll jemals wieder in das fruchtbare, wasserreiche Gebiet zur&uuml;ckkehren, das Israel seit seiner Gr&uuml;ndung 1948 besitzen will. Tausende Familien haben ihre Lebensgrundlagen verloren.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-01-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Meiss al Jabal &ndash; &copy; Green Southerners <\/small><\/p><p><em><strong>Die Vorgeschichte<\/strong><\/em><\/p><p><em>Die Bev&ouml;lkerung der Region war nie an Kriegen und auch nicht an Grenzen interessiert, die sie und ihre Bewegungsfreiheit einschr&auml;nken w&uuml;rden. Dass ihnen ihr Land genommen wurde, dass sie heute nicht mehr einfach aus Beirut f&uuml;r einen Tagesausflug nach Haifa fahren k&ouml;nnen, nicht mehr von Beirut nach Kairo oder von Bethlehem nach Damaskus oder Bagdad reisen k&ouml;nnen, daf&uuml;r haben Gro&szlig;britannien und Frankreich Anfang des 20. Jahrhunderts gesorgt. Entlang der heutigen &bdquo;Blauen Linie&ldquo; zwischen dem Libanon und dem heutigen Israel zogen die beiden europ&auml;ischen Kolonialm&auml;chte 1916 &ndash; auf einer Landkarte &ndash; eine Linie von Akka (Acre) nach Mosul und weitere Linien, die das Gebiet aufteilten. Diese Linien gingen als <a href=\"https:\/\/balfourproject.org\/a-line-in-the-sand\/\">&bdquo;Linien im Sand&ldquo;<\/a> in die Geschichte ein, obwohl vieles keineswegs Sand, sondern seit Generationen bewirtschafteter Boden war. Es ging um die Kontrolle des gesamten Gebietes zwischen dem &ouml;stlichen Mittelmeer und dem Persischen Golf.<\/em><\/p><p><em>Mark Sykes, Diplomat Gro&szlig;britanniens, und George Picot, Diplomat Frankreichs, hatten sich 1916 &ndash; noch w&auml;hrend des Ersten Weltkrieges &ndash; im geheimen Sykes-Picot-Abkommen auf eine Aufteilung der arabischen Provinzen des zerfallenden Osmanischen Reiches geeinigt; nicht, um diesen Provinzen eine staatliche Unabh&auml;ngigkeit zu geben, wie man ihnen f&auml;lschlich versprach, sondern um sie zu kontrollieren und damit die eigenen, imperialen Interessen zu &bdquo;sichern&ldquo;. <\/em><\/p><p><em>1917 konkretisierte Gro&szlig;britannien mit der Balfour-Erkl&auml;rung seine au&szlig;enpolitischen Pl&auml;ne in der Region. Arthur James Balfour, damals britischer Au&szlig;enminister, &uuml;bermittelte der zionistischen Nationalbewegung die &bdquo;Unterst&uuml;tzung der Krone&ldquo; zur &bdquo;Errichtung einer j&uuml;dischen Heimstadt in Pal&auml;stina&ldquo;. Die zionistische Nationalbewegung verbreitete zur Umsetzung ihrer Pl&auml;ne &ndash; im eigenen und im britischen Interesse &ndash; die L&uuml;ge von Pal&auml;stina als einem &bdquo;Land ohne Volk f&uuml;r ein Volk ohne Land&ldquo;. <\/em><\/p><p><em>Zur Absicherung dieser Interessen entstand 1948 &ndash; gegen den Willen aller, die sich in der Region eine Stimme verschaffen konnten &ndash; der Staat Israel. Die damit verbundene Vertreibung der Pal&auml;stinenser, die Nakba, wiederholte sich mit jedem Krieg, jeder Hauszerst&ouml;rung, jedem neuen Siedlungsbau. Die Rolle der einstigen Kolonialmacht Gro&szlig;britanniens zwischen dem &ouml;stlichen Mittelmeer und dem Persischen Golf ging mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) an die USA &uuml;ber.<\/em><\/p><p><em>Die Rolle Israels, das sich als W&auml;chter imperialer Interessen in einer der wichtigsten geostrategischen Regionen der Welt bis heute anbietet und entsprechend mit Geld und Waffen versorgt wird, erhielt durch die USA mehr Gewicht. F&uuml;r die Region bedeutete das mehr Krisen und Kriege. Der Drang Israels nach Norden, in die fruchtbaren Gebiete des Libanon und nach Osten auf die fruchtbaren syrischen Golanh&ouml;hen h&ouml;rte nicht auf.<\/em><\/p><p><em>Will man die <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/tcbh\/article-abstract\/30\/2\/289\/5106399\">Konflikte und Kriege der Region mit Israel<\/a> verstehen, ist es hilfreich, die hier nur in Stichworten beschriebene Vorgeschichte zu kennen. Den Menschen der Region ist sie von ihren Vorfahren und deren Vorfahren vermittelt worden. Ob in Gaza, im Westjordanland, ob auf den Golanh&ouml;hen oder im Libanon &ndash; bis heute k&auml;mpfen die Menschen um ihr Land und um ihr Recht, ihr Leben und ihre Zukunft selbst zu gestalten.<\/em><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-02-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Blida, S&uuml;dlibanon im Juli 2024 &ndash; &copy; Green Southerners <\/small><\/p><p>Um die Folgen des Krieges entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; zu sehen, bedarf es einiger Vorbereitungen. Wegen des Kriegszustandes zwischen Libanon und Israel ist der S&uuml;den des Libanon eine Milit&auml;rzone, in der f&uuml;r Journalisten besondere Regeln gelten. Um dorthin zu fahren, zu filmen, zu fotografieren oder Interviews zu f&uuml;hren, bedarf es einer Genehmigung der libanesischen Streitkr&auml;fte. Wird diese erteilt, erh&auml;lt man von der Pressestelle der Armee eine E-Mail:<\/p><p>&bdquo;Wir informieren Sie, dass Sie die Genehmigung erhalten haben, in den S&uuml;den (des Libanon) zu fahren. Ihr Name steht auf der Liste &bdquo;B&ldquo;, Seriennummer ist &bdquo;59&ldquo;. Die Genehmigung ist bis zum 31. Juli 2024 g&uuml;ltig. Sie m&uuml;ssen sich beim Geheimdienst der S&uuml;dlichen Region melden, bevor sie mit Ihrer Arbeit beginnen (Original: bevor sie anfangen zu filmen). Sollten Sie weitere Fragen haben, rufen Sie bitte die Nummer (&hellip;) an.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Wo wollen Sie hinfahren, wen wollen Sie treffen?&ldquo;, fragt der Beamte der S&uuml;dlichen Region in Saida. &bdquo;Ich m&ouml;chte mit der Bev&ouml;lkerung sprechen&ldquo;, so die Autorin. &bdquo;Es geht um die Folgen der israelischen Angriffe auf die l&auml;ndlichen Gebiete mit wei&szlig;em Phosphor und die Folgen f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung. Sicherlich k&ouml;nnen doch die Mitarbeiter des Zivilschutzes dar&uuml;ber Auskunft geben.&ldquo; Ob es m&ouml;glich sei, nach Naqura zu fahren? Aus der Umgebung gebe es viele Berichte &uuml;ber solche Angriffe. Der Offizier &uuml;berlegt kurz und sagt dann, Naqura sei nicht sicher. Erst am Morgen habe Israel in der Umgebung wieder bombardiert. &bdquo;Fahren Sie Richtung Marjayoun. In Ibil al Saqi finden Sie das Hotel Dana, wo viele Journalisten wohnen. Dort werden Sie Ansprechpartner finden.&ldquo;<\/p><p><strong>R&uuml;ckblick<\/strong><\/p><p>Zuletzt war die Autorin <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/in-zeiten-des-krieges-unterwegs-im-suedlichen-libanon\/\">Mitte Oktober2023 an der &bdquo;Blauen Linie&ldquo;<\/a>. Damals ging die Fahrt von Kfar Kila &uuml;ber Odayssa entlang der von Israel errichteten Mauer und &Uuml;berwachungsanlagen bis zur K&uuml;stenstadt Naqura. Bei Aalma ech Chaab, nur knapp zehn Kilometer von Naqura entfernt, hatte eine Gruppe Journalisten &ndash; deutlich als &bdquo;Presse&ldquo; gekennzeichnet &ndash; auf einer Anh&ouml;he Position bezogen. Man tauschte sich aus, dann ging es weiter. Am n&auml;chsten Tag (13. Oktober 2023) feuerte mindestens ein israelischer Panzer <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2024\/07\/journalist-casualties-in-the-israel-gaza-conflict\/\">gezielt auf Journalisten<\/a>, die von der gleichen Anh&ouml;he aus die Lage beobachteten. Issam Abdallah von der Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em> wurde get&ouml;tet. Christina Assi, eine libanesische Fotografin, die f&uuml;r die Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em> arbeitete, wurde schwer verletzt. Ein Bein mu&szlig;te teilweise amputiert werden. Auch andere Journalisten aus der Gruppe wurden verletzt. Im November wurden bei Tayr Harfa die beiden Journalisten Farah Omar und Rabih al Mamaarih vom Nachrichtensender <em>Al Mayadeen<\/em> ebenfalls gezielt von der israelischen Armee get&ouml;tet.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-03-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Labonah &ndash; Naqura S&uuml;dlibanon &ndash; &copy; Green Southerners <\/small><\/p><p><strong>Die &bdquo;Blaue Linie&ldquo; brennt<\/strong><\/p><p>Heute ist es unm&ouml;glich, die Strecke entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; zu fahren. Die Stra&szlig;e ist milit&auml;risches Sperrgebiet und eine Kampfzone. Odayssa, Meiss al Jebl, Blida, Bint Jbeil, Aalma ech Chaab und Naqura brennen. Tausende Familien mussten fliehen. In Marjayoun ist ein St&uuml;tzpunkt des Zivilschutzes, also geht die Fahrt dieses Mal &uuml;ber Nabatieh in Richtung S&uuml;dosten. Hinter Nabatieh wird die Stra&szlig;e schmal und schl&auml;ngelt sich schlie&szlig;lich durch das Litani-Tal, das sich nach Osten hin &ouml;ffnet. Kleine Pinienw&auml;lder ziehen sich die H&uuml;gel entlang, der schmale Flu&szlig;lauf des Litani ist unter dichtem Buschwerk verborgen. Nach Westen, zum Meer hin, steigt allm&auml;hlich eine steile Felswand empor, auf deren H&ouml;he die Kreuzfahrerburg Beaufort liegt. Es sieht aus, als sei sie in den Felsen gebaut. Zuletzt hatten sich dort israelische Truppen verschanzt, die gro&szlig;e Teile des Libanon (1982-2000) besetzt hielten.<\/p><p>Nur wenige Fahrzeuge sind unterwegs, das Gebiet ist weitgehend unbewohnt. Natursch&uuml;tzer wie die &bdquo;Green Southerners&ldquo;, was so viel hei&szlig;t wie &bdquo;Die gr&uuml;nen Leute aus dem S&uuml;den&ldquo;, m&ouml;chten das Litani-Tal und die umliegenden W&auml;lder als &bdquo;Kulturerbe&ldquo; f&uuml;r den Libanon erhalten und engagieren sich gegen eine Bebauung. Derzeit sorgen allerdings der Krieg und die Wirtschaftskrise (seit 2019) daf&uuml;r, dass Bauma&szlig;nahmen nicht in Frage kommen. Die libanesischen Natursch&uuml;tzer dokumentieren seit Monaten die Verw&uuml;stung von W&auml;ldern, Agrarland, von Obst- und Olivenhainen durch Brandbomben der israelischen Streitkr&auml;fte und durch Beschuss mit wei&szlig;em Phosphor.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-04-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Labonah &ndash; Naqura S&uuml;dlibanon &ndash; &copy; Green Southerners <\/small><\/p><p>Unterhalb der Festung Beaufort &uuml;berquert die Stra&szlig;e den Litani-Flu&szlig; &uuml;ber die Khardali-Br&uuml;cke. Die Libanesische Armee unterh&auml;lt hier einen Kontrollpunkt und kontrolliert ein- und ausfahrende Fahrzeuge. Unser Wagen ist mit einem &bdquo;Presse&ldquo;-Schild markiert und wird zur Seite gewunken. Der zust&auml;ndige Offizier pr&uuml;ft die Papiere und findet den Namen der ausl&auml;ndischen Journalisten auf der B-Liste. Der Checkpoint ist &uuml;ber ihr Kommen informiert, der Wagen kann passieren. Anhalten ist nicht<\/p><p>Zwischen Felsw&auml;nden schl&auml;ngelt sich die Stra&szlig;e wieder hinauf in Richtung Marjayoun. An verschiedenen Stellen ist das Land bis tief hinunter in die Schlucht verbrannt. Es geht vorbei an einer Quelle, an der erst vor wenigen Wochen zwei M&auml;nner get&ouml;tet wurden. Sie hatten angehalten, um sich mit Wasser zu versorgen, als eine israelische Drohne sie ins Visier nahm und t&ouml;tete. Darum werden alle Fahrzeuge, die die Khardali-Br&uuml;cke &uuml;berqueren, angewiesen, bis Bourj al-Mouluk (Mulukkenturm), einem Ort auf der H&ouml;he, nicht zu stoppen.<\/p><p>Die Bewohner der Region erz&auml;hlen sich, dass die K&auml;mpfer der Hisbollah, die fr&uuml;her im Litani-Tal und den umliegenden H&uuml;geln jahrelang die israelischen Besatzungstruppen bek&auml;mpft hatten, an der Quelle immer Halt gemacht und getrunken h&auml;tten. Das Wasser habe ihnen Kraft gegeben, die israelischen Feinde schlie&szlig;lich zu verjagen, sagen die Leute. Darum sei das Wasser bei Vorbeifahrenden so beliebt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-05-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Anh&ouml;he Marjayoun &ndash; &copy; Green Southerners <\/small><\/p><p>Kurz vor Marjayoun auf einer Anh&ouml;he stehen Pressefahrzeuge. Auf einem Feld sind zwei Stative f&uuml;r Kameras aufgestellt, im Schatten eines Baumes haben einige M&auml;nner sich auf Campingst&uuml;hlen niedergelassen. &bdquo;Hier sehen Sie Journalisten von <em>Al Alam<\/em> und <em>Al Jazeera<\/em> friedlich beieinandersitzen&ldquo;, sagt einer der M&auml;nner, der f&uuml;r den iranischen Sender <em>Al Alam<\/em> arbeitet. &bdquo;Und hier kommt unser guter Freund und Kollege, der f&uuml;r alle gro&szlig;en internationalen Medien arbeitet&ldquo;, begr&uuml;&szlig;t er dann einen &auml;lteren Mann, der einen Safarihut tr&auml;gt. Die Krempe hat er an beiden Seiten hochgeklappt. Man erkundigt sich nach dem Woher und Wohin, ein Kollege beschreibt den Weg zur Basis der Zivilschutzkr&auml;fte. Die Anh&ouml;he gibt von Osten nach Westen einen weiten Blick frei. Im Tal unterhalb liegt die israelische Siedlung Matulla, die von der israelischen Mauer umgeben ist, die sich entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; Richtung Westen bis Naqura zieht. Die Ortschaften auf der libanesischen Seite sind f&uuml;r Journalisten gesperrt, es ist Kampfzone.<\/p><p>Im Osten liegt der Ort Khiam auf einem H&uuml;gel. Dort hatten die israelischen Besatzungstruppen ein Gef&auml;ngnis f&uuml;r politische Gefangene errichtet. Der Ort ist ein Museum geworden, wird heute aber wieder von Israel bombardiert. Hinter dem H&uuml;gel flie&szlig;t der Hasbani-Flu&szlig;, der die Felder, Obst- und Olivenhaine w&auml;ssert, die heute israelische Siedler ihr Eigen nennen. Die Familien im S&uuml;dlibanon, vom syrischen Golan und aus Pal&auml;stina haben die ausl&auml;ndische Teilung ihres Bodens nie akzeptiert: weder durch Gro&szlig;britannien und Frankreich (1916, 1917) noch die weiteren Teilungspl&auml;ne (1937, britische Peel Kommission) oder durch die UNO (1947) noch die gewaltsame Landnahme 1948 durch die zionistischen Milizen.<\/p><p>Marjayoun ist ein ruhiger Ort, w&auml;hrend der israelischen Besatzung war hier die mit Israel kollaborierende S&uuml;dlibanesische Armee (SLA) stationiert. Bei der Befreiung im Jahr 2000 zogen diese Freunde Israels mit den israelischen Truppen &uuml;ber Nacht &uuml;ber die &bdquo;Blaue Linie&ldquo; nach Israel davon, wo sie neue Aufgaben zugewiesen bekamen oder in andere Teile der Welt auswanderten.<\/p><p><strong>Hoffentlich ist der Krieg bald vorbei<\/strong><\/p><p>Das Quartier der Zivilschutzkr&auml;fte liegt abseits der Hauptstra&szlig;e. Zu erkennen ist es an dem gro&szlig;en Feuerwehrwagen, der auf dem Hof steht. Drei Jugendliche und zwei &auml;ltere M&auml;nner sitzen unter einem sch&uuml;tzenden Sonnendach an einem niedrigen Tisch und trinken Kaffee. Rasch stehen sie auf, als die Fremden sich n&auml;hern. &bdquo;Sie ist eine Journalistin aus Deutschland und m&ouml;chte mit dem Zivilschutz &uuml;ber die Zerst&ouml;rung von Agrarland sprechen&ldquo;, erl&auml;utert H., der die Autorin im Libanon begleitet. Einer der M&auml;nner weist auf einen Nebenraum, wo der Leiter der Station sein B&uuml;ro habe, mit dem m&uuml;ssten wir sprechen. &bdquo;Haben Sie eine Genehmigung von unserem Hauptquartiert&ldquo;, ist die erste Frage, die der Stationsleiter stellt. Die Genehmigung von Armee und Geheimdienst reiche nicht aus. H. bittet den Mann, mit dem Hauptquartier zu telefonieren und eine Genehmigung einzuholen. Doch leider sei nichts zu machen, sagt der Mann nach einer Weile telefonieren. Journalisten m&uuml;ssten mindestens eine Woche vorher eine Genehmigung in Beirut einholen.<\/p><p>Die drei Jugendlichen sind allerdings bereit, einige Fragen der Journalistin zu beantworten. George (20) und Elias (18) studieren, David (17) macht erst im n&auml;chsten Jahr sein Abitur. Die drei sind nicht aus Marjayoun, sondern aus Kleya, einem Ort in der N&auml;he, erz&auml;hlen sie. Sie verbr&auml;chten die Ferien als freiwillige Feuerwehrkr&auml;fte mit dem Zivilschutz, die Situation erfordere es. Ja, auch M&auml;dchen seien in ihrer Freiwilligengruppe, allerdings seien die in einem anderen Haus untergebracht. &bdquo;Aber im Einsatz arbeiten wir alle zusammen.&ldquo; Viele Jungen und M&auml;dchen in der Umgebung w&uuml;rden sich schon fr&uuml;h &ndash; neben dem Schulunterricht &ndash; zum Zivilschutz melden, berichten die drei. Es g&auml;be regelm&auml;&szlig;ige &Uuml;bungen und auch l&auml;ngere Ausbildungsseminare. &bdquo;Wir haben unsere Uniform, Stiefel, Helm &ndash; alles, was wir f&uuml;r einen Einsatz brauchen&ldquo;, erz&auml;hlt David, der J&uuml;ngste der drei. Erst am Vortag seien sie zu einem Einsatz am Litani-Flu&szlig; gerufen worden. &bdquo;Ein gro&szlig;es Feuer&ldquo;, meint George, sie h&auml;tten es l&ouml;schen k&ouml;nnen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-06-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Drei Freiwillige f&uuml;r den Zivilschutz Marjayoun. Links nach rechts Elias, George, David &ndash; Foto K. Leukefeld<\/small><\/p><p>F&uuml;r alle drei ist es der erste Krieg, den sie erleben. Aber ihre Eltern haben ihnen schon von fr&uuml;heren Kriegen erz&auml;hlt. Alle drei hoffen, dass der Krieg bald vorbei ist. &bdquo;Wir verstehen die politischen Gr&uuml;nde nicht&ldquo;, meint George. Aber vielleicht will er nur nicht dar&uuml;ber sprechen. &bdquo;Wir wissen nur, dass wir nicht tun k&ouml;nnen, was wir m&ouml;chten, dass wir nicht hinfahren k&ouml;nnen, wohin wir m&ouml;chten, dass viele unserer Freunde nicht mehr hier sind, sondern in anderen Teilen des Landes, wo es sicherer ist&ldquo;, z&auml;hlen sie die Einschr&auml;nkungen auf. Sie m&uuml;ssten zu Hause bleiben, wenn sie nicht im Einsatz seien, und niemand wisse, was die Zukunft bringe. Elias erz&auml;hlt, dass er mit seinen Eltern erst vor sechs Jahren zur&uuml;ck in den Libanon gekommen sei. Damals war er zw&ouml;lf, davor habe die Familie in Schweden gelebt. F&uuml;r die Jugendlichen in Europa sei das Leben nat&uuml;rlich viel angenehmer, &bdquo;es gibt alles&ldquo;, meint Elias. Im Libanon sei das Leben sehr schwierig, und vielleicht w&uuml;rde er eines Tages doch wieder ins Ausland gehen, um zu arbeiten. Elias studiert Business Management, George studiert Mechanik (Physik), und auch er kann sich vorstellen, eines Tages ins Ausland zu gehen. David sagt, er wisse noch nicht, was er einmal studieren wolle. Er habe ja noch ein Jahr Schule und Zeit. Eins aber wisse er schon, f&uuml;gt er dann verschmitzt hinzu: &bdquo;Ich m&ouml;chte auf jeden Fall hierbleiben, im Libanon.&ldquo;<\/p><p><strong>Die Schallmauer durchbrechen in Ebel as Saqi<\/strong><\/p><p>Um wieder auf die Hauptstra&szlig;e zu gelangen, muss H. einen Weg durch das Labyrinth von schmalen Gassen finden, die sich den Hang hinunter an niedrigen, einfachen H&auml;usern vorbeischl&auml;ngeln. Die Geb&auml;ude sind von Blumen und B&auml;umen umgeben, zwischen den H&auml;usern sind G&auml;rten angelegt. Alles liegt wie verlassen, niemand ist zu sehen.<\/p><p>Auf der Hauptstra&szlig;e fahren zwei UN-Fahrzeuge vor uns in vorgeschriebenem Tempo, irgendwann biegen sie in die H&uuml;gel ab. &bdquo;Hier ist eine spanische UNIFIL-Basis&ldquo;, sagt H., der den S&uuml;dlibanon wie seine Westentasche kennt. <a href=\"https:\/\/unifil.unmissions.org\/unifil-troop-contributing-countries\">49 UN-Staaten<\/a> haben f&uuml;r die UNIFIL-Mission 10,031 Soldaten und Soldatinnen entsandt. Das gr&ouml;&szlig;te Kontingent stellt aktuell Italien mit mehr als 1.000 Truppen, das die Mission leitet. Spanien hat 677 Truppen im Libanon, ihre <a href=\"https:\/\/unifil.unmissions.org\/sites\/default\/files\/unifilmap122022.pdf\">Basis liegt n&ouml;rdlich von Marjayoun<\/a>.<\/p><p>Wir biegen ab in Richtung Ebel al-Saqi. Der kleine Ort liegt abseits und wird von Drusen und Christen bewohnt. Mitten im Kriegsgebiet des s&uuml;dlichen Libanon ein Hotel zu finden, ist &uuml;berraschend. Noch &uuml;berraschender ist allerdings das gro&szlig;e Schwimmbad, das direkt hinter dem Hotel liegt. Leise t&ouml;nt Musik her&uuml;ber, eine Familie mit Kindern genie&szlig;t die gesamte Anlage f&uuml;r sich. &bdquo;Normalerweise ist es im Sommer hier so voll, dass Sie keinen Platz mehr finden&ldquo;, sagt der leitende Manager Riad Zeineddine. &bdquo;Nun haben wir Krieg und die G&auml;ste bleiben weg.&ldquo; Als die Autorin sich als Journalistin vorstellt, beginnt Herr Zeineddine, die Preise zu nennen: &bdquo;Einzelzimmer 65 US-Dollar, Steuer und Fr&uuml;hst&uuml;ck inklusive. Doppelzimmer 80 US-Dollar, Steuer und Fr&uuml;hst&uuml;ck inklusive. Sollten Sie Vegetarierin sein, werden wir etwas f&uuml;r Sie zubereiten. Die libanesische K&uuml;che ist vielf&auml;ltig, wie Sie wissen. Allein die Vorspeisen.&ldquo; Das Hotel habe 36 Zimmer, zehn davon seien f&uuml;r UNIFIL reserviert. Viele Medien h&auml;tten sich eingemietet, sagt der Manager und z&auml;hlt nicht ohne Stolz auf: &bdquo;Jazeera, sky news, Al Arabiya, Al Mayadeen, BBC, CNN, Jadeed&ldquo;, um nur einige zu nennen.<\/p><p>Das DANA-Hotel sei etwa 1990 gebaut worden, berichtet er auf weitere Nachfrage. Damals sei eine UNIFIL-Basis der Norweger in dem Gebiet gewesen. Sie h&auml;tten den Bau des Hotels gef&ouml;rdert, damit Familienangeh&ouml;rige sie besuchen konnten. Damals habe das Hotel nur aus der Lobby und dem Schwimmbad bestanden. Eine K&uuml;che habe es gegeben, aus der auch die UNIFIL-Basis versorgt worden sei. Nur wenige R&auml;ume habe es f&uuml;r das K&uuml;chenpersonal gegeben. &bdquo;Das eigentliche DANA-Hotel, wie sie es jetzt sehen, wurde 2020 er&ouml;ffnet&ldquo;, berichtet der Manager weiter. &bdquo;Ende des Jahres 2024 l&auml;uft der Vertrag aus. Wir wissen nicht, was dann werden wird.&ldquo;<\/p><p>Riad Zeineddin stammt aus Hasbaya, das knapp zehn Kilometer weiter nord&ouml;stlich liegt. Hasbaya ist ein Zentrum der libanesischen Drusen. Die Caza Hasbaya, das Haus Hasbaya liegt am Fu&szlig; des Berges Hermon, den die Araber Jbeil Scheich nennen, Berg des Scheichs. Hier liegt Khalawat Al Bayyada, eine bedeutende theologische Einrichtung der libanesischen Drusen.<\/p><p>W&auml;hrend wir uns unterhalten, unterbricht pl&ouml;tzlich ein lauter Knall das Gespr&auml;ch. Die Fenster klirren und wackeln in den Rahmen, eine Druckwelle l&auml;&szlig;t das gesamte Geb&auml;ude erbeben. &bdquo;Nichts&ldquo;, l&auml;chelt Herr Zeineddin freundlich. &bdquo;Es ist nichts, Sie brauchen sich nicht zu f&uuml;rchten. Die Israelis haben mit ihren Kampfjets die Schallmauer durchbrochen. Das machen sie immer, um uns Schrecken einzujagen.&ldquo;<\/p><p>Herr Zeineddin entschuldigt sich, weil sein Handy klingelt. Auch das Handy von H., meinem Begleiter, klingelt. Es sei seine Tochter, signalisiert H., bevor er den Anruf beantwortet. &bdquo;Sie war besorgt, weil bei ihnen die Schallmauer durchbrochen wurde&ldquo;, erkl&auml;rt H. sp&auml;ter. Seine Familie lebt s&uuml;dlich von Saida, etwa 80 Kilometer von Ebel as Saqi entfernt.<\/p><p>Wir verabschieden uns, Herr Zeineddin gibt jedem von uns noch eine Flasche eisgek&uuml;hlten Fruchtsaft mit. &bdquo;Kommen Sie wieder&ldquo;, sagt er freundlich. &bdquo;Von hier bis Hasbaya ist alles ruhig, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.&ldquo;<\/p><p>Nur wenige Kilometer entfernt, entlang der Waffenstillstandslinie, ist verbranntes Land. Die Autorin kann nicht dorthin, es ist milit&auml;risches Sperrgebiet. Fotos der &bdquo;Gr&uuml;nen Leute aus dem S&uuml;den&ldquo;, der Green Southerners, dokumentieren die Verw&uuml;stung.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-07.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-07-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Markaba Wald S&uuml;dlibanon &ndash; &copy; Green Southerners<\/small><\/p><p><strong>Wann k&ouml;nnen wir wieder in unsere D&ouml;rfer?<\/strong><\/p><p>Die Fahrt geht zur&uuml;ck an die K&uuml;ste nach Tyre, wo 27.000 Menschen aus den s&uuml;dlichen D&ouml;rfern in Schulen untergebracht sind. Die Inlandsvertriebenen werden von der &ouml;rtlichen Verwaltung mit Hilfe der <em>Gewerkschaft der st&auml;dtischen Arbeiter<\/em> in Tyre versorgt. Unterst&uuml;tzung gibt es von der UN-Organisation f&uuml;r Entwicklung (UNDP), lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen haben verschiedene Aufgaben &uuml;bernommen.<\/p><p>Der Leiter der Beh&ouml;rde, Mortada Mhanna, stellt der Autorin Herrn Ali an die Seite. Er stammt aus Naqura und hat dort bei der &ouml;rtlichen Polizei gearbeitet. Nun ist er f&uuml;r Herrn Mhanna eine Art &bdquo;rechte Hand&ldquo;, um die Versorgung der Familien in der <em>Technischen Schule Tyre<\/em> zu kontrollieren. &bdquo;Es sind Ferien, die Familien sind im Erdgeschoss untergebracht&ldquo;, sagt Herr Ali. Sollten sie noch immer da sein, wenn die Schule im Herbst wieder den Betrieb aufnehme, werde der Unterricht auf die zwei oberen Etagen verlegt. Herr Ali hat wei&szlig;en Phosphor gesehen, als sein Dorf und die umliegenden W&auml;lder damit angegriffen wurden. &bdquo;Es h&ouml;rt nicht auf zu brennen&ldquo;, sagt er. &bdquo;Wenn Menschen damit in Ber&uuml;hrung kommen, verbrennt ihre Haut und sie k&ouml;nnen von innen her brennen.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-08.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-08-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Blida-Muhibibi S&uuml;dlibanon &ndash; &copy; Green Southerners<\/small><\/p><p>Dann begr&uuml;&szlig;t er Herrn Ahmed, der seit vielen Jahren in der Technischen Schule angestellt ist und ebenfalls den Inlandsvertriebenen hilft. Die Familien, die in der Technischen Schule untergebracht seien, seien einfache Leute, erkl&auml;rt Herr Ahmed. Es seien Bauern, nicht alle h&auml;tten eine gute Schulbildung gehabt. F&uuml;r sie sei der Alltag in der Unterkunft sehr schwierig. Da Ferien seien, h&auml;tten die Kinder keine Schule und langweilten sich. &bdquo;Die Leute haben keine Arbeit, sie haben kein Geld. Einmal am Tag bekommen sie eine warme Mahlzeit von einer Hilfsorganisation, die ihren urspr&uuml;nglichen Essgewohnheiten nicht gerecht wird.&ldquo; Viele lehnten das Essen ab, das meist aus Reis und einer Gem&uuml;seso&szlig;e, manchmal mit Fleisch bestehe. Auch die hygienischen Verh&auml;ltnisse einer Schule seien f&uuml;r so viele Menschen nicht geeignet, f&auml;hrt Herr Ahmed fort. Es g&auml;be nicht immer genug Wasser.<\/p><p>Dann hellt sich sein Gesicht auf und er erz&auml;hlt von einem Projekt, das ihm gro&szlig;e Freude mache. Es richte sich an die Frauen und werde &bdquo;von au&szlig;en&ldquo; finanziert. &bdquo;Von au&szlig;en&ldquo; bedeutet, das Geld kommt von der UN-Organisation f&uuml;r Frauen (UN Women), die in Kooperation mit &ouml;rtlichen Nichtregierungsorganisationen ein Frauenprojekt finanziert. &bdquo;Es wurde Land um die Schule herum gerodet, sodass die Frauen dort pflanzen k&ouml;nnen&ldquo;, erkl&auml;rt Herr Ahmed. Sie arbeiteten morgens und nachmittags jeweils drei bis vier Stunden und erhielten f&uuml;r ihre Arbeit pro Tag 16 US-Dollar. F&uuml;r die Kinder der Frauen werde in der Zeit von einer lokalen Organisation eine Kinderbetreuung angeboten. &bdquo;Sie haben Gl&uuml;ck, die Nachmittagsschicht beginnt um 17.00 Uhr, dann k&ouml;nnen Sie mit den Frauen sprechen.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-09.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-09-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Tyre. Eine junge B&auml;uerin aus Blida. Sie m&ouml;chte auf dem Foto nicht erkannt werden &ndash; Foto K. Leukefeld<\/small><\/p><p>Nach und nach kommen die Frauen aus dem Geb&auml;ude und versammeln sich um Herrn Ahmed, um eine Teilnahmeliste zu unterschreiben. Alle tragen lange Hosen und lange Blusen. Um sich vor der Sonne zu sch&uuml;tzen, haben sie ihre K&ouml;pfe mit T&uuml;chern umwickelt, dar&uuml;ber tragen sie Kappen oder Sonnenh&uuml;te. Ihre H&auml;nde sch&uuml;tzen sie mit Handschuhen bei der Arbeit. H&uuml;te, Handschuhe wie auch das notwendige Werkzeug, D&uuml;nger und Saatgut werden von der UNDP gestellt. Bis auf eine Frau weigern sich alle, von der Autorin fotografiert zu werden. Es schicke sich nicht, sagt eine junge Frau. &bdquo;Was, wenn mein Bruder ein Foto von mir bei Facebook findet!&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-10.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-10-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Tyre. Manal Issa (42) aus Blida hat keine Scheu, fotografiert zu werden &ndash; Foto K. Leukefeld<\/small><\/p><p>Manal Issa ist nicht so scheu und l&auml;sst sich fotografieren. Die 42-J&auml;hrige stammt aus Blida, wo sie mit ihrem Mann und zwei Kindern gelebt hat. Ihre 14-j&auml;hrige Tochter sei behindert, erz&auml;hlt sie, daher k&ouml;nne sie nicht mit zur Arbeit kommen. Sie und ihr Mann h&auml;tten mit dessen Bruder zusammen im Gem&uuml;se- und Tabakanbau gearbeitet. Nachdem ihr Haus bei einem israelischen Angriff stark besch&auml;digt worden sei, sei die Familie zum Bruder gezogen. Doch die Lage habe sich verschlimmert, und im November, einen Monat nach Beginn des Krieges, seien sie aus dem Dorf evakuiert worden. Zw&ouml;lf Familien aus ihrem Dorf und aus benachbarten D&ouml;rfern um Blida seien nun hier untergebracht.<\/p><p>In Tyre, in der Schule sei das Leben schwierig, sagt Manal Issa leise. &bdquo;Uns fehlt unser Zuhause, die Arbeit, der geregelte Alltag f&uuml;r die Kinder.&ldquo; Ihr Mann sei behindert und habe doch in der Landwirtschaft arbeiten k&ouml;nnen. Hier sei das nicht m&ouml;glich, er habe nichts zu tun. &bdquo;Wir warten, dass wir wieder nach Hause k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><p>Die anderen Frauen rufen Manal, dass die Arbeit beginne. Lachend stehen sie beieinander und beobachten das Gespr&auml;ch. Einige haken sich unter und gehen zum Feld hin&uuml;ber. &bdquo;Sind Sie gekommen, um uns zu sagen, dass wir wieder nach Hause in unsere D&ouml;rfer k&ouml;nnen?&ldquo;, fragt eine &auml;ltere Frau, die sich mit Herrn Ahmed unterhalten hat. &bdquo;Wir alle wollen nach Hause, so schnell wie m&ouml;glich&ldquo;, ruft sie den anderen Frauen zu. &bdquo;Nirgends ist es sch&ouml;ner als in unserem Dorf&ldquo;, ruft eine zur&uuml;ck. Und Manal lacht: &bdquo;Mein Dorf ist das Sch&ouml;nste, es ist die Nummer 1&ldquo;.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-11.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240731-verbranntes-land-11-thumb.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Tyre. Frauen arbeiten auf dem Feld. Projekt der UNDP f&uuml;r Inlandsvertriebene &ndash; Foto K. Leukefeld<\/small><\/p><p><small>Titelbild: Audeiseh Odaysseh S&uuml;dlibanon &ndash; &copy; Green Southerners<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den S&uuml;den des Libanon zu fahren, bedarf einiger Vorbereitungen. Libanon und Israel sind seit Jahrzehnten im Kriegszustand, eine offizielle Grenze gibt es nicht. 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