{"id":11895,"date":"2012-01-13T13:51:18","date_gmt":"2012-01-13T12:51:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11895"},"modified":"2015-01-18T11:14:32","modified_gmt":"2015-01-18T10:14:32","slug":"die-geplante-angestrebte-weltwirtschaftskrise-und-versuche-zur-rettung-ams-wochenruckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11895","title":{"rendered":"Die geplante, angestrebte Weltwirtschaftskrise und Versuche zur Rettung (AM\u2019s Wochenr\u00fcckblick)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ja immer wieder erstaunlich, welch einen ausgemachten Stuss ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Sender wie der Deutschlandfunk in den &Auml;ther entlassen kann. Und es ist bedr&uuml;ckend mit anzusehen, mit welchem Zynismus wohl dotierte und im allgemeinen Bewusstsein hochgestellte Pers&ouml;nlichkeiten den wirtschaftlichen Niedergang zulasten der Mehrheit predigen k&ouml;nnen. Im konkreten Fall geht es um ein am vergangenen Montag im <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/interview_dlf\/1647869\/\">Deutschlandfunk ausgestrahltes Interview<\/a> mit dem Pr&auml;sidenten der Frankfurt School of Finance and Management, Udo Steffens. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>J.K., einer der produktiven Hinweisgeber der NachDenkSeiten hat mich darauf aufmerksam gemacht. Im Interview ging es um die Transaktionssteuer. Der Pr&auml;sident der als Lobby der Finanzwirtschaft t&auml;tigen Hochschule wird als &bdquo;Finanzexperte&ldquo; und nicht als Lobbyist, was korrekt w&auml;re, vorgestellt.<br>\nNat&uuml;rlich sagt er, dass die Transaktionssteuer nur global eingef&uuml;hrt werden kann und dass sie deshalb nicht kommen wird. Das ist immerhin ziemlich ehrlich.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich haben wir aus der Sicht von Herrn Steffens eine &bdquo;Euroschuldenkrise&ldquo; und keine Bankenkrise. Aus der Sicht des Pr&auml;sidenten der Lobbyhochschule ist und bleibt &bdquo;Finance&ldquo; eine Zukunftsindustrie. Die Tatsache, dass die Finanzindustrie in Gro&szlig;britannien einen hohen Anteil des Volkseinkommens &ndash; von gesch&auml;tzten 10 % &ndash; absorbiert, nennt er &bdquo;Beitrag zum Bruttosozialprodukt Gro&szlig;britanniens.&ldquo; Es ist aber kein Wertsch&ouml;pfungsbeitrag; es sind die 10 %, die sich die Investmentbanker von der britischen Gesellschaft und vielen anderen weltweit holen. Davon, dass der Sektor &bdquo;Finance&ldquo; das Problem haben k&ouml;nnte, weltweit &uuml;berdimensioniert zu sein, hat Herr Steffens noch nichts geh&ouml;rt, darf er auch nicht. Auch davon nicht, dass dieser Sektor offensichtlich unproduktiv arbeitet. Andernfalls m&uuml;ssten wir Steuerzahler die Banken nicht st&auml;ndig retten. (Zum Konversionsproblem des Finanzsektors siehe den <a href=\"\/?p=3689\">Beitrag vom 7.1.2009<\/a> in den NachDenkSeiten)<\/p><p>Richtig beeindruckend wird es im Interview des Deutschlandfunks mit dem Pr&auml;sidenten der Finanzhochschule,<\/p><ul>\n<li>wenn Steffens behauptet, &bdquo;die Politik habe unsere finanziellen M&ouml;glichkeiten an den Rand gefahren&ldquo;. Kein Wort davon, dass die Rettung der Banken entscheidende Milliarden gekostet hat: 10 Milliarden ungef&auml;hr f&uuml;r die IKB, 18,2 Milliarden f&uuml;r die Commerzbank, &uuml;ber 100 Milliarden f&uuml;r die HRE, etc. Sein Institut in Frankfurt h&auml;tte schon lange das Zeitliche gesegnet, wenn wir Steuerzahler nicht eingesprungen w&auml;ren. Von der Politik gezwungen, von einer Politik, die in den H&auml;nden der Finanzwirtschaft ist.<\/li>\n<li>Steffens behauptet, dass wir an einer: &bdquo;Austerit&auml;ts- und Katarsispolitik in Europa nicht herumkommen werden&ldquo;, (&bdquo;Katarsis&ldquo; in der Schreibweise des Deutschlandfunks)<\/li>\n<li>dass die zu erwartende Rezession &bdquo;genutzt werden kann, um endlich unsere Sozialsysteme zu entr&uuml;mpeln, die Anreizsysteme f&uuml;r die Wirtschaftsobjekte richtig zu setzen, um uns dann mit den neuen Herausforderungen, Lateinamerika, S&uuml;dostasien, letztlich auseinanderzusetzen&hellip;&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>Herr Armbr&uuml;ster vom Deutschlandfunk meint dazu: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Sie sagen da jetzt so ganz lapidar, die Sozialsysteme entr&uuml;mpeln. Haben wir die nicht in Deutschland schon geh&ouml;rig entr&uuml;mpelt?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dazu der Hochschulpr&auml;sident aus Frankfurt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Nat&uuml;rlich haben wir sie geh&ouml;rig entr&uuml;mpelt, aber eben nur in Deutschland, und sowohl die Briten als auch die Franzosen wie die Spanier und Italiener werden das wohl nachziehen m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Einmal abgesehen davon, dass die Behauptung, die Briten h&auml;tten &bdquo;ihre Sozialsysteme nicht entr&uuml;mpelt&ldquo; schlicht falsch ist, bemerkenswert ist, wie ein mit &ouml;ffentlichen Mitteln gef&ouml;rderter Hochschulpr&auml;sident die Verletzung des Sozialstaatsgebots feiert und sich offen zur Austerit&auml;tspolitik, also zur bewussten Rezessionspolitik, bekennt. Das wird mit religi&ouml;ser Sprache verbr&auml;mt: &bdquo;Katarsis&ldquo;.<\/p><p>Wenn man bedenkt, welches Leid damit &uuml;ber Millionen Menschen in Europa und in anderen Teilen der Welt gebracht wird, dann kann man solche &Auml;u&szlig;erungen nicht mehr gelassen hinnehmen. Auch deshalb nicht, weil Steffens Meinung auch ungef&auml;hr dem entspricht, was die Bundesregierung vertritt. Millionen Menschen bei uns und jetzt Millionen in anderen L&auml;ndern sollen durch diese &bdquo;Katarsis&ldquo; gehen: Rezessionen &uuml;berall in Europa &ndash; das Allheilmittel der Wirtschafts- und Finanzpolitik von Zynikern oder Ignoranten. <\/p><p><strong>Gegenwehr<\/strong><\/p><p>Wir halten &ndash; wie einige andere wissenschaftliche und publizistisch t&auml;tige Einrichtungen und Personen &ndash; gegen diesen Zynismus. Das geschieht auch im befreundeten Ausland. Am 12. Januar 2012 haben die NachDenkSeiten davon berichtet, dass sich zwei prominente Franzosen in Le Monde vehement gegen die Austerit&auml;tspolitik wandten und erl&auml;utern, dass die EZB ohne Ver&auml;nderung der europ&auml;ischen Vertr&auml;ge die in finanziellen Schwierigkeiten geratenen Staaten st&uuml;tzen k&ouml;nnte:<\/p><p><a href=\"\/?p=11860\"><strong>Michel Rocard \/ Pierre Larrouturou, &bdquo;Warum sollen Staaten 600-mal mehr als Banken zahlen?&ldquo;<\/strong><\/a><\/p><p>Jens Berger hat sich am 12.1.2012 zur Transaktionssteuer ge&auml;u&szlig;ert und die Zusammenh&auml;nge erl&auml;utert:<br>\n&bdquo;<a href=\"\/?p=11871\">Merkozy und die Finanztransaktionssteuer<\/a>&ldquo; <\/p><p>Die NachDenkSeiten haben die Pr&auml;sentation eines <strong>neuen Films zu Riester-Rente<\/strong> begleitet. <\/p><p>Am 10. Januar 2012: <a href=\"\/?p=11828\">Das Riester-Dilemma &ndash; Portr&auml;t einer Jahrhundertreform<\/a> hier in der <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendungen_a-z\/799280_reportage-dokumentation\/9216678_das-riester-dilemma-portrait-einer\">ARD-Mediathek<\/a> und alternativ auch <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0zDUD9ZgPe0\">auf YouTube<\/a> anschauen.<\/p><p>Und noch einmal am 11. Januar 2012:<br>\n<a href=\"\/?p=11850\"><strong>Revison der Riesterrente &ndash; Die klare L&ouml;sung wird immer noch verdr&auml;ngt<\/strong><\/a><\/p><p>Eine Erg&auml;nzung dazu ist noch f&auml;llig. Es erreichen uns einige interessante weitere Anregungen.<\/p><p>Berichtenswert war uns zudem:<br>\n<strong>Deutschlands Export boomt auch bei den R&uuml;stungsgesch&auml;ften.<\/strong><br>\nDazu brachten die NachDenkSeiten am 11. Januar 2012 &bdquo;<a href=\"\/?p=11847\">Bombige Gesch&auml;fte<\/a>&ldquo; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ja immer wieder erstaunlich, welch einen ausgemachten Stuss ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Sender wie der Deutschlandfunk in den &Auml;ther entlassen kann. Und es ist bedr&uuml;ckend mit anzusehen, mit welchem Zynismus wohl dotierte und im allgemeinen Bewusstsein hochgestellte Pers&ouml;nlichkeiten den wirtschaftlichen Niedergang zulasten der Mehrheit predigen k&ouml;nnen. 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