{"id":119057,"date":"2024-08-02T09:00:56","date_gmt":"2024-08-02T07:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119057"},"modified":"2024-08-02T16:56:52","modified_gmt":"2024-08-02T14:56:52","slug":"nauru-vom-paradies-zur-kraterlandschaft-eine-metapher-fuer-die-moderne-menschheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119057","title":{"rendered":"Nauru \u2013 vom Paradies zur Kraterlandschaft. Eine Metapher f\u00fcr die moderne Menschheit"},"content":{"rendered":"<p>Als die NASA 1977 die beiden Voyager-Sonden ins Weltall schoss, best&uuml;ckte man sie mit goldenen Datenplatten, auf denen Reden damals bedeutender Politiker, Gru&szlig;botschaften in zahlreichen Sprachen und ausgew&auml;hlte Musikst&uuml;cke der Menschheit verewigt sind. Sollten dereinst in vielleicht vielen Millionen Jahren Au&szlig;erirdische diese Sonden finden, sollten sie so einen Eindruck davon bekommen, was einmal die Menschheit war. Das war recht philanthropisch gedacht. W&auml;re man selbstkritischer, h&auml;tte man besser die Geschichte des pazifischen Inselstaates Nauru ins Weltall geschossen, ist sie doch durchaus repr&auml;sentativ f&uuml;r das, was wir Menschheit nennen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3268\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-119057-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240802_Nauru_vom_Paradies_zur_Kraterlandschaft_Eine_Metapher_fuer_die_moderne_Menschheit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240802_Nauru_vom_Paradies_zur_Kraterlandschaft_Eine_Metapher_fuer_die_moderne_Menschheit_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240802_Nauru_vom_Paradies_zur_Kraterlandschaft_Eine_Metapher_fuer_die_moderne_Menschheit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240802_Nauru_vom_Paradies_zur_Kraterlandschaft_Eine_Metapher_fuer_die_moderne_Menschheit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=119057-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240802_Nauru_vom_Paradies_zur_Kraterlandschaft_Eine_Metapher_fuer_die_moderne_Menschheit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240802_Nauru_vom_Paradies_zur_Kraterlandschaft_Eine_Metapher_fuer_die_moderne_Menschheit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wenn man mal s&auml;mtliche gute Erziehung beiseitel&auml;sst, kann man die Insel Nauru mit Fug und Recht als einen gigantischen Haufen Schei&szlig;e bezeichnen. Entstanden ist die Insel in grauer Vorzeit, als V&ouml;gel ihren Kot auf ein Korallenriff im Pazifik fallen lie&szlig;en. Dieser gigantische Haufen aus Vogelkot-Sedimenten wurde vor rund 3.000 Jahren von den ersten Menschen besiedelt, und dieser Teil der Geschichte Naurus ist wohl bis heute der gl&uuml;cklichste. Verwitterter Vogelkot bildet in Kombination mit dem Kalkstein der Korallenriffe das uns als D&uuml;nger bekannte Guano. Nauru war in dieser Zeit daher &auml;u&szlig;ert fruchtbar; die weniger als 2.000 Bewohner des Eilands, das rund ein Viertel der Gr&ouml;&szlig;e der deutschen Insel Sylt hat, lebten vergleichsweise friedlich in zw&ouml;lf St&auml;mmen von den Fr&uuml;chten und den Fischen in den Riffen vor der Insel. Das &auml;nderte sich, als Nauru von der sogenannten Zivilisation entdeckt wurde.<\/p><p>1798 trieb es das britische Handelsschiff Hunter an die Gestade der Insel. Da die Einwohner die Mannschaft freundlich mit Kokosn&uuml;ssen und Fr&uuml;chten beschenkten, taufte der Kapit&auml;n der Hunter die Insel kurzerhand &bdquo;Pleasure Island&ldquo;. Doch die paradiesischen Zeiten waren mit der &bdquo;Entdeckung&ldquo; vorbei. Kaum war die &bdquo;Insel der Freude&ldquo; auf den Karten der Briten verzeichnet, kamen die ersten Gl&uuml;cksritter &ndash; christliche Missionare und Fl&uuml;chtlinge der britischen Strafkolonie von der &bdquo;nahegelegenen&ldquo; Norfolkinsel. Einer von ihnen, der irische Str&auml;fling John Jones, erkl&auml;rte sich sogleich zu &bdquo;Naurus erstem und letztem Diktator&ldquo;. Nauru war nun ein verrufenes Piratennest, die Einheimischen lieferten die Lebensmittel und wurden daf&uuml;r mit Alkohol und Feuerwaffen bezahlt. 1878 brach dann zwischen den zw&ouml;lf St&auml;mmen ein B&uuml;rgerkrieg aus &ndash; auf einer Hochzeitsfeier hatte ein besoffener H&auml;uptlingssohn einen anderen besoffenen H&auml;uptlingssohn erschossen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small><em>K&ouml;nig Auweyida und K&ouml;nigin Eigamoiya in der Mitte mit treuen nauruischen Untertanen (um 1890). Fotograf unbekannt, Public Domain<\/em><\/small><\/p><p>W&auml;hrend die Naurer sich gegenseitig abschlachteten, wurde im fernen Europa &uuml;ber sie entschieden. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. wollte einen Platz an der Sonne, und 1886 wurde seinem Kaiserreich in den &bdquo;Britisch-deutschen Erkl&auml;rungen &uuml;ber den westlichen Pazifik&ldquo; der den Briten offenbar nicht so wichtige Vogelkot-Sedimenthaufen namens Nauru als Protektorat anvertraut. 1888 landeten mit dem Kanonenboot &bdquo;Eber&ldquo; die ersten deutschen Soldaten, kidnappten erst einmal alle zw&ouml;lf Stammesf&uuml;hrer, entwaffneten dann das Volk und riefen einen neuen &bdquo;K&ouml;nig&ldquo; aus. Die 900 noch lebenden Insulaner hatten damals &uuml;brigens 765 Gewehre. Fortan sollte Nauru am deutschen Wesen genesen, was &ndash; wie damals &uuml;blich &ndash; vor allem bedeutete, den Kolonialherren zu Diensten zu sein.<\/p><p>Dieser Teil der Geschichte Naurus w&auml;re auch recht unspektakul&auml;r, h&auml;tten die Deutschen nicht entdeckt, dass der gigantische Haufen aus Vogelkot-Sedimenten ja den damals zur D&uuml;ngemittel- und Sprengstoffproduktion so wichtigen Rohstoff Phosphat enth&auml;lt &ndash; und davon gleich viele Millionen Tonnen, ein Verm&ouml;gen! Die Pacific Phosphate Company, ein deutsch-britisch-australisches Konglomerat, war geboren. Mit dem naurischen Vogelkot wurden australische &Auml;cker ged&uuml;ngt, die Profite flossen reichlich &ndash; nach Deutschland und nach Gro&szlig;britannien, nat&uuml;rlich nicht nach Nauru. Die Einheimischen durften dem Spektakel lediglich als miserabel bezahlte Hilfsarbeiter beiwohnen. Ihre Insel war nun de facto Konzernbesitz der PPC, die Kolonialherren aus dem fernen Deutschland hielten die Hand auf und betrieben nebenbei f&uuml;r ein paar Jahre eine Funkstation, bis 1914 im fernen Europa ein Krieg ausbrach und die Briten die Insel &uuml;bernahmen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Phosphatbergbau, Nauru, 1919, by unknown photographer, collected by Maslyn Williams, from vintage gelatin silver print, State Library of New South Wales, Public Domain<\/em><\/small><\/p><p>Nun war Australien die Mandatsmacht, Gro&szlig;britannien und Neuseeland beteiligten sich, und man gr&uuml;ndete die British Phosphate Commission (BPC), die fortan das Land ausbeutete. Die Einheimischen &uuml;berlebten diese Periode, die durch die eingeschleppten Krankheiten der Australier und Briten gepr&auml;gt war, nur knapp. Aber das interessierte die Zivilisation wenig. Es wurde &ndash; haupts&auml;chlich von chinesischen Hilfsarbeitern &ndash; von der BPC mehr Phosphat denn je gef&ouml;rdert und verschifft. Dann kam aus dem fernen Europa der n&auml;chste Krieg: Erst bombardierten die Deutschen die Insel, dann &uuml;bernahmen die Japaner das Kommando und verschifften erst mal fast alle Einheimischen in ein Strafarbeitslager auf der Pazifikinsel Truk. Nach dem Zweiten Krieg wurden die 750 &uuml;berlebenden Naurer zur&uuml;ckdeportiert, und abermals erteilte die UN Australien, Gro&szlig;britannien und Neuseeland ein Mandat, die BPC konnte ihren lukrativen Betrieb wieder aufnehmen. Doch nun g&auml;hrte es unter den Naurern. Weltweit erkl&auml;rten in den 1960ern ehemalige Kolonien ihre Unabh&auml;ngigkeit, auch Nauru erlangte schlie&szlig;lich 1968 als damals kleinster Staat der Welt seine Unabh&auml;ngigkeit und durfte f&uuml;r die stolze Summe von 21 Millionen AUD sogar die BPC &uuml;bernehmen. Nun war man zwar hoch verschuldet, aber unabh&auml;ngig und hatte zum ersten Mal seit &uuml;ber 100 Jahren das eigene Schicksal selbst in der Hand.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Bild: Robert Szymanski\/shutterstock.com<\/em><\/small><\/p><p>Und was machten die Naurer? Sie setzten den Abbau des kostbaren Vogelkots fort. Phosphat galt in dieser Zeit als braunes Gold. Nauru wurde reich, steinreich. In den 1970ern war Nauru hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten &ndash; gemessen am BIP pro Kopf &ndash; das zweitreichste Land der Welt. Doch mit dem Reichtum nahm das Unheil seinen Lauf. Zun&auml;chst verteilte die Regierung die sprudelnden Einnahmen an das Volk. Steuern wurden abgeschafft, Bildung und medizinische Versorgung waren kostenlos, jeder Naurer hatte eine Haushaltshilfe, und im Schnitt kamen auf jeden Einwohner drei Autos &ndash; und das, obgleich die kleine Insel lediglich &uuml;ber ein Stra&szlig;ennetz von 25 Kilometern verf&uuml;gt. Und die Naurer fra&szlig;en sich zu Tode: 89 Prozent der Bev&ouml;lkerung galten damals als krankhaft &uuml;bergewichtig, die reiche Insel hatte eine der k&uuml;rzesten Lebenserwartungen. Das Nauru der 1970er- und 1980er-Jahre war sinnbildlich f&uuml;r unsere Zivilisation &ndash; man lebte in Saus und Braus von endlichen Ressourcen, das j&auml;he Ende stets vor Augen. Schon 1962 &ndash; also vor der Unabh&auml;ngigkeit &ndash; pr&auml;gten die Vereinten Nationen den Begriff &bdquo;Nauru-Paradox&ldquo; &ndash; einer &ouml;konomisch extrem erfolgreichen Gesellschaft, die sprichw&ouml;rtlich die Grundlagen ihres Erfolgs verzehrt und schon bald vor dem Nichts steht.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Teilnehmer einer Wanderung gegen Diabetes und f&uuml;r allgemeine Fitness rund um den Flughafen von Nauru. Lorrie Graham\/AusAID, CC 2.0<\/em><\/small><\/p><p>So kam es dann auch. In den sp&auml;ten 1990ern versiegte der Vogelkot. Die Insel glich nun einer Mondlandschaft mit einem 150 bis 300 Meter breiten, bev&ouml;lkerten Rand. H&auml;tte man doch zumindest die Einnahmen der reichen Jahre zukunftssicher angelegt, doch davon konnte nicht die Rede sein. Ein Fonds, der die Einnahmen verwalten sollte, hat das Geld stattdessen gr&ouml;&szlig;tenteils verbrannt. Man tagte regelm&auml;&szlig;ig zum Golfurlaub auf den Bahamas, Korruption war gang und g&auml;be. Zwar investierte man auch gr&ouml;&szlig;ere Summen in Luxusimmobilien auf der ganzen Welt, aber das meiste Geld ging in &bdquo;Projekte&ldquo; wie ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leonardo_(Musical)\">Musical &uuml;ber das Liebesleben von Leonardo da Vinci<\/a>, das nach wenigen Auff&uuml;hrungen in London wegen Erfolglosigkeit abgesetzt wurde. Der Fonds, der das Verm&ouml;gen des Staates zukunftssicher anlegen sollte, machte horrende Verluste und ging schlie&szlig;lich bankrott, sodass die wertstabilen Luxusimmobilien an das US-Unternehmen General Electrics, das dem Fonds einen Kredit gegeben hatte, &uuml;berschrieben werden mussten.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Bild: Robert Szymanski\/shutterstock.com<\/em><\/small><\/p><p>Ende der 1990er-Jahre war Nauru also nicht nur eine von &Uuml;bergewichtigen bewohnte Kraterlandschaft mit mehr St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck verrostenden Autos als Stra&szlig;enmetern, sondern auch bankrott. Erinnert Sie das an etwas? Und was machte man? Man entdeckte, dass man auch mit Finanzkriminalit&auml;t Geld verdienen kann, und hatte nun hinter den Cayman Islands pro Kopf die meisten Banken. Doch w&auml;hrend die Cayman Islands sich auf die Steuerfl&uuml;chtlinge des Westens spezialisiert hatten, wurde Nauru zum Geldw&auml;sche-Dorado f&uuml;r die russische Mafia. Allein 1999 sollen nach Angaben der russischen Zentralbank 80 Milliarden US-Dollar fragw&uuml;rdiger russischer Provenienz durch die Briefkastenfirmen naurischer Banken geflossen sein. Wieder mal hatten die Naurer ein Gesch&auml;ftsmodell gefunden, dessen Ende vorprogrammiert war. UNO, OECD und die USA spielten mit den Muskeln und kappten Nauru vom Weltfinanzsystem ab, Nauru lenkte schlie&szlig;lich ein, und die Zeiten als pazifisches Geldw&auml;scheparadies waren nun auch vorbei.<\/p><p>Doch schon hatten die Naurer eine neue Gesch&auml;ftsidee. Kriege und Armut trieben damals jedes Jahr Zehntausende Fl&uuml;chtlinge nach Australien, und die australische Regierung wollte einen Teil dieser Fl&uuml;chtlinge gerne exterritorial internieren &ndash; Abschreckung, man kennt es, und was w&auml;re abschreckender als ein Fl&uuml;chtlingscamp ohne grundlegende Menschenrechte mitten in Naurus Kraterlandschaft? Gesagt, getan. Das australische Unternehmen Canstruct International vereinbarte mit der naurischen Regierung einen Deal, doch dieser Deal kam in der australischen &Ouml;ffentlichkeit gar nicht gut an. In den ersten f&uuml;nf Jahren kostete die Unterbringung von 107 Fl&uuml;chtlingen &ndash; wohlgemerkt ohne jegliche humanit&auml;re Standards &ndash; im naurischen Camp den Steuerzahler stolze 1,8 Milliarden US-Dollar &ndash; also vier Millionen Dollar pro Jahr und Fl&uuml;chtling; unglaubliche Zahlen, die Verletzung von Menschenrechten Gefl&uuml;chteter scheint deutlich lukrativer zu sein als deren Achtung.<\/p><p>Aber auch f&uuml;r Gef&auml;lligkeiten auf dem diplomatischen Parkett l&auml;sst sich Nauru gut bezahlen. Mal erkennt man Taiwan an und erh&auml;lt daf&uuml;r Geld von Taiwan, mal erkennt man es wieder ab und erh&auml;lt daf&uuml;r Geld von China. Mal tritt man der Internationalen Walfangkommission bei, tritt f&uuml;r eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs ein und kriegt daf&uuml;r Geld von Japan. Und mal verkauft man Diplomatenp&auml;sse an nordkoreanische &Uuml;berl&auml;ufer und kriegt daf&uuml;r Geld aus den USA. Von irgendwas muss man ja leben.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240802-Nauru-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Bild: Robert Szymanski\/shutterstock.com<\/em><\/small><\/p><p>Heute ist das einst zweitreichste Land der Welt eines der &auml;rmsten L&auml;nder der Welt. Doch nicht nur das &ndash; das einstige Paradies gleicht mit seiner Kraterlandschaft heute den Kulissen eines postapokalyptischen Endzeitfilms. Und wenn die Berechnungen der Klimaforscher sich als korrekt erweisen, werden die noch bewohnten R&auml;nder der Insel ohnehin bald &uuml;berschwemmt sein. Doch die Naurer w&auml;ren nicht die Naurer, wenn sie nicht schon neue geniale Ideen h&auml;tten, wie man Geld ins Land holen kann. So ist Nauru als Endlager f&uuml;r den australischen Atomm&uuml;ll im Gespr&auml;ch, was ein schon fast tragikomisches Ende f&uuml;r dieses Eiland ohne jegliche Fortune w&auml;re. Nauru ist aber auch ganz vorne dabei, wenn es um den Tiefseebergbau geht. Im erweiterten Seegebiet der Insel gibt es offenbar auch viele Tonnen von Manganknollen am Meeresboden. Deren industrielle F&ouml;rderung in der Tiefsee wird zwar international kritisiert, da damit das gr&ouml;&szlig;tenteils noch unbekannte Habitat Tiefsee wohl unwiederbringlich zerst&ouml;rt wird. Aber der Westen braucht seltene Erden, und die finden sich in den Manganknollen. Ein kanadisches Unternehmen hat schon einen F&ouml;rderkontrakt mit Nauru unterschrieben, und wenn die Manganknollen abgebaut sind, findet Nauru sicher eine neue Geldquelle. Nach uns die Sintflut.<\/p><p>Ist die Insel aus Vogelkot &ndash; einst ein Paradies, das von fremden M&auml;chten und auch seinen Bewohnern aus schierer Gier vernichtet wurde &ndash; eine Metapher f&uuml;r die moderne Welt? Leider ist es wohl so. Wer immer noch glaubt, der Mensch sei vernunftbegabt und k&ouml;nne verantwortungsvoll mit seiner Umwelt umgehen, der blicke auf Nauru. Sollten in vielen Millionen Jahren Au&szlig;erirdische sich fragen, warum der einst so wundersch&ouml;ne blaue Planet, der von seinen Bewohnern Erde genannt wurde, eine Kraterlandschaft ohne Zeichen h&ouml;heren Lebens ist, k&ouml;nnte die Geschichte Naurus die Antworten auf viele Fragen liefern.<\/p><p><small>Titelbild: zelvan\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die NASA 1977 die beiden Voyager-Sonden ins Weltall schoss, best&uuml;ckte man sie mit goldenen Datenplatten, auf denen Reden damals bedeutender Politiker, Gru&szlig;botschaften in zahlreichen Sprachen und ausgew&auml;hlte Musikst&uuml;cke der Menschheit verewigt sind. Sollten dereinst in vielleicht vielen Millionen Jahren Au&szlig;erirdische diese Sonden finden, sollten sie so einen Eindruck davon bekommen, was einmal die Menschheit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119057\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":119058,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,135,20,178],"tags":[699,1055,1978,469,2052,1792,2217,305,953],"class_list":["post-119057","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-finanzpolitik","category-landerberichte","category-ressourcen","tag-australien","tag-fluechtlinge","tag-geldwaesche","tag-grossbritannien","tag-investitionen","tag-kolonialismus","tag-lebenserwartung","tag-menschenrechte","tag-staatsbankrott"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/240802-Nauru-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119057","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=119057"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119057\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119159,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119057\/revisions\/119159"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/119058"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=119057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=119057"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=119057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}