{"id":119089,"date":"2024-08-04T12:00:13","date_gmt":"2024-08-04T10:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119089"},"modified":"2024-08-04T13:25:10","modified_gmt":"2024-08-04T11:25:10","slug":"die-politik-unter-dem-druck-der-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119089","title":{"rendered":"Die Politik unter dem Druck der Medien"},"content":{"rendered":"<p>Der ungarische Au&szlig;enminister P&eacute;ter Szijj&aacute;rt&oacute; hat am Mittwoch Roger K&ouml;ppel, Chefredakteur der <em>Weltwoche<\/em>, <a href=\"https:\/\/weltwoche.ch\/daily\/eu-wie-im-kindergarten-aussenminister-peter-szijjarto-ueber-bruessels-neid-auf-orbans-ungarn\/\">ein Interview gegeben<\/a>, das aufhorchen l&auml;sst. Unter dem Titel &bdquo;EU wie im Kindergarten&ldquo; berichtet er vom j&uuml;ngsten Treffen der EU-Au&szlig;enminister. Der Titel verharmlost einen Aspekt, den Szijj&aacute;rt&oacute; als Grundproblem der EU schildert und der die Grundlagen der Politik insgesamt ber&uuml;hrt. Von <strong>Christian Deppe<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs gebe, so Szijj&aacute;rt&oacute;, infolge der Friedensmission des ungarischen Ministerpr&auml;sidenten in ganz Europa eine gro&szlig;e Frustration. Grund sei der Neid auf Orb&aacute;n, weil er der letzte und einzige europ&auml;ische Politiker von Rang sei, der auf die M&auml;chtigen der Welt zugehen kann. Die europ&auml;ischen Politiker seien frustriert, weil sie Angst haben, dass immer deutlicher werde, welchen Schaden ihre Politik Europa und den europ&auml;ischen V&ouml;lkern zugef&uuml;gt hat. Sie versuchten, so Szijj&aacute;rt&oacute;, diese Situation zu verbergen, was immer komplizierter werde. Die Politiker seien unempf&auml;nglich (&bdquo;taub&ldquo;) f&uuml;r die Idee, die EU wieder als eigenen, souver&auml;nen Akteur auf die internationale B&uuml;hne zu bringen.<\/p><p>Es gebe in Europa und im transatlantischen Raum eine gro&szlig;e Blase, die &bdquo;von der gro&szlig;en Mehrheit der liberalen Mainstream-Medien&ldquo; geschaffen worden sei. Die Medien suggerieren, dass die euro-atlantische Position die weltweit f&uuml;hrende sei. Das aber treffe nicht zu. Verlasse man die Blase, merke man, dass es weltweit Sympathien f&uuml;r die ungarische Position gebe, man respektiere sie und stimme ihr zu.<\/p><p>Freim&uuml;tig erz&auml;hlt Szijj&aacute;rt&oacute; von seinen Erfahrungen im Kreis der EU-Au&szlig;enminister: Bei schwierigen Themen kommen seine Kollegen vor oder nach einer Sitzung auf ihn zu und bitten ihn, f&uuml;r die ungarische Position zu k&auml;mpfen. Seine Aufforderung, doch selbst diese Position einzunehmen, werde so beantwortet: &bdquo;Ich kann das nicht offen sagen, wegen der Medien, wegen der NGOs, wegen der Koalitionspartner.&ldquo; Im privaten Gespr&auml;ch oder per SMS sogar w&auml;hrend einer Sitzung werde er von seinen Kollegen gelobt, in der Sitzung hingegen und &ouml;ffentlich reden sie ganz anders. Vertreter gew&auml;hlter Regierungen seien nicht mutig genug, zu sagen, was sie f&uuml;r gut halten. Das sei Folge des gro&szlig;en Drucks, der von den &bdquo;liberalen Mainstream-Medien&ldquo;, von NGOs und von Washington ausgehe. In der Ukraine-Frage, so Szijj&aacute;rt&oacute;, bef&uuml;rworten einige Au&szlig;enminister die ungarische Initiative, weil sie in die richtige Richtung gehe. &Ouml;ffentlich wird das nicht.<\/p><p>Eine erschreckende Vorstellung: Auch Politiker stehen unter der Kontrolle der &ouml;ffentlichen Meinung, die sie zwingt, ihre &Uuml;berzeugung zu verleugnen und mit dem Strom zu schwimmen. Sie bedeutet, dass Politiker am G&auml;ngelband demokratisch nicht legitimierter Agenturen, nicht &ouml;ffentlicher Akteure, von Denkfabriken und NGOs h&auml;ngen, die die &ouml;ffentliche Meinung herstellen. Die Medien verpacken und verkaufen sie; ihre Dominanz auf dem Markt erzeugt die Blase, aus der sich Politiker nur insgeheim, privat l&ouml;sen k&ouml;nnen.<\/p><p>Szijj&aacute;rt&oacute; bekleidet das Amt des ungarischen Au&szlig;enministers seit zehn Jahren. Offenbar erlebt er seine Kollegen aktuell nicht das erste Mal als Unfreie, die nicht sagen k&ouml;nnen, was sie denken. Bei Abstimmungen verhalten sie sich konform mit der vorgegebenen EU-Linie &ndash; hinter vorgehaltener Hand geben sie ihrem ungarischen Kollegen recht, entschuldigen sich und fordern ihn auf, die ungarische Position nur ja nicht aufzugeben. Wenn diese Erz&auml;hlung zutrifft, dann steht es schlecht um Europa.<\/p><p>Dass hochrangige Politiker nicht ihren Einsichten und &Uuml;berzeugungen folgen, erinnert daran, dass laut j&uuml;ngeren Umfragen von Allensbach auch immer mehr B&uuml;rger hierzulande sich nicht mehr trauen, &ouml;ffentlich wie im privaten Rahmen ihre Meinung zu bekunden. Das wird dann im Schutz der Wahlkabine getan, in der man der Frustration freien Lauf lassen kann. Die Grundfesten einer demokratischen Gesellschaft sind ersch&uuml;ttert, wenn &bdquo;oben&ldquo; wie &bdquo;unten&ldquo;, wenn die B&uuml;rger eines Landes und ihre Politiker Angst haben, weil unabh&auml;ngige, abweichende Einsch&auml;tzungen und Vorschl&auml;ge sanktioniert werden. Eine Demokratie hinter vorgehaltener Hand ist keine. Es braucht eine Medienrevolution, wenn Demokratie endlich eine Chance haben soll.<\/p><p><small>Titelbild: Screencap Weltwoche.ch <\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ungarische Au&szlig;enminister P&eacute;ter Szijj&aacute;rt&oacute; hat am Mittwoch Roger K&ouml;ppel, Chefredakteur der <em>Weltwoche<\/em>, <a href=\"https:\/\/weltwoche.ch\/daily\/eu-wie-im-kindergarten-aussenminister-peter-szijjarto-ueber-bruessels-neid-auf-orbans-ungarn\/\">ein Interview gegeben<\/a>, das aufhorchen l&auml;sst. Unter dem Titel &bdquo;EU wie im Kindergarten&ldquo; berichtet er vom j&uuml;ngsten Treffen der EU-Au&szlig;enminister. Der Titel verharmlost einen Aspekt, den Szijj&aacute;rt&oacute; als Grundproblem der EU schildert und der die Grundlagen der Politik insgesamt ber&uuml;hrt. 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