{"id":1191,"date":"2006-06-19T13:40:51","date_gmt":"2006-06-19T11:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1191"},"modified":"2016-02-06T10:06:39","modified_gmt":"2016-02-06T09:06:39","slug":"lasst-sich-der-pensionsberg-durch-kapitalgedeckte-pensionsfonds-untertunneln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1191","title":{"rendered":"L\u00e4sst sich der \u201ePensionsberg\u201c durch kapitalgedeckte Pensionsfonds \u201euntertunneln\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Mode geworden, die Zukunft in d&uuml;steren Farben zu malen und sich dabei auf &bdquo;wissenschaftliche Prognosen&ldquo; zu st&uuml;tzen, die weit in die n&auml;chsten Jahrzehnte reichen. Danach werden die &bdquo;Pensionslasten&ldquo; bis 2030 bedingt durch die hohen Einstellungszahlen der 60er und 70er Jahre dramatisch zunehmen. Die sog. &bdquo;Experten&ldquo; empfehlen kapitalgedeckte Pensionsfonds zur &bdquo;Untertunnelung&ldquo; des &bdquo;Pensionsberges&ldquo;.<br>\nWerner Schieder, Mitglied des Bayerischen Landtags analysiert, wie es kommt dass eine Vielzahl von Sachverst&auml;ndigen zum gleichen Ergebnis kommt und welche &bdquo;politischen&ldquo; Annahmen hinter den d&uuml;steren Prognosen stecken.<br>\n<!--more--><br>\nIst die Zukunft noch bezahlbar?<br>\n<strong>Pensionslasten und Pensionsfonds<\/strong><\/p><p>Von Werner Schieder, Juni 2006<\/p><p>Es ist Mode geworden, die Zukunft in d&uuml;steren Farben zu malen und sich dabei auf &bdquo;wissenschaftliche Prognosen&ldquo; zu st&uuml;tzen, die weit in die n&auml;chsten Jahrzehnte reichen. Man will die finanziellen Systeme &bdquo;zukunftsfest&ldquo; machen, wie es so sch&ouml;n hei&szlig;t. Neuerdings sind es die k&uuml;nftigen Pensionen der Beamten, die als &bdquo;Pensionslasten&ldquo; auf uns zurollen. Wei&szlig; man doch, dass die Zahl der Pension&auml;re insbesondere in den L&auml;ndern bedingt durch die hohen Einstellungszahlen der 60er und 70er Jahre deutlich ansteigen wird. <\/p><p><strong>Problem- und Datenlage<\/strong><\/p><p>Im aktuellen Finanzplan des Freistaates Bayern werden die steigenden Versorgungslasten mit zwei Schaubildern augenscheinlich gemacht. Danach wird die Zahl der Versorgungsempf&auml;nger von derzeit etwa 100 000 um 67 Prozent bis zum Jahr 2030 zunehmen, in den Folgejahren gehen die Zahlen leicht zur&uuml;ck. Kosteten die Pension&auml;re dem Freistaat im Jahr 2005 2,94 Mrd. Euro, so werden es 2030 dann 6,9 Mrd. Euro sein, 2040 zeigt das S&auml;ulendiagramm gar 8,4 Mrd. Euro an. <\/p><p>Im bayerischen Haushalt soll infolgedessen die Versorgungs-Haushalts-Quote (Versorgungsausgaben in Relation zum Haushaltsvolumen) von derzeit 8,3 Prozent auf 13 Prozent in 2019 ansteigen und dann stabil bleiben. D. h., es m&uuml;ssen ab 2019 knapp 5 Prozent der Haushaltsausgaben zus&auml;tzlich f&uuml;r Versorgungsausgaben reserviert werden. Soweit die alarmierende Vorwarnung.<\/p><p>Bei einer Anh&ouml;rung im Bayerischen Landtag &auml;u&szlig;erte sich eine Reihe von Experten zu diesem Thema (Anh&ouml;rung des Ausschusses f&uuml;r Fragen des &ouml;ffentlichen Dienstes, 30.5.06, ich beziehe mich auf die vorgelegten Expertenpapiere) und empfahl durch die Bank die Kapitaldeckung als Ausweg. Die Sachverst&auml;ndigen heben bez&uuml;glich k&uuml;nftiger Pensionslasten meist auf die Versorgungs-Steuer-Quote ab (Versorgungsausgaben in Relation zu den Steuereinnahmen, die Quote korreliert ungef&auml;hr mit der Versorgungs-Haushalts-Quote). Gro&szlig;teils herrscht &Uuml;bereinstimmung, dass diese Quote bis 2030 f&uuml;r die L&auml;nder um knapp 5 Prozent ansteigen wird. W&auml;hrend ein Expos&eacute; (Institut f&uuml;r Finanzwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universit&auml;t in Freiburg\/Leiter: Prof. Raffelh&uuml;schen) f&uuml;r Bayern aufgrund einer ersichtlich &auml;lteren Datengrundlage auf 7 Prozent kommt, sagt Parsche (Ifo-Institut) f&uuml;r Bayern eine im Vergleich zu den anderen L&auml;ndern etwas g&uuml;nstigere Entwicklung voraus. <\/p><p>Wie kommt es, dass eine Vielzahl von Experten wie auch schon die Verfasser des bayerischen Finanzplans zu den gleichen Ergebnissen kommt? Ist es nicht eine Best&auml;tigung f&uuml;r die Validit&auml;t der behaupteten Dramatik? Nun, bei genauerem Hinsehen ist die &Uuml;bereinstimmung alles andere als r&auml;tselhaft. Die Experten beziehen sich n&auml;mlich letztlich alle auf eine (!) Quelle: den Dritten Versorgungsbericht der Bundesregierung vom 22.6.05. (F&uuml;r den akribischen Leser: Soweit sich die Research-Abeilung der HVB oder andere zus&auml;tzlich auf Prof. Raffelh&uuml;schen beziehen, &auml;ndert dies an der Ein-Quellen-Urheberschaft nichts, denn Raffelh&uuml;schen ist bekanntlich Berater der Bundesregierung und hat am Versorgungsbericht ma&szlig;geblich mitgearbeitet. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>])<\/p><p>Auffallend ist zudem Folgendes: W&auml;hrend in den Expertenpapieren der beschriebene Anstieg um f&uuml;nf Prozent bei der Versorgungs-Steuer-Quote wie eine feststehende Tatsache pr&auml;sentiert wird, argumentiert der Versorgungsbericht viel differenzierter. Dort werden n&auml;mlich aufbauend auf den fundamentalen Modellannahmen &ndash; dazu gleich mehr &ndash; drei (!) Modellvarianten berechnet &ndash; variant bez&uuml;glich der k&uuml;nftigen Bez&uuml;geanpassungen -, die zu h&ouml;chst unterschiedlichen Ergebnissen f&uuml;hren. Der Anstieg der Quote hat in den Modellen eine Streubreite von einem Prozent in der g&uuml;nstigsten Variante bis zu f&uuml;nf Prozent in der ung&uuml;nstigsten Variante (Variante 3, Details s. Versorgungsbericht S. 53 ff, S. 241 ff). Schon wenn man die ebenso m&ouml;glichen und denkbaren g&uuml;nstigeren Varianten annimmt, f&auml;llt das Szenario nicht mehr bezahlbarer k&uuml;nftiger Pensionslasten wie ein Kartenhaus in sich zusammen!<\/p><p>Alle Experten beziehen sich aber ohne weitere Begr&uuml;ndung und ohne die Berechnungsalternativen &uuml;berhaupt zu erw&auml;hnen auf die Variante mit den ung&uuml;nstigsten Annahmen. Das Urteil, ob das bewusster Manipulationsabsicht oder nur nachl&auml;ssiger wissenschaftlicher Arbeit geschuldet ist, &uuml;berlasse ich hier dem Leser. <\/p><p><strong>Ein Blick zur&uuml;ck<\/strong><\/p><p>1960 hatte Bayern aus dem Haushalt 44 300 Versorgungsempf&auml;nger zu bedienen, 1970 waren es 51 400. Diese Zahl ist bis zum Jahr 2005 auf 97 300 gestiegen, sie hat sich also seit den 60er Jahren verdoppelt! Noch deutlicher ist dieser Trend, wenn man nur die Ruhegehaltsempf&auml;nger zugrunde legt und die Empf&auml;nger von Witwen- und Waisengeld beiseite l&auml;sst, weil sie finanziell nicht so ins Gewicht fallen wie die eigentlichen Pensionisten. Deren Zahl ist seit 1960 von damals 21 100 auf 67 600 im Jahr 2005, also um das Dreifache angestiegen. Die Versorgungsausgaben selbst sind von 360 Mio. Euro in 1970 bis heute auf 2,9 Mrd. Euro geklettert &ndash; eine Verachtfachung! (Quelle: Bayer. Finanzministerium, Versorgungsr&uuml;cklage, Tabellenanhang).<\/p><p>Obwohl diese Zunahme viel gewaltiger war, als das was uns in den n&auml;chsten Jahrzehnten erwartet, lag die Versorgungs-Haushalts-Quote bis in die 90er Jahre jahrzehntelang erstaunlich stabil bei sechs bis sieben Prozent. Aktuell liegt die Quote bei gut acht Prozent (Quelle: ebd.) <\/p><p>Wie ist dieses Ph&auml;nomen deutlich steigender &bdquo;Pensionslasten&ldquo; bei stabiler Haushalts-Quote zu erkl&auml;ren und warum sollte in der Zukunft ein Problem sein, was in der Vergangenheit keinen Grund zur Beunruhigung ausl&ouml;ste?<\/p><p><strong>Die Modell-Annahmen<\/strong><\/p><p>Die Zukunft ist bekanntlich ungewiss. Wer wei&szlig; schon, was in 30 oder 50 Jahren sein wird? Trotzdem suggerieren die Experten bei ihren Berechnungen eine wissenschaftliche Gewissheit, die es so nat&uuml;rlich nicht gibt. Wie kann man f&uuml;r k&uuml;nftige Jahrzehnte eine Versorgungs-Steuer-Quote berechnen?<\/p><p>Um absch&auml;tzen zu wollen, ob sich durch k&uuml;nftige Pensionszahlungen schwerwiegende Risiken f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Haushalt ergeben, muss man zu einer ganzen Reihe von Annahmen greifen, die noch dazu weit in die Zukunft reichen. Denn die Fragestellung h&auml;ngt davon ab, wie sich in den n&auml;chsten Jahrzehnten (!) das Wirtschaftswachstum, die Steuereinnahmen, die Steuerquote, die Inflation, die Einkommenszuw&auml;chse usw. entwickeln. Die wenigen Stichworte zeigen, dass es sich hier um &ouml;konomische Rahmenbedingungen handelt, die Hauptgegenst&auml;nde der politischen Gestaltungsaufgabe sind. Die fragliche politisch-&ouml;konomische Realit&auml;t ist deshalb nicht einfach voraussagbar, sondern wird durch politische Entscheidungen &uuml;berhaupt erst &bdquo;erschaffen&ldquo;.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] <\/p><p>Weil der Dritte Versorgungsbericht der Bundesregierung die Grundlage bildet f&uuml;r die Vorausschau auch anderer Experten lohnt sich ein Blick auf die dort zu Hilfe genommenen M&shy;odell&shy;annahmen. Man findet Erstaunliches. Unterstellt wird erstens ein reales Wirtschaftswachstum von 1 &frac12; bis 1 &frac34; Prozent, zweitens eine Inflationsrate von 1,5 Prozent und drittens eine Konstanz der gegenw&auml;rtigen Steuerquote. Diese &bdquo;Modellwelt&ldquo; wird wiederum &ndash; vierte Unterstellung &ndash; bis zum Jahr 2050 fortgeschrieben. Auf der Basis von solchen zweifellos waghalsigen Annahmen kommt man dann zu den eingangs referierten &bdquo;sicheren&ldquo; Aussagen &uuml;ber die k&uuml;nftigen Pensionslasten. Was hat das mit finanzpolitischem Realit&auml;tssinn zu tun?<\/p><p>Schon auf den ersten Blick wird klar: es handelt sich nicht nur um vorsichtige, sondern um &auml;u&szlig;erst restriktive und pessimistische &ndash; ja sogar gef&auml;hrliche [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] &ndash; Zukunftshypothesen! Und auch an der Stelle gilt: ver&auml;ndert man die Modellannahmen nur minimal nach oben, bleibt von den Prognosen eines &bdquo;Berges von Pensionslasten&ldquo; nichts mehr &uuml;brig!<\/p><p>Woher will man um Himmels willen wissen, dass die Inflationsrate 50 Jahre lang genau eineinhalb Prozent betragen wird? Diese niedrige Rate wurde in den letzten 50 Jahren in Deutschland und vergleichbaren L&auml;ndern allenfalls in dem einen oder anderen Jahr ausnahmsweise erreicht; gerade f&uuml;r wirtschaftlich erfolgreiche L&auml;nder oder Phasen ist diese Annahme absolut unrealistisch! <\/p><p>Woher will man wissen, dass die Steuerquote auf dem historisch niedrigen Niveau von 20 Prozent verharren wird, wo doch diese Langfrist-Unterstellung angesichts der beschlossenen Mehrwertsteuererh&ouml;hung schon jetzt Makulatur ist?<\/p><p>Warum sollten wir annehmen, dass der deutsche &ouml;konomische Stagnationspfad &ndash; eine absolute Ausnahmeerscheinung im Vergleich zu anderen L&auml;ndern &ndash; gleich f&uuml;nf Jahrzehnte anhalten wird? <\/p><p>Die Antwort auf diese Fragen kann man nur politisch geben: Die Protagonisten solcher &bdquo;Weissagungen&ldquo; wissen es nat&uuml;rlich nicht, aber sie wollen die d&uuml;steren Prognosen oder aber die knallharte Stagnations- und Stabilit&auml;tspolitik. Nur so l&auml;sst sich dann die politische Absicht weiterer Einschnitte oder der allgemeine Umstieg auf Kapitaldeckungsverfahren legitimieren &ndash; das ist der Sinn des &bdquo;Modellierens&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Untertunnelungs-Strategie<\/strong><\/p><p>Anders gewendet: Wenn die Politik der Zentralbank eine jahrzehntelange Deflationspolitik gestattet, wenn die deutsche Wirtschaftspolitik nicht aus der Stagnation herausfindet und wenn die Bez&uuml;ge der Pensionisten trotz der dann schlechten Lage j&auml;hrlich um drei Prozent steigen [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] &ndash; was alles keine Naturkonstanten sind -, dann mag es zu einem &bdquo;Berg von Pensionslasten&ldquo; kommen.<\/p><p>Dieser sogenannte Berg &ndash; so die politische Diskussion und auch Meinung der Anh&ouml;rungsexperten &ndash; sollte dann durch einen aufzubauenden Pensionsfonds &bdquo;untertunnelt&ldquo; werden. Denn er erreicht seine H&ouml;he gegen Ende der n&auml;chsten Dekade, um dann ab 2030\/2040 wieder zu schmelzen. Diese Untertunnelung scheint eine geradezu intelligente L&ouml;sung zu sein, denn es wird die n&auml;chsten Jahre angespart und das Fondsverm&ouml;gen dann sukzessive zur Mitfinanzierung der Pensionslasten ausbezahlt.<\/p><p>Hier tut sich allerdings ein &ndash; immerhin auch in einigen Expertenpapieren anklingendes &ndash; unl&ouml;sbares Problem auf. Wie hoch sollen die Einzahlungen aus dem Staatshaushalt heute und die n&auml;chsten Jahre sein, damit es sp&auml;ter zu einer &ndash; ebenfalls Jahre anhaltenden &ndash; sp&uuml;rbaren Entlastung des Haushalts kommt?<\/p><p>Als Beispiel kann auf die schon eingerichtete Versorgungsr&uuml;cklage des Freistaates Bayern verwiesen werden. Diese hat bei Einzahlungen von gegenw&auml;rtig j&auml;hrlich ca. 70 Mio. Euro einen Stand von 400 Mio. Euro. Bis 2017 &bdquo;k&ouml;nnte sie einen Betrag von knapp 2 Mrd. Euro erreichen. Dieses Kapital soll &hellip; zur Finanzierung der Versorgungsausgaben &uuml;ber einen Zeitraum von 15 Jahren verwendet werden. Ein Vergleich mit den f&uuml;r Bayern zu erwartenden Pensionslasten zeigt, dass die Versorgungsr&uuml;cklage &hellip; nicht ausreicht, den drastischen Anstieg der Pensionskosten zu entsch&auml;rfen. &hellip;Durch Einsatz der Mittel aus der Versorgungsr&uuml;cklage ab 2017 kann die Quote (gemeint ist die Versorgungs-Steuer-Quote, W. Sch.) 15 Jahre lang um jeweils 0,7 Prozentpunkte vermindert werden.&ldquo; (Raab, Deutsche Bundesbank M&uuml;nchen). Die Entlastung ist also mit anderen Worten marginal.<\/p><p>Um also &ndash; immer in der Logik der Expertenpapiere verbleibend &ndash; f&uuml;r eine wirksame Entlastung des Haushalts in den kommenden Jahrzehnten zu sorgen, m&uuml;ssten bis zum Jahr 2017 aus Haushaltsmitteln des Freistaats j&auml;hrlich mindestens mehrere Hundert Millionen Euro f&uuml;r den Pensionsfonds aufgebracht werden und sicher Jahr f&uuml;r Jahr weit mehr als eine Milliarde, wenn man die Zusatzlasten in G&auml;nze kompensieren will . Diese zus&auml;tzlichen Ausgaben sind selbstredend unter den geltenden (und hier nicht zu thematisierenden) Haushaltsvorgaben zu t&auml;tigen, insbesondere d&uuml;rfen sie nicht durch Kredite finanziert werden (was finanzpolitisch auch unsinnig w&auml;re).<\/p><p>Das Problem ist: entweder man bringt diese beachtlichen Summen j&auml;hrlich auf, dann kann die &bdquo;entlastende Wirkung&ldquo; erzielt werden, oder man beschr&auml;nkt sich auf bescheidenere Einzahlungen, dann bleibt man von einer wirksamen Untertunnelung weit entfernt!<\/p><p>Mehrere Hundert Millionen Euro Einzahlungen in den Pensionsfonds m&uuml;ssen aber erst an anderer Stelle &ndash; und das j&auml;hrlich &ndash; eingespart werden. Auf die dementsprechenden K&uuml;rzungen zus&auml;tzlich zu den Restriktionen der Vorjahre darf man sich freuen. Noch entscheidender ist aber folgender Zusammenhang: Hunderte Millionen Euro &ndash; und wenn andere Bundesl&auml;nder und der Bund analog verfahren sind es Milliarden &ndash; stehen dann auf den M&auml;rkten weniger als investive oder konsumtive Nachfrage zur Verf&uuml;gung. Und das bei der ausgepr&auml;gten und anhaltenden Schw&auml;che der Binnennachfrage in Deutschland. Pensionsfonds sind neben Zins- und Mehrwertsteuererh&ouml;hung sichere Mittel, jedwede Konjunkturerholung dauerhaft abzuw&uuml;rgen. Warum sollte man eine solche Politik unterst&uuml;tzen?<\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> Sachliche Argumente f&uuml;r die Einrichtung von Pensionsfonds gibt es nicht. Es gibt nur einen Grund daf&uuml;r, n&auml;mlich den, dass alle sagen, dass man es so machen muss. Die &bdquo;Papageien-Papageien-Republik&ldquo; (Albrecht M&uuml;ller) l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en!<\/p><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li>Finanzplan des Freistaates Bayern 2005-2009, Bayer. Staatsministerium der Finanzen<\/li>\n<li>Gesch&auml;ftsbericht 2004 &bdquo;Sonderverm&ouml;gen Versorgungsr&uuml;cklage des Freistaates Bayern nebst Anlagen, Bayer. Staatsministerium der Finanzen<\/li>\n<li>Dritter Versorgungsbericht der Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 15\/5821<\/li>\n<li>Landesgesetz &uuml;ber die Errichtung eines Finanzierungsfonds f&uuml;r die Beamtenversorgung Rheinland-Pfalz, Skript nebst Anlagen<\/li>\n<li>Pensionslasten der Bundesl&auml;nder im Vergleich, Studie des Instituts f&uuml;r Finanzwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universit&auml;t Freiburg im Breisgau (Direktor: Prof. Raffelh&uuml;schen)<\/li>\n<li>Schreiben von Prof. Dr. Franz-Christoph Zeitler v. 3.5.06<\/li>\n<li>Stellungnahme Thorsten Weinelt, Research-Abteilung der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank<\/li>\n<li>Schriftlicher Beitrag Erich Raab, Deutsche Bundesbank HV M&uuml;nchen<\/li>\n<li>Schriftlicher Beitrag Lothar Panzer, Bayerische Versorgungskammer<\/li>\n<li>Stellungnahme R&uuml;diger Parsche, Ifo-Institut M&uuml;nchen<\/li>\n<li>Schriftlicher Beitrag Prof. Dr. Gisela F&auml;rber, Deutsche Hochschule f&uuml;r Verwaltungswissenschaften Speyer<\/li>\n<li>Schriftlicher Beitrag Dr. Richard Herrmann, Vorstand der Heubeck AG K&ouml;ln<\/li>\n<li>Schriftlicher Beitrag Prof. Dr. Heinrich Amadeus Wolff, Institut f&uuml;r Politik und &Ouml;ffentliches Recht M&uuml;nchen<\/li>\n<li>Schreiben des Bundesministeriums des Innern, Entwurf des Ersten Gesetzes zur &Auml;nderung des Versorgungsr&uuml;cklagegesetzes des Bundes, nebst Anlagen<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Mehr noch: Raffelh&uuml;schen ist eine wichtige &bdquo;Br&uuml;cke&ldquo; von der Versicherungswirtschaft zur Politik. Er arbeitet f&uuml;r den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und ist Aufsichtsrat diverser Versicherungskonzerne. Das ist schlie&szlig;lich genau die Branche, die von der Privatisierung der Alterssicherungssysteme profitiert.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Deshalb gilt: Werden solche Langzeit-Prognosen als Vorhersagen begriffen, sind sie nichts als moderne Sterndeuterei. Sinn machen Langfrist-Berechnungen als &bdquo;Gedankenexperiment&ldquo; nur in der Weise, dass den politischen Akteuren bei der hypothetischen Wenn-Dann-Folgerung nicht nur die Anpassung an die Dann-Konsequenz, sondern ebenso die Ver&auml;nderung der Wenn-Bedingungen autonom offensteht. (Beispiel Klimakatastophe: Die Konsequenz &bdquo;Klimaerw&auml;rmung&ldquo; ist unerw&uuml;nscht, deshalb werden die Wenn-Bedingungen (Kohlendioxyd-Aussto&szlig;) ver&auml;ndert.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Soweit die politischen Akteure solche Unterstellungen f&uuml;r bare M&uuml;nze nehmen, droht eine self-fulfilling prophecy: die Parameter werden genau in die Richtung ver&auml;ndert, die man erwartet, so dass die Vorhersage auch eintrifft. U. a. deswegen haben sozialwissenschaftliche Prognosen einen grunds&auml;tzlich anderen Status als naturwissenschaftliche.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Eine dreiprozentige j&auml;hrliche Bez&uuml;gesteigerung ist bei der ung&uuml;nstigsten Modellvariante 3 (s. weiter oben) unterstellt. Dass bei den unterlegten restriktiven Modellannahmen (Inflation, Wachstum) die Bez&uuml;ge der Pensionisten trotzdem relativ expansiv ansteigen sollen, ist schlicht realit&auml;tsfremd. Man schaue auf die effektiven Bez&uuml;geerh&ouml;hungen der letzten zehn Jahre!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Mode geworden, die Zukunft in d&uuml;steren Farben zu malen und sich dabei auf &bdquo;wissenschaftliche Prognosen&ldquo; zu st&uuml;tzen, die weit in die n&auml;chsten Jahrzehnte reichen. Danach werden die &bdquo;Pensionslasten&ldquo; bis 2030 bedingt durch die hohen Einstellungszahlen der 60er und 70er Jahre dramatisch zunehmen. Die sog. &bdquo;Experten&ldquo; empfehlen kapitalgedeckte Pensionsfonds zur &bdquo;Untertunnelung&ldquo; des &bdquo;Pensionsberges&ldquo;.<br \/> Werner<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1191\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[343,1375,1621,363],"class_list":["post-1191","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rente","tag-luegen-mit-zahlen","tag-pensionen","tag-pensionsfonds","tag-raffelhueschen-bernd"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1191"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30938,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1191\/revisions\/30938"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}