{"id":119412,"date":"2024-08-09T11:11:22","date_gmt":"2024-08-09T09:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119412"},"modified":"2024-08-09T15:46:04","modified_gmt":"2024-08-09T13:46:04","slug":"wachstumsinitiative-der-bundesregierung-lektuere-zum-fremdschaemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119412","title":{"rendered":"Wachstumsinitiative der Bundesregierung: Lekt\u00fcre zum Fremdsch\u00e4men"},"content":{"rendered":"<p>Allen Beschw&ouml;rungen zur baldigen &bdquo;Erholung&ldquo; der deutschen Wirtschaft zum Trotz wird in einer <a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik\/2024\/schlaglichter-der-wirtschaftspolitik-2024-08.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\">Publikation<\/a> aus dem Hause Habecks einger&auml;umt, dass &bdquo;die aktuellen Konjunktur- und Stimmungsindikatoren &uuml;berwiegend schwach ausgefallen sind&ldquo;. Vor diesem Hintergrund ist die schon im Titel angek&uuml;ndigte &bdquo;Wachstumsinitiative der Bundesregierung&ldquo; zu begr&uuml;&szlig;en. Ob die dazu in dem Papier vorgestellten &bdquo;angebotspolitischen Schritte&ldquo; die Wirtschaftsschw&auml;che Deutschlands zu &uuml;berwinden erlauben, l&auml;sst sich allerdings bezweifeln. Von <strong>Paul Steinhardt<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9012\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-119412-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240809-Wachstumsinitiative-zum-Fremdschaemen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240809-Wachstumsinitiative-zum-Fremdschaemen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240809-Wachstumsinitiative-zum-Fremdschaemen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240809-Wachstumsinitiative-zum-Fremdschaemen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=119412-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240809-Wachstumsinitiative-zum-Fremdschaemen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240809-Wachstumsinitiative-zum-Fremdschaemen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>So viel ist klar: Ohne eine Beantwortung der Frage, was die Rezession Deutschlands erkl&auml;rt, lassen sich keine zielf&uuml;hrenden wirtschaftspolitischen Ma&szlig;nahmen formulieren. Und klar ist auch, dass die deutsche Wirtschaft nur dann wieder wachsen kann, wenn deutsche Unternehmen mehr G&uuml;ter verkaufen k&ouml;nnen. Deutsche G&uuml;ter nun k&ouml;nnen von heimischen Konsumenten, dem Ausland und dem Staat gekauft werden. In diesem Zusammenhang wird in der Publikation des Bundeswirtschaftsministeriums konstatiert, dass die &bdquo;Ausfuhren f&uuml;r Waren und Dienstleistungen&ldquo;, insbesondere ins au&szlig;ereurop&auml;ische Ausland, sich &bdquo;sp&uuml;rbar verringert haben&ldquo; und der &bdquo;Einzelhandel Umsatzeinbu&szlig;en zu verzeichnen&ldquo; hat.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund fragt man sich, wie neoliberale Steckenpferde wie die steuerlich beg&uuml;nstigte &bdquo;Zuwanderung qualifizierter Fachkr&auml;fte&ldquo;, &bdquo;Pr&auml;mien&ldquo; zum &bdquo;Aufschieben des Renteneintritts&ldquo; und &bdquo;im Sinne des F&ouml;rderns und Forderns die Pflichtverletzungen von Mitwirkungspflichten durch B&uuml;rgergeldbeziehende versch&auml;rft zu sanktionieren&ldquo; in der Lage sein sollen, die Unterauslastung gegebener Produktionskapazit&auml;ten zu &uuml;berwinden. Anders gesagt, die &bdquo;angebotspolitischen Schritte&ldquo; adressieren nicht das Problem der mangelnden Nachfrage nach G&uuml;tern Made in Germany.<\/p><p>Es gilt also zu fragen, warum die Nachfrage nach deutschen G&uuml;tern sich verringert hat. Die Antwort liegt auf der Hand. Die &bdquo;wertegeleitete&ldquo; deutsche Au&szlig;enpolitik, die sich im Kampf gegen die Feinde der Demokratie unter Anleitung der USA vermehrt des Instruments der &bdquo;Wirtschaftssanktionen&ldquo; bedient, ist mit dem exportorientierten Wirtschaftsmodell Deutschlands nicht vertr&auml;glich. Denn dieses ist von ausreichend zahlungskr&auml;ftigen ausl&auml;ndischen Absatzm&auml;rkten und ausreichend g&uuml;nstigen Importen von Rohstoffen und Energietr&auml;gern aus dem Ausland abh&auml;ngig.<\/p><p>Die gefeierte Befreiung von der Abh&auml;ngigkeit von russischen Energietr&auml;gern ist also ein Problem f&uuml;r das deutsche exportorientierte Wirtschaftsmodell, weil sie zu erh&ouml;hten Energiekosten f&uuml;hrt, die die preisliche Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Wirtschaft verschlechtert. Und mit &bdquo;Wirtschaftssanktionen&ldquo;, die es deutschen Unternehmen erschweren, G&uuml;ter ins &bdquo;feindliche&ldquo; Ausland zu verkaufen, schneidet man sich ganz offensichtlich ins eigene Fleisch. Wenn dann noch der gro&szlig;e Freund Deutschlands &bdquo;America&ldquo; wieder &bdquo;great&ldquo; machen m&ouml;chte und dazu vor protektionistischen Ma&szlig;nahmen nicht zur&uuml;ckschreckt, dann stellt sich die Frage nach der Zukunftsf&auml;higkeit des deutschen Wirtschaftsmodells.<\/p><p>Anders gesagt, in Zeiten der Deglobalisierung sind alle wirtschaftspolitischen Ma&szlig;nahmen, die auf einen Erhalt des deutschen Wirtschaftsmodells zielen, zum Scheitern verurteilt. Eine &bdquo;Wachstumsinitiative&ldquo;, die diesen Namen verdient, muss sich deshalb auf eine St&auml;rkung der deutschen Binnenwirtschaft richten. Nicht ausreichend ist es, auf eine &bdquo;Belebung des privaten Konsums angesichts steigender L&ouml;hne und r&uuml;ckl&auml;ufiger Inflationsraten&ldquo; &ndash; also auf h&ouml;here Reall&ouml;hne &ndash; zu hoffen. Es gilt zu erkennen, dass die auff&auml;llig schwache Reallohnentwicklung in Deutschland ein institutionell verfestigtes Merkmal des exportorientierten deutschen Wirtschaftsmodells ist. Daher ist es unabdingbar, dass der deutsche Staat zus&auml;tzliche Ausgaben f&uuml;r die Reparatur der verrotteten deutschen Infrastruktur und f&uuml;r die Verbesserung des mangelhaften Bildungswesens sowie der inad&auml;quaten Altenpflege t&auml;tigt &ndash; nicht zuletzt auch, um damit h&ouml;here L&ouml;hne im &ouml;ffentlichen Dienstleistungssektor bezahlen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Zus&auml;tzliche staatliche Ausgaben will man aber lieber f&uuml;r &bdquo;Strompreiskompensationen&ldquo; f&uuml;r Unternehmen t&auml;tigen, die in erster Linie den energieintensiven und stark exportorientierten Wirtschaftssektoren zugutekommen werden. Wie aber sollen diese und viele andere Unternehmenssubventionen finanziert werden? Mit einer Erh&ouml;hung des Steueraufkommens jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil spricht man sich f&uuml;r &bdquo;g&uuml;nstigere Abschreibungsbedingungen&ldquo; aus, die das Unternehmenssteueraufkommen reduzieren werden.<\/p><p>Zur Schlie&szlig;ung von Finanzierungsl&uuml;cken setzt man auf das Prinzip Hoffnung. Es gelte, die &bdquo;Diskussionen bez&uuml;glich einer Modernisierung der Finanzverfassung zu konkretisieren&ldquo;. Wenig konkret wird man aber bei der Frage, wie man sich eine solche &bdquo;Modernisierung&ldquo; &ndash; aka Reform der Schuldenbremsen &ndash; vorzustellen hat und vor allem, wo konkret sich die daf&uuml;r notwendigen politischen Mehrheiten auf der nationalen, aber vor allem auf der europ&auml;ischen Ebene finden lassen sollen.<\/p><p>Bis dahin soll ein &bdquo;leistungsf&auml;higerer Finanzmarkt&ldquo; der deutschen Wirtschaft auf die Spr&uuml;nge helfen &ndash; womit unterstellt wird, es mangele ihr an &bdquo;Kapital&ldquo;. An Kapitalmangel leidet zweifelsohne die Finanzierung der genannten Kollektivg&uuml;ter. Dieses Problem aber l&auml;sst sich nicht mit einer &bdquo;ehrgeizigen Agenda zur Vollendung der Kapitalmarktunion&ldquo; l&ouml;sen, sondern erfordert vom Gesetzgeber, im Rahmen der geltenden Finanzverfassung entsprechende Abgaben und Steuern zu erh&ouml;hen.<\/p><p>Nur noch zum Lachen ist, wenn man (ernsthaft?) vorschl&auml;gt, der Wirtschaft mit einem &bdquo;B&uuml;rokratieabbau&ldquo; auf die Beine helfen zu wollen und dazu den &bdquo;B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern sowie Unternehmen die M&ouml;glichkeit einr&auml;umen will, konkrete Vorschl&auml;ge zum B&uuml;rokratieabbau einzureichen&ldquo;. Nicht mehr zum Lachen ist, dass der wirtschaftliche Sachverstand im f&uuml;r unsere Wirtschaft zust&auml;ndigen Ministerium offensichtlich noch nicht einmal ausreicht, um die Ver&ouml;ffentlichung eines inhaltlich so peinlichen Papiers zu verhindern.<\/p><p><small>Titelbild: penofoto\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allen Beschw&ouml;rungen zur baldigen &bdquo;Erholung&ldquo; der deutschen Wirtschaft zum Trotz wird in einer <a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik\/2024\/schlaglichter-der-wirtschaftspolitik-2024-08.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\">Publikation<\/a> aus dem Hause Habecks einger&auml;umt, dass &bdquo;die aktuellen Konjunktur- und Stimmungsindikatoren &uuml;berwiegend schwach ausgefallen sind&ldquo;. Vor diesem Hintergrund ist die schon im Titel angek&uuml;ndigte &bdquo;Wachstumsinitiative der Bundesregierung&ldquo; zu begr&uuml;&szlig;en. 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