{"id":119514,"date":"2024-08-12T10:55:00","date_gmt":"2024-08-12T08:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119514"},"modified":"2024-08-13T07:32:41","modified_gmt":"2024-08-13T05:32:41","slug":"boersengewitter-wetterleuchten-oder-korrektur-zunehmende-ungleichverteilung-in-den-usa-und-ihre-auswirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119514","title":{"rendered":"B\u00f6rsengewitter: Wetterleuchten oder Korrektur? Zunehmende Ungleichverteilung in den USA und ihre Auswirkungen"},"content":{"rendered":"<p>Anfang August gab es an der Wall Street ein heftiges B&ouml;rsengewitter. Die wichtigsten US-Aktien st&uuml;rzten in wenigen Tagen um &uuml;ber sieben Prozent ab. An den Bondm&auml;rkten sackten die Renditen f&uuml;r zehnj&auml;hrige US-Staatsanleihen um fast einen halben Prozentpunkt ab. Das wirft die Frage nach den Hintergr&uuml;nden auf und vor allem, wie es wohl weitergehen wird. Als Hauptgrund f&uuml;r die B&ouml;rsenturbulenzen werden zunehmende Konjunktursorgen genannt.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119514#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Damit die Konjunktur l&auml;uft, das hei&szlig;t die Wirtschaft w&auml;chst, ist Massennachfrage n&ouml;tig. Damit Massennachfrage da ist, m&uuml;ssen die Masseneinkommen steigen. Wenn die Einkommen aber zunehmend nach oben flie&szlig;en, an eine Minderheit der Menschen, dann wird es auf Dauer eng f&uuml;r die Massennachfrage. Genau dies scheint sich jetzt abzuzeichnen. Von <strong>Christian Krei&szlig;<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4020\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-119514-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240812-Boersengewitter-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240812-Boersengewitter-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240812-Boersengewitter-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240812-Boersengewitter-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=119514-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240812-Boersengewitter-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240812-Boersengewitter-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zunehmende Verm&ouml;genskonzentration in den USA<\/strong><\/p><p>Laut Angaben der US-Notenbank FED haben sich die Verm&ouml;gen in den USA von 1989 bis 2023 deutlich konzentriert. Im dritten Quartal 2023 besa&szlig;en die oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher in den USA demnach 66,6 Prozent aller Verm&ouml;gen, 1989 waren es noch 60,9 Prozent gewesen. Der Anteil der unteren 90 Prozent verminderte sich in den 34 Jahren von 1989 bis 2023 entsprechend von 39,1 auf 33,4 Prozent. Die oberen ein Prozent besa&szlig;en 2023 30,5 Prozent aller Verm&ouml;gen, 1989 waren es noch 22,9 Prozent gewesen. In den 34 Jahren von 1989 bis 2023 kann man also eine deutliche Verm&ouml;gensverschiebung zu Gunsten der oberen ein Prozent und zu Lasten der &bdquo;unteren&ldquo; 99 Prozent feststellen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p><strong>Auswirkungen zunehmender Verm&ouml;genskonzentration<\/strong><\/p><p>Welche Auswirkungen hat zunehmende Verm&ouml;genskonzentration? Abgesehen von zunehmender politischer und gesellschaftlicher Einflussnahme durch Milliard&auml;re, hei&szlig;t steigende Verm&ouml;genskonzentration, dass ein immer gr&ouml;&szlig;erer Anteil der Kapitaleinkommen an die oberen 10 bzw. ein Prozent der Bev&ouml;lkerung flie&szlig;en. Wenn die oberen ein Prozent der Haushalte &uuml;ber 30 Prozent der Verm&ouml;gen besitzen, flie&szlig;en entsprechend auch &uuml;ber 30 Prozent aller Dividenden, Mieten, Pachten und Zinsen an die oberen ein Prozent der Haushalte. Wieviel Geld ist das? <\/p><p><strong>Unternehmensgewinne<\/strong><\/p><p>Im ersten Quartal 2024 beliefen sich die US-Unternehmensgewinne nach Steuern laut Angaben der US-Notenbank auf (annualisiert) 3.168 Mrd. US-Dollar.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Das entspricht 11,2 Prozent vom Sozialprodukt.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Von 1947 bis 2000 lagen die US-Unternehmensgewinne im Durchschnitt bei 6 bis 7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Ab der Jahrtausendwende setzte ein starker Anstieg ein, so dass seit 2010 der Anteil der Unternehmensgewinne durchschnittlich bei knapp 11 Prozent liegt. <\/p><p>In den letzten Jahrzehnten hat sich also nicht nur der Verm&ouml;gensanteil der obersten ein Prozent deutlich erh&ouml;ht, sondern auch die Gewinnquote der Unternehmen, die zum gro&szlig;en Teil ihnen geh&ouml;ren, sodass die wohlhabendsten US-Amerikaner gleich doppelt profitiert haben &ndash; zu Lasten der anderen US-Haushalte, deren Anteil sich entsprechend vermindert hat.<\/p><p><strong>Zinseinnahmen<\/strong><\/p><p>Die Schulden der privaten Haushalte, der Unternehmen (ohne Finanzdienstleistungsunternehmen) und des Staates beliefen sich in den USA Anfang der 1980er Jahre auf etwa 135 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung (BIP).[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Im ersten Quartal 2024 betrugen sie 264 Prozent vom BIP. Die Schulden pro Dollar Sozialprodukt haben sich seit 1980 also etwa verdoppelt. Seit der Finanzkrise waren die Zinsen so niedrig wie noch nie in der US-Geschichte[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] und die US-Notenbank hat in gro&szlig;em Umfang frisches Zentralbankgeld gedruckt &ndash; seit der Finanzkrise hat sich die Zentralbankgeldmenge beinahe verneunfacht.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Auch das gab es noch nie in der US-Geschichte.<\/p><p>Deshalb hat der stark gestiegene Schuldenberg in den letzten 15 Jahren keine gro&szlig;e Rolle gespielt &ndash; einfach, weil sehr wenig Zinsen gezahlt werden mussten. Seit Fr&uuml;hjahr 2022 hat sich dies jedoch gedreht. Die US-Notenbank FED hat die Zinsen sehr stark &ndash; von Null auf gut 5 Prozent &ndash; erh&ouml;ht und auch die langfristigen Zinsen f&uuml;r Staatsanleihen haben sich mehr als verdoppelt &ndash; von etwa 1,5 Prozent 2021 auf ca. 4 Prozent heute. In den n&auml;chsten 10 Jahren sollen die Zinsen in etwa zwischen 3 Prozent (3-Monatszinsen) und 4 Prozent (10-Jahreszinsen) bleiben.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Rechnet man also mit Zinsen von durchschnittlich etwa 3,5 Prozent, flie&szlig;en in den kommenden Jahren gut 9 Prozent vom BIP an die Inhaber der Schuldpapiere, das hei&szlig;t im Wesentlichen an die oberen ein bis zehn Prozent der Haushalte. F&uuml;r das Jahr 2024 w&auml;ren das in etwa 2.600 Milliarden Dollar. In Wirklichkeit d&uuml;rfte der Betrag jedoch um einiges h&ouml;her sein, vermutlich mindestens 3.000 Milliarden Dollar, weil die Zinsen f&uuml;r Privatkredite und Unternehmen deutlich h&ouml;her sind als die Zinsen, die die US-Regierung zahlen muss. <\/p><p>Wer zahlt die Zinsen? Die Staatsschulden werden &uuml;ber die Steuern finanziert. Selbst die &auml;rmsten Bev&ouml;lkerungsschichten zahlen Steuern, z.B. &uuml;ber die Mehrwert- oder Benzinsteuer. Die Unternehmensschulden werden &uuml;ber die Produktpreise auf die Kunden umgelegt. Bei jedem Einkauf zahlt jede Konsumentin und jeder Konsument die Unternehmensschulden. Letztlich werden also s&auml;mtliche Zinsen, egal ob die Schulden der Staat, die Unternehmen oder die privaten Haushalte haben, von den privaten Haushalten gezahlt. Wie gesagt, das sind derzeit vermutlich &uuml;ber 3.000 Milliarden Dollar pro Jahr.<\/p><p>Da sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur der Verm&ouml;gensanteil der obersten ein Prozent deutlich erh&ouml;ht hat, sondern in j&uuml;ngster Zeit auch noch die Zinsen dramatisch gestiegen sind, haben die wohlhabendsten US-Amerikaner auch hiervon gleich doppelt profitiert &ndash; zu Lasten der anderen US-Haushalte, die die Zinsen bezahlen.<\/p><p><strong>Mieten<\/strong><\/p><p>Gut ein Drittel der US-Haushalte lebt nicht in den eigenen vier W&auml;nden (34,3 Prozent Ende 2023).[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Die US-Mieten sind in den letzten 4 Jahren sehr stark gestiegen: Von 2020 bis 2023 sind die bei Neuvertr&auml;gen verlangten Mieten um 30 Prozent gestiegen. Etwa jeder zw&ouml;lfte US-Haushalt zahlt mehr als die H&auml;lfte seines Einkommens f&uuml;r Miete.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] <\/p><p>Wie hoch der Betrag f&uuml;r die insgesamt bezahlten Mieten und Pachten in den USA ist, ist sehr schwer abzusch&auml;tzen. Unterstellt man &auml;hnliche Relationen wie in Deutschland, wo die Bodenertr&auml;ge 2017 etwa 12 Prozent vom BIP ausmachten[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>], so k&ouml;nnten heute in den USA etwa 3.500 Milliarden Dollar f&uuml;r Bodenertr&auml;ge bezahlt werden.<\/p><p>Durch die in j&uuml;ngster Zeit stark gestiegenen Mieten haben die oberen ein Prozent der US-Amerikaner gleich doppelt profitiert, da ja auch ihr Verm&ouml;gensanteil &uuml;ber die letzten 30 Jahre und damit vermutlich auch ihr Anteil an Mietobjekten stark zugenommen haben d&uuml;rfte.<\/p><p><strong>Zwischenergebnis<\/strong><\/p><p>Halten wir fest: Der Verm&ouml;gensanteil der oberen ein Prozent der US-Haushalte ist heute so gro&szlig; wie noch nie in der j&uuml;ngeren US-Geschichte.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Der Verm&ouml;gensanteil der unteren 90 Prozent der US-Haushalte ist heute mit etwa einen Drittel deutlich niedriger als vor einer Generation, wo er knapp 40 Prozent betrug.<\/p><p>Was hei&szlig;t das f&uuml;r die &Ouml;konomie? Allein durch diese Verm&ouml;gensverschiebung zu Gunsten der sehr Wohlhabenden flie&szlig;t ein immer gr&ouml;&szlig;er werdender Strom an sogenannten leistungslosen, Nicht-Arbeits- oder passiven Einkommen an die Oberschicht. Dieser Trend hat sich in den letzten 20 Jahren durch zwei Faktoren noch besonders versch&auml;rft. Erstens sind die Unternehmensgewinne seit Anfang des Jahrtausends auf historische Hochst&auml;nde gestiegen. Zweitens sind die Schulden auf neue historische H&ouml;chstst&auml;nde gestiegen. Durch die dramatischen Zinsanhebungen der letzten beiden Jahre sind die Zinszahlungen in kurzer Zeit enorm angestiegen, so dass heute ein ungleich h&ouml;herer Strom von Zinszahlungen an die wohlhabendsten Haushalte flie&szlig;t.<\/p><p>Addiert man die oben gesch&auml;tzten Zahlen &ndash; 3.200 Milliarden Dollar Unternehmensgewinne (nach Steuern), 3.000 Milliarden Zinszahlungen, 3.500 Milliarden Bodenertr&auml;ge, so ergibt sich ein Volumen von etwa 9.700 Milliarden Dollar leistungslose, passive Nicht-Arbeitseinkommen aus Verm&ouml;gen. Das ist gut ein Drittel vom BIP. Davon gehen etwa 30 Prozent an die oberen ein Prozent. Das w&auml;ren etwa 2.900 Milliarden Dollar pro Jahr. Pro Kopf sind das etwa 850.000 Dollar pro Jahr. Jeder der etwa 3,4 Millionen Amerikaner, die zu den obersten ein Prozent geh&ouml;ren, bekommt derzeit pro Jahr also etwa 850.000 Dollar Einkommen, ohne daf&uuml;r arbeiten zu m&uuml;ssen, im Wesentlichen in Form von Mieten, Pachten, Dividenden und Zinsen.<\/p><p>Wer zahlt dieses Geld? Diejenigen, die keine oder geringe Verm&ouml;gen haben, also im Wesentlichen die unteren 50 bis 90 Prozent der Bev&ouml;lkerung, beispielsweise &uuml;ber die Produktpreise, &uuml;ber die Steuern oder durch Zinszahlungen f&uuml;r Hausbaukredite oder andere Haushaltsschulden.<\/p><p>Das hei&szlig;t, dass die &bdquo;Normalhaushalte&ldquo; in den USA langsam, aber sicher immer mehr Geld abf&uuml;hren m&uuml;ssen an die Verm&ouml;gens- und Geldoberschicht. Dadurch nimmt auch die Ungleichverteilung der Einkommen zu. <\/p><p><strong>Zunehmende Ungleichverteilung der US-Einkommen<\/strong><\/p><p>Eine umfangreiche Studie des Pew Research Center von Anfang 2020[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] zeigt, dass in den 48 Jahren von 1970 bis 2018 die Upper-income-Haushalte, das sind Haushalte, die das Doppelte oder mehr des Medianeinkommens verdienen, ihren Anteil an den gesamten Einkommen von 29 Prozent (1970) auf 48 Prozent erh&ouml;ht haben. Der Anteil der Middle-income-Haushalte, die 66 bis 200 Prozent des Medianeinkommens verdienen, sank von 62 Prozent 1970 auf 43 Prozent 2018 und der Anteil der Lower-income-Haushalte mit weniger als 66 Prozent der Medianeinkommen sank von 10 auf 9 Prozent aller Einkommen. <\/p><p>1980 verdienten die oberen 10 Prozent der Haushalte 9,1-mal so viel wie die unteren 10 Prozent, 2018 war es 12,6-mal so viel. Die Schere geht auf.<\/p><p>Kurz: Die Entwicklung der 48 Jahre von 1970 bis 2018 zeigt eine beeindruckende Einkommensverschiebung von den unteren und den mittleren zu den oberen Einkommen. <\/p><p>Die hier aufgezeigten Entwicklungen fanden &uuml;brigens nicht nur in den USA, sondern in fast allen Industrie- und sehr vielen Entwicklungsl&auml;ndern statt.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Was haben diese Entwicklungen mit dem B&ouml;rsengeschehen zu tun? Sehr viel. Durch die zunehmende Ungleichverteilung bei Verm&ouml;gen und Einkommen bleiben seit Jahrzehnten die Masseneinkommen hinter dem Wirtschaftswachstum zur&uuml;ck. Die dadurch entstehende Nachfragel&uuml;cke konnte in den letzten 50 Jahren &uuml;ber immer weiter steigende Schulden gel&ouml;st werden. Dieses auf Schulden gebaute Wirtschaftswachstum st&ouml;&szlig;t aber nun an seine Grenzen. Denn die Zinsen sind heute zu hoch, um so weiterzumachen. Auch weiteres Gelddrucken durch die Notenbanken &uuml;ber Quantitative Easing und eine neue Runde Nullzinspolitik d&uuml;rften wegen der schlechten Inflationserfahrungen der letzten beiden Jahre und den daher heute bestehenden Inflationssorgen kaum erneut machbar sein.<\/p><p>Das hei&szlig;t, irgendwann d&uuml;rfte einem gro&szlig;en Teil der US-Haushalte &ouml;konomisch die Luft ausgehen. Es wird immer schwieriger, Konsum und Wachstum weiter anzutreiben. Dann d&uuml;rften Nachfrage, Ums&auml;tze, Konjunktur &ndash; und die Unternehmensgewinne ins Stocken kommen. Und wenn die Unternehmensgewinne nicht mehr steigen oder gar sinken, dann m&uuml;ssten auch die B&ouml;rsenkurse sinken.<\/p><p>Der S&amp;P 500 ist derzeit so hoch bewertet wie fast noch nie in der Geschichte. Das Kurs-Gewinn-Verh&auml;ltnis ist mit 27,7 (Gewinne der vergangenen 12 Monate) etwa 75 Prozent teurer als in den letzten 150 Jahren[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>], die Rendite auf Aktieninvestments mit 3,6 Prozent (Gewinne der letzten 12 Monate) nur halb so hoch wie in den letzten 150 Jahren.[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Kurz: die US-B&ouml;rsen sind, historisch betrachtet, ungew&ouml;hnlich hoch bewertet. Das Gleiche gilt &uuml;brigens f&uuml;r die Hauspreise in den USA: Gemessen an den Medianeinkommen sind die H&auml;user heute so teuer wie noch nie in der Nachkriegszeit und deutlich teurer als kurz vor dem Platzen der US-Immobilienblase 2007.[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p>Falls die Konjunktur in den kommenden Monaten tats&auml;chlich lahmen oder die B&ouml;rsen- (und Immobilien-)Bewertungen sich wieder den in der Vergangenheit geltenden Einsch&auml;tzungen ann&auml;hern sollten, st&uuml;nde ein erheblicher Korrekturbedarf an. Das k&ouml;nnte leicht zu Wirtschaftsproblemen, hoher Arbeitslosigkeit und &ndash; angesichts der momentan sehr starken internationalen Spannungen &ndash; zu internationalen Verwerfungen oder Unruhen f&uuml;hren. <\/p><p>Die Verm&ouml;gens- und Einkommensentwicklungen der letzten 50 Jahre waren nicht nur asozial, sondern sind auch gesamtgesellschaftlich ziemlich gef&auml;hrlich. Wir tanzen auf einem Vulkan.<\/p><p><small>Titelbild: Miha Creative\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Wall Street Journal 7.8.2024: Stocks Rebound After Market Selloff &mdash; Further volatility is expected amid U.S. growth worries, unwinding of trades<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/statistics\/299460\/distribution-of-wealth-in-the-united-states\/4\">statista.com\/statistics\/299460\/distribution-of-wealth-in-the-united-states\/4<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/series\/CP\">fred.stlouisfed.org\/series\/CP<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/graph\/?g=1Pik\">fred.stlouisfed.org\/graph\/?g=1Pik<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"#units:percent-of-gdp\">federalreserve.gov\/releases\/z1\/dataviz\/z1\/nonfinancial_debt\/chart\/#units:percent-of-gdp<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/interest-rate\">tradingeconomics.com\/united-states\/interest-rate<\/a>; <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/government-bond-yield\">tradingeconomics.com\/united-states\/government-bond-yield<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/central-bank-balance-sheet\">tradingeconomics.com\/united-states\/central-bank-balance-sheet<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.pgpf.org\/budget-basics\/what-are-interest-costs-on-the-national-debt\">pgpf.org\/budget-basics\/what-are-interest-costs-on-the-national-debt<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/home-ownership-rate\">tradingeconomics.com\/united-states\/home-ownership-rate<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Wall Street Journal 15.7.2024 <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/economy\/housing\/evictions-surge-in-major-cities-in-the-american-sunbelt-7da0406d\">wsj.com\/economy\/housing\/evictions-surge-in-major-cities-in-the-american-sunbelt-7da0406d<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/s10273-021-2877-6.pdf\">link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/s10273-021-2877-6.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Inequality.org Aug 9th, 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.pewresearch.org\/wp-content\/uploads\/sites\/20\/2020\/01\/PSDT_01.09.20_economic-inequailty_FULL.pdf\">pewresearch.org\/wp-content\/uploads\/sites\/20\/2020\/01\/PSDT_01.09.20_economic-inequailty_FULL.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/wir2022.wid.world\/www-site\/uploads\/2023\/03\/D_FINAL_WIL_RIM_RAPPORT_2303.pdf\">wir2022.wid.world\/www-site\/uploads\/2023\/03\/D_FINAL_WIL_RIM_RAPPORT_2303.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.multpl.com\/s-p-500-pe-ratio\">multpl.com\/s-p-500-pe-ratio<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.multpl.com\/s-p-500-earnings-yield\">multpl.com\/s-p-500-earnings-yield<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.longtermtrends.net\/home-price-median-annual-income-ratio\/\">longtermtrends.net\/home-price-median-annual-income-ratio\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang August gab es an der Wall Street ein heftiges B&ouml;rsengewitter. 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