{"id":119627,"date":"2024-08-14T13:08:41","date_gmt":"2024-08-14T11:08:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119627"},"modified":"2024-08-14T17:01:34","modified_gmt":"2024-08-14T15:01:34","slug":"deutschlandfunk-deutsche-waffen-staerken-pazifismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119627","title":{"rendered":"Deutschlandfunk: Deutsche Waffen st\u00e4rken Pazifismus!"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Waffen, auch aus Deutschland, helfen, pazifistische Grunds&auml;tze durchzusetzen.&ldquo; Und: &bdquo;Wer sich dem aber verweigert, macht sich mitschuldig am immer l&auml;nger laufenden Krieg Russlands gegen die Ukraine.&ldquo; Ein aktueller Kommentar im <em>Deutschlandfunk<\/em> zu den auf russischem Boden eingesetzten deutschen Panzern l&auml;sst einen sprachlos zur&uuml;ck. Viele Beitr&auml;ge im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zur Kriegsfrage markieren einen neuen Tiefpunkt f&uuml;r den Journalismus &ndash; und die B&uuml;rger m&uuml;ssen das auch noch bezahlen. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5635\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-119627-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240814_Deutschlandfunk_Deutsche_Waffen_staerken_Pazifismus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240814_Deutschlandfunk_Deutsche_Waffen_staerken_Pazifismus_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240814_Deutschlandfunk_Deutsche_Waffen_staerken_Pazifismus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240814_Deutschlandfunk_Deutsche_Waffen_staerken_Pazifismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=119627-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240814_Deutschlandfunk_Deutsche_Waffen_staerken_Pazifismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240814_Deutschlandfunk_Deutsche_Waffen_staerken_Pazifismus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im <em>Deutschlandfunk (DLF)<\/em> ist ein <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/kommentar-ukraine-russland-kursk-nato-krieg-deutschland-100.html\">aktueller Kommentar zur Kursk-Offensive der Ukraine in Russland<\/a> zu lesen. Ich empfinde den Beitrag als stilistisch fragw&uuml;rdig und inhaltlich verzerrend &ndash; damit passt er sich gut ein in die harte Kriegstreiberei, die in anderen &ouml;ffentlich-rechtlichen und gro&szlig;en privaten Medien momentan praktiziert wird. Thomas Franke schreibt im <em>DLF<\/em>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Seit 2014, das sind zehneinhalb Jahre, f&uuml;hren Russlands Soldaten Krieg in der Ukraine. Noch l&auml;nger baut die russische Propaganda die NATO und die EU zu Feindbildern auf, trichtert den Menschen in Russland ein, der Westen wolle sie vernichten. Russland bricht V&ouml;lkerrecht und stationiert nicht weit von der EU- und NATO-Au&szlig;engrenze Raketen, die Berlin, Warschau und noch ein paar andere westeurop&auml;ische Metropolen erreichen k&ouml;nnen<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Hier ist anzumerken: Der inner-ukrainische Krieg wurde 2014 von Kiew unter dem Label eines <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2014-05\/poroschenko-krieg-ostukraine\">&bdquo;Anti-Terror-Einsatzes&ldquo; gegen die B&uuml;rger im Donbass begonnen<\/a>. Im Donbass gab es starke Widerst&auml;nde gegen die aus dem rechtsradikalen Maidan-Umsturz hervorgegangene Regierung in Kiew &ndash; dieser Widerstand sollte (unter anderem mithilfe von freiwilligen Nazi-Regimenten) durch Beschuss der Region vonseiten Kiewer Truppen gebrochen werden. Russland hat dann eingegriffen &ndash; der inner-ukrainische Krieg wurde aber urspr&uuml;nglich von Kiew losgetreten. Das geradezu betr&uuml;gerische Vorgehen westlicher Regierungen im Zusammenhang mit den Friedensbem&uuml;hungen von Minsk haben die <em>NachDenkSeiten<\/em> unter anderem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96236\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben. Auch die Behauptung im <em>DLF<\/em> zur russischen Raketen-Stationierung l&auml;sst zahlreiche relevante Aspekte der Entwicklung der letzten Jahre unter den Tisch fallen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Eroberung der Krim&ldquo;<\/strong><\/p><p>An anderer Stelle schreibt Franke von einer &bdquo;Eroberung der Krim&ldquo; durch Russland &ndash; auch diese Ausdrucksweise wird, freundlich ausgedr&uuml;ckt, den realen Vorg&auml;ngen nicht gerecht. Ein ukrainischer Vormarsch auch auf russischem Gebiet sei jedenfalls &bdquo;&uuml;berf&auml;llig&ldquo;, so die Folgerung. Im Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119536\">Deutsche Panzer rollen wieder in Russland &ndash; bei der &lsquo;PR-Schlacht&rsquo; in Kursk<\/a>&rdquo; hatte ich zur fragw&uuml;rdigen Begeisterung &uuml;ber die ukrainische Kursk-Offensive geschrieben: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Aber auch dann, wenn die Offensive also eine echte milit&auml;rische Relevanz h&auml;tte, w&auml;re das alles andere als ein Grund zum Jubeln: Je mehr sich die Russen tats&auml;chlich irgendwann von den NATO\/Ukraine-Kr&auml;ften auf eigenem Boden in die Ecke gedr&auml;ngt sehen sollten, umso gef&auml;hrlicher w&auml;re das f&uuml;r Resteuropa, weil dann irgendwann der Einsatz von Atomwaffen akut w&uuml;rde. Insofern ist eine westliche Freude &uuml;ber die Kursk-Offensive in jeder Hinsicht absurd<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Richtig absurd wird der DLF-Text, wenn es um die Vergangenheit geht. Franke behauptet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>H&auml;tten die vergangenen Bundesregierungen bereits 2014 konsequent gehandelt, g&auml;be es den Krieg in der Form wahrscheinlich nicht.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Einerseits stimmt es: Der Krieg h&auml;tte leicht von westlicher Seite verhindert werden k&ouml;nnen &ndash; aber so ist die Aussage mutma&szlig;lich nicht gemeint. Im Gegenteil, der Satz soll wohl zugespitzt ausdr&uuml;cken, dass etwa die Bundesregierungen seit 2014 mehr H&auml;rte gegen Russland h&auml;tten entfalten sollen, dann h&auml;tten wir nun keinen Krieg. Das Gegenteil ist richtig, wie etwa die zahlreichen Zitate <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119603\">im aktuellen Text von Bernhard Trautvetter<\/a> belegen: Seit den 1990er-Jahren (und verst&auml;rkt seit 2014) haben seri&ouml;se westliche Stimmen immer wieder betont: Wenn der Westen seine konfrontative Politik gegen&uuml;ber Russland so weitertreibt, dann wird irgendwann ein Krieg aus russischer Sicht unvermeidlich werden &ndash; und zwar unabh&auml;ngig von der jeweiligen russischen F&uuml;hrung. Diese Mahnungen wurden ignoriert und auch darum ist nun Krieg in Europa. <\/p><p><strong>Die &ndash; hinzugef&uuml;gten &ndash; Lehren aus der Vergangenheit<\/strong><\/p><p>Fragw&uuml;rdig wird vom <em>DLF<\/em> auch mit den Lehren aus der deutschen Vergangenheit umgegangen: &bdquo;Der gesellschaftliche Konsens in der Bundesrepublik nach 1945 lautete: Nie wieder Krieg. Das hei&szlig;t: Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen&ldquo; &ndash; so weit, so zutreffend. <\/p><p>Doch dann dichtet der Kommentar einfach weitere angebliche historische Lehren hinein: &bdquo;Nie wieder bedeutet auch, dass nie wieder jemand einen Vernichtungskrieg gegen jemand anderen f&uuml;hren darf.&ldquo; Da h&auml;tte Deutschland aber viel zu tun, wenn es nun alle &bdquo;Vernichtungskriege&ldquo; auf der Welt mit Waffenlieferungen beeinflussen wollte. Und h&auml;tte nach dieser Logik nicht schon seit Jahrzehnten ein hartes Sanktionsregime die USA treffen m&uuml;ssen wegen ihrer diversen Angriffskriege? Egal: Logik z&auml;hlt prinzipiell in der aktuellen Meinungsmache f&uuml;r die abzulehnende militaristische &bdquo;Zeitenwende&ldquo; nicht viel. Im konkreten Kommentar wird eine Verl&auml;ngerung des T&ouml;tens als Folge unrealistischer Maximalforderungen indirekt in Kauf genommen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wer also ruft: &sbquo;Der Krieg muss gestoppt werden&lsquo;, der muss die Ukraine st&auml;rken. Russland wird seine Truppen nicht ohne maximalen Druck zur&uuml;ckziehen. Jede Verz&ouml;gerung schadet dem Opfer und best&auml;rkt das Regime in Moskau<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Hier erklingt indirekt die zynische Feststellung, dass der Krieg erst dann &bdquo;gestoppt&ldquo; werden k&ouml;nne, wenn Russland seine Truppen aus der Ukraine zur&uuml;ckgezogen hat. Unabh&auml;ngig von der Schuldfrage ist ein solcher R&uuml;ckzug in absehbarer Zeit extrem unwahrscheinlich, auch wenn man die Forderung und die angeblich dahinterstehende moralische Eindeutigkeit noch hundert Mal betont. Wer trotz dieser Realit&auml;t auf einem russischen R&uuml;ckzug als Vorbedingung etwa f&uuml;r einen Waffenstillstand beharrt, fordert indirekt eine Verl&auml;ngerung der K&auml;mpfe mit entsprechend vielen Toten (auch Ukrainern). <\/p><p>Am Ende landet der Kommentar sinngem&auml;&szlig; bei George Orwell und der verdrehten Logik, dass gegen Russland eingesetzte deutsche Waffen Pazifismus st&auml;rken w&uuml;rden &ndash; wer das nicht kapiert, verweigert schmerzhafte Erkenntnisse und macht sich dadurch mitschuldig: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In der Praxis sieht das so aus: Waffen, auch aus Deutschland, helfen, pazifistische Grunds&auml;tze durchzusetzen. Es ist schmerzhaft, das anzuerkennen. Wer sich dem aber verweigert, macht sich mitschuldig am immer l&auml;nger laufenden Krieg Russlands gegen die Ukraine<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Rundfunk muss reformiert werden!<\/strong><\/p><p>Ich lehne eine Abschaffung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks immer noch ab &ndash; ich denke, dass die deutsche Medienlandschaft nicht besser w&uuml;rde, wenn es nur noch Privatmedien geben w&uuml;rde. Aber der hier besprochene Kommentar, der nur einer unter zahllosen fragw&uuml;rdigen &ouml;ffentlich-rechtlichen Beitr&auml;gen zum Thema Krieg ist &ndash; sowie die Tatsache, dass die B&uuml;rger f&uuml;r die fortgesetzte Kriegstreiberei in solchen Beitr&auml;gen Rundfunkgeb&uuml;hr bezahlen m&uuml;ssen &ndash; erinnert einmal mehr daran, dass der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk dringend und grundlegend reformiert werden muss. <\/p><p><small>Titelbild: Jose Luis Carrascosa \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/c13527a7a57240b68583287d57e3c515\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Waffen, auch aus Deutschland, helfen, pazifistische Grunds&auml;tze durchzusetzen.&ldquo; Und: &bdquo;Wer sich dem aber verweigert, macht sich mitschuldig am immer l&auml;nger laufenden Krieg Russlands gegen die Ukraine.&ldquo; Ein aktueller Kommentar im <em>Deutschlandfunk<\/em> zu den auf russischem Boden eingesetzten deutschen Panzern l&auml;sst einen sprachlos zur&uuml;ck. 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