{"id":119703,"date":"2024-08-16T14:04:37","date_gmt":"2024-08-16T12:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119703"},"modified":"2024-08-16T15:07:18","modified_gmt":"2024-08-16T13:07:18","slug":"peter-scholl-latour-ein-weltoffener-kritischer-journalist-mit-politischem-weitblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119703","title":{"rendered":"Peter Scholl-Latour \u2013 ein weltoffener kritischer Journalist mit politischem Weitblick"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Jahr w&auml;re Peter Scholl-Latour hundert Jahre alt geworden. Auch zu seinem 100. Geburtstag h&auml;tte er f&uuml;r manche seiner fr&uuml;heren Einsichten zu weltpolitischen Ereignissen, f&uuml;r seine Mahnungen zu den Chancen in der Weltpolitik, mehr vertanen als genutzten, gew&uuml;rdigt werden k&ouml;nnen. Von <strong>Felix Du&#269;ek<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nPeter Roman Scholl galt zwar &ndash; aufgrund seiner Mutter &ndash; den Nazis als sogenannter Halbjude, wurde jedoch &ndash; f&uuml;r ihn ein Gl&uuml;ck &ndash; erzkatholisch erzogen, zun&auml;chst in der Schweiz und notgedrungen sp&auml;ter weiter in Nazideutschland. Auch so wurde er gewiss kein Hitler-Anh&auml;nger, sondern vielmehr bereits 1944 von der Gestapo inhaftiert. Denn im Jahr 1944 wurde er &ndash; nach der Befreiung Frankreichs durch die Alliierten &ndash; auch bei seinem zweiten Versuch, &uuml;ber Jugoslawien nach Frankreich zu entkommen, um sich der franz&ouml;sischen Armee anzuschlie&szlig;en, bereits in der Steiermark wiederum geschnappt. Die danach bei der Gestapo und insbesondere durch den SD der Nazis erlebten Abgr&uuml;nde und Erniedrigungen pr&auml;gten ihn zweifellos entscheidend, auch wenn er sie seelisch robust verarbeiten konnte. Dennoch versp&uuml;rte er nach dem Ende der Nazi-Herrschaft keine Lust, Jahre im nunmehr zerst&ouml;rten Europa zu verbringen. Scholl-Latour versp&uuml;rte seit seiner Kindheit und Jugend einen wachsenden Drang, die Welt zu erkunden &ndash; weniger aus Abenteuerlust als vielmehr wie einer der historischen Entdecker.<\/p><p>Famili&auml;r sowohl ein Deutscher als auch mit Frankreich engstens verbunden, konnte er seine Entdeckerlust unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nun als franz&ouml;sischer Fallschirmj&auml;ger in der durch Frankreich nun zur&uuml;ckgewonnenen Kolonie &bdquo;Indochina&ldquo; ausleben. Nach etwa zwei Jahren wurde er Student &ndash; anfangs in Mainz, sp&auml;ter an der Sorbonne &ndash; und promovierte 1954 schlie&szlig;lich ebenfalls in Paris. Bald nutzte er in Beirut auch noch die Chance f&uuml;r ein Studium der Arabistik und Islamkunde, was er ebenfalls mit einem Diplom abschloss. So wuchs aus seiner Weltoffenheit in wenigen Jahren ein reicher Schatz an kulturellen und sozialen Erfahrungen, auch im Umgang mit Menschen der fremden Kulturen, die ihm &uuml;berall begegneten.<\/p><p>Auch dieses Bem&uuml;hen um das Kennenlernen und Verstehen zun&auml;chst ihm v&ouml;llig fremder Kulturen war zweifellos pr&auml;gend und am Ende kennzeichnend f&uuml;r sein ganzes Leben als ein unbestechlicher Berichterstatter und kritischer Journalist. Daf&uuml;r wollte und musste er keineswegs selbst ein Anh&auml;nger der antikolonialen Befreiungsbewegungen sein &ndash; oder gar ein mit sozialistischen Ideen lieb&auml;ugelnder Revolution&auml;r. Nein, das war er nicht. Scholl-Latour galt manchen als traditioneller Gaullist, forderte einerseits die gemeinsame (west-)europ&auml;ische Verteidigung anstelle einer permanenten Abh&auml;ngigkeit und Unterordnung unter die USA. Er bef&uuml;rwortete zeitweise sogar eine nukleare Bewaffnung der deutschen Bundeswehr. Als Bundesb&uuml;rger und franz&ouml;sischer Staatsb&uuml;rger war er zweifellos ein gl&uuml;hender (West-)Europ&auml;er.<\/p><p><em>Der Spiegel<\/em> w&uuml;rdigte Scholl-Latour einst (in besseren Zeiten dieses Wochenmagazins) als eine Art &bdquo;Welterkl&auml;rer&ldquo;, und dieser Bezeichnung ist er tats&auml;chlich als ein unbestechlicher Journalist, der zu keinerlei opportuner (Selbst-)Zensur bereit war, stets gerecht geworden. Unz&auml;hlige Male hat er die kriegerischen Aktionen des Westens anstelle von diplomatischem und auf gegenseitiges Verstehen ausgerichtetem Vorgehen schonungslos enth&uuml;llt und kritisiert.<\/p><p>Aber sp&auml;testens heutzutage w&uuml;rde Scholl-Latour daf&uuml;r &ndash; sicherlich auch, aber nicht nur vom <em>Spiegel<\/em> &ndash; bestenfalls als Putin-Propagandist verunglimpft werden. Etwa daf&uuml;r, weil er vor zehn Jahren anl&auml;sslich seines 90. Geburtstages in einem denkw&uuml;rdigen Phoenix-Interview Anfang M&auml;rz 2014 einsch&auml;tzte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Moment sieht es wirklich so aus, als sei man darauf aus, die Russen zur&uuml;ckzudr&auml;ngen. Man spielt &lsquo;Kalter Krieg&rsquo; auf einmal, mittels Sanktionen, was f&uuml;r die Europ&auml;er v&ouml;llig bl&ouml;dsinnig ist. Wir werden mehr unter den Sanktionen leiden als die Russen. Es ist wirklich ein Spiel im Gange, was geradezu grotesk ist &hellip; dieses st&auml;ndige Putin-Bashing &hellip; Die Europ&auml;er versch&auml;tzen sich v&ouml;llig in ihrer Rolle: sie sind keine Weltmacht mehr und haben in der Welt nichts mehr zu sagen. &hellip; Man hat ja gar nicht zur Kenntnis genommen, dass die Ukraine kein geeintes Land ist. &hellip; In Kiew schaut doch keiner mehr durch, wer da auf dem Maidan wen manifestiert.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Konkret beziffern konnte er immerhin die auch damals schon gewaltigen, vom US-Kongress selbst ver&ouml;ffentlichten &bdquo;Investitionen&ldquo; in die Ukraine.<\/p><p>Befragt nach seinen Eindr&uuml;cken vom pers&ouml;nlichen Zusammentreffen mit Putin, merkt er unumwunden an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Putin ist im Grunde ein Mann des Geheimdienstes, der wei&szlig;, wie weit er gehen kann. Er versteht es auch, seine Kraft auszuspielen, das hat er jetzt in Syrien gezeigt. &hellip; Auf der Krim ist es ziemlich eindeutig: die Krim ist &uuml;berwiegend russisch. &hellip; Und dass er die volle Kontrolle &uuml;ber die Krim haben will, verstehe ich durchaus. &hellip; Ja, man merkt ihm schon seine Vergangenheit als Geheimdienstoffizier an, aber er ist h&ouml;flich, er ist gut informiert und beantwortet alle Fragen!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dabei belegen auch heute noch viele seiner Reportagen und seine danach schriftlich publizierten Analysen der Weltlage eine atemberaubende Weitsicht &ndash; wegen ihrer Treffsicherheit, die bis heute G&uuml;ltigkeit hat &ndash; und auch hinsichtlich der Schonungslosigkeit gegen&uuml;ber der jeweils herrschenden Politik im Westen, die selten seinen Rat h&ouml;ren, geschweige denn annehmen wollte. Peter Scholl-Latour war allerdings keineswegs ein mystischer Hellseher, sondern ein k&uuml;hl denkender Analyst, der auch sehr genau die strategischen Einfl&uuml;sterer der Herrschenden studierte und manche von deren Wunschtr&auml;umen zu relativieren oder zu widerlegen vermochte.<\/p><p>Bis heute versucht die westliche Propaganda unentwegt, Russlands angeblich paranoide Angst vor einer NATO-Einkreisung allein schon aus geografischer Sicht als Putins Hirngespinst l&auml;cherlich zu machen. Scholl-Latour dagegen ver&ouml;ffentlichte bereits im Jahr 2006, also vor 18 Jahren, eine Filmreportage mit dem pr&auml;gnanten Titel &bdquo;Russland im Zangengriff&ldquo; und schrieb seine Erkenntnisse und Sichtweise in dem gleichnamigen Buch nieder, in dem er vom Umfeld Russlands Region f&uuml;r Region (au&szlig;er der noch weitgehend unverwundbaren Arktis) nachweist, dass und wie &ndash; seit der Aufl&ouml;sung der Sowjetunion und des milit&auml;rischen Blocks des Warschauer Vertrages &ndash; die USA mit ihren westeurop&auml;ischen Vasallen und der eigentlich obsolet gewordenen NATO genau dieses Unterfangen unabl&auml;ssig vorantreiben.<\/p><p>Dabei &uuml;berf&uuml;hrt Scholl-Latour die Leugner dieser Tatsache mit ihren eigenen Protagonisten, indem er etwa das 1997 erschienene Buch von Zbigniew Brzezi&#324;ski &bdquo;Die einzige Weltmacht &ndash; Amerikas Strategie der Vorherrschaft&ldquo; (besser bekannt oft unter dem noch treffenderen amerikanischen Titel &bdquo;The Grand Chessboard &hellip;&ldquo;). Sein Seelenverwandter Samuel P. Huntington w&uuml;rdigte das Buch des scharfsinnigen Analytikers polnischer Abstammung und fr&uuml;heren Sicherheitsberaters des US-Pr&auml;sidenten Jimmy Carter (1977 &ndash; 1980) mit den Worten: &bdquo;Eine meisterhafte Synthese aus historischer, geostrategischer und politischer Analyse. Das ist geostrategisches Denken in der gro&szlig;en Tradition Bismarcks.&ldquo;<\/p><p>Scholl-Latour dagegen analysierte gr&uuml;ndlich und unbefangen ebenfalls diese unverhohlenen W&uuml;nsche und strategischen Schachz&uuml;ge, die Brzezi&#324;ski empfahl &ndash; zitierte manche seiner Passagen, um auch die Vermessenheit solcher US-Berater und deren Strategien zu entlarven. Seine Treffsicherheit konnte Scholl-Latour ein weiteres Mal im Vorwort zur bereits dritten Auflage des Taschenbuchs im November 2007 unter Beweis stellen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Januar 2006 war es noch eine k&uuml;hne Vermutung, im belarussischen Minsk von einer &lsquo;R&uuml;ckkehr zum Kalten Krieg&rsquo; zu reden. &hellip; In M&uuml;nchen war im Fr&uuml;hjahr 2007 eine seltsame Aufregung im westlichen Lager aufgekommen, als bei der leider umbenannten &lsquo;Wehrkundetagung&rsquo; Wladimir Putin mit der Faust auf den Tisch schlug und die Dinge beim Namen nannte. Hatten Amerikaner und Deutsche denn wirklich geglaubt, der russische Pr&auml;sident &hellip; werde passiv zuschauen, wie Washington und Br&uuml;ssel eine politische &lsquo;Einkreisung und Isolierung&rsquo; seines Landes betrieben, und diese gef&uuml;gig hinnehmen?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Von &bdquo;Russland im Zangengriff&ldquo; sind nach den detaillierten Kapiteln &uuml;ber Wei&szlig;russland, Tatarstan, Russisch-Fernost, Ussuri, Mandschurei und China insbesondere die etwa 30 Seiten des letzten Kapitels &uuml;ber die Ukraine heute nat&uuml;rlich besonders lesenswert (sehenswert auch in der gleichnamigen Filmreportage, die auf YouTube noch verf&uuml;gbar ist). In der westlichen Propaganda beginnt bekanntlich &bdquo;der Ukraine-Krieg&ldquo; am 24. Februar 2022 verdeckt als &bdquo;milit&auml;rische Sonderoperation Russlands&ldquo;. Vielen kritischen Zeitgenossen ist zumindest der verbrecherische Putsch auf dem Kiewer Maidan gegen die rechtm&auml;&szlig;ige ukrainische Regierung im Jahr 2014 noch in Erinnerung, auf den Scholl-Latour auch in seinem genannten, wohl letzten gro&szlig;en Fernsehinterview im M&auml;rz 2014 zu sprechen kommt.<\/p><p>Bereits in seinem Buch von 2006 beleuchtet er sehr aufschlussreich die historische Zerrissenheit dieser Ukraine, die sich seit ihrer Unabh&auml;ngigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion fortsetzte, mit den Abschnitten &uuml;berschrieben als eine Revolution &bdquo;Verfaulter Orangen&ldquo;, ein Wanderzirkus der &bdquo;Demokratie&ldquo;, &uuml;ber Patriarchen und Oligarchen und abschlie&szlig;end &ndash; heute wieder sehr aktuell &ndash; ein Abschnitt mahnend &uuml;berschrieben &bdquo;Noch 300 Kilometer bis Stalingrad&ldquo;. In diesem letzten Kapitel greift Scholl-Latour nochmals die zu Jelzins Zeiten strategische US-Vision in Brzezi&#324;skis &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; (auf Seite 74) auf:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem eurasischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre blo&szlig;e Existenz als unabh&auml;ngiger Staat zur Umwandlung Russlands beitr&auml;gt. Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, w&uuml;rde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden &hellip;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Was dann bei Brzezi&#324;ski dort noch folgt, ist &ndash; wie von Scholl-Latour vermutet &ndash; heute allerdings bereits weitgehend in das Reich der Wunschtr&auml;ume von US-Strategen entschwunden, n&auml;mlich ein Russland als asiatisches Reich, &bdquo; &hellip; das aller Wahrscheinlichkeit nach in l&auml;hmende Konflikte mit aufbegehrenden Zentralasiaten hineingezogen w&uuml;rde, die den Verlust ihrer erst k&uuml;rzlich erlangten Eigenstaatlichkeit nicht hinnehmen und von den anderen islamischen Staaten im S&uuml;den Unterst&uuml;tzung erhalten w&uuml;rden. Auch China w&uuml;rde sich angesichts seines zunehmenden Interesses an den dortigen neuerdings unabh&auml;ngigen Staaten voraussichtlich jede Neuauflage einer russischen Vorherrschaft &uuml;ber Zentralasien widersetzen.&ldquo; Brzezi&#324;ski konnte oder wollte nicht vorausahnen, dass die &bdquo;einzige Weltmacht&ldquo; stattdessen bald schon &ndash; auch durch eigenes Verschulden &ndash; dem Trend einer mittlerweile immer st&auml;rker erkennbaren neuen, multipolaren Weltordnung gegen&uuml;berstehen wird &ndash; sei es durch die Entdollarisierung des Welthandels, durch die vielf&auml;ltigen und dennoch auf Gemeinsamkeiten beruhenden Interessen der BRICS und zahlreicher neuer Anw&auml;rter oder durch die Schanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit.<\/p><p>Scholl-Latour sah das durchaus aus eigenen Erfahrungen in den verschiedenen Weltregionen, wo er die Allmacht-&Uuml;berheblichkeit und das bigotte Menschenrechtsgefasel sowohl der USA als auch der Westeurop&auml;er schonungslos anprangerte, &uuml;brigens auch Deutschlands gegen&uuml;ber der Volksrepublik China. Peter Scholl-Latour war bekanntlich auch sehr vertraut mit den inneren politischen und ideologischen Strukturen und Spannungen auch der islamischen Welt, die heute in Europa tagt&auml;glich greifbarer werden. Wie oft bei Begegnungen gelang es ihm auch dort, sich mit Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen, Achtung und pers&ouml;nlichem Entgegenkommen ein tiefes Vertrauen zu erarbeiten. So etwa beim politischen und religi&ouml;sen F&uuml;hrer der Islamischen Revolution von 1979, dem iranischen Ajatollah Ruhollah Musawi Chomeini, in Paris und als dessen Begleiter bei seiner R&uuml;ckkehr nach Teheran nach dem Sturz vom Schah Mohammad Reza Pahlavi. Daran erinnerte unl&auml;ngst auch der freie Journalist, Osteuropa-Experte und Iran-Kenner Ramon Schack, ankn&uuml;pfend an seine &bdquo;Begegnungen mit Peter Scholl-Latour. Ein pers&ouml;nliches Portrait&ldquo;.<\/p><p>Seine Liebe und sein Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen f&uuml;r die Kulturen S&uuml;dostasiens zeigten sich auch w&auml;hrend des Vietnam-Krieges, den er trotz Zensurbestrebungen in Deutschland &ndash; nach w&uuml;tendem Protest der CIA &ndash; auch weiter schonungslos dokumentierte und kritisierte, so dass ihm &ndash; wieder einmal und zu Unrecht &ndash; Feindschaft gegen&uuml;ber den USA vorgeworfen wurde. Auf einer Exkursion in das Niemandsland zwischen dem Herrschaftsbereich des s&uuml;dvietnamesischen Marionetten-Regimes und dem Norden der Sozialistischen Republik Vietnam begegnete er mit seinem Kamerateam unvermittelt den K&auml;mpfern der Nationalen Front f&uuml;r die Befreiung S&uuml;dvietnams (NFB; er nennt sie im zeitgem&auml;&szlig;en westlichen Jargon &bdquo;Vietcong&ldquo;). Die s&uuml;dvietnamesischen Truppen hatten das Team den letzten Kontrollposten ungehindert passieren lassen, weil sie die Fremden &ndash; wie so oft im damaligen S&uuml;dvietnam &ndash; f&uuml;r CIA-Leute hielten, denen man ohnehin nichts zu sagen hatte.<\/p><p>Das unerwartete und erstaunlich friedliche, ja zivilisierte Zusammentreffen mit den &uuml;berraschend aus dem Unterholz hervorst&uuml;rmenden kommunistischen Milit&auml;rs des &bdquo;Vietcong&ldquo; hat Scholl-Latour selbstverst&auml;ndlich ebenfalls filmisch dokumentiert. Warum ging das so glimpflich aus &ndash; gerade auch f&uuml;r einen westeurop&auml;ischen Journalisten mit seinem Team in einem der brutalsten und verheerendsten Kriege der USA nach dem Zweiten Weltkrieg? Er selbst sieht die Antwort nicht nur in der milit&auml;rischen, sondern auch politischen Exzellenz dieser damaligen K&auml;mpfer aus dem Norden Vietnams: Sie kannten offenbar sehr genau auch die westlichen Berichterstattungen &uuml;ber diesen Krieg und konnten somit bewerten und differenzieren, welch ein Journalist mit seinem Kamerateam ihnen dort ins Netz gegangen war. Und dieses Zusammentreffen hat die gegenseitige Achtung offenbar auf beiden Seiten noch einmal gesteigert.<\/p><p>Es lohnt sich also, aus gegebenem Anlass &ndash; heute j&auml;hrt sich sein Todestag am 16. August 2014 zum zehnten Mal &ndash; mit dem Andenken an Peter Scholl-Latour auch ein neuerliches Nachdenken zu verbinden: ganz im Sinne seines ausdr&uuml;cklichen Engagements gegen die &bdquo;mediale Massenverbl&ouml;dung&ldquo;, die auch Friedhelm Klinkhammer und Volker Br&auml;utigam stets <i>&bdquo;in memoriam Peter Scholl-Latour&ldquo;<\/i> ihren eigenen Beitr&auml;gen als Nachsatz anf&uuml;gen.<\/p><p>Referenzen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2DstVufWpRg\">Peter Scholl-Latour: Russland im Zangengriff- Putins Imperium zwischen NATO, China und Islam<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wzIYpqVKzmQ\">Peter Scholl-Latour &uuml;ber die Ukraine und Russland (Phoenix-Interview von Alfred Schier als Dialog Spezial zum 90. Geburtstag am 8. M&auml;rz 2014)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115655\">Iran, ein Koloss auf t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en (Ramon Schack f&uuml;r NDS 20240524)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr w&auml;re Peter Scholl-Latour hundert Jahre alt geworden. Auch zu seinem 100. Geburtstag h&auml;tte er f&uuml;r manche seiner fr&uuml;heren Einsichten zu weltpolitischen Ereignissen, f&uuml;r seine Mahnungen zu den Chancen in der Weltpolitik, mehr vertanen als genutzten, gew&uuml;rdigt werden k&ouml;nnen. 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