{"id":119869,"date":"2024-08-20T12:25:36","date_gmt":"2024-08-20T10:25:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119869"},"modified":"2024-08-23T16:34:58","modified_gmt":"2024-08-23T14:34:58","slug":"selenskyj-ist-ein-hasardeur-der-auch-deutschland-immer-tiefer-in-den-krieg-zieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119869","title":{"rendered":"Selenskyj ist ein Hasardeur, der auch Deutschland immer tiefer in den Krieg zieht"},"content":{"rendered":"<p>Die ukrainische Invasion russischen Staatsgebietes bei Kursk geht nun in die dritte Woche, und noch immer erschlie&szlig;t sich Beobachtern der strategische Sinn dieses Man&ouml;vers nicht. Die ukrainische Erkl&auml;rung, man wolle ein Faustpfand f&uuml;r k&uuml;nftige Verhandlungen erobern, ist realit&auml;tsfern. Eins hat Selenskyj mit seinem Hasardspiel jedoch geschafft &ndash; Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand sind nun endg&uuml;ltig pass&eacute;. Der Ukraine droht ein harter Winter und eine humanit&auml;re Katastrophe. Es ist wahrscheinlich, dass die Kursk-Offensive nicht aus milit&auml;rischem, sondern aus diplomatischem Kalk&uuml;l gestartet wurde. Die Ukraine will offenbar den mehr und mehr hadernden Westen immer tiefer in den Krieg hineinziehen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_403\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-119869-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240820_Selenskyj_ist_ein_Hasardeur_der_auch_Deutschland_immer_tiefer_in_den_Krieg_zieht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240820_Selenskyj_ist_ein_Hasardeur_der_auch_Deutschland_immer_tiefer_in_den_Krieg_zieht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240820_Selenskyj_ist_ein_Hasardeur_der_auch_Deutschland_immer_tiefer_in_den_Krieg_zieht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240820_Selenskyj_ist_ein_Hasardeur_der_auch_Deutschland_immer_tiefer_in_den_Krieg_zieht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=119869-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240820_Selenskyj_ist_ein_Hasardeur_der_auch_Deutschland_immer_tiefer_in_den_Krieg_zieht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240820_Selenskyj_ist_ein_Hasardeur_der_auch_Deutschland_immer_tiefer_in_den_Krieg_zieht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zu sagen, eine Verhandlungsl&ouml;sung sei derzeit in weiter Ferne, ist eine Untertreibung. Die Invasion russischen Staatsgebiets hat die ohnehin starren Positionen der Konfliktparteien nur noch weiter verh&auml;rtet. Die Ukraine beharrt immer noch auf ihrer Maximalforderung: Russland m&uuml;sse sich milit&auml;risch aus dem gesamten Staatsgebiet der Ukraine vor 2014 &ndash; also inklusive der Krim &ndash; zur&uuml;ckziehen, bevor man &uuml;berhaupt bereit ist, an den Verhandlungstisch zu kommen. Das ist eine Bedingung, die nicht nur angesichts der momentanen milit&auml;rischen Lage vollkommen absurd ist und de facto nichts anderes bedeutet, als dass die Ukraine nicht verhandeln will. Ob die USA, Gro&szlig;britannien und Deutschland diese Maximalforderung hinter den Kulissen so mittragen, ist unbekannt. Das k&ouml;nnte sich aber sp&auml;testens nach den Pr&auml;sidentschaftswahlen in den USA ohnehin mit einem Schlag &auml;ndern.<\/p><p>Doch auch Russland stellt Vorbedingungen f&uuml;r einen Waffenstillstand auf, die zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit der milit&auml;rischen Lage in Einklang stehen. Die Ukraine solle sich zun&auml;chst aus den vier von Russland beanspruchten Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zur&uuml;ckziehen und auf eine NATO-Mitgliedschaft verzichten, bevor Russland nicht nur einem Waffenstillstand, sondern auch einem dauerhaften Friedensvertrag zustimme.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240820_Selenskyj-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240820_Selenskyj-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Bild: Irina Gutyryak\/shutterstock.com<\/small><\/p><p>Vollst&auml;ndig erobert wurde von den russischen Truppen jedoch bislang nur der Oblast Luhansk, w&auml;hrend sich das Kriegsgeschehen allen voran im Oblast Donezk konzentriert, in dem Russland nur m&uuml;hsam und unter hohen Verlusten auf beiden Seiten vorankommt und wo es um jedes Dorf langwierige, blutige Schlachten gibt. Sicher, es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Russland die beanspruchten Gebiete milit&auml;risch kontrolliert &ndash; bis es so weit ist, k&ouml;nnten aber auf beiden Seiten noch zehn- oder gar hunderttausende Menschen sterben. Das sollte es eigentlich zu verhindern gelten.<\/p><p>Fest steht &ndash; Russland ist den als Bedingungen f&uuml;r einen Frieden definierten territorialen Forderungen wesentlich n&auml;her als die Ukraine und es gibt auch keinen vern&uuml;nftigen Grund anzunehmen, dass sich daran etwas &auml;ndern k&ouml;nnte. So grausam es klingt &ndash; wenn es keinen Waffenstillstand gibt, wird einzig und allein der Blutzoll, den die Ukraine zu zahlen bereit ist, dar&uuml;ber entscheiden, wann die Vorbedingungen Russlands nicht am gr&uuml;nen Tisch, sondern auf dem Schlachtfeld erf&uuml;llt werden. Die schrille Rhetorik des Westens kann nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass auch eine fortgesetzte oder gar verst&auml;rkte milit&auml;rische, logistische und finanzielle Unterst&uuml;tzung der Ukraine durch den Westen daran nichts &auml;ndern wird &ndash; es geht am Ende &bdquo;nur&ldquo; darum, den Krieg noch weiter in die L&auml;nge zu ziehen und Russland m&ouml;glichst nachhaltig zu schw&auml;chen. Die Ukraine ist dabei nur ein Bauer in einem Schachspiel &ndash; sie wird geopfert, um sich einen vermeintlich strategischen Vorteil in einem gr&ouml;&szlig;eren Kontext zu verschaffen. Es ist bedauerlich, dass so wenige Ukrainer dies auch verstehen.<\/p><p>Selenskyj behauptet ja nun, dass die Invasion und Besatzung russischen Gebietes die russische Regierung dazu zwingen wird, an den Verhandlungstisch zu kommen. Warum sollte Russland das tun? Aus milit&auml;rischer Perspektive kann den Russen eigentlich nichts Besseres passieren, als dass die Ukraine ihre ohnehin schon &uuml;berdehnte Front noch weiter ausdehnt und zwanzigtausend &ndash; teils sehr gut ausgebildete &ndash; Soldaten von den umk&auml;mpften, strategisch wichtigen Gebieten im Donbass in die strategisch vollkommen irrelevante Grenzregion s&uuml;dlich von Kursk abzieht. Russlands Credo war stets, man spiele auf Zeit, und die Zeit spielt f&uuml;r Russland. Das gilt &bdquo;nach Kursk&ldquo; mehr denn je.<\/p><p>Ist Selenskyj also ein St&uuml;mper? Nein, er ist vielmehr ein Hasardeur. Er wei&szlig;, dass die Zeit gegen ihn spielt. Die internationale Unterst&uuml;tzung br&ouml;ckelt. In Deutschland packt man bereits die Universalwaffe &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; aus und in den USA ist der Krieg im fernen S&uuml;dosteuropa unbeliebter denn je. Sollte Donald Trump die Wahl gewinnen, werden die USA ihre Unterst&uuml;tzung sicherlich massiv zur&uuml;ckfahren &ndash; das hatte er ja bereits mehrfach angek&uuml;ndigt, er will die Europ&auml;er f&uuml;r den Ukrainekrieg zahlen lassen. Auch in Deutschland wird 2025 gew&auml;hlt und die ohnehin schw&auml;chelnde Ampel d&uuml;rfte nicht gerade gro&szlig;es Interesse daran haben, zus&auml;tzlich zu den ohnehin schon horrenden eigenen Kriegskosten auch noch den Gro&szlig;teil der wom&ouml;glich wegfallenden Unterst&uuml;tzungsleistungen aus den USA zu &uuml;bernehmen.<\/p><p>Strategisch ist es also f&uuml;r Selenskyj wichtig, den Westen jetzt immer tiefer in den Krieg hineinzuziehen, sodass es immer schwerer wird, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf herauszuziehen. Die Invasion russischen Staatsgebietes ist eine weitere Rote Linie, die &uuml;berschritten wurde. Es ist davon auszugehen, dass in den n&auml;chsten Monaten weitere Ausweitungen des Krieges folgen werden &ndash; so wird in russischen Medien bereits dar&uuml;ber spekuliert, dass die Ukraine den Konflikt in Transnistrien eskalieren l&auml;sst. F&uuml;r den Westen und allen voran f&uuml;r Deutschland kehrt sich damit jedoch der strategische Effekt um: Man wollte eigentlich Russland durch einen Stellvertreterkrieg in der Ukraine schw&auml;chen. Nun sieht es aber so aus, als schw&auml;che sich der Westen durch diesen Stellvertreterkrieg selbst in einem h&ouml;heren Ma&szlig;e, als er Russland schw&auml;cht. Man kennt diesen Effekt ja von den Sanktionen, mit denen vor allem Deutschland sich selbst ins Knie schoss. <\/p><p>Der Westen und insbesondere Deutschland steht also vor der &bdquo;Selenskyj-Falle&ldquo; und nun r&auml;cht sich, dass man kommunikativ derart schrill die Ukraine zum Schlachtfeld f&uuml;r unsere westlichen Werte stilisiert hat und keinen Raum f&uuml;r eine Exit-Strategie gelassen hat. Eigentlich m&uuml;sste man ja nun die Ukraine mit Drohungen an den Verhandlungstisch zwingen &ndash; doch damit w&uuml;rde man ja zugeben, dass das ganze Gerede der letzten zwei Jahre Unsinn war und &bdquo;wir&ldquo; diesen Krieg von Anfang an verloren haben. Ehrlichkeit war noch nie sehr beliebt in der politischen Kommunikation. Das wei&szlig; auch Wolodymyr Selenskyj und sein Hasardspiel k&ouml;nnte Erfolg haben; wobei es schwerf&auml;llt, eine Verl&auml;ngerung dieses sinnlosen Krieges, die mit Leid und Tod einhergeht, als &bdquo;Erfolg&ldquo; zu bezeichnen.<\/p><p><small>Titelbild: Dmytro Larin\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/3ec00ad497794ae7922b65bd911ee5fc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ukrainische Invasion russischen Staatsgebietes bei Kursk geht nun in die dritte Woche, und noch immer erschlie&szlig;t sich Beobachtern der strategische Sinn dieses Man&ouml;vers nicht. Die ukrainische Erkl&auml;rung, man wolle ein Faustpfand f&uuml;r k&uuml;nftige Verhandlungen erobern, ist realit&auml;tsfern. 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