{"id":119881,"date":"2024-08-20T15:00:47","date_gmt":"2024-08-20T13:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119881"},"modified":"2026-01-27T11:47:20","modified_gmt":"2026-01-27T10:47:20","slug":"kriegsspiele-im-kopf-taz-autor-wuerde-deutschland-im-schuetzengraben-verteidigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119881","title":{"rendered":"Kriegsspiele im Kopf: taz-Autor w\u00fcrde Deutschland im Sch\u00fctzengraben verteidigen"},"content":{"rendered":"<p>Die <em>taz<\/em> war einmal eine richtig gute Zeitung. Das ist lange her. Heute ver&ouml;ffentlicht das Berliner Blatt Beitr&auml;ge, die in ihrem intellektuellen Dilettantismus atemberaubend sind. Und mittlerweile publiziert die Redaktion sogar einen Kampfaufruf gegen Russland: <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kaempfen-fuer-Deutschland\/!6028014\/\">&bdquo;K&auml;mpfen f&uuml;r Deutschland: Zu den Waffen, Genossen!&ldquo;<\/a> lautet die &Uuml;berschrift eines aktuellen Artikels, der gerade wegen seiner eigenen Beschr&auml;nktheit tief blicken l&auml;sst. Fr&uuml;her hat die <em>taz<\/em> ausgezeichnet, dass ihre Autoren fundamentalkritisch vorherrschende &bdquo;Wahrheiten&ldquo; hinterfragt haben. Heute tanzt die <em>taz<\/em> mit der Macht Tango &ndash; und merkt es nicht einmal. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9110\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-119881-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240821_Kriegsspiele_im_Kopf_taz_Autor_wuerde_Deutschland_im_Schuetzengraben_verteidigen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240821_Kriegsspiele_im_Kopf_taz_Autor_wuerde_Deutschland_im_Schuetzengraben_verteidigen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240821_Kriegsspiele_im_Kopf_taz_Autor_wuerde_Deutschland_im_Schuetzengraben_verteidigen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240821_Kriegsspiele_im_Kopf_taz_Autor_wuerde_Deutschland_im_Schuetzengraben_verteidigen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=119881-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240821_Kriegsspiele_im_Kopf_taz_Autor_wuerde_Deutschland_im_Schuetzengraben_verteidigen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240821_Kriegsspiele_im_Kopf_taz_Autor_wuerde_Deutschland_im_Schuetzengraben_verteidigen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Sollte ein Journalist in einer deutschen Zeitung dar&uuml;ber schreiben d&uuml;rfen, dass er im Kriegsfall zu den Waffen greifen w&uuml;rde? Sollte eine Zeitung ihren Journalisten die M&ouml;glichkeit bieten, einer breiten &Ouml;ffentlichkeit von ihren Kriegsspielen im Kopf erz&auml;hlen zu d&uuml;rfen? Die innere Pressefreiheit ist wichtig. Jeder Journalist sollte seine Gedanken im eigenen Blatt frei &auml;u&szlig;ern k&ouml;nnen. Das versteht sich von selbst. Wie weit die jeweiligen Bl&auml;tter dabei darauf achten, dass gewisse intellektuelle Standards nicht unterschritten werden, bleibt selbstverst&auml;ndlich den Entscheidern in den Redaktionen &uuml;berlassen. Gerade von Redaktionen, die sich mit der gro&szlig;en Politik befassen, darf ein gewisses intellektuelles Niveau erwartet werden. Wirklichkeitsvorstellungen und &bdquo;Analysen&ldquo;, die nur die Vorderb&uuml;hne betrachten, sind vielleicht noch etwas f&uuml;r eine Sch&uuml;lerzeitung. F&uuml;r ein Medium, das ganz vorne in der politischen Diskussion dabei sein m&ouml;chte, sind eindimensionale Stellungnahmen von Redakteuren im Blatt ein Armutszeugnis &ndash; einerseits. Andererseits gilt im deutschen Journalismus heute: Je eindimensionaler, desto besser. Fundamentalkritisch vorherrschende Wahrheiten hinterfragen? Wie etwa, dass der Feind im Osten sitzt? Die Qualit&auml;tspresse kann, nein: will! mit derlei &bdquo;wirren&ldquo; Ans&auml;tzen nichts anfangen.<\/p><p>&bdquo;Seri&ouml;se&ldquo; Medien achten darauf, dass das Feindbild richtig sitzt. Und: dass Redakteure, todesmutig, im eigenen Blatt dar&uuml;ber schreiben k&ouml;nnen, wie sie im &bdquo;Verteidigungsfall&ldquo; mit der Waffe in der Hand, im Sch&uuml;tzengraben liegend, gegen die Russen k&auml;mpfen, ist doch eine Selbstverst&auml;ndlichkeit. Der taz-Autor Leon Holly zeigt, wie das dann aussieht. Als Leser erfahren wir: &bdquo;Ob ich an der Waffe &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; w&auml;re, wie der Verteidigungsminister sich das w&uuml;nscht, wei&szlig; ich nicht. Ich habe nicht gedient, bin nie durch den Schlamm gerobbt und hatte auch noch kein G36-Sturmgewehr in der Hand. Wenn es hart kommt, k&ouml;nnte ich die Verteidigung auf anderem Wege wom&ouml;glich besser unter&shy;st&uuml;tzen. Aber verabschieden will ich mich nicht.&ldquo;<\/p><p>Und nat&uuml;rlich w&uuml;rde der wackere taz-Autor sein eigenes Leben auf Spiel setzen, &bdquo;f&uuml;r jene, die nicht k&auml;mpfen oder fliehen k&ouml;nnen. Weil sie zu alt oder zu schwach sind, oder den falschen Pass haben und gar nicht aus Deutschland ausreisen d&uuml;rfen.&ldquo;<\/p><p>Die Sinnwelt des Artikels ist eine hypothetische. Sie besticht durch den Konjunktiv, die M&ouml;glichkeitsform. &bdquo;Was w&auml;re, wenn &hellip;?&ldquo; Oder anders gesagt: Wenn der Hund nicht geschissen h&auml;tte, h&auml;tte er den Hasen gekriegt. Soll <em>so<\/em> das Niveau im politischen Diskurs der bundesdeutschen Presse aussehen? Nein, <em>so soll<\/em> es gewiss nicht aussehen. Aber wer das Ausgeworfene deutscher Spitzenmedien bisweilen noch betrachtet, wei&szlig;: <em>so ist<\/em> &ndash; von Ausnahmen abgesehen &ndash; das Niveau.<\/p><p>Wer als Journalist den Konjunktiv zu seinem Zauberstab macht, kann Harry Potter mit einem Streich zum Kindergartenjungen degradieren. Mit der M&ouml;glichkeitsform l&auml;sst sich eine eigene Welt, ja: ein ganzes Universum im Handumdrehen erschaffen. Zeile f&uuml;r Zeile vermag ein Autor seine Fantasiewelt auf- und auszubauen &ndash; und wenn er es gut macht, glaubt vielleicht so mancher Leser auch noch, die M&auml;rchenwelt k&ouml;nnte Realit&auml;t sein. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. M&auml;rchen, Fiktion, Fantasie? Das ist nicht die Welt von Journalisten. Der Journalist und die Verwendung des Konjunktivs? Manchmal angebracht, aber bitte: sparsam verwenden. Schlie&szlig;lich sollen Journalisten &bdquo;sagen, was ist&ldquo;, das hei&szlig;t, sie sollen Realit&auml;t erfassen, wiedergeben. <em>Das<\/em> ist doch mit eine ihrer Kernkompetenzen. Von Journalisten erwarten Gesellschaft und Demokratie, dass sie aufgrund ihrer hohen schulischen und akademischen Qualifikation &uuml;ber ein gro&szlig;es Wissen verf&uuml;gen und sich <em>deshalb<\/em> &ouml;ffentlich besser, dezidierter &auml;u&szlig;ern k&ouml;nnen, als es vielleicht der &bdquo;einfache B&uuml;rger&ldquo; vermag. <\/p><p>Doch dann ist da die <em>taz<\/em> mit diesem Artikel. Der Autor zieht die intellektuelle Schublade auf, l&auml;sst die Leser wissen, dass er bisher &bdquo;mit dem Krieg [konfrontiert] wurde (&hellip;) durch B&uuml;cher: Remarque und J&uuml;nger, der Erste Weltkrieg, ein sinnloses Abschlachten. Aber dann war da jemand wie George Orwell, der 1936 nach Spanien fuhr, sich einer trotzkistischen Miliz anschloss, um die Republik gegen den Ansturm des Franco-Faschismus zu verteidigen.&ldquo; Erich Maria Remarque? Im Westen nichts Neues? Ernst J&uuml;nger? In Stahlgewittern? Bravo! &ndash; m&ouml;chte man dem taz-Autor zurufen.<\/p><p>Das ist doch eine gute Grundlage, um kriegskritisch zu sein &ndash; das hei&szlig;t, wenn man die B&uuml;cher auch tats&auml;chlich gelesen und verstanden hat. Doch in der Welt des Autors sticht Orwells Streifzug mit der Miliz &ndash; f&uuml;r die gute Sache, selbstverst&auml;ndlich &ndash; J&uuml;nger. Und Remarque allemal. Tragisch ist das, sehr tragisch. Eine Naivit&auml;t kommt zum Vorschein, die der von Remarques Protagonisten &auml;hnelt. Eine Naivit&auml;t bahnt sich ihren Weg, die an die Naivit&auml;t eines Teenager-Soldaten erinnert, der nicht ohne Stolz mit der Waffe in der Hand in den Krieg zieht. Manipuliert von Medien und Kriegspropaganda, glaubten junge Heroen schon immer, f&uuml;r das Gute zu k&auml;mpfen. Dass sie sich in Wirklichkeit vor den Karren einer eiskalten 3-D-Machtpolitik spannen lassen, die sie nicht einmal in Ans&auml;tzen verstehen, erschlie&szlig;t sich ihnen nicht. Die Wahrheiten hinter den &bdquo;Wahrheiten&ldquo;, die Komplexit&auml;t von Kriegssituationen, der verdeckte Raum tiefenpolitischer und geostrategischer Koordinaten: Er ist nicht im Bewusstsein. Hat etwa Russland nicht die Ukraine &uuml;berfallen? Na, sehen Sie! Ende, aus, Micky Maus. So einfach sind jene gef&auml;lligen Wahrheiten, auf die &bdquo;die Macht&ldquo; setzt.<\/p><p>An dieser Stelle wird ein Journalist aus dem Mainstream wohl sofort eine Kerze anz&uuml;nden. &bdquo;Die Macht&ldquo;? &bdquo;Um Himmelswillen! Das ist so ein verschw&ouml;rungstheoretisches Raunen!&ldquo; Der Schutzmantel um die eigenen sitzt in vielen Redaktionen leider sehr fest. Aufgabe von Journalisten, die dem Beruf tats&auml;chlich gewachsen sind, w&auml;re es, wie ein Elefant durch den Raum der gef&auml;lligen (Kriegs-)Wahrheiten zu trampeln &ndash; so, wie die <em>taz<\/em> das mal gemacht hat &hellip; in der Vergangenheit. Stattdessen schreibt ihr Autor etwas von einem &bdquo;reaktion&auml;ren russischen Mafiakapitalismus&ldquo;, der nicht davor zur&uuml;ckschrecken w&uuml;rde, &bdquo;Zivilist:innen in Potsdam massakrieren zu lassen&ldquo; &ndash; &bdquo;wenn der Kyjiwer Vorort Butscha als Beispiel dienen darf&ldquo;.<\/p><p>Uff! In manchen Sinn-Enklaven ist der Raum f&uuml;r den Zweifel an grundlegenden &bdquo;Wahrheiten&ldquo; in einem Stahltresor verschlossen. Mit der Ver&ouml;ffentlichung dieses Artikels hat die <em>taz<\/em> dem Autor keinen Gefallen getan &ndash; und schon gar nicht sich selbst.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot taz.de<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0f492a4dff344b1c913dfd285120b39a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die <em>taz<\/em> war einmal eine richtig gute Zeitung. Das ist lange her. Heute ver&ouml;ffentlicht das Berliner Blatt Beitr&auml;ge, die in ihrem intellektuellen Dilettantismus atemberaubend sind. 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