{"id":120225,"date":"2024-08-26T13:00:59","date_gmt":"2024-08-26T11:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120225"},"modified":"2026-01-27T11:47:19","modified_gmt":"2026-01-27T10:47:19","slug":"spd-gegen-die-armen-stimmung-machen-aus-harz-iv-nichts-gelernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120225","title":{"rendered":"SPD: Gegen die Armen Stimmung machen \u2013 aus Hartz IV nichts gelernt"},"content":{"rendered":"<p>Hetze gegen die Armen: Die SPD macht im Geiste der Agenda 2010 weiter. Der Ministerpr&auml;sident von Brandenburg, Dietmar Woidke, hat den <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/nicht-mehr-zeitgerecht-ministerpraesident-woidke-ueber-das-buergergeld-fuer-ukraine-muessen-wir-aendern_id_260241534.html\">Spaltkeil ausgepackt<\/a>. Seine aktuellen &Auml;u&szlig;erungen treiben den Keil zwischen die &Auml;rmsten und die Armen. Das ist erb&auml;rmlich, aber auch aus politisch-taktischer Sicht dumm. Die AfD liegt in aktuellen Umfragen vor der SPD. Dass Woidke sich dennoch nicht zur&uuml;ckh&auml;lt, l&auml;sst tief blicken. Die Methode, &uuml;ber einen Angriff auf die Armen Politik zu machen, scheint in der SPD offensichtlich l&auml;ngst tief verwurzelt. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Wenn hart arbeitende Menschen nur durch staatliche Leistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag im Monat mehr haben als diejenigen, die bewusst nicht arbeiten gehen und lieber B&uuml;rgergeld beziehen &ndash; dann wird das zu Recht als unfair empfunden&ldquo;, sagte Dietmar Woidke gerade gegen&uuml;ber dem Stern. <\/p><p>Da stehen sie, diese Aussagen. Sie k&ouml;nnten problemlos auch aus den Anfangsjahren der Agenda 2010 stammen. Aber diese Worte sind aktuell. Und sie bedienen den Geist jener &bdquo;Reformen&ldquo;, die die deutsche Gesellschaft tief gespalten haben &ndash; bis heute! Woidke bedient mit seinen Worten die Emotion Neid. Er sch&uuml;rt den Argwohn zwischen den &Auml;rmsten, die B&uuml;rgergeld beziehen, und jenen, die am unteren Ende der Lohnskala stehen. &bdquo;Unfair&ldquo; ist der Begriff, den der brandenburgische Ministerpr&auml;sident gebraucht. &bdquo;Unfair&ldquo; ist es nach den Worten des SPD-Politikers, dass Empf&auml;nger staatlicher Leistungen mehr Geld beziehen w&uuml;rden als die, die arbeiten. Gewiss: Das leuchtet, n&uuml;chtern und eindimensional betrachtet, durchaus ein. Wenn ein B&uuml;rger, der arbeitet, weniger bekommt als Bezieher von staatlichen Leistungen, stimmt etwas Grundlegendes nicht. <\/p><p>Doch das Problem, das sichtbar wird, ist komplexer angelagert, als es die stimmungssch&uuml;renden Aussagen des Ministerpr&auml;sidenten andeuten. Wer sich die Worte Woidkes genauer anschaut, stellt fest: Woidke geht es nicht darum, ein real vorhandenes Problem analytisch zu erfassen &ndash; und dann, im Sinne aller B&uuml;rger, eine konstruktive L&ouml;sung zu finden. Er setzt auf Stimmungsmache und stimuliert dabei niedere Instinkte wie Neid und in der weiteren Konsequenz Wut auf die Armen. Und Neid und Wut wirken wie ein Spaltkeil, der die ohnehin auf vielen Ebenen weit fortgeschrittene Spaltung der Gesellschaft nur noch tiefer treibt. <\/p><p>Woidke gebraucht die Formulierung &bdquo;lieber B&uuml;rgergeld beziehen&ldquo;. Er fokussiert also auf &bdquo;diejenigen, die bewusst nicht arbeiten gehen&ldquo;. Der Ausdruck &bdquo;lieber&ldquo; wirkt in den Aussagen wie eine Art Brandbeschleuniger. Vor den Augen des Lesers entsteht das Bild von B&uuml;rgergeldbeziehern, die mit Arglist Transferleistungen beziehen. Das Bild vom &bdquo;faulen&ldquo;, in der sozialen H&auml;ngematte liegenden &bdquo;Schnorrer&ldquo; dr&auml;ngt sich geradezu auf. Woidke &ndash; hier kommt die Schl&auml;ue eines Politikers zum Vorschein &ndash; spricht offen an, dass er hier die im Auge hat, die eben &bdquo;bewusst nicht arbeiten gehen&ldquo;. Auf diese Weise kann er seine H&auml;nde in Unschuld waschen. Er kann, w&uuml;rde man ihn mit dem &bdquo;hetzerischen Moment&ldquo; seiner Aussagen konfrontieren, leicht sagen, dass er an der Stelle ja nicht pauschal allen B&uuml;rgergeldempf&auml;ngern niedere Absichten unterstelle. Er wolle ja nur auf ein reales Problem aufmerksam machen.<\/p><p>Ja, die Politik der gespaltenen Zunge ist gerade auch in der SPD sehr pr&auml;sent.<\/p><p>Richtig ist, dass es nat&uuml;rlich Personen und B&uuml;rger gibt, die aus offen praktizierter Faulheit B&uuml;rgergeld beziehen. Doch das ist &ndash; bei Lichte betrachtet &ndash; allenfalls ein &Auml;rgernis. Ein echtes Problem, das zum Untergang des Sozialstaats f&uuml;hrt, ist es nicht. Ein Problem ist allerdings, das mit diesem &Auml;rgernis Politiker seit der Agenda 2010 auf schlimmste Weise Politik machen. Fokussieren die Parlamentarier n&auml;mlich auf die Gruppe derjenigen, die aus Bequemlichkeit nicht arbeiten gehen, erzeugen sie unweigerlich in der Breite der Gesellschaft den Eindruck, dass unterm Strich doch alle oder zumindest der gr&ouml;&szlig;te Teil schlicht faul ist und deshalb B&uuml;rgergeld bezieht. <\/p><p>Woidke und andere Politiker sollten wissen: Wenn bei Menschen Emotionen stimuliert werden, tritt der Verstand oft in den Hintergrund. Doch, davon ist auszugehen, Woidke und andere Politiker wissen das selbstverst&auml;ndlich. Sie sind ja nicht dumm. Sie wissen um die Wirkung ihrer Aussagen. Gegenprobe: Im Hinblick auf Probleme, die im Zusammenhang mit Migranten auftreten, verh&auml;lt sich die Politik weitestgehend maximal zur&uuml;ckhaltend. Schlie&szlig;lich soll gerade keine Stimmung gesch&uuml;rt werden &ndash; nicht, dass die deutsche Gesellschaft von einem ausl&auml;ndischen Straft&auml;ter auf alle Ausl&auml;nder schlie&szlig;t.<\/p><p>Was den Umgang mit den Armen angeht, wird immer deutlicher: Teile der Politik haben regelrecht ein Feindbild entwickelt. Das ist billig und erb&auml;rmlich zugleich. Billig, weil die Gruppe der Armen nicht f&uuml;r die schweren Verwerfungen im Land verantwortlich ist. Erb&auml;rmlich, weil die Armen sich nicht wehren k&ouml;nnen. Was geht im Kopf von Woidke vor? Glaubt er wirklich, dass er mit der Fokussierung auf ein Scheinproblem mehr Stimmen f&uuml;r die bevorstehende Wahl einfangen kann? Das mag auf jene zutreffen, die ohnehin seiner Partei nahestehen und die katastrophale SPD-Politik nicht durchschauen k&ouml;nnen oder wollen. Den anderen Teil der W&auml;hler wird er mit solchen Aussagen nicht erreichen. Im Gegenteil. J&uuml;ngste Wahlprognosen sehen die AfD in Brandenburg bei 24 Prozent &ndash; und damit um 4 Prozent vor der SPD. Das BSW kommt hinter der CDU (19 Prozent) auf 17 Prozent. Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen: Es g&auml;rt! Es gibt einen gewaltigen Druck im Kessel. <\/p><p><small>Titelbild: photocosmos1\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/013b5b3ff6614b2c9eb74fbe6d9ea769\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hetze gegen die Armen: Die SPD macht im Geiste der Agenda 2010 weiter. Der Ministerpr&auml;sident von Brandenburg, Dietmar Woidke, hat den <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/nicht-mehr-zeitgerecht-ministerpraesident-woidke-ueber-das-buergergeld-fuer-ukraine-muessen-wir-aendern_id_260241534.html\">Spaltkeil ausgepackt<\/a>. Seine aktuellen &Auml;u&szlig;erungen treiben den Keil zwischen die &Auml;rmsten und die Armen. 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