{"id":12024,"date":"2012-01-25T16:13:46","date_gmt":"2012-01-25T15:13:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12024"},"modified":"2015-01-18T11:45:08","modified_gmt":"2015-01-18T10:45:08","slug":"occupy-und-die-rechtspopulisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12024","title":{"rendered":"Occupy und die Rechtspopulisten"},"content":{"rendered":"<p>Bislang haben die NachDenkSeiten die Occupy-Bewegung stets konstruktiv <a href=\"\/?p=10983\">begleitet<\/a> und als neue Form des Protests gesehen, der ohne eine klare politische Agenda daherkommt und seine Richtung erst noch finden muss. Wohin die Reise geht, war und ist vollkommen offen. Leider mehren sich in den letzten Tagen die Zeichen, dass die Occupy-Bewegung ihre Inhalte und Ziele dadurch kompromittiert, dass sie rechten Rattenf&auml;ngern wie Hans Olaf Henkel hinterherl&auml;uft und Kritik an diesem Kurs mit Zensur belegt. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nKritik am Finanzsystem wird von nahezu allen politischen Kr&auml;ften ge&uuml;bt und ist ohne konkrete Alternativvorschl&auml;ge wohlfeil. Auch wenn eine &bdquo;solidarischere Gesellschaft&ldquo;, die sich die Occupy-Bewegung auf ihre Fahnen geschrieben hat, per definitionem nur &uuml;ber eine fortschrittliche Politik zu erreichen ist, gibt sich Occupy jedoch reflexhaft antiideologisch und lehnt jedwede Kategorisierung anhand der politischen &bdquo;Ges&auml;&szlig;geographie&ldquo; strikt ab. Occupy Deutschland will weder links noch rechts sein. Mehr noch: Man vertritt sogar die Ansicht, dass es heute gar keine linke oder rechte Politik mehr g&auml;be (bzw. geben k&ouml;nne), die alten Grabenk&auml;mpfe Scheingefechte eines l&auml;ngt vergangenen Zeitalters seien und die heutigen Gr&auml;ben nicht mehr zwischen rechts und links, sondern zwischen oben und unten verlaufen w&uuml;rden. Dass es Gr&auml;ben zwischen oben und unten gibt, ist unbestreitbar. Umstritten ist jedoch, ob rechte Politik, die immer auch antiegalit&auml;r sein muss, &uuml;berhaupt dazu geeignet sein kann, diese Gr&auml;ben zu &uuml;berwinden. Auch wenn man diese Frage dezidiert verneinen muss, ist diese Erkenntnis jedoch nutzlos, wenn der Adressat sich weigert, &uuml;berhaupt einen Unterschied zwischen rechter und linker Politik wahrzunehmen. <\/p><p>Wer ohne Kompass im Nebel auf Sicht f&auml;hrt, ist jedoch allerlei Gefahren ausgesetzt. Ist es beispielsweise mit den &ndash; wenn auch vagen &ndash; inhaltlichen Anspr&uuml;chen der Occupy-Bewegung zu vereinbaren, den Rechtspopulisten Hans Olaf Henkel zu &bdquo;interviewen&ldquo; und dazu auf Facebook einen wohlwollenden, <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=299205740127595&amp;set=a.243051635743006.58105.241361522578684&amp;type=1\">komplett kritiklosen Artikel<\/a>  zu schreiben, der jedem Leser den Eindruck vermittelt, die Ziele von Henkel seien mit denen von Occupy Deutschland deckungsgleich? Ist es mit den demokratischen Anspr&uuml;chen der Occupy-Bewegung zu vereinbaren, wenn Kritik an diesem Henkel-Artikel rigoros gel&ouml;scht wird und die Kritiker aus der Facebook-Gruppe verbannt werden? Exakt dies ist am Dienstag geschehen, die Kritikerin ist eine gute Bekannte und Mitstreiterin der NachDenkSeiten. Besonders traurig ist diesem Zusammenhang auch, dass bei Facebook gepostete Links zu Beitr&auml;gen der NachDenkSeiten zur Person Hans Olaf Henkels und seinen inhaltlichen Positionen von der Administration gel&ouml;scht wurden, w&auml;hrend jeder rechte oder verschw&ouml;rungstheoretische Unfug dort nicht beanstandet wird. Offensichtlich sind die NachDenkSeiten f&uuml;r die Administration von Occupy Deutschland keine zitierbare Quelle. Eine Beschwerde eines unserer Leser wurde kommentarlos mit dem Profil unserer Herausgeber &bdquo;beantwortet&ldquo;, denen man qua Parteizugeh&ouml;rigkeit in der SPD offenbar ad personam jegliche Satisfaktionsf&auml;higkeit abspricht, ohne sich mit deren Artikeln &uuml;berhaupt jemals auseinandergesetzt zu haben. Wenn man im Gegenzug einen bekennenden Rechtspopulisten wie Henkel, dessen politische Heimat  die FDP war und der nun den noch konservativeren &bdquo;Freien W&auml;hlern&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,805671,00.html\">auf die Beine helfen will<\/a> nicht nur f&uuml;r satisfaktionsf&auml;hig h&auml;lt, sondern auch jede fundierte Kritik an seinen inhaltlichen Positionen zensiert, so ist dies h&ouml;chst bedenklich. Dazu sollte sich jedoch jeder NachDenkSeiten-Leser sein eigenes Urteil bilden.<\/p><p>Nat&uuml;rlich ist es m&ouml;glich, dass die Occupy-Bewegung im Kern Positionen innehat, die mit denen der NachDenkSeiten gr&ouml;&szlig;tenteils deckungsgleich sind und nur die Administration des Forums schlichtweg intellektuell &uuml;berfordert ist. Wenn man seine eigene Internetpr&auml;senz jedoch nicht unter Kontrolle hat, besteht Handlungsbedarf &ndash; vor allem bei einer Organisation, die sich prim&auml;r auf das Internet als Kommunikationskanal fokussiert. Es ist freilich auch m&ouml;glich, dass die Henkel-Verehrung seitens einiger Occupy-Aktivisten nur eine Ausnahme ist und nicht die Mehrheitsmeinung der Bewegung repr&auml;sentiert. Wenn dem so sein sollte, ist allerdings die Mehrheit gefragt, hier f&uuml;r Klarheit zu sorgen &ndash; vor allem bei einer Organisation, die sich prim&auml;r basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen bzw. den Methoden der &bdquo;<a href=\"http:\/\/wiki.liqd.net\/Liquid_Democracy\">Liquid Democracy<\/a>&ldquo; verschrieben hat. Es ist auch keinesfalls auszuschlie&szlig;en, dass die verantwortlichen Occupy-Aktivisten nicht das Gemeinwohl, die 99%, im Sinn, sondern die Bewegung f&uuml;r ganz andere Zwecke geentert haben. Wer von sich behauptet, er wolle &bdquo;mehr Solidarit&auml;t in der Gesellschaft schaffen&ldquo;, sollte sich aber ganz ernsthaft fragen, ob dies mit den nationalchauvinistischen Populisten am rechten Rand umsetzbar sein kann. Wir von den NachDenkSeiten sind da offensichtlich dezidiert anderer Meinung als Teile der Occupy-Bewegung. Wir meinen &uuml;berdies, dass eine Bewegung, die nun immerhin bereits mehrere Monate Zeit hatte, ihre Positionen auszuloten, so langsam ihren Welpenschutz verloren hat und sich auch der Kritik stellen muss.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/e32c07e6d4614184befee3c27b866c53\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><p><strong>Hintergrundartikel zu Hans Olaf Henkel (die Artikel, die Occupy Deutschland auf Facebook zensiert):<\/strong><\/p><ul>\n<li>Bill Black &ndash; <a href=\"\/upload\/pdf\/nds_black_sarrazin_de.pdf\">Eine Bande der Bigotten: Dr. Sarrazin, Herr Henkel und die Bank of America [67,2 KB]<\/a><\/li>\n<li>Klaus Harpprecht &ndash; &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.theeuropean.de\/klaus-harpprecht\/8940-europaeische-identitaet-und-krise#8940\">Henkel ist das deutsche Pendant zu Le Pen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Jens Berger &ndash; <a href=\"\/?p=10924\">Von der deutschen Tea Party zur Henkel-Partei (I) &ndash; Rechtspopulist Hans Olaf Henkel spielt mit den &Auml;ngsten der Bev&ouml;lkerung<\/a><\/li>\n<li>Jens Berger &ndash; <a href=\"\/?p=10973\">Von der deutschen Tea Party zur Henkel-Partei (II) &ndash; Der rechte Ritt auf der Welle der Emp&ouml;rung<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Und noch ein lesenswerter Artikel zur Occupy-Bewegung:<\/p><ul>\n<li>Steffen Vogel &ndash; <a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2012\/januar\/occupy-am-scheideweg?print\">Occupy am Scheideweg<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bislang haben die NachDenkSeiten die Occupy-Bewegung stets konstruktiv <a href=\"\/?p=10983\">begleitet<\/a> und als neue Form des Protests gesehen, der ohne eine klare politische Agenda daherkommt und seine Richtung erst noch finden muss. Wohin die Reise geht, war und ist vollkommen offen. Leider mehren sich in den letzten Tagen die Zeichen, dass die Occupy-Bewegung ihre Inhalte und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12024\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,125],"tags":[777,1244],"class_list":["post-12024","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-rechte-gefahr","tag-henkel-hans-olaf","tag-occupyblockupy"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12024"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12024\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24622,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12024\/revisions\/24622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12024"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}