{"id":120419,"date":"2024-08-29T14:09:40","date_gmt":"2024-08-29T12:09:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120419"},"modified":"2024-08-30T20:06:31","modified_gmt":"2024-08-30T18:06:31","slug":"totaler-fehlschlag-der-sanktionsagression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120419","title":{"rendered":"Totaler Fehlschlag der Sanktionsaggression"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende Text stammt von <strong>Dmitrij Ljubinskij<\/strong>, dem Botschafter Russlands in &Ouml;sterreich. Lesenswert. Zur Einf&uuml;hrung zitieren wir den letzten Absatz: &bdquo;S&auml;mtliche Analysen, auch westliche, belegen, dass Sanktionen ihre Ziele in jeglicher Hinsicht verfehlen. Nichtsdestotrotz scheint der Westen mit einer Beharrlichkeit, die eine bessere Anwendung verdient h&auml;tte, daran festzuhalten. Die Verantwortung liegt bei einem engen Kreis von Entscheidungstr&auml;gern, f&uuml;r die die Folgen der scheinbar endlosen Sanktionsspirale irrelevant zu sein scheinen. Einfache B&uuml;rger und die Gesch&auml;ftswelt sind dabei aber immer die Leidtragenden. Am Ende werden aber sie es sein, die f&uuml;r die gescheiterte, gedankenlose Politik die Rechnung ausstellen werden.&ldquo; <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Beitrag von Dmitrij Ljubinskij, Botschafter Russlands in &Ouml;sterreich<\/strong><\/p><p>In seinem Bestreben, der Weltgemeinschaft seinen Willen aufzusetzen, greift der kollektive Westen stets aggressiv auf seine geliebte Peitsche zur&uuml;ck &ndash; v&ouml;lkerrechtswidrige Sanktionen. Dabei wird Internationales Recht durch nationale, administrative oder gerichtliche Systeme eines oder mehrerer L&auml;nder ausgehebelt und Entscheidungen minderheitlicher Staatenvereinigungen de facto &uuml;ber das V&ouml;lkerrecht gestellt. <\/p><p>Die USA nennen es &bdquo;regelbasierte Weltordnung&ldquo; &ndash; ein dreister Versuch der Unterminierung der multilateralen Diplomatie. Gro&szlig;angelegte Desinformationskampagnen, die Schaffung restriktiver und attributiver Mechanismen unter dem Deckmantel von &bdquo;Multikulturalismus&ldquo; sind Merkmale eines solchen Systems. Der Rest der Weltgemeinschaft wird dann aufgefordert, solchen &bdquo;abgestimmten&ldquo; Entscheidungen stumm zu folgen, die als &bdquo;einheitliche Meinung&ldquo; ausgegeben werden. Diejenigen, die sich weigern, haben Sanktionen bzw. andere Strafma&szlig;namen zu entnehmen. Die Ziele einer solchen Politik sind klar: den &Uuml;bergang zur gerechten multipolaren Weltordnung zu verhindern.<\/p><p>Sanktionen, die ohne den Beschluss des UN-Sicherheitsrates gem&auml;&szlig; Kapitel VII der UN-Charta verh&auml;ngt werden, sind v&ouml;lkerrechtswidrig und gef&auml;hrden die allgemein anerkannten Prinzipien der internationalen Zusammenarbeit. Dies ist besonders in den Bereichen sensibel, wo ein koordiniertes Zusammenwirken der Weltgemeinschaft essenziell ist (Terrorismusbek&auml;mpfung, Nichtverbreitung von Nuklearwaffen, Bek&auml;mpfung von Cyberkriminalit&auml;t u s.w.). <\/p><p>Die Anwendung von rechtswidrigen einseitigen Einschr&auml;nkungen, besonders im Fall &bdquo;sekund&auml;rer Sanktionen&ldquo;, oder die exterritoriale Anwendung von nationalen Regelungen, stellen eine Verletzung der Staatenhoheit souver&auml;ner L&auml;nder dar und sind eine klare Einmischung in deren inneren Angelegenheiten. Zu erinnern ist dabei an die Erkl&auml;rung der UN-Generalversammlung &uuml;ber die Unzul&auml;ssigkeit der Intervention in die inneren Angelegenheiten der Staaten und &uuml;ber den Schutz ihrer Unabh&auml;ngigkeit und Souver&auml;nit&auml;t (<a href=\"https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/uebereinkommen\/ar36103.pdf\">21. Dezember 1965<\/a>), die festlegt, dass &bdquo;kein Staat das Recht hat, wirtschaftliche, politische Ma&szlig;nahmen oder Ma&szlig;nahmen anderen Charakters zum Zwang eines anderen Staates zur Aus&uuml;bung seiner souver&auml;nen Rechte anzuwenden oder zu unterst&uuml;tzen&ldquo;. Punkt 4 dieser Erkl&auml;rung besagt, dass die strikte Einhaltung dieses Prinzips eine essenzielle Bedingung der Gew&auml;hrleistung eines friedlichen Zusammenlebens der Nationen darstellt. <\/p><p>Rechtswidrige einseitige Sanktionen sind auch ein &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrliches Mittel des unlauteren Wettbewerbes. Sie richten sich gegen empfindliche Sektoren der Wirtschaft, erschweren den Zugang zu Finanzressourcen, Dienstleistungen und Technologien. Sie bremsen die Entwicklung eines offenen und gerechten Systems der wirtschaftlichen Beziehungen.<\/p><p>So bewirkten die pr&auml;zedenzlosen komplexen antirussischen Sanktionen eine Verlangsamung der globalen Wirtschaftsentwicklung. Die restriktiven Ma&szlig;nahmen der westlichen L&auml;nder gegen Russland f&uuml;hrten zu einem Ungleichgewicht in den internationalen Produktionsketten, sie verursachen die Umleitung von Investitions- und Produktionsstr&ouml;men, erschwerten vielen L&auml;ndern den Zugang zu Waren, Finanzen und Technologien. <\/p><p>Die negativen Folgen der Einschr&auml;nkungen des kollektiven Westens haben sich selbst gegen die Anwendenden gerichtet. Das Wirtschaftswachstum der westlichen L&auml;nder wird 2024 nicht 1,5% &uuml;berschreiten. Besonders schwer trifft es Europa. Nach Einsch&auml;tzungen des IWF wird das BIP der EU 2024 um nicht mehr als 1,1% wachsen. Die Stagnation der europ&auml;ischen Wirtschaft h&auml;ngt mit dem erschwerten Zugang zu Kreditressourcen vor dem Hintergrund hoher Prozents&auml;tze, dem Exportr&uuml;ckgang und den hohen Preisen f&uuml;r Energietr&auml;ger zusammen. <\/p><p>Nach Eurostat-Berechnungen hat die EU nach Einf&uuml;hrung der Russland-Sanktionen rund 200 Milliarden Euro f&uuml;r Gas &uuml;berbezahlt. Heuer m&uuml;ssen die Europ&auml;er im Schnitt pro Monat f&uuml;r Gas 15,2 Milliarden Euro hinbl&auml;ttern, waren es 2021 nur 6 Milliarden. Der Gesamtschaden im Zusammenhang mit der Abkehr von russischem Gas f&uuml;r die EU &uuml;bersteigt bereits nach einigen Einsch&auml;tzungen 1,5 Billion US-Dollar. Die Energiekrise und Dekarbonisationspolitik wird f&uuml;r Europa bald auch die Deindustrialisierung bedeuten. &Ouml;sterreich ist hier keine Ausnahme. Seit mehr als einem Jahr erwirtschaftet der produzierende Bereich hierzulande Monat f&uuml;r Monat weniger Umsatz als im Vorjahr &ndash; und der Abw&auml;rtstrend h&auml;lt weiter an. Z.B. im M&auml;rz 2024 lag der Umsatz in Industrie und Bau einer ersten Sch&auml;tzung zufolge um 17,2 % unter dem des Vorjahresmonats.<\/p><p>Die Hauptnutznie&szlig;er dieser Situation sind zweifellos die USA. Geschickt nutzen sie die &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo; der Europ&auml;er zu ihren Gunsten aus. Nicht nur an den milliardenschweren Waffenvertr&auml;gen, auch an den Verk&auml;ufen von &uuml;berteuertem LNG-Gas (f&uuml;r inzwischen insgesamt 53 Milliarden Euro) an ihre &bdquo;Verb&uuml;ndeten&ldquo; verdienen sie sich eine goldene Nase. Die hohen Energiekosten wiederum stimulieren die Umsiedlung der Produktionsstandorte aus dem konkurrenzschwachen Europa in die USA und Drittl&auml;nder. <\/p><p>Experten gehen davon aus, dass die bestehenden geopolitischen Risiken zu einem weiteren Anstieg der Energiepreise in der EU f&uuml;hren und auch die Lebensmittelpreise noch weiter in die H&ouml;he schnellen lassen k&ouml;nnten. Diese Teuerung sp&uuml;rt der &ouml;sterreichische Endverbraucher bereits jetzt beim Einkaufen im Supermarkt. Ein Kilo Erd&auml;pfel kostete hierzulande etwa im Dezember 2023 ganze 46% mehr als ein Jahr zuvor, ein Liter Sonnenblumen&ouml;l 99%, ein Kilo Mehl 88% &ndash; so die trockenen Zahlen. <\/p><p>Einen betr&auml;chtlichen Beitrag zu diesem Preisanstieg leisten die von der EU eingef&uuml;hrten Einschr&auml;nkungen gegen&uuml;ber der russischen Landwirtschaft und D&uuml;ngemittelindustrie. Restriktionen im Transport und Versicherungswesen, dem Finanzsektor f&uuml;hrten zu einem R&uuml;ckgang der russischen Exporte nach Europa. <\/p><p>Am meisten leiden darunter die einfachen B&uuml;rger. Bereits im Juni und Juli 2022 bei einer in &Ouml;sterreich durchgef&uuml;hrten Umfrage zu den Auswirkungen der Russland-Sanktionen gaben insgesamt 82% der Befragten an, unter diesen zu leiden. Bei einer anderen Umfrage vom Juli 2024 sagten 35%, dass Ihrer Meinung nach die Sanktionen der EU mehr schaden w&uuml;rden als Russland und nur 13% behaupteten das Gegenteil.<\/p><p>Die starken Leistungen der russischen Wirtschaft best&auml;tigen das. Dank eines grundlegenden Umdenkens unserer Wirtschaftspolitik mit dem Schwerpunkt Innovationen und Eigenproduktion strategisch wichtiger G&uuml;ter, Umorientierung der Handelsstr&ouml;me auf neue M&auml;rkte, dem Umstieg auf sichere Zahlungsmittel steht unsere Wirtschaft zur Verwunderung vieler auf festem Boden. Stand Mai 2024 ist das BIP Russlands um 5,4% gewachsen, das der EU um nur 0,4%. Dabei weist Russland eine rekordniedrige Arbeitslosenquote von 2,4% (die EU 6,5%, &Ouml;sterreich 6,9%) auf. Nach Einsch&auml;tzung des IWF wird unsere Wirtschaft trotz umfangreicher Sanktionen sp&uuml;rbar wachsen &ndash; doppelt so hoch wie in der gesamten Euro-Zone. <\/p><p>Infolge der Sanktionen verlieren auch die europ&auml;ischen Gesch&auml;ftsleute viel: ihre fr&uuml;heren Positionen auf dem russischen Markt werden z&uuml;gig von Firmen und willigen Partnern aus anderen L&auml;ndern neubesetzt, deren Regierungen mehr Vernunft und Weitsicht haben. Diese lukrativen Nischen w&auml;ren irgendwann, wenn &uuml;berhaupt, nur mit gro&szlig;er M&uuml;he zur&uuml;ckzuerobern. Nach Reuters-Einsch&auml;tzungen haben ausl&auml;ndische Firmen infolge ihres R&uuml;ckzugs aus Russland insgesamt mehr als 107 Milliarden US-Dollar verloren.<\/p><p>S&auml;mtliche Analysen, auch westliche, belegen, dass Sanktionen ihre Ziele in jeglicher Hinsicht verfehlen. Nichts desto trotz scheint der Westen mit einer Beharrlichkeit, die eine bessere Anwendung verdient h&auml;tte, daran zu halten. Die Verantwortung liegt bei einem engen Kreis von Entscheidungstr&auml;gern, f&uuml;r die die Folgen der scheinbar endlosen Sanktionsspirale irrelevant zu sein scheinen. Einfache B&uuml;rger und die Gesch&auml;ftswelt sind dabei aber immer die Leidtragenden, am Ende werden aber sie es sein, die f&uuml;r die gescheiterte, gedankenlose Politik die Rechnung ausstellen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text stammt von <strong>Dmitrij Ljubinskij<\/strong>, dem Botschafter Russlands in &Ouml;sterreich. Lesenswert. Zur Einf&uuml;hrung zitieren wir den letzten Absatz: &bdquo;S&auml;mtliche Analysen, auch westliche, belegen, dass Sanktionen ihre Ziele in jeglicher Hinsicht verfehlen. Nichtsdestotrotz scheint der Westen mit einer Beharrlichkeit, die eine bessere Anwendung verdient h&auml;tte, daran festzuhalten. Die Verantwortung liegt bei einem engen Kreis<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120419\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,30],"tags":[771,3299,877,365,3125,1177,259,639,1556,1703,1019],"class_list":["post-120419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-oesterreich","tag-deindustrialisierung","tag-erdgas","tag-inflation","tag-regelbasierte-ordnung","tag-rezession","tag-russland","tag-uno","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=120419"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120573,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120419\/revisions\/120573"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=120419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=120419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=120419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}