{"id":12064,"date":"2012-01-30T09:03:38","date_gmt":"2012-01-30T08:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12064"},"modified":"2015-01-18T11:52:17","modified_gmt":"2015-01-18T10:52:17","slug":"zur-rolle-der-gewerkschaften-bei-der-einfuhrung-der-riester-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12064","title":{"rendered":"Zur Rolle der Gewerkschaften bei der Einf\u00fchrung der Riester-Rente"},"content":{"rendered":"<p>In einem Interview mit dem politischen <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/?p=1734\">Blog Wirtschaft und Gesellschaft<\/a> ist der ver.di-Chef Frank Bsirske auf die Rolle des DGB und der Einzelgewerkschaften bei der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente eingegangen. F&uuml;r die <a href=\"?p=11994#h05\">NachDenkSeiten<\/a> war h&ouml;chst bemerkenswert, aus gewerkschaftlichem Munde zu erfahren, dass sich die Spitze des DGB gegen den Widerstand der damaligen &Ouml;TV und der IG Metall mit dem damaligen Sozialminister Walter Riester verst&auml;ndigt habe, dass die Stabilisierung der Beitragss&auml;tze f&uuml;r die gesetzliche Rente Priorit&auml;t haben solle und dass die damalige Vize-Chefin des DGB Ursula Engelen-Kefer mit Walter Riester damals ein dementsprechendes Papier paraphiert h&auml;tte. Es habe dar&uuml;ber hinaus eine Verst&auml;ndigung gegeben, dass Ausf&auml;lle auf der Leistungsseite der gesetzlichen Rente durch eine steuerbezuschusste Teilprivatisierung (eben die Riester-Rente) kompensiert werden sollten.<br>\nUrsula-Engelen Kefer hat ihre damalige Rolle und Haltung in einem Brief an Frank Bsirske richtig gestellt. Wir dokumentieren ihren Brief und f&uuml;gen noch einige Zeitungsberichte &uuml;ber die damalige Kontroverse an.<br>\nUnter anderem wegen ihres Widerstandes gegen die Rentenreformen wurde Engelen-Kefer damals von Kanzler Schr&ouml;der mit dem Schimpfwort &bdquo;Engelen-Keifer&ldquo; gemobbt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Hier der Brief von Ursula Engelen-Kefer an Frank Bsirske:<\/strong><\/p><p>Lieber Frank,<\/p><p>mit gro&szlig;em Erstaunen habe ich in Deinem Interview f&uuml;r das Internetportal von Thorsten Hild vom 23.1. 2012 die Ausf&uuml;hrungen zu meiner angeblichen Rolle bei den politischen Entscheidungen &uuml;ber die Riesterrente im Jahr 2000 gelesen. Dort wirst Du zitiert: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit dem damaligen Arbeitsminister Riester, der sich v&ouml;llig irritiert dar&uuml;ber zeigte, dass gro&szlig;e Gewerkschaften wie die &Ouml;TV und IGM auf Oppositionskurs gingen, wo man sich doch mit der DGB- Spitze gerade verst&auml;ndigt habe, dass die Priorit&auml;t auf der Stabilisierung der Beitragss&auml;tze f&uuml;r die Rentenversicherung liegen solle. Engelen-Kefer und Riester hatten ein entsprechendes Papier paraphiert. Und das war in den Jahren davor auch Mainstream im DGB, die Beitragssatzstabilisierung zu priorisieren. Ausf&auml;lle auf der Leistungsseite sollten aus damaliger Sicht des DGB durch die steuerbezuschusste Teilprivatisierung kompensiert werden. Dieser &uuml;ber lange Zeit gepflegte Konsens ist im DGB erst in den letzten Jahren st&auml;rker hinterfragt worden, weil die sozialen Folgen immer deutlicher werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dabei wird der Eindruck erweckt, ich h&auml;tte mich mit dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester darauf verst&auml;ndigt, dass der DGB der Beitragssatzstabilisierung Priorit&auml;t einr&auml;ume und Ausf&auml;lle auf der Leistungsseite der gesetzlichen Rentenversicherung durch die steuerbezuschusste Teilprivatisierung kompensiert werden sollen. Dabei geht es um die drastische Absenkung des Niveaus der gesetzlichen Altersrenten um die kapitalgedeckte Riesterrente f&uuml;r alle Rentner, auch wenn sie gar keine Riesterrente haben,  sowie die Begrenzung der Beitr&auml;ge auf 20 Prozent bis zum Jahr 2020 und 22 Prozent bis zum Jahr 2030.<br>\nDies ist der gr&ouml;&szlig;te Paradigmenwechsel in der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten der Arbeitgeber und zu Lasten der Beitragszahler sowie Rentner.<\/p><p>Es entspricht keinesfalls der tats&auml;chlichen Entwicklung, dass ich diese Rentenreform von Walter Riester unterst&uuml;tzt h&auml;tte.  Als f&uuml;r die Sozialpolitik und damit auch die Rentenversicherung verantwortliche Stellvertretende Vorsitzende des DGB stand ich st&auml;ndig in h&auml;rtester Auseinandersetzung mit Walter Riester und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der. <\/p><p>Allerdings war die Spitze des DGB gespalten in Unterst&uuml;tzer und Gegner der  rot-gr&uuml;nen Rentenreform. Dabei wird Dich sicherlich nicht erstaunen, wenn ich feststelle, dass diese Auseinandersetzungen &ndash; wie so h&auml;ufig &ndash; nicht offen ausgetragen wurden. Klar war allerdings, dass die Spitze von BCE den Kurs von Riester und Schr&ouml;der mittragen wollte. Dies galt auch f&uuml;r Teile von IGM und Verdi. Bei der mittleren F&uuml;hrungsebene der IGM  ging es vor allem um das manifeste Interesse, die tarifliche und betriebliche Alterssicherung besser auszustatten und die finanziellen Belastungen f&uuml;r die gesetzliche Altersrente in Grenzen zu halten. Hinzu kam bei IGM die R&uuml;cksichtnahme auf den ehemaligen Kollegen Walter Riester. Bei der Spitze der BCE gab es dar&uuml;ber hinaus immer eine besondere politische N&auml;he zu Gerhard Schr&ouml;der. Bei Verdi wurde in den Fachbereichen, die der Versicherungsbranche nahestanden, erhebliche Kritik an meinem massiven Einsatz f&uuml;r die gesetzliche Alterssicherung ge&auml;u&szlig;ert.<\/p><p>Wie Du als Nachfolger von Herbert Mai mitten in dieser Auseinandersetzung um die Rentenreform miterlebt hast, wurde der leider verstorbene Heinz Putzhammer, im DGB f&uuml;r Wirtschafts- und Tarifpolitik zust&auml;ndig, gegen mich in Stellung gebracht. Der Streit um die Rentenreform wurde vom Bundesvorstand, in dem sowohl IGM wie auch Verdi den ma&szlig;geblichen Einfluss hatten, vorrangig der Tarifpolitik zugeordnet. So wurde Heinz Putzhammer zu verschiedenen Hintergrundgespr&auml;chen mit Gewerkschafts- und SPD Spitze sowie &ouml;ffentlichkeitswirksamen Auftritten bei Veranstaltungen und Pressekonferenzen geschickt.  Mir blieb nur &uuml;brig, die schlimmsten &bdquo;Giftz&auml;hne&ldquo; bei der  Absenkung des Niveaus der gesetzlichen Altersrente zu ziehen. Dies habe ich mit Hilfe von Teilen der IGM und Verdi, die sich f&uuml;r die Zukunftsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rentenversicherung einsetzten, sowie Ulla Schmidt, damals Sozialpolitische Sprecherin der SPD Bundestagsfraktion, durchsetzen k&ouml;nnen.<\/p><p>Ich erinnere mich noch gut an die Unterst&uuml;tzung, die ich dabei von Klaus Zwickel und Dir pers&ouml;nlich erhalten habe. Dabei haben wir auch durchsetzen k&ouml;nnen, dass bei der gesetzlichen Rentenversicherung die Absenkung des Rentenniveaus gedeckelt wurde und bei der privaten Alterssicherung zumindest die Betr&auml;ge ausgezahlt werden m&uuml;ssen, die eingezahlt wurden. Diese Hintergr&uuml;nde habe ich im &Uuml;brigen auch nach meinem Ausscheiden aus dem DGB immer wieder in Artikeln und Vortr&auml;gen innerhalb und au&szlig;erhalb der Gewerkschaften dargestellt- auch in meiner Autobiographie <a href=\"http:\/\/www.engelen-kefer.de\/meine-themen\/publikationen\/kaempfen-mit-herz-und-verstand-mein-leben-epilog.html\">&bdquo;K&auml;mpfen mit Herz und Verstand&ldquo;<\/a> und in meinem Buch f&uuml;r den Vorw&auml;rts Verlag <a href=\"http:\/\/www.vorwaertsbuchverlag.de\/buecher\/stoppt-die-spaltung-der-gesellschaft\">&bdquo;Stoppt die Spaltung der Gesellschaft&ldquo;<\/a>, das ich Dir k&uuml;rzlich geschickt habe.<\/p><p>Im Anhang habe ich Dir meine damaligen Interviews und Artikel zukommen lassen. Daraus geht eindeutig meine massive Kritik an dem Paradigmenwechsel durch die Riesterreform zu Lasten der Arbeitnehmer und Rentner hervor sowie Alternativen mit h&ouml;heren Beitragss&auml;tzen und ohne die massive Absenkung des Rentenniveaus. Wie Du wei&szlig;t, bin ich f&uuml;r meine &bdquo;Standhaftigkeit&ldquo;  gegen die Riesterreform von Gerhard Schr&ouml;der, der Finanzbranche, Teilen der Medien und auch einigen in der Gewerkschaftsspitze regelrecht gemobbt und diffamiert worden. Du wirst daher verstehen, dass ich Deine Aussagen zu meiner angeblichen Rolle bei den damaligen Konflikten  um die Rentenreform nicht stehen lassen kann.<\/p><p>Gerne w&uuml;rde ich mit Dir &uuml;ber die politische Durchsetzung der Streichung des Riesterfaktors aus der gesetzlichen Rentenversicherung, f&uuml;r die ich mich immer eingesetzt habe und auch in Zukunft einsetzen werde, ein Gespr&auml;ch f&uuml;hren. <\/p><p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en<br>\nUrsula Engelen-Kefer<\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch Beispiele der damaligen <a href=\"upload\/pdf\/120130_Riester_Rente_Osnabruecker_Zeitung_Interviews.pdf\">Berichterstattung in den Medien [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Interview mit dem politischen <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/?p=1734\">Blog Wirtschaft und Gesellschaft<\/a> ist der ver.di-Chef Frank Bsirske auf die Rolle des DGB und der Einzelgewerkschaften bei der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente eingegangen. 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