{"id":120670,"date":"2024-09-03T09:10:28","date_gmt":"2024-09-03T07:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120670"},"modified":"2024-09-04T15:08:08","modified_gmt":"2024-09-04T13:08:08","slug":"von-der-unmoral-der-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120670","title":{"rendered":"Von der Unmoral der Moral"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum Israels genozidaler Gaza-Krieg als Konsequenz eigentlich die politisch-moralischen Ma&szlig;st&auml;be des Westens ver&auml;ndern m&uuml;sste, es aber ganz offensichtlich nicht tut.<\/strong> Der Krieg, den Israel im Gazastreifen f&uuml;hrt, offenbart die tiefe moralische Krise, in der sich die westliche Staatengemeinschaft unter der F&uuml;hrung der USA befindet. Denn wenn der Westen die universellen Werte wirklich befolgen w&uuml;rde, die er st&auml;ndig propagiert, h&auml;tte es zu dem schrecklichen genozidalen Geschehen in Gaza gar nicht kommen k&ouml;nnen. Erstens: Weil Israel als westlicher Staat sich eigentlich an diese Werte h&auml;tte halten m&uuml;ssen. Zweitens: Wenn Israel das aber nicht tut, h&auml;tte der Westen diesen Staat z&uuml;geln m&uuml;ssen &ndash; was er nicht getan hat. Damit hat sich der Westen insgesamt schuldig gemacht und sein eigenes Wertesystem verraten. Von <strong>Arn Strohmeyer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_806\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-120670-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240904-Von-der-Unmoral-der-Moral-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240904-Von-der-Unmoral-der-Moral-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240904-Von-der-Unmoral-der-Moral-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240904-Von-der-Unmoral-der-Moral-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=120670-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240904-Von-der-Unmoral-der-Moral-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240904-Von-der-Unmoral-der-Moral-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Politologe Vittorio H&ouml;sle hat ein 1.200-Seiten-Werk &uuml;ber politische Moral geschrieben. Man kann dieses dicke Buch nur querlesen, ein Satz daraus hat sich mir aber tief eingepr&auml;gt, weil er auf den gegenw&auml;rtigen Krieg Israels im Gazastreifen genau zutrifft: Man m&uuml;sse sehr darauf achten, dass man bei einem Krieg, der aus Rachegr&uuml;nden gef&uuml;hrt wird, nicht selbst zum B&ouml;sen wird, das man bek&auml;mpfen will. Denn wenn man das B&ouml;se vernichtet, aber am Ende eines Eskalationsprozesses selbst zum B&ouml;sen wird, hat das B&ouml;se gesiegt.<\/p><p>Genau das ist Israels gegenw&auml;rtige Situation: Wenn dem zionistischen Staat nach dem &Uuml;berfall der Hamas am 7. Oktober 2023 nach dem V&ouml;lkerrecht ein Selbstverteidigungsrecht zustand, das sich aber an der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit auszurichten hat, so hat Israel sich an dieses eherne Gesetz in keiner Weise gehalten, sondern v&ouml;llig ma&szlig;- und hemmungslos auf einen Vernichtungskrieg gegen die Pal&auml;stinenser im Gazastreifen umgeschaltet &ndash; getreu den Ank&uuml;ndigungen seiner Politiker und Milit&auml;rs, den &bdquo;wilden Tieren&ldquo; in Gaza den t&ouml;dlichen Garaus zu machen.<\/p><p>Das Ergebnis ist bekannt: eine v&ouml;llig zerst&ouml;rte Region, in der Leben kaum noch m&ouml;glich ist, &uuml;ber 40.000 Tote (zwei Drittel davon Frauen und Kinder) und unter den Tr&uuml;mmern noch &uuml;ber 10.000 vermutete Tote. Nicht nur der Internationale Gerichtshof (IGH) erhebt den Vorwurf des V&ouml;lkermords, auch die israelischen Holocaust- und Genozidforscher Omer Bartov, Amos Goldberg und Raz Segal sehen die Kriterien f&uuml;r einen V&ouml;lkermord erf&uuml;llt. Das endg&uuml;ltige Urteil des IGH steht noch aus, wird aber sicher in diese Richtung gehen.<\/p><p>Interessant und aufschlussreich sind nun die politisch-moralischen Schlussfolgerungen, die aus Israels Genozid gezogen werden m&uuml;ssten. Israel selbst kennt nur ein Ziel: wegen des 7. Oktobers die vollst&auml;ndige Vernichtung der Hamas. Wenn es indirekt dennoch mit dieser Organisation verhandelt, dann nur, um die noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln freizubekommen. Ansonsten schlie&szlig;t der zionistische Staat jeden Kontakt mit der Hamas aus &ndash; sie ist kein Partner f&uuml;r k&uuml;nftige Verhandlungen, obwohl die Hamas mit Sicherheit eine Mehrheit in der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung vertritt. Aber Kompromisse kennt der Zionismus nicht. Wer j&uuml;disches Blut vergie&szlig;t wie am 7. Oktober, der ist ewig ge&auml;chtet und wird ein Opfer der Rache sein.<\/p><p>Es sei aber angemerkt, dass die Hamas auch vor dem 7. Oktober schon kein Partner f&uuml;r Israel war. Sie war zwar n&uuml;tzlich, weil sie die Spaltung des pal&auml;stinensischen Volkes besiegelte. Und Israels Regierungschef Netanjahu lie&szlig; ihr sogar viel Geld aus dem Scheichtum Katar zukommen &ndash; alles nach der Devise: Teile und herrsche! Als die Hamas die Wahlen 2006 in den pal&auml;stinensischen Gebieten gewonnen hatte, hat Israel mit Zustimmung des Westens diesen Wahlsieg nicht anerkannt, die Bildung einer gemeinsamen nationalen pal&auml;stinensischen Regierung verhindert und die frei gew&auml;hlten Abgeordneten verhaftet. Den anschlie&szlig;enden (gescheiterten) Putschversuch der Fatah gegen die Hamas hat Israel nat&uuml;rlich auch unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Um aber auf die Moral zur&uuml;ckzukommen: Israel meint, f&uuml;r die Verachtung der Pal&auml;stinenser, die rassistische Ausma&szlig;e hat, gute Gr&uuml;nde zu haben. Die Pal&auml;stinenser sind in der Sicht der Zionisten Menschen einer niederen Art &ndash; &bdquo;menschliche Tiere&ldquo; (so der jetzige israelische Verteidigungsminister Joaw Gallant) und &bdquo;Tiere auf zwei Beinen&ldquo; (so der fr&uuml;here israelische Ministerpr&auml;sident Menachem Begin). Viele weitere Beispiele f&uuml;r solche Menschenverachtung lie&szlig;en sich anf&uuml;hren. Wie sich eine solche Sicht mit der Verantwortung aus den n&ouml;tigen moralischen Schlussfolgerungen aus dem Holocaust vertr&auml;gt, die Israel st&auml;ndig f&uuml;r sich beansprucht, m&uuml;ssen die Zionisten selbst beantworten.<\/p><p>Hinter der Verachtung der Pal&auml;stinenser stecken aber handfeste politische Gr&uuml;nde: Man will unter gar keinen Umst&auml;nden Land f&uuml;r einen pal&auml;stinensischen Staat abgeben, was die Voraussetzung f&uuml;r eine Friedensl&ouml;sung w&auml;re, verleiht den Pal&auml;stinensern deswegen einen minderen menschlichen Status und schaltet sie so als seri&ouml;se Verhandlungspartner aus. Begr&uuml;ndet wird das auch damit, dass der Zionismus eine eigene Moral habe und die universellen Menschenrechte ihm nichts bedeuten. Verteidiger der Menschenrechte werden in Israel der israelischen Soziologin Eva Illouz zufolge als &bdquo;Verr&auml;ter&ldquo; angeprangert.<\/p><p>Nun k&ouml;nnte man das als Eigenart des Zionismus hinnehmen, wenn diese Ideologie und ihre Auffassung von Moral nicht so furchtbare Gewalttaten zeitigen w&uuml;rden. Die ganze Geschichte des Konflikts mit den Pal&auml;stinensern und Israels Kriege zeugen davon. Erstaunlich und &auml;u&szlig;erst bemerkenswert ist, dass die internationale Gemeinschaft (speziell die westlichen Staaten unter F&uuml;hrung der USA) Israel eine solche Haltung und Vorgehensweise zugestehen. Nat&uuml;rlich kann man daf&uuml;r geostrategische Gr&uuml;nde anf&uuml;hren (Israel ist der &bdquo;Flugzeugtr&auml;ger&ldquo; der USA und der NATO im Nahen und Mittleren Osten), andererseits behauptet der Westen aber selbst, einem universellen Wertekatalog verpflichtet zu sein.<\/p><p>Diese Verpflichtung ist aber h&ouml;chst zweifelhaft, gilt sie doch nur, wenn sie mit den westlichen &ouml;konomischen und milit&auml;rischen Interessen &uuml;bereinstimmt. Der Westen hat von Israel nie verlangt, die universellen Werte einzuhalten. Dieser Staat kann machen, was er will, ihm ist &bdquo;alles erlaubt&ldquo;! M&uuml;ssen andere Staaten bei Nicht-Wohlverhalten sofort mit politischem Druck, Sanktionen oder sogar einer milit&auml;rischen Invasion rechnen, Israel wird nie zur Verantwortung f&uuml;r seine Untaten gezogen.<\/p><p>Um diese Aussage auf den konkreten Fall anzuwenden: Bei dem &Uuml;berfall der Hamas am 7. Oktober sind etwa 1.200 Menschen ums Leben gekommen. Ein klarer Fall von Kriegsverbrechen, wobei aber noch zu kl&auml;ren bleibt, wie viele Menschen die israelische Armee bei ihrem versp&auml;teten Eingriff in das Geschehen get&ouml;tet hat. Der &Uuml;berfall der Hamas soll hier aber in keiner Weise bagatellisiert werden. Im Anschluss hat Israel aber in seinem Rachefeldzug im Gazastreifen bis jetzt &ndash; wie schon beschrieben &ndash; &uuml;ber 40.000 Menschen (mit den Toten unter den Tr&uuml;mmern wahrscheinlich &uuml;ber 50.000) umgebracht, legt eine ganze Region in Schutt und Asche und entzieht damit &uuml;ber zwei Millionen Menschen die Existenzgrundlage. Allein aus diesen Zahlen ergibt sich der schreiende Widerspruch: Israel bleibt in westlicher Sicht ein geachteter Staat und Mitglied der Staatengemeinschaft, w&auml;hrend man der Hamas in Politik und Medien das Etikett &bdquo;Terror-Organisation&ldquo; anh&auml;ngt und sie auf ewig f&uuml;r ge&auml;chtet erkl&auml;rt. Die Doppelmoral bzw. das Messen mit zweierlei Ma&szlig;, die hier praktiziert werden, suchen ihresgleichen.<\/p><p>F&uuml;gt man dem hier Gesagten noch das historische Faktum hinzu, dass Israel in dem nun &uuml;ber 100 Jahre andauerndem Krieg mit den Pal&auml;stinensern unz&auml;hlige Massaker mit Tausenden von Toten an Angeh&ouml;rigen dieses Volkes begangen hat, wird der schreiende Widerspruch noch gr&ouml;&szlig;er. Den Pal&auml;stinensern h&auml;ngt man insgesamt das Etikett des &bdquo;Terrors&ldquo; an, obwohl ihre Gewalt immer defensiven Charakter hat und hatte, weil sie ein Auflehnen gegen Unterdr&uuml;ckung, Vertreibung, Kolonisierung und Besatzung ist.<\/p><p>Der pal&auml;stinensische Intellektuelle Edward Said (1935 &ndash; 2003) stellte das schon vor Jahrzehnten fest und hat damit heute so recht wie damals: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Pal&auml;stina-Frage ist kein gigantisches Monstrum, das die gesamte Welt zu vergiften droht. Aber auf eben diese Weise ist sie bislang dargestellt worden. Zuerst weigert sich der Zionismus, die Existenz der einheimischen Bewohner Pal&auml;stinas anzuerkennen; nachdem dies nun unumg&auml;nglich geworden war, billigte er den Einheimischen keine politischen oder nationalen Rechte zu. Als aber die Einheimischen ihre Rechte zu fordern begannen, wurde die westliche Welt systematisch dahingehend instruiert, den Kampf um diese Rechte mit Terrorismus, V&ouml;lkermord und Antisemitismus gleichzusetzen. Dies ist nicht nur unsinnig, sondern es legitimiert sogar noch die Berechtigung, die &uuml;ber ein Jahrhundert anhaltende Gewalt gegen&uuml;ber Pal&auml;stinensern weiter fortzuf&uuml;hren und sich unendlich lange der Geschichte und ihrem Wahrheitsanspruch zu entziehen. Schlimmer noch: Eine derartige Haltung garantiert die kontinuierliche Zunahme an Gewalt, Leiden, sinnlosen Verlusten und &sbquo;vergeblichen Sicherheitsvorkehrungen&lsquo;.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Was folgt aus dem Gesagten? Der Westen und Israel praktizieren mit ihrer Politik einen Werte-Nihilismus, soll hei&szlig;en: Die westliche Politik betreibt mit dem Nichtbefolgen bzw. groben Verletzen der von ihr selbst propagierten Werte eben den Verfall dieser Werte. Er erhebt die Unmoral zur Moral, sogar ein v&ouml;lliger politisch-moralischer Bankrott kann nicht ausgeschlossen werden. Im Globalen S&uuml;den hat man den Widerspruch in der Moral des Westens l&auml;ngst erkannt. Der &Auml;gypter Mohamed El Baradei, der fr&uuml;here Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebeh&ouml;rde, schreibt dem Westen und damit auch den Deutschen ins Stammbuch: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dar&uuml;ber hinaus hat die arabische bzw. die muslimische Welt das Vertrauen in vermeintlich westliche Normen wie V&ouml;lkerrecht und internationale Institutionen, Menschenrechte und demokratische Werte verloren. Ihrer Ansicht nach macht der Westen selbst vor, dass rohe Gewalt &uuml;ber allem steht. [&hellip;] Ohne eine radikale Reform der internationalen Ordnung wird der Gaza-Krieg ein Vorbote einer au&szlig;er Kontrolle geratenen Welt sein.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es sieht aber nicht so aus, als ob der Westen bereit sei, seine moralischen Grundpositionen zu &auml;ndern. Ganz im Gegenteil: Die USA subventionieren Israel weiter mit Milliarden von Dollars, milit&auml;rischem Beistand und liefern an diesen Staat die modernste Waffentechnik. Auch Deutschland liefert weiter Kriegsger&auml;t. Und Bundeskanzler Olaf Scholz bleibt dabei, dass Deutschland aus Verantwortung f&uuml;r den Holocaust Israel beistehen m&uuml;sse (Staatsr&auml;son) und dass Israel sich bei seinem Vorgehen im Gazastreifen an das V&ouml;lkerrecht und die Menschenrechte halte. Kann man solche Schlussfolgerungen wirklich aus dem Holocaust und aus dem Geschehen in Gaza ziehen? Kann das Dulden eines Genozids durch die Staatr&auml;son gedeckt und gerechtfertigt werden? Scholz musste sich von der israelischen Journalistin Amira Hass sagen lassen, dass die deutsche Politik durch ihre Akzeptanz der israelischen Gewaltpolitik den Holocaust &bdquo;verraten&ldquo; habe.<\/p><p>Der israelische Anthropologe Jeff Halper hat den eklatanten Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Schein und Sein speziell in der israelischen Politik beschrieben. Er ist nicht bereit, den Schein aufrechtzuerhalten und Israel eine &bdquo;normale&ldquo; Staatlichkeit zu bescheinigen. Halper spricht offen aus, was die israelische Politik wirklich ausmacht und wie der Westen sie einsch&auml;tzen m&uuml;sste, hielte er sich wirklich an Werte. Er bezeichnet das Vorgehen dieses Staates als &bdquo;Staatsterrorismus&ldquo; und begr&uuml;ndet das so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wichtig ist, dass sowohl &sbquo;Araber&lsquo; als auch Juden als vor-staatliche Milizen &ndash; und die Pal&auml;stinenser\/innen befinden sich immer noch in dieser Phase &ndash; ihre Zuflucht zum Terrorismus nahmen, den beide Seiten als eine effektive, sogar ausschlaggebende Strategie zur Erreichung politischer Ziele ansahen. Wichtig ist es festzuhalten, dass die j&uuml;dische Zuflucht zum Terrorismus 1948 nicht endete. Er wurde nur umgewandelt in eine Politik des Staates und als Methode in Israels offizielle Streitkr&auml;fte integriert. Die gewaltsame Ent-Arabisierung und Judaisierung des Landes Israel\/Pal&auml;stina, die massiven H&auml;userzerst&ouml;rungen von 1948 bis heute, sowohl in Israel als auch in den besetzten Gebieten, ein vierzig Jahre (und l&auml;nger) dauernder Krieg gegen Zivilisten\/innen, um eine Besatzung auf ewig zu verl&auml;ngern, wiederholte und r&uuml;cksichtslose Angriffe auf den Libanon einschlie&szlig;lich der fern &sbquo;gesteuerten&lsquo; Massaker von Sabra und Schatila, eine Jahrzehnte w&auml;hrende Praxis der Ermordung pal&auml;stinensischer F&uuml;hrungskr&auml;fte, die die Pal&auml;stinenser einer effektiven politischen F&uuml;hrung beraubte &ndash; diese und andere Strategien und Aktionen machen den israelischen Staatsterrorismus aus.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Unter Bezug auf das V&ouml;lkerrecht f&auml;hrt Halper fort: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht, im Besonderen die IV. Genfer Konvention, misst dem Schutz und dem Wohlergehen einer Zivilbev&ouml;lkerung unter Besatzung eine besondere Bedeutung zu. Israel versucht, diese Verantwortung in vielf&auml;ltiger Weise zu umgehen, sogar indem es die Tatsache der Besatzung selbst in Abrede stellt. Mit dem Ausbruch der zweiten Intifada boten sich ihm neue M&ouml;glichkeiten, Beschr&auml;nkungen seines milit&auml;rischen Vorgehens zu vermeiden. Israel erkl&auml;rte die Intifada knapp als unterhalb der Kriegsschwelle und berief sich auf ein im V&ouml;lkerrecht unbekanntes Konzept des &sbquo;kriegs&auml;hnlichen Konflikts&lsquo;&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Und weiter schreibt Halper: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unterdr&uuml;ckte V&ouml;lker haben nach dem V&ouml;lkerrecht das Recht auf Widerstand, selbst auf bewaffneten Widerstand, wobei allerdings Angriffe auf Zivilisten ausgeschlossen sind. Der Begriff des &bdquo;kriegs&auml;hnlichen Konflikts&ldquo; denunziert alle Formen des Widerstandes als &sbquo;Terrorismus&lsquo;, gar als kriminelle Handlungen, wodurch das pal&auml;stinensische Menschenrecht auf Selbstbestimmung praktisch aufgehoben wird. Dieses Konstrukt enthebt Israel jeder Verantwortung f&uuml;r Staatsterrorismus, f&uuml;r Angriffe auf die zivile Bev&ouml;lkerung, die nach dem V&ouml;lkerrecht auch dem Besatzer verboten sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Halper f&auml;hrt fort: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Seine Erfindungsgabe stellt dem Milit&auml;r einen unbeschr&auml;nkten Freibrief aus, alles unter dem Deckmantel eines &sbquo;kriegs&auml;hnlichen Konflikts&lsquo; ohne jede Zur&uuml;ckhaltung oder Verantwortlichkeit zu sehen. Pal&auml;stinensische Politiker und alle, die legitimen Widerstand leisten, k&ouml;nnen so &sbquo;legal&lsquo; ermordet werden, wobei die T&ouml;tung von Zivilisten als Kollateralsch&auml;den gerechtfertigt wird. Unter denselben Vorzeichen k&ouml;nnen Tausende von Pal&auml;stinensern festgenommen und unbefristet eingesperrt werden, ohne dass ihnen der Status und die Rechte von Kriegsgefangenen zugestanden w&uuml;rden. Ungl&uuml;cklicherweise ist das internationale Staatensystem noch nicht so weit entwickelt, dass seine Gesetze durchgesetzt werden k&ouml;nnten, sodass es au&szlig;er Israel f&uuml;r seine Menschenrechtsverletzungen anzuprangern wenig gibt, was wir tun k&ouml;nnten, um seine &Uuml;bergriffe zu beenden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dem ist nichts hinzuzuf&uuml;gen.<\/p><p><small>Titelbild: Anas-Mohammed\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Warum Israels genozidaler Gaza-Krieg als Konsequenz eigentlich die politisch-moralischen Ma&szlig;st&auml;be des Westens ver&auml;ndern m&uuml;sste, es aber ganz offensichtlich nicht tut.<\/strong> Der Krieg, den Israel im Gazastreifen f&uuml;hrt, offenbart die tiefe moralische Krise, in der sich die westliche Staatengemeinschaft unter der F&uuml;hrung der USA befindet. 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