{"id":120914,"date":"2024-09-06T14:00:30","date_gmt":"2024-09-06T12:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120914"},"modified":"2024-09-06T12:38:48","modified_gmt":"2024-09-06T10:38:48","slug":"afrika-trifft-sich-in-peking-in-der-chinesischen-hauptstadt-werden-die-beziehungen-zu-afrika-weiter-ausgebaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120914","title":{"rendered":"Afrika trifft sich in Peking: In der chinesischen Hauptstadt werden die Beziehungen zu Afrika weiter ausgebaut"},"content":{"rendered":"<p>Trotz der geographischen N&auml;he, der kolonialen Vergangenheit und vielschichtigen historischen Verbindungen wird Afrika in Europa haupts&auml;chlich als Kontinent der Hoffnungslosigkeit, ja als Gefahr dargestellt. Im Gegensatz zu den Machthabern in Br&uuml;ssel hat Peking das unermessliche Potential des Kontinents erkannt und errichtet dort seit Jahrzehnten den Schwerpunkt seiner globalen Einflussnahme aus. Derzeit findet vor diesem Hintergrund in Peking der China-Afrika-Gipfel statt. Von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Pekings Pr&auml;senz<\/strong><\/p><p>Die Pr&auml;senz der Volksrepublik China dort ist allumfassend. In einem riesigen geographischen Bogen erstreckt sich dieser Einfluss quer &uuml;ber den Kontinent von Algerien bis Namibia, basierend auf der au&szlig;enpolitischen Doktrin der Volksrepublik, nach der Afrika der erste Baustein auf dem Weg zu der angestrebten globalen Umgestaltung ist.<\/p><p>Basierend auf dieser au&szlig;enpolitischen Doktrin haben die Chinesen ein historisches Vorbild auserkoren, n&auml;mlich den Eunuchen-Admiral Zheng He, welcher im 15. Jahrhundert mit einer Flotte riesiger Dschunken, die die Karavellen der Portugiesen jener Zeit &uuml;bertrafen, den Indischen Ozean &uuml;berquerte, wodurch mit den V&ouml;lkern Afrikas ein f&uuml;r beide Seiten vorteilhafter Handel entstand.<\/p><p><strong>Schon in den ersten Jahrzehnten der Volksrepublik war Afrika im Fokus der Pekinger Geostrategen<\/strong><\/p><p>1961 errang Tanganjika, das heutige Tansania, seine Unabh&auml;ngigkeit von der britischen Kolonialherrschaft. Seit 1964, vereint mit Sansibar, schlug die junge afrikanische Republik einen sozialistischen Weg ein und wurde von den fr&uuml;heren Kolonialm&auml;chten sanktioniert. Die reichen Kupfervorkommen konnten nicht mehr &uuml;ber die Eisenbahnverbindung &uuml;ber den s&uuml;dafrikanischen Hafen Durban exportiert werden. Tansania bat die wirtschaftlich starken L&auml;nder, die Weltbank und den Internationalen W&auml;hrungsfonds um Hilfe f&uuml;r den Bau einer unabh&auml;ngigen Bahnverbindung nach Daressalam. Nur die (damals) junge Volksrepublik war bereit zu helfen und stellte nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch das Material und die n&ouml;tigen Maschinen zur Verf&uuml;gung. Das gesamte chinesische Volk stand f&uuml;r die Hilfe der afrikanischen Br&uuml;der ein, die sich gerade aus der kolonialen Herrschaft befreit hatten.<\/p><p>Diese Freundschaft half China wenige Jahre sp&auml;ter beim Kampf um internationale Anerkennung, zum Beispiel bei der Wiederherstellung von Chinas rechtm&auml;&szlig;igem Sitz in den Vereinten Nationen.<\/p><p>Mit der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas nach Einf&uuml;hrung der offenen Wirtschaftspolitik der Volksrepublik entwickelte sich die freundschaftliche, gleichberechtigte Zusammenarbeit mit den L&auml;ndern Afrikas. Bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts investierte China in viele Projekte in Afrika. Investitionen und Projekte. Heute dringt China auf drei Wegen in Afrika vor. Zun&auml;chst sind da die gro&szlig;en Projekte der Rohstoffbeschaffung, welche von staatlichen Konzernen gelenkt werden. Dann die umfangreichen Initiativen des privaten chinesischen Kapitals und nat&uuml;rlich die massiven Investitionen in die Infrastruktur, wie auch andernorts in der Welt.<\/p><p>Unabh&auml;ngig davon, ob diese Pl&auml;ne sich umsetzen lassen, es ist auf jeden Fall erstaunlich, dass bei allen zukunftsweisenden Infrastruktur-Projekten die Chinesen die Initiative &uuml;bernehmen, w&auml;hrend Europ&auml;er und Amerikaner zunehmend in die Rolle des Zaungastes gedr&auml;ngt werden.<\/p><p><strong>Drache und Strau&szlig;<\/strong><\/p><p>Im Gegensatz zu den Europ&auml;ern haben die Chinesen den afrikanischen Boom schon lange im Blick. Der senegalesische Experte Adama Gaye w&auml;hlte die Metapher &bdquo;vom Drachen und vom Strau&szlig;&ldquo; (Le Dragon et l&rsquo;autrauche) in seinem gleichnamigen Buch, um das afrikanisch-chinesische Verh&auml;ltnis zu charakterisieren.<\/p><p>Gaye bef&uuml;rchtet aber, dass die Entwicklung f&uuml;r Afrika negativ sein k&ouml;nnte, beziehungsweise dass die Afrikaner eine neue Form der Kolonisierung durchlaufen. Bei der Er&ouml;ffnungszeremonie des China-Afrika-Forums am 4. September betonte Xi, dass China in der n&auml;chsten Zeit rund 46 Milliarden Euro an Darlehen f&uuml;r Afrika aufwenden wird. Vor den rund 50 angereisten Staats- und Regierungschefs Afrikas verk&uuml;ndete Xi umfangreiche Kooperationen und bot Partnerschaften in den Bereichen Milit&auml;r, Aus- und Fortbildung, Handel, landwirtschaftliche Entwicklung und erneuerbare Energien an. Au&szlig;erdem &uuml;bte Xi scharfe Kritik an der Rolle des Westens in Afrika.<\/p><p>Das chinesische Staatsoberhaupt regte daher an, die Beziehungen zwischen China und allen afrikanischen Staaten, mit denen die Volksrepublik diplomatische Verbindungen unterhalte, auf die Ebene strategischer Beziehungen zu heben. Xis Rede wurde von Applaus unterbrochen, auch als dieser verlautbarte, die Volksrepublik strebe an, Milit&auml;r&uuml;bungen mit afrikanischen Staaten abzuhalten. Die Volksrepublik China, so hat es Xi Jinping schon im Vorfeld postuliert, soll im Jahr 2049 an der Spitze aller Staaten der Welt stehen. Dieser Anspruch wird insbesondere in Washington sorgenvoll registriert. Denn Peking hat sich zum Ziel gesetzt, die USA als Weltmacht Nummer Eins abzul&ouml;sen.<\/p><p>Hier liegt auch die Ursache f&uuml;r die sich zuspitzende Krisen-Konstellation und f&uuml;r den Feldzug Washingtons gegen Peking, zu dessen Teilnahme die USA ihre Alliierten immer nachdr&uuml;cklicher auffordert. In Afrika, so scheint es, ist die Zahl der potenziellen Verb&uuml;ndeten Washingtons &uuml;berschaubar, so wie im sogenannten Globalen S&uuml;den zur Stunde &uuml;berhaupt, wo man sich genau an die &Auml;u&szlig;erungen von Josep Borrell erinnert. Jener EU-Chefdiplomat, ohne Zweifel ein Mann von gestern, der Europa als &bdquo;Garten&ldquo; betrachtet, den Rest der Welt als &bdquo;Dschungel&ldquo;.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=c_Qk1KSt7yM\">China Africa Forum<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114328\">Afrika entgleitet dem Westen und das ist f&uuml;r die Afrikaner wohl auch gut so<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101779\">China-Strategie der Bundesregierung: Aktionismus, Protektionismus und Inkompetenz<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86833\">Streit um Umgang mit Russland: S&uuml;dafrikanische Au&szlig;enministerin verwahrt sich gegen &bdquo;Bevormundung und Einsch&uuml;chterungsversuche&ldquo; durch USA und EU<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119675\">August 1962: Die entscheidende Rolle der CIA bei der Inhaftierung von Nelson Mandela und der vergessene Beitrag Kubas zu dessen Freilassung<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz der geographischen N&auml;he, der kolonialen Vergangenheit und vielschichtigen historischen Verbindungen wird Afrika in Europa haupts&auml;chlich als Kontinent der Hoffnungslosigkeit, ja als Gefahr dargestellt. Im Gegensatz zu den Machthabern in Br&uuml;ssel hat Peking das unermessliche Potential des Kontinents erkannt und errichtet dort seit Jahrzehnten den Schwerpunkt seiner globalen Einflussnahme aus. 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