{"id":121169,"date":"2024-09-12T10:28:28","date_gmt":"2024-09-12T08:28:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121169"},"modified":"2024-09-13T07:49:58","modified_gmt":"2024-09-13T05:49:58","slug":"ab-in-die-urne-wahlbeteiligung-soll-kriterium-bei-ausstattung-von-krankenkassen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121169","title":{"rendered":"Ab in die Urne \u2013 Wahlbeteiligung soll Kriterium bei Ausstattung von Krankenkassen werden"},"content":{"rendered":"<p>Eine Bundesbeh&ouml;rde will beim Risikostrukturausgleich neue Wege gehen. Wo weniger gew&auml;hlt wird, soll auch weniger Geld f&uuml;r die Gesundheitsversorgung landen. Nicht, um Demokratiemuffel abzustrafen, sondern aus Gr&uuml;nden der Gerechtigkeit und streng evidenzbasiert. Denn die Forschung wei&szlig;: Wer arm und ungebildet ist, braucht weniger Gesundheit und Zeit zum Leben. Das ist Zynismus im Maxipack. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1789\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-121169-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240912-Wahlbeteiligung-Kriterium-bei-Ausstattung-von-Krankenkassen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240912-Wahlbeteiligung-Kriterium-bei-Ausstattung-von-Krankenkassen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240912-Wahlbeteiligung-Kriterium-bei-Ausstattung-von-Krankenkassen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240912-Wahlbeteiligung-Kriterium-bei-Ausstattung-von-Krankenkassen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=121169-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240912-Wahlbeteiligung-Kriterium-bei-Ausstattung-von-Krankenkassen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240912-Wahlbeteiligung-Kriterium-bei-Ausstattung-von-Krankenkassen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Haben Sie sich, in der Wahlkabine stehend, schon einmal gedacht: Hoffentlich bekommt das auch meine Krankenkasse mit. Sicher nicht, denn: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ob man w&auml;hlen geht oder nicht &ndash; eine Versicherung geht das nichts an. So kann man sich t&auml;uschen. Das Bundesamt f&uuml;r Soziale Sicherung (BAS) schickt sich gerade an, eine sogenannte Reform auf den Weg zu bringen, die den Urnengang und den Gang zum Arzt sehr wohl in Beziehung setzt &ndash; und das in einer finanziell betr&auml;chtlichen Dimension. Der Landesverband der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Sachsen-Anhalt rechnet mit nicht weniger als 24 Millionen Euro an Einbu&szlig;en, sollten die Pl&auml;ne umgesetzt werden. Allen Landeskassen zusammen drohten sogar Verluste von 50 Millionen Euro.<\/p><p>Wie das? Das <a href=\"https:\/\/www.bundesamtsozialesicherung.de\/de\/bas\/ueber-das-bas\/\">BAS<\/a>, bis 2019 unter dem Namen Bundesversicherungsamt (BVA) bekannt, f&uuml;hrt die Aufsicht &uuml;ber die 63 bundesunmittelbaren Krankenkassen samt Pflegekassen und ber&auml;t sie in Fragen rund um Haushalt, Satzung, Verm&ouml;gen und Versichertenleistungen. In dieser Funktion k&uuml;mmert sich die Beh&ouml;rde insbesondere darum, dass zwischen den einzelnen Kassen keine allzu gro&szlig;en Ungleichheiten entstehen. Bekanntlich gibt es solche, die vermehrt junge und gesunde Menschen mit geregeltem Einkommen unter Vertrag haben &ndash; &bdquo;gute Risiken&ldquo; &ndash;, und solche, die &uuml;berwiegend &auml;ltere, sozial benachteiligte und krankheitsanf&auml;llige Menschen als Kunden haben &ndash; &bdquo;schlechte Risiken&ldquo;. Um zwischen allen Anbietern einen Ausgleich herzustellen, ersann die Politik den &bdquo;Risikostrukturausgleich&ldquo; (RSA). Kassen mit ung&uuml;nstiger Versichertenstruktur bekommen verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig mehr Mittel, jene mit g&uuml;nstiger Struktur entsprechend weniger aus dem sogenannten Gesundheitsfonds zugewiesen, in den alle Versicherten ihre Beitr&auml;ge einzahlen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Absurder Vorschlag&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nun haben die Verantwortlichen aber den Ehrgeiz, das System fortzuentwickeln, sprich die Kriterien und ihre Gewichtung untereinander zu verfeinern, um so f&uuml;r noch mehr &bdquo;Gerechtigkeit&ldquo; zu sorgen. Den Anfang dazu haben sie schon 2021 gemacht. Seither werden beim RSA auch Merkmale ber&uuml;cksichtigt, die nicht zwingend einen gesundheitlichen Bezug haben. Zum Beispiel spielt bei der Verteilung der Gelder jetzt auch eine Rolle, wie gro&szlig; der Anteil an kleineren und mittleren Unternehmen in der jeweiligen Region ist. Das muss man nicht verstehen, aber die Experten haben gewiss ihre Gr&uuml;nde daf&uuml;r.<\/p><p>Ihr neuester Kniff st&ouml;&szlig;t dagegen weithin auf Unverst&auml;ndnis, nicht nur bei den Krankenkassen. Die Skepsis weht durch das ganze Parteienspektrum. In Sachsen-Anhalt, wo das Vorhaben zuerst die Runde machte, zeigen sich neben den Oppositions- auch s&auml;mtliche Regierungsparteien, also CDU, SPD und FDP, alarmiert. Vom Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist gar der Satz &uuml;berliefert: &bdquo;Das ist ein absurder Vorschlag, der auf keinen Fall umgesetzt werden darf.&ldquo; Gesagt hat er das der <em>Bild<\/em>, die am Montag titelte: &bdquo;Irrer Beh&ouml;rdenplan: Keine Zahnreinigung f&uuml;r Nicht-W&auml;hler&ldquo; (hinter Bezahlschranke). Der Schluss ist fraglos zugespitzt und ein St&uuml;ck weg von der Wahrheit, aber im Kern auch nicht ganz falsch.<\/p><p><strong>Armut und Mangelversorgung<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich will das BAS ab kommendem Jahr die Wahlbeteiligung zu einem Faktor bei der Verteilung der Beitragsgelder machen, konkret die bei der Bundestagswahl vor drei Jahren. Dem lie&szlig;e sich dahingehend durchaus ein Sinn abgewinnen: Wo weniger gew&auml;hlt wird, d&uuml;rfte das allgemeine Bildungsniveau niedriger sein, d&uuml;rften mehr sozial Abgeh&auml;ngte leben, die der Politik und der Demokratie aus Frust den R&uuml;cken gekehrt haben. In diese Richtung denkt auch Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsgruppe Die Linke. &bdquo;Von Armut betroffene Menschen gehen seltener w&auml;hlen, sind aber &ouml;fter und schwerer krank&ldquo;, bemerkte sie im Gespr&auml;ch mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Was l&auml;ge da n&auml;her, als genau in diesem Umfeld die Gesundheitsversorgung aufzuwerten.<\/p><p>Denkste! Die BAS-Pl&auml;ne, abgefasst in einem 190-seitigen <a href=\"https:\/\/www.bundesamtsozialesicherung.de\/fileadmin\/redaktion\/Risikostrukturausgleich\/Festlegungen\/2025\/01_Klassifikation_AJ2025_Anhoerung.zip\">Konzeptpapier<\/a> vom Juni, zielen auf das genaue Gegenteil. Dort, wo weniger Menschen zur Wahl gehen, soll auch weniger Geld an die Krankenkassen flie&szlig;en. Die Magdeburger <em>Volksstimme<\/em>, die wiederholt &uuml;ber den Fall berichtete (alle Artikel hinter Bezahlschranke), hat beim BAS eine Erkl&auml;rung eingeholt. &bdquo;Wie sich gezeigt hat, steht die Wahlbeteiligung in einem statistisch signifikanten Zusammenhang zu der H&ouml;he der sich auf Ebene der Kreise ergebenden &Uuml;ber- und Unterdeckungen.&ldquo; Aha! So &auml;hnlich liest sich das schon in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats zur Weiterentwicklung des RSA von 2018. Die Wahlbeteiligung k&ouml;nne demnach <a href=\"https:\/\/www.bundesamtsozialesicherung.de\/fileadmin\/redaktion\/Risikostrukturausgleich\/Wissenschaftlicher_Beirat\/20180710webGutachten_zu_den_regionalen_Verteilungswirkungen_2018.pdf\">&bdquo;als Anhaltspunkt f&uuml;r das regionale Sozialkapital&ldquo;<\/a> angesehen werden, hei&szlig;t es da.<\/p><p><strong>Wer arm ist, stirbt fr&uuml;her<\/strong><\/p><p>Aber jetzt kommt es: Wie die Beh&ouml;rde gegen&uuml;ber der <em>&Auml;rztezeitung<\/em> erl&auml;uterte, gehe <a href=\"https:\/\/www.aerztezeitung.de\/Politik\/BAS-RSA-Kriterium-Wahlbeteiligung-bedingt-keine-Leistungskuerzung-452607.html\">&bdquo;eine niedrige Wahlbeteiligung einher mit einer &Uuml;berdeckung&ldquo;<\/a> und eine hohe mit einer Unterdeckung. &Uuml;berdeckung bedeutet, die Kassen haben mehr Finanzmittel aus dem Gesundheitsfonds erhalten, als sie zur Versorgung ihrer Versicherten ben&ouml;tigen. Bei einer Unterdeckung beanspruchten die Versicherten mehr, als ihrer Kasse gem&auml;&szlig; Zuteilungsplan zustand. Das BAS kann die Paradoxie auch aufl&ouml;sen. Bei gleicher Morbidit&auml;t w&uuml;rden &bdquo;Personen mit niedrigerem sozialen Status tendenziell weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen&ldquo;. Die tats&auml;chlich anfallenden Leistungsausgaben seien geringer &bdquo;als die Leistungsausgaben von Personen mit beispielsweise h&ouml;heren Bildungsabschl&uuml;ssen oder h&ouml;herem Einkommen&ldquo;.<\/p><p>Das ist harter Tobak. Hier wird ein gravierender gesellschaftlicher Missstand identifiziert &ndash; n&auml;mlich der, dass armen Menschen nicht die gebotene gesundheitliche Versorgung zuteil wird, obwohl sie beziehungsweise weswegen sie (auch) nach allgemein <a href=\"https:\/\/www.aerztezeitung.de\/Panorama\/Arm-arbeitslos-frueher-tot-402362.html\">anerkanntem Forschungsstand<\/a> deutlich eher schwer erkranken und versterben als Angeh&ouml;rige finanziell besser gestellter Schichten. Aber anstatt der Misere zu begegnen und die Kapazit&auml;ten des Gesundheitssystems so umzuschichten, damit arme Menschen ihre Versorgungsanspr&uuml;che einl&ouml;sen k&ouml;nnen, zieht man die genau falschen Schl&uuml;sse. Man nutzt die Gelegenheit, um mehr Mittel zu denen zu schleusen, die ohnehin schon besser versorgt werden &ndash; und unterf&uuml;ttert das Ganze scheinbar wissenschaftlich mit dem von jedem sozio-&ouml;konomischen Kontext isolierten Pseudobefund: Wer nicht w&auml;hlt, geht auch nicht zum Onkel Doktor.<\/p><p><strong>In Erkl&auml;rungsn&ouml;ten<\/strong><\/p><p>Kein Wunder, dass so etwas nicht gut ankommt. Kein Wunder auch, dass einmal mehr rechtspopulistische Kreise den Vorgang auszuschlachten versuchen und ihn &uuml;ber ihre Kan&auml;le als Abstrafung f&uuml;r nicht genehmes staatsb&uuml;rgerliches Verhalten verhandeln &ndash; was nat&uuml;rlich grober Unsinn ist. Besagter beim BAS angesiedelter Expertenbeirat hatte im Januar in einem <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/5_Publikationen\/Gesundheit\/Berichte\/Gutachten_Regionale_Merkmale_RSA.pdf\">Gutachten<\/a> selbst festgestellt, eine &bdquo;Operationalisierung auf Individualebene w&auml;re rein theoretisch als Variable &sbquo;gew&auml;hlt letzte Bundestagswahl ja\/nein&lsquo; m&ouml;glich, verbietet sich aber, da hiermit gegen den Grundsatz der Wahlfreiheit versto&szlig;en w&uuml;rde und dies unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig w&auml;re&ldquo;. Deshalb habe man beschlossen, &bdquo;die Variable nicht weiter zu pr&uuml;fen&ldquo;. Das BAS lie&szlig; jedoch nicht davon ab und stellt sich heute auf den Standpunkt, die Verwendung auf regionaler Ebene sei &bdquo;nicht Gegenstand dieses Gutachtens&ldquo; gewesen.<\/p><p>Geschrieben steht das in einer <a href=\"https:\/\/www.bundesamtsozialesicherung.de\/de\/service\/newsroom\/detail\/klarstellung-des-bundesamts-fuer-soziale-sicherung-zur-verwendung-der-regionalvariablen-wahlbeteiligung-im-risikostrukturausgleich-rsa\/\">Klarstellung<\/a>, zu der sich die Beh&ouml;rde wegen &bdquo;ungenauer&ldquo; und &bdquo;falscher&ldquo; Medienberichte veranlasst sah. Welche Kriterien zur Berechnung des RSA konkret angewendet werden, sei f&uuml;r das Ausgleichsjahr 2025 noch nicht abschlie&szlig;end entschieden, erkl&auml;rte Amtspr&auml;sident Frank Plate und verwies auf die nahe Beschlussfassung am Monatsende. Zudem versicherte er, zwischen der Wahlbeteiligung und den Leistungen, die eine einzelne Krankenkasse ihren Versicherten anbiete, bestehe &bdquo;kein direkter kausaler Zusammenhang&ldquo;. Deshalb seien &bdquo;Leistungsk&uuml;rzungen einzelner Krankenkassen (&hellip;) nicht zu erwarten.&ldquo;<\/p><p><strong>Fokus auf vulnerable Gruppen<\/strong><\/p><p>Das bleibt freilich abzuwarten, denn wo umverteilt wird, gibt es immer Gewinner und Verlierer. Zum Beispiel warnte Tobias Krull, CDU-Abgeordneter im Magdeburger Landtag, vor h&ouml;heren Beitr&auml;gen oder K&uuml;rzungen beim Angebot, weil vor allem freiwillige Leistungen wie Zahnreinigungen oder R&uuml;ckenschulkurse demn&auml;chst auf der Kippe stehen k&ouml;nnten. Das ist ein wichtiger Punkt. Es ist anzunehmen, dass vor allem Zusatzleistungen, die &uuml;ber den Regelkatalog hinausgehen, &auml;rmeren Menschen vorenthalten werden, sei es, weil sie diese aus Unwissenheit nicht nachfragen oder wegen der straffen Budgetvorgaben von &Auml;rzten nicht verordnet bekommen. Gesundheit hat viel zu tun mit Wissen, Bildung und Information. Wer von diesen Ressourcen abgeschnitten ist, tr&auml;gt auch ein gr&ouml;&szlig;eres Risiko, zu erkranken oder eine Erkrankung nicht rechtzeitig zu erkennen. Auch solche Vers&auml;umnisse bilden sich in den Bilanzen als &bdquo;&Uuml;berdeckung&ldquo; ab. &Uuml;berspitzt ausgedr&uuml;ckt: Ein rascher Tod kostet eine Krankenkasse viel weniger als eine langj&auml;hrige Therapie zur Gesunderhaltung.<\/p><p>&bdquo;Man kann nur noch staunend den Kopf sch&uuml;tteln bei den skurrilen Ideen, die der Gesundheitspolitik einfallen, um die absurden Ausw&uuml;chse des Wettbewerbs unter den Krankenkassen einzud&auml;mmen&ldquo;, befand Vogler von der Linkspartei. &bdquo;Wir brauchen einen grundlegenden Wandel weg von einem profitorientierten Gesundheitssystem, und ganz sicher haben politische Vorgaben im Risikostrukturausgleich absolut nichts zu suchen.&ldquo; Apropos: Faktoren mit eindeutigem Gesundheitsbezug, n&auml;mlich Fallzahlen zu &bdquo;Station&auml;re Pflege&ldquo; oder &bdquo;Pflegebed&uuml;rftige&ldquo;, sollen nach den BAS-Planspielen aus dem RSA-Katalog herausfallen. Weshalb?<\/p><p>Das fragt sich auch Anna Mahler, Sprecherin der AOK Sachsen-Anhalt. &bdquo;Das Bundesgesundheitsministerium sollte dringend den Fokus auf vulnerable Gruppen richten&ldquo;, befand sie gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em>. &bdquo;Pflegebed&uuml;rftige, Zuzahlungsbefreite, B&uuml;rgergeldempf&auml;nger und Erwerbsminderungsrentner m&uuml;ssten beim Zuweisungsmechanismus des Risikostrukturausgleichs viel st&auml;rker ber&uuml;cksichtigt werden. Und nat&uuml;rlich d&uuml;rfen sachfremde Themen wie die Wahlbeteiligung keine Auswirkungen auf die Finanzierung der Gesundheitsversorgung haben.&ldquo;<\/p><p><strong>Nicht mit Lauterbach?<\/strong><\/p><p>BAS-Pressesprecher Alexander Hamacher widerspricht dem. &bdquo;Die Wahlbeteiligung ist einer von mehreren Indikatoren zur Abbildung regionaler sozialer Unterschiede, die Auswirkungen auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen haben&ldquo;, sagte er den <em>NachDenkSeiten<\/em>. &bdquo;Das Instrument tr&auml;gt dazu bei, einen erheblichen Teil regionaler Ungleichheiten hinsichtlich der Verteilung der Mittel aus dem Gesundheitsfonds zu reduzieren und damit einerseits regionale Risikoselektionsanreize zu verhindern und den Krankenkassen andererseits faire Wettbewerbsbedingungen zu verschaffen.&ldquo; Und wie zum Beweis der Perfidie des Systems setzte er hinzu: &bdquo;Studien zeigen, dass sozial schw&auml;chere Bev&ouml;lkerungsgruppen &ndash; die in Regionen mit niedriger Wahlbeteiligung leben &ndash; bei vergleichbarer Krankheitslast tendenziell weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen.&ldquo; Dagegen will seine Beh&ouml;rde augenscheinlich nichts unternehmen.<\/p><p>Aber warum nennt Gesundheitsminister Lauterbach das Ganze dann einen &bdquo;absurden Vorschlag&ldquo;? Und wieso erst jetzt? Laut <em>Volksstimme<\/em> hat sein nordrhein-westf&auml;lischer Amtskollege Karl-Josef Laumann (CDU) ihn schon im Januar in einem Brief zu einer Neujustierung des Regelwerks aufgefordert, ankn&uuml;pfend an die Rezepte der AOK &ndash; also mehr R&uuml;cksicht auf vulnerable Gruppen. Passiert ist seither offenbar nichts. Stattdessen lie&szlig; er das seinem Ministerium unterstellte Bundesamt eifrig Pl&auml;ne schmieden, die er nun, kurz vor Toresschluss, via <em>Bild-Zeitung<\/em> als Unsinn abtut. Wei&szlig; Lauterbach nicht, was seine Untergebenen treiben, oder hatte er gehofft, die Sache w&uuml;rde unter dem &ouml;ffentlichen Radar durchflutschen? Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Noch bleiben drei Wochen Bedenkzeit: Der 30. September ist der Tag der Entscheidung.<\/p><p><small>Titelbild: Elena Babanova\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3a0b77ab8d1142cf9d169aa78ab33e61\" alt=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Bundesbeh&ouml;rde will beim Risikostrukturausgleich neue Wege gehen. Wo weniger gew&auml;hlt wird, soll auch weniger Geld f&uuml;r die Gesundheitsversorgung landen. Nicht, um Demokratiemuffel abzustrafen, sondern aus Gr&uuml;nden der Gerechtigkeit und streng evidenzbasiert. Denn die Forschung wei&szlig;: Wer arm und ungebildet ist, braucht weniger Gesundheit und Zeit zum Leben. Das ist Zynismus im Maxipack. 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