{"id":12121,"date":"2012-02-03T17:04:54","date_gmt":"2012-02-03T16:04:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12121"},"modified":"2015-01-18T12:19:37","modified_gmt":"2015-01-18T11:19:37","slug":"nachtrag-zur-rolle-und-zum-versagen-der-gewerkschaften-bei-einfuhrung-der-riester-rente-und-anderem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12121","title":{"rendered":"Nachtrag zur Rolle und zum Versagen der Gewerkschaften bei Einf\u00fchrung der Riester-Rente und anderem"},"content":{"rendered":"<p>In den NachDenkSeiten konnten Sie in den letzten Tagen Texte zu einer Kontroverse &uuml;ber die Rolle der Gewerkschaften bei der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente finden. Der Verdi Vorsitzende Bsirske hatte sich kritisch ge&auml;u&szlig;ert. Ursula Engelen-Kefer hat <a href=\"\/?p=12064\">darauf geantwortet<\/a> und ihren Widerstand gegen die Bef&uuml;rworter im DGB und bei einzelnen Gewerkschaften beschrieben. Volker Bahl sieht ein schwerwiegendes Demokratie-Defizit bei der Austragung von politischen Kontroversen &uuml;ber ein so grundlegendes Thema wie die <a href=\"\/?p=12098\">Rentenreform<\/a>. &ndash; Bei der Lekt&uuml;re dieser Kontroverse f&auml;llt mir auf, dass nahe liegende Defizite nicht beschrieben werden: Die Gewerkschaften haben die Bedeutung der Meinungsmache und die Dominanz ihrer Gegenseite nicht gesehen und haben es vers&auml;umt, den Aufbau von Gegen&ouml;ffentlichkeit zu organisieren oder wenigstens dabei mitzuwirken. Nicht nur bei der Riester-Rente, auch beim Thema Agenda 2010, bei der Konjunkturpolitik, bei der Kampagne zu den Lohnnebenkosten, zu den Steuer-Abz&uuml;gen und damit gegen &ouml;ffentliche Leistungen. Nicht einmal bei der Kampagne gegen den angeblichen Gewerkschaftsstaat sind sie aufgewacht. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nIch muss und will vor die Klammer ziehen: Gewerkschaften sind sehr notwendig. Das kollektive Handeln der Arbeitnehmerschaft w&auml;re und ist so wichtig wie im 19. Jahrhundert. Weil ich das so sehe, macht mich das Versagen, gerade auch das unn&ouml;tige Versagen so kritisch. <\/p><p>Noch eine Vorbemerkung: Die Gewerkschaften haben es schwer. Sie sind finanziell und publizistisch ihren Gegnern haushoch unterlegen. Umso wichtiger w&auml;re es, intelligent zu analysieren und strategisch vorzugehen. Mit beidem war es in der Vergangenheit nicht allzu gut bestellt. Es fehlte an kritischen Analysen und an guten Strategien.<\/p><p><strong>Es folgen einige erg&auml;nzende Beobachtungen und Thesen &ndash; ohne Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit:<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Die Gewerkschaften und ihre Mitglieder sind offensichtlich nicht immun gegen die Kampagnen der Meinungsmache. Sie waren in den vergangenen 30 bis 40 Jahren Opfer &ndash; teilweise so fremdbestimmt wie SPD und Gr&uuml;ne.<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Beispiel Privatvorsorge<\/strong><br>\nRiester-Rente, R&uuml;rup-Rente und betriebliche Altersvorsorge\/Entgeltumwandlung:<br>\nZur Einf&uuml;hrung und Durchsetzung dieser von Interessen bestimmten Projekte gab es sp&auml;testens 1998 beim Bundestagswahlkampfes eine massive Kampagne der interessierten Banken und Versicherungsunternehmen zum angeblichen demographischen Problem und der daraus angeblich folgenden Notwendigkeit, f&uuml;rs Alter und f&uuml;r den Fall der Krankheit privat vorzusorgen. Eine Serie von schwarz-gr&uuml;nen Anzeigen und Werbespots begleiteten die damalige politische Auseinandersetzung. Sie pr&auml;gten schon wegen des hohen finanziellen Ertrags die Meinung der Medien und sie pr&auml;gten in Ans&auml;tzen die &ouml;ffentliche Meinung. Sp&auml;ter lief diese Kampagne in vielen Variationen und nahezu in allen Medien weiter, begleitet von Kommissionen und Studien, von Bertelsmann Stiftung und eigens gegr&uuml;ndeten Initiativen.\n<p>Die Mitglieder der Gewerkschaften waren dieser Kampagne hilflos ausgeliefert. Die Gewerkschaften selbst haben nicht gegengehalten. Sie wurden &uuml;ber Meinungsmache und &uuml;ber finanzielle Anreize und potentielle Jobs gekapert. Die betriebliche Altersvorsorge zum Beispiel mindert zwar die gesetzliche Rente. Aber dieser Nachteil wurde &uuml;berspielt mit Vorteilen f&uuml;r jene, die die Arrangements f&uuml;r die betriebliche Altersvorsorge im konkreten Fall trafen. Sie konnten damit innerhalb der Mitgliedschaft werben. Der beispielhafte Fall des <a href=\"\/?p=10590\">Betriebsratsvorsitzenden von Iveco<\/a> zeigt, dass die betriebliche Altersversorgung auch ein Feld f&uuml;r Korruption war.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften h&auml;tten sp&auml;testens bei der Bundestagswahl 1998 widersprechen und dagegen halten m&uuml;ssen, schon allein um ihre Mitglieder gegen die Propaganda zu immunisieren.<\/p><\/li>\n<li><strong>Beispiel Konjunktur und Arbeitspl&auml;tze:<\/strong><br>\nDie Strategie der Widersacher der Gewerkschaften und der Arbeitnehmerschaft war und ist &auml;u&szlig;erst intelligent. Eigentlich nahe liegend: sie haben erkannt, dass ein hohes, jedenfalls ein gewisses Ma&szlig; an Arbeitslosigkeit den Arbeitnehmern die Alternative nimmt und damit tendenziell Druck auf die L&ouml;hne aus&uuml;bt. So ist es geschehen. Seit &uuml;ber 20 Jahren sind die Reall&ouml;hne in Deutschland nicht mehr nennenswert gestiegen. Der Anteil der Arbeitnehmerschaft, messbar an der Lohnquote, ist gefallen &ndash; von &uuml;ber 71 auf 62 % \n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/120203_bild1.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<p>Vertreter der Wirtschaft und konservativer Kreise haben die Strategie offen beim Namen genannt. Sie sprachen in Anlehnung an die Terminologie von Marx davon, eine Reservearmee von Arbeitslosen geschaffen zu haben. Siehe dazu das Zitat von Sir Alan Budd: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;&hellip;die Erh&ouml;hung der Arbeitslosigkeit war mehr als w&uuml;nschenswert, um die Arbeiterklasse insgesamt zu schw&auml;chen. [&hellip;] Hier wurde &ndash; in marxistischer Terminologie ausgedr&uuml;ckt &ndash; eine Krise des Kapitalismus herbeigef&uuml;hrt, die die industrielle Reservearmee wiederherstellte, und die es den Kapitalisten fortan erlaubte, hohe Profite zu realisieren.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p> (Britischer Notenbanker Sir Alan Budd, The New Statesman, 13. Januar 2003, S. 21)<\/p>\n<p>Teile der Gewerkschaften haben das Problem erkannt und immer wieder eine aktive Besch&auml;ftigungspolitik und auch Konjunkturprogramme gefordert. Andere haben sich dem allgemeinen Gerede angeschlossen, Konjunkturprogramme seien Strohfeuer und die Instrumente des National&ouml;konomen Keynes h&auml;tten sich in den siebziger Jahren als gescheitert erwiesen. Diese Parole wurde sowohl von rechten konservativen Kreisen ausgegeben als auch von sich links empfindenden Sozialwissenschaftlern und Gewerkschaftern verbreitet. CDU\/CSU-Politiker wiederholten Ausgangs der Siebzigerjahre anfangs der achtziger Jahre vor jeder erreichbaren Fernsehkamera, die Konjunkturprogramme der Regierung Schmidt h&auml;tten sich als nutzlos erwiesen. Das stimmte zwar nicht, aber die Parole wurde durch Wiederholung zur Wahrheit. In linken Kreisen war die Einsch&auml;tzung beliebt, weil sie das Scheitern des Kapitalismus zeigte.<\/p>\n<p>Mir pers&ouml;nlich ist immer noch in grauenhafter Erinnerung, wie ma&szlig;gebliche Mitarbeiter des damaligen IG-Metall Vorsitzenden Zwickel im Jahr 2003 in einer kleinen Runde auf meinen Vorschlag reagierten, die IG-Metall solle von der Regierung Schr&ouml;der wegen der Rezession konjunkturpolitische Ma&szlig;nahmen verlangen. Das sei doch &uuml;berholt, das war in der Leitungs- und Planungsetage dieser gro&szlig;en Gewerkschaft die g&auml;ngige Meinung. <\/p>\n<p>Wenn die Leitungsebene einer Gewerkschaft zu denkt, dann unterbleibt jeder Versuch, die Mitglieder und Arbeitnehmerschaft insgesamt gegen die Propaganda zu immunisieren. Es ist dann kein Wunder, dass damit wiederum der eigene Aktionsraum eingeschr&auml;nkt wird.<\/p>\n<p>Nicht immer und massiv auf eine aktive Besch&auml;ftigungspolitik gedr&auml;ngt zu haben, halte ich f&uuml;r einen zentralen Fehler. Die Reservearmee, die Drohung mit Arbeitslosigkeit wirkt ja nicht nur als Druck auf die L&ouml;hne, die Drohung mit Arbeitslosigkeit verhindert auch die tats&auml;chliche Nutzung der sozialen und Arbeitnehmerrechte.<br>\n&Uuml;brigens: Bis heute ist eine der Ursachen f&uuml;r die mangelnde Sensibilit&auml;t f&uuml;r konjunkturelle Fragen die Exportorientierung wichtiger Gewerkschaften. Die strategische Bedeutung der St&auml;rkung der Binnennachfrage haben die m&auml;chtigen Gewerkschaften nicht kapiert. Oder sie sind wenig solidarisch mit jenen Arbeitnehmern und Gewerkschaften, die vor allem auf dem Binnenmarkt t&auml;tig sind.<\/p><\/li>\n<li><strong>Beispiel: Lohnnebenkosten, Abz&uuml;ge, Steuern und der Spielraum f&uuml;r &ouml;ffentliche Leistungen<\/strong>\n<p><strong>Im Kapitel 13 meines Buches Meinungsmache habe ich unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Die Verarmung des Staates als strategischer Hebel&ldquo; skizziert, wie schon mithilfe von Propaganda systematisch daran gearbeitet worden ist, den &ouml;ffentlichen Bereich einzuschr&auml;nken und den Boden f&uuml;r Privatisierung und Deregulierung aufzubereiten. Unter <a href=\"\/?page_id=4138#l08\">Ziffer 8. der Leseproben<\/a> finden Sie diesen Text.<\/strong> <\/p>\n<p>Die Kampagne gegen zu hohe Abz&uuml;ge begann nach meiner Erinnerung im Jahr 1973. Dagegen zu bestehen war f&uuml;r Gewerkschafter nicht leicht, das gebe ich zu, aber es w&auml;re genauso wichtig gewesen, dagegen anzugehen, wie auch der Kampagne zu den angeblich zu hohen Lohnnebenkosten zu widersprechen.<br>\nBeides ist nicht geschehen, von einzelnen Stimmen abgesehen. Die angeblich zu hohen Lohnnebenkosten und angeblichen Verursacher der Arbeitslosigkeit waren zentrale Parolen zur Vorbereitung der Agenda 2010 und damit zu einer weiteren Schw&auml;chung der Gewerkschaften durch die Einf&uuml;hrung von Hartz IV und die de facto Abschaffung der Arbeitslosenversicherung.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Argloses Mitmachen um mitzugestalten<\/strong>\n<p>Die Gewerkschaften wurden von Bundeskanzler Schr&ouml;der Anfang seiner Kanzlerschaft zum &bdquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit&ldquo; gebeten. Sie waren dann eingeladen, an Kommissionen mitzuwirken, zum Beispiel an der R&uuml;rup-Kommission. Sie haben in ihrer bestimmenden Mehrheit offenbar nicht gemerkt, dass dies Einrichtungen waren, die dazu bestimmt waren, Schr&ouml;ders Agenda 2010 jenseits des Parlaments vorzubereiten und durchzusetzen. Das h&auml;tte man aber wissen jedenfalls sehr bestimmt ahnen k&ouml;nnen. Das &bdquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit&ldquo; ist von der Bertelsmann Stiftung federf&uuml;hrend begleitet worden. Die R&uuml;rup-Kommission hatte die Funktion, die sozialen Sicherungssysteme in ihrer Wirkung einzuschr&auml;nken. Prof. Raffelh&uuml;schen hat das Ergebnis zutreffend beschrieben. Ich zitiere die Aussagen Raffelh&uuml;schens &uuml;ber die Arbeit der R&uuml;rup-Kommission aus dem Film &bdquo;Rentenangst&ldquo;:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Die Rente ist sicher, nur hat kein Mensch mitgekriegt, dass wir aus der Rente schon l&auml;ngst eine Basisrente gemacht haben. Das ist alles schon passiert. Wir sind runter gegangen durch den Nachhaltigkeitsfaktor und durch die modifizierte Bruttolohnanpassung. Diese beiden Dinge sind schon l&auml;ngst gelaufen, ja, waren im Grunde genommen nichts anderes als die gr&ouml;&szlig;te Rentenk&uuml;rzung, die es in Deutschland jemals gegeben hat. (&hellip;) Aus dem Nachhaltigkeitsproblem der Rentenversicherung ist quasi ein Altersvorsorgeproblem der Bev&ouml;lkerung geworden.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum waren die Gewerkschafter\/innen nicht ann&auml;hernd so schlau wie dieser Professor aus Freiburg?<\/p>\n<p>Das ist ein Beispiel von vielen. Bei Harz IV und den anderen Elementen der Agenda 2010 gab es ebenfalls keinen geballten Widerstand und immer jene, die mitmachten, um mitzugestalten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Den Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit vers&auml;umt <\/strong>\n<p>Sp&auml;testens 2000, bei Gr&uuml;ndung der Propagandaorganisation &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; und ihrer Ausstattung mit 100 Million DM von Seiten der Metall- und Elektro-Arbeitgeber, h&auml;tten die Gewerkschaften verstehen m&uuml;ssen, dass es jetzt an der Zeit ist, am Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit zu arbeiten oder jedenfalls mitzuwirken. Ich habe damals, von 2001-2003, versucht, den DGB und einzelne Gewerkschaften f&uuml;r die Mitwirkung an und Unterst&uuml;tzung der NachDenkSeiten zu gewinnen. Ohne durchschlagenden Erfolg. Das ist vielleicht gut f&uuml;r die NachDenkSeiten. Es ist eine verpasste Chance der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Auch auf vielen anderen, schon erw&auml;hnten Gebieten ist es nicht gelungen, den Kampagnen der Arbeitgeber und der Wirtschaft Paroli zu bieten. Zugegeben, es ist schwer. Aber auf Gewerkschaftsseite hat man noch nicht richtig verstanden, wie gef&auml;hrlich die fremde und wie wichtig die eigene Meinungsmache in der heutigen Zeit ist.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Macht- und Personalstrukturen wurden zulasten der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften ver&auml;ndert. Die Gewerkschaften h&auml;tten dar&uuml;ber aufkl&auml;ren m&uuml;ssen.<\/strong>\n<p>Vielleicht haben sie das unterlassen, um ihren Machtverlust unter der Decke zu halten, nicht sichtbar werden zu lassen. Hier ein paar Beispiele: die Wirtschaft hat sich in den Redaktionen der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender, bei den privaten sowieso, extrem breitgemacht. Es gibt keine Talkshow mit Arbeitnehmer-N&auml;he, es gibt keinen Intendanten, der der Arbeitnehmerschaft verbunden ist, der Sachverst&auml;ndigenrat ist einseitig besetzt. Am wichtigsten: die Agentur f&uuml;r Arbeit ist unter den Einfluss der Wirtschaft gekommen, ihr Chef Weise hat nicht einmal ein Fitzelchen von Arbeitnehmer-Stallgeruch. Entsprechend einseitig sind die &ouml;ffentlichen Verlautbarungen. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r viele andere Einrichtungen.<br>\nDie Gewerkschaften haben den Machtverlust hingenommen, ohne diese strukturellen Ver&auml;nderungen beim Namen zu nennen und anzuklagen. Damit haben sie es vers&auml;umt, ihre Mitglieder und Anh&auml;nger zu immunisieren. Diese wissen ja zum Beispiel nicht, dass der Chef der Arbeitsagentur von der Arbeitgeberseite kommt. Und dies dauernd. Sie wissen noch nicht, wie einseitig die Meinungs- und Interessenstrukturen inzwischen bei den &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien sind.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften haben nicht einmal widersprochen, als der Spiegel zum Beispiel am 18. November 2002 mit einem Aufmacher kam, der Schr&ouml;der als &bdquo;Kanzler der Gewerkschaften&ldquo; darstellte und im Text vom &bdquo;Gewerkschaftsstaat&ldquo; schwadronierte. Vielleicht f&uuml;hlten sie sich geehrt. Das war eine groteske Fehleinsch&auml;tzung. Diese damalige Kampagne, die sich &uuml;ber den Spiegel-Titel hinaus in anderen Beitr&auml;gen niederschlug, diente der Vorbereitung der Agenda 2010. Schr&ouml;der sollte eine Begr&uuml;ndung daf&uuml;r geliefert werden, nicht allzu viel R&uuml;cksicht auf die Gewerkschaften nehmen zu m&uuml;ssen. Eine strategische Meisterleistung, wie ich finde. Die f&uuml;hrenden Gewerkschafter haben das nicht gemerkt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Gewerkschafter sind analytisch nicht sonderlich begabt und strategisch auch nicht.<\/strong>\n<p>Es ist nicht bekannt, dass es einen f&uuml;hrenden Gewerkschafter g&auml;be, der ernst nimmt, dass es eine Option f&uuml;r eine politische Mehrheit mit arbeitnehmerfreundlichem Akzent nicht ohne Akzeptanz der Mitwirkung der Linkspartei geben wird. Wenn diese Mitwirkung ausgeschlossen wird, wie sowohl bei dem DGB Vorsitzenden wie auch bei Vorsitzenden wichtiger Einzelgewerkschaften, wie bei IG-Metall und IG BCE anzunehmen ist, dann bleibt nur die Fortsetzung von Schwarz-Gelb oder die gro&szlig;e Koalition. Sonderlich arbeitnehmerfreundlich ist keine der beiden Optionen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Jemand von der anderen Seite sitzt mit am Tisch<\/strong>\n<p>Ohne Frage, Gewerkschafter haben es schwer. Diese Anmerkung ist nicht nur eine formal gedachte Entschuldigung f&uuml;r manches Versagen. Wie schwer, das wird besonders daran sichtbar, dass es in den Reihen von Gewerkschaftern auch immer Personen gibt, die dem anderen Lager sehr sehr nahe stehen. Dazu ein konkretes Beispiel: es gibt in Deutschland eine sehr konservative Einrichtung, die auch dem Ideologietransfer vom konservativen Amerika nach Europa dient: die Atlantikbr&uuml;cke. Hier der Link auf die <a href=\"http:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/\">Frontseite<\/a>. Wenn Sie die Seite mit dem <a href=\"http:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/ueber-uns\/gremien\/\">Vorstand<\/a> &ouml;ffnen, dann werden Sie dar&uuml;ber informiert, dass Friedrich Merz einer der beiden Vorsitzenden ist und  dass Mitglied im Vorstand Michael Zissis Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, aus Hannover ist. &ndash; Sicher wieder nur ein Fall von mitmachen um mitzugestalten! Mehr f&auml;llt einem dazu nicht ein.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den NachDenkSeiten konnten Sie in den letzten Tagen Texte zu einer Kontroverse &uuml;ber die Rolle der Gewerkschaften bei der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente finden. Der Verdi Vorsitzende Bsirske hatte sich kritisch ge&auml;u&szlig;ert. Ursula Engelen-Kefer hat <a href=\"\/?p=12064\">darauf geantwortet<\/a> und ihren Widerstand gegen die Bef&uuml;rworter im DGB und bei einzelnen Gewerkschaften beschrieben. 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