{"id":12129,"date":"2012-02-05T14:08:16","date_gmt":"2012-02-05T13:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12129"},"modified":"2015-01-18T12:21:18","modified_gmt":"2015-01-18T11:21:18","slug":"betr-kostenlose-tagesschau-app-der-bundesverband-deutscher-zeitungsverleger-will-das-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12129","title":{"rendered":"Betr.: Kostenlose Tagesschau App  &#8211; Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger will das nicht."},"content":{"rendered":"<p>Und  ARD und ZDF drohen einzuknicken. Die Verleger haben offensichtlich ihre Finger auch in der Willensbildung ihrer Konkurrenz. Das kann niemand gefallen, die\/der eine lebendige Medienlandschaft als wichtig f&uuml;r unsere Demokratie betrachtet. Dazu ein Beitrag von <strong>Erika Fuchs<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wer hat Angst vorm BDZV?<\/strong><\/p><p>Von Erika Fuchs<\/p><p>Verstehe einer die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender! Da wird in Deutschland die Talfahrt des Qualit&auml;tsjournalismus bei  Zeitungen beklagt &ndash;  und ARD und ZDF agieren weiterhin so als ginge sie das gar nichts an. Statt die L&uuml;cke zu nutzen, die die Verleger ihnen publizistisch &ouml;ffnen, handeln sie weiterhin so passiv als m&uuml;ssten sie sich daf&uuml;r entschuldigen, dass es sie &uuml;berhaupt gibt.<\/p><p>Aktuelles Beispiel: der Streit um die Tageschau App. Den Verlegern passt es nicht, dass es der ARD gelungen ist, auf dem Zukunftsmarkt der so genannten mobilen Anwendungen eines der popul&auml;rsten Produkte entwickelt zu haben. Die kostenlose Tagesschau App erm&ouml;glicht es jedem, der ein Smartphone oder einen so genannten Tablet Computer wie das I-Pad besitzt, nicht nur die Tagesschau zu sehen, sondern auch einzelne Beitr&auml;ge abzurufen und die dazu geh&ouml;renden Texte zu lesen. Die Verleger halten das &ndash; wen wunderts &ndash; f&uuml;r Wettbewerbsverzerrung. Deshalb klagen sie zurzeit vor dem Landgericht K&ouml;ln und berufen sich darauf, dass ARD und ZDF keine &bdquo;elektronische Presse&ldquo; betreiben d&uuml;rften. Juristisch betrachtet, haben die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen bei diesem Streit die weitaus besseren Karten. Zum einen ist die Tagesschau App nur eine technische Weiterentwicklung des Internet-Angebots Tagesschau.de, das seit Jahren unbeanstandet existiert. Zum anderen besitzen sie eine verfassungsrechtlich best&auml;tigte Bestands &ndash; und Entwicklungsgarantie. Da das Internet die Trennung zwischen den herk&ouml;mmlichen Medien Rundfunk und Print ohnehin aufhebt, ist es per se sinnlos, ARD und ZDF auf Bilder zu beschr&auml;nken. Zudem l&auml;sst es sich mit Fug und Recht als Betrug am Geb&uuml;hrenzahler bezeichnen, dass die Sender auf Druck der Verleger hin ihre Angebote im Netz nach einer gewissen Zeit wieder l&ouml;schen m&uuml;ssen. <\/p><p>So weit, so simpel. Nun machte allerdings die <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/ffentlich-Rechtliche-im-Netz\/!86624\/\">taz<\/a> letzte Woche bekannt, dass Verleger und &Ouml;ffentlich-Rechtliche einen Entwurf entwickelt haben. Tenor: ARD  und ZDF beschr&auml;nken sich haupts&auml;chlich auf Video und Audio, die Verleger auf Text. Zur&uuml;ck also in die Medien-Steinzeit! Zudem wollen sich die Sender in Zukunft aus der lokalen Berichterstattung m&ouml;glichst zur&uuml;ckziehen &ndash; gerade so als h&auml;tten wir nicht seit Jahren eine Zeitungskonzentration, die den Leser auf Gedeih und Verderb an sein Monopolblatt fesselt. <\/p><p>Noch ist dieser Entwurf nur ein Entwurf. Erschreckend ist es aber trotzdem, dass er &uuml;berhaupt in dieser Form verfasst werden konnte. Dass der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger eine starke Lobby in der Politik hat, ist bekannt. Dass er bei ARD und ZDF, deren journalistische Angebote er immer wieder begrenzen will, einen gro&szlig;en Stein im Brett hat, kann niemandem gefallen, der eine lebendige Medienlandschaft als wichtig f&uuml;r unsere Demokratie betrachtet.<\/p><p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Wie schon bei der Beschr&auml;nkung der Online-Angebote der Rundfunkanstalten, geht es mal wieder um eine <a href=\"?p=3288\">&bdquo;Zensur durch den Markt&ldquo;<\/a> genauer um eine Zensur, durch die sich ach so sehr f&uuml;r die Meinungsfreiheit einsetzenden Zeitungsverleger. Die Beschr&auml;nkung der Tagesschau-Apps ist ein absurder Skandal.<br>\nHier k&ouml;nnten z.B. die SPD und die Gr&uuml;nen, sie wirklich einmal konkret f&uuml;r die Freiheit im Netz einsetzen. Auch die Piraten Partei w&auml;re eigentlich gefordert ihre Stimme zu erheben. Das w&auml;re mal eine Aufgabe f&uuml;r den Vorsitzenden der Rundfunkkommission der L&auml;nder, den rheinland-pf&auml;lzischen SPD-Ministerpr&auml;sidenten Kurt Beck oder f&uuml;r die medienpolitischen Sprecher und die zust&auml;ndigen Staatssekret&auml;re in den SPD-gef&uuml;hrten L&auml;ndern bzw. der Partei die Gr&uuml;nen.<br>\nSchreiben oder mailen Sie doch diese einfach an und schicken ihnen den Beitrag von Erika Fuchs.<br>\nSie k&ouml;nnten auch die Rundfunkratsvorsitzenden Ihrer Rundfunkanstalten auffordern, Druck auf Ihre Intendanten zu machen, nicht weiter den Informationsauftrag des durch unsere Geb&uuml;hren finanzierten &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks beschneiden zu lassen.<br>\nIn den allermeisten Rundfunkr&auml;ten sitzen auch Vertreter der Gewerkschaften, fragen Sie doch einfach einmal nach, was diese gegen diese geplanten Eingriffe in die Informationsfreiheit zu unternehmen gedenken.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und ARD und ZDF drohen einzuknicken. 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