{"id":121634,"date":"2024-09-21T19:10:01","date_gmt":"2024-09-21T17:10:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121634"},"modified":"2024-09-23T14:41:54","modified_gmt":"2024-09-23T12:41:54","slug":"gaza-krieg-und-justiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121634","title":{"rendered":"Gaza: Krieg und Justiz"},"content":{"rendered":"<p>Seit nunmehr gut elf Monaten herrscht in Gaza ein Inferno, welches mit dem Wort Krieg zu harmlos beschrieben wird. Hier wird vor den Augen der Welt&ouml;ffentlichkeit ein V&ouml;lkermord ver&uuml;bt, den wir nach 1945 nicht mehr f&uuml;r m&ouml;glich gehalten haben. Sie alle kennen die grauenerregenden Details, die uns t&auml;glich &uuml;ber Radio und Fernsehen geliefert werden, obwohl sie bei Weitem nicht die Realit&auml;t abbilden, Teile verharmlosen oder verschweigen und nicht einmal das kritische Niveau der israelischen Presse erreichen. Von <strong>Norman Paech<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Anzahl der Opfer steigt t&auml;glich, selbst ausgewiesene Flucht- und Sicherheitszonen sind nicht vor gezielten Angriffen sicher. Wer nicht bei der immer wiederkehrenden und deprimierenden Aufz&auml;hlung der Opfer stehen bleiben will, sollte nach den Gr&uuml;nden f&uuml;r die vollkommen aus den Normen geratene Kriegswut fragen. Der Hintergrund der Kriegsziele und ihrer Motive mag da einigen Aufschluss geben, der aber leider nur die Bef&uuml;rchtung n&auml;hrt, dass auch dieses furchtbare Massaker noch l&auml;nger dauern wird.                                                 <\/p><p>Betrachten wir also die Intention und Strategie der Hauptbeteiligten Israel, USA und Hamas. <\/p><p><strong>1. Netanjahu spricht offen aus, was er will, und man sollte ihn w&ouml;rtlich nehmen: die Vernichtung der Hamas, was immer es kostet.<\/strong><\/p><p>Das ist die Vollstreckung des expansiven und aggressiven Zionismus, wie er bei Ben Gurion schon angelegt und von Wladimir Zeev Jabotinsky weiter in die j&uuml;dische Gesellschaft gepflanzt wurde. Ob Schamir, Scharon, Olmert oder Netanjahu, sie alle sind Exponenten dieses scharfen, auf Expansion, Landraub und Vertreibung zielenden Zionismus nach dem alten Schlachtruf von Ben Gurion. <em>&bdquo;Ein Land ohne Volk f&uuml;r ein Volk ohne Land&ldquo;<\/em>. Was 1948\/49 mit der Staatsgr&uuml;ndung Israels f&uuml;r die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung zur Nakba &ndash; Katastrophe wurde, war nur der Auftakt einer Vision, die der Zionismus nie aus den Augen verloren hat. Wer drohte, sie zu vergessen oder zu verleugnen, wie <em>Rabin<\/em>, wurde ermordet. Die Radikalit&auml;t dieser Ideologie scheute nie vor Krieg und milit&auml;rischer Gewalt zur&uuml;ck, da ihr mit ihrer milit&auml;rischen &Uuml;berlegenheit der Sieg immer sicher war. Allerdings werden das Ausma&szlig; und die Unbedingtheit dieser Radikalit&auml;t erst jetzt in Gaza deutlich, wo die politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung die Schwelle zum V&ouml;lkermord &uuml;berschreitet. Auch der US-amerikanische &Ouml;konom Michael Hudson macht sich keine Illusionen &uuml;ber die historische Tiefe dieser Politik. In seinen Worten:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der V&ouml;lkermord, den Sie heute erleben, ist also eine ausdr&uuml;ckliche Politik, und das war die Politik der Vorv&auml;ter, der Gr&uuml;nder Israels. Die Idee eines Landes ohne Menschen war ein Land ohne Araber, ein Land ohne nicht-j&uuml;dische Menschen. Das war es, was es wirklich bedeutete. Sie sollten noch vor der offiziellen Gr&uuml;ndung Israels, der ersten Nakba, dem arabischen Holocaust, vertrieben werden. Und die beiden israelischen Premierminister waren Mitglieder der Stern-Bande von Terroristen. Die Terroristen wurden zu den Herrschern Israels &hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>In einem Wei&szlig;buch, das mehr als eine Woche nach dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 ver&ouml;ffentlicht wurde, pr&auml;sentiert das &bdquo;Institut f&uuml;r nationale Sicherheit und zionistische Strategie&ldquo; <em>&bdquo;einen Plan f&uuml;r die Umsiedlung und endg&uuml;ltige Eingliederung der gesamten Bev&ouml;lkerung des Gazastreifens in &Auml;gypten&ldquo;<\/em>, der auf der &bdquo;einzigartigen und seltenen Gelegenheit zur Evakuierung des gesamten Gazastreifens&ldquo; basiert. Verfasser ist Amir Weitman, ein Investmentmanager und Gastforscher. Das Dokument beginnt mit der Feststellung, dass im benachbarten &Auml;gypten zehn Millionen Wohnungen leer stehen, die &bdquo;sofort&ldquo; mit Pal&auml;stinensern besetzt werden k&ouml;nnten. <em>&bdquo;Der nachhaltige Plan stimmt gut mit den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen des Staates Israel, &Auml;gyptens, der USA und Saudi-Arabiens &uuml;berein.&ldquo;<\/em> Weitmann schl&auml;gt zudem vor, dass Israel diese Grundst&uuml;cke f&uuml;r f&uuml;nf bis acht Milliarden Dollar kauft, die gerade einmal 1 bis 1,5 Prozent des israelischen BIP entsprechen.<\/p><p>Im Jahr 2004 legte der israelische Demograph Arnon Sofer von der Universit&auml;t Haifa der Regierung von Ariel Scharon detaillierte Pl&auml;ne f&uuml;r die Isolierung des Gazastreifens vor. Die Pl&auml;ne umfassten den vollst&auml;ndigen Abzug der israelischen Streitkr&auml;fte aus dem Gebiet und den Aufbau eines strengen &Uuml;berwachungs- und Sicherheitssystems, das gew&auml;hrleistet, dass niemand und nichts ohne israelische Genehmigung ein- oder ausreisen kann. So geschah es dann auch, Scharon lie&szlig; 2005 die Armee abziehen und evakuierte die Siedler. 2006, nach dem Wahlsieg der Hamas, verh&auml;ngte er eine totale Blockade &uuml;ber den Gazastreifen. Sofer prophezeite ein st&auml;ndiges Blutbad:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn 2,5 Millionen Menschen in einem abgeriegelten Gazastreifen leben, wird das eine menschliche Katastrophe sein. Diese Menschen werden zu noch gr&ouml;&szlig;eren Tieren werden, als sie es heute sind &hellip; Der Druck an der Grenze wird furchtbar sein. Es wird ein schrecklicher Krieg werden. Wenn wir also am Leben bleiben wollen, werden wir t&ouml;ten, t&ouml;ten und t&ouml;ten m&uuml;ssen. Den ganzen Tag, jeden Tag &hellip; Das Einzige, was mich beunruhigt, ist die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass die Jungen und M&auml;nner, die das T&ouml;ten &uuml;bernehmen m&uuml;ssen, nach Hause zu ihren Familien zur&uuml;ckkehren und normale Menschen sein k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Prophetische Worte, die Israel keine 20 Jahre sp&auml;ter in die Realit&auml;t umsetzen sollte. Weitman, der diese Pl&auml;ne nat&uuml;rlich kannte, vermutet, dass Westeuropa <em>&bdquo;den Transfer der gesamten Bev&ouml;lkerung des Gazastreifens nach &Auml;gypten&ldquo;<\/em> &ndash; eine vergleichbar humane L&ouml;sung &ndash; begr&uuml;&szlig;en wird, da dies <em>&bdquo;das Risiko der illegalen Wanderung erheblich verringern wird &hellip; ein enormer Vorteil&ldquo;<\/em>. Auch Riad werde die Umsiedlung begr&uuml;&szlig;en, da die Evakuierung des Gazastreifens die Beseitigung eines wichtigen Verb&uuml;ndeten des Iran bedeutet.\t\t<\/p><p>Unabh&auml;ngig von den ideologischen Triebkr&auml;ften spielt nat&uuml;rlich die &Uuml;berlebenstrategie Netanjahus in diesem Krieg eine besondere Rolle. Sein R&uuml;ckhalt in der israelischen Bev&ouml;lkerung ist stark geschrumpft: die zahlreichen Korruptionsvorw&uuml;rfe, sein Angriff auf die Justiz mit einem offen rassistischen Kabinett und die wachsenden Zweifel an seiner Kriegsf&uuml;hrung ohne erkennbare R&uuml;cksicht auf die Geiseln in Gaza. Eine Verst&auml;ndigung mit der Hamas &uuml;ber ein schnelles Ende des Krieges w&uuml;rde auch f&uuml;r ihn das Ende seiner politischen Immunit&auml;t und den Anfang eines peinlichen Prozesses bedeuten. Es gibt Stimmen, die vermuten, dass Netanjahu den Krieg bis zu den US-Wahlen hinziehen wird und in dem m&ouml;glichen neuen Pr&auml;sidenten Trump seinen Rettungsanker sieht &ndash; eine tr&uuml;gerische Hoffnung.<\/p><p><strong>2. Schauen wir auf die USA. Sie sind f&uuml;r Netanjahu und Israel seit Jahrzehnten der st&auml;rkste Verb&uuml;ndete und Schutzschild, so wie Israel f&uuml;r die USA der wichtigste Pfeiler im Mittleren Osten ist.<\/strong><\/p><p>Das liegt nicht nur an der j&uuml;dischen und evangelikalen Lobby in Washington, sondern vor allem an den nach wie vor in der Region liegenden reichen &Ouml;lvorkommen. Die strategische Position eines unbedingt loyalen und abh&auml;ngigen Partners im arabischen Umfeld ist zudem besonders wichtig in der sich stetig aufbauenden Konfrontation zur Volksrepublik China. Die Dominanz im Nahen Osten ist einer der Fixpunkte US-amerikanischer Au&szlig;enpolitik seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Noch einmal Michael Hudson in einem k&uuml;rzlichen Interview zum Gaza-Krieg:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Was Sie heute sehen, ist es also nicht nur das Werk eines einzelnen Mannes, von Benjamin Netanjahu. Es ist das Werk des Teams, das Pr&auml;sident Biden zusammengestellt hat. Es ist das Team von Jake Sullivan, dem Nationalen Sicherheitsberater Blinken und dem ganzen tiefen Staat, der ganzen Neokongruppe hinter ihnen, Victoria Nuland und allen anderen. Sie alle sind selbst ernannte Zionisten. Und sie haben diesen Plan f&uuml;r die Beherrschung des Nahen Ostens durch Amerika Jahrzehnt f&uuml;r Jahrzehnt durchgespielt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Hudson meint sogar, dass die israelische Strategie der Besatzung und Kriegsf&uuml;hrung auf den US-amerikanischen Praktiken und Erfahrungen im Vietnam-Krieg aufbaut. Ich will darauf hier nicht weiter eingehen. Ich stimme aber der Quintessenz seiner Analyse zu, dass die israelische Besatzungspolitik auf der gemeinsamen Strategie mit den USA beruht, den pal&auml;stinensischen Faktor in der Region auszuschalten. &Uuml;ber die Methoden und Praktiken mag es, wie jetzt der Dissens &uuml;ber die Rafah-Offensive zwischen den Pr&auml;sidenten Biden und Netanjahu zeigt, Meinungsverschiedenheiten geben &ndash; im gemeinsamen Ziel ihrer Politik sind sie sich aber einig. Auch dies sieht Michael Hudson nicht anders:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich m&ouml;chte klarstellen, dass dies nicht einfach ein israelischer Krieg gegen die Hamas ist. Es ist ein von den USA unterst&uuml;tzter israelischer Krieg. Jeder von ihnen hat seine eigenen Ziele. Israels Ziel ist es, ein Land ohne nicht-j&uuml;dische Bev&ouml;lkerung zu haben. Und Amerikas Ziel ist es, dass Israel als lokaler Koordinator agiert, so wie es die Arbeit mit ISIS und den ISIS-Kommandeuren koordiniert hat, um sie gegen von den Vereinigten Staaten bereitgestellte Ziele zu wenden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Trotz aller &ouml;ffentlichen Kritik an der gnadenlosen Kriegsf&uuml;hrung der israelischen Armee &ndash; wenn es zur Abstimmung in der UNO kommt, kann Israel auf den Schutz der USA bauen. Die Stimmenthaltung der USA bei der Forderung nach einem Waffenstillstand im Sicherheitsrat sollte uns nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass die USA derzeit nicht gewillt sind, dieses Votum auch gegen&uuml;ber der israelischen Regierung durchzusetzen. Sie w&auml;re die einzige Regierung, die das k&ouml;nnte. Selbst schwere Kriegsverbrechen der israelischen Armee, die Biden jetzt r&uuml;gt, veranlassen ihn nicht zu wirksamen Ma&szlig;nahmen, diese zu unterbinden, zum Beispiel Stopp der Waffenlieferung oder Stopp der Finanzierung der Besatzung, so wie sie es unmittelbar nach den unbewiesenen Vorw&uuml;rfen Israels gegen das UNRWA verf&uuml;gt haben. Im Gegenteil, erst j&uuml;ngst Mitte Mai hat Biden dem Kongress wieder einen Plan f&uuml;r Waffenlieferungen in H&ouml;he von einer Milliarde Dollar vorgelegt. Das Verhandlungsangebot, das Biden vor ein paar Tagen vorgestellt hat, wird von Netanjahu boykottiert. Er ist von seinem alten Ziel, die Hamas zu vernichten, bisher nicht abger&uuml;ckt.<\/p><p><strong>3. Wer nach dem Hintergrund des Massakers vom 7. Oktober 2023 fragt, muss weit in die Geschichte des Pal&auml;stinakonfliktes zur&uuml;ckschauen, noch vor die Gr&uuml;ndung Israels und der Nakba 1948.<\/strong><\/p><p>Dieser Konflikt war von Anfang an ein Siedlerkonflikt um Land und Ressourcen. Er war nie friedlich, die Siedler nie willkommen, die Beziehungen zwischen ihnen und der arabischen Bev&ouml;lkerung immer von Gewalt gepr&auml;gt. Zahlreiche anglo-amerikanische Kommissionen, die das Land vor 1948 bereisten, haben die Ablehnung der fremden Kolonisatoren immer wieder bezeugt. Das beruhte auf Gegenseitigkeit, denn die j&uuml;dischen Siedler wollten nur das Land ohne das dort wohnende Volk. Betrachten wir die Geschichte Pal&auml;stinas aus der Vogelperspektive, so ist es eine Geschichte permanenter Gewalt durch Landraub, Besatzung, Vertreibung und Diskriminierung. Alle Friedenskonferenzen mussten scheitern, weil sie das Grund&uuml;bel dieses Siedlerkolonialismus nicht beseitigt haben, die Herrschaft der Besatzung. So musste es immer wieder zu Kriegen zwischen Besatzern und Besetzten, Herrschern und Beherrschten kommen &ndash; mit zunehmender Gewalt, Brutalit&auml;t und Terror auf beiden Seiten. Der 7. Oktober 2023 war in der Perspektive der Geschichte ein voraussehbarer Ausbruch aus der Gewalt, aus dem &bdquo;Freiluftgef&auml;ngnis&ldquo; Gaza.<\/p><p>Die Hamas hat auch in ihrer neuen Charta von 2017 das Ziel, das pal&auml;stinensische Territorium &bdquo;from the River to the Sea&ldquo; von dem &bdquo;zionistischen Projekt&ldquo; zu befreien. Der Ton ist nicht mehr so martialisch wie in der Charta von 1988, das Ziel ist jedoch nach wie vor die Errichtung eines souver&auml;nen pal&auml;stinensischen Staates Pal&auml;stina mit Jerusalem als Hauptstadt. Die Charta erw&auml;hnt zwar ausdr&uuml;cklich, dass der Konflikt kein religi&ouml;ser Konflikt sei und sich nicht gegen die Juden richtet, auch ist nicht von Vertreibung die Rede, aber &uuml;ber den Status der Juden in einem pal&auml;stinensischen Staat macht die Charta keine Angaben. Die Ziele der Hamas hat der ermordete F&uuml;hrer des politischen Fl&uuml;gels Hanieh seinerzeit sehr kurz und klar definiert: die Befreiung des Gazastreifens von der israelischen Besatzung und dem Milit&auml;r.<\/p><p>Wiederholt betont die Charta das Recht auf Widerstand mit allen Mitteln, zu denen auch der bewaffnete Kampf geh&ouml;rt. Dieses ist ein Recht, welches das V&ouml;lkerrecht, insbesondere das Erste Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen von 1977 in Art. 1 Absatz 4 allen Befreiungsbewegungen einr&auml;umt. Erst k&uuml;rzlich hat der chinesische Vertreter bei der Anh&ouml;rung des Internationalen Strafgerichtshofs zur Klage Nicaraguas gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen Unterst&uuml;tzung des V&ouml;lkermordes in Gaza den Pal&auml;stinensern das Recht auf bewaffneten Widerstand gegen die israelische Besatzung zugesprochen. In der NATO-Welt, zu der wir geh&ouml;ren, wird der Hamas die Qualit&auml;t als Befreiungsbewegung &ndash; mit der kuriosen Ausnahme Erdogans &ndash; streitig gemacht. Sie wird als Terrororganisation au&szlig;erhalb der internationalen Rechtsordnung gestellt. Wer sich an die antikolonialen Freiheitsk&auml;mpfe in den Sechziger- und Siebzigerjahren vor allem in Afrika erinnert, wei&szlig;, dass alle damaligen Befreiungsbewegungen als Terrororganisationen in den ehemaligen Kolonialstaaten bek&auml;mpft wurden. Erst mit dem Wechsel der K&auml;mpfer von Camouflage zu Nadelstreifen in der Regierung wurden sie entkriminalisiert.<\/p><p>Nun mag das von Hamas propagierte Gesellschaftsmodell uns nicht gefallen. Das ist v&ouml;lkerrechtlich jedoch unerheblich. Wesentlich ist, dass die Hamas f&uuml;r die Beseitigung eines v&ouml;lkerrechtlichen Missstandes, der Besatzung, k&auml;mpft, wozu sie mit dem Recht auf Selbstbestimmung berechtigt ist. Dass dieser Befreiungskrieg immer Phasen des Terrors &ndash; und zwar auf beiden Seiten &ndash; mit sich brachte, sollte nicht vergessen werden. In den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gab es jedoch noch keine internationale Strafgerichtsbarkeit, die die Terrorgewalt h&auml;tte verfolgen k&ouml;nnen.<\/p><p>Um es kurz zu machen. So sehr es auch allen Parteien und Fraktionen in Regierung und Parlament widerstrebt, die Hamas ist eine Befreiungsbewegung mit dem Recht auf bewaffneten Widerstand. Das verpflichtet sie jedoch gleichzeitig, die Regeln des humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts zu beachten, vor allem den Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung. Jeder Angriff auf zivile Einrichtungen und Personen beim 7. Oktober 2023 ist ein Kriegsverbrechen und muss strafrechtlich untersucht und verfolgt werden. Der Internationale Strafgerichtshof f&uuml;hrt derzeit Untersuchungen durch, der Antrag des Chefankl&auml;gers Karim Kahn auf Erlass eines Haftbefehls gegen die israelische Spitze Netanjahu und Gallant sowie den bereits ermordeten Hanieh und die milit&auml;rischen F&uuml;hrer Sinwar und Deif sind ein Zeichen daf&uuml;r, dass die internationale Justiz nun endlich ihre Verantwortung wahrnimmt und sich gegen die notorischen Bremser USA und Deutschland durchsetzen will.<\/p><p><strong>4. Blicken wir deswegen noch auf das V&ouml;lkerrecht, welche Rolle es bisher in diesem Konflikt gespielt hat und welche Bedeutung es f&uuml;r die Beendigung des V&ouml;lkermordes bekommen kann.<\/strong><\/p><p>Israel hat seit dem Krieg 1967 eine tiefe Verachtung des geltenden V&ouml;lkerrechts durch seine Besatzung gezeigt. Es war mit S&uuml;dafrika das am meisten durch die Institutionen der UNO verurteilte Land &ndash; und hat sich nie darum gek&uuml;mmert. Das hat immer gut gepasst zu dem notorischen V&ouml;lkerrechtsnihilismus der US-Administration, die das V&ouml;lkerrecht der UNO-Charta durch eine &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; ersetzen m&ouml;chte &ndash; wir kennen das. Es bed&uuml;rfte dieser neuen Ordnung nicht, wenn man sich an das V&ouml;lkerrecht hielte. Eine &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; hat jedoch den Vorteil, nach den eigenen Interessen gebastelt zu sein, nach der Devise: Die Regeln bestimmen wir. Keine Regierung Israels hat je eine Resolution akzeptiert und h&ouml;chstens mit dem Vorwurf des Antisemitismus reagiert. Die internationale Gerichtsbarkeit konnte dabei niemals eingreifen, es fehlte schlicht an Kl&auml;gern. Erst seit wenigen Jahren hat sich das grunds&auml;tzlich ge&auml;ndert. Es sind jetzt insgesamt vier Gerichtsverfahren vor den beiden Internationalen Gerichten in Den Haag gegen Israel anh&auml;ngig.<\/p><p>Es geht um zwei Forderungen vor dem Internationalen Gerichtshof: eine unmittelbar nach sofortigem Waffenstillstand, die andere nach Feststellung, dass der Krieg in Gaza ein V&ouml;lkermord sei. Der Internationale Gerichtshof konnte sich erst nach dem dritten Antrag Ende Mai entschlie&szlig;en, den sofortigen Waffenstillstand zu fordern. Das ist eine alle Beteiligten verpflichtende Resolution &ndash; wir haben gesehen, wie Israel reagiert hat. Das Gericht hat auch gesagt, dass der Vorwurf des V&ouml;lkermords plausibel sei, eine endg&uuml;ltige Entscheidung dar&uuml;ber kann aber noch Jahre dauern. <\/p><p>Der Internationale Strafgerichtshof war schon nach dem schweren Angriff der israelischen Armee zum Jahreswechsel 2008\/2009 mit &uuml;ber 2.000 Toten von den Pal&auml;stinensern angerufen worden. Die Untersuchungen wurden verz&ouml;gert und haben sich lange hingezogen, bis der Chefankl&auml;ger, der Brite Karim Khan, jetzt erst &ndash; 15 Jahre sp&auml;ter &ndash; einen Haftbefehl gegen Netanjahu, Verteidigungsminister Gallant und drei F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten der Hamas beim Gericht beantragt hat. Auf diese Entscheidung warten wir noch. W&uuml;rde der Haftbefehl ausgesprochen, h&auml;tte das f&uuml;r Netanjahu und Gallant gravierende Folgen. Jeder der etwa 124 Staaten, die sich der Rechtsprechung des Gerichtes unterworfen haben, w&auml;re verpflichtet, die beiden Politiker nach Den Haag auszuliefern, w&uuml;rden sie in einem der Staaten auftauchen. <\/p><p>Blicken wir etwas detaillierter auf dieses Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Zum Jahreswechsel 2008\/2009 gab es erhebliche israelische Angriffe auf Gaza. In der kurzen Spanne von zehn Tagen waren &uuml;ber 2.000 Tote Opfer der israelischen Armee. Pal&auml;stina hat sofort beim Internationalen Strafgerichtshof, kurz genannt IStGH, einen Antrag auf Ermittlung dieses &Uuml;berfalls auf Pal&auml;stina beantragt. Die rechtliche Grundlage daf&uuml;r ist das internationale Strafrecht, das sogenannte R&ouml;mische Statut, welches es seit 1998 gibt. Der daf&uuml;r zust&auml;ndige Gerichtshof, der Internationale Strafgerichtshof (IStGH), wurde im Jahre 2000 in Den Haag etabliert, wo er dann 2002 seine Arbeit aufnahm.<\/p><p>Es geschah zun&auml;chst nichts nach diesem Antrag, die Angriffe von 2008\/2009 zu untersuchen. Als dann allerdings 2014 eine zweite Milit&auml;roffensive gegen Gaza von der israelischen Armee gestartet wurde, die sogenannte Protective Edge, die 50 Tage dauerte mit weit &uuml;ber 2.000 Toten und &uuml;ber 10.000 Verletzten, wurde der Internationale Strafgerichtshof, d.h. seine Chefankl&auml;gerin Fatou Bensouda aktiv. Es begannen nun Untersuchungen wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und vor allen Dingen auch wegen der Siedlungst&auml;tigkeit seit dem Jahre 2014. <\/p><p>2019 berichtete Fatou Bensouda &uuml;ber ihre Vorermittlungen und erkl&auml;rte, sie seien abgeschlossen. Dann erkl&auml;rte sich auch der Internationale Gerichtshof 2021, also zwei Jahre sp&auml;ter, f&uuml;r zust&auml;ndig. Pal&auml;stina war seit 2015 Vertragsstaat und hatte das R&ouml;mische Statut anerkannt. Die Frage war jedoch: Gen&uuml;gt dieser Status f&uuml;r die Gerichtshoheit des IStGH &uuml;ber die besetzten Gebiete? Es hat dann zwei Jahre gedauert, bis der Strafgerichtshof seine Zust&auml;ndigkeit entschied, obwohl Pal&auml;stina in der UNO immer noch nicht als Staat anerkannt ist. Der Beobachterstatus reichte dem Gerichtshof f&uuml;r seine Zust&auml;ndigkeit, weswegen das Verfahren jetzt in offizielle Untersuchungen &uuml;bergeleitet werden konnte. Da spielte nun auch Artikel 7 des R&ouml;mischen Statuts mit den Tatbest&auml;nden Apartheid und Segregation als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine Rolle.<\/p><p>Lange Zeit geschah allerdings wiederum nichts. Das hing auch damit zusammen, dass Fatou Bensouda 2021 durch einen neuen Chefankl&auml;ger, den Engl&auml;nder Karim Khan, abgel&ouml;st wurde. Er tat vorerst nichts, bis sich dann im M&auml;rz 2023 32 UNO-Sonderberichterstatter in der UNO und beim Internationalen Strafgerichtshof beschwerten, warum offiziell bisher immer noch nicht untersucht worden sei. Man muss im Hintergrund wissen, dass ein solcher Chefankl&auml;ger eine politische Position ist, genauso wie auch in den nationalen Rechtsordnungen der europ&auml;ischen Staaten. Jeder Staatsanwalt ist abh&auml;ngig von seiner Regierung. So ist auch der Chefankl&auml;ger des IStGH abh&auml;ngig von den dominanten Staaten. Khan war der bevorzugte Kandidat von Gro&szlig;britannien und den USA, die in der Tat kein Interesse an der Untersuchung gegen Israel haben. Deswegen dauerte es so lange. <\/p><p>Wir erinnern uns daran, dass Khan im September 2021 die bereits laufenden Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan gegen die US-Soldaten wegen Foltervorw&uuml;rfen im Gef&auml;ngnis Bagram einstellte, offiziell wegen fehlender Kapazit&auml;ten und mangelnder Erfolgsaussichten. Er beschr&auml;nkte deshalb die Untersuchungen auf die Verfolgung m&ouml;glicher Kriegsverbrechen der Taliban. Pr&auml;sident Trump hatte schon seiner Vorg&auml;ngerin Fatou Bensouda mit Sanktionen gedroht, sollte weiter gegen US-Soldaten ermittelt werden. Auch der Mossad mit Yossi Cohen an der Spitze hat Bensouda massiv unter Druck gesetzt, die Untersuchungen fallenzulassen, wie der <em>Guardian<\/em> j&uuml;ngst am 28. Mai aufdeckte. Der Druck auf Khan wird nicht viel geringer gewesen sein, wie man jetzt aus den Reaktionen in Israel und den USA schlie&szlig;en kann. Trotzdem wurde er am 7. Oktober 2023 mit dem &Uuml;berfall der Hamas auf Israel pl&ouml;tzlich aktiv. Er begab sich nach Rafah, um die Untersuchung nun zu er&ouml;ffnen &ndash; nat&uuml;rlich nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die Hamas. <\/p><p>Und nun der politisch &uuml;berraschende, aber juristisch folgerichtige und gebotene Antrag eines Haftbefehls gegen Ministerpr&auml;sident Netanjahu und Verteidigungsminister Galant und gegen die drei F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten der Hamas Ismail Hanyieh, Yahya Sinwar und Mohammed Deif. Noch hat die zust&auml;ndige Kammer des Gerichtshofs dem Antrag nicht stattgegeben, aber die politische Wirkung ist bereits erheblich. Zum ersten Mal wagt es der Strafgerichtshof, einen Staatschef aus dem westlichen Lager zur Haft auszuschreiben. Er wird dem Antrag Khans folgen m&uuml;ssen, wenn er seine Glaubw&uuml;rdigkeit nicht verlieren will.<\/p><p>Die Frage bleibt zum Schluss: haben sich die Chancen f&uuml;r einen Frieden durch die Einschaltung der Internationalen Gerichtsbarkeit erh&ouml;ht? Es ist eine Illusion zu glauben, die Justiz k&ouml;nnte das erreichen, was die Politik nicht kann. Sie hat keine Durchsetzungsgewalt und ist f&uuml;r die Durchsetzung ihrer Entscheidungen auf die Politik, genauer den UN-Sicherheitsrat, angewiesen. Dennoch, in der Geschichte der Staaten ist die seit 2000 in Den Haag errichtete Strafgerichtsbarkeit ein historischer Fortschritt. Es begann 1945 &ndash; 1949 mit dem N&uuml;rnberger Tribunal der Alliierten. Es dauerte dann gut 50 Jahre der Verhandlungen, bis die Staaten 1998 ein internationales Strafgesetzbuch, das R&ouml;mische Statut, verabschiedeten, dem bisher 124 Staaten beigetreten sind. Im Jahr 2000 wurde der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag eingerichtet und am 26. Mai 2024 zum ersten Mal ein Haftbefehl gegen einen Staatschef des Westens beantragt. Es gab bis dahin nur Haftbefehle gegen Al Bashir im Sudan, Gaddafi in Libyen und Putin in Russland.<\/p><p>Der sehr viel &auml;ltere Internationale Gerichtshof in den Haag, der die Klagen der Staaten gegeneinander zu entscheiden hat, war schon einmal gegen einen Staat des Westens t&auml;tig gewesen: 1986, als Nicaragua gegen die USA klagte und in elf Punkten siegte. Ein historischer Erfolg, der allerdings die USA nicht zur geforderten Entsch&auml;digung bewegen konnte, aber Nicaragua zweifelsohne jetzt zu seiner Klage gegen die Bundesrepublik mitbewog.  Und nun, am 26. Februar 2024, wurde zum zweiten Mal ein Staat des Westens &ndash; Israel &ndash; verurteilt. Wenn auch hier Israel ebenso das Urteil nicht beachtete: Der Schaden f&uuml;r den Staat ist gr&ouml;&szlig;er, und die Bedeutung der internationalen Justiz ist gewachsen.<\/p><p>Lassen sie mich noch kurz auf ein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof eingehen, das zwar unspektakul&auml;r, aber politisch &auml;u&szlig;erst wichtig ist. Es wurde vor Kurzem mit einem Spruch abgeschlossen. &Uuml;berraschenderweise stellte am 9. Januar 2023 die UNO-Generalversammlung an den Internationalen Gerichtshof (IGH) die Aufforderung, &uuml;ber die Legalit&auml;t der israelischen Besatzung zu ermitteln (Artikel 36 IGH-Statut). Es geht um drei Fragen, die dem Gerichtshof gestellt wurden: Welche Rechtsfolgen sind aus der permanenten Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der Pal&auml;stinenser durch die Besatzung festzustellen? Und zweitens, welchen rechtlichen Status hat die Besatzung? Schlie&szlig;lich, welche rechtlichen Konsequenzen folgen daraus f&uuml;r dritte Staaten, zum Beispiel f&uuml;r die Bundesrepublik oder f&uuml;r Frankreich? Ende Februar 2024 gab es vor dem Gerichtshof Anh&ouml;rungen von 52 Staaten, die ihr Interesse an dem Verfahren angemeldet hatten, um ihre juristische Einsch&auml;tzung dem Gericht zu &uuml;bermitteln. Die Interessanteste war wohl die chinesische, die das Recht des pal&auml;stinensischen Volkes hervorhob, sich auch mit Waffengewalt gegen die Besatzung zur Wehr zu setzen.<\/p><p>Am 19. Juli hat nun der Gerichtshof sein 80-seitiges Gutachten abgeben, in dem er die andauernde Besatzung Israels f&uuml;r rechtswidrig erkl&auml;rt und Israel auffordert, die Siedlungst&auml;tigkeit sofort einzustellen, alle Siedler aus den besetzten Gebieten zu evakuieren und alle seine Truppen so schnell wie m&ouml;glich aus den besetzten Gebieten abzuziehen sowie Schadensersatz f&uuml;r die angerichteten Sch&auml;den zu leisten. Dabei belie&szlig; es der Gerichtshof aber nicht. Er fordert zugleich alle Staaten und Internationale Organisationen einschlie&szlig;lich der UNO auf, die Situation in den besetzten Gebieten nicht als legal anzusehen. Er ist &bdquo;der Auffassung, dass alle Staaten verpflichtet sind, die durch die unrechtm&auml;&szlig;ige Anwesenheit des Staates Israel in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten entstandene Situation nicht als rechtm&auml;&szlig;ig anzuerkennen und keine Hilfe oder Unterst&uuml;tzung bei der Aufrechterhaltung der durch die fortgesetzte Anwesenheit des Staates Israel in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten geschaffenen Situation zu leisten&ldquo;. Das sollte statt der Fotos von ihren sch&ouml;nen Reisen auf den Schreibtischen von Kanzler und Au&szlig;enministerin stehen. <\/p><p>Ich m&ouml;chte in diesem Zusammenhang noch kurz an ein Gutachten erinnern, welches der Internationale Gerichtshof schon 2004, ebenfalls auf Anfrage der UN-Generalversammlung, erstellt hatte: das sogenannte Mauer-Gutachten. Der Gerichtshof sollte pr&uuml;fen, ob die Mauer bzw. der Sperrzaun, den Israel rund um die besetzten Gebiete gezogen hat und immer noch zieht, rechtm&auml;&szlig;ig ist. Die Richter haben 2004 ihr Gutachten ver&ouml;ffentlicht, was allerdings nicht verbindlich ist. Aber die Sprache ist sehr klar. Die Mauer ist so weit rechtswidrig, als sie pal&auml;stinensisches Gebiet abzweigt. Denn die Israelis hatten die Mauer nicht nur auf ihrem Gebiet errichtet, sondern zu 80 Prozent auf pal&auml;stinensischem Territorium. Jeder Staat kann sich einmauern, aber er darf sich nat&uuml;rlich damit nicht gleichzeitig fremdes Gebiet aneignen. Der Gerichtshof hat Israel verpflichtet, die Mauer zur&uuml;ckzubauen und Entsch&auml;digung f&uuml;r die enteigneten Besitzer zu zahlen. Israel hat sich um nichts gek&uuml;mmert. Da der Internationale Gerichtshof aber keine Durchsetzungsm&ouml;glichkeiten hat, h&auml;ngt dieses Gutachten nun in der Luft. Der Gerichtshof hat zwar festgestellt, dass der &uuml;berwiegende Teil der Mauer rechtswidrig ist, kann aber nichts unternehmen, um seine Meinung auch durchzusetzen. <\/p><p>Bl&auml;ttern wir zur&uuml;ck. So brutal dieser Krieg seit dem 7. Oktober gef&uuml;hrt wird und so sehr die Selektion der Ziele und Gnadenlosigkeit der Bombardierungen den genozidalen Charakter dieses Krieges unterstreicht, so hat er doch paradoxerweise die Bedeutung seiner derzeit einzigen Gegenkraft, der internationalen Justiz, gest&auml;rkt. Vor allem hat sie den engen Zirkel der zur Unterst&uuml;tzung um Israel gescharten Staaten, die die UNO immer aus dem Konflikt heraushalten wollten, durchbrochen. Die aktive Einmischung zahlreicher unbeteiligter Staaten wie S&uuml;dafrika oder Nicaragua hat den Druck auf Israel, aber auch die USA und die BRD stark erh&ouml;ht. Netanjahus Vernichtungswahn wird nur von au&szlig;en zu stoppen sein, da die faschistischen Kr&auml;fte, die er um sich gesammelt hat, ihn immer best&auml;rken werden. Auch gerichtliche Verf&uuml;gungen und Urteile werden ihn nicht stoppen, aber sie k&ouml;nnen das menschenrechtliche Gewissen der engen Freunde Israels, die dieses Gewissen so gerne vor sich hertragen, sch&auml;rfen und mobilisieren. Dazu bleibt es in der Suche nach Frieden notwendig, auch ihre Wirkung und Durchsetzungskraft zu st&auml;rken. <\/p><p><small>Titelbild: Anas-Mohammed \/ shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr gut elf Monaten herrscht in Gaza ein Inferno, welches mit dem Wort Krieg zu harmlos beschrieben wird. Hier wird vor den Augen der Welt&ouml;ffentlichkeit ein V&ouml;lkermord ver&uuml;bt, den wir nach 1945 nicht mehr f&uuml;r m&ouml;glich gehalten haben. Sie alle kennen die grauenerregenden Details, die uns t&auml;glich &uuml;ber Radio und Fernsehen geliefert werden, obwohl<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121634\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":121635,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171],"tags":[302,1917,822,2392,1440,1557,930,1792,2104,2394,304,1926,3125,2039,639,1556,1703,1281,2360],"class_list":["post-121634","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-gaza","tag-genozid","tag-hamas","tag-internationaler-gerichtshof","tag-internationaler-strafgerichtshof","tag-israel","tag-justiz","tag-kolonialismus","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-kriegsverbrechen","tag-netanjahu-benjamin","tag-regelbasierte-ordnung","tag-siedlungspolitik","tag-uno","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-zionismus","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/shutterstock_2509695051.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/121634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=121634"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/121634\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121741,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/121634\/revisions\/121741"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/121635"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=121634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=121634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=121634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}