{"id":1218,"date":"2006-04-25T16:11:51","date_gmt":"2006-04-25T14:11:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1218"},"modified":"2016-02-11T12:07:22","modified_gmt":"2016-02-11T11:07:22","slug":"lobbycontrol-berichterstattung-uber-die-insm-unkritisch-und-nicht-transparent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1218","title":{"rendered":"Lobbycontrol: Berichterstattung \u00fcber die INSM: unkritisch und nicht transparent"},"content":{"rendered":"<p>Die Medienberichterstattung &uuml;ber die Arbeitgeber-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) &uuml;bernimmt weitgehend die INSM-Perspektive und macht deren strategische Funktion f&uuml;r die Arbeitgeberverb&auml;nde unzureichend transparent. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung von Christian Nuernbergk (Universit&auml;t M&uuml;nster). Eine Zusammenfassung erschien bereits im Januar in der journalistischen Fachzeitschrift message und ist seit kurzem auch auf deren &uuml;berarbeiteter <a href=\"http:\/\/www.message-online.com\/61\/nuern.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.message-online.com\/61\/nuern.htm\">Webseite<\/a> online zug&auml;nglich. Dass die Ergebnisse weiter aktuell sind, zeigt die Medienkooperation der INSM mit der Wirtschaftszeitschrift Impulse bei der <a href=\"http:\/\/www.impulse.de\/pol\/268500.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.impulse.de\/pol\/268500.html\">&ldquo;exklusiven&rdquo; Ver&ouml;ffentlichung<\/a> einer <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Umfragen___Studien\/Studien\/Studie_zu_Deregulierung__Weniger_Regulierung_bei_Bildung_und_Arbeit_schafft_4_2_Millionen_Arbeitsplaetze_bis_2016.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.insm.de\/Umfragen___Studien\/Studien\/Studie_zu_Deregulierung__Weniger_Regulierung_bei_Bildung_und_Arbeit_schafft_4_2_Millionen_Arbeitsplaetze_bis_2016.html\">Studie zur Deregulierung<\/a> diese Woche.<br>\n<!--more--><br>\nDie Studie von Christian N&uuml;rnbergk untersuchte die Medienberichterstattung &uuml;ber die INSM zwischen September 2003 und April 2004 anhand von 137 Presseartikeln und 23 Pressemitteilungen der INSM. Die Untersuchung unterschied dazu drei Mediengruppen: Wirtschaftstitel, Konservativ und Linksliberal (* Details unten).<\/p><p><strong>Wesentliche Ergebnisse der Analyse:<\/strong><br>\nDie Berichterstattung &uuml;ber die INSM war insgesamt undifferenziert und unkritisch, wobei linksliberale Medien etwas differenzierter und kritischer waren. Konservative Presse und Wirtschaftspresse berichteten weitaus h&auml;ufiger als linksliberale Medien (117 vs. 20 Artikel).<br>\n&ldquo;Die INSM wurde lediglich in 21 F&auml;llen (15,3 Prozent) n&auml;her beschrieben, in nur neun Beitr&auml;gen (6,6 Prozent) wurde sie als Arbeitgeber-Initiative benannt. In vier Artikeln kam es zu einer f&uuml;r die Leser irref&uuml;hrenden Darstellung, indem die INSM als eine &uuml;berparteiliche Reformbewegung dargestellt wurde.&rdquo;<br>\nINSM-Botschafter tauchten in &uuml;ber der H&auml;lfte der Beitr&auml;ge auf. Allerdings wurde nicht einmal in jedem sechsten Beitrag die Botschafterrolle f&uuml;r die INSM transparent gemacht.<br>\nNur in 34 Artikeln wurden alternative Sichtweisen erw&auml;hnt (24,8 Prozent). In der linksliberalen Presse tauchten alternative Sichtweisen dabei in 55 Prozent der Beitr&auml;ge auf, in der konservativen Presse und den Wirtschaftstiteln nur in 19,7 Prozent. In 76 F&auml;llen zogen die Redaktionen neben den PR-Angeboten der Initiative keine weiteren Quellen heran.<br>\nDie meisten Presseinformationen der INSM wurden mit gro&szlig;en Ver&auml;nderungen &uuml;bernommen. In 60 Prozent der Beitr&auml;ge, die auf einer INSM-Pressemitteilung beruhten, lieferten Journalisten zus&auml;tzliche Informationen. Allerdings kamen in weniger als der H&auml;lfte dieser Beitr&auml;ge alternative Sichtweisen vor. <\/p><p><strong>Fazit der Studie:<\/strong><br>\nDie untersuchte Berichterstattung nimmt &uuml;berwiegend die Perspektive der INSM ein, insbesondere, wenn exklusive Medienkooperationen geboten werden. Eine geschickte Kombination aus wissenschaftlichem Anspruch und effektivem Marketing der Inhalte f&uuml;hrt dazu, dass vor allem solche Redaktionen die aufw&auml;ndigen Themenangebote aufgreifen, die politisch der INSM nahe stehen. Die INSM schafft es, dass Journalisten die Initiative und ihre versteckte Funktion als ein strategisches Element in der Interessenvertretung von Arbeitgeberverb&auml;nden nur unzureichend transparent machen. Den Rezipienten werden Informationen zur Einordnung der Berichterstattung vorenthalten.<br>\nDie Redaktionen m&uuml;ssen hier f&uuml;r mehr Transparenz sorgen. Eine schlichte &Uuml;bernahme von Inhalten ohne redaktionelle Pr&uuml;fung ist mit einem publizistischen Qualit&auml;tsanspruch nicht zu vereinbaren. Mit kritischer Medienberichterstattung &uuml;ber fragw&uuml;rdige Methoden der Initiative k&ouml;nnen die Medien dagegen nur an Glaubw&uuml;rdigkeit gewinnen.<br>\nDer Untersuchungszeitraum der Studie erfasst die wachsende Kritik an der INSM ab Mitte 2004 nicht mehr. Seitdem hat es einige kritische Artikel &uuml;ber deren Hintergr&uuml;nde gegeben. <\/p><p><strong>Kritik weiter aktuell &ndash; das Beispiel Impulse<\/strong><br>\nAllerdings funktionieren die Medienkooperationen der INSM weiter wie damals &ndash; siehe die <a href=\"http:\/\/www.impulse.de\/pol\/268500.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.impulse.de\/pol\/268500.html\">aktuelle Impulse-Ausgabe<\/a>: Wer die INSM ist, wird bei der Vorstellung der Deregulierungsstudie nicht erl&auml;utert. Die Autoren der INSM-Studie d&uuml;rfen erkl&auml;ren, wie breit die Quellenlage der Studie sei und dass die Rechenmethode allgemein anerkannt sei. Der Artikel betont ferne, &ldquo;wie ausgewogen&rdquo; die Studie sei, weil sie &ldquo;einen gr&ouml;&szlig;eren Wohlstandsgewinn durch Bildungspolitik als durch gelockerte Jobvorschriften&rdquo; ermittle. &ldquo;Trotzdem habe Letzteres hier Top-Priorit&auml;t, weil unser Arbeitsmarkt besonders reglementiert ist.&rdquo; Alternative Sichtweise oder gar Gegenargumente: Fehlanzeige. Neben den Autoren kommen noch Michael H&uuml;ther vom Institut der Deutschen Wirtschaft und der &Ouml;konom J&uuml;rgen Donges zu Wort. Dass beide auch INSM-Botschafter sind: unerw&auml;hnt. Das Fazit der Medienanalyse &uuml;ber die INSM gilt also zumindest f&uuml;r Impulse noch heute.<br>\nPS: Impulse geh&ouml;rt &uuml;brigens zu Gruner+Jahr und damit zu drei Vierteln zu Bertelsmann. Auf <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann.com\/bertelsmann_corp\/wms41\/bm\/index.php?ci=25&amp;language=1\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bertelsmann.com\/bertelsmann_corp\/wms41\/bm\/index.php?ci=25&amp;language=1\">deren Webseite<\/a> wird der Gesch&auml;ftsbereich Gruner+Jahr vorgestellt mit der &Uuml;berschrift: &rdquo; Qualit&auml;tsjournalismus Seite f&uuml;r Seite&rdquo;. Aber das ist nat&uuml;rlich ein Werbeslogan.<\/p><p>Die Mediengruppen der Untersuchung im Detail:<br>\nWirtschaftstitel: Financial Times Deutschland, Handelsblatt, Wirtschaftswoche<br>\nKonservativ: Bild, Welt, Frankfurter Allgemeins Sonntagszeitung, FAZ, Focus<br>\nLinksliberal: S&uuml;ddeutsche Zeitung, taz, Spiegel. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.lobbycontrol.de\/blog\/index.php\/2006\/04\/berichterstattung-uber-die-insm-unkritisch-und-nicht-transparent\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.lobbycontrol.de\/blog\/index.php\/2006\/04\/berichterstattung-uber-die-insm-unkritisch-und-nicht-transparent\/\">Lobbycontrol<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medienberichterstattung &uuml;ber die Arbeitgeber-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) &uuml;bernimmt weitgehend die INSM-Perspektive und macht deren strategische Funktion f&uuml;r die Arbeitgeberverb&auml;nde unzureichend transparent. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung von Christian Nuernbergk (Universit&auml;t M&uuml;nster). Eine Zusammenfassung erschien bereits im Januar in der journalistischen Fachzeitschrift message und ist seit kurzem auch auf deren &uuml;berarbeiteter <a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1218\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,41],"tags":[232,787,616,244],"class_list":["post-1218","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-medienanalyse","tag-bertelsmann","tag-grunerjahr","tag-lobbycontrol","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1218","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1218"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31118,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1218\/revisions\/31118"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}