{"id":122101,"date":"2024-09-29T12:00:22","date_gmt":"2024-09-29T10:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122101"},"modified":"2024-09-27T19:06:16","modified_gmt":"2024-09-27T17:06:16","slug":"mexiko-zehnter-jahrestag-des-staatsverbrechens-in-ayotzinapa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122101","title":{"rendered":"Mexiko: Zehnter Jahrestag des Staatsverbrechens in Ayotzinapa"},"content":{"rendered":"<p>Bis heute ist kein f&uuml;hrender Vertreter der Macht wirklich f&uuml;r dieses Staatsverbrechen vor Gericht gestellt und verurteilt worden. Ein Jahrzehnt des gewaltsamen Verschwindenlassens der 43 Studenten aus Ayotzinapa in der Nacht des 26. September 2014. Eine extrem grausame Tat, die mittlerweile auch die derzeitige Bundesregierung als staatliches Verbrechen anerkennt. Von <strong>Crist&oacute;bal Le&oacute;n Campos<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEine Wunde, die eine ganze Generation gezeichnet und eine fast un&uuml;berbr&uuml;ckbare Kluft zwischen der Gesellschaft &#8210; insbesondere der Jugend &#8210; und dem Staat aufgerissen hat; eine Schande, die nicht verziehen werden kann und nicht vergessen werden darf, eine weitere tiefe Wunde, die wie&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_von_Tlatelolco\">Tlatelolco<\/a>&nbsp;auch mit der Aufkl&auml;rung des Geschehens nicht zu heilen ist, weil sie sich nie wiederholen darf.<\/p><p>Am 8. Juli ver&ouml;ffentlichte Pr&auml;sident Andr&eacute;s Manuel L&oacute;pez Obrador seinen ersten Bericht &uuml;ber den Fall Ayotzinapa. Das Dokument fasst bereits bekannte Informationen zusammen, aber zeigt leider einen Weg auf, der von der Gerechtigkeit wegf&uuml;hren und den Mantel der Straflosigkeit, den er zu l&uuml;ften versucht hat, zur&uuml;ckbringen k&ouml;nnte.<\/p><p>In diesem Bericht spricht der Pr&auml;sident die mexikanische Armee von ihrer Beteiligung an den Ereignissen frei und versucht so, die Aufmerksamkeit von den zahlreichen F&auml;llen abzulenken, in denen die Streitkr&auml;fte Informationen verweigert und die Justiz behindert haben, ebenso wie die Richter, Staatsanw&auml;lte und die mit der &bdquo;Justiz&ldquo; betrauten Regierungsbeh&ouml;rden.<\/p><p>Mit anderen Worten, dieses Verbrechen zeigt weiterhin die Beteiligung des Staates an der Vertuschung der Wahrheit und der Verl&auml;ngerung des Schmerzes der Familien, die seit fast zehn Jahren unerm&uuml;dlich ihren Kampf fortsetzen.<\/p><p>Nach der Ver&ouml;ffentlichung des Pr&auml;sidentenberichts wurden viele Stimmen laut, die diesen Diskurswechsel beklagten. So wies Amnesty International darauf hin, dass dies einen &bdquo;R&uuml;ckschritt bei der Aufkl&auml;rung des Falles&ldquo; darstelle. Denn wenn es sich bereits um ein staatliches Verbrechen handelte und viele Beweise offengelegt und von den verschiedenen Untersuchungsgruppen &ndash; unabh&auml;ngigen und staatlichen &ndash; verwendet wurden, wie kann man dann der Gesellschaft weismachen, dass die Armee nicht an solchen grausamen Taten beteiligt war und kein Komplize ist?<\/p><p>Und dies ist keine Hetzjagd auf die Institution der Streitkr&auml;fte, sondern eine Suche nach den wirklichen Wahrheiten und nicht nach &bdquo;historischen Wahrheiten&rdquo;, sei es aus der Zeit der Regierung von Enrique Pe&ntilde;a Nieto[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], der weder vor Gericht gestellt noch zur Rechenschaft gezogen wurde, oder aus der Zeit der aktuellen Bundesregierung.<\/p><p>Denn vergessen wir nicht, dass die Interdisziplin&auml;re Gruppe unabh&auml;ngiger Experten die Beteiligung der Armee dokumentiert und publik gemacht hat, dass sie von der Operation gegen die 43 Normalistas wusste. Und vergessen wir nicht, dass mindestens ein Angeh&ouml;riger der Armee unter den Studenten infiltriert war und Spionagearbeit leistete, deren Informationen genutzt wurden, um etwas &uuml;ber die Bewegungen der Studenten in Ayotzinapa zu erfahren, sodass in der tragischen Nacht die Regierungen der drei Ebenen (lokal, bundesstaatlich, national) Berichte &uuml;ber die Aktionen der 43 vorliegen hatten.<\/p><p>Es ist absurd zu behaupten, dass sie der Armee schaden wollen, wenn die Angeh&ouml;rigen seit jener Nacht um Hilfe bitten, um ihre Kinder zu finden, und auf die derzeitige Regierung vertraut haben in der Hoffnung, dass es Gerechtigkeit geben wird.<\/p><p>Der Fall Ayotzinapa hat mehrfach gezeigt, wie der Staat sich selbst sch&uuml;tzt, denn obwohl anerkannt wurde, dass es sich um ein Verbrechen handelte, das von der Machtstruktur unter Beteiligung einer Vielzahl von Personen und Institutionen auf allen Ebenen organisiert wurde, ist bis heute kein f&uuml;hrender Vertreter der Macht wirklich vollst&auml;ndig f&uuml;r dieses Staatsverbrechen vor Gericht gestellt und verurteilt worden.<\/p><p>Ex-Generalstaatsanwalt J&eacute;sus Murillo Karam beispielsweise steht unter Hausarrest. Milit&auml;rs, Polizisten und andere inhaftierte Beamte wurden nach und nach freigelassen, die meisten von ihnen von jeglicher Verantwortung entlastet. Ganz zu schweigen vom damaligen Pr&auml;sidenten Enrique Pe&ntilde;a Nieto, der die Straffreiheit der Macht genie&szlig;t.<\/p><p>Wir haben es also mit einem Staatsverbrechen zu tun, bei dem sich der Staat selbst &bdquo;beschuldigt&rdquo; und zugleich entlastet. Ayotzinapa wird auch nach zehn Jahren noch ein belastendes Erbe f&uuml;r die kommenden sechs Jahre sein. Es ist ein Lackmustest und eine nationale Dringlichkeit.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/blog\/2024\/09\/271637\/mexiko-zehn-jahre-ayotzinapa\">Vilma Guzm&aacute;n, Amerika21<\/a><\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ayotzinapachicago\/\">Justicia en Ayotzinapa Comit&eacute; Chicago<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41025\">Schlachthof Mexiko: das Gemetzel an der Zivilbev&ouml;lkerung, zwischen Staatsterror und Narco-Banden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118785\">Mexiko: Bandenkrieg in Chiapas eskaliert &ndash; &uuml;ber eine halbe Million Menschen betroffen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115046\">David gegen Goliath: Der Waffenschmuggel aus den USA nach Mexiko und die Folgen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95143\">Nach Drohung mit Milit&auml;rintervention: Streit zwischen Mexiko und USA eskaliert<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/ae9df60fab5441ffb9f38aad3b0e0407\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Die Interdisziplin&auml;re Gruppe unabh&auml;ngiger Experten hatte herausgefunden, dass die mexikanischen Beh&ouml;rden nur unzureichend ermittelten und bewusst eine falsche Interpretation der Ereignisse durchsetzen wollten, die sie als &bdquo;historische Wahrheit&rdquo; bezeichneten. Demnach sollen Mitglieder des lokalen Drogenkartells &bdquo;Guerreros Unidos&rdquo; die 43 Lehramtsstudenten lebend auf einer M&uuml;llkippe verbrannt haben<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis heute ist kein f&uuml;hrender Vertreter der Macht wirklich f&uuml;r dieses Staatsverbrechen vor Gericht gestellt und verurteilt worden. Ein Jahrzehnt des gewaltsamen Verschwindenlassens der 43 Studenten aus Ayotzinapa in der Nacht des 26. September 2014. Eine extrem grausame Tat, die mittlerweile auch die derzeitige Bundesregierung als staatliches Verbrechen anerkennt. 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