{"id":122106,"date":"2024-09-27T13:00:25","date_gmt":"2024-09-27T11:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122106"},"modified":"2024-09-27T14:32:58","modified_gmt":"2024-09-27T12:32:58","slug":"ein-offener-brief-an-die-bundesregierung-woechentlich-wiederkehrende-demonstrationen-und-deren-oeffentliche-nichtbeachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122106","title":{"rendered":"Ein Offener Brief an die Bundesregierung, w\u00f6chentlich wiederkehrende Demonstrationen und deren \u00f6ffentliche Nichtbeachtung"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Emp&ouml;rt Euch&ldquo;, hat einst Stephane Hessel, Unterzeichner der UN-Charta der Menschenrechte, eines seiner B&uuml;cher betitelt. Hessel hatte aufgerufen, sich f&uuml;r den Erhalt der Demokratie einzusetzen, nicht nur zu meckern, sondern zu machen, zu bewahren. Jetzt, im erneuten Angesicht von Kriegen, ist das Emp&ouml;ren umso wichtiger, vor allem dar&uuml;ber, dass zu wenig bis nichts f&uuml;r den Frieden als essenzielle Grundlage unserer Demokratie unternommen wird. Ein Beispiel f&uuml;r engagiertes Emp&ouml;ren mit Vorbildwirkung sei hier genannt: Im vogtl&auml;ndischen Plauen emp&ouml;ren sich Menschen, sie agieren, machen, demonstrieren. Sie haben im Sp&auml;tsommer einen Offenen Brief an den Bundeskanzler und die Regierung geschrieben. Mehr noch, sie gehen Woche f&uuml;r Woche auf die Stra&szlig;e &ndash; bislang erzielen sie (noch) nicht wirklich gro&szlig;e Erfolge. Doch sie geben nicht auf. Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Unterzeichner zitieren Gandhi: Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn der Frieden ist der Weg<\/strong><\/p><p>Die politische Aktion aus der B&uuml;rgerschaft der mittelgro&szlig;en Stadt in der Mitte Deutschlands namens Plauen hat vorbildwirkende Symbolkraft, scheint es in diesen unfriedlichen Zeiten doch an engagierten, beherzten Aktivit&auml;ten zu fehlen, dem Frieden Vorfahrt zu gew&auml;hren. Es sind B&uuml;rger Plauens, Kommunalpolitiker, politisch interessierte Aktivisten, Berufst&auml;tige, Rentner. Sie haben gemeinsam einen Offenen Brief verfasst und kritisieren darin den Bundeskanzler und die Bundesregierung.<\/p><p>Die Verfasser nehmen, so ihr Schreiben, die genannten Politiker &bdquo;nur noch als milit&auml;rische Unterst&uuml;tzer eines Krieges wahr; diplomatische Friedensinitiativen vonseiten der EU sind f&uuml;r uns nicht erkennbar&ldquo;. Sie richten weitere eindringliche Worte an den Bundeskanzler: &bdquo;Die Menschen wollen keinen Krieg. Sie erwarten von den Politikern, dass sie sich f&uuml;r den Frieden einsetzen! Dies fordert nach neuesten Umfragen mehr als die H&auml;lfte der deutschen Bev&ouml;lkerung.&ldquo; Sie erinnern den Kanzler an ein Zitat von Gandhi: &bdquo;Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn der Frieden ist der Weg.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240927_offener-brief-foto-I.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240927_offener-brief-foto-I.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240927_offener-brief-foto-II.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240927_offener-brief-foto-II.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Den Kanzler anschreiben, demonstrieren &ndash; doch alles umsonst?<\/strong><\/p><p>Ihr Engagement verlaufe scheinbar im Sand und bleibe bisher unbeachtet vor allem von den meinungsf&uuml;hrenden Medien (Print, Rundfunk, TV), beklagen die Initiatoren der Plauener Demonstrationen (Mahnwachen) und des Offenen Briefes an den Bundeskanzler. Schon den einen Brief nicht zu beachten, zu achten (!), empfinden die Verfasser kritikw&uuml;rdig und als ein Zeichen mangelnden Respekts unserer wertebasierten Demokratie.<\/p><p>Man stelle sich vor, es w&uuml;rden aus vielen Kommunen des Landes &auml;hnliche Briefe an die Adresse des Bundeskanzleramtes gesendet und es w&uuml;rde darauf ebenso wie auf das eine bemerkenswerte Schreiben aus dem Vogtland mit Ignoranz und Schweigen reagiert werden. Ob es dennoch etwas einbr&auml;chte, vielfach zu schreiben? Ein einzelner Brief war wohl zu wenig.<\/p><p>Ja, zugegeben, eine wirkliche kraftvolle Friedensbewegung gibt es gerade nicht &ndash; eine, die ernst zu nehmen ist und ernst genommen wird. Umso wichtiger ist es, dass Anf&auml;nge gemacht werden, dass nicht aufgegeben wird, sich f&uuml;r Frieden und Verst&auml;ndigung einzusetzen. Es bleibt wichtig, sich zu emp&ouml;ren. Umfragen belegen die Forderung der Mehrheit der Menschen im Land nach einer anderen Politik. Diese Tatsache stellt man dem grandios gegenteiligen Handeln der Entscheidungstr&auml;ger und Volksvertreter gegen&uuml;ber. Man muss zum Schluss kommen, dass dieses Handeln der politischen Klasse nichts mehr mit Demokratie zu tun hat. Dagegen muss gek&auml;mpft werden, mindestens muss immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden &ndash; so wie in Plauen.<\/p><p>Doch es finden sich auch Formen von Ignoranz, Nichtbeachtung politischer Aktivit&auml;ten und auch Anzeichen von Resignation an der b&uuml;rgerschaftlichen Basis in Plauen, erleben die Initiatoren. Sie beklagen: Weggucken statt Mitmachen scheint die Richtschnur des Handelns (Nichthandelns) in der Masse der Bev&ouml;lkerung zu sein. Es stimmt, viele Menschen haben viele Sorgen und\/oder haben es sich in einer Nische eingerichtet, die sie f&uuml;r komfortabel und sicher halten.<\/p><p>Es f&uuml;hle sich leider auch so an, als w&auml;ren viele B&uuml;rger zunehmend abgestumpft, als w&uuml;rden sie sagen: Das bringt alles nichts, es &auml;ndert sich nichts. Und es sei noch schlimmer, wie einer der Aktivisten, Dietmar Schlei, in einem Rundschreiben an seine &bdquo;Mitdenker&ldquo; ausf&uuml;hrt:<\/p><blockquote><p>\n<em>Leute auf der Stra&szlig;e ansprechen und sie gar zu einer Unterschrift zu bewegen, lief nicht wirklich gut. Viele wollten ihre Adresse nicht auf den Zettel schreiben, jene, die noch arbeiten, bef&uuml;rchteten Nachteile. So weit sind wir schon. Erw&auml;hnt sei aber, dass sie die im Brief angesprochenen Themen durchaus unterst&uuml;tzen &ndash; aber die besagte Angst sitzt ihnen halt im Nacken. Es ist frustrierend, seit mehr als zwei Jahren stehen wir, medial unbeachtet, samstags 15:00 Uhr bis 16:00 Uhr vorm Landratsamt und montags von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr vorm Wendedenkmal. Hinweise &uuml;ber unsere Anwesenheit, wie auch ein Bericht &uuml;ber friedensliebende Leute, die derzeit von Bitterfeld nach Monaco laufen, legen unsere &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; offenbar in den Giftschrank.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dietmar Schlei ist ein Plauener, der sich seit vielen Jahren fern von etablierten Parteien und Organisationen in seiner Heimatstadt politisch engagiert. Schlei ist Mitbegr&uuml;nder einer basisdemokratischen Interessenvertretung, die &bdquo;B&uuml;rgerplattform f&uuml;r demokratische Erneuerung&ldquo; genannt wurde. Diese 2010 gegr&uuml;ndete Plattform stellte sich schlie&szlig;lich sogar bei Kommunalwahlen der politischen Konkurrenz. Der Plauener Dietmar Schlei wird, nun im Jahr 2024, weiterhin nicht m&uuml;de, Woche f&uuml;r Woche auf die Stra&szlig;e zu gehen &ndash; als Mitstreiter der Mahnwachen-Aktivisten.<\/p><p><strong>Trotz alledem: Seit zwei Jahren montags und samstags Demokratie leben<\/strong><\/p><p>Sie sind nicht mehr als ein Dutzend, die zweimal die Woche mit Transparenten auftreten &ndash; und das seit zwei Jahren. Montags stehen die &bdquo;Mahnwachen-Aktivisten&ldquo; vor einem Wahrzeichen der Stadt Plauen, dem Wendedenkmal. Samstags stellt sich die Gruppe, Frauen und M&auml;nner verschiedener Generationen, vor das Eingangsportal des Landratsamtes im Zentrum der vogtl&auml;ndischen Hauptstadt. Die Passanten lesen auf den Plakaten S&auml;tze wie: &bdquo;Friedensvertrag statt Kriegseins&auml;tze&ldquo;, &bdquo;Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht&ldquo;, &bdquo;Wer Krieg will, liefert Waffen, wer Frieden will, schickt Diplomaten&ldquo;. Einen Film zu ihren Aktionen gibt es hier zu sehen:<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/oXe_e2OSQfQ?si=5n3CAihMZzYUYtJd\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Geradezu Alltag ist f&uuml;r die Teilnehmer der Aktionen, dass sie meist unbeachtet dastehen, dass Passanten wenig Aufmerksamkeit investieren, dass immerhin ab und an Menschen anhalten und im besten Fall Gespr&auml;che anfangen. Zwar stehen die Demonstranten in der &Ouml;ffentlichkeit, doch wird ihnen wenig Beachtung geschenkt. Dieses &bdquo;Abseitsstehen&ldquo; wird auch durch die mediale Ignoranz bef&ouml;rdert. Die Lokalzeitung <em>Freie Presse<\/em> unterh&auml;lt im Nachbargeb&auml;ude des Landratsamtes ihre Redaktionsr&auml;ume. Man stolpert, aus dem Haus kommend, geradezu &uuml;ber die Demonstranten, man kann von den Fenstern der oberen Etagen auf das Plauener Wendedenkmal blicken. Dennoch sucht die Leserschaft vergeblich Berichte, eine journalistische Wegbegleitung der politischen Aktivit&auml;ten Plauener B&uuml;rger. Schlei und seine Mitstreiter h&auml;tten sich die eine oder andere Reportage gew&uuml;nscht, regelm&auml;&szlig;ige Berichterstattung halt. Eine Ver&ouml;ffentlichung gab es (wenigstens?) &ndash; ein Foto mit Bildtext zu einer politischen Aktion der Mahnwachen-Aktivisten: Diese stellten sich zu einem Friedenssymbol auf.<\/p><p><strong>Einer der Unterzeichner des Offenen Briefes ist ein Held der Friedlichen Revolution<\/strong><\/p><p>Unter dem zweiseitigen Offenen Brief an den Bundeskanzler und die Bundesregierung stehen 14 Unterschriften. Die Unterzeichner sind unter anderem auch Aktivisten, die schon im Wendeherbst 1989 zu den engagierten B&uuml;rgern Plauens geh&ouml;rten, die die Friedliche Revolution mit in Gang setzten. Einer von ihnen ist J&ouml;rg Schneider, der in Plauen geradezu ber&uuml;hmt ist, hat er doch eines der wichtigen Schriftst&uuml;cke dieser historischen Wochen verfasst: ein Flugblatt. Er vervielf&auml;ltigte es heimlich und im vollen Bewusstsein, sich damit sehr in Gefahr zu bringen. Mehr noch, er verteilte es im ganzen Stadtgebiet in der Hoffnung, dass Passanten die Bl&auml;tter aufheben, den Inhalt lesen und weiterverbreiten. Der Plan ging auf &hellip;<\/p><p>Nun, fast 35 Jahre sp&auml;ter, empfindet J&ouml;rg Schneider, immer noch engagiert und mutig und nimmerm&uuml;de, es als wichtig und richtig, den politischen Entscheidungstr&auml;gern entgegenzutreten und zu widersprechen. Falls diese es vergessen haben, hier nochmal: &bdquo;Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn der Frieden ist der Weg.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240927_offener-brief-01.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240927_offener-brief-01.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Bildnachweis: Alle Bilder &copy; Frank Blenz<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Emp&ouml;rt Euch&ldquo;, hat einst Stephane Hessel, Unterzeichner der UN-Charta der Menschenrechte, eines seiner B&uuml;cher betitelt. Hessel hatte aufgerufen, sich f&uuml;r den Erhalt der Demokratie einzusetzen, nicht nur zu meckern, sondern zu machen, zu bewahren. Jetzt, im erneuten Angesicht von Kriegen, ist das Emp&ouml;ren umso wichtiger, vor allem dar&uuml;ber, dass zu wenig bis nichts f&uuml;r den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122106\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":122107,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[170,183],"tags":[282,1543,1120,1919,2582,831],"class_list":["post-122106","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-friedenspolitik","category-medienkritik","tag-buergerproteste","tag-deutsche-einheit","tag-friedensbewegung","tag-lueckenpresse","tag-offener-brief","tag-scholz-olaf"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/240927_offener-brief-01.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122106","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122106"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122106\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122148,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122106\/revisions\/122148"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/122107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122106"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122106"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}