{"id":122249,"date":"2024-09-30T10:00:22","date_gmt":"2024-09-30T08:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122249"},"modified":"2024-09-30T17:04:58","modified_gmt":"2024-09-30T15:04:58","slug":"kriegspropaganda-zur-disziplinierung-der-heimatfront","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122249","title":{"rendered":"Kriegspropaganda zur Disziplinierung der Heimatfront"},"content":{"rendered":"<p>Massenmedien sind eine Art &bdquo;Fenster zur Welt&ldquo;, so die Charakterisierung der Medien durch Walter Lippmann, ein US-amerikanischer Journalist und Publizist, der 1922 ein Grundlagenwerk des Journalismus mit dem Titel &bdquo;Die &ouml;ffentliche Meinung&ldquo; ver&ouml;ffentlichte. Und dieses &bdquo;Fenster-zur-Welt-sein&ldquo; ist umso mehr gegeben, je mehr die realen Ereignisse sich den Prim&auml;rerfahrungen des Menschen und der Gesellschaft durch r&auml;umliche Distanzen entziehen. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2489\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-122249-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240930_Kriegspropaganda_zur_Disziplinierung_der_Heimatfront_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240930_Kriegspropaganda_zur_Disziplinierung_der_Heimatfront_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240930_Kriegspropaganda_zur_Disziplinierung_der_Heimatfront_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240930_Kriegspropaganda_zur_Disziplinierung_der_Heimatfront_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=122249-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240930_Kriegspropaganda_zur_Disziplinierung_der_Heimatfront_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240930_Kriegspropaganda_zur_Disziplinierung_der_Heimatfront_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ohne massenmediale Berichterstattung bewegen sich Menschen faktisch im Tal der Ahnungslosen, da sie sich nur auf ihre Prim&auml;rerfahrungen im begrenzten r&auml;umlichen Bereich beziehen k&ouml;nnen. Angesichts dessen verf&uuml;gen Massenmedien quasi &uuml;ber ein Informationsmonopol, was sie zu einem unverzichtbaren Kommunikationsakteur moderner Gesellschaften macht &ndash; Medien haben Macht, die Medienmacht. So weit, so gut, zun&auml;chst einmal. <\/p><p>Allerdings beschr&auml;nkt sich das Wirken der Massenmedien eben nicht allein auf die &ndash; zumindest dem Anspruch nach &ndash; neutrale und objektive Identifikation, Multiplikation und Distribution von Informationen &uuml;ber reale Ereignisse. Vielmehr konstruieren Massenmedien bewusst subjektive Realit&auml;ten, neudeutsch Narrative, die sie als angeblich objektive Wirklichkeit publizieren. Und dieses Ph&auml;nomen betrifft insbesondere die politische Sph&auml;re. Massenmedien werden auf diese Weise zu politischen Machtfaktoren, Journalisten bisweilen zu Politaktivisten im Kost&uuml;m des seri&ouml;sen Journalisten. Vorbei ist die Zeit, in der nur von &bdquo;passiver Medienmacht&ldquo; &ndash; mithin der Instrumentalisierung der Medien seitens der Politik als politisches Sprachrohr &ndash; gesprochen werden kann. Es geht zunehmend um die &bdquo;aktive Medienmacht&ldquo;. Sie beschreibt das Einflusspotenzial, ja geradezu den Druck der Medien auf politische Entscheider und Entscheidungsprozesse.<\/p><p>Der aktive politisch-mediale Machtfaktor ist allgegenw&auml;rtig, indes nicht demokratisch legitimiert. Selbstverst&auml;ndlich kann der m&uuml;ndige B&uuml;rger das Medium zwecks Informationsrezeption frei &bdquo;w&auml;hlen&ldquo; &ndash; <em>ARD<\/em> statt <em>FAZ<\/em> oder <em>RTL<\/em> statt <em>Stern<\/em> etc. Die Informationsrezeptionsfreiheit des Menschen in unserem Land genie&szlig;t sogar Verfassungsrang (Artikel 5, Abs. 1 Grundgesetz) und muss gegen jegliche Einschr&auml;nkungen verteidigt werden. <\/p><p>Was aber, wenn die Medien sich inhaltlich kaum unterscheiden, weil die Redaktionslinien ideologisch und gesinnungsethisch mehr oder minder identisch sind &ndash; wenn also nur die H&uuml;lle, nicht indes der Inhalt variiert? Oder wenn sogar signifikant abweichende Medien verboten w&uuml;rden? Wenn also Informationen und Meinungen eng auf eine spezifisch ideologische Richtung hin kanalisiert werden? Wenn Faktenberichterstattung nach bestem Wissen und Gewissen, also die Einhaltung journalistischer Standards, durch Haltungsjournalismus, das hei&szlig;t journalistische Gesinnungsethik, ersetzt wird? Und wenn beide Faktoren (inhaltliche haltungsideologische Eint&ouml;nigkeit der Berichterstattung und Verbote abweichender Berichterstattung und Meinungen) verbunden w&uuml;rden, dann entfiele die Grundlage f&uuml;r die Demokratie. Dann w&auml;re die Dialektik der Antike, der Rede und Gegenrede mit dem Ziel des guten Erkenntnisgewinns, der Wahrheitsfindung begraben. Die Aufkl&auml;rung w&uuml;rde auf diese Weise durch die neuen Antiaufkl&auml;rer mit dem Verweis, die Aufkl&auml;rung sch&uuml;tzen zu m&uuml;ssen, faktisch abgewickelt. Der politische Liberalismus, dem ein jahrhundertelanger Kampf zugrunde liegt, drohte zur blo&szlig;en H&uuml;lle zu verkommen. Kurzum: Es st&uuml;nde noch Demokratie drauf, aber es w&auml;re keine gelebte Demokratie mehr drin.<\/p><p>Schon vor 25 Jahren beobachtete der Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler S. Ru&szlig;-Mohl ein um sich greifendes neues berufliches Selbstverst&auml;ndnis, n&auml;mlich der &bdquo;Moralisierung des Journalismus&ldquo; &ndash; der Journalist als der selbsternannte, die Gesellschaft erziehende Haltungstr&auml;ger. Der Jugoslawienkrieg inklusive des NATO-Angriffskrieges beschleunigte diese Entwicklung hin zur Moralisierung der Medien. Die vordergr&uuml;ndige Legitimation des NATO-Krieges gegen Jugoslawien war keine v&ouml;lkerrechtliche, wie auch. Es war vielmehr eine von Medien und Politik gemeinsam getragene, rein moralische Rechtfertigung. Das Kernelement der Moral war der R&uuml;ckgriff auf die de facto den Holocaust relativierenden Faschismusanalogien: Die Serben wurden als neue Faschisten\/Nazis etikettiert und die Albaner als ausschlie&szlig;liche Opfer, gestellt in die Reihe des industriellen Judenmordes des deutschen Faschismus. <\/p><p>Wie sonst sind die Auslassungen des damaligen gr&uuml;nen Au&szlig;enministers J. Fischer zu Ausschwitz und Serbien sowie sein Vergleich, S. Milosevic sei bereit, &bdquo;zu handeln wie Stalin und Hitler&ldquo;, im Kontext seiner Rechtfertigung f&uuml;r die deutsche Beteiligung am NATO-Angriffskrieg gegen Serbien zu interpretieren? Wie sonst sind die widerlegten Behauptungen des damaligen SPD-Verteidigungsministers R. Scharping von einem &bdquo;KZ&ldquo; mitten in Pristina zu verstehen? Und auch so manche deutschen Medien scheuten sich nicht, mit Faschismusanalogien Stimmung zu machen.<\/p><p>Mit diesem neuen Selbstverst&auml;ndnis der moralisierenden und haltungstreuen Journalisten werde, so die Journalistin und Koordinatorin der Initiative &bdquo;Freies Wort&ldquo; Christine Horn bereits Ende der 1990er-Jahre, die Rolle des Journalismus in Politik und Gesellschaft neu definiert: So gebe es seit geraumer Zeit in den USA und Gro&szlig;britannien offene Diskussionen bei den Journalisten dar&uuml;ber, sich nicht mehr nur auf objektive Faktenberichterstattung zu beschr&auml;nken, sondern auch Verantwortung zu tragen, f&uuml;r die Opfer Partei zu ergreifen und Institutionen zum Handeln zu zwingen. Dieser moralisierende Zeitgeist ist zwischenzeitlich auf Europa &uuml;bergesprungen. Es sei mir folgender Hinweis gestattet: Ob der haltungstragende und moralisierende Journalist tats&auml;chlich von der Reinheit seines Gewissens &uuml;berzeugt ist und sich somit selbst zum n&uuml;tzlichen Idioten zeitgen&ouml;ssischer Machtpolitik degradiert, oder ob er vielmehr tats&auml;chlich die Moral nur als Instrument zur Vernebelung der &ouml;ffentlichen Meinung nutzt, um die machtpolitische Agenda, insbesondere in der Au&szlig;enpolitik, doch bewusst mitzugestalten, ist wohl nur im jeweiligen Einzelfall zu kl&auml;ren.<\/p><p><strong>Vorkriegs- und Kriegspropaganda gegen Kritiker an der Heimatfront<\/strong><\/p><p>Wie bereits oben ausgef&uuml;hrt, geht es vielen Medien um die soziale Konstruktion einer exklusiven Realit&auml;t, nur einer Wahrheit, mithin eines Narrativs &ndash; n&auml;mlich: Wir sind die Guten! Und wenn die &bdquo;Gefahr entsteht&ldquo;, dass Medien und Politiker, zuv&ouml;rderst alternative Medien und Politiker, jenseits der selbsternannten Blase der Guten das kanalisierte Informations- und Meinungsspektrum mit einem abweichenden Narrativ aufzusprengen beabsichtigen und somit das mediale und politische Deutungsmonopol relativieren, dann wird bisweilen auf Ma&szlig;nahmen zur&uuml;ckgegriffen, die einem demokratischem Verst&auml;ndnis zutiefst widersprechen. <\/p><p>&Uuml;ber die Prinzipien der Kriegspropaganda gibt es mittlerweile einige wissenschaftliche Arbeiten. Auch meine Dissertationsschrift aus dem Jahre 2004 ist der Kriegsberichterstattung gewidmet. Eine wissenschaftliche Aktualisierung des Ph&auml;nomens medialer und politischer Entgleisungen, Diffamierungen, Beleidigungen etc. in Kriegs- und Vorkriegszeiten gegen Kritiker innerhalb einer Gesellschaft w&auml;re sicherlich hilfreich. Nur, welcher Doktorand und welcher Doktorvater w&uuml;rde sich das heute trauen angesichts der vergifteten Atmosph&auml;re in Deutschland?<\/p><p><strong>Mediale Diffamierungstechniken<\/strong><\/p><p>Zu den neueren und neuesten Errungenschaften der Verunglimpfungen und Verleumdungen kritischer und antimilitaristischer Geister geh&ouml;ren die Begriffe <em>&bdquo;umstritten&ldquo;<\/em> sowie <em>&bdquo;auff&auml;llig&ldquo;<\/em> bzw. <em>&bdquo;f&auml;llt auf mit &hellip;&ldquo;<\/em> sowie der Vorwurf des <em>&bdquo;Whataboutism&ldquo;<\/em>.<\/p><p><strong>&bdquo;Umstritten&ldquo; und Reproduktion des russischen Narrativs<\/strong><\/p><p>Wer von den selbsternannten journalistischen Sittenw&auml;chtern der Moral als &bdquo;umstritten&ldquo; gebrandmarkt wird, dem wird die Redlichkeit, die Seriosit&auml;t abgesprochen. Er oder sie wird aus dem Diskursraum entfernt, besser noch, er oder sie hat sich ja selbst ins Aus geschossen. Denn seine und ihre Aussagen sind es aufgrund einer angeblichen Absurdit&auml;t oder sogar N&auml;he zum &bdquo;Feind&ldquo; nicht mehr wert, diskutiert zu werden. Hierzu geh&ouml;rt, dass faktenbasierte Aussagen, die das herrschende Narrativ anzweifeln oder sogar blo&szlig;stellen, mindestens &bdquo;umstritten&ldquo; sind und mittlerweile sogar als Reproduktion des feindlichen Narrativs degradiert werden &ndash; eine Fortsetzung der Diskussion ist dann kaum noch m&ouml;glich, und das ist ja auch die Absicht. Wer also beispielsweise kundtut, die EU-Sanktionen gegen Russland schadeten Deutschland mehr als Russland, verbreitet sodann ein &bdquo;Kremlnarrativ&ldquo;. Die Gegner dieses vermeintlichen &bdquo;Kremlnarratives&ldquo; geben sich nicht einmal die M&uuml;he, diese Aussage anhand von vergleichenden Wirtschafts- und Handelsdaten falsifizieren zu wollen. Es ist ein &bdquo;Kremlnarrativ&ldquo;, und damit ist die Debatte beendet &ndash; basta.<\/p><p>Nicht minder die Nennung der Vorgeschichte &ndash; insbesondere die NATO-Osterweiterung &ndash; des zweifellos russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Diese Vorgeschichte wurde anf&auml;nglich als verschw&ouml;rungstheoretisch stigmatisiert, nun sogar als Kreml- und Putinpropaganda abgew&uuml;rgt. Die Diffamierungskampagne l&auml;uft ungeachtet der Tatsache, dass der NATO-Generalsekret&auml;r &ndash; und nicht nur er &ndash; diesen Zusammenhang in einer Rede vor einem EU-Ausschuss 2023 selbst erw&auml;hnte: &bdquo;The background was that President Putin declared (&hellip;) that they wanted NATO to sign, to promise no more NATO enlargement. That was a precondition for not invade Ukraine. (&hellip;) So he went to war to prevent NATO, more NATO, close to his borders.&ldquo;<br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/opinions_218172.htm\">nato.int<\/a>, mehr dazu vor allem <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Der-unprovozierte-Krieg-Wenn-Stoltenberg-und-Co-die-Wahrheit-ueber-die-Nato-Erweiterung-sagen-9314024.html?seite=all\">mit Blick auf weitere westliche Bedenkentr&auml;ger einer NATO-Osterweiterung<\/a>)<\/p><p>Auch werden die Forderungen einer sofortigen Waffenruhe und die notwendigen Verhandlungen f&uuml;r eine Friedensl&ouml;sung, die die Sicherheitsbed&uuml;rfnisse aller Konfliktakteure ber&uuml;cksichtigt, als Putinsprech verteufelt. Mit anderen Worten: Diejenigen, die Frieden einfordern, m&uuml;ssen irgendwie im Solde Putins stehen.<\/p><p>Zugleich wird behauptet, und hier wird die Absurdit&auml;t besonders deutlich, Putin wolle keine Verhandlungen zu einer Friedensl&ouml;sung. Ja, was denn nun?<\/p><p><strong>Whataboutism<\/strong><\/p><p>Eine beliebte Taktik in Diskussionen ist der emp&ouml;rte Vorwurf des &bdquo;Whataboutism&ldquo; &ndash; also des Relativierungsvorwurfs des Vergehens der einen Seite durch Nennung gleichartiger Vergehen der anderen Seite.<\/p><p>Beispielsweise, wenn in der Diskussion des v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieges Russlands gegen die Ukraine der nicht minder v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg der NATO gegen Jugoslawien 1999 genannt wird, womit eine Kontextualisierung der internationalen Konfliktlagen herbeigef&uuml;hrt wird &ndash; ganz nach der biblischen Aussage: &bdquo;Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?&ldquo;&ndash;, dann kommt der emp&ouml;rte Vorwurf, man wolle das russische Vorgehen ja nur relativieren und verh&ouml;hne die gegenw&auml;rtigen Opfer in der Ukraine damit. Tats&auml;chlich wird umgekehrt ein Schuh daraus, da die von der eigenen Seite &bdquo;produzierten&ldquo; Opfer marginalisiert werden. Diese Technik des &bdquo;Whataboutism&ldquo; l&auml;sst sich leicht kontern, wenn man &uuml;ber gen&uuml;gend Fachwissen verf&uuml;gt.<\/p><p><strong>Exkurs<\/strong><\/p><p>Fakt aber ist, dass mit dem NATO-Angriffskrieg auf das damalige Jugoslawien das Gewaltverbot der UNO-Charta massiv gebrochen und sodann ein Pr&auml;zedenzfall geschaffen wurde, den Russland nun (aus)nutzt. Und wer hoffte, der v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg gegen Jugoslawien sei ein zu tolerierender Einzelfall ohne Pr&auml;zedenzwirkung, der m&ouml;ge sich bitte an den Angriffskrieg der &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; (ironischerweise unter Beteiligung der Ukraine) unter US-F&uuml;hrung gegen den Irak 2003 erinnern. Washington nutzte den 1999 selbst geschaffenen Pr&auml;zedenzfall 2003 gegen den Irak &ndash; wie praktisch. Zynischerweise k&ouml;nnte man von einem sich entwickelnden V&ouml;lkergewohnheitsrecht sprechen, Drittstaaten milit&auml;risch &uuml;berfallen zu d&uuml;rfen. Jedenfalls liegt das konsensuale moderne V&ouml;lkerrecht seit sp&auml;testens 1999 in Tr&uuml;mmern. Um dennoch den Anschein eines globalen Ordnungsrahmens aufrechtzuerhalten, hat der Westen praktischerweise eine neue Rechtsform f&uuml;r den Rest der Welt kreiert und pocht auf deren Einhaltung, was der Nichtwesten wiederum nicht so recht einsehen will: &bdquo;die regelbasierte internationale Ordnung&ldquo;.<\/p><p><strong>Exkurs Ende<\/strong><\/p><p>Das Ziel des emp&ouml;rten Vorwurfs besteht darin, nur die genehme H&auml;lfte des Gesamtbildes zu zeigen bzw. zu diskutieren und die andere, die unangenehme H&auml;lfte als nicht existent oder zumindest als nachrangig zu deklarieren.<\/p><p>Es soll nur dieser eine Fall, dieser eine Krieg, dieses eine Massaker, diese eine Kriegspartei betrachtet werden, um ein endg&uuml;ltiges Urteil zu f&auml;llen, was nat&uuml;rlich auf die unterkomplexe Erfassung von &bdquo;Realit&auml;t&ldquo; &ndash; hier die Guten, dort die B&ouml;sen &ndash; hinausl&auml;uft. Dieses bin&auml;re Schema funktioniert auch deshalb relativ erfolgreich, da es so manchem denkfaulen Zeitgenossen sehr entgegenkommt: Warum sich in komplizierte Realit&auml;ten eindenken, Kontexte ausleuchten, wenn es auch einfacher geht. Zumal sich positive und negative Images von Staaten und Gesellschaften, &uuml;ber lange Zeitr&auml;ume gepflegt, als relativ stabil erweisen. Der &bdquo;Serbe&ldquo; ist genauso hinterw&auml;ldlerisch wie der &bdquo;Russe&ldquo;. Dem Serben wurde w&auml;hrend der Zerlegung Jugoslawiens eine genetische Pr&auml;position zur Gewaltanwendung nachgesagt, wie der Russe, der zwar aussieht wie ein Europ&auml;er, aber keiner ist &ndash; wie die Politikwissenschaftlerin Florence Glaub 2022 in der Talksendung von M. Lanz als &bdquo;Expertise&ldquo; unwidersprochen zum Besten gab.<\/p><p><strong>&bdquo;Auffallen&ldquo; und &bdquo;auff&auml;llig&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die neueste Errungenschaft im Kampf um das Deutungsmonopol, im Kampf um das alleinherrschende Narrativ ist, wie bereits oben genannt, das Adjektiv &bdquo;auff&auml;llig&ldquo; und &bdquo;f&auml;llt auf&ldquo;. So ist zum Beispiel Sahra Wagenknecht &bdquo;mit Blick auf den Krieg in der Ukraine schon mehrmals mit Falschbehauptungen aufgefallen&ldquo;, so die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/bsw-wagenknecht-ukraine-russland-100.html\"><em>Tagesschau<\/em> vom 31. Juli 2024<\/a>.<\/p><p>Und auch in der Politikwissenschaft trifft es J. Varwick, Professor f&uuml;r Internationale Beziehungen und europ&auml;ische Politik an der Martin-Luther-Universit&auml;t Halle-Wittenberg, <a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/digital\/analyse\/981348338-ukraine-krieg-professor-johannes-varwick-putin-versteher-auf-abwegen\">&bdquo;der seit Jahren mit Russland-freundlichen Positionen auff&auml;llt &hellip;&ldquo;<\/a>.<\/p><p>F&uuml;r das Verb &bdquo;auffallen&ldquo; werden beispielsweise folgende Synonyme im Duden genannt: &bdquo;bemerkt werden&ldquo; und &bdquo;Aufmerksamkeit erregen&ldquo;. Die Adjektivform &bdquo;auff&auml;llig&ldquo; beschreibt der Duden mit: &bdquo;die Aufmerksamkeit erregend, auf sich ziehend&ldquo;. Als Beispiele nennt der Duden &bdquo;ein auff&auml;lliges Benehmen&ldquo;, &bdquo;er ist schon mit 14 Jahren zum ersten Mal auff&auml;llig geworden (ist durch gesetzwidriges o. &auml;. Verhalten aufgefallen)&ldquo;, ist also verhaltensauff&auml;llig &ndash; ein medizinischer bzw. psychologischer Befund. <\/p><p>Und genau darum geht es: Der Person wird Verhaltensauff&auml;lligkeit &ndash; also ein psychisches Problem &ndash; unterstellt, da, so der Duden, &bdquo;in ihrem Verhalten vom Normalen, &Uuml;blichen in auff&auml;lliger Weise abweichend&ldquo;. Auff&auml;llig ist also das Unnormale. Und was das Normale ist, bestimmen die Haltungsjournalisten, n&auml;mlich ihr Narrativ. Mit dem Verb &bdquo;auffallen&ldquo; wird auf subtile Weise dem Leser\/Zuschauer vermittelt, dass die mit diesem Verb begl&uuml;ckten Personen ein psychisches Problem haben. Der Medienkonsument m&ouml;ge bei psychisch belasteten Personen bitte nicht mehr hinh&ouml;ren und schon gar nicht dessen &Auml;u&szlig;erungen ernst nehmen.<\/p><p>Diese Beispiele zeigen, mit welch harten Bandagen die herrschende Meinung um ihr Monopol k&auml;mpft. Als Kollateralschaden wird nicht nur die Spaltung der Gesellschaft hingenommen, sondern auch die Demokratie, der Kampf um die besten Argumente, fahrl&auml;ssig gef&auml;hrdet.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/n7Mo1sq-wM0?si=SF8TunKpCtUDNJLh\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Marko Aliaksandr<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103849\">Wieso finanziert das Bundesfamilienministerium eine Plakatkampagne gegen die NachDenkSeiten?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85379\">&bdquo;Gegneranalyse&ldquo; &ndash; Das Bundesfamilienministerium finanziert ein &Uuml;berwachungs- und Diffamierungsportal gegen kritische Medien<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86379\">K&uuml;ppersbusch deckt Skandal auf: Bundespresseamt finanziert Gr&uuml;nen-Denkfabrik &bdquo;LibMod&ldquo; mit 500.000 Euro j&auml;hrlich<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116908\">Wie aus &bdquo;Zensur&ldquo; der &bdquo;Kampf gegen Desinformation&ldquo; wurde: Eine deutsche Geschichte in sechs Schritten<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/894d5d47b6ea41809cea74f2ef8b5c11\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Massenmedien sind eine Art &bdquo;Fenster zur Welt&ldquo;, so die Charakterisierung der Medien durch Walter Lippmann, ein US-amerikanischer Journalist und Publizist, der 1922 ein Grundlagenwerk des Journalismus mit dem Titel &bdquo;Die &ouml;ffentliche Meinung&ldquo; ver&ouml;ffentlichte. 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