{"id":122395,"date":"2024-10-04T10:00:20","date_gmt":"2024-10-04T08:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122395"},"modified":"2024-10-10T15:07:03","modified_gmt":"2024-10-10T13:07:03","slug":"mittaeterschaft-unser-eigener-anteil-am-sukzessiven-verlust-unserer-autonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122395","title":{"rendered":"Mitt\u00e4terschaft \u2013 Unser eigener Anteil am sukzessiven Verlust unserer Autonomie"},"content":{"rendered":"<p>In einem sehr konkreten Sinne ist vielen Menschen durchaus bewusst, dass ihnen immer weniger (Wahl-)M&ouml;glichkeiten zur Verf&uuml;gung stehen, was sich einschlie&szlig;lich des Dienstleistungssektors schon seit L&auml;ngerem auch im allt&auml;glichen Leben bemerkbar macht. In solchen F&auml;llen (Beispiel: Verkehrsberuhigung in Form kontraproduktiver Dauerblockierungen von Zufahrtswegen) regt sich auch Widerstand, w&auml;hrend die nicht so sicht- und f&uuml;hlbaren Einschr&auml;nkungen unserer Handlungsspielr&auml;ume oft nur am Rande registriert und\/oder achselzuckend hingenommen werden. Unser weitgehendes Desinteresse an derartigen Entwicklungen ist eine Form der Mitt&auml;terschaft, zu der aber auch zahlreiche zustimmende Varianten geh&ouml;ren. Im nachfolgenden Text geht es vor allem um Mitt&auml;terschaft im Sinne einer von uns in ganz unterschiedlichen Bereichen und teilweise schon sehr fr&uuml;h praktizierten Anpassungsbereitschaft an die von au&szlig;en kommenden (zumeist profitorientierten) Weichenstellungen. <strong>Magda von Garrel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241004-Mittaeterschaft-NDS.pdf\">gestaltetes PDF<\/a> vor. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1631\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-122395-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240927-Mittaeterschaft-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240927-Mittaeterschaft-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240927-Mittaeterschaft-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240927-Mittaeterschaft-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=122395-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240927-Mittaeterschaft-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240927-Mittaeterschaft-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Anpassungen im Konsumbereich<\/strong><\/p><p>Bereits 1949 wurde der erste Supermarkt und damit der erste Selbstbedienungsladen in der damaligen BRD er&ouml;ffnet. In den nachfolgenden Jahren schlossen sich Discounter wie Aldi, Lidl, Rewe und Edeka diesem Konzept an, das sich nach anf&auml;nglichem Z&ouml;gern rasch durchsetzte, obwohl die Gr&uuml;ndungsfilialen in aller Regel keinen besonders ansprechenden Eindruck erweckten.<\/p><p>Da die Discounter oft gar keine Verk&auml;uferinnen mehr besch&auml;ftigten, konnten sie ihre Waren vergleichsweise preisg&uuml;nstig anbieten, was sehr zu deren immer gr&ouml;&szlig;er werdender Beliebtheit beitrug. Nach &Uuml;bertragung des Selbstbedienungskonzepts auf andere Branchen kam es schon bald zu Zusammenballungen von Gesch&auml;ften in Form von Einkaufszentren &bdquo;auf der gr&uuml;nen Wiese&ldquo;, die oft nur noch mit dem Auto erreichbar waren.<\/p><p>Selbstbedienung wurde aber nicht nur wegen der damit einhergehenden Preisvorteile zu einem Erfolgsmodell, sondern auch wegen des bei den Kunden hervorgerufenen Gef&uuml;hls der Unabh&auml;ngigkeit. Mit anderen Worten sah es lange Zeit danach aus, als ob beide Seiten von diesem Konzept profitieren w&uuml;rden.<\/p><p>Tats&auml;chlich stehen der gef&uuml;hlten Konsumfreiheit hohe gesellschaftliche Kosten gegen&uuml;ber, die von uns allen getragen und bew&auml;ltigt werden m&uuml;ssen. Selbstbedienung l&auml;uft immer auf einen Verlust von Arbeitspl&auml;tzen hinaus, und Selbstbedienung in konzentrierter Form (Stichwort &bdquo;gr&uuml;ne Wiese&ldquo;) beeintr&auml;chtigt unsere Lebensqualit&auml;t sogar in mehrfacher Hinsicht (drastische Verringerung wohnortnaher Einkaufsm&ouml;glichkeiten bei gleichzeitiger Zunahme des Abgase produzierenden Autoverkehrs).<\/p><p><strong>Anpassungen im Dienstleistungsbereich<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend wir uns im vordigitalen Zeitalter noch mehr oder weniger freiwillig den von den Discountern eingeleiteten neuen Weichenstellungen angepasst haben, werden wir inzwischen immer h&auml;ufiger auch dann zu Anpassungen gezwungen, wenn diese erkennbar nicht vorteilhaft f&uuml;r uns sind. Mit der (Teil-)Privatisierung von Post und Bahn hat eine Entwicklung eingesetzt, die als &bdquo;Abw&auml;lzungsstrategie&ldquo; bezeichnet werden k&ouml;nnte. Im Interesse der jeweiligen Aktion&auml;re ist es in beiden Bereichen zu einem besonders massiven Abbau des (Stamm-)Personals und damit der einst selbstverst&auml;ndlichen Serviceleistungen gekommen.<\/p><p>Um nur einige Beispiele der nun von den Kunden selbst zu erbringenden Leistungen zu nennen: Fahrkarten werden nicht mehr vor Antritt einer Reise an Fahrkartenschaltern ausgegeben, sondern m&uuml;ssen zunehmend online erworben werden. Menschen, denen das (wegen eines fehlenden Computers oder wegen der relativ komplizierten Formulare) nicht m&ouml;glich ist, sind dar&uuml;ber hinaus gezwungen, sich an Familienmitglieder oder Nachbarn zu wenden, damit diese den Kartenkauf stellvertretend &uuml;bernehmen k&ouml;nnen.<\/p><p>Demgegen&uuml;ber hat sich die Bahn f&uuml;r Dauerkunden eine ganz andere Strategie ausgedacht, indem sie kurzerhand (angeblich aus Umweltschutzgr&uuml;nden) die Bahncards abgeschafft und stattdessen den Erwerb per Smartphones eingef&uuml;hrt hat. Das ist zwar eine sehr bequem zu handhabende Variante, bedeutet aber auch, dass Nichtbesitzer von Smartphones au&szlig;en vor bleiben, wenn sie sich die noch vorhandene, aber mit hohen Kosten verbundene alternative Beschaffungsm&ouml;glichkeit nicht leisten k&ouml;nnen.<\/p><p>&Uuml;ber solche Fragen denken gerade junge Menschen, die mit digitalen Ger&auml;ten aufgewachsen sind, kaum noch nach. Au&szlig;erdem nehmen sie es ziemlich gelassen hin, dass sie bei der Benutzung von Smartphones immer auch getrackt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>F&uuml;r die heutige Post gilt: Die Briefzustellung dauert immer l&auml;nger, und Pakete werden trotz Anwesenheit des Empf&auml;ngers oft schon gar nicht mehr ausgeh&auml;ndigt, sondern gleich zu Abholstationen gebracht, bei denen es sich nicht selten um weit entfernt liegende Kioske handeln kann.<\/p><p>Die Einbeziehung der Kioske ist eine direkte Folge der zunehmenden Schlie&szlig;ung wohnortnaher Postfilialen. Insofern lassen sich in diesem Bereich zwei wesentliche &Uuml;bereinstimmungen mit dem im Konsumbereich schon fr&uuml;h verankerten Selbstbedienungsprinzip feststellen: zum einen die Kompensation des Personalabbaus durch Verlagerung der Serviceleistungen auf die Kunden und zum anderen die &bdquo;Abwicklung&ldquo; wohnortnaher Standorte, die unter dem Stichwort Ver&ouml;dung der Innenst&auml;dte und D&ouml;rfer schon oft, aber zumeist erfolglos beklagt worden ist.<\/p><p>Das gilt nicht zuletzt f&uuml;r die im Interesse ihrer jeweiligen Aktion&auml;re handelnden Verantwortlichen, die sich davon &uuml;berzeugt zeigen, dass die ersatzweise angebotenen Online-Alternativen den Bed&uuml;rfnissen speziell der &auml;lteren Menschen sehr entgegenk&auml;men. Bei dieser Argumentation wird geflissentlich unterschlagen, dass die von ihnen betriebene Kahlschlagpolitik vielen Menschen schon gar keine andere Wahl mehr l&auml;sst. Aber auch diejenigen, die diesen Weg tats&auml;chlich freiwillig mitgehen, sollten bedenken, dass sie auf diese Weise zu einer Zementierung fremdbestimmter Lebensbedingungen beitragen.<\/p><p><strong>Anpassungen im Gesundheitsbereich<\/strong><\/p><p>Im Gesundheitsbereich haben sich gleich zwei Selbstbeteiligungsformen herausgebildet: Selbst&uuml;berwachung und Selbstdiagnose. Eine vergleichsweise lange Tradition hat die Selbst&uuml;berwachung, die von Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes zur Kontrolle der f&uuml;r sie relevanten Werte durchgef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Mit dem Aufkommen der computergest&uuml;tzten Kontrollm&ouml;glichkeiten ist die eigene &Uuml;berwachung diverser K&ouml;rperfunktionen zu einem Massenph&auml;nomen geworden. Die Attraktivit&auml;t der zu diesem Zweck konzipierten Ger&auml;te (insbesondere Fitnessarmb&auml;nder und -uhren) ergibt sich nicht zuletzt aus der Verbindung mit gesundheitsf&ouml;rdernden Verhaltenstipps.<\/p><p>Bewusst oder unbewusst identifizieren sich viele Nutzer mit der dahinterstehenden Botschaft, ganz allein f&uuml;r die Gesunderhaltung ihres K&ouml;rpers verantwortlich zu sein, weshalb andere Faktoren wie Umweltgifte oder Leistungsstress gar nicht mehr in Betracht gezogen werden. Inzwischen ist die Entwicklung schon so weit gediehen, dass sich Arbeitnehmer teilweise sogar mit Smartphones ausstatten lassen, die auf eine 24-st&uuml;ndige &Uuml;berwachung (also einschlie&szlig;lich des Schlafes) ausgelegt sind.<\/p><p>Auch wenn im letztgenannten Fall die Freiwilligkeit wohl eher nicht gegeben ist, bleibt festzuhalten, dass man uns viel einreden kann. Die meisten Nutzer der computergest&uuml;tzten Gesundheitsprogramme d&uuml;rften davon &uuml;berzeugt sein, dass sie in hohem Ma&szlig;e selbstwirksam handeln, und &uuml;bersehen dabei v&ouml;llig, dass sie aus Sicht der Anbieter in erster Linie als Lieferanten von Daten fungieren, die im Gesundheitsbereich ganz besonders begehrt sind.<\/p><p>Wie eingangs bereits erw&auml;hnt worden ist, findet das Mittun im Gesundheitsbereich auch in Form von Selbstdiagnosen statt. In Gang gesetzt wurde dieser Trend vor allem in den Corona-Jahren, in denen PCR-Tests nicht nur in Testzentren stattfanden, sondern auch als eigenh&auml;ndig durchzuf&uuml;hrende Schnelltests angeboten wurden. Zur Durchf&uuml;hrung von Selbstdiagnosen im Beisein von Veranstaltern f&uuml;hlte man sich verpflichtet, wenn man nicht im wahrsten Sinne des Wortes drau&szlig;en bleiben wollte. Mit anderen Worten unterzogen sich die Teilnahmewilligen diesen Tests vermutlich nur bedingt aus freien St&uuml;cken, aber der damit verbundene Gew&ouml;hnungseffekt trat trotzdem ein.<\/p><p>Allerdings hat sich das diagnostische Interesse inzwischen verlagert. Aktuell hoch im Kurs stehen Selbsttests, bei denen es beispielsweise um die Feststellung eines Vitaminmangels oder des Zustandes der Schilddr&uuml;se (&Uuml;ber- oder Unterfunktion) geht. Auch wenn die Ergebnisse der relativ teuren Selbsttests nicht sonderlich zuverl&auml;ssig sind und somit keine Laboruntersuchungen ersetzen k&ouml;nnen, liegen sie ganz auf der in den Corona-Jahren forcierten Linie, &auml;rztliche Diagnoseleistungen St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck auszulagern.<\/p><p>F&uuml;r Patienten, die sich daran beteiligen wollen, gibt es schon jetzt Selbsttestk&ouml;fferchen, wobei die selbst ermittelten Daten (zum Beispiel zur Herzfrequenz) vermutlich auch in die KI-gest&uuml;tzten Diagnoseprogramme einflie&szlig;en. F&uuml;r die zu diesem Zweck entwickelten Programme gilt, dass sie tendenziell &uuml;berall auf der Welt ausgelesen werden k&ouml;nnen und f&uuml;r die Schlussentscheidung nur noch die Anwesenheit eines einzigen Arztes erforderlich ist. Mit einer deutlichen Zunahme der &uuml;berwiegend extern generierten Diagnosen ist schon allein deshalb zu rechnen, weil die derzeit geplante Krankenhausreform nicht nur weitere Schlie&szlig;ungen von Krankenh&auml;usern, sondern (wegen der ebenfalls geplanten Eins&auml;tze niedergelassener &Auml;rzte in Krankenh&auml;usern) dar&uuml;ber hinaus etliche Praxisschlie&szlig;ungen mit sich bringen wird.<\/p><p>Angesichts der Tatsache, dass inzwischen auch die Krankenh&auml;user in gro&szlig;em Stil privatisiert worden sind, ist es kaum verwunderlich, dass selbst in diesem Bereich dasselbe Grundmuster anzutreffen ist: ein durch unbezahltes Outsourcing kompensierter Personalabbau einerseits und die Entfernung aus der Wohnortn&auml;he andererseits. In diesem Fall kommt noch hinzu, dass die Patienten zur H&auml;lfte an den mit der Umstrukturierung verbundenen enormen Kosten beteiligt werden sollen.<\/p><p><strong>Anpassungen im W&auml;hrungsbereich<\/strong><\/p><p>Die &Auml;lteren unter uns werden sich daran erinnern, dass Bankkonten in der Anfangszeit der BRD un&uuml;blich waren und den Arbeitnehmern der ihnen zustehende Wochen- oder Monatslohn direkt ausbezahlt wurde. Mit der vermehrten Einrichtung von Konten verlagerte sich der Zahlungsverkehr auf die (immerhin noch zahlreich vorhandenen) Banken. F&uuml;r die Zahlungsvorg&auml;nge standen spezielle, von den Kontoinhabern auszuf&uuml;llende Formulare zur Verf&uuml;gung. Im Vergleich dazu waren die sp&auml;ter eingef&uuml;hrten Girokarten schon bequemer zu handhaben, und je mehr stra&szlig;enseitig zug&auml;ngliche Bankautomaten eingerichtet wurden, desto h&auml;ufiger wurden die Karten auch eingesetzt.<\/p><p>Obwohl in den nachfolgenden Jahren immer mehr Karten und Bezahlsysteme auf den Markt kamen, hielten (insbesondere die Deutschen) an Bargeldzahlungen fest. Zum allm&auml;hlichen Umschwung trug auch der bewusste Abbau von Geldautomaten und Bankfilialen bei, weil nunmehr immer gr&ouml;&szlig;ere Distanzen &uuml;berwunden werden m&uuml;ssen, um &uuml;berhaupt noch an Bargeld zu kommen.<\/p><p>Die davor liegenden und nicht zuletzt von den Banken selbst unternommenen Schritte zur Abschaffung des Bargeldes sind der &Ouml;ffentlichkeit lange verborgen geblieben, obwohl sp&auml;testens seit den Corona-Jahren alles auf eine Forcierung des Online-Zahlungsverkehrs hinauslief. Auf jeden Fall steht fest, dass die in dieser Zeit verordneten Bewegungseinschr&auml;nkungen zu einer deutlichen Ausweitung des Online-Bankings gef&uuml;hrt haben.<\/p><p>Parallel dazu gingen immer mehr Anbieter von Waren und Dienstleistungen dazu &uuml;ber, nur noch Kartenzahlungen zu akzeptieren, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass Bargeld bis heute das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist. Allerdings wurde inzwischen schon daf&uuml;r gesorgt, dass der Handel nicht mehr zur Bargeldannahme, aber daf&uuml;r zur Annahme des E-Euros gezwungen ist.<\/p><p>Im Zuge dieser Entwicklung m&uuml;ssen auch die von der schon fr&uuml;h in Gang gesetzten Selbstbedienungswelle noch verschont gebliebenen Kassiererinnen und Kassierer in immer gr&ouml;&szlig;erer Zahl ihre Arbeitspl&auml;tze r&auml;umen, weil das Angebot an (zumeist online genutzten) Selbstbedienungskassen rasant zunimmt.<\/p><p>Auch diese Entwicklung wird unter dem Aspekt der Bequemlichkeit vielfach begr&uuml;&szlig;t. Dabei wird verdr&auml;ngt, dass die von den Nutzern beim Einkauf hinterlassenen Daten bei Bedarf jederzeit und schnell mit den von ihnen anderweitig erhobenen Daten verkn&uuml;pft werden k&ouml;nnen. Als Beispiele seien Suchanfragen, Warenlieferungen, Kontost&auml;nde, Reiseziele oder auch medizinische Befunde genannt.<\/p><p>Das Gegenargument lautet dann oft, dass man nichts zu verbergen habe. Dabei wird verkannt, dass es bei den digitalen Verkn&uuml;pfungen eben nicht in erster Linie um Verbrechensbek&auml;mpfung, sondern um die Erstellung passgenauer Pers&ouml;nlichkeitsprofile geht, mit deren Hilfe wir noch gezielter als bisher beworben, kontrolliert und manipuliert werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Die durch unser eigenes Verhalten unterst&uuml;tzten Versuche zur Abschaffung des Bargeldes erm&ouml;glichen aber auch noch ganz andere Eingriffe in unser Leben. So k&ouml;nnen wir unsere Meinungsfreiheit f&uuml;r immer verlieren, wenn Regierungen sich darauf verst&auml;ndigen, die aus ihrer Sicht gef&auml;hrlichen Meinungen mit einer sofortigen Kontensperrung zu ahnden. Weil mehrmonatige Sperrungen ohne das Vorhandensein von Bargeldalternativen unweigerlich eine Vernichtung der (beruflichen) Existenz zur Folge haben, werden sich die meisten Menschen kaum noch trauen, &ouml;ffentlich ein widerst&auml;ndiges Verhalten zu zeigen.<\/p><p><strong>Anpassungen im Politikbereich<\/strong><\/p><p>In den vorangegangenen Kapiteln ist es &uuml;berwiegend um unser Mittun bei den von Privatkonzernen eingeleiteten Ver&auml;nderungen gegangen, die ungeachtet aller vordergr&uuml;ndigen Attraktivit&auml;t letzten Endes nicht in unserem eigenen Interesse liegen. Aber auch Regierungen sind &ndash; wie gegen Ende des vorangegangenen Kapitels bereits angedeutet worden ist &ndash; willens und in der Lage, uns in eigenn&uuml;tziger Weise einzuspannen.<\/p><p>Ein Paradebeispiel ist das Vorgehen unserer derzeitigen Innenministerin Faeser, die ausgerechnet im Namen der Demokratie alles daransetzt, genau diese auszuh&ouml;hlen. Unter Einsatz steuerlich finanzierter F&ouml;rdergelder hat sie daf&uuml;r gesorgt, dass die Presse sogar noch einseitiger als in den Corona-Jahren im Sinne der Regierung berichtet, w&auml;hrend gleichzeitig eine Zensur missliebiger Meinungen stattfindet.<\/p><p>Eine Ausweitung der Eingriffsm&ouml;glichkeiten findet durch Einf&uuml;hrung neu ausgedachter und bewusst schwammig gehaltener Straftatbest&auml;nde (&bdquo;Delegitimierung des Staates&ldquo;) sowie durch den Aufbau einer &bdquo;Fr&uuml;herkennungseinheit&ldquo; statt, an der neben dem Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt auch etliche mit Bedacht ausgew&auml;hlte B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger beteiligt werden sollen.<\/p><p>In Anbetracht der Tatsache, dass die jetzige Bundesregierung eine dem Volkswohl widersprechende und friedensgef&auml;hrdende Politik exekutiert, k&ouml;nnen die von ihr massiv unterst&uuml;tzten &bdquo;Demos gegen rechts&ldquo; nur als Versuch verstanden werden, von den desastr&ouml;sen Folgen der eigenen rechtslastigen Politik abzulenken. Vor diesem Hintergrund ist es geradezu tragisch, dass sich viele Menschen guten Willens an solchen Aktionen beteiligen, anstatt f&uuml;r ihre eigenen Anliegen (Schaffung bezahlbaren Wohnraums, Umverteilung der Verm&ouml;gen, Investitionen in Bildung und Infrastruktur, Rekommunalisierung daseinsvorsorgender Betriebe sowie ein Mehr an echter Demokratie) auf die Stra&szlig;e zu gehen.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Insbesondere die Corona-Jahre haben sich als Brandbeschleuniger vieler Entwicklungen erwiesen, die auf einen sukzessiven Verlust unserer Autonomie hinauslaufen. Im privatwirtschaftlichen Sektor machen uns vor allem die personellen und &ouml;rtlichen Konzentrationsprozesse zu schaffen, die unsere Lebensqualit&auml;t vor allem im Dienstleistungs- und Gesundheitsbereich stark beeintr&auml;chtigen.<\/p><p>Wie an mehreren Beispielen gezeigt werden konnte, haben wir diese Entwicklung oft mitgetragen. Zu erkl&auml;ren ist diese Bereitschaft mit unserem Hang zur Sparsamkeit, unserer Begeisterung f&uuml;r technische Innovationen, unserer Neigung zur Bequemlichkeit sowie dem uns vermittelten verf&uuml;hrerischen Gef&uuml;hl, unsere Autonomie durch Eigenbeteiligung sogar noch vergr&ouml;&szlig;ern zu k&ouml;nnen. Vor allem in letztgenannter Hinsicht f&auml;llt es schwer, darin einen K&ouml;der zu erkennen, der uns langfristig und ganz im Sinne der M&auml;chtigen dieser Welt in eine totale Unfreiheit f&uuml;hren wird.<\/p><p>Zur Autonomie eines Menschen geh&ouml;ren Wahlm&ouml;glichkeiten, die uns schon jetzt ziemlich deutlich verloren gehen. Damit ist die momentan massiv vorangetriebene Digitalisierung aller Lebensbereiche gemeint, die uns s&auml;mtlicher analoger Alternativen berauben wird.<\/p><p>Aber auch in politischer Hinsicht sind wir im Begriff, uns entm&uuml;ndigen zu lassen. Sobald die Abschaffung des Bargeldes durchgesetzt worden ist, k&ouml;nnen wir finanziell so schnell kaltgestellt werden, dass der Wunsch nach eigenen Meinungs&auml;u&szlig;erungen oder anderen Formen der politischen Beteiligung gar nicht mehr aufkommen wird.<\/p><p>Sp&auml;testens dann k&ouml;nnen sich die herrschenden Eliten entspannt zur&uuml;cklehnen, weil sie uns zu diesem Zeitpunkt so im Griff haben, dass sie uns nicht einmal mehr besonders kontrollieren oder manipulieren m&uuml;ssen. Wenn wir das nicht wollen, sollten wir uns der Rolle unserer Mitt&auml;terschaft bewusst werden und diese einstellen oder zumindest reduzieren. Noch besser w&auml;re es, wenn wir dar&uuml;ber hinaus &ndash; beginnend mit einer R&uuml;ckeroberung unserer gewohnten Wohn- und Lebensr&auml;ume &ndash; unsere Apathie absch&uuml;tteln und uns zu einem kritisch hinterfragenden Widerstand durchringen k&ouml;nnten.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122790\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: RossHelen\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem sehr konkreten Sinne ist vielen Menschen durchaus bewusst, dass ihnen immer weniger (Wahl-)M&ouml;glichkeiten zur Verf&uuml;gung stehen, was sich einschlie&szlig;lich des Dienstleistungssektors schon seit L&auml;ngerem auch im allt&auml;glichen Leben bemerkbar macht. In solchen F&auml;llen (Beispiel: Verkehrsberuhigung in Form kontraproduktiver Dauerblockierungen von Zufahrtswegen) regt sich auch Widerstand, w&auml;hrend die nicht so sicht- und f&uuml;hlbaren Einschr&auml;nkungen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122395\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":122396,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,184,126,54,143],"tags":[3192,1870,3144,2380,2094,442,489,2674,1865],"class_list":["post-122395","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-ueberwachung","category-erosion-der-demokratie","category-gestaltete-pdf","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","tag-autonomie","tag-bargeld","tag-bargeldloser-zahlungsverkehr","tag-dienstleistungen","tag-digitalisierung","tag-eigenverantwortung","tag-fremdbestimmung","tag-konsumismus","tag-meinungsfreiheit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Shutterstock_2255339317.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122395"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122841,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122395\/revisions\/122841"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/122396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}