{"id":122414,"date":"2024-10-02T15:55:29","date_gmt":"2024-10-02T13:55:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122414"},"modified":"2024-10-02T18:33:39","modified_gmt":"2024-10-02T16:33:39","slug":"julian-assange-vor-dem-europarat-ungebrochen-und-nicht-verbittert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122414","title":{"rendered":"Julian Assange vor dem Europarat: Ungebrochen und nicht verbittert"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Vormittag hat Julian Assange vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) ausgesagt. Er hielt eine vorbereitete Rede &uuml;ber die Erfahrungen der letzten 14 Jahre und beantwortete danach Fragen der anwesenden Zuh&ouml;rer. Obwohl er am Anfang von den Schwierigkeiten sprach, die ihm das Reden vor einer parlamentarischen Versammlung nach fast 14 Jahren Unfreiheit bereitet, schien er in guter Verfassung. Er zog nicht nur Res&uuml;mee, sondern sein Blick ging auch in die Zukunft. Au&szlig;erdem lie&szlig; Assange anklingen, wie die Aufkl&auml;rungsarbeit der von ihm gegr&uuml;ndeten Organisation <em>Wikileaks<\/em> fortgesetzt werden k&ouml;nnte und dass dies n&ouml;tiger denn je ist. Er sei nicht freigekommen, weil das System funktioniert habe, sondern Dank des unerm&uuml;dlichen Einsatzes unz&auml;hliger Menschen und Organisationen. Von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer vollst&auml;ndige Text seiner Rede findet sich hier auf <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2024\/10\/01\/assange-im-free-because-i-pled-guilty-to-journalism\/\">Englisch<\/a> (etwas holprig) und hier auf <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122369\">Deutsch<\/a>. <\/p><p>Nachfolgend einige der wichtigsten Punkte der gestrigen Veranstaltung und meine Gedanken dazu.<\/p><p>Als Erstes bedankte sich Assange f&uuml;r die Einladung durch PACE. Er sagte, dass er noch nicht v&ouml;llig in der Lage sei, &uuml;ber das zu sprechen, was er erdulden musste. Auch sei er nicht in der Lage, &uuml;ber erh&auml;ngte Mitgefangene, Mord und medizinische Vernachl&auml;ssigung im Belmarsh Gef&auml;ngnis zu sprechen.<\/p><p>Trotzdem fragte ihn der konservative britische Abgeordnete Edward Leigh, was es mit den &bdquo;ernsten Vorw&uuml;rfen&ldquo; von Folter in Belmarsh auf sich habe. Weiter sagte dieser, dass niemand abstreite, dass Belmarsh ein &bdquo;extrem unangenehmer Ort&ldquo; sei, aber er vermisse doch die Beweise f&uuml;r die Foltervorw&uuml;rfe. <\/p><p>Hierzu beantwortete Assange nur den ersten Teil der Frage, in dem es um das Auslieferungsabkommen zwischen den USA und dem Vereinigten K&ouml;nigreich ging. Er sagte, der Vertrag bevorzuge die USA, und es w&uuml;rden neunmal so viele Menschen in die USA ausgeliefert wie umgekehrt. Die Richter im Vereinigten K&ouml;nigreich seien Teil des Establishments und w&uuml;ssten von selbst, was zu tun sei, um das System, in dem sie seit Langem gut leben, zu erhalten.<\/p><p>Beim zweiten Teil der Frage wiegelte der Vorsitzende Lord Richard Keen ab und sagte, jedem Abgeordneten stehe nur eine Frage zu. Es w&auml;re vielleicht eleganter und fairer gewesen, wenn Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson das Wort ergriffen h&auml;tte und die Fragen der Behandlung in Belmarsh auf einen sp&auml;teren Zeitpunkt verschoben h&auml;tte, so wie Assange es in seiner Eingangsbemerkung ja schon angedeutet hatte.<\/p><p>Ich finde es &uuml;berhaupt erstaunlich und es zeugt von Assanges Widerstandskraft, dass er nach etwas mehr als drei Monaten seit seiner Entlassung in der Lage ist, wieder nach Europa zu reisen und seine Verfolgung so pr&auml;zise darzustellen und mit aktuellen Vorg&auml;ngen, z.B. in Gaza und der Ukraine, zu verkn&uuml;pfen. Es war sein erster &ouml;ffentlicher Auftritt seit seiner Freilassung und, wenn man so will, seit der Zeit im Fr&uuml;hjahr 2018, als die ecuadorianische Regierung seine Kommunikationswege gekappt hatte.<\/p><p>Assange sprach dar&uuml;ber, warum er <em>Wikileaks<\/em> gegr&uuml;ndet hat: dass er den einfachen Traum hatte, die Menschen aufzukl&auml;ren dar&uuml;ber, wie die Welt funktioniert, und dass durch dieses Verst&auml;ndnis vielleicht etwas Besseres hervorgebracht werden k&ouml;nnte. Wenn man eine Landkarte habe, auf der man sieht, wo man ist, dann wei&szlig; man vielleicht, wohin es geht.<\/p><p>Er hat recht, wenn er sagt, dass wir aufh&ouml;ren m&uuml;ssen, uns gegenseitig zu knebeln, zu foltern und zu ermorden. Wenn man diese fundamentalen Dinge richtigstelle, dann g&auml;be es Platz, sich um die restlichen Dinge zu k&uuml;mmern.<\/p><p>Es ist wirklich die fundamentale Frage, die sich auch mir immer wieder stellt: Wie schaffen wir es, innezuhalten, uns umzusehen, uns in die anderen hineinzuversetzen, und einen anderen Weg einzuschlagen? Einen Weg, der nicht auf Gewalt basiert, sondern auf wirklicher Verst&auml;ndigung und gegenseitigem Austausch. Manchmal habe ich leider das Gef&uuml;hl, dass viele Menschen nicht dazu angelegt sind, in Frieden zu leben, weil dies f&uuml;r das menschliche Naturell zu langweilig ist. Oder handelt es sich nur um eine Minderheit, die es schafft, in Machtpositionen zu gelangen und so die Geschicke der Mehrheit zu bestimmen?<\/p><p>Assange sprach dar&uuml;ber, warum er sich auf die Verst&auml;ndigungsvereinbarung eingelassen habe. Dass er nach 14 Jahren unter Hausarrest, Belagerung in der Botschaft und dann im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis genug gehabt habe. Er h&auml;tte seinen Fall vor dem obersten US-Gericht vielleicht gewinnen k&ouml;nnen, je nachdem, wie die Mehrheitsverh&auml;ltnisse dort seien. Es sei aber fraglich gewesen, ob er dieses Prozedere &uuml;berlebt h&auml;tte.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/lyb-Rl3MgqU?si=fFU6Y9H2idRF837S\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Es ist gut, dass er mehrmals das Schicksal anderer Journalisten und Whistleblower schilderte. So zum Beispiel den Fall von Joshua Schulte, der f&uuml;r die Offenbarung von Machenschaften und Abh&ouml;rtechniken der CIA zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde &ndash; unter Bedingungen, die schlimmer seien als in Guantanamo. Au&szlig;erdem ging Assange auf die menschenunw&uuml;rdige Behandlung von Chelsea Manning ein, die einen Gro&szlig;teil der Dokumente f&uuml;r die Wikileaks-Ver&ouml;ffentlichungen in den Jahren 2010 und 2011 geliefert hatte.<\/p><p>Es ist sch&ouml;n zu h&ouml;ren, dass es Assange nicht nur um seinen Fall geht, sondern dass ihm der Blick auf seine Umwelt erhalten geblieben ist bzw. dass dieser vielleicht sogar noch gesch&auml;rft ist.<\/p><p>Assange sprach &uuml;ber den weit reichenden Arm der USA, die versuchen, Menschen in anderen L&auml;ndern zu verfolgen, diese zum Schweigen zu bringen und andere von Nachahmung abzuhalten. Au&szlig;erdem w&uuml;rden Pr&auml;zedenzf&auml;lle geschaffen, wenn die USA mit diesen Handlungen Erfolg h&auml;tten, und L&auml;nder wie Russland k&ouml;nnten auch auf Auslieferung von mi&szlig;liebigen Journalisten oder anderen Individuen bestehen.  Hier seien die Europ&auml;ischen Institutionen gefordert, um Europa und seine B&uuml;rger zu sch&uuml;tzen und auch um ein Vorbild f&uuml;r den Rest der Welt zu sein.<\/p><p>Mir stellt sich die Frage, ob dies nicht ein frommer Wunsch ist, wenn man sieht, wie bedingungslos die meisten europ&auml;ischen L&auml;nder dem Kurs der USA folgen und wie begeistert viele L&auml;nder Mitglieder in der NATO sind. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben bzw. die Hoffnung stirbt zuletzt.<\/p><p>Assange w&uuml;rdigte den Einsatz der Parlamentarischen Versammlung des Europarates f&uuml;r ihn in den letzten Jahren. Er sagte, dass er in Frankreich gelebt habe, bevor er nach England ging, von wo er dann nie wiederkehrte. Er betonte, dass Europa ihm als der nat&uuml;rliche Ort erschien, um die Arbeit von <em>Wikileaks<\/em> zu betreiben. Es w&uuml;rde mich nicht wundern, wenn er sich mit seiner Familie wieder irgendwo in Europa niederl&auml;sst, auch wenn die s&uuml;dliche Hemisph&auml;re in diesen Tagen manchmal als der sicherere Ort erscheint. Ich w&uuml;rde mich freuen, wenn Assange in Europa bliebe, um von hier die &ouml;ffentliche Debatte zu befruchten.<\/p><p>Assange betonte, dass es sich bei seiner Verfolgung um einen Justizkrieg gegen ihn gehandelt habe und dass dieser, wenn er von m&auml;chtigen Regierungen mit unbegrenzten Ressourcen gegen ein Individuum gef&uuml;hrt werde, kaum f&uuml;r dieses zu gewinnen sei. Er ging dann auch auf die Rolle von Gesetzen ein, die in gutem Glauben gemacht und dann von interessierter Seite gegen die Bev&ouml;lkerung verwendet werden.<\/p><p>Bei dem europ&auml;ischen Haftbefehl habe es sich um so ein Instrument gehandelt. Dieser sei eingef&uuml;hrt worden, um muslimische Terroristen schnell auszuliefern, und das habe dann dazu gef&uuml;hrt, dass Menschen ausgeliefert werden, ohne dass vorher Anklage gegen sie erhoben wurde. Dies sei dann im Vereinigten K&ouml;nigreich auch ge&auml;ndert worden, allerdings sei die entsprechende Verf&uuml;gung extra mit einer Notiz versehen worden, dass diese Regelung nicht r&uuml;ckwirkend f&uuml;r ihn gelte. Es geht hier um das Auslieferungsbegehren von Schweden, welches die beteiligten Beh&ouml;rden in Schweden und im Vereinigten K&ouml;nigreich jahrelang auf der Stufe von Vorermittlungen k&ouml;cheln lie&szlig;en.    <\/p><p>Einmal mehr sieht man, dass es an allen Ecken und Enden Dinge zu tun gibt, um das Zusammenleben in der Gesellschaft gerechter und humaner zu gestalten.<\/p><p>Assange sagte, dass es seine Naivit&auml;t gewesen sei, die ihn an die Gerechtigkeit der Justiz glauben lie&szlig;. <\/p><p>Sehr interessant war die Frage an ihn, welche Fehler er bei seiner Arbeit mit <em>Wikileaks<\/em> gemacht habe bzw. was er heute anders machen w&uuml;rde. Er beklagte den damaligen Mangel an Ressourcen und, dass die Art der Arbeit von <em>Wikileaks<\/em> zu einem Vorgehen im Geheimen gef&uuml;hrt habe. Sein zentraler Satz zu diesem Thema war aber wohl, dass er seine Medienpartner besser h&auml;tte ausw&auml;hlen sollen. Hiermit sind wohl die Mainstreammedien gemeint, die sich erst zusammen mit <em>Wikileaks<\/em> ins Rampenlicht gestellt hatten und gut damit verdienten. Als Assanges Verfolgung dann begann, wurde er von diesen Medien nicht nur fallen gelassen, sondern auch noch mit einer Rufmordkampagne &uuml;berzogen.<\/p><p>Assange sagte, die Ersten, die die volle Bedeutung seines Falles erkannt h&auml;tten, seien die Rechtsanw&auml;lte dieser gro&szlig;en Medienh&auml;user gewesen, und danach habe es einigen Nichtregierungsorganisationen ged&auml;mmert. Aber meiner Meinung nach haben auch diese ihn nur halbherzig vertreten. Amnesty International hat sich bis zum Ende seiner Inhaftierung geweigert, Assange den Status eines &bdquo;gewaltfreien politischen Gefangenen zu verleihen&ldquo;, und Reporter ohne Grenzen weigert sich, ihn als Journalisten zu bezeichnen. Zu diesem Themenkomplex hat Sunna Kroy anl&auml;sslich seines Geburtstags eine informative <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kroy_Assange.pdf\">Rede<\/a> gehalten.<\/p><p>Heute hat die Parlamentarische Versammlung des Europarats mit 65 zu 31 Stimmen bei 23 Enthaltungen Julian Assange <a href=\"https:\/\/pace.coe.int\/en\/votes\/39980\">als politischen Gefangenen anerkannt<\/a>. Es bleibt abzuwarten, was die Bundesregierung dazu zu sagen hat. Von den deutschen Vertretern stimmten die SPD, die Gr&uuml;nen, BSW und AfD f&uuml;r die Resolution, FDP und CDU blieben der Abstimmung ganz fern. <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm.png\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"628\" class=\"alignleft size-full wp-image-122417\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm.png 2048w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-300x92.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-1024x314.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-768x236.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-1536x471.png 1536w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-1060x325.png 1060w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-1598x490.png 1598w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/241002mm-799x245.png 799w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/a><\/p><p>Ich denke, Julian Assange hat seine Freiheit zum gro&szlig;en Teil mehr oder weniger prominenten Aktivisten zu verdanken, die sich &ouml;ffentlich f&uuml;r ihn eingesetzt haben. In London kenne ich Menschen, die schon 2010 vor dem High Court demonstriert haben, als es um die von Schweden geforderte Auslieferung ging. Letztendlich haben seinen Verfolger gemerkt, dass diese Aktivisten nicht einfach verschwinden werden und dass sie sich auch weitere 14 Jahre f&uuml;r Assange einsetzen w&uuml;rden. Au&szlig;erdem sind 14 Jahre gestohlene Lebenszeit auch schon abschreckend genug, und viele Journalisten und potenzielle Whistleblower werden sich &uuml;berlegen, wie weit sie mit ihren Enth&uuml;llungen gehen. <\/p><p>Assange sagte, dass sich in seinen verlorenen 14 Jahren die Lage f&uuml;r die Journalisten noch verschlechtert habe. Journalisten w&uuml;rden verfolgt, sie zensierten sich aus Angst selbst und die staatlichen Akteure handelten ohne Angst vor Bestrafung.<\/p><p>Assange erw&auml;hnte diese Menschen mehrfach, im Wortlaut: &bdquo;Doch wie so viele Bem&uuml;hungen in meinem Fall, ob sie nun von Parlamentariern, Pr&auml;sidenten, Premierministern, dem Papst, UN-Beamten und Diplomaten, Gewerkschaften, Juristen und Medizinern, Akademikern, Aktivisten oder B&uuml;rgern ausgingen, w&auml;re keine davon notwendig gewesen.&ldquo; &ndash; wenn das System funktioniert h&auml;tte.<\/p><p>Die Medienlandschaft hat sich in den letzten 14 Jahren stark ver&auml;ndert, und wahrscheinlich kommt es ja zu einer Zusammenarbeit von Assange mit unabh&auml;ngigeren Medien, hoffentlich auch mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>.<\/p><p>Vor 14 Jahren gab es auch nicht wirklich viele Elektroautos, und Assange sagte, dass er deren Ger&auml;usch unheimlich f&auml;nde nach den Jahren im Gef&auml;ngnis. Er brauche jetzt auch Zeit, um sich wieder an ein Leben mit seinen Kindern zu gew&ouml;hnen, ein Leben als Ehemann und auch mit einer Schwiegermutter. Hier wurde es dann lustig, und Assange ruderte etwas zur&uuml;ck und sagte, wie &bdquo;lovely&ldquo; seine Schwiegermutter sei. In diesem Moment stellte ihm seine Frau Stella mit einem Schmunzeln das Mikrofon ab. <\/p><p>Gut, dass man jetzt solche Szenen beobachten kann. Vor einem halben Jahr h&auml;tte man sich das nicht tr&auml;umen lassen, und es erscheint mir nach &uuml;ber f&uuml;nf Jahren Einsatz f&uuml;r die Freiheit Julian Assanges fast surreal, ihn jetzt auf einem Podium sprechen zu sehen. Den Hunderten get&ouml;teten Journalisten und Journalistinnen in den derzeitigen Kriegen ist allerdings nicht mehr zu helfen. Umso mehr m&uuml;ssen wir versuchen, diese Kriege einzud&auml;mmen und zu beenden. Es sind nat&uuml;rlich handfeste materielle Interessen im Spiel. Auf die Frage von Edward Leigh erw&auml;hnte Assange, dass der R&uuml;stungskonzern BAE jetzt der gr&ouml;&szlig;te Hersteller im Vereinigten K&ouml;nigreich ist. Diese Interessen zur&uuml;ckzudr&auml;ngen wird sehr schwierig sein, denn jeder einzelne Aktion&auml;r solcher Firmen verdient Geld, wenn Waffen gekauft und verbraucht werden.<\/p><p>Ein mit mir befreundeter Professor vertritt die These, dass bei jedwedem Studienfach Ethik mit gelehrt werden sollte, damit die angehenden Akademiker sich mehr Gedanken &uuml;ber die Folgen ihrer Aktivit&auml;ten machen k&ouml;nnen. Wahrscheinlich sollte so eine Aufmerksamkeit schon viel fr&uuml;her im Leben anfangen.<\/p><p>Auch der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko kam zu Wort, und er betonte zu Recht den Einsatz des Europarats im Fall Assange. Hunko selbst war im Februar in London am High Court als Beobachter anwesend, wo ich auch mit ihm zusammentraf. Er ist wohl einer der ma&szlig;geblichen Organisatoren, die Julian Assanges Auftritt in Stra&szlig;burg erm&ouml;glichten.<\/p><p>Die BSW-Abgeordnete Sevim Dagdelen war auch anwesend. Sie stellte eine Frage bez&uuml;glich der Bestrafung der von <em>Wikileaks<\/em> aufgedeckten Kriegsverbrechen und, was Journalisten in Kriegsgebieten zu ihrem Schutz tun k&ouml;nnten. Assange entschuldigte sich, dass er mittlerweile etwas m&uuml;de sei, und gab die Frage an Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson weiter. Sevim Dagdelen erw&auml;hnte, dass sie die erste Parlamentarierin gewesen sei, die Julian Assange schon 2012 in der ecuadorianischen Botschaft besucht habe. Sie hat ihn auch im Gef&auml;ngnis besucht und war danach mehrmals bei den Anh&ouml;rungen vor den verschiedenen Gerichten anwesend.<\/p><p>W&auml;hrend der Live&uuml;bertragung gab es nur die &uuml;berschaubare Anzahl von gut 3.000 Zuschauern, und bis jetzt haben sich 61.000 Menschen das Video der Anh&ouml;rung auf <em>YouTube<\/em> angeschaut. Es lohnt sich wirklich, das Ganze im Wortlaut zu sehen und zu h&ouml;ren. Hier nochmals der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/Mq85IZMeigc\">Link<\/a>. <\/p><p>Insgesamt eine inspirierende Veranstaltung und ein gutes Zeichen, dass sich der Einsatz aller Mahnwachenden, unter ihnen auch viele NachDenkSeiten-Leser, gelohnt hat. Auch von mir ein herzlicher Dank an alle diese gro&szlig;artigen Menschen!<\/p><p>Nun zum <em>Newsletter<\/em> von Almut Stackmann, auch ihr ein gro&szlig;er Dank f&uuml;r die Newsletter und ihren Einsatz in den letzten Jahren! Der Newsletter enth&auml;lt unter anderem Hinweise auf zahlreiche Veranstaltungen. Wenn ich am 5. Oktober in Berlin w&auml;re, w&uuml;rde ich auch in die Kulturbrauerei gehen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>&bdquo;Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Fall Julian Assange, f&uuml;r Pressefreiheit und freie Rede, liebe Leserinnen und Leser,<\/p><p>aus aktuellem Anlass sende ich euch heute doch noch eine E-Mail zum Thema.<\/p><p>Die Verleihung des V&aacute;clav-Havel-Menschenrechtspreises 2024, mit dem weltweit herausragende Menschenrechtsverteidiger geehrt werden, wird ein H&ouml;hepunkt der Herbsttagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) sein, die vom 30. September bis 4. Oktober 2024 in Stra&szlig;burg stattfindet.<br>\nJulian Assange wurde explizit zu diesem Ereignis eingeladen und hat die Einladung angenommen.<\/p><p><strong>Er ist am Montag mit seiner Familie in Frankreich eingetroffen<\/strong>, um <strong>am 1. Oktober in Stra&szlig;burg<\/strong> vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) auszusagen.<\/p><p>Hier ein kurzes Video der Ankunft in Frankreich: <a href=\"https:\/\/x.com\/wikileaks\/status\/1840701510910349637\">https:\/\/x.com\/wikileaks\/status\/1840701510910349637<\/a> <\/p><p>Die <em>Berliner Zeitung<\/em> berichtete:<br>\n<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/julian-assange-wikileaks-gruender-trifft-vor-erstem-oeffentlichen-auftritt-in-frankreich-ein-li.2257532\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/julian-assange-wikileaks-gruender-trifft-vor-erstem-oeffentlichen-auftritt-in-frankreich-ein-li.2257532<\/a><\/p><p>Am <strong>Mittwoch, dem 2. Oktober<\/strong>, wird die Versammlung auf der Grundlage eines Berichts von Thorhildur Sunna &AElig;varsd&oacute;ttir (Island, SOC) eine <strong>Plenardebatte und eine Abstimmung zu diesem Thema<\/strong> abhalten. Es wird erwartet, dass Herr Assange die Debatte von der Trib&uuml;ne aus verfolgt.<\/p><p>&#8252;&#65039; &#8252;&#65039; Au&szlig;erdem m&ouml;chte ich euch nochmals den ersch&uuml;tternden Dokumentarfilm von Can D&uuml;ndar ans Herz legen. &#8252;&#65039; &#8252;&#65039;<br>\nDer Film &bdquo;Guardians of Truth: Julian Assange and the Dark Secrets of War&rdquo; wird im Rahmen des Human Rights Festivals Berlin am 5. Oktober 2024 um 19:45 Uhr im Kino in der KulturBrauerei gezeigt.<br>\n<a href=\"https:\/\/www.humanrightsfilmfestivalberlin.de\/de\/sonderscreening-und-panel\">https:\/\/www.humanrightsfilmfestivalberlin.de\/de\/sonderscreening-und-panel<\/a><\/p><p>In dem Dokumentarfilm &bdquo;Guardians of Truth: Julian Assange and the Dark Secrets of War&rdquo; konzentrieren sich Can D&uuml;ndar und die Regisseurin Sarah Mabrouk auf die Menschen, die diesen Angriff erlebt haben. Sie treffen einen der &Uuml;berlebenden im Irak und einen der beteiligten US-Soldaten und stellen fest, dass das Trauma und der Schmerz auch 17 Jahre nach den Ereignissen noch andauern.<\/p><p>Der Film wird bei dem Festival seine Kinopremiere feiern. Im Begleittext hei&szlig;t es &bdquo;wir haben die Ehre, Sajjad Mutashar und Ethan McCord zu einem Gespr&auml;ch zu empfangen. Sajjad Mutashar &uuml;berlebte den Angriff als zehnj&auml;hriger Junge, w&auml;hrend Ethan McCord ein US-Soldat war, der unmittelbar nach dem Angriff am Tatort eintraf. Ihre Begegnung wurde in dem Video &bdquo;Collateral Murder&rdquo; festgehalten. Nach der Filmvorf&uuml;hrung werden sie sich erneut treffen, um &uuml;ber Schuld und Vers&ouml;hnung zu sprechen.&rdquo;<\/p><p><strong>Im Anschluss an das Gespr&auml;ch findet eine hochkar&auml;tige Podiumsdiskussion<\/strong> mit dem WikiLeaks-Chefredakteur <strong>Kristinn Hrafnsson<\/strong> statt, der gemeinsam mit den Regisseuren <strong>Can D&uuml;ndar und Sarah Mabrouk<\/strong> &uuml;ber die aktuellen Herausforderungen f&uuml;r die Presse- und Meinungsfreiheit diskutieren wird. Die Veranstaltung wird von Dr. Melinda Crane, politische Chefkorrespondentin der <em>Deutschen Welle (DW)<\/em>, moderiert. <\/p><p>Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn der gro&szlig;e Saal gut gef&uuml;llt w&auml;re!<br>\nTickets nur 10,00 \/ 8,00 EUR.<\/p><p>Im Acud Kino werden regelm&auml;&szlig;ig Filme zum Fall Assange gezeigt, aber auch zu den Themen Redefreiheit und Menschenrechte. K&uuml;rzlich wurde folgender Film dort gezeigt:<br>\n&bdquo;FREE SPEECH FEAR FREE Special 2020&Prime;<br>\nWer keine Gelegenheit hatte, ihn anzusehen, hier ein Link zu Vimeo:<br>\n<a href=\"https:\/\/vimeo.com\/397798228\">https:\/\/vimeo.com\/397798228<\/a><\/p><p>&#8252;&#65039; Aktivisten aus Dessau erstellen momentan ein <strong>Assange Archiv<\/strong>. Dort wird alles gesammelt, was im Laufe der Zeit von uns Unterst&uuml;tzern f&uuml;r die Freiheit von Julian Assange produziert worden ist und bei den Mahnwachen zum Einsatz kam. Bitte denkt daran, wenn ihr euch beteiligen wollt, schickt eure Materialien an das<\/p><p>Assange Archive<br>\nc\/o Assange Network<br>\nDaheimstra&szlig;e 51<br>\n06842 Dessau-Rosslau<\/p><p>E-Mail:<br>\n<a href=\"mailto:manjamccade@protonmail.com\">manjamccade@protonmail.com<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/assangearchives.substack.com\/\">https:\/\/assangearchives.substack.com\/<\/a><\/p><p>Hier noch zwei Artikel auf <em>Pressenza<\/em>, der Erste mit dem Link, mit dem man den Pr&auml;sidenten der USA um <strong>Begnadigung f&uuml;r Julian Assange<\/strong> bitten kann,<br>\n<a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2024\/09\/ein-update-zu-julian-assange-und-unserer-kampagne-fuer-seine-begnadigung\/\">https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2024\/09\/ein-update-zu-julian-assange-und-unserer-kampagne-fuer-seine-begnadigung\/<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/www.action.assangecampaign.org\/?pc=up1\">https:\/\/www.action.assangecampaign.org\/?pc=up1<\/a><\/p><p>und der zweite Artikel bringt ein sch&ouml;nes <strong>Interview mit Stella Assange<\/strong>:<br>\n<a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2024\/09\/stella-assange-zusammen-koennen-wir-die-geschichte-veraendern-auch-in-gaza\/\">https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2024\/09\/stella-assange-zusammen-koennen-wir-die-geschichte-veraendern-auch-in-gaza\/<\/a><\/p><p>Es gr&uuml;&szlig;t euch solidarisch, freundlich<\/p><p>Almut Stackmann<br>\nFreeAssange Berlin<\/p><p>Web: <a href=\"https:\/\/freeassange.eu\/#aktionsuebersicht\">FreeAssange.eu<\/a><br>\nDoc: <a href=\"https:\/\/free-whistleblower.jimdofree.com\/free-assange-berlin-1\/\">https:\/\/free-whistleblower.jimdofree.com\/free-assange-berlin-1\/<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/freiepresse.news\/2024\/02\/27\/theres-only-one-decision-no-extradition\/\">https:\/\/freiepresse.news\/2024\/02\/27\/theres-only-one-decision-no-extradition\/<\/a><br>\nTwitter\/ X: <a href=\"https:\/\/x.com\/Berlin4Assange\/status\/1812150826929979413\">https:\/\/x.com\/Berlin4Assange\/status\/1812150826929979413<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/twitter.com\/FreeAssange_eu\">https:\/\/twitter.com\/FreeAssange_eu<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/Mq85IZMeigc\">Screenshot PACE-TV<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Vormittag hat Julian Assange vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) ausgesagt. Er hielt eine vorbereitete Rede &uuml;ber die Erfahrungen der letzten 14 Jahre und beantwortete danach Fragen der anwesenden Zuh&ouml;rer. Obwohl er am Anfang von den Schwierigkeiten sprach, die ihm das Reden vor einer parlamentarischen Versammlung nach fast 14 Jahren Unfreiheit bereitet, schien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122414\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":122415,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[184,198,126,183,211],"tags":[681,1986,3058,3507,441,2163,901,3093,3028,2079,1471,930,2617,3277,1415,906,1556,665],"class_list":["post-122414","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ueberwachung","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-medienkritik","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-assange-julian","tag-dagdelen-sevim","tag-diffamierung","tag-europarat","tag-freiheit","tag-gefaengnis","tag-geheimdienste","tag-haftbedingungen","tag-haltungsjournalismus","tag-hunko-andrej","tag-investigativer-journalismus","tag-justiz","tag-manning-chelsea","tag-politische-haft","tag-pressefreiheit","tag-ruestungsindustrie","tag-usa","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Cover-Foto.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122414"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122460,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122414\/revisions\/122460"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/122415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}