{"id":122520,"date":"2024-10-05T10:00:53","date_gmt":"2024-10-05T08:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122520"},"modified":"2026-01-15T16:15:47","modified_gmt":"2026-01-15T15:15:47","slug":"gruesse-aus-bruessel-oder-wohin-geht-es-mit-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122520","title":{"rendered":"Gr\u00fc\u00dfe aus Br\u00fcssel &#8211; oder: Wohin geht es mit der EU?"},"content":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich gerade in Br&uuml;ssel los? &Uuml;berdeckt vom Kriegsgeschehen in vielen Regionen der Welt, im Vorfeld des aufgeregten US-amerikanischen Wahlkampfes und im Schatten der &uuml;berraschenden und f&uuml;r viele beunruhigenden Wahlergebnisse in drei &ouml;stlichen Bundesl&auml;ndern hat Ursula von der Leyen am 17. September ihr neues Kabinett vorgestellt. Au&szlig;erdem hat das EU-Parlament in einer (nicht bindenden) Resolution in der letzten Sitzungswoche in Stra&szlig;burg am 19. September 2024 die Mitgliedsstaaten aufgefordert, weiter und verst&auml;rkt finanzielle und milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung in jeder m&ouml;glichen Weise bis zum Sieg der Ukraine zu leisten. Kurz vorher sorgte eine Mitteilung des Franzosen Thierry Breton, bisher m&auml;chtiger Kommissar f&uuml;r Binnenmarkt und Dienstleistungen der Europ&auml;ischen Union, f&uuml;r Aufregung, in der dieser erkl&auml;rte, seine Position nicht weiter ausf&uuml;llen zu d&uuml;rfen, und einen pers&ouml;nlichen Konflikt mit von der Leyen andeutete. Br&ouml;ckelt der Br&uuml;sseler Machtblock, oder sollten wir nicht zu optimistisch werden? Ein Reisebericht von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5346\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-122520-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241004-Wohin-geht-es-mit-EU-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241004-Wohin-geht-es-mit-EU-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241004-Wohin-geht-es-mit-EU-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241004-Wohin-geht-es-mit-EU-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=122520-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241004-Wohin-geht-es-mit-EU-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241004-Wohin-geht-es-mit-EU-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ich war in der letzten Woche in Br&uuml;ssel &ndash; zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Aufenthalt dort im Fr&uuml;hsommer 1996, als Praktikantin f&uuml;r einen Abgeordneten des Europaparlaments. Ich habe drei Monate f&uuml;r ihn gearbeitet, erst in seinem deutschen B&uuml;ro, dann w&auml;hrend der Sitzungswochen f&uuml;r zwei Monate in Br&uuml;ssel und Stra&szlig;burg. Das war direkt nach meinem ERASMUS-Jahr in S&uuml;dfrankreich, welches mich &ndash; die ich immer eine begeisterte und &uuml;berzeugte Europ&auml;erin war &ndash; zu einem noch st&auml;rkeren EU-Fan gemacht hatte und mich dazu brachte, mich in meinem Jurastudium und sp&auml;ter auch im Referendariat auf Europarecht zu spezialisieren. Im Referendariat war ich dann im sehr d&uuml;steren und verregneten Winter 2000\/2001 noch einmal f&uuml;r drei Monate in Br&uuml;ssel und arbeitete in einer gro&szlig;en internationalen Kanzlei im Bereich europ&auml;isches Wettbewerbsrecht f&uuml;r gro&szlig;e Unternehmen, wo ich auch an gro&szlig;en Verfahren gegen die Europ&auml;ische Kommission vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof beteiligt war. Und im Fr&uuml;hjahr 2001 war ich dann in der Slowakischen Republik an der deutschen Botschaft und dort unter anderem mit der Unterst&uuml;tzung dieses Landes f&uuml;r seinen EU-Beitritt besch&auml;ftigt, der dann 2004 stattfand.<\/p><p>Meine damalige Begeisterung f&uuml;r die europ&auml;ische Idee und auch meine tiefe &Uuml;berzeugung, dass wir mit dem europ&auml;ischen Projekt auf einem guten Weg in eine friedliche und erfolgreiche Zukunft waren, sind mir noch sehr pr&auml;sent. Darum verstehe ich jetzt auch die Menschen gut, die daran auch heute noch festhalten und jede Kritik an der EU f&uuml;r fast so etwas wie eine Majest&auml;tsbeleidigung halten. Im Jahr 2004 war ich dann das letzte Mal in Br&uuml;ssel und besuchte eine gute Freundin, die ich in meinem ERASMUS-Jahr kennengelernt hatte und die damals f&uuml;r eine Unterorganisation der Kommission arbeitete &ndash; ihr Mann war Diplomat in Br&uuml;ssel. Sie feierte eine Party, und die G&auml;ste waren allesamt sehr nette und kluge Menschen aus allen europ&auml;ischen L&auml;ndern, mit denen ich mich wunderbar verstand.<\/p><p>Und jetzt?<\/p><p>Die Stadt Br&uuml;ssel selbst erschien mir relativ unver&auml;ndert: eine chaotische Stadt, zusammengew&uuml;rfelt, teilweise schlecht organisiert, mit Ecken voller altem europ&auml;ischem Charme, Galerien, Antiquariaten, Caf&eacute;s, aber auch h&auml;sslichen Neubauten, die wie Baukl&ouml;tze von einem riesigen Kleinkind ohne Plan mitten ins Stadtbild geworfen zu sein scheinen. Eine sehr internationale Bev&ouml;lkerung, Menschen aus aller Herren L&auml;nder, sicher auch ein Erbe der (schrecklichen) Kolonialgeschichte Belgiens. Die M&eacute;tro (U-Bahn), zu stark geheizt und zu schlecht gel&uuml;ftet, genau wie vor 20 Jahren. Und die feineren Viertel und die Gegend um den Grand Place (zentraler historischer Marktplatz) voll von den ber&uuml;hmten Br&uuml;sseler Pralinenl&auml;den und L&auml;den mit Designer-Handtaschen sowie anderen Luxusg&uuml;tern, in denen die &uuml;berbezahlte EU-Elite ihre steuerfreien Geh&auml;lter ausgeben kann.<\/p><p>Aber wie sehr hat sich die EU in den letzten Jahrzehnten in meinen Augen gewandelt: von einem europ&auml;ischen Wohlstands- und Friedensprojekt Schritt f&uuml;r Schritt hin zu einem politischen Gebilde, das mehr und mehr einem Armuts- und Kriegsprojekt gleicht. Die Ambitionen und die Rhetorik weisen nat&uuml;rlich weiterhin in eine andere Richtung, aber schaut man sich einmal die reinen Zahlen und Ergebnisse der Politik, insbesondere seit der Amtszeit von Frau von der Leyen (2019) an, dann l&auml;sst sich das schwer wegargumentieren.<\/p><p>Die EU ist nicht demokratischer geworden (wie wir es damals in den 90ern noch gehofft hatten), im Gegenteil: Sie hat es erfolgreich geschafft, mehr und mehr Distanz und Nebelw&auml;nde zwischen politische Entscheidungen und die nationalen Bev&ouml;lkerungen zu legen, sodass eine demokratische Kontrolle oder ein demokratisches Mitspracherecht immer st&auml;rker erschwert werden. Die Entwicklung ging sowieso schon in diese Richtung, seit von der Leyen hat sie aber erheblich an Fahrt aufgenommen. (siehe hierzu zum Beispiel das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121763\">Interview mit dem EU-Kenner Thomas Fazi, Teil 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122088\">Teil 2<\/a>). Das war eigentlich zu erwarten, wenn man von der Leyens Karriere auf nationaler Ebene schon vor ihrer ersten Amtszeit als Kommissionspr&auml;sidentin genauer betrachtet (&bdquo;Zensursula&ldquo;, Korruptionsvorw&uuml;rfe in ihrer Zeit als Verteidigungsministerin, siehe hierzu zum Beispiel eine <a href=\"https:\/\/www.euractiv.com\/section\/eu-elections-2019\/opinion\/von-der-leyens-nomination-is-a-betrayal-of-democracy\/\">Einsch&auml;tzung der Linken aus dem Jahr 2019<\/a>).<\/p><p>Trotz weiterer Skandale, man denke nur an <a href=\"https:\/\/www.thepioneer.de\/originals\/others\/articles\/die-selbstherrliche\">&bdquo;Pfizergate&ldquo;<\/a>, und der wachsenden Kritik an ihr wurde Ursula von der Leyen am 18. Juli 2024 vom Europ&auml;ischen Parlament erneut zur Pr&auml;sidentin der Europ&auml;ischen Kommission gew&auml;hlt, unter anderem mit der Unterst&uuml;tzung der Europ&auml;ischen Gr&uuml;nen. Am 17. September 2024 stellte sie dann ihr neues <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/beginners-guide-ursula-von-der-leyen-european-commission-brussels\/\">Team f&uuml;r ihre zweite Amtszeit<\/a> vor. Mit der Auswahl der &bdquo;Kommissare&ldquo; und der Verteilung der verschiedenen Themenressorts &ndash; die in Br&uuml;ssel &bdquo;DG&ldquo; hei&szlig;en, kurz f&uuml;r &bdquo;Directorates General&ldquo; &ndash; hat von der Leyen nach Einsch&auml;tzung von Experten eine taktische Meisterleistung vollbracht und ihre <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/ursula-von-der-leyen-europe-commission-brussels-power\/\">Machtposition weiter gest&auml;rkt<\/a>. <\/p><p>Zur &Uuml;berraschung einiger Beobachter erkl&auml;rte allerdings bereits einen Tag vorher, am 16. September 2024, der inzwischen ehemalige Kommissar f&uuml;r Binnenmarkt und Dienstleistungen der Europ&auml;ischen Union, der Franzose Thierry Breton, <a href=\"https:\/\/x.com\/ThierryBreton\/status\/1835565206639972734\">auf <em>X<\/em><\/a>, dass es f&uuml;r ihn keine zweite Amtszeit als Kommissar unter Ursula von der Leyen geben werde, und deutete an, dass die Kommissionspr&auml;sidentin seine Kandidatur aus &bdquo;pers&ouml;nlichen Gr&uuml;nden&ldquo;, die er nicht n&auml;her bezeichnete, abgelehnt hatte.<\/p><p>Was war der Hintergrund dieses Schrittes von Thierry Breton? Gab es einen Konflikt zwischen Breton und von der Leyen? Ging es hierbei auch um <a href=\"https:\/\/x.com\/ThierryBreton\/status\/1823033048109367549\">Bretons Brief an Elon Musk<\/a> in Bezug auf Musks Interview mit Donald Trump, in dem der Kommissar den Inhaber von <em>X<\/em> daran erinnerte, dass dieser die Vorgaben des umstrittenen europ&auml;ischen Digital Services Act einzuhalten habe, und ihm mit Konsequenzen drohte? Es schien ja bisher so, als w&uuml;rden in Bezug auf die Einschr&auml;nkung der Meinungsfreiheit (Digital Services Act) von der Leyen und Breton &bdquo;an einem Strang&ldquo; ziehen und zumindest inhaltlich weitgehend &uuml;bereinstimmen. War Breton daher ein taktisches &bdquo;Bauernopfer&ldquo;, das den nationalen &Auml;rger einiger konservativer Stimmen aus den USA, die &uuml;ber die Ma&szlig;regelung einer US-amerikanischen Firma durch Br&uuml;ssel erbost waren, bes&auml;nftigen sollte, oder handelt es sich eher um einen Streit zweier Machtmenschen und Egos?<\/p><p>Martin Sonneborn (MdEP, Die Partei), einer der sch&auml;rfsten (und lustigsten) Kritiker von Frau von der Leyen, erkl&auml;rte dazu auf meine Nachfrage:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Breton war meiner Einsch&auml;tzung nach zu macht- und selbstbewusst und st&ouml;rte das System von der Leyen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das deckt sich auch mit der Einsch&auml;tzung eines EU-Diplomaten, den das Magazin <em>Politico<\/em> mit der folgenden Aussage <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/ursula-von-der-leyen-europe-commission-brussels-power\/\">zitierte<\/a>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Macron hat jemanden, der es wagte, sich gegen von der Leyen aufzulehnen, gegen jemanden mit einer viel schw&auml;cheren Pers&ouml;nlichkeit ausgetauscht.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es scheint also, als ob es kein inhaltlicher Dissens war (das w&uuml;rde auch &uuml;berraschen), sondern es sich lediglich darum handelte, eine zu starke und eigenwillige Pers&ouml;nlichkeit aus dem Team zu entfernen.<\/p><p>Ein anderer Br&uuml;sseler Insider, mit dem ich sprach, erw&auml;hnte, dass der Nachfolger Thierry Bretons, St&eacute;phane S&eacute;journ&eacute;, ein enger Vertrauter Emmanuel Macrons sei, und erkl&auml;rte die Personalentscheidung hiermit.<\/p><p>Macron und von der Leyen hatten ja schon bei ihrer Ernennung im Jahr 2019 gut hinter den Kulissen zusammengearbeitet, als der franz&ouml;sische Pr&auml;sident die Ernennung des designierten Kandidaten f&uuml;r die Kommissionspr&auml;sidentschaft, den deutschen Manfred Weber (CDU), ablehnte und daf&uuml;r Ursula von der Leyen vorschlug, die eigentlich nach dem damals gerade frisch eingef&uuml;hrten &bdquo;Spitzenkandidaten-Prinzip&ldquo; gar nicht f&uuml;r diese Position in Frage kam, da sie im Europawahlkampf keine Rolle gespielt hatte. Begr&uuml;ndet hatte Macron seine Ablehnung des deutschen Politikers damals mit dessen mangelnder &bdquo;Regierungserfahrung&ldquo; und &ndash; vielleicht ehrlicher &ndash; damit, dass dieser <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/eu\/hinterzimmergespraeche-in-bruessel_id_10803532.html\">&bdquo;ein Kind des alten Systems in Europa&ldquo;<\/a> sei.<\/p><p>Was damit gemeint gewesen ist, wird jetzt langsam klar. &bdquo;Altes Europa&ldquo; ist ein Begriff aus der Zeit des Irak-Krieges, als einige EU-Mitglieder, insbesondere Frankreich und Deutschland, den Kriegskurs der USA und ihren unprovozierten Angriffskrieg gegen den Irak nicht unterst&uuml;tzten. R&uuml;ckblickend wird jetzt deutlich, dass seitdem ein langer Prozess in Gang war, die EU mehr und mehr auf transatlantische Linie zu bekommen &ndash; und Macron (trotz all seiner Rhetorik &uuml;ber &bdquo;Europ&auml;ische Souver&auml;nit&auml;t&ldquo;) und von der Leyen zwei zentrale Figuren in diesem Spiel waren, die diese Entwicklung immer weiter vorantreiben. Es &uuml;berrascht nicht, dass von der Leyens <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/list\/politico-28-class-of-2023\/bjoern-seibert\/\">Kabinettschef Bj&ouml;rn Seibert<\/a> den USA eng verbunden ist und damit das offensichtlichste transatlantische Scharnier im Team um von der Leyen darstellt. Er gilt auch als &bdquo;Architekt&ldquo; des <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wochenende\/sanktionen-gegen-russland-die-stunde-der-buerokraten-li.215250\">Sanktionsregimes gegen Russland<\/a>.<\/p><p>Wie die Bev&ouml;lkerung in den europ&auml;ischen Staaten und auch die Abgeordneten des Europ&auml;ischen Parlaments sowie andere Akteure im politischen Br&uuml;ssel diese Entwicklung und die zweite Amtszeit von der Leyens wahrnehmen, fragte ich einen anderen Beobachter und Insider.<\/p><p>Er erkl&auml;rte mir, dass f&uuml;r die meisten politischen Gruppen und Akteure in Br&uuml;ssel mit den neuesten Entwicklungen letztlich alles beim Alten bleibe. Es w&uuml;rde von Br&uuml;ssel aus kaum erkannt, wie wenig das, was hier vor sich ginge, mit dem Leben der meisten Menschen zu tun habe. Die Idee einer zweiten &bdquo;von der Leyen-Kommission&ldquo; scheine f&uuml;r viele der etablierten politischen Parteien und f&uuml;r die in Br&uuml;ssel ans&auml;ssigen internationalen Medien selbstverst&auml;ndlich zu sein, und es werde tats&auml;chlich nicht viel &uuml;ber ihre Unbeliebtheit, &uuml;ber die mit ihr verbundenen Kontroversen oder die Art und Weise, wie die dominierenden politischen Kr&auml;fte in Europa sie wiederernannt haben, nachgedacht.<\/p><p>Auch dieser Insider best&auml;tigte mir, dass die Ansicht herrsche, dass Breton und von der Leyen schlicht nicht miteinander konnten und sie mit ihrer Aktion auf seine kritischen Kommentare im Vorfeld und nach der Wahl reagiert habe. Die Presse hier habe das Ganze wie ein kleines unterhaltsames Drama behandelt. Es g&auml;be wenig Verst&auml;ndnis daf&uuml;r, was f&uuml;r echte Menschen auf dem Spiel stehe.<\/p><p>Martin Sonneborn (MdEP) best&auml;tigte mir ebenfalls die unkritische Haltung des Europ&auml;ischen Parlaments zu von der Leyens Wiederwahl und ihrer politischen Ausrichtung:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das Parlament ist absolut auf Kriegskurs (<a href=\"https:\/\/x.com\/MartinSonneborn\/status\/1837026980354564498\">siehe auch hier<\/a>), wer dagegen ist, <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ausland\/eu-parlament-ukraine-sibylle-berg-hunger-kosten-100.html\">kriegt es mit den ZDF-Faktencheckern zu tun<\/a>.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Auf die Frage nach der weiteren Entwicklung der EU, auch in Bezug auf die Einschr&auml;nkungen der Meinungsfreiheit (Stichworte &bdquo;Digital Services Act&ldquo; und &bdquo;European Democracy Shield&ldquo;), antwortete mir Sonneborn folgenderma&szlig;en:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich erwarte von den kommenden f&uuml;nf Jahren nur das Schlechteste: einen aggressiven Austerit&auml;ts- und Kriegskurs, &Uuml;berwachung, Beschneidung von Pressefreiheit und B&uuml;rgerrechten. Nix, was gute Laune machen w&uuml;rde.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ach, ich vermisse mein altes Europa &ndash; und glaube weiterhin, dass ein anderes Europa als das gegenw&auml;rtige m&ouml;glich ist. Es ist an der Zeit, dass wir es uns zur&uuml;ckholen. Ich bin nicht bereit, meine Hoffnungen und Erwartungen an eine solche Gemeinschaft und die EU als Friedensprojekt aufzugeben, zu sehr ist Europa Teil meiner Geschichte, meiner Identit&auml;t und auch meines jugendlichen Idealismus. Je mehr Macht und Kompetenzen nach Br&uuml;ssel wandern, desto genauer sollten wir beobachten, was dort passiert. Eine verst&auml;rkt europ&auml;ische Politik braucht vor allem auch eine st&auml;rkere europ&auml;ische &Ouml;ffentlichkeit. Das wurde &ndash; wie so vieles &ndash; bisher vers&auml;umt.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Alexandros Michailidis<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122088\">Ein europ&auml;ischer Putsch? 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Au&szlig;erdem hat das EU-Parlament in einer (nicht bindenden)<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122520\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":122521,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,181,22,20],"tags":[1889,3423,615,2066,3619,3401,1338,626],"class_list":["post-122520","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-europapolitik","category-europaische-union","category-landerberichte","tag-belgien","tag-digital-services-act","tag-eu-kommission","tag-macron-emmanuel","tag-reisebericht","tag-sonneborn-martin","tag-transatlantiker","tag-von-der-leyen-ursula"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/shutterstock_1410634214.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122520","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122520"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122520\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":136993,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122520\/revisions\/136993"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/122521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}