{"id":1228,"date":"2006-06-28T13:55:32","date_gmt":"2006-06-28T11:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1228"},"modified":"2019-07-25T18:44:59","modified_gmt":"2019-07-25T16:44:59","slug":"eine-immanente-kritik-des-schlussberichts-des-ombudsrats-zu-hartz-iv-von-ursula-engelen-kefer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1228","title":{"rendered":"Eine immanente Kritik des Schlussberichts des Ombudsrats zu Hartz IV von Ursula Engelen-Kefer"},"content":{"rendered":"<p>Der Schlussbericht des vom ehemaligen Superminister Clement eingesetzten Omudsrates zu Hartz IV hat keine breite &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber das gr&ouml;&szlig;te &bdquo;Reform&ldquo;-Projekt in der Geschichte der Bundesrepublik&ldquo; ausgel&ouml;st, sondern er wurde von verschiedenen Politikern nur zum Anlass genommen, weitere Einschr&auml;nkungen f&uuml;r die Langzeitarbeitslosen zu fordern. Die ehemalige DGB-Vorsitzende und Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, Ursula Engelen-Kefer war mit der Umkrempelung der Bundesagentur als Verwaltungsratsvorsitzende in verantwortlicher Funktion befasst. Sie hat sich im folgenden Beitrag mit dem Schlussbericht im Ombudsrat im Detail auseinander gesetzt.<br>\nDie NachDenkSeiten haben ihre grunds&auml;tzliche Kritik an den Hartz-Reformen in einer Vielzahl von Beitr&auml;gen dargelegt, daran haben wir auch nichts zur&uuml;ckzunehmen. Weil wir aber kaum irgendwo eine systematische Auseinandersetzung mit den Empfehlungen des Ombudsrats gelesen haben, wollen wir unseren Leserinnen und Lesern die Stellungnahme von Ursula Engelen-Kefer zur Kenntnis bringen. Wir erlauben uns einen Kommentar am Ende des Beitrags.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Nach dem Schlussbericht des Ombudsrats zu Hartz IV &ndash;<br>\nWie geht es weiter?<\/strong><\/p><p>Von Ursula Engelen-Kefer<\/p><p>Der Ombudsrat zur &bdquo;Grundsicherung f&uuml;r Arbeitssuchende&ldquo; hat in seinem Schlussbericht in bemerkenswerter Offenheit die gravierenden Schwachstellen des Optionsgesetzes Hartz IV aufgez&auml;hlt. Das mit hei&szlig;er Nadel von den Politikern gestrickte ALG II sei ein &bdquo;b&uuml;rokratisches Monster&ldquo;. Die EDV-Software sei immer noch unzureichend und fehlerhaft. Organisatorisch herrsche Chaos innerhalb der Arbeitsgemeinschaften. Chaotische Zust&auml;nde macht der Ombudsrat auch in der Organisation aus: Es gibt 364 Arbeitsgemeinschaften zwischen Arbeitsagenturen und Kommunen ohne hinreichende gesetzliche Kl&auml;rung der Verantwortlichkeiten. 69 Kommunen haben sich dazu entschieden, die Betreuung der Langzeitarbeitslosen in Eigenregie vorzunehmen, k&ouml;nnen jedoch bei einzelnen Ma&szlig;nahmen &ndash; wie beispielsweise der beruflichen Rehabilitation &ndash; die Dienste der Arbeitsagenturen anfordern und bis 2009 entscheiden, ob sie &uuml;berhaupt diese Verpflichtungen weiter erf&uuml;llen wollen. Dar&uuml;ber hinaus gibt es 19 Kommunen, in denen wie bisher Arbeitsagenturen und Sozial&auml;mter getrennt die Betreuung der Langzeitarbeitslosen &uuml;bernehmen. <\/p><p><strong>Politische Vorgeschichte von Hartz IV<\/strong><\/p><p>Die beteiligten Spitzenpolitiker von SPD, CDU und CSU hatten sich in der denkw&uuml;rdigen Nacht des Vermittlungsausschusses vom Sonntag auf Montag, den 15.Dezember 2003, alles so sch&ouml;n ausgedacht. Nach Hartz 1,2,3 &ndash; der gr&ouml;&szlig;ten Umkrempelung in der Geschichte der Bundesrepublik bei der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, alias Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit (BA) &ndash; folgte nach knapp eineinhalb Jahren &ndash; das &bdquo;4. Gesetz zur Modernisierung am Arbeitsmarkt&ldquo; (Hartz IV). Das Polit-Drama zwischen rot-gr&uuml;ner Bundesregierung und dem schwarz dominiertem Bundesrat ging jedoch weiter. Wie die Kesselflicker stritten sich die beiden Seiten um die &Uuml;bernahme der enormen Kosten und die Zust&auml;ndigkeiten zwischen BA und Kommunen. Erst ein halbes Jahr sp&auml;ter, am 30.Juni 2004, segnete der Vermittlungsausschuss das &bdquo;Gesetz zur optimalen Tr&auml;gerschaft von Kommunen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzgebung&ldquo; (Kommunales Optionsgesetz) ab, das dann am 2.Juli 2004 vom Bundestag und am 9.Juli 2004 vom Bundesrat verabschiedet wurde. Durch das politische Hickhack ging viel Zeit verloren. Dann jedoch konnte es nicht schnell genug gehen. Die Bundesagentur und die Kommunen wurden gezwungen, das &bdquo;Kommunale Optionsgesetz&ldquo; gewisserma&szlig;en von heute auf morgen &ndash; trotz der Schwierigkeiten mit der Einf&uuml;hrung des komplexen EDV-System A2LL &ndash; umzusetzen. <\/p><p>Dies sollte den Reform- und Modernisierungseifer der Politik beweisen. Auf das arbeits- und sozialpolitische Reformprojekt &bdquo;Hartz&ldquo; &ndash; benannt nach dem fr&uuml;her en Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, Peter Hartz &ndash; hatte die rot-gr&uuml;ne Regierung gro&szlig;e Hoffnungen gesetzt. Die spektakul&auml;re Einrichtung der Hartz-Kommission als &bdquo;Chefsache des Bundeskanzlers&ldquo; unter dem Vorsitz von VW-Personalchef Peter Hartz war direkte Folge der hochgespielten medialen Auseinandersetzung &uuml;ber tats&auml;chlich oder vermeintlich gesch&ouml;nte Zahlen der Arbeitsvermittlung zum Jahresbeginn 2002. Die Wahlstrategen des Kanzlers wollten den &bdquo;BA-Skandal&ldquo; zur Wunderwaffe gegen die steigende Arbeitslosigkeit nutzen.<\/p><p>Im &Uuml;brigen wurde gleich mit den Hartz-Gesetzen ein besonders umfangreiches wissenschaftliches Begleitprogramm auf die Schiene gesetzt. Allerdings war sich die Politik in der Form der damaligen &bdquo;faktischen Gro&szlig;en Koalition&ldquo; einig, erst einmal die Hartz-Gesetze durch den Bundestag zu peitschen und danach anhand der wissenschaftlichen Ergebnisse nach &bdquo;Sinn und Unsinn&ldquo; zu fragen. Das klappte auch programmgem&auml;&szlig;: Rot-Gr&uuml;n hatte die Bundestagswahlen im September 2002 knapp gewonnen. Und: Hartz 1,2,3 bereitete den Weg &ndash; f&uuml;r den schnellen Umbau der &bdquo;Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit&ldquo; zur &bdquo;Bundesagentur f&uuml;r Arbeit&ldquo;.<br>\nDieser Umbau wurde &ndash; aus dem Blickwinkel von Mitte 2006 &ndash; eines der gewichtigsten und erfolgreichsten Modernisierungsprojekte, die bei einer der gr&ouml;&szlig;ten und komplexesten &ouml;ffentlichen Institutionen in diesem Lande vorgenommen wurde. Weniger erfolgreich ist bisher allerdings der mit Hartz 1,2,3 ebenfalls eingeleitete Paradigmenwechsel in der Arbeitsmarktpolitik: die Reduzierung der beruflichen Weiterbildung um inzwischen Zweidrittel, die weitgehende Abschaffung von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen und daf&uuml;r die starke Ausdehnung kurzfristiger Trainings- und Eingliederungsma&szlig;nahmen, die fl&auml;chendeckende Einf&uuml;hrung kostspieliger und ineffizienter Personal-Serviceagenturen, der teure Boom bei Ich-AGs- um nur einige &bdquo;Highlights&ldquo; zu nennen. <\/p><p>Bei diesem politischen Parforceritt gab es zun&auml;chst zwei gr&ouml;&szlig;ere Probleme: Zum einen musste der vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der eigenh&auml;ndig ausgesuchte neue Chef der Bundesagentur, Florian Gerster, seinen Hut nehmen. Zum anderen &ndash; und das war und ist noch viel schlimmer &ndash; blieb bis heute die mit den Hartz-Reformen versprochene Halbierung der Zahl der Arbeitslosen aus: Im Gegenteil, die Zahl der von der BA registrierten Arbeitslosen stieg von 4,0 Millionen 2002 auf 4,8 Millionen 2005. Trotzdem blieb Rot-Gr&uuml;n wild entschlossen, rechtzeitig vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen im Mai 2005 Hartz IV auf den Weg zu bringen. Bei CDU und CSU klingelten die Alarmglocken: Besonders die auf Grund erfolgreicher Landtagswahlen damals zu neuer Macht gekommenen Ministerpr&auml;sidenten von Niedersachsen und Hessen, Wulf und Koch, hatten auf einmal keine so gro&szlig;e Eile mehr. Umso ungeduldiger war allerdings der zust&auml;ndige Superminister f&uuml;r Wirtschaft und Arbeit und ehemalige Ministerpr&auml;sident des Landes Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement. <\/p><p>Um die sich in Montags-Demos entladende Wut der Langzeitarbeitslosen &uuml;ber teilweise herbe Leistungsverschlechterungen und entw&uuml;rdigende Behandlung durch die Hartz-B&uuml;rokratie zu b&auml;ndigen, rief der damalige Superminister Clement den Ombudsrat ins Leben. Drei honorige Pers&ouml;nlichkeiten &ndash; Hermann Rappe, ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie; Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, ehemaliger Ministerpr&auml;sident von Sachsen und Christine Bergmann, ehemalige Familienministerin unter Rot-Gr&uuml;n &ndash; bearbeiteten &uuml;ber 70 000 Beschwerden sowie Eingaben und machte zahlreiche Vorschl&auml;ge f&uuml;r gesetzliche und praktische Korrekturen. Teilweise sind sie in das jetzt von der Gro&szlig;en Koalition vorgelegte &bdquo;Fortentwicklungsgesetz&ldquo; eingeflossen.<\/p><p>Diese kleine politische Vorgeschichte macht es leichter nachvollziehbar, dass es trotz vielf&auml;ltiger Warnungen &ndash; auch von Seiten der BA und der in ihr vertretenen Gewerkschaften und Arbeitgeberverb&auml;nden zu einer &ndash; wie die Ombudsr&auml;tin Christine Bergmann feststellt, &bdquo;b&uuml;rokratischem Monster&ldquo; kam. Besonders bedenklich ist, dass es die an dieser n&auml;chtlichen Entscheidung im Vermittlungsausschuss beteiligten und mitverantwortlichen Spitzenpolitiker der CDU erfolgreich schaffen, zu ihren Beschl&uuml;ssen auf Distanz zu gehen und sich kurz danach in die B&uuml;sche zu schlagen. Rot-Gr&uuml;n hat mit den verlorenen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und dem Verlust der Mehrheit bei den vorgezogenen Bundestagswahlen im September 2005 f&uuml;r Schr&ouml;ders Reformprojekt einen hohen politischen Preis zahlen m&uuml;ssen. <\/p><p>Es ist daher h&ouml;chste Zeit, endlich das politische Ruder auch bei Hartz IV herumzuwerfen. <\/p><p>Das jetzt vorgelegte &bdquo;Fortentwicklungsgesetz&ldquo; mit etwa 50 verschiedenen Einzelaktionen springt jedoch viel zu kurz. Der Ombudsrat hat in seinem Schlussbericht wichtige Anregungen gegeben &ndash; fragt sich nur, warum die Politik nicht auf die vielen Verbesserungsvorschl&auml;ge von anderer Seite nicht schon l&auml;ngst gehandelt hat. An konkreten Hinweisen der Praktiker und Experten innerhalb und au&szlig;erhalb der Bundesagentur hat es nicht gefehlt. Zudem ist es bei einer solchen Jahrhundertreform, die viele Millionen Menschen in Deutschland betrifft, auch keinesfalls unehrenhaft, aus Fehlern zu lernen und immer wieder neu politische Konsequenzen zu ziehen.<\/p><p>Dass &ndash; wie es in dem Schlussbericht des Ombudsrates hei&szlig;t &ndash; &bdquo;die Zusammenf&uuml;hrung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe in ein System der Grundsicherung f&uuml;r erwerbsf&auml;hige Hilfsbed&uuml;rftige und ihre Angeh&ouml;rigen &hellip; breite Zustimmung findet&ldquo;, ist erst dann aussagef&auml;hig, wenn ein solches System auch funktioniert. Dies ist jedoch nach den weiteren Ausf&uuml;hrungen in dem Bericht eindeutig nicht der Fall. Eine &bdquo;breite Zustimmung&ldquo; kann es daher erst dann geben, wenn die gravierenden M&auml;ngel beseitigt sind. <\/p><p><strong>Klare Verantwortlichkeiten schaffen<\/strong> <\/p><p>Der Ombudsrat weist zu Recht auf die erheblichen gesetzlichen und praktischen M&auml;ngel der organisatorischen, institutionellen und personalpolitischen Rahmenbedingungen hin. Es ist richtig &ndash;und von der BA- immer wieder gefordert &ndash; dass klare Verantwortlichkeiten in den 364 Arbeitsgemeinschaften mit etwa 50000 Besch&auml;ftigten &ndash; einschlie&szlig;lich der personalpolitischen Entscheidungen &ndash; zu schaffen sind. Es kommt schon beinahe einem Schildb&uuml;rgerstreich nahe, dass es bislang nicht gelungen ist, eine eindeutige Zuweisung der Verantwortung in den von Arbeitsagenturen und Kommunen getragenen Arbeitsgemeinschaften zu erreichen. Nicht zu vergessen ist, dass es neben den Arbeitsgemeinschaften 69 Optionskommunen gibt, welche die Betreuung der Langzeitarbeitslosen in Eigenregie vornehmen, sowie 19 Kommunen, in denen Arbeitsagenturen und Sozial&auml;mter ihre Aufgaben f&uuml;r die Langzeitarbeitslosen getrennt wahrnehmen. <\/p><p>Zwischen diesen drei Formen der Betreuung Langzeitarbeitsloser gibt es h&auml;ufig kaum Kontakt, geschweige denn die n&ouml;tige Abstimmung. <\/p><p><strong>Tauziehen zwischen Bundesagentur und Kommunen<\/strong><\/p><p>Die zu einer sinnvollen Koordinierung und Steuerung zu treffenden Zielvereinbarungen zwischen Bundesagentur und den Arbeitsgemeinschaften gibt es nur f&uuml;r etwa ein Drittel der Arbeitsgemeinschaften. In den &uuml;brigen F&auml;llen lehnen es die Kommunen ab, sich an einem derartigen gemeinsamen Abstimmungsprozess &uuml;berhaupt zu beteiligen. Ein wirksames Controlling und Benchmarking zur effizienten Arbeit sind daher nicht m&ouml;glich. Wie die vom Gesetzgeber vorgesehene Vergleichbarkeit der verschiedenen Organisationsformen hergestellt werden soll, bleibt ein nicht aufl&ouml;sbares R&auml;tsel. Es erleichtert zumindest den Optionskommunen die Behauptung, sie seien effizienter als die Arbeitsgemeinschaften, ohne daf&uuml;r den Beweis antreten zu m&uuml;ssen. Das ist eine &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdige Grundlage f&uuml;r derartig weittragende Ver&auml;nderungen unseres Sozialsystems.<\/p><p>Nicht schl&uuml;ssig erscheinen die Empfehlungen des Ombudsrates, dass eine eigenst&auml;ndige Organisation f&uuml;r die Betreuung der Langzeitarbeitslosen geschaffen werden soll: Einerseits soll dies eine eigenst&auml;ndige Einrichtung der BA sein, zum anderen sind aber in den Arbeitsgemeinschaften per Definition die Kommunen vertreten. Dar&uuml;ber hinaus empfiehlt der Ombudsrat eine st&auml;rkere Einbeziehung der L&auml;nder in die Arbeitsmarktpolitik. So ist es sicher folgerichtig, dass &bdquo;Erfolge in der Arbeitsmarktpolitik nur durch eine vertrauensvolle und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Bund, L&auml;ndern und Gemeinden gew&auml;hrleistet&ldquo; ist. Wie dies aber im Einzelnen in der Praxis erfolgen soll, bleibt im Dunklen. <\/p><p><strong>Arbeitsteilung nach Aufgaben und Kompetenzen<\/strong><\/p><p>Aus praktischer Sicht ist eine strikte Trennung der Betreuung von ALG I und ALG II Empf&auml;ngern wenig zielf&uuml;hrend.<\/p><p>Es stellt sich zuerst die Frage: Ist &uuml;berhaupt eine unterschiedliche Betreuung eines ALG I-Empf&auml;ngers mit einer Dauer der Arbeitslosigkeit von 11 Monaten sowie eines ALG II Empf&auml;ngers mit einer Dauer der Arbeitslosigkeit von 13 Monaten gerechtfertigt? M&uuml;ssten nicht die Kriterien f&uuml;r eine unterschiedliche Betreuung nach der Erwerbsf&auml;higkeit, beruflichen Erfahrung oder beruflichen Qualifikation festgelegt werden? M&uuml;sste nicht auch vor allem die regionale Arbeitsmarktsituation ber&uuml;cksichtigt werden? Eine Dauer der Arbeitslosigkeit von &uuml;ber 12 Monaten als Unterscheidungsmerkmal zwischen ALG I und ALG II ist in Duisburg, mit einer Arbeitslosenquote von etwa 16 Prozent, anders zu beurteilen als in Freising, mit einer Arbeitslosenquote zwischen 3 und 4 Prozent. <\/p><p>Nicht nachvollziehbar ist beispielsweise, wenn Jugendliche aus ALG I oder ALG II Haushalten bei der Berufsberatung zwar gemeinsam von der Arbeitsagentur betreut werden, bei der Ausbildungsplatzvermittlung aber getrennt in Arbeitsagentur und Jobcenter. Jugendliche aus ALG II-Haushalten werden damit von vorneherein stigmatisiert.<\/p><p>Ebenso fragw&uuml;rdig ist der Umgang mit den Arbeitgebern bei einer strikten Trennung zwischen ALG I und ALG II. Die Arbeitsagenturen haben mit ihren Reformen unter gro&szlig;en M&uuml;hen den Arbeitgeberservice und die Arbeitsvermittlungsleistungen erheblich verbessern k&ouml;nnen. Sichtbare Ergebnisse sind bereits eine Verk&uuml;rzung der Dauer der Arbeitslosigkeit, eine Senkung der entsprechenden Kosten sowie eine Erh&ouml;hung des Angebots an offenen Stellen durch die Arbeitgeber. Wird dies nicht leicht dadurch wieder gef&auml;hrdet, dass Arbeitsagenturen und Jobcenter ohne Abstimmung unterschiedliche Angebote f&uuml;r die Besetzung gemeldeter offener Arbeits- und Ausbildungsstellen machen? Kann dies nicht dazu f&uuml;hren, dass sich gerade kleinere Betriebe &ndash;die erst m&uuml;hselig von der BA gewonnen wurden &ndash;schnell wieder von der Bundesagentur abwenden?<\/p><p>Empfehlenswert w&auml;re daher eine klare Aufgabentrennung zwischen Arbeitsagenturen und Kommunen nach Aufgaben und Kompetenzen.<br>\nDie Arbeitsagenturen haben Kompetenzvorteile in der Arbeits- und Berufsberatung wie in der Arbeits- und Ausbildungsstellenvermittlung sowie den damit in engem Zusammenhang stehenden arbeitsmarktpolischen Ma&szlig;nahmen der Eingliederungs- oder Einarbeitungszusch&uuml;sse, aller Formen der beruflichen Qualifizierung oder der vermittlungsorientierten Leiharbeit.<br>\nDie Kommunen haben die gr&ouml;&szlig;ere Kompetenz bei den flankierenden sozialen Ma&szlig;nahmen bis hin zu lokalen Besch&auml;ftigungsgesellschaften und Projekten, und sollten auch dabei die Verantwortung &uuml;bernehmen. <\/p><p><strong>Paradigmenwechsel in der Arbeitsmarktpolitik<\/strong><\/p><p>Dringend erforderlich ist die vom Ombudsrat ebenfalls angemahnte Auseinandersetzung mit geeigneten arbeitsmarktpolitischen Ma&szlig;nahmen f&uuml;r Langzeitarbeitslose. Bei weitem zu positiv ist allerdings die Bewertung der Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwand- so genannte Ein- Euro- Jobs. Leider wird im Abschlussbericht des Ombudsrats nur an einer Stelle zaghaft darauf hingewiesen, dass das umfangreiche Spektrum arbeitsmarktpolitischer Ma&szlig;nahmen bisher f&uuml;r ALG II Empf&auml;nger kaum angewandt wurde.<\/p><p>V&ouml;llig unverst&auml;ndlich ist z.B. auch die drastische Einschr&auml;nkung bei der beruflichen Rehabilitation. F&uuml;r ALGI-Empf&auml;nger wurden  in den ersten 6 Monaten dieses Jahres etwa 1,1 Milliarden Euro f&uuml;r die berufliche Rehabilitation ausgegeben. Im ALGII-Bereich  waren es ganze 57 Millionen Euro an beruflichen  F&ouml;rderma&szlig;nahmen f&uuml;r Langzeitarbeitslose mit gesundheitlichen Einschr&auml;nkungen und Behinderungen. Dies ist unverst&auml;ndlich: Es  mu&szlig;  davon ausgegangen werden, da&szlig; gerade unter Langzeitarbeitslosen ein h&ouml;herer Anteil von Menschen mit Behinderungen zu finden ist.  Die traurige Schlu&szlig;folgerung ist:  Diese Menschen   werden entweder in kurzfristige Ein-Euro-Jobs gedr&auml;ngt  oder &ndash; was wahrscheinlicher ist, in der Langzeitarbeitslosigkeit belassen.<br>\nDamit f&uuml;hrt sich HartzIV selbst &ldquo;ad absurdum&rdquo;.<\/p><p>Nicht nachvollziehbar sind die Hinweise des Rats auf ungenutzte Potentiale derartiger Ein-Euro-Jobs, vor allem bei Wohlfahrtsverb&auml;nden. Bei 630 000 Eintritten Langzeitarbeitsloser in solche Ma&szlig;nahmen und einem Jahresdurchschnitt 2005 von knapp 300 000 Ein &ndash;Euro-Jobbern ist das vertretbare Ma&szlig; bei weitem &uuml;berschritten. Alle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zeigen, dass hierdurch kaum neue Arbeitspl&auml;tze entstanden sind. Vielmehr gibt es viele Hinweise darauf, dass regul&auml;re Arbeitspl&auml;tze abgebaut und durch Ein-Euro-Jobs ersetzt werden.<\/p><p><strong>Ehrlicher Zweiter Arbeitsmarkt<\/strong><\/p><p>Vordringlich ist daher die Erarbeitung von Konzepten f&uuml;r einen ehrlichen &bdquo;Zweiten Arbeitsmarkt&ldquo; &ndash; vor allem f&uuml;r schwervermittelbare Jugendliche und langzeitarbeitslose &auml;ltere Arbeitnehmer. Derartige Projekte m&uuml;ssen &uuml;ber mehrere Jahre laufen, um den betroffenen Menschen eine Perspektive zu geben und bei Jugendlichen mit Qualifizierungsma&szlig;nahmen verbunden werden. An sinnvollen gesellschaftlichen Projekten d&uuml;rfte es in Anbetracht der gro&szlig;en Angebotsl&uuml;cken bei der sozialen Infrastruktur in vielen Kommunen nicht mangeln. Dar&uuml;ber hinaus sind die Jobcenter finanziell f&uuml;r die Arbeitsmarktpolitik zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser mit etwa 6,4 Mrd. Euro 2006 gut ausgestattet. Derartige T&auml;tigkeiten m&uuml;ssen sozialversicherungspflichtig sein und tariflich oder orts&uuml;blich entlohnt werden. Es gibt bereits eine F&uuml;lle von Pilotprojekten und Pilotregionen mit entsprechenden Anregungen. Sie m&uuml;ssen baldm&ouml;glichst in fl&auml;chendeckende Massnahmen f&uuml;r die Langzeitarbeitslosen umgesetzt werden.<\/p><p>Dabei ist es unerl&auml;sslich, dass die vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages verf&uuml;gte Haushaltssperre von 1,1Mrd Euro umgehend aufgehoben wird. Es ist nicht nachvollziehbar: Auf der einen Seite wird zu Recht die Verst&auml;rkung des &ldquo;F&ouml;rderns &rdquo; f&uuml;r die berufliche Eingliederung Langzeitarbeitsloser eingefordert. Gleichzeitig werden die finanziellen F&ouml;rdermittel kr&auml;ftig eingeschr&auml;nkt. Eine solche Haushaltssperre macht es den Arbeitsgemeinschaften unm&ouml;glich, die notwendigen F&ouml;rderma&szlig;nahmen rechtzeitig zu planen und in die Wege zu leiten. Dies ist Sparen am falschen Platz. Je l&auml;nger diese Haushaltssperre aufrecht erhalten wird, desto schwieriger bis unm&ouml;glich sind sinnvolle und wirksame Eingliederungsma&szlig;nahmen . Dies w&auml;re ein weiterer Verlust f&uuml;r die Glaubw&uuml;rdigkeit der Politik.<\/p><p><strong>Lokale Beir&auml;te f&uuml;r Besch&auml;ftigungsprojekte<\/strong><\/p><p>Unerl&auml;sslich ist, dass auf lokaler Ebene Beir&auml;te geschaffen werden, wo dies noch nicht der Fall ist. In diesen Beir&auml;ten m&uuml;ssen die lokale Wirtschaft und die Gewerkschaften vertreten sein. Ihre Aufgabe ist die Bewertung und Entscheidung &uuml;ber derartige Besch&auml;ftigungsprojekte f&uuml;r Langzeitarbeitslose. Nur dann kann sichergestellt werden, dass diese Ma&szlig;nahmen zus&auml;tzlich sind und nicht regul&auml;re Arbeitspl&auml;tze gef&auml;hrden. Wie die beigef&uuml;gte rechnerische Zusammenstellung zeigt, sind derartige sozialversicherungspflichtige Besch&auml;ftigungsprojekte wenig teurer als die Ein-Euro-Jobs, wenn die gesamtgesellschaftlichen Kosten gegen&uuml;bergestellt werden.<\/p><p><strong>Kombil&ouml;hne und Mindestl&ouml;hne<\/strong><\/p><p>Es liegt also auch hier in den H&auml;nden der Politik, den geeigneten gesetzlichen und praktischen Rahmen f&uuml;r eine wirtschaftlich und sozial verantwortbare Arbeitsmarktpolitik zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser zu schaffen.<br>\nDabei w&auml;re sie gut beraten, der Empfehlung des Ombudsrates zu folgen, den Zusammenhang von Kombil&ouml;hnen und Mindestl&ouml;hnen zu beachten. Der Ombudsrat hat mit gro&szlig;er Klarheit darauf hingewiesen, dass in Deutschland bereits 3 Millionen Vollzeitarbeitnehmer zu Einkommen unterhalb der Grenze der Grundsicherung und damit mit Anspr&uuml;chen an ALG II arbeiten. Es kann nicht Verantwortung des Staates und damit des Steuerzahlers sein, den Druck auf die L&ouml;hne durch staatliche Transfers auszugleichen. Hier m&uuml;ssen die Arbeitgeber durch die Politik veranlasst werden, ihre Verantwortung zu &uuml;bernehmen. Dem Ombudsrat ist voll zuzustimmen, dass dazu Mindestl&ouml;hne erforderlich sind. Staatliche Transfers zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser m&uuml;ssen weiterhin geleistet werden. Ebenso haben Arbeitgeber die Verantwortung, bei regul&auml;rer Vollzeitarbeit auch existenzsichernde L&ouml;hne zu zahlen.<\/p><p><strong>Debatte &uuml;ber Leistungsmissbrauch<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re gut, wenn die Politiker, vor allem der Grossen Koalition, die klare Aussage des Ombudsrates beachten w&uuml;rden, dass mehr N&uuml;chternheit bei der &ouml;ffentlichen Debatte &uuml;ber angeblichen Leistungsmissbrauch im ALG II Bereich angebracht ist. Es ist ein beliebtes politisches Spiel, von eigenen Vers&auml;umnissen und Fehlern abzulenken, indem Arbeitslose und Sozialleistungsempf&auml;nger des Missbrauchs bezichtigt werden&ldquo;. Mehr oder weniger exotische Einzelbeispiele lassen sich immer finden. Das Hauptproblem von Hartz IV &ndash; das hat auch der Bericht des Ombudsrats gezeigt &ndash; liegt in schweren M&auml;ngeln im Gesetz und in der Praxis. <\/p><p>Priorit&auml;t der Politik sollte sein, diese M&auml;ngel zu beseitigen &ndash; und nicht auf Nebenkriegsschaupl&auml;tze auszuweichen. <\/p><p><em>Anlage: Kosten von Ein-Euro-Jobs &ndash; Kosten einer Arbeitsgelegenheit im Vergleich zu einer sv-pflichtigen &ouml;ffentlich gef&ouml;rderten Besch&auml;ftigung<\/em><\/p><table>\n<tr>\n<th colspan=\"3\">Alleinstehender Mehraufwandspauschale<\/th>\n<th colspan=\"2\">Verheiratet 3 Kinder Mehraufwandspauschale<\/th>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>ALG II<\/td>\n<td>695<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>ALG II<\/td>\n<td>1.870<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Ma&szlig;nahmepauschale<\/td>\n<td>353<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Ma&szlig;nahmepauschale<\/td>\n<td>353<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Mehraufwand (1,25 Std.)<\/td>\n<td>200<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Mehraufwand (1,25 Std.)<\/td>\n<td>200<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Gesamtkosten<\/td>\n<td>1.248<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Gesamtkosten<\/td>\n<td>2.423<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Netto des AN<\/td>\n<td>895<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Netto des AN<\/td>\n<td>2.070<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p>&nbsp;<\/p><table>\n<tr>\n<th colspan=\"3\">Alleinstehender sv-pflichtige Besch&auml;ftigung<\/th>\n<th colspan=\"2\">Verheiratet 3 Kinder sv-pflichtige Besch&auml;ftigung<\/th>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Stundenlohn<\/td>\n<td>7,00<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Stundenlohn<\/td>\n<td>8,00<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Brutto monatl<\/td>\n<td>1190<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Brutto monatl<\/td>\n<td>1360<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>SV Abgaben<\/td>\n<td>-249<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>SV Abgaben<\/td>\n<td>-285<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Steuern<\/td>\n<td>-51<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Steuern<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Wohngeld<\/td>\n<td>100<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Wohngeld<\/td>\n<td>350<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Kindergeld<\/td>\n<td>0<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Kindergeld<\/td>\n<td>462<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Haushaltseink.<\/td>\n<td>990<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Haushaltseink.<\/td>\n<td>1887<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>AG Kosten<\/td>\n<td>1420<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>AG Kosten<\/td>\n<td>1645<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p>&nbsp;<\/p><table>\n<tr>\n<th>&nbsp;<\/th>\n<th colspan=\"2\">Gesamtgesellschaftliche Betrachtung<\/th>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Gesamtkosten bei Mehraufaufwand<\/td>\n<td>2.423<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td><strong>Vergleich<\/strong><\/td>\n<td colspan=\"2\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Arbeitgeber-Kosten<\/td>\n<td>1.645<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>SV Abgaben<\/td>\n<td>-285<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Wohngeld<\/td>\n<td>350<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>Kindergeld<\/td>\n<td>462<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td><strong>Gesamtgesellsch. Kosten<\/strong><\/td>\n<td><strong>2.172<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p class=\"reference\">Die Daten f&uuml;r Mehraufwand und Tr&auml;gerpauschale sind die von der BA angegebenen aktuellen Durchschnitts werte. <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong><br>\nDie Kosten einer Besch&auml;ftigung von Langzeitarbeitslosen in &ouml;ffentlich gef&ouml;rderter sozialversicherungspflichtiger Besch&auml;ftigung sind kaum h&ouml;her als die Besch&auml;ftigung in einer Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentsch&auml;digung. Bei einem Allein stehenden sind die gesamtgesellschaftlichen Kosten geringf&uuml;gig h&ouml;her, bei einem Verheirateten sind die Kosten sogar eher geringer. Allerdings h&auml;tte dieser Haushalt bei einem Stundenlohn von 8 Euro kein h&ouml;heres Einkommen als ALG II Empf&auml;nger. Deswegen kann der Stundenlohn sogar ohne Mehrkosten auf 8.50 oder 9.00 Euro angehoben werden. In der Rechnung ist nicht ber&uuml;cksichtigt, dass bei l&auml;ngerfristigen Projekten auch ein Eigeninteresse des Tr&auml;gers ber&uuml;cksichtigt werden kann, so dass dieser sich an den Kosten beteiligt. <\/p><p><strong>Anmerkungen der Herausgeber:<\/strong><br>\nWir haben auf den NachDenkSeiten Hartz IV und die gesamte Arbeitsmarktgesetzgebung vor allem deshalb kritisiert, weil die Regierung mit ihrem Dauerengagement f&uuml;r die Hartz-Gesetze den gr&ouml;&szlig;ten Teil ihrer politischen Energie auf die Verwaltung der Arbeitslosigkeit, statt auf die Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen durch eine bessere makro&ouml;konomische Politik gelenkt hat. Statt einer &bdquo;aktivierenden Arbeitsmarktpolitik&ldquo;, die Arbeitslose in den Geruch der Faulenzerei bringt, h&auml;tte man alle Kraft und alle intellektuelle Kompetenz auf eine &bdquo;aktive Besch&auml;ftigungspolitik&ldquo; konzentrieren m&uuml;ssen.<\/p><p>Wir waren und bleiben dabei: Wenn man das Pferd am Schwanz aufz&auml;umt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man nicht vorankommt. Will sagen: Wenn man Arbeitslosigkeit damit bek&auml;mpfen will, dass man nur die Arbeitslosen &ldquo;fordert&rdquo;, statt durch eine Wachstumspolitik Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen, braucht man sich nicht wundern, wenn die Erfolge bescheiden sind oder gar ganz aus bleiben. <\/p><p>Wir waren und bleiben dabei, dass es ein nicht wieder gut zu machender Schaden ist, dass die Hartz-Gesetzgebung das Vertrauen der Menschen in die Arbeitslosenversicherung zerst&ouml;rt hat und sie &ndash; selbst nach einem langen Arbeitsleben &ndash; als &bdquo;Bed&uuml;rftige&ldquo; behandelt. Es ist und bleibt f&uuml;r uns ein absolut unw&uuml;rdiger Umgang mit den ohne eigene Schuld arbeitslos gewordenen Menschen, wenn langj&auml;hrig Besch&auml;ftigte, die &uuml;ber Jahrzehnte in &bdquo;ihre&ldquo; Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben und die sich ein paar Euros am Munde abgespart haben oder eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, erst das Ersparte aufzehren und in die Bed&uuml;rftigkeit fallen m&uuml;ssen, bis sie wie jeder, der noch nie oder nur kurze Zeit gearbeitet hat, Anspr&uuml;che auf ein Existenzminimum erhalten.<\/p><p>Wir waren und bleiben dabei, dass selbst eine perfekt gelungene Umorganisation der Bundesagentur und dass die beste Zuordnung von Verantwortlichkeiten keinen zus&auml;tzlichen Arbeitsplatz geschaffen h&auml;tte. Es ist so und es wird auch so bleiben, dass die Bundesagentur nur mit einem relativ kleinen Segment des Arbeitsmarktgeschehens befasst ist. Der ganz &uuml;berwiegende Teil der Arbeitsplatzwechsel findet au&szlig;erhalb des Regimes der Vermittlungsagenturen statt. Eine raschere Vermittlung w&auml;re gut, sie l&ouml;st aber das Grundproblem nicht.<\/p><p>Wir waren und bleiben auch dabei, dass selbst wenn man eine Neuorganisation der Arbeitsverwaltung f&uuml;r n&ouml;tig erachtet, dieser Prozess nicht nach Trial-and-error-Methode organisiert werden darf. Verwaltungsexperimente d&uuml;rfen schlicht nicht auf dem R&uuml;cken von existenziell Betroffenen ausgetragen werden.<\/p><p>Dass die Hartz-Gesetzgebung f&uuml;r die &uuml;berwiegende Zahl der Alg II &ndash; Bezieher zu einem pers&ouml;nlichen Drama wurde, lag unseres Erachtens weniger an den unklaren Zust&auml;ndigkeiten zwischen Bundesagentur und Kommunen bei der &bdquo;Verwaltung&ldquo; der Arbeitslosen &ndash; der Wirr-Warr kam sicherlich noch erschwerend hinzu &ndash; sondern daran, dass wo es keine (oder nur) ganz wenige Arbeitspl&auml;tze zu vermitteln gibt, auch nicht viel zu vermitteln bleibt. Der Umbau der Bundesagentur war sicher eine verwaltungsorganisatorische Herausforderung, die Einsch&auml;tzung, dass das &bdquo;eines der gewichtigsten und erfolgreichsten Modernisierungsprojekte&ldquo; war, kann man dann nachvollziehen, wenn man, wie Ursula Engelen-Kefer, bis zur Ersch&ouml;pfung in diesen Prozess der Umorganisation involviert war und etwa angesichts von irrsinnigen Beratungshonoraren, die dabei geflossen sind, bis zur Verzweiflung Loyalit&auml;t &uuml;ben musste, um eine &ouml;ffentlich verantwortete Arbeitsvermittlung &uuml;berhaupt noch zu retten. <\/p><p>Die freundliche Charakterisierung der Pers&ouml;nlichkeiten des Ombudsrates, insbesondere seines Vorsitzenden und dessen ablehnende Haltung zum hergebrachten Sozialstaat k&ouml;nnen wir nicht nachvollziehen und buchen sie als diplomatische Floskel ab. Wie gro&szlig; muss die Kritik an Hartz IV wirklich sein, wenn selbst dieses Gremium, dass voll und ganz hinter den Arbeitsmarktreformen steht, nicht mehr umhinkommt, gravierende M&auml;ngel anzprangern.<\/p><p>Wir teilen die Kritik unsere Autorin, dass &bdquo;es h&ouml;chste Zeit ist, endlich das politische Ruder auch bei Hartz IV herumzuwerfen.&ldquo; Wir meinen aber nicht nur bei Hartz IV, sondern im Sinne einer aktiven Bek&auml;mpfung der Ursachen der Arbeitslosigkeit und nicht nur im Sinne der Bek&auml;mpfung ihrer Auswirkungen und der von den Auswirkungen Betroffenen.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schlussbericht des vom ehemaligen Superminister Clement eingesetzten Omudsrates zu Hartz IV hat keine breite &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber das gr&ouml;&szlig;te &bdquo;Reform&ldquo;-Projekt in der Geschichte der Bundesrepublik&ldquo; ausgel&ouml;st, sondern er wurde von verschiedenen Politikern nur zum Anlass genommen, weitere Einschr&auml;nkungen f&uuml;r die Langzeitarbeitslosen zu fordern. Die ehemalige DGB-Vorsitzende und Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1228\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,142,140],"tags":[661,989,317,479],"class_list":["post-1228","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-bundesagentur-fuer-arbeit","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","tag-clement-wolfgang","tag-kombilohn","tag-mindestlohn","tag-reservearmee"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1228"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53722,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1228\/revisions\/53722"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}