{"id":12283,"date":"2012-02-20T09:16:07","date_gmt":"2012-02-20T08:16:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12283"},"modified":"2015-01-18T15:37:06","modified_gmt":"2015-01-18T14:37:06","slug":"yes-we-gauck-springer-hat-sich-durchgesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12283","title":{"rendered":"\u201eYes we Gauck\u201c \u2013 Springer hat sich durchgesetzt"},"content":{"rendered":"<p>Die Pr&auml;sidentschaft von Joachim Gauck ist ein Produkt der Springer-Presse. Der rechtskonservative Zeitungskonzern hat nicht nur zur Popularit&auml;t Gaucks wesentlich beigetragen sondern den Kandidatenvorschlag durch FDP, CDU\/CSU und SPD sowie durch die Gr&uuml;nen erst m&ouml;glich gemacht. Mit Gauck hat Schwarz-Gelb einen willkommenen Wahlhelfer gefunden, zumindest aber ist er ein Garant gegen jede Alternative zu einer neoliberal gepr&auml;gten Politik in Deutschland. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist ja ein offenes Geheimnis, wer die rot-gr&uuml;nen Parteigranden vor zwei Jahren auf die Idee gebracht hat, Joachim Gauck zu ihrem Pr&auml;sidentschaftskandidaten zu k&uuml;ren. Es war der damalige Chefredakteur und jetzige Herausgeber des rechtskonservativen Springerblattes &bdquo;Welt&ldquo;, Thomas Schmid (<a href=\"\/?p=6094\">Financial Times v. 20.6.2010<\/a>). Kein Wunder deshalb auch, dass die Springerzeitungen vor zwei Jahren Gauck als ihren Lieblingskandidaten hochjubelten. Und nach dem Abgang von Wulff widmete gestern &bdquo;Bild am Sonntag&ldquo; die ganze Titelseite erneut ihrem Favoriten: &bdquo;54 Prozent wollen Gauck&ldquo;. Diese &bdquo;Nibelungentreue&ldquo; der Chefetage der Springerzeitungen zu Gauck d&uuml;rfte auch eines der tragenden Motive gewesen sein, warum kein anderer Medienkonzern den zur&uuml;ckgetretenen schwarz-gelben Pr&auml;sidenten Christian Wulff &ndash; ganz entgegen der parteipolitischen Bindung an die CDU und die FDP &ndash; so unerbittlich verfolgt hat, wie die Springer-Presse. Nachdem sie vor zwei Jahren schon die SPD und die Gr&uuml;nen mit Gauck als Pr&auml;sidentschaftskandidaten f&uuml;r sich eingenommen hatten, konnten die wirtschaftsliberalen und rechts von christlich-konservativen Positionen angesiedelten &Uuml;berzeugungst&auml;ter aus dem Hause Springer nun auch der Kanzlerin die Grenzen ihrer Macht aufzeigen. Das Signal ist klar: Gegen Springer l&auml;uft in dieser Republik nichts. <\/p><p>Dass sich die FDP im Regierungslager gegen Widerst&auml;nde aus CDU\/CSU und wohl auch gegen Merkel durchgesetzt hat, kann nur diejenigen erstaunen, die sich dem Gauck durch die Medien verpasstes Image des rhetorisch begnadeten Freiheitsk&auml;mpfers haben blenden lassen. Gaucks Freiheitsbegriff ist mit demjenigen der FDP nahezu identisch.<br>\nUm das best&auml;tigt zu finden braucht man nur Gauck einmal selbst zu lesen, n&auml;mlich seine 2009 erschienenen Erinnerungen &bdquo;Winter im Sommer &ndash; Fr&uuml;hling im Herbst&ldquo;. Er vertritt dort das abstrakte Freiheitsideal des Liberalismus, das sich auf die b&uuml;rgerlichen Abwehrrechte gegen den Staat beschr&auml;nkt und in dem ansonsten jeder seines Gl&uuml;ckes Schmied ist. Wie bei den Ordoliberalen &agrave; la Friedrich August von Hayek gelten auch f&uuml;r Joachim Gauck solche Gesellschaftsvorstellungen, die auf eine materielle soziale Basis f&uuml;r die Verwirklichung von Freiheit dr&auml;ngen, als tendenziell totalit&auml;r. <\/p><p>Ich habe mich mit Gaucks Bekenntnis anl&auml;sslich seiner Gegenkandidatur gegen Wulff vor zwei Jahren ausf&uuml;hrlich auseinandergesetzt und verweise &ndash; um Wiederholungen zu vermeiden &ndash; auf meinen damaligen Beitrag &bdquo;<a href=\"\/?p=5927\">Ein traumatisierter Pr&auml;sidentschaftskandidat<\/a>&ldquo;. Seine Gl&auml;ubigkeit an die Rationalit&auml;t der M&auml;rkte wurde seither auch durch die Finanzkrise nicht etwa ersch&uuml;ttert, im Gegenteil: Im Gegensatz zu manchen gel&auml;uterten Marktradikalen beschimpfte er die Finanzmarktkritiker als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,792098,00.html\">uns&auml;glich albern<\/a>&ldquo;. Er best&auml;tigte sein nicht verarbeitetes DDR-Trauma indem er laut Spiegel der Occupy-Bewegung entgegenhielt, der Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von M&auml;rkten entledigen k&ouml;nne, sei eine romantische Vorstellung: &ldquo;Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.&rdquo;<\/p><p><strong>Gauck passt also ganz gut zu Merkels Vorstellung der &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Der Kanzlerin ist nun, nachdem schon zwei der von ihr ausgew&auml;hlten Bundespr&auml;sidenten abhandengekommen sind, ein Kandidat aufgedr&auml;ngt worden, der ihr wegen seiner Sicht auf die DDR aus einer Stasi-Perspektive angesichts ihrer eigenen FDJ-Vergangenheit bisher m&ouml;glicherweise als bedrohlich erschien. Gauck als Bundespr&auml;sident d&uuml;rfte sich jedoch im Hinblick auf die Bundestagswahl 2013 f&uuml;r Merkel und ihre Partei und vor allem auch f&uuml;r die FDP schon bald als Gl&uuml;cksfall erweisen, denn eine h&ouml;here amtliche Autorit&auml;t gegen die SPD und die Gr&uuml;nen, sollten diese Parteien sich im Wahlkampf mit sozialen Themen profilieren wollen, k&ouml;nnte sich Schwarz-Gelb gar nicht w&uuml;nschen. Denn, wie bekannte Gauck in einem Interview mit der Welt am Sonntag doch freim&uuml;tig: Er wisse, &ldquo;dass in beiden Parteien (in der SPD und bei den Gr&uuml;nen (WL)) auch linke Positionen vertreten werden, die nicht v&ouml;llig zu meinen politischen Grund&uuml;berzeugungen passen&rdquo;. F&uuml;r ihn sei der Wert der Freiheit von allergr&ouml;&szlig;ter Bedeutung. Das sehe &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article7922299\/Freiheit-ist-anstrengend-denn-man-muss-waehlen.html\">man im linken Spektrum zuweilen doch ganz anders. Dort ist ein Wert wie Solidarit&auml;t viel wichtiger, und man vertritt eine staatliche F&uuml;rsorglichkeit, die mir manchmal viel zu weit geht<\/a>&ldquo;. <\/p><p>Nicht nur wegen seiner grundskeptischen Haltung gegen&uuml;ber sozialstaatlichen Interventionen passt Gauck zum wirtschaftsliberal-konservativen Lager, sondern auch wegen seiner Parteinahme f&uuml;r den herrschenden Sparkurs der Regierung. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-700661,00.html\">Ich finde es richtig zu sparen<\/a>&ldquo;. Er ist &ndash; seiner asketisch-protestantischen Grund&uuml;berzeugung entsprechend &ndash; ein &bdquo;Verzichtsprediger&ldquo;, der kritisiert, dass das Gl&uuml;ck darin bestehe, dass es den Menschen materiell besser gehe als heute. Die Reduzierung des Lebensgl&uuml;cks auf Wohlfahrt und Wohlstand h&auml;lt er geradezu f&uuml;r &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/joachim-gauck-differenzen-mit-dem-linken-spektrum,1472596,4470846.html\">kindisch<\/a>&ldquo;.<br>\nSolche Predigten als Bundespr&auml;sident passen nat&uuml;rlich trefflich zusammen mit der von der Bundesregierung nicht nur in Deutschland sondern f&uuml;r ganz Europa verordneten Austerit&auml;tspolitik. <\/p><p>Nicht zuletzt ist Gauck ein Garant gegen jede Alternative zu einer neoliberal gepr&auml;gten Politik. Albrecht M&uuml;ller schrieb zu Recht: Gauck &bdquo;verst&auml;rkt und zementiert diese Linie&ldquo;.<br>\nUnd schon gar ist Gauck ein Bollwerk gegen die Linkspartei. &ldquo;<a href=\"\/?p=5902\">Rot-Rot-Gr&uuml;n w&uuml;nsche ich mir nicht und kann es mir auch &uuml;berhaupt nicht vorstellen<\/a>&rdquo;. Er st&auml;rkt damit gleichzeitig auch die rechte SPD-F&uuml;hrung um Steinmeier, Steinbr&uuml;ck und Gabriel.<\/p><p>Gaucks Popularit&auml;t, an der nun auch die CDU und die FDP (wie zuvor schon die SPD und die Gr&uuml;nen) offenbar nicht mehr vorbeikommen konnten, ist nachweislich ein Resultat der Meinungsmache konservativer Medien und dabei vor allem der <a href=\"\/?p=11012\">Springer-Presse<\/a>. Gauck ist intelligent genug, dass zu wissen. Mit der Medienkampagne gegen seinen Vorg&auml;nger als Bundespr&auml;sident d&uuml;rfte ihm auch klar geworden sein, von wem er in seinem Ansehen in der &Ouml;ffentlichkeit auch k&uuml;nftig abh&auml;ngig sein wird. Deshalb sollte er am besten vor jeder Rede in der Chefredaktion der Bild-Zeitung oder beim Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG anrufen, um sie sich absegnen zu lassen.<br>\nEr muss ja nicht unbedingt auf den Anrufbeantworter sprechen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pr&auml;sidentschaft von Joachim Gauck ist ein Produkt der Springer-Presse. Der rechtskonservative Zeitungskonzern hat nicht nur zur Popularit&auml;t Gaucks wesentlich beigetragen sondern den Kandidatenvorschlag durch FDP, CDU\/CSU und SPD sowie durch die Gr&uuml;nen erst m&ouml;glich gemacht. Mit Gauck hat Schwarz-Gelb einen willkommenen Wahlhelfer gefunden, zumindest aber ist er ein Garant gegen jede Alternative zu einer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12283\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,123],"tags":[441,764,271,752],"class_list":["post-12283","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-freiheit","tag-gauck-joachim","tag-springer","tag-wulff-christian"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12283"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12283\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24638,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12283\/revisions\/24638"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}