{"id":122927,"date":"2024-10-11T12:37:39","date_gmt":"2024-10-11T10:37:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122927"},"modified":"2024-10-11T14:46:57","modified_gmt":"2024-10-11T12:46:57","slug":"von-herzen-rheinmetall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122927","title":{"rendered":"Von Herzen, Rheinmetall!"},"content":{"rendered":"<p>Lobbyismus lohnt sich: Laut Recherchen traf die EU-Kommission seit 2019 insgesamt 356 Mal mit Vertretern der R&uuml;stungsindustrie zusammen.<strong> <\/strong>R&uuml;stung soll &bdquo;nachhaltig&ldquo; werden. So will es die Wehrindustrie und bl&auml;st zu einer gro&szlig;en Propaganda- und Lobbyschlacht, die hier beschrieben wird. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8155\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-122927-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241011-Von-Herzen-Rheinmetall-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241011-Von-Herzen-Rheinmetall-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241011-Von-Herzen-Rheinmetall-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241011-Von-Herzen-Rheinmetall-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=122927-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241011-Von-Herzen-Rheinmetall-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241011-Von-Herzen-Rheinmetall-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die EU-Kommission l&auml;sst sich nicht lange bitten. Bald schon d&uuml;rften Geldanlagen in Waffenschmieden mit dem &bdquo;gr&uuml;nen&ldquo; Label f&uuml;r Friede, Freude, Eierkuchen versehen sein. Dann schlummert im Aktiendepot des &Ouml;kopazifisten neben dem Papier f&uuml;r Windkraft das eines Panzerbauers. Was die &bdquo;Zeitenwende&ldquo; so alles m&ouml;glich macht.<\/p><p>Fast geschafft! Ein paar Wochen noch, vielleicht auch Monate, dann wird der europ&auml;ische R&uuml;stungssektor politisch als das anerkannt sein, was er nicht ist, nie war und niemals sein wird: nachhaltig. Der Begriff Nachhaltigkeit steht f&uuml;r Umweltschutz, Schonung von Ressourcen, das Bewahren der Lebensgrundlagen, f&uuml;r R&uuml;cksicht und Fairness gegen&uuml;ber Mensch, Natur und dem Planeten. Das Milit&auml;rische bedeutet: Tod, Zerst&ouml;rung, Vernichtung. Aber die &bdquo;Zeitenwende&ldquo; verlangt ein Umdenken, t&ouml;nt es aus allen Kan&auml;len. Weil der Krieg nach Europa zur&uuml;ckgekehrt ist, w&auml;ren &Uuml;berzeugungen von gestern heute obsolet und Waffenproduzenten die neuen Heilsbringer. Und so postuliert die EU-Kommission, ohne rot zu werden: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Verteidigungsindustrie der Union tr&auml;gt entscheidend zur Resilienz und Sicherheit der Union und damit zu Frieden und sozialer Nachhaltigkeit bei.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Satz findet sich so im <a href=\"https:\/\/defence-industry-space.ec.europa.eu\/eu-defence-industry\/edis-our-common-defence-industrial-strategy_en#languages\">European defence industry programme (EDIP)<\/a>, dem sogenannten Verteidigungsprogramm der EU, verk&uuml;ndet im M&auml;rz 2024. Verantwortlich f&uuml;r die Strategie ist Josep Borrell, der Hohe Vertreter f&uuml;r Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik der Kommission. Er ist einer der Treiber hinter dem Schlachtplan, private Investitionen in R&uuml;stung offiziell als nachhaltig einzustufen, um so noch mehr Geld als ohnehin schon f&uuml;r die Fertigung von Kriegs- und Mordwerkzeug zu mobilisieren. <\/p><p>Das Problem: Nicht nur in der breiten Bev&ouml;lkerung, auch innerhalb der Finanzwirtschaft bestehen Vorbehalte gegen&uuml;ber dem Gesch&auml;ft mit dem Tod. Nat&uuml;rlich boomen die Aktien von R&uuml;stungskonzernen derzeit wie nie seit dem 2. Weltkrieg und Unternehmen wie die D&uuml;sseldorfer Rheinmetall erzielen astronomische Gewinne. Allerdings verbietet es sich f&uuml;r Anbieter von Finanzprodukten, Wertpapiere von Waffenschmieden in &bdquo;gr&uuml;ne&ldquo; Fonds, sogenannte ESG-Fonds mit den Labeln Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensf&uuml;hrung (Governance) zu packen &ndash; eben weil R&uuml;stung nicht im Ruf steht, nachhaltig zu sein. <\/p><p><strong>Verbraucher verschaukeln <\/strong><\/p><p>Im EDIP wird das bedauert. Darin hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Bereitschaft der Finanzakteure, mit der Verteidigungsindustrie zusammenzuarbeiten, d&uuml;rfte durch die Besonderheiten des Verteidigungsmarkts (&hellip;) bzw. durch Mutma&szlig;ungen in Bezug auf die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG) beeintr&auml;chtigt sein<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nachzulesen ist das in aktuellen Beitr&auml;gen der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Waffenlobby-in-der-EU\/!6041646\/\"><em>tageszeitung (taz)<\/em><\/a> sowie des Vereins <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/lobbyismus-in-der-eu\/waffenlobby-ruestung-soll-als-nachhaltig-eingestuft-werden-117574\/\">LobbyControl<\/a>, die umfangreich recherchiert haben zu den Bem&uuml;hungen der EU-F&uuml;hrer, das schlechte Image der Wehrindustrie aufzuh&uuml;bschen. Das Dilemma beschreibt die <em>taz<\/em> wie folgt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die EU bef&uuml;rchtet also, dass die Finanzbranche keine R&uuml;stungsunternehmen in ihre nachhaltigen Anlagen aufnehmen will, solange sie laut EU-Regeln als nicht nachhaltig gelten. Das gleiche bef&uuml;rchtet auch die R&uuml;stungsindustrie.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Solange R&uuml;stungsaktien, so wie die von Tabak-, Alkohol- oder Gl&uuml;cksspielanbietern, bei ESG-Fonds ausgeschlossen bleiben, entgeht den Konzernen viel Geld. Nachhaltige Anlagen machen laut <em>taz<\/em> in diesem Jahr ein Achtel des verwalteten Fondsverm&ouml;gen in Deutschland aus. F&uuml;r kleine Privatinvestoren sind die in der Regel breit gestreuten Anlagen kaum zu durchschauen, sie m&uuml;ssen darauf vertrauen, dass keine schmuddeligen Papiere ihre Depots verschandeln. Die EU fungiert hier als Verbrauchersch&uuml;tzer, sie legt Transparenzpflichten und Kriterien fest, die die Nachhaltigkeit der Investments sicherstellt. Die Regeln sind in der sogenannten EU-Taxonomie und der &bdquo;EU-Verordnung &uuml;ber nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzsektor&ldquo; festgelegt. <\/p><p>Aber Regeln lassen sich &auml;ndern, und wie plump und radikal das vonstatten gehen kann, hatte die Kommission erst vor zwei Jahren bewiesen. Damals streifte sie auf Dr&auml;ngen Deutschlands und Frankreichs Atomstrom und Erdgas handstreichartig das &bdquo;gr&uuml;ne&ldquo; M&auml;ntelchen &uuml;ber. Seither profitieren mithin beinharte Kernkraftgegner im falschen Vertrauen auf das Nachhaltigkeitsversprechen von Wertpapieren, die sie bei besserem Wissen niemals gezeichnet h&auml;tten. <\/p><p><strong>&bdquo;Diffuses Reputationsrisiko&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ein Dammbruch von noch weitreichenderer Dimension zeichnet sich jetzt beim Thema R&uuml;stung ab. Dabei wird auf sprachliche Verrenkungen der Sorte Neusprech gesetzt, die George Orwell h&auml;tten erschaudern lassen. Den Vogel &ndash; die Friedenstaube &ndash; schie&szlig;t dabei der Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) mit einer im Gefolge des Ukraine-Kriegs aufgelegten Kampagne ab. Motto: &bdquo;Sicherheit ist die Mutter aller Nachhaltigkeit.&ldquo; In einer Erkl&auml;rung vom M&auml;rz 2022 beklagte Verbandshauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Hans Christoph Atzpodien, ein fr&uuml;herer Manager von ThyssenKrupp, fehlende &bdquo;Leitplanken&ldquo; f&uuml;r Banken und Versicherungen und dass sie &bdquo;subjektiv (&hellip;) alle Kunden, die sich mit der Ausr&uuml;stung unserer Streitkr&auml;fte und Sicherheitsorgane befassen, einfach aus ihrem Gesch&auml;ft ausgrenzen, um <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https:\/\/www.bdsv.eu\/aktuelles\/aktuelle-meldungen\/sicherheit-als-mutter-aller-nachhaltigkeit.html%3Ffile%3Dfiles\/meldungen\/2022\/03\/Sicherheit%2520als%2520Mutter%2520aller%2520Nachhaltigkeit-Beh%25C3%25B6rden%2520Spiegel.pdf&amp;ved=2ahUKEwi94b2rm4aJAxXF3gIHHTUXHm0QFnoECBQQAQ&amp;usg=AOvVaw34JL5r1gkRqve7eMrsd6x0\">ein diffus bef&uuml;rchtetes Reputationsrisiko im Zusammenhang mit &sbquo;R&uuml;stung&lsquo; und &sbquo;Waffen&lsquo; zu vermeiden&ldquo;.<\/a> Geboten w&auml;ren hingegen Investitionen &bdquo;in unsere Sicherheit (&hellip;), um unsere Freiheit und unsere Demokratie, damit auch zugleich auch die Lebensgrundlagen f&uuml;r k&uuml;nftige Generationen zu sch&uuml;tzen&ldquo;. Dies sei der &bdquo;eigentliche Kern von Nachhaltigkeit&ldquo;. <\/p><p>LobbyControl und <em>taz<\/em> zeigen auf, wie R&uuml;stungslobbyisten seit Jahren darauf hinarbeiten, ihre Sicht der Dinge durchzusetzen. Ein weiteres BDSV-Papier gibt etwa das Ziel &bdquo;Positive Inklusion von R&uuml;stung in Nachhaltigkeitsregulatorik&ldquo; aus und setzt hinzu: &bdquo;Wir fordern ein bindendes Regelungsvorhaben, das R&uuml;stung f&uuml;r EU- und NATO Streitkr&auml;fte als positiv nachhaltig kategorisiert&ldquo;. Tats&auml;chlich finden sich Formulierungen in nahezu identischem Wortlaut inzwischen in offiziellen EU-Dokumenten wieder, etwa in besagter EU-Verteidigungsstrategie. Die EU-B&uuml;rokraten geben sich offenbar nicht einmal mehr die M&uuml;he zu verhehlen, welchen Einfl&uuml;sterern sie dienen. <\/p><p>Selbstredend gibt es auch seitens der Bundesregierung Flankenschutz. Im Entwurf ihres <a href=\"https:\/\/table.media\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/12162241\/Entwurf_Strategie-Staerkung-SVI.pdf\">Strategiepapiers zur St&auml;rkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie<\/a> (SVI) steht geschrieben: &bdquo;Die Anforderungen der Zeitenwende einerseits und die Signalwirkung von Environmental, Social and Corporate Governance (ESG)-Kriterien auf den Zugang der SVI zum Finanzmarkt andererseits m&uuml;ssen in Einklang gebracht werden.&ldquo; <\/p><p><strong>Beste Bekanntschaften <\/strong><\/p><p>F&uuml;r all den Reformeifer lieferte die &bdquo;Zeitenwende&ldquo; augenscheinlich die Initialz&uuml;ndung, um richtig durchzustarten. Und erste greifbare Erfolge stellen sich ein: So &auml;nderte im Mai die europ&auml;ische Wertpapier- und Marktaufsichtsbeh&ouml;rde (ESMA) ihre Bestimmungen dahingehend, nur noch Unternehmen, die v&ouml;lkerrechtlich ge&auml;chtete Waffen herstellen, aus den ESG-Fonds auszuschlie&szlig;en. &bdquo;Firmen wie RollsRoyce &ndash; der zweitgr&ouml;&szlig;te Hersteller von milit&auml;rischen Triebwerken, Airbus &ndash; die Firma, die an der Herstellung des Eurofighter beteiligt ist oder Leonardo &ndash; der Konzern, der mit &uuml;ber 15 Milliarden Euro Umsatz einer der gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;stungsproduzenten der Welt ist, k&ouml;nnten damit nun pl&ouml;tzlich in nachhaltigen ESG-Fonds landen&ldquo;, folgerte die <em>taz<\/em>. Au&szlig;erdem revidierte die Europ&auml;ische Investitionsbank (EIB), die einen Gro&szlig;teil ihrer Investitionen in die gr&uuml;ne Transformation steckt, im Mai ihre Vorgaben zu sogenannten Dual-Use-G&uuml;tern. Die Leitlinie, dass EIB-finanzierte Projekte nur zur zivilen Nutzung bestimmt sein sollen, ist damit entfallen. <\/p><p>Lobbyismus lohnt sich augenscheinlich und je penetranter das passiert, desto gr&ouml;&szlig;er ist der Ertrag. Gem&auml;&szlig; der Recherchen traf die EU-Kommission seit der vorangegangenen EU-Wahl 2019 insgesamt 356 Mal mit Vertretern der R&uuml;stungsindustrie zusammen. Allein in den Jahren 2023 und 2024 haben sich in 44 F&auml;llen Waffenlobbyisten und hohe Vertreter der Kommission zum Thema Verteidigung ausgetauscht. Dabei ging es sieben Mal explizit um Fragen der EU-Taxonomie, &bdquo;Sustainable Finance&ldquo; oder &bdquo;Defense Industry Policy&ldquo;. Immer mit am Tisch sa&szlig;en Emiss&auml;re der Konzerne Leonardo, Airbus, Patria Oyj, RollsRoyce sowie der AeroSpace and Defence Industries Association of Europe (ASD), in der alle europ&auml;ischen Branchenriesen organisiert sind. <\/p><p><strong>Peanuts und Megaprofite <\/strong><\/p><p>Die Zahlen umfassen lediglich die offiziell best&auml;tigten Treffen auf Basis des EU-Transparenzregisters. Dazu kommen gewiss allerhand informelle Plauderst&uuml;ndchen, &uuml;ber die nicht Buch gef&uuml;hrt wird. &Uuml;brigens: Mit Abgesandten der Zivilgesellschaft haben Politgr&ouml;&szlig;en wie Borrell, Thierry Breton, Ex-EU-Kommissar f&uuml;r Verteidigung, oder Margrethe Vestager, Kommissarin f&uuml;r Digitales, in diesem und im vergangenen Jahr nicht ein einziges Mal &uuml;ber Krieg und Frieden geredet. Einflussmacht und Geld sind im Umfeld der politischen Schaltzentralen hochgradig ungleich verteilt. J&auml;hrlich sch&uuml;tten R&uuml;stungsverb&auml;nde und -unternehmen zwischen elf und 15 Millionen Euro daf&uuml;r aus, auf EU-Ebene f&uuml;r ihre Belange zu werben. Das h&ouml;rt sich nach viel Geld an. Setzt man es ins Verh&auml;ltnis zu den exorbitanten Gewinnen, die insbesondere seit nunmehr zwei Jahren mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten erzielt werden, erscheinen die Summen wie Peanuts. <\/p><p>Das Gesch&auml;ft ist vor allem deshalb so rentabel, weil ganze Staaten und Staatenverb&uuml;nde (EU, NATO) als Kunden auftreten. Daraus erw&auml;chst eine quasi nat&uuml;rliche Deckungsgleichheit zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen, wie es sie in anderen Feldern nicht gibt. Wer, wie Deutschland, seine Armee und Bev&ouml;lkerung &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; machen will, ist freilich darauf bedacht, f&uuml;r die Wehrindustrie optimale Produktions- und Finanzierungsbedingungen zu schaffen. &bdquo;Entsprechend geht es zwischen R&uuml;stungslobby und Politik oft besonders intransparent zu und andere d&uuml;rfen kaum mitreden&ldquo;, konstatiert LobbyControl. Das l&auml;sst sich zuspitzen: Hier wirkt ein System institutionalisierter Korruption mit einer Eigendynamik, die nicht nur der Demokratie erheblich schadet, sondern mithin ins Verderben f&uuml;hren kann. <\/p><p>Denn Kriegsprofite machen einfach niemals satt. Das wei&szlig; auch die Vorstandsprecherin der GLS Bank, Aysel Osmanoglu. &bdquo;Die Idee, dass nur so viele Waffen produziert werden, wie es zur Verteidigung braucht, wird ad absurdum gef&uuml;hrt&ldquo;, bemerkt sie in einem lesenswerten <a href=\"https:\/\/table.media\/esg\/standpunkt\/verdrehte-nachhaltigkeit-erst-gas-und-atomkraft-nun-waffen\/\">Beitrag<\/a>, mit dem sie sich vehement dagegen positioniert, R&uuml;stungsg&uuml;ter als nachhaltig zu salben. &bdquo;Durch diese Entwicklung wird Nachhaltigkeit ein Buzzword der Beliebigkeit&ldquo;, moniert sie und weiter: &bdquo;Die Produktion von Waffen, ihr Export und ihr Einsatz sind nicht nachhaltig! Krieg ist nicht nachhaltig. Und Dividenden aus zur Kriegsf&uuml;hrung hergestellten G&uuml;tern k&ouml;nnen nicht nachhaltig sein.&ldquo; <\/p><p><strong>Kein Kapital f&uuml;r Kriegsgegner <\/strong><\/p><p>Aber noch sind die Protagonisten nicht am Ziel. Dieses lautet: Aufnahme der R&uuml;stungswirtschaft in die EU-Taxonomie, also die Verordnung zur Definition von Nachhaltigkeit, nach dem Vorbild von Kernkraft und Gas. Damit w&auml;ren Investitionen in Waffen nicht nur prinzipiell vereinbar mit amtlich verbrieften Nachhaltigkeitskriterien. Mehr noch h&auml;tten Aufwendungen f&uuml;r &bdquo;Verteidigung, Resilienz und Sicherheit&ldquo; damit sogar an sich das Attribut Nachhaltigkeit inne, indem sie vermeintlich Frieden sichern und so erst Nachhaltigkeit erm&ouml;glichen. <\/p><p>Und jetzt wird es bizarr: Sobald solche Aktivit&auml;ten erst einmal zum Katalog der ESG-Kriterien geh&ouml;ren, drohen Akteure, die diesen auf &bdquo;signifikante Weise&ldquo; entgegenstehen, am Kapitalmarkt leer auszugehen. &bdquo;Es ist gut denkbar, dass dann Organisationen mit einem Fokus auf Abr&uuml;stung der Zugang zu Geldern aus ESG-Fonds erheblich erschwert w&uuml;rde&ldquo;, schreibt dazu LobbyControl. Sch&ouml;ne neue Welt: Krieg ist Frieden, Frieden ist Krieg. Big Brother h&auml;tte seine Freude daran &hellip; <\/p><p><small>Titelbild: Vladimir Sukhachev \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/c78ae38c57ef4cc590dd9a172f8f9842\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lobbyismus lohnt sich: Laut Recherchen traf die EU-Kommission seit 2019 insgesamt 356 Mal mit Vertretern der R&uuml;stungsindustrie zusammen.<strong> <\/strong>R&uuml;stung soll &bdquo;nachhaltig&ldquo; werden. So will es die Wehrindustrie und bl&auml;st zu einer gro&szlig;en Propaganda- und Lobbyschlacht, die hier beschrieben wird. 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