{"id":122933,"date":"2024-10-12T14:00:24","date_gmt":"2024-10-12T12:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122933"},"modified":"2024-10-11T20:06:14","modified_gmt":"2024-10-11T18:06:14","slug":"leserbriefe-zu-berlin-hauptstadt-des-kaputten-mietmarktes-und-der-obdachlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122933","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eBerlin \u2013 Hauptstadt des kaputten Mietmarktes und der Obdachlosigkeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122611\">In diesem Zwischenruf<\/a> vertritt Frank Blenz die These, dass aus dem Brettspiel Monopoly Ernst geworden sei. Exemplarisch f&uuml;r die Bundesrepublik stehe &bdquo;unsere Hauptstadt Berlin, wo vielleicht am gierigsten um die Ware Haus und Wohnen r&uuml;cksichtslos Kasse gemacht&ldquo; werde. Der soziale Frieden sei nicht nur gef&auml;hrdet, sondern aufgek&uuml;ndigt. Die Interessen und Rechte der Mieter, der Berliner B&uuml;rger w&uuml;rden &bdquo;auf der Strecke&ldquo; bleiben. Im schlimmsten Fall lande man auf der Stra&szlig;e. Diese F&auml;lle w&uuml;rden zunehmen. Wir danken f&uuml;r die interessanten Zuschriften. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, f&uuml;r Sie zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Nachdenkseiten,<\/p><p>ein sehr treffender Artikel von Frank Blenz. So wie in Berlin sieht es mittlerweile ja in allen deutschen Gro&szlig;st&auml;dten aus. Schande!<\/p><p>Der Artikel zeigt auch deutlich, dass sogenannte Volksentscheide nur scheindemokratische Feigenbl&auml;tter sind, deren Ergebnisse durch die Machtelite problemlos &uuml;bergangen werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Die USA machen&rsquo;s vor, und die dortigen Entwicklungen kommen dann mit immer k&uuml;rzeren Phasenverschiebungen bei uns an. Solange das Faustrecht gilt, wird sich bei uns nichts &auml;ndern, leider.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e, und weiter so, Wolfgang Blendinger<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Blenz,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r den Artikel, der eine traurige Entwicklung realistisch beschreibt. Und es wird nicht besser. Ich wurde in Berlin geboren, doch meine Heimatstadt existiert nicht mehr. Mittlerweile lebe ich im Ausland.<\/p><p>Ich m&ouml;chte Sie lediglich darauf hinweisen, dass mit Blick auf das Brettspiel Monopoly nicht etwas aus Spiel Ernst geworden ist, sondern sich Geschichte wiederholt, f&uuml;r die das Spiel ein Zeitzeuge ist. Der Vorfahre des Spiel sollte um 1900 herum auf die negativen Auswirkungen der Immobilienzust&auml;nde in den damaligen USA aufmerksam machen, um den Protest dagegen anzuregen.<\/p><p>Ich hab&rsquo;s mal in einem Buch gelesen, ich glaube &ldquo;It&rsquo;s All a Game. The History of Board Games from Monopoly to Settlers of Catan&rdquo; von Tristan Donovan (<a href=\"https:\/\/us.macmillan.com\/books\/9781250082725\/itsallagame\">us.macmillan.com\/books\/9781250082725\/itsallagame<\/a>), doch man kann&rsquo;s auch einfach in Wikipedia (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/History_of_Monopoly\">en.wikipedia.org\/wiki\/History_of_Monopoly<\/a>) und den verlinkten Quellen lesen.<\/p><p>Das Emp&ouml;rende an den Zust&auml;nden in Berlin (und nicht nur dort) ist ja, dass hier nicht etwa eine nie dagewesene, unvorhersehbare Dynamik seinen Lauf nimmt, sondern dass man in der Welt und in der Geschichte schon vielfach beobachten konnte und kann, wohin das alles f&uuml;hrt &ndash; und dass zahllose Konzepte existieren und&nbsp;(im Land und vor allem im Bund) ignoriert werden, die die Lage verbessern w&uuml;rden.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nSascha M.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Gesch&auml;tztes NDS-Team, sehr geehrter Herr Blenz, <\/p><p>in dem Beitrag geht es auch um die Ignoranz von CDU\/SPD gegen&uuml;ber dem Volksentscheid &ldquo;Deutsche Wohnen &amp; Co. enteignen&rdquo;. Aber dieser Begriff wird insofern als irref&uuml;hrend angesehen, weil er v&ouml;llig ausblendet, wie diese &ldquo;Deutsche Wohnen&rdquo; entstanden ist, n&auml;mlich durch das Verramschen &ndash; pr&auml;ziser formuliert: das Verschenken &ndash; von Staatseigentum gewisserma&szlig;en an Heuschrecken (Vergleich mit einer Spezies von Insekten die ganze L&auml;nder kahl fressen). Und Staatseigentum ist doch wohl de facto Volkseigentum. Also, real wurde hier durch eine Politmafia zun&auml;chst immer erst einmal das Volk enteignet, weshalb es korrekter Weise hei&szlig;en m&uuml;&szlig;te: diese Volksenteignungen, aus der die &ldquo;Deutsche Wohnen&rdquo; entstehen konnte, r&uuml;ckg&auml;ngig machen. <\/p><p>Diese Form der Volksenteignungen, die sich bekanntlich im Verlauf von Jahrzehnten nicht blo&szlig; auf staatseigene Immobilien beschr&auml;nkte (s. z. B. VEBA in den sechziger und VIAG in den achtziger Jahren), sei an einem Beispiel erl&auml;utert, das der Unterzeichnende aus eigenem Erfahren und Erleben aus dem ff kennt. Es handelt sich um die &ldquo;Deutschbau&rdquo; eine einst gemeinn&uuml;tzige Wohnungsbau-Gesellschaft, die sich im Eigentum von Bund und Post befand, und von einem CSU Finanzminister namens Waigel 1997 an eine Holding von Deutsche Bank und VEBA-Immobilien f&uuml;r 1,9&nbsp;Mrd. DM verramscht wurde. (Hinweis: Holding ist hierbei besonders wichtig, weil das Grunderwerbssteuergesetz vorsorglich insoweit abge&auml;ndert wurde, da&szlig;, wenn eine Holding in einer bestimmten anteiligen Zusammensetzung Liegenschaften erwirbt, dann die Grunderwerbsteuer entf&auml;llt.<br>\nDie Deutschbau bestand aus insgesamt 38.675 Wohneinheiten (WE) &uuml;ber Deutschland verteilt mit &uuml;berwiegend bester Substanz und in vorwiegend guten Wohnlagen. Teilt man jetzt einmal den Kaufpreis der Deutschbau durch die Anzahl der WE, ergibt sich ein bezogener Kaufpreis von rund 50.000 DM\/WE. Nachstehend wird belegt, warum man aus guten Gr&uuml;nden nicht blo&szlig; von Verramschen von Volkseigentum, sondern exakter von Verschenken reden mu&szlig;; denn 1\/4 der erworbenen WE wurden zu etwa dem 4fachen bezogenen Kaufpreis &ndash; das war der &ldquo;Marktwert&rdquo; &ndash; verkauft (siehe als Beleg ein Expos&eacute; im Anhang). Und 3\/4 eines solchen Erwerbs hatte man dann quasi f&uuml;r umsonst. Aus der Deutschbau wurde eine &ldquo;Deutschbau Immobilien Dienstleistungs GmbH&rdquo;, diese wurde dann Bestandteil einer &ldquo;Deutschen Annington&rdquo; (siehe im Anhang: E.ON verkauft Viterra, vormals VEBA) und aus dieser wurde eine &ldquo;Deutsche Wohnen&rdquo; und diese geh&ouml;rt jetzt zu &ldquo;Vonovia&rdquo;, ein Dax Konzern (Blackrock h&auml;lt knapp 10&nbsp;%). Und Mietwucher betrieben alle von Anfang an. Man selbst wurde innerhalb von ca. 5 Jahren 4 mal, auch mit wahrheitswidrigen Angaben zum Wohnwert, wg. Mieterh&ouml;hung verklagt &ndash; mit wenig Erfolg weil wehrhaft. Und besagte Deutschbau ist nur ein Beispiel von ganz, ganz vielen, durchgef&uuml;hrt nicht nur vom Bund sondern auch L&auml;ndern und Kommunen. Und es lief immer nach demselben Strickmuster ab. Mit dem Stichwort &ldquo;Privatisieren&rdquo; (lat. Ursprung: privare = stehlen, rauben) und um angeblich den Haushalt zu sanieren, haben sie den B&uuml;rger in das kalte Wasser geschmissen, der nun nicht mehr wei&szlig; wie er die Wuchermieten finanzieren soll.<br>\n(&hellip;)<\/p><p>Bester Gru&szlig;<br>\nH. Wohler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Moin, <\/p><p>&ldquo;Monopoly&rdquo; kommt von &ldquo;Monopol&rdquo;, was dem Kapitalismus inh&auml;rent ist, sprich: am Ende hat immer einer alles und der Rest nichts. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Immobilien, Automobile oder etwa Superm&auml;rkte handelt. Das Schlimmste, wenn einer ein Monopol besitzt: er kann, mangels Konkurrenz, die Preise diktieren, was sich bei Dingen des t&auml;glichen Bedarfs besonders verheerend auswirken kann, weil es hier keine Wahlm&ouml;glichkeit gibt. <\/p><p>&ldquo;Der Staat&rdquo;, sprich: die uns regierenden Politiker mit dem ganzen Gesetzesgewurschtel im Hintergrund, das idealerweise bei allen zum Einsatz kommt, in der Praxis aber nicht f&uuml;r alle gilt, h&auml;tte die Macht, die B&uuml;rger vor Wucher zu sch&uuml;tzen. Die einfachste Methode: eine vern&uuml;nftige Obergrenze pro m&sup2; Wohnraum. Nehmen wir 5&euro;\/m&sup2; als Maximum, und Jeder h&auml;tte bezahlbaren Wohnraum; Mietpreise dar&uuml;ber gibt es nicht. Dazu Strafzahlungen von 10&euro;\/m&sup2; ab dem 2. Jahr einer leer stehenden Wohnung (oder auch B&uuml;ror&auml;ume), und die Vermieter h&auml;tten Anreize, ihre Buden voll zu kriegen. Dann w&auml;re es egal, ob der Vermieter &ldquo;Deutsche Wohnen&rdquo; hei&szlig;t, eine B&ouml;rsenheuschrecke ist oder nicht: alles unter einer Rendite von 6-8% wird dann uninteressant. Dann h&auml;tten auch reiche Unternehmen keine Anreize, mit illegalen Mitteln Mieter loswerden zu wollen. Auch die Eigenbedarfsklausel mu&szlig; versch&auml;rft werden: einfach nur anzugeben, &ldquo;ich brauche die Wohnung&rdquo;, gen&uuml;gt nicht. Hier mu&szlig; ein schl&uuml;ssiger Nachweis her, da&szlig; man tats&auml;chlich keine andere Bleibe zu vern&uuml;nftigen Konditionen finden kann, um Mi&szlig;brauch vorzubeugen. Schlu&szlig;endlich nimmt ein Mensch dem anderen Wohnraum weg. Auch sollte der Mietzins f&uuml;r das verwendet werden, wozu er einst gedacht war: als Ausgleich f&uuml;r notwendige Renovierungsarbeiten, weil sich der Wohnraum &uuml;ber die Zeit abnutzt, und nicht als Profit f&uuml;r Geldgierige. <\/p><p>Solange die Politik mit der Wirtschaft kuschelt (was in den letzten Jahrzehnten enorm intensiviert wurde), wird sie sich eher an den &ldquo;Bed&uuml;rfnissen&rdquo; der Konzerne ausrichten anstatt am B&uuml;rger. Die einzige Sorge, die Politiker umtreibt, ist die Frage, wie sie die B&uuml;rger am besten bel&uuml;gen, ganz bewu&szlig;t nicht in deren Auftrag, sondern sogar diametral gehandelt zu haben. Heuer steht man f&uuml;r Konzerngewinne ein, nicht f&uuml;r das Wohlergehen der B&uuml;rger, obwohl man vorgab, bei Amtsantritt genau daf&uuml;r zu sorgen. Da&szlig; ausgerechnet Berlin die h&auml;&szlig;liche Fratze des durchtriebenen Kapitalismus zeigt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, stinkt der Fisch vom Kanzleramt, &auml;&auml;&auml;h, vom Kopf her. Hier kommt zum Mietwucher der heruntergewirtschaftete &Ouml;PNV hinzu. F&uuml;r den Rest der Republik bedeutet das: Hier handelt es sich um ein abschreckendes Beispiel, also bitte nicht nachmachen! <\/p><p>&Uuml;brigens ist eine gute Strategie beim Monopoly der Erwerb des Stra&szlig;enzuges vor Parkstra&szlig;e &amp; Schlo&szlig;allee: Rathausplatz, Hauptstra&szlig;e, Bahnhofstra&szlig;e. Hier ist die Wahrscheinlichkeit deutlich gr&ouml;&szlig;er, da&szlig; sich jemand dorthin verirrt, und die Mieten sind nur unwesentlich geringer. Wenn Sie auch noch alle 4 Bahnh&ouml;fe besitzen, dann haben Sie im Grunde bei jeder passierenden Spielfigur sichere Einnahmen. Damit d&uuml;rfte einem dann auch der Besitz von Parkstra&szlig;e &amp; Schlo&szlig;allee gesichert sein, so da&szlig; man mit diesem teuersten Stra&szlig;enzug jede Geldb&ouml;rse klein kriegt. Zum Gl&uuml;ck stehen die Verlierer beim Spiel &ldquo;Monopoly&rdquo; nicht tats&auml;chlich auf der Stra&szlig;e&hellip; <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nMichael Schauberger <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren! <\/p><p>Zum Artikel &ldquo;Berlin &ndash; Hauptstadt des kaputten Mietmarktes und der Obdachlosigkeit&rdquo; m&ouml;chte ich Ihnen einige Anmerkungen der b&ouml;sen Realit&auml;t schicken. <\/p><p>Da auch ein Volksentscheid durch das deutsche Grundgesetz eingeschr&auml;nkt wird, das den Schutz des Eigentums garantiert, stehen der in diesem Entscheid gew&uuml;nschten Enteignung von Wohnungsgesellschaften erst mal massive rechtliche Hindernisse entgegen. Es reicht keineswegs aus, dass man Wohnungsbedarf erkl&auml;rt, um Besitzer zu enteignen. Dazu m&uuml;&szlig;te die Bundesregierung einen f&uuml;r ganz Deutschland g&uuml;ltigen Rechtsrahmen schaffen, der u.A. eine &Auml;nderung des Grundgesetzes einschlie&szlig;t.<br>\nEine ersatzlose Enteignung w&uuml;rde nicht nur deutsches Recht brechen, sondern auch EU-Recht. Das k&ouml;nnte f&uuml;r Deutschland seeehr teuer werden. <\/p><p>Bei einem Wertersatz, d&uuml;rfte der Verkehrswert des Eigentums zum tragen kommen &ndash; Berlin ist jetz schon pleite, woher sollte das Geld daf&uuml;r kommen? <\/p><p>Schlimmer noch &ndash; diese &lsquo;Investition&rsquo; schafft keine einzige neue Wohnung sondern erzeugt nur einen Eigent&uuml;merwechsel. Die bestehenden Mietvertr&auml;ge gelten ja weiterhin und die in den nun staatlichen Wohnungen lebenden Menschen l&ouml;sen sich ja nicht in Luft auf! <\/p><p>Der aktuell schon sehr beschr&auml;nkte private Wohnbau, w&uuml;rde damit voll zum Erliegen kommen, da in einem solchen Staat garantiert keine Wohnbauinvestitionen mehr von privater Hand get&auml;tigt w&uuml;rden. <\/p><p>Da Baufirmen auch von einem staatlichen Auftraggeber Geld sehen wollen, bevor sie anfangen Ziegelsteine aufeinander zu t&uuml;rmen, h&auml;ngt bei einer solchen Konstruktion das Bauvolumen vom Budget des Staates ab. Beim aktuellen Haushaltsdefizit des Bundes bzw. der Stadt Berlin d&uuml;rften dann eher Zeltlager statt Wohnungen entstehen. <\/p><p>Ohne Geld ka Musi, wie man bei uns in &Ouml;sterreich sagt. Ohne das Geld privater Investoren, die sich eine entsprechende Rendite erwarten d&uuml;rfen, wird schlicht nicht gebaut.<br>\nMan k&ouml;nnte nat&uuml;rlich auch die Baufirmen verstaatlichen und die Mitarbeiter zum Baudienst zwangsverpflichten. Wenn man diesen weg zur DDR 2.0 gehen will, lassen sie es uns in &Ouml;sterreich rechtzeitig wissen. Deutsche Wirtschaftsmigranten mit entsprechendem Kapital sind hier immer willkommen. <\/p><p>Wie toll die rein staatliche Wohnungsversorgung funktioniert, sollte eigentlich in Deutschland auf Grund der Erfahrungen mit der DDR und den Wartezeiten bei der Wohnungszuweisung in den tollen Plattenbauten bekannt sein. <\/p><p>Wir in Wien gehen da andere Wege &ndash; und auch die sind nicht problemlos. Hier tritt die Stadt (bzw. das Land Wien) &uuml;ber Genossenschaften als Bauherr in Konkurrenz zum privaten Wohnbau auf. Diese Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet, kostendeckend zu wirtschaften. Das bedeutet sie m&uuml;ssen &uuml;ber Mieteinnahmen oder den Genossenschaftsanteil sowohl die Bau- als auch die Erhaltungskosten erwirtschaften. Das kostenlose Wohnen liefert dieses Modell zwar nicht, es sorgt aber f&uuml;r einen geringeren Anstieg der Mietpreise durch das Konkurrenzprinzip. <\/p><p>Dazu offeriert der Staat zinsg&uuml;nstige (bzw. zinsfreie) Kredite f&uuml;r private Bauherren, die daf&uuml;r verpflichtend einen Anteil der neuen Wohnungen zu sozialen Mieten vergeben m&uuml;ssen. <\/p><p>Aus dem R&uuml;ckfluss dieser Kredite werden weitere Wohnbauaktivit&auml;ten gef&ouml;rdert. <\/p><p>Dieses Wiener (bzw. &ouml;sterreichische) Modell funktioniert einigerma&szlig;en &ndash; eine ideologisch begr&uuml;ndete Staatswirtschaft hat noch nie diesen Zustand erreicht. <\/p><p>Hochachtungsvoll<br>\nWerner Lischka<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe NachDenkSeiten-Redaktion,<\/p><p>als Erg&auml;nzung zum o.b. Text noch eine historische (1971) Anmerkung von Franz-Josef Degenhardt.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJ&uuml;rgen Lohs<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Das war eine wahre Geschichte. Sie passierte Ende Januar 1970 in Westberlin. Nein, nicht an der Mauer. Das passierte mitten in Westberlin.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Monopoly<br>\nFranz-Josef Degenhardt (1971)<\/p><p>Wagen und Weiber und hei&szlig;e Regionen<br>\nim Fernsehn und lebend auf Bild und Plakat.<br>\nDu kommst da nicht ran und du hast Erektionen,<br>\nund die Frau zu Hause kriegt dich nicht satt.<br>\n&Uuml;berstunden und Sparn f&uuml;rn Wagen.<br>\nDas gro&szlig;e Geld verdienst du nie.<br>\nDu schluckst die Wut und die staut sich im Magen.<br>\nDa mu&szlig; sich was &auml;ndern, aber du wei&szlig;t nicht, wie.<br>\nWeil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem,<br>\ndie solln wir vergessen<br>\ndie solin wir vergessen,<br>\nweil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem<br>\nist f&uuml;r einige,<br>\naber nur f&uuml;r sehr wenige, nicht angenehm.<br>\nDiese Moritat ist eine wahre Geschichte.<br>\nSie passierte so oder &auml;hnlich am 26. Januar 1970 abends in Westberlin. Nein, nicht an der Mauer. Das passierte mitten in Westberlin. Und das passierte mit zwei Arbeitskollegen, beide 30 Jahre alt, verheiratet ohne Kinder, aber mit Konfession.<br>\nBeide aus Westdeutschland, Volksschule, kaufm&auml;nnische Lehre, Bundes-wehr, dann nach Westberlin, da geheiratet wegen Familiendarlehen. Werksangeh&ouml;rige derselben Firma. Vorstrafen: keine.<\/p><p>F&uuml;r Achthundertf&uuml;nfzig acht Stunden am Tage<br>\nArbeit im selben Gro&szlig;raumb&uuml;ro.<br>\nWerkseigene Wohnung in Nachbarlage,<br>\n21\/2 Zimmer und im Bad ist das Klo.<br>\nUnd machen genau was sie machen sollen:<br>\nSie machen sich gegenseitig ganz geil<br>\nmit &Uuml;berstunden, Musikschrank so weiter, &lsquo;<br>\nund die beiden Fraun machen auch ihren Teil.<\/p><p>Weil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem,<br>\ndie solin wir vergessen<br>\ndie solln wir vergessen,<br>\nweil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem<br>\nist f&uuml;r einige,<br>\naber nur f&uuml;r sehr wenige, nicht angenehm.<\/p><p>Also die beiden Arbeitskollegen sind Konkurrenten. Warum? Weil das n&uuml;tzt denen, von denen sie ausgen&uuml;tzt werden. Und jetzt wollen die ausgen&uuml;tzten Arbeitskollegen so sein wie die, die sie ausn&uuml;tzen. Was wollen sie sein? Monopolisten. Das geht nat&uuml;rlich nicht in Wirklich-keit. Also spielen sie. Was spielen sie? Sie spielen, und ihre Frauen spielen mit, abends nach &Uuml;berstunden und wenn im Fernsehen nichts Richtiges ist, dann spielen sie das beliebte Gesellschaftsspiel Monopoly. Zu diesem Spiel geh&ouml;ren: 2 W&uuml;rfel, 6 Spielfiguren, 32 gr&uuml;ne H&auml;user, 12 rote Hotels, ein Gemeinschafts- und Ereignisfach, Verschiedenes. Jeder erh&auml;lt als Anfangskapital 30.000 Mark.<\/p><p>Und hocken am Tisch und die Geldscheine wandern.<br>\nDas Spiel ist ernst. Man ist Kapitalist.<br>\nUnd schon mal hat die ihre Hand bei dem &auml;ndern,<br>\nmit dem sie nicht verheiratet ist.<br>\nSalzstangen, Bier, rote K&ouml;pfe und Lachen,<br>\nwenn einer paar H&auml;user verkaufen mu&szlig;.<br>\nDie W&uuml;rfel rollen. Was willst du da machen?<br>\nAlles ist Schicksal, Gewinn und Verlust.<\/p><p>Weil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem,<br>\ndie solln wir vergessen<br>\ndie solln wir vergessen,<br>\nweil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem<br>\nist f&uuml;r einige,<br>\naber nur f&uuml;r sehr wenige, nicht angenehm.<\/p><p>Aus den Spielregeln von Monopoly: Sinn des Spiels ist es, Besitzt&uuml;mer so g&uuml;nstig zu kaufen, zu vermieten oder zu verkaufen, da&szlig; man der Reichste und m&ouml;glichst Monopolist wird. Wer das meiste besitzt, der hat gewonnen. Und wer am wenigsten besitzt, der hat verloren. Und so war das am 26. Januar 1970 abends in Westberlin: Der eine hatte &Uuml;berstunden gemacht. Soll Gehaltsaufbesserung kriegen. Weil der*so t&uuml;chtig ist. Das sagt die Frau von dem anderen. Und dann kamen die abends noch r&uuml;ber aufn Sprung zum Monopoly. Und dann hat der Nicht-so-T&uuml;chtige alle seine Besitzt&uuml;mer an den T&uuml;chtigen ver-loren. Und dann sieht er noch, wie seine Frau dem T&uuml;chtigen mit ner Salzstange an der Hose rumfummelt. Und da war es dann soweit.<\/p><p>Hat an dem Tisch die Flasche zerschlagen,<br>\nhaut dem den Scherben grad ins Gesicht.<br>\nUnd durch die Wohnung ins Treppenhaus jagen<br>\nund hinterher mitm Brotmesser, sticht.<br>\nDer hat an der T&uuml;r das Bleirohr genommen,<br>\nschl&auml;gt zu &uuml;bern Kopf zweimal quer.<br>\nUnd dann hat alles voll Blut geschwommen.<br>\nUnd im Krankenhaus lebten schon beide nicht mehr.<\/p><p>Weil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem,<br>\ndie solln wir vergessen<br>\ndie solln wir vergessen,<br>\nweil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem<br>\nist f&uuml;r einige,<br>\naber nur f&uuml;r sehr wenige, nicht angenehm.<\/p><p>Der Tod der beiden Arbeitskollegen hat geschmerzt. Vor allem das Werk, dessen Angeh&ouml;rige sie waren. Es n&uuml;tzt dem Werk n&auml;mlich gar nichts, wenn gute Arbeitskr&auml;fte sich erschlagen und erstechen. Das mu&szlig; auch mal gesagt werden. Und es gab eine Doppelbeerdigung. Und viele Werksangeh&ouml;rige zogen mit.<\/p><p>Und auf den zwei S&auml;rgen haben Kr&auml;nze gelegen<br>\nund daran waren Schleifen und darauf stand:<br>\nGedenken den treuen Arbeitskollegen<br>\nBetriebsrat und Firmen vorstand.<br>\nUnd ein Direktor hat auch gesprochen<br>\nvom gemeinsamen Boot, das uns alle eint.<br>\nAber das Leben ist Kampf, hat er paar Mal gerufen.<br>\nAber Klassenkampf hat er wohl nicht gemeint.<\/p><p>Weil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem,<br>\ndie solln wir vergessen<br>\ndie solln wir vergessen,<br>\nweil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem<br>\nist f&uuml;r einige,<br>\naber nur f&uuml;r sehr wenige, nicht angenehm.<\/p><p>Das war eine wahre Geschichte. Sie passierte Ende Januar 1970 in Westberlin. Nein, nicht an der Mauer. Das passierte mitten in West-berlin.<\/p><p>Weil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem,<br>\ndie solln wir vergessen<br>\ndie solln wir vergessen,<br>\nweil die richtige L&ouml;sung von diesem Problem<br>\nist f&uuml;r einige &ndash; nicht f&uuml;r die Krauses -,<br>\nnur f&uuml;r sehr wenige &ndash; f&uuml;r die Krupps undsoweiter -,<br>\nnicht angenehm.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122611\">In diesem Zwischenruf<\/a> vertritt Frank Blenz die These, dass aus dem Brettspiel Monopoly Ernst geworden sei. 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