{"id":12298,"date":"2012-02-21T12:46:09","date_gmt":"2012-02-21T11:46:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12298"},"modified":"2019-07-05T11:17:12","modified_gmt":"2019-07-05T09:17:12","slug":"grunes-licht-fur-das-zweite-hilfspaket","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12298","title":{"rendered":"Gr\u00fcnes Licht f\u00fcr das zweite Hilfspaket"},"content":{"rendered":"<p>Abermals wird aus Br&uuml;ssel die Rettung Griechenlands gemeldet. Eine &bdquo;vorl&auml;ufige&ldquo; Rettung, betonen die meisten Beobachter. Und das nicht nur, weil wichtige Komponenten der Beschl&uuml;sse &ndash; etwa die Beteiligung von europ&auml;ischen Zentralbanken an dem bevorstehenden Schuldenschnitt &ndash; noch nicht klar sind.  F&uuml;r Griechenland waren die Beschl&uuml;sse von heute morgen wieder einmal &bdquo;schicksalhaft&ldquo;. Die endg&uuml;ltige Freigabe des neuen &bdquo;Rettungspakets&ldquo; von 130 Milliarden Euro ist eine Voraussetzung daf&uuml;r, dass die Verhandlungen &uuml;ber einen Schuldenschnitt mit dem privaten Gl&auml;ubigern Griechenlands (&uuml;ber das sogenannte Private sector involvement oder PSI), noch in dieser Woche abgeschlossen werden k&ouml;nnen. Beides ist wiederum Voraussetzung daf&uuml;r, dass Athen die am 20. M&auml;rz f&auml;lligen 14,5 Milliarden Euro f&uuml;r auslaufende Staatsobligationen begleichen kann. Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAm Freitag beschloss ich meine <a href=\"\/?p=12263\">Analyse<\/a> mit der Frage, die in Griechenland seit zwei Jahren unentwegt und in den letzten Wochen besonders hei&szlig; diskutiert wird: Ob diejenigen Kr&auml;fte in der Eurozone, die verst&auml;rkt mit der Aufk&uuml;ndigung des am 27. Oktober 2011 beschlossenen Umschuldungs- und Rettungsprogramm drohen, lediglich in erpresserischer Absicht bluffen, oder ob sie tats&auml;chlich bereit w&auml;ren, Griechenland in den &bdquo;unkontrollierten&ldquo; Staatsbankrott zu schicken. <\/p><p>Die Frage k&ouml;nnen nat&uuml;rlich nur diejenigen beantworten, die mit diesem Szenario drohen. Die anderen k&ouml;nnen nur spekulieren, und das ist das Problem. Der Bluff hat es an sich, dass sich erst nach dem Ausspielen der Optionen zeigt, ob er einer war oder nicht. Aber bei diesem Spiel gibt es ein klares Ungleichgewicht: Die Griechen k&ouml;nnen es sich kaum leisten, auf einen Bluff zu spekulieren, weil f&uuml;r sie viel zu viel auf dem Spiel steht &ndash; im Extremfall die R&uuml;ckkehr zur Drachme mit allen katastrophalen Folgen. Angesichts der drohenden H&ouml;chststrafe sind sie au&szlig;erstande, &bdquo;to call the bluff&ldquo;, also dagegen zu halten. Kurzum: Selbst wenn es sich um einen Bluff handeln w&uuml;rde, sind die Drohungen gegen&uuml;ber Griechenland so wirksam, wie die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse ungleich sind. Das gilt zumal dann, wenn in Griechenland keine politische Kraft zu sehen ist, die einen eigenen glaubw&uuml;rdigen Plan B vorschlagen kann. Zu diesem Thema werde ich weiter unten kommen. <\/p><p>An dieser Stelle muss auf den komplizierten Zusammenhang zwischen beiden Ebenen hingewiesen werden, also den Verhandlungen Griechenlands mit der Troika einerseits, mit dem Internationalen Bankenverband IIB als Repr&auml;sentant der privaten Gl&auml;ubiger andererseits. Bis Ende letzten Jahres gingen alle Beteiligten davon aus, dass die PSI-Verhandlungen zuerst abgeschlossen werden m&uuml;ssen, weil ein positives Ergebnis (also die Reduzierung der griechischen Staatsschuld gegen&uuml;ber privaten Gl&auml;ubigern um 50 oder mehr Prozent) Voraussetzung f&uuml;r die Freigabe der 130 Milliarden durch die Troika sei. Als die PSI-Gespr&auml;che ins Stocken gerieten, wurden den Griechen auf einmal gesagt: Jetzt gilt umgekehrt &ndash; zuerst die Abmachungen mit der Troika, dann erst k&ouml;nnen die privaten Gl&auml;ubiger der geplanten Umschuldung zustimmen. Diese Umkehrung hat die Verhandlungsmacht der Troika nat&uuml;rlich noch erh&ouml;ht.<\/p><p>Warum die PSI-Verhandlungen noch in der Schwebe sind, ist unklar. Es gab Berichte &uuml;ber die Obstruktionstaktik wichtiger Hedgefonds, die mit dem Ankauf von Kreditausfallversicherungen (CDS) auf das Scheitern dieser Verhandlungen wetten (siehe dazu meinen Beitrag vom 18. Januar 2012). Wobei drei Punkte kl&auml;rungsbed&uuml;rftig sind: Erstens welchen Prozentsatz der griechischen Schuldensumme diese Spieler in ihren H&auml;nden halten. Zweitens, ob die CDSs auch dann f&auml;llig werden, wenn Griechenland alle Gl&auml;ubiger auf den von einer 75-prozentigen Mehrheit beschlossenen Schuldenverzicht verpflichten sollte, was theoretisch mittels einer sogenannten Collective action clause (CAC) m&ouml;glich w&auml;re (nach einer Bloomberg-Meldung vom 17. Februar wird ein entsprechendes Gesetz in Athen f&uuml;r den Fall des Falles vorbereitet). Drittens, welche Finanzinstitutionen (Versicherungen und Banken) im Fall der Auszahlung von CDSs an nicht kooperationsbereite Hedgefunds zur Ader gelassen w&uuml;rden, und in welcher H&ouml;he.<\/p><p>Inzwischen ist aber eines klar geworden: An dem Schuldenschnitt werden sich auch die nicht-privaten Gl&auml;ubiger st&auml;rker beteiligen m&uuml;ssen. Darauf hat man in Griechenland von Anfang an gesetzt, weshalb dort stets von PSI+-Verhandlungen gesprochen wurde. Und Regierungschef Papadimos hatte Anfang Februar einen nicht sehr &ouml;ffentlichen Besuch in Frankfurt gemacht, um EZB-Chef Draghi in diesem Sinne zu &uuml;berzeugen. Ohne Erfolg, wie wir heute wissen, denn die EZB hat sich nicht darauf eingelassen, ihre Best&auml;nde an griechischen Bonds (die auf 40 Milliarden Euro gesch&auml;tzt werden) um 50 Prozent oder mehr frisieren zu lassen. Stattdessen gibt sie den Gewinn aus den griechischen Papieren (die sie zu gesch&auml;tzten 70 Prozent ihres Nennwerts angekauft hat) an die nationalen Zentralbanken weiter. Ob und in welcher Form die einzelnen Zentralbanken diese Gewinnanteile f&uuml;r den Abbau der griechischen Staatsschuld zur Verf&uuml;gung stellen, wird sich zeigen.<\/p><p>Dass die Finanzminister heute fr&uuml;h in Br&uuml;ssel gr&uuml;nes Licht f&uuml;r das zweite Hilfspaket gaben, hat sich am Wochenende entschieden, wenn man den qualifizierten Pressemeldungen Glauben schenken darf. Aus Berlin wurde berichtet, dass Frau Merkel die Linie von Sch&auml;uble nicht mitf&auml;hrt, was in der griechischen Sonntagspresse aufmerksam registriert wurde. Nach einem Bericht der FAZ hat sich die Haltung Sch&auml;ubles tats&auml;chlich verh&auml;rtet (&bdquo;Inzwischen hat er die Themen Griechenland und Europa mental getrennt&ldquo;, wird eine Stimme aus dessen Umgebung zitiert). Aber die Bundeskanzlerin wollte &bdquo;eine ungeordnete Insolvenz Griechenlands lieber nicht riskieren&ldquo;, wobei als einer der Gr&uuml;nde die Bundespr&auml;sidenten-Wahl angef&uuml;hrt wird. Interessanter w&auml;re zu erfahren, ob Merkels Haltung durch ihre Telefonkonferenz mit Papadimos und Mario Monti beeinflusst wurde. Der italienische Regierungschef hatte Merkel vorgeschlagen, Papadimos zu einem bilateralen Telefonat dazu zu schalten. Das anschlie&szlig;ende Dreiergespr&auml;ch soll, wie die Athener Zeitung Kathimerini am 17. Februar meldete, &bdquo;konstruktiv&ldquo; verlaufen sein. Insbesondere habe Monti darauf bestanden, dass die Euro-Finanzminister am 20. Februar &bdquo;eine endg&uuml;ltige Entscheidung &uuml;ber das Anleihenabkommen treffen und diese nicht auf den EU-Gipfel Anfang M&auml;rz verschieben&ldquo; (wie es zuvor aus Berlin gehei&szlig;en hatte). In der griechischen Presse wird die Rolle Montis als &bdquo;einziger wahrer Freund Griechenlands&ldquo; sehr gew&uuml;rdigt und in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass er sich f&uuml;r die Einf&uuml;hrung von Eurobonds als Fundament innereurop&auml;ischer Solidarit&auml;t ausspricht. (Auch in der Financial Times vom 12. Februar war zu lesen, dass Monti bei den &uuml;brigen Mitglieder der Eurozone darauf dr&auml;nge, &bdquo;Griechenland in seiner aktuellen Bedr&auml;ngnis so hilfreich beizustehen wie es nur geht&ldquo;.). <\/p><p>Der &bdquo;neu gewonnene Feind&ldquo; Griechenlands Wolfgang Sch&auml;uble &ndash; f&uuml;r den Eurobonds des Teufels sind &ndash; hat seine Haltung gegen&uuml;ber Griechenland in einem Interview mit dem Tagesspiegel vom Sonntag klarzustellen versucht. Mit diesem Interview wollte er sich offensichtlich als harter, aber gerechter Griechenland-Versteher darzustellen. Dieser Versuch ist krachend misslungen. Das l&auml;sst sich an einigen seiner zentralen Argumentationsfiguren aufzeigen. <\/p><p>1. Auf die Frage, wie er seine &bdquo;Einmischung&ldquo; in den griechischen Wahltermin rechtfertige, kommt die schnippische Antwort: &bdquo;Was ist denn daran Despektierliches, wenn man darauf hinweist, dass Italien auf seinem Weg im Augenblick sehr gut vorankommt?&ldquo; Mit diesem Hinweis auf die Regierung Monti weicht Sch&auml;uble nicht nur der gestellten Frage aus, die daran erinnert, dass er die in Griechenland f&uuml;r April geplanten Wahlen als &bdquo;sehr bedenklich&ldquo; bezeichnet hat. Er ignoriert auch den entscheidenden Unterschied. Die Regierung Monti wurde vom italienischen Parlament f&uuml;r den Rest der laufenden Parlamentsperiode gew&auml;hlt; regul&auml;re Wahlen sind erst im April 2013 f&auml;llig. Dagegen wurde die Regierung Papadimos vom griechischen Parlament ausdr&uuml;cklich mit begrenzter Laufzeit gew&auml;hlt. Eine Wahltermin wurde zwar nicht festgesetzt, aber Voraussetzung seiner Regierung war von Anfang an, dass diese nach Bew&auml;ltigung ihrer Aufgaben zur&uuml;cktreten und Neuwahlen erm&ouml;glichen w&uuml;rde. Als Wahltermin steht inzwischen der 29. April fest. Ein Aufschub unter Druck von au&szlig;en w&uuml;rde auch dem Willen der griechischen W&auml;hler widersprechen, von denen nach Umfragen von Anfang Februar 58 Prozent rasche Wahlen wollen (38 Prozent dagegen eher nicht). <\/p><p>2. Auf die Frage, ob die Belastbarkeit von Kleinverdienern und Arbeitslosen in Griechenland nicht schon &uuml;berschritten sei, beteuert Sch&auml;uble zun&auml;chst, er k&ouml;nne die &bdquo;Wut und Entr&uuml;stung&ldquo; &uuml;ber die Absenkung der Mindestl&ouml;hne verstehen. Dann aber f&uuml;gt er hinzu, &bdquo;um es in eine Perspektive zu setzen: Der griechische Mindestlohn wird ungef&auml;hr auf das Niveau Spaniens abgesenkt.&ldquo; Diese Aussage ist entweder ignorant oder schlichtweg frech. Denn die Arbeitslosen, die in der Frage angesprochen waren, kommen in der Antwort nicht vor. Sie aber sind in Griechenland die eigentlichen Opfer der Mindestlohnsenkung, weil das (einheitliche) Arbeitslosengeld an den Mindestlohn gekoppelt ist und von monatlich 374 auf 271 Euro gek&uuml;rzt wird (das sind 55 Prozent des neuen Mindestlohns von 570 Euro, genauer habe ich dies im ersten Teil dieses Textes vom 17. Februar erl&auml;utert). Und nach einem Jahr gibt es gar nichts mehr, weil im griechischen System weder Arbeitslosenhilfe noch eine allgemeine Sozialhilfe vorgesehen ist.<\/p><p>In Spanien dagegen sind die Bez&uuml;ge der Arbeitslosen nicht an den Mindestlohn gekoppelt, sondern errechnen sich aus dem zuvor verdienten beitragspflichtigen Einkommen. F&uuml;r die ersten sechs Monate betr&auml;gt das Arbeitslosengeld 70 Prozent des alten Einkommens, danach sinkt es auf 60 Prozent. Das ist nicht viel, aber weit mehr als in Griechenland. Und selbst die Mindesth&ouml;he der Arbeitslosenbez&uuml;ge &ndash; f&uuml;r ehemalige Geringverdiener &ndash; liegt in Spanien um ein Sechstel &uuml;ber dem gesetzlichen Mindestlohn (von 428 Euro). Zudem gibt es in Spanien nach dem Auslaufen der Anspr&uuml;che auf Arbeitslosengeld f&uuml;r maximal 18 Monate die subsidi&auml;re Arbeitslosenhilfe, die 75 Prozent des Mindestlohns betr&auml;gt, bei einer zu versorgenden Personen aber bis auf 125 Prozent des Mindestlohns steigt (<a href=\"http:\/\/www.auswandern.com\/Arbeitslosengeld-und-Anspruch-auf-Arbeitslosengeld.241.0.html\">Einzelheiten zu erkunden<\/a>).<\/p><p>Fazit: W&auml;hrend in Griechenland k&uuml;nftig alle Arbeitslosen mit 271 Euro pro Monat auskommen m&uuml;ssen, und das auf ein Jahr begrenzt, liegt das  Abseitslosgengeld in Spanien mindestens bei 499 Euro, wird je nach gesammeltem Anspruch l&auml;nger ausbezahlt und nach Auslaufen durch eine Arbeitslosenhilfe abgel&ouml;st, die mit 321 Euro noch um 50 Euro &uuml;ber dem griechischen Einheits-Arbeitslosengeld liegt. Mit dem weiteren Unterschied, dass in Spanien die Zahl der Familienangeh&ouml;rigen bei den Bez&uuml;gen viel st&auml;rker ber&uuml;cksichtigt wird als in Griechenland. Darauf nicht hinzuweisen, ist eine bewusste Irref&uuml;hrung des Publikums. Es sei denn, der deutsche Finanzminister, der in seinem Interview nicht vers&auml;umt, den armen Griechen seine &bdquo;Hochachtung zu zollen&ldquo;, wei&szlig; wirklich nicht, wovon er spricht. Das w&uuml;rde die Sache allerdings nicht besser, sondern schlimmer machen.<\/p><p>3. Sch&auml;uble betont speziell die deutsche Bereitschaft zur konstruktiven Hilfe bei dem, was die Troika unterschiedslos als &bdquo;Reformen&ldquo; bezeichnet. Aber dann jammert er: &bdquo;Zur Hilfe geh&ouml;rt immer jemand, der sich helfen lassen will.&ldquo; Das st&auml;ndige Klage &uuml;ber die z&ouml;gerliche oder ganz unterbliebene Umsetzung von Ma&szlig;nahmen, die von der Regierung in Athen zugesagt und sogar gesetztlich verabschiedet wurden, ist zum Teil berechtigt und einer der Gr&uuml;nde, warum die alte Regierung Papandreou in den Augen vieler W&auml;hler &bdquo;versagt&ldquo; hat. Aber wenn Sch&auml;uble konkret wird, fragt man sich, woher er seine Informationen hat: &bdquo;Wir stehen seit geraumer Zeit bereit, den Griechen mit Finanzbeamten beim Aufbau einer effizienteren Steuerverwaltung zu helfen. Das Angebot wird bis heute nicht genutzt.&ldquo; Bei dieser Aussage fragt man sich, ob der Finanzminister keine Kenntnis von dem Reichenbach-Report hat , wo im Abschnitt 4.1.2 (tax administration) der Stand der Bem&uuml;hungen, (vom November 2011) geschildert wird (<a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/commission_2010-2014\/president\/news\/documents\/2011\/11\/20111117_documents_1_en.htm\">Hier nachzulesen<\/a>).<\/p><p>Dieses Dokument stammt von jener &bdquo;Taskforce&ldquo;, die von der EU-Kommission nach Griechenland entsandt wurde, um bei der Umsetzung vieler Reformen zu helfen, die f&uuml;r einen Umbau des &bdquo;griechischen Modells&ldquo;in der Tat unabdingbar sind. Dabei arbeiten die Reichenbach-Leute eng und erfolgreich mit ihren griechischen Kollegen zusammen. Im Abschnitt &uuml;ber die Steuerverwaltung stellt der Report nach einer gr&uuml;ndlichen Diagnose des Problems systematischer Steuervermeidung dar, was auf diesem Gebiet bislang unternommen wurde, vor allem mit Hilfe von Steuerexperten des IWF. Und es werden die Bereiche benannt, in denen rasche Fortschritte m&ouml;glich und notwendig sind (von der Computerisierung der Finanz&auml;mter bis zu neuen Methoden beim Erfassen und Eintreiben gro&szlig;er Steuerschuldbetr&auml;ge und bei den Betriebspr&uuml;fungen). In diesem Zusammenhang hei&szlig;t es ausdr&uuml;cklich: &bdquo;Viele L&auml;nder haben ihre technische Hilfe in den genannten Zielbereichen angeboten. Diese Angebote werden es der Task Force erm&ouml;glichen, Griechenland innerhalb eines integrierten Rahmenplans die bestm&ouml;gliche Expertise zur Verf&uuml;gung zu stellen.&ldquo; <\/p><p>Die Beitr&auml;ge anderer L&auml;nder sind also willkommen, m&uuml;ssen aber koordiniert und aufeinander abgestimmt werden, wenn sie zum Gesamterfolg beitragen sollen. Ein genauer Arbeitsplan (im Annex 2) beschreibt die weiteren Schritte, die von der EU-Kommission und vom IWF beobachtet und bewertet werden. Dass das Angebot deutscher Finanzbeamter &bdquo;bis heute nicht genutzt wurde&ldquo;, bleibt eine blo&szlig;e demagogische Behauptung zu Lasten &bdquo;der Griechen&ldquo;, wenn man nicht benennt, wo konkret die Probleme liegen. Zum Beispiel wird von der Task Force zu Recht gefordert, dass die griechischen Teilnehmer die System und Praktiken, die sie &bdquo;lernen&ldquo; sollen, erst einmal da studieren, wo sie schon einigerma&szlig;en funktionieren. <\/p><p>Dies ist ein wichtiges Beispiel daf&uuml;r, wie die EU-Aufsichtsinstanzen ihre Aufgaben wahrgenommen und immer wieder verfehlt haben. Denn dass im Bereich der Steuererhebung schnelle Erfolge zu erzielen seien, war von vorn herein eine Illusion. Aber statt unter dem Eindruck der realen Probleme die Sparprogramme zu korrigieren, machte die Troika einfach weiter &ndash; und beschleunigte nur die Existenzkrise der griechischen Gesellschaft. Hier zeigt sich, jenseits der rhetorischen Bem&uuml;hungen Sch&auml;ubles, dass diejenigen, die von &bdquo;den Griechen&ldquo; die schwierige Einsicht in ihr eigenes Dilemma und harte Opfer abverlangen, selber au&szlig;erstande sind, ihre eigenen Fehler einzugestehen und ihre Rettungsstrategien entsprechend zu korrigieren. Damit tragen die Retter selbst entscheidend zu dem sich beschleunigenden Zyklus von vorletzten und letzten und allerletzten Rettungsversuchen bei, der wom&ouml;glich erst bei der &bdquo;letzten Ausfahrt Drachme&ldquo; endet. <\/p><p>In vielen Punkten ist die Kritik an der politischen Klasse Griechenlands und ihrer mangelnden Bereitschaft zu unerl&auml;sslichen Reformen voll berechtigt. In vielen F&auml;llen aber dient diese Kritik nur der Ablenkung von den eigenen Fehlern und Vers&auml;umnissen. Wenn zum Beispiel zum tausendensten Mal die &bdquo;&Ouml;ffnung&ldquo; bestimmter Berufszweige &ndash; vom Transportgewerbe bis zu den Apothekern &ndash; gefordert wird, klingt das gut und richtig. Aber es hat nullkommanichts mit der versprochenen Belebung der griechischen Realwirtschaft zu tun. Welchen &ouml;konomischen Sinn macht es, die Kartelle der Rechtsanw&auml;lte oder der Taxibesitzer in einem Land aufzuknacken, wo es drei mal mehr Rechtsanw&auml;lte pro Einwohnerzahl gibt als in Deutschland, und wo viel zu viele Taxifahrer wegen der Krise immer weniger Umsatz machen? Sollen die von allen Seiten erw&uuml;nschten Investoren in Taxifirmen und Apothekenketten einsteigen? <\/p><p>Und noch eines fragen sich die Griechen, wenn sie sich von den Sch&auml;ubles und Junckers und Rehns anh&ouml;ren m&uuml;ssen, dass sie unf&auml;hig seien, die verordneten &bdquo;Privatisierungserl&ouml;se&ldquo; zu erzielen und ausl&auml;ndische Investitionen anzuziehen. Warum f&ouml;rdern dieselben Leute dann all die Gedankenspiele &ndash; und entsprechenden Spekulationen &ndash; &uuml;ber ein &bdquo;unvermeidliches&ldquo; Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone? Denn welcher Kapitalist, der bei Sinnen ist, wird in ein Land investieren, dessen Ressourcen nach der R&uuml;ckkehr zur Drachme billigst aufzukaufen sind? <\/p><p>Damit sind wir am Kern des Missverst&auml;ndnisses, das die Atmosph&auml;re zwischen den Griechenland-Kritikern aus Euroland und der griechischen Gesellschaft vergiftet. Es ist ja nicht so, dass das &bdquo;griechische System&ldquo; im Lande kritiklos hingenommen wird. Niemand kennt dieses System besser, als die ihm ausgesetzt sind. Niemand kritisiert dessen Pathologien sch&auml;rfer und scharfsinniger als die besten griechischen K&ouml;pfe, Wissenschaftler, K&uuml;nstler, Journalisten. Und niemand beklagt das Versagen der politischen Klasse mehr als die Masse der Griechen, auf die jetzt die Kosten dieses Versagens abgew&auml;lzt werden, obwohl ihre Chance, etwas von den Fr&uuml;chten der Korruption und der illegalen Bereicherung abzubekommen, nicht viel gr&ouml;&szlig;er war als ein Lottogewinn. <\/p><p>Nat&uuml;rlich haben viele bei diesem Lotto viel zu lange mitgespielt, gewiss. Aber dass dieses verfaulte System keine Zukunft hat, haben die meisten l&auml;ngst begriffen. Diese Einsicht bleibt jedoch folgenlos &ndash; aus Gr&uuml;nden, die v&ouml;llig verst&auml;ndlich sind: ungerecht verteilte Krisenlasten, keine gerechte Strafe f&uuml;r die Hauptverantwortlichen, keine Hoffnung auf Besserung. In dieser verzweifelten Situation, die ohnehin als nationale Schmach empfunden wird, tun die t&auml;glichen Beschimpfungen und Beleidigungen aus &bdquo;dem Ausland&ldquo; besonders weh. Deshalb haben heute &ndash; nach der abermaligen, aber gewiss nicht letzten &bdquo;Rettung&ldquo; Griechenlands &ndash; das Auftreten wie die Wahrnehmung der kritischen Freunde Griechenlands f&uuml;r die Zukunft des Landes eine besondere Bedeutung.<\/p><p>Kritik und Solidarit&auml;t schlie&szlig;en sich nicht aus. Im Fall Griechenland geh&ouml;ren sie unmittelbar zusammen, weil das eine ohne das andere wirkungslos bleibt. Aber ausschlaggebend ist die Solidarit&auml;t im europ&auml;ischen Ma&szlig;stab. Die marktradikalen Zuchtmeister Griechenlands sehen in Solidarit&auml;t nur den falscher Anreiz. Weil Solidarit&auml;t verweichlicht, ist f&uuml;r sie jede Anpassung des &bdquo;Rettungsplans&ldquo; an die realen M&ouml;glichkeiten der griechischen Gesellschaft nur eine Versch&auml;rfung des &bdquo;moral hazard&ldquo;, der unmoralischen Verf&uuml;hrung zur Missachtung der Marktgesetze. Diesem Denken muss eine europ&auml;ische &Ouml;ffentlichkeit die Moral der Solidarit&auml;t entgegen setzen. Jenseits eines Schuldenschnitts und neuer Investitionen brauchen die Griechen solche  Zeichen der Solidarit&auml;t aus Europa, um nicht endg&uuml;ltig den Mut zu verlieren. Und das hei&szlig;t auch den Mut zu den tiefgreifenden und schmerzhaften Reformen, die sich sich selber schuldig ist. <\/p><p>In einem dritten Teil werde ich darstellen, wie das politische System Griechenlands &ndash; einschlie&szlig;lich der linken Parteien &ndash; auf die tiefe Krise und Verunsicherung der Gesellschaft reagiert. Und was das f&uuml;r die Zukunft des Landes &ndash; jenseits der Wahlen Ende April &ndash; bedeuten k&ouml;nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abermals wird aus Br&uuml;ssel die Rettung Griechenlands gemeldet. Eine &bdquo;vorl&auml;ufige&ldquo; Rettung, betonen die meisten Beobachter. Und das nicht nur, weil wichtige Komponenten der Beschl&uuml;sse &ndash; etwa die Beteiligung von europ&auml;ischen Zentralbanken an dem bevorstehenden Schuldenschnitt &ndash; noch nicht klar sind. F&uuml;r Griechenland waren die Beschl&uuml;sse von heute morgen wieder einmal &bdquo;schicksalhaft&ldquo;. Die endg&uuml;ltige Freigabe des<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12298\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,180,156],"tags":[1045,1555,440,851],"class_list":["post-12298","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-europaeische-vertraege","category-schulden-sparen","tag-grexit","tag-griechenland","tag-schaeuble-wolfgang","tag-schuldenschnitt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12298"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53124,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12298\/revisions\/53124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}