{"id":123263,"date":"2024-10-17T14:00:24","date_gmt":"2024-10-17T12:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123263"},"modified":"2024-10-18T07:54:26","modified_gmt":"2024-10-18T05:54:26","slug":"chinas-wachsende-macht-im-mittleren-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123263","title":{"rendered":"Chinas wachsende Macht im Mittleren Osten"},"content":{"rendered":"<p>Die Volksrepublik China steigt auch im Nahen und Mittleren Osten zum Global Player ersten Ranges auf, w&auml;hrend der Einfluss des Westens &ndash; vor allem des europ&auml;ischen Westens &ndash; zunehmend schwindet. Von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9933\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-123263-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241017_Chinas_wachsende_Macht_im_Mittleren_Osten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241017_Chinas_wachsende_Macht_im_Mittleren_Osten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241017_Chinas_wachsende_Macht_im_Mittleren_Osten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241017_Chinas_wachsende_Macht_im_Mittleren_Osten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=123263-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241017_Chinas_wachsende_Macht_im_Mittleren_Osten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241017_Chinas_wachsende_Macht_im_Mittleren_Osten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im Juli dieses Jahres haben in Peking die pal&auml;stinensischen Fraktionen Hamas und Fatah eine Erkl&auml;rung zur Beendigung ihres jahrelangen Konflikts unterzeichnet. Dadurch wurde ein Schritt in Richtung einer m&ouml;glichen L&ouml;sung der tiefen Kluft zwischen den beiden Seiten eingeleitet, w&auml;hrend der Krieg im Gazastreifen weiter tobt.<\/p><p><strong>Pal&auml;stinenser in Peking<\/strong><\/p><p>Bei diesen Gespr&auml;chen in Peking hatten sich 14 pal&auml;stinensische Gruppierungen, darunter die Hamas, miteinander vers&ouml;hnt. Diese diplomatische Offerte der Volksrepublik stand im v&ouml;lligen Gegensatz zu der verfehlten und gescheiterten Strategie der europ&auml;ischen NATO- und EU-Staaten, die sich in den letzten Jahren dazu herablie&szlig;en, lediglich die au&szlig;enpolitischen Interessen der USA zu vertreten. Peking ist in der Region als Global Player nicht unbekannt. Bis in die 1970er-Jahre war das Verh&auml;ltnis von China und den Staaten des Nahen Ostens durch den antikolonialen Kampf verbunden und den Versuch Chinas, allen voran Mao Zedongs, das F&uuml;hrungsland der vom US-Imperialismus und dem westlichen Kolonialismus gesch&auml;digten Welt zu bek&auml;mpfen.<\/p><p>Ab den 1990er-Jahren, mit dem Ende des Kalten Krieges, hat man dann einen betont neutralen Kurs vertreten, was nicht immer vollst&auml;ndig funktionierte. In den letzten Jahren, nach dem Scheitern der strategischen Entw&uuml;rfe im Nahen Osten, stieg der Einfluss der Volksrepublik China vor Ort &ndash; besonders durch die von Peking eingeleitete Entspannungsinitiative zwischen den beiden regionalen Hauptakteuren Iran und Saudi-Arabien. Washington hatte diesbez&uuml;glich jede Glaubw&uuml;rdigkeit verloren, konnte also die Rolle des <em>honest broker<\/em>, des &bdquo;ehrlichen Maklers&ldquo; nicht mehr vertreten, da die Beziehungen der Supermacht zu Saudi-Arabien und zu Israel extrem einseitig waren und sind. Die Volksrepublik hingegen konnte und kann glaubw&uuml;rdig klarmachen, dass es f&uuml;r alle Akteure von Vorteil ist, eine Gro&szlig;macht zu haben, die sich nicht einseitig positioniert, sondern mit allen Akteuren gute Verbindungen pflegt. W&auml;hrend der Westen unter der F&uuml;hrung der USA die Spannungen gegen&uuml;ber Iran, Russland und der Volksrepublik eskalieren l&auml;sst, stilisiert sich Peking als gespr&auml;chsbereiter Hegemon.<\/p><p><strong>Special Relations zwischen Teheran und Peking<\/strong><\/p><p>Bei dem chinesischen Engagement im Nahen Osten stehen neben Iran und Saudi-Arabien, &Auml;gypten und der T&uuml;rkei die Golf-Emirate und Katar im Fokus. Von einer Art Special Relations sind aber die Beziehungen zu Teheran gepr&auml;gt. Schon zu Zeiten des Shahs, als Teheran als westlicher Alliierter in der Region fungierte &ndash; wenn auch nicht so unterw&uuml;rfig wie heute manche europ&auml;ische Alliierte &ndash;, pflegten die Volksrepublik und das Kaiserreich engen Kontakt. Nach der Revolution von 1979 &auml;nderten sich die strategischen Kontakte nicht grundlegend, vor allem deshalb nicht, weil in Peking die neue Regierung in Teheran weniger als religi&ouml;s-fundamentalistisch, sondern mehr als antiwestlich wahrgenommen wurde. Der Niedergang des US-Einflusses kam dem verst&auml;rkten chinesischen Engagement vor Ort nat&uuml;rlich entgegen.<\/p><p><strong>China als &bdquo;Weltmacht im Zentrum internationaler Beziehungen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Allerdings liegt der Politik Pekings weit weniger ein strategischer Plan zugrunde, als man im Westen h&auml;ufig unterstellt, sondern die chinesische Regierung verfolgt das Ziel, bis zur Mitte des Jahrhunderts wieder ein &bdquo;Reich der Mitte&ldquo;, also die Weltmacht im Zentrum internationaler Beziehungen zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden diverse Methoden ausprobiert, wobei die Seidenstra&szlig;en-Initiative eine sehr wichtige ist. Es w&auml;re jedoch ein Irrtum anzunehmen, dass Peking dabei blind in die Fu&szlig;stapfen Washingtons tritt. Chinas Definition einer Weltmacht ist grunds&auml;tzlich eine andere. Vor allem spielt hierbei der Zusammenbruch der UdSSR, aus dem man in der Volksrepublik wichtige Lehren zu ziehen glaubt, eine ebenso wichtige Rolle wie der graduelle Abstieg der USA. Aus beiden Ph&auml;nomenen versucht man in Peking, die richtigen Schl&uuml;sse zu ziehen, um geostrategisch erfolgreich agieren zu k&ouml;nnen. Als Gr&uuml;nde f&uuml;r beide Entwicklungen erkennt man eine gewisse imperiale &Uuml;berdehnung, flankiert von dem Prozess, in regionale Konflikte hereingezogen zu werden, was man auf chinesischer Seite tunlichst zu vermeiden sucht.<\/p><p>Wichtig ist dabei: China m&ouml;chte eine neue Rolle formulieren und nicht die n&auml;chsten USA werden. Man hat sich genau angeschaut, warum die Sowjetunion zerfallen und der Abstieg der USA in den vergangenen Jahren erfolgt ist. Einen Grund daf&uuml;r sieht man darin, wirtschaftlich wie politisch in regionale Konflikte hereingezogen zu werden. Also versucht man, das zu vermeiden. Dabei geht es vornehmlich darum, die wirtschaftliche Einbindung in die Welt und auch die gro&szlig;e wirtschaftliche Abh&auml;ngigkeit, die in vielen Regionen inzwischen gegen&uuml;ber China besteht, in eine politische Rolle zu &uuml;berf&uuml;hren. Die Volksrepublik kauft beispielsweise &Ouml;l von Konkurrenten wie Saudi-Arabien und Iran, betreibt aber weiter Handel mit Israel und investiert in dessen Hightech-Sektor &ndash; trotz der propal&auml;stinensischen Rhetorik. Diese diplomatische Flexibilit&auml;t kommt den Gegebenheiten der Region entgegen und st&auml;rkt Pekings Einfluss.<\/p><p><strong>Die Pekinger Erkl&auml;rung<\/strong><\/p><p>Das Treffen der 14 pal&auml;stinensischen Gruppierungen, darunter die islamistische Hamas, welches in Peking nach Angaben von Chinas Au&szlig;enminister Wang Yi zu der Einigung f&uuml;hrte, eine nationale Interimsregierung der &bdquo;Vers&ouml;hnung&ldquo; f&uuml;r den Gazastreifen nach dem Krieg einzurichten, ist auch unter diesen Aspekten zu betrachten. In der sogenannten &bdquo;Pekinger Erkl&auml;rung&ldquo; sei deshalb die Bildung einer &bdquo;nationalen Interimsregierung zur Vers&ouml;hnung&rdquo; vereinbart worden, lie&szlig; das Au&szlig;enministerium Pekings verlautbaren. Diese &Uuml;bereinkunft war sicherlich eher von symbolischer Bedeutung, lie&szlig; aber die Anerkennung der Volksrepublik in der Region wachsen, wie Gedaliah Afterman, der Vorsitzende des Asia-Israel Policy Program am Abba Eban Institute for Diplomacy der Reichman University in Israel, feststellt. So viel ist aber sicher: Chinas Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Pal&auml;stinenser wird als Mittel angesehen, das Ansehen der Volksrepublik in der au&szlig;erwestlichen Welt zu steigern, w&auml;hrend gleichzeitig das der USA sinkt.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Oleg Elkov<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119213\">RIMPAC und der Pazifik-Swing des Mr. Pistorius oder China im Fokus &bdquo;regelbasierter&rdquo; Welt(un)ordnung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118909\">O-T&ouml;ne zum China-Besuch des ukrainischen Au&szlig;enministers<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121848\">Der UN-Gipfel 2024 und der Krieg in Nahost<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48611\">China gewinnt den Drohnenkrieg im Nahen Osten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94991\">Ende der Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran: Ein cleverer chinesischer Schachzug und eine neue Lage f&uuml;r &bdquo;den Westen&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Volksrepublik China steigt auch im Nahen und Mittleren Osten zum Global Player ersten Ranges auf, w&auml;hrend der Einfluss des Westens &ndash; vor allem des europ&auml;ischen Westens &ndash; zunehmend schwindet. 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