{"id":123411,"date":"2024-10-21T11:00:13","date_gmt":"2024-10-21T09:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123411"},"modified":"2024-10-23T15:29:12","modified_gmt":"2024-10-23T13:29:12","slug":"friedenspreis-fuer-applebaum-orden-fuer-biden-merkt-ihr-nischt-tucholskys-zitat-ist-auffordernder-denn-je","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123411","title":{"rendered":"\u201eFriedenspreis\u201c f\u00fcr Applebaum, Orden f\u00fcr Biden: \u201eMerkt Ihr nischt?\u201c &#8211; Tucholskys Zitat ist auffordernder denn je"},"content":{"rendered":"<p>Die gerade gelaufene Buchmesse in Frankfurt erzeugte bei unserem Autor einen kurzen, intensiven Impuls, zu Hause ans Buchregal zu treten und einen alten Band herauszuziehen: Siehe da, er hielt &bdquo;Deutschland, Deutschland, &uuml;ber alles&ldquo; von Kurt Tucholsky in der Hand. Einen Preis w&uuml;rde Tucholsky aber von der heutigen angepassten Kulturszene nicht erhalten: zu &bdquo;umstritten&ldquo;. Ein Beitrag von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7818\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-123411-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241022-Friedenspreis-fuer-Applebaum-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241022-Friedenspreis-fuer-Applebaum-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241022-Friedenspreis-fuer-Applebaum-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241022-Friedenspreis-fuer-Applebaum-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=123411-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241022-Friedenspreis-fuer-Applebaum-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241022-Friedenspreis-fuer-Applebaum-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das vom ber&uuml;hmten, wichtigen, sehr gesch&auml;tzten Kurt Tucholsky als Bilderbuch bezeichnete Werk ist ein wundervolles, ein beeindruckendes Zeitzeugnis, in H&auml;nden liegend als Faksimiledruck aus dem Jahr 1967. Ich fragte mich: Warum gibt es derartige B&uuml;cher gerade nicht? Und warum ist Tucholskys &bdquo;Merkt Ihr nischt?&ldquo; eine Frage, die uns heutigen Menschen den Spiegel vorh&auml;lt? Viel wird &uuml;ber Frieden geredet. Doch beim Eintreten des Gegenteils wird nicht gegengehalten.<\/p><p>Tucholskys Buch (unter Mithilfe von John Heartfield), w&auml;re es heute, im Jahr 2024, erschienen, ich bin mir sicher, ein jetzt lebender Kurt Tucholsky w&uuml;rde darin sch&auml;umen vor Aufgebrachtheit &uuml;ber die grassierende Kriegsgeilheit, den fortgesetzten nimmerm&uuml;den Hass gegen Russland, &uuml;ber die R&uuml;stungsorgien, &uuml;ber die Ignoranz und Arroganz, die sich im meinungsf&uuml;hrenden, etablierten Betrieb der politischen, intellektuellen und medialen Klasse und deren angeschlossenen Kreise zeigen. Tucholsky w&uuml;rde auch die politische Klasse Russlands kritisieren und fordern: Waffenstillstand, jetzt! Doch ein solches Tucholsky-Buch auf der Frankfurter Buchmesse pr&auml;sentiert, das w&uuml;rde wohl gleich als &bdquo;umstritten&ldquo;, als hetzerisch, querdenkerisch, kurz als untragbar f&uuml;r unsere freie, demokratische, gelenkte Gesellschaft betitelt und diffamiert werden. Einen Preis erhielte es nicht. <\/p><p><strong>Friedenspreis in Frankfurt sahnt Angepasste der westlichen &bdquo;Wertewelt&ldquo; ab<\/strong><\/p><p>Die Buchmesse in Frankfurt, konkret die finale Preisverleihung f&uuml;r Anne Applebaum, erzeugte deshalb bei mir ein Gef&uuml;hl der Vereinnahmung, der Zurechtweisung. Was Tucholsky sagen w&uuml;rde? Die mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels get&auml;tigte Auszeichnung der US-amerikanischen Journalistin Applebaum wirkte f&uuml;r mich wie ein Signal: Da geht es lang und wer nicht folgt, der ist ein mindestens Verirrter, einer, der vom rechten Weg des Mainstreams abgekommen ist. <\/p><p>Auch die Vorsteherin des B&ouml;rsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, sagte <a href=\"https:\/\/www.hessenschau.de\/kultur\/buchmesse\/paulskirche-frankfurt-friedenspreis-an-anne-applebaum-verliehen-v3,friedenspreis-verleihung-applebaum-100.html\">laut <em>Hessenschau<\/em><\/a>, wo es lang geht, sie schw&auml;rmte im Einheitsschritt der westwertigen Lobhudelei, dass Applebaums B&uuml;cher helfen w&uuml;rden, <em>&bdquo;die Welt zu verstehen, wie sie sei&ldquo;<\/em>. So, so. Dabei w&uuml;rde die US-Amerikanerin auch <em>&bdquo;detailliert analysieren, wie ein weltumfassendes autokratisches Netzwerk entstehe, das die Schwachstellen in unseren demokratischen Systemen f&uuml;r sich zu nutzen wisse&ldquo;<\/em>. Und schlie&szlig;lich betonte Schmidt-Friderichs, dass <em>&bdquo;Frieden kein Geschenk sei, sondern die gr&ouml;&szlig;te Aufgabe unserer Zeit&ldquo;<\/em>. Soweit, so gut. Doch an wem w&auml;re es, diese Aufgabe zu erf&uuml;llen? Tucholsky und ich im Duo vernahmen nur beweihr&auml;uchernde, leere Worte. <\/p><p>Die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/frankfurt\/verleihung-in-frankfurt-anne-applebaum-erhaelt-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-93364889.html\">berichtete<\/a> in Sachen Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Preisvergabe: <\/p><blockquote><p><em>Die Begr&uuml;ndung des Stiftungsrats f&uuml;r die Preisvergabe lautet: &bdquo;In einer Zeit, in der die demokratischen Errungenschaften und Werte zunehmend karikiert und attackiert werden, wird ihr Werk zu einem eminent wichtigen Beitrag f&uuml;r die Bewahrung von Demokratie und Frieden&ldquo;. Applebaum hat die Mechanismen autorit&auml;rer Machtergreifung und -sicherung aufgedeckt und aufgezeigt, wie zerbrechlich demokratische Gesellschaften sein k&ouml;nnen. <\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>US-Pr&auml;sident erh&auml;lt h&ouml;chsten Orden<\/strong><\/p><p>Weil wir gerade unsere innige Freundschaft zu unserem &bdquo;gro&szlig;en Bruder&ldquo; jenseits des Atlantiks in Wallung brachten, passte zum Friedenspreis f&uuml;r Applebaum auch die Auszeichung f&uuml;r Joe Biden: Unser Bundespr&auml;sident juchzte geradezu und bekam sich gar nicht mehr ein, als er den US-Pr&auml;sidenten Biden ein &bdquo;Leuchtfeuer der Demokratie&ldquo; nannte. Springers <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article254071938\/Joe-Biden-in-Berlin-Hymne-Handschlag-hoher-Orden-US-Praesident-lobt-Deutschands-Weisheit.html\"><em>Welt<\/em> jubelte mit<\/a>: <\/p><blockquote><p><em>Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier hat US-Pr&auml;sident Joe Biden f&uuml;r dessen Einsatz f&uuml;r die Demokratie, die deutsch-amerikanische Freundschaft und die transatlantische Partnerschaft in der Nato gew&uuml;rdigt. &bdquo;In dieser Zeit, in der die Demokratie in der gesamten westlichen Welt unter Druck steht, sind Sie, Herr Pr&auml;sident, ein Leuchtfeuer der Demokratie&ldquo;, sagte das deutsche Staatsoberhaupt bei der Verleihung der &bdquo;Sonderstufe des Gro&szlig;kreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik&ldquo; an den Demokraten bei dessen Besuch in Berlin. Es ist die h&ouml;chste Auszeichnung, die Deutschland zu vergeben hat. <\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>Buchladen des Vertrauens, Buchladen der Anpassung<\/strong><\/p><p>&bdquo;Merkt ihr nischt?&ldquo; Der Tucholsky tauchte bei mir gedanklich um die Ecke auf, sein L&auml;cheln war eines der Marke &bdquo;Ironie aus&ldquo;. Ich antwortete ihm in Gedanken: Doch. Ich fragte mich, was los ist mit der Welt, in der Menschen sich die Finger wund schreiben, um die Welt nicht zusammenzubringen. Und in der ein Mensch den Weltf&uuml;hrer gibt und von Frieden und von Druck auf die westliche Welt spricht &ndash; stattdessen aber selbst z&uuml;ndelt, was die Streichholzschachtel hergibt?<\/p><p>Tucholskys Buch gab mir Antworten. Ich versuchte mir fantasievoll vorzustellen, wo ich sein heutiges Buch erwerben k&ouml;nnte. Da w&auml;re eine kleine Stadt, nahe meiner Heimatstadt. Dort gibt es einen kleinen Buchladen, gef&uuml;hrt von einer Buchh&auml;ndlerin des Vertrauens und Zutrauens, wie ich es formulieren w&uuml;rde. Warum? Inmitten all des medialen, inhaltlichen, ideologischen Einerlei und der strikten Sto&szlig;richtung hin zu Konfrontation und Eskalation agiert diese Frau wie eine Herz- und Seelenretterin, wie eine, die man f&uuml;r den Friedenspreis des Buchhandels vorschlagen m&uuml;sste. Sie pflegt ihren Buchladen und <a href=\"https:\/\/www.buch-oelsnitz.de\/\">eine kleine Internetseite<\/a>. All diese kleinen Details weisen auf gro&szlig;e Menschlichkeit und friedensstiftendes Engagement. Das erste Foto der Seite zeigt das Schaufenster, auf dessen Oberfl&auml;che ein Hinweis zum Weltfriedenstag gepinnt ist. Die Buchh&auml;ndlerin hat weiter den Spruch eines ber&uuml;hmten Schriftstellers, Erich Maria Remarque, auf die Seite gestellt: <\/p><blockquote><p><em>Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die daf&uuml;r sind, besonders die, die nicht hingehen m&uuml;ssen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Die kleine Nachbarstadt besuche ich, zugegeben, nicht oft. Denn einen weiteren, viel gr&ouml;&szlig;eren Buchladen habe ich um die Ecke im Stadtzentrum. <\/p><p>Und was erlebte ich da gerade? Eine eigene wie seltsam folgsame Atmosph&auml;re, die die vorherrschende Atmosph&auml;re und Erz&auml;hlweise unser Zeitenwende-Zeiten aufnimmt und best&auml;tigt. Ja, Buchl&auml;den sind politische Orte, sie sind auch Orte der Vielfalt und der Debatte. Im kleinen St&auml;dtchen f&uuml;hlte ich mich mitgenommen vom Angebot, von der Ansage, von der Innigkeit der Buchh&auml;ndlerin, sich wahrhaft f&uuml;r Frieden, f&uuml;r Verst&auml;ndigung zu engagieren. Im gro&szlig;en Laden lockten Buch-Tische unter anderem der Rubrik Politik, als best&uuml;nde die Welt aus einer Scheibe: B&uuml;cher &uuml;ber das gr&ouml;&szlig;te Land der Welt, konkret &uuml;ber &bdquo;Politische Themen und Themen der Meinungs&auml;u&szlig;erung&ldquo; fand ich vor. Solche: &bdquo;Putins Krieg&ldquo;, &bdquo;Die k&uuml;rzeste Geschichte Russlands&ldquo;, &bdquo;Der lange Weg zum Krieg&ldquo;, &bdquo;Die russische Trag&ouml;die&ldquo;, &bdquo;Was wird aus Russland? &ndash; &Uuml;ber eine Nation zwischen Krieg und Selbstzerst&ouml;rung&ldquo;. <\/p><p>Schlie&szlig;lich entdeckte ich auch B&uuml;cher von der Preistr&auml;gerin Applebaum: &bdquo;Der Gulag&ldquo; und &bdquo;Roter Hunger&ldquo;. Roter Hunger hatte Stalins Krieg gegen die Ukraine zum Thema. Applebaum l&auml;sst keinen Zweifel &uuml;ber ihre Sicht von Ursache und Wirkung aufkommen. Die Tr&auml;gerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels meinte, so las ich es auf der R&uuml;ckseite des Bandes:<\/p><blockquote><p><em>Der gegenw&auml;rtige Krieg in der Ukraine ist ohne diese historische Last nicht zu verstehen &ndash; der erzwungene Hungertod von mehr als drei Millionen Ukrainern 1932 und 1933, Holodomor genannt, war eine der gr&ouml;&szlig;ten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Und sie hat Folgen bis heute &ndash; Stalins &bdquo;Krieg gegen die Ukraine&ldquo; hat sich tief im kollektiven Bewusstsein der osteurop&auml;ischen V&ouml;lker verankert.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Ich las fertig und &uuml;berlegte mit Tucholsky: Stalin und Putin, Hungertod, Ukraine, die b&ouml;sen Russen f&uuml;r immer &ndash; Feindpflege ist das, nicht aufkl&auml;rerisches Engagement. Dass der Buchtisch f&uuml;r einen diversen, bunten Laden ziemlich einseitig war, davon zeugte die Pr&auml;sentation. Und nebenbei: Reisef&uuml;hrer &uuml;ber das gr&ouml;&szlig;te Land der Welt &ndash; gab es keine. In der Tat z&auml;hlt Russland gerade zu einer No-go-Area, hat eine F&uuml;hrung, die vom Westen gehasst wird und Krieg f&uuml;hrt. Umso mehr m&uuml;sste doch aber deeskaliert werden, dachte ich vor dem Buchtisch stehend. Wann gehen wir wieder aufeinander zu? <\/p><p><strong>Der neue NATO-Chef kann es gar nicht erwarten, um noch mehr Geld in R&uuml;stung zu stecken<\/strong><\/p><p>Das Buch von Tucholsky legte ich daheim zur Seite, aufgew&uuml;hlt von seinen Gedichten, Beitr&auml;gen, von den Fotos und Karikaturen. Ich stellte sie mir vor, als w&auml;ren sie gerade entstanden. Dann k&auml;me auch dieser Mann in dem Buch vor, der neue NATO-Generalsekret&auml;r, &Uuml;ber den <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/rutte-nato-generalsekretaer-102.html\">die <em>Tagesschau<\/em><\/a> berichtet: <\/p><blockquote><p><em>Rutte erkl&auml;rte, er k&ouml;nne es kaum erwarten, an die Arbeit zu gehen. Priorit&auml;t habe f&uuml;r ihn die anhaltende NATO-Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine, eine Anhebung der Verteidigungsausgaben.<\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>Und der wom&ouml;glich n&auml;chste Bundeskanzler, der droht mit Krieg<\/strong><\/p><p>Tucholsky w&uuml;rde ebenfalls &uuml;ber Friedrich Merz schreiben. Und ihn f&uuml;r unw&auml;hlbar halten, so wie in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123273\">Beitrag von Oskar Lafontaine<\/a>:<\/p><blockquote><p><em>Friedrich Merz ist unw&auml;hlbar. Bisher dachte man, nur der CDU-&bdquo;Verteidigungsexperte&ldquo; Kiesewetter, der den &bdquo;Krieg nach Russland tragen&ldquo; will, sei nicht zurechnungsf&auml;hig. Aber offensichtlich denkt Merz ebenso. In der Bundestagsdebatte am Mittwoch sagte er: &bdquo;Das geht so nicht weiter. Und wenn Putin das nicht akzeptiert, dann muss der n&auml;chste Schritt erfolgen und ihm gesagt werden: Wenn er nicht innerhalb von 24 Stunden aufh&ouml;rt, die Zivilbev&ouml;lkerung in der Ukraine zu bombardieren, dann m&uuml;ssen aus der Bundesrepublik Deutschland auch Taurus-Marschflugk&ouml;rper geliefert werden, um die Nachschubwege zu zerst&ouml;ren, die dieses Regime nutzt, um die Zivilbev&ouml;lkerung in der Ukraine zu sch&auml;digen und zu bombardieren.<\/em>&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Derweil geht die Kulturlandschaft am Stock<\/strong><\/p><p>Merkt ihr nischt? Doch. Den Blick nach au&szlig;en in die weite Welt zu richten, das ist schlimm. Nicht weniger ern&uuml;chternd ist zunehmend der Blick nach innen. Wir, damit meine ich uns als B&uuml;rgerschaft mit ihren Kommunen, im l&auml;ndlichen Raum ebenso wie in den gro&szlig;en Metropolen &ndash; wir<strong> <\/strong>und unsere kulturellen Angebote gehen mehr und mehr am Stock. In Berlin wird wieder mal &uuml;ber Kulturk&uuml;rzungen gesprochen, brav versprechen Entscheidungstr&auml;ger an Theatern Potenziale ausfindig zu machen, mit weniger Geld auszukommen. Bis es dann hei&szlig;t: Weniger ist leer. Nicht nur Berlin geht am Stock. Und zwar in vielen Bereichen der Zivilgesellschaft. Bis hinein in die Provinz. <\/p><p>In meiner Heimatregion gibt es (noch) eine durchaus vielf&auml;ltige Kulturlandschaft. Diese wird gehegt und tapfer gepflegt von aktiven Kulturschaffenden, die sich permanent mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass Kunst und Kultur als Luxus, als etwas, das man sich leisten k&ouml;nnen muss, betrachtet wird. Oft wird das Wort &bdquo;Einsparpotenzial&ldquo; ausgesprochen, es hallt wie eine Dauer-Drohung &uuml;ber der Kultur.<\/p><p>Es ist sch&auml;big, dass wir, als eines der reichsten L&auml;nder auf dem Kontinent, an der Kultur &bdquo;sparen&ldquo;. Wir knausern an Dingen, an Ideen, an Personal und Ausgaben &ndash; die unser Leben ausmachen. Bei Dingen, die unser Leben nicht ausmachen, wird Geld verschleudert, was die digitalen Druckerpressen hergeben. <\/p><p>Als Kulturschaffender wei&szlig; ich, wie es sich anf&uuml;hlt, f&uuml;r die Kultur, f&uuml;r Veranstaltungen, f&uuml;r den Erhalt von Einrichtungen, f&uuml;r &bdquo;Planstellen&ldquo; zu betteln und dauernd beweisen zu m&uuml;ssen, dass Kunst und Kultur sich rechnet (das ist nicht monet&auml;r gemeint), wichtig ist und nicht etwas ist, was weg kann. Der Einsatz der aktiven Kulturschaffenden ist aufreibend: &Uuml;ber die Jahre kam und kommt es st&auml;ndig zu Attacken: gegen Theater, gegen Kinos, gegen Jugendeinrichtungen, gegen freie Tr&auml;ger, gegen Veranstaltungsorte. In meiner Heimatregion stehen verschiedene Kultureinrichtungen auf der Kippe, Orte der Begegnung, des Zusammenhalts, der Gemeinschaft, Orte des Sch&ouml;nen. Bis der Schl&uuml;ssel herumgedreht wird? <\/p><p>Da kommt der liebe, gesch&auml;tzte Kurt wieder ins Spiel: Seine Frage &bdquo;Merkt Ihr nischt?&ldquo; ist einfach gestellt und gibt eine Antwort schon vor: Sie ist eine Anklage gegen uns. Ja, bei all dem Zusammenbrechen, bei all dieser Wirklichkeit eines Landes der zu vielen seichten Dichter und bequemen Denker, eines Landes, das sich zunehmend verr&auml;t und billig demontiert wird hin zu einer kriegerischen, dummen Nation &ndash; es kann von den Wachen nur gesagt werden: Wir merken es. Allein, es herrscht Ohnmacht. <\/p><p>Die Entscheidungstr&auml;ger, die, die Mittel und M&ouml;glichkeiten haben, sie tun nichts dagegen, sie setzen auf andere Priorit&auml;ten, sie rechnen zynischerweise mit den Engagierten, den Wachen, die ja trotz allem weitermachen, sie nutzen das aus. Schamlos. Doch bald ist Zeit zu sagen, nochmal: Weniger ist leer. <\/p><p>Wir leben in unseligen Zeiten, doch sind diese nicht vom Himmel gefallen. Sie sind nicht nur schwierig, sie sind v&ouml;llig unn&ouml;tig. Es muss eine Wende dieser Zeitenwende her. Wer kann an diesem jetzigen Unsinn ein Interesse haben? W&auml;hrend bei Kultureinrichtungen gespart wird oder diese geschlossen werden, an sch&auml;bigen Konzepten der Eind&auml;mmung unserer wirklichen ideellen Werte herumgebastelt wird, schreien die Eliten unserer Volksparteien, deren Auftraggeber, ihre Freunde und Sympathisanten und die, die dazu geh&ouml;ren wollen, nach noch mehr Geld f&uuml;r R&uuml;stung, Abschreckung, NATO, f&uuml;r die Wehrpflicht usw. <\/p><p>Ein Auszug eines Gedichts auf Seite 224 des Buches von Tucholsky sei noch erw&auml;hnt: <\/p><blockquote><p>\n    <em>Wohlt&auml;tigkeit. Sieh! Da steht das Erholungsheim einer Aktiengesellschafts-Gruppe; morgens gibt es Haferschleim und abends Gerstensuppe. Und die Arbeiter d&uuml;rfen auch in den Park&hellip; Gut. Das ist der Pfennig. Und wo ist die Mark? <\/em><br>\n    <em>Quelle: Buch Tucholsky &bdquo;Deutschland, Deutschland &ndash; &uuml;ber alles&ldquo;, Seite 224 (Verlag Volk und Welt Berlin, 1967)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Tucholsky schriebe heute: W&uuml;rden sie nur mal danach schreien, endlich die Kohle f&uuml;r unsere gedeihliche, f&uuml;r eine aufstrebende Zivilgesellschaft herauszur&uuml;cken, fern von eitler F&ouml;rdermittelwillk&uuml;rlichkeit, weg vom Prekariat von Kultur, Kunst, Sozialem. Dieses Handeln ist friedlich, es dient dem Frieden. <\/p><p>Der bereits oben zitierten Vorsteherin des B&ouml;rsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, w&uuml;rden Tucholsky und ich, sein Leser, sagen, dass es stimmt, wenn sie sagt, Frieden sei die gr&ouml;&szlig;te Aufgabe. Sie braucht nur hinschauen, die wirklich engagierten Menschen erf&uuml;llten diese Aufgabe. Es ist einfach. Sie verdienten darum die Unterst&uuml;tzung, die Lobby, die Mittel, die es braucht. Wie sieht es indes mit den anderen Friedenspredigern aus? <\/p><p><small>Titelbild: Antonello Marangi \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89603\">Die Russen sind &bdquo;Unrat&ldquo;: Pamphlet erh&auml;lt den &bdquo;Friedenspreis&ldquo; des Buchhandels<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96498\">Karlspreis f&uuml;r das Kriegs-Maskottchen (und noch mehr Preis-Propaganda &hellip;)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98894\">Wer solche K&uuml;nstler hat, braucht keine Mitl&auml;ufer mehr<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gerade gelaufene Buchmesse in Frankfurt erzeugte bei unserem Autor einen kurzen, intensiven Impuls, zu Hause ans Buchregal zu treten und einen alten Band herauszuziehen: Siehe da, er hielt &bdquo;Deutschland, Deutschland, &uuml;ber alles&ldquo; von Kurt Tucholsky in der Hand. Einen Preis w&uuml;rde Tucholsky aber von der heutigen angepassten Kulturszene nicht erhalten: zu &bdquo;umstritten&ldquo;. Ein Beitrag<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123411\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":123412,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,917,156,11],"tags":[423,3293,1460,706,2750,3260,2572,918,3502,259,252,1332,260],"class_list":["post-123411","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-kultur-und-kulturpolitik","category-schulden-sparen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-austeritaetspolitik","tag-bellizismus","tag-biden-joe","tag-buchhandel","tag-buchmesse","tag-feindbild","tag-friedenspreis","tag-kulturlandschaft","tag-preisverleihung","tag-russland","tag-steinmeier-frank-walter","tag-tucholsky-kurt","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/shutterstock_2459962493.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=123411"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":123545,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123411\/revisions\/123545"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/123412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=123411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=123411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=123411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}