{"id":123429,"date":"2024-10-21T12:00:27","date_gmt":"2024-10-21T10:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123429"},"modified":"2024-10-21T12:47:25","modified_gmt":"2024-10-21T10:47:25","slug":"birk-meinhardt-abkehr-ein-roman-gegen-den-mainstream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123429","title":{"rendered":"Birk Meinhardt \u201eAbkehr\u201c &#8211; Ein Roman gegen den Mainstream"},"content":{"rendered":"<p>Birk Meinhardt, der zweimal den Egon-Erwin-Kisch-Preis erhielt und die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> verlie&szlig;, weil er nicht mehr so schreiben konnte, wie er wollte, hat 2020 seine Begegnung mit der Meinungsfreiheit in Deutschland in dem Bestseller &bdquo;Wie ich meine Zeitung verlor&ldquo; verarbeitet. Jetzt hat er in einem Roman mit dem Titel &bdquo;Abkehr&ldquo; die Erfahrungen eines Ostdeutschen mit der wiedergewonnenen Freiheit nach dem Fall der Mauer geschildert und diesen Roman im Selbstverlag &bdquo;Vabanque&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMeinhardt hatte das Buch vorher Verlagen angeboten. Die fanden es auch gut, aber kamen zu dem Ergebnis, dass es nicht so recht in die Linie des Verlages passe. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Held seines Buches, Erik Werchow, sein Alter Ego, vom menschenverachtenden Kapitalismus spricht und von sich behauptet, er rieche jede Propaganda meilenweit gegen den Wind. Weil das so ist, stinkt es ihm in einer Gesellschaft, in der selbsternannte Demokratiew&auml;chter alle verfolgen wollen, die den Staat verh&ouml;hnen. Ein solch aufm&uuml;pfiger Ossi landet im Roman im Gef&auml;ngnis, und der Held kommentiert das entsprechend:&bdquo;Niemand kommt ins Gef&auml;ngnis, nur weil er seine Meinung ge&auml;u&szlig;ert hat? Das mag vor ein paar Jahren noch gegolten haben, aber heute? Ich sitze doch.&ldquo;<\/p><p>Die Ostdeutschen haben gelernt, dass man sich gegen Enteignung wehren muss, und das gilt f&uuml;r Werchow nicht nur, wenn es um H&auml;user oder Grundst&uuml;cke geht, sondern auch, wenn einem die eigene Sprache genommen wird: &bdquo;Viel zu bereitwillig haben wir eure Bezeichnungen sogar f&uuml;r die uns vertrauten St&auml;tten unserer Kindheit und Jugend verwendet, und wer sich wie wir fremde W&ouml;rter zur Beschreibung des eigenen Lebens nimmt, der &uuml;bernimmt, ohne dass er&rsquo;s recht begreift, fremde Gedanken und ist bald kein bisschen mehr eigen&ldquo;.<\/p><p>Dieser Ostdeutsche hat wirklich merkw&uuml;rdige eigene Gedanken und fragt, warum wir die Amis Freunde und Verb&uuml;ndete nennen, &bdquo;wenn doch ihre Truppen seit Jahrzehnten in andere L&auml;nder einfallen, in L&auml;nder, die nicht einmal einen kleinen Krieg vom Zaun gebrochen haben? Die Aggressoren sind seit l&auml;ngerem sie, korrekt?&ldquo;<\/p><p>Wer so unangepasst denkt, kann auch in seinem Beruf nicht zurechtkommen. Der Held des Romans war Angestellter in der Werbeabteilung eines Pharma-Konzerns und h&auml;lt das nicht lange aus: &bdquo;Ich konnte nicht l&auml;nger verdr&auml;ngen, was geschah. Wir erfanden eine Krankheit, um ein Mittel gegen sie zu verkaufen und auf die Art Kohle zu machen&ldquo;.<\/p><p>In der Coronakrise geh&ouml;rt er zu den Ungeimpften und liest, dass er ein gef&auml;hrlicher Sozialsch&auml;dling ist, der die Gesellschaft in Geiselhaft nimmt. Die gesamte Gesellschaft solle mit dem Finger auf ihn zeigen. Was dr&uuml;ckt sich in diesen Schm&auml;hungen aus, fragt er. &bdquo;Niedertracht, Hass, Menschenverachtung, Lust an Unterwerfung, &uuml;bergehend in den Wunsch nach Vernichtung, mit einem Wort &ndash; faschistoides Denken.&ldquo;<\/p><p>Ein Ostdeutscher, der faschistoides Denken entlarvt, wo doch fast jeder dritte Ostdeutsche AfD w&auml;hlt, wie kann man das zusammenbringen? Ganz einfach, indem man begreift, in welchem Umfang das faschistoide Denken nicht nur bei einschl&auml;gig bekannten Rechtsextremen, sondern l&auml;ngst in der selbsternannten demokratischen Mitte angekommen ist. Dieser lesenswerte Roman zeigt, wohin sich unsere instabile Gesellschaft entwickeln kann und ist eine Fundgrube f&uuml;r alle Unangepassten, die das eigene Denken noch nicht verlernt haben.<\/p><p><small>Titelbild: Vabanque Verlag<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Birk Meinhardt, der zweimal den Egon-Erwin-Kisch-Preis erhielt und die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> verlie&szlig;, weil er nicht mehr so schreiben konnte, wie er wollte, hat 2020 seine Begegnung mit der Meinungsfreiheit in Deutschland in dem Bestseller &bdquo;Wie ich meine Zeitung verlor&ldquo; verarbeitet. Jetzt hat er in einem Roman mit dem Titel &bdquo;Abkehr&ldquo; die Erfahrungen eines Ostdeutschen mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123429\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":123434,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[165,125,208],"tags":[3058,2961,1945,909,1865,575],"class_list":["post-123429","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-rechte-gefahr","category-rezensionen","tag-diffamierung","tag-extreme-mitte","tag-faschismus","tag-kapitalismus","tag-meinungsfreiheit","tag-ostdeutschland"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/2410921_abkehr_cover-1.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123429","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=123429"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123429\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":123439,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123429\/revisions\/123439"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/123434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=123429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=123429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=123429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}