{"id":123546,"date":"2024-10-24T10:30:11","date_gmt":"2024-10-24T08:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123546"},"modified":"2024-10-24T10:56:05","modified_gmt":"2024-10-24T08:56:05","slug":"leserbriefe-zu-schnelle-kritik-am-koalitionspapier-von-union-bsw-und-spd-in-sachsen-die-ist-billig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123546","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eSchnelle Kritik am Koalitionspapier von Union, BSW und SPD in Sachsen: Die ist billig\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;ller diskutiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123353\">hier<\/a> &uuml;ber die Kritik von Herrn Konstantin Schink am Ergebnis der Koalitionsgespr&auml;che in Sachsen. Der sei wegen der Formulierungen zur Schuldenbremse &bdquo;fassungslos&ldquo;. Die Formulierung, &bdquo;Die Schuldenbremse darf nicht Hindernis f&uuml;r notwendige Investitionen in die Zukunft sein&ldquo;, halte jedoch alles offen und mache alles m&ouml;glich. Die schnelle Verurteilung erinnere A.M. &bdquo;an einen fr&uuml;heren &auml;hnlichen Vorgang, n&auml;mlich an die Beteiligung der SPD an der Gro&szlig;en Koalition ab Dezember 1966&ldquo;. Wir haben dazu interessante Leserbriefe erhalten. Danke daf&uuml;r. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>in Ihrem Artikel &ldquo;Schnelle Kritik am Koalitionspapier von Union, BSW und SPD in Sachsen. Die ist billig.&rdquo; argumentieren Sie dagegen, das BSW aufgrund des Auftauchens bestimmter Formulierungen in dem Papier voreilig zu kritisieren &ndash; zum einen weil dies aufgrund der offenen Formulierungen unangemessen sei und zum anderen weil auch in einer Koalition mit unangenehmen Partnern gesellschaftliche Fortschritte erzielt werden k&ouml;nnten.<\/p><p>Aus meiner Sicht muss dennoch eine gewisse Skepsis gegen&uuml;ber dem jetzigen Handeln des BSW gewahrt werden, n&auml;mlich aufgrund einer programmatischen Leerstelle, die sich im Nicht-Auftauchen bestimmter Begriffe in dem Koalitionspapier zeigt.<\/p><p>Wenn durch die Beteiligung des BSW an einer Koalition (nicht nur in Sachsen) der Einstieg in eine neue Politik gelingen soll, m&uuml;sste das BSW auch &ldquo;mehr Demokratie wagen&rdquo;. Bis auf den vagen Hinweis im s&auml;chsischen Koalitionspapier, &ldquo;neue Elemente direkter Demokratie und Beteiligung pr&uuml;fen&rdquo; (Z.20-21) zu wollen, ist hiervon nicht viel zu finden.<\/p><p>M&ouml;glicherweise schreckt man im s&auml;chsischen BSW davor zur&uuml;ck, konkretere Forderungen zu stellen, weil die vorherige Koalition mit diesem Vorhaben <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/koalition-landesregierung-verfassung-aenderung-100.html\">krachend gescheitert ist<\/a>. Oder man mag einwenden, dass es aufgrund der Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse im Bund und in den L&auml;ndern, die j&uuml;ngst gew&auml;hlt haben, unwahrscheinlich ist, dass das BSW Verfassungs&auml;nderungen zugunsten einer vereinfachten Volksgesetzgebung in den L&auml;ndern und einer Einf&uuml;hrung ebendieser auf Bundesebene bewirken kann.<\/p><p>Trotzdem m&uuml;sste das BSW dieses Thema offensiver aufgreifen, um eine echte Alternative sein zu k&ouml;nnen. Dazu m&uuml;sste zun&auml;chst der Fokus darauf gelegt werden, bestehende Formen der Volksgesetzgebung zu vereinfachen (u.a. Senkung der Quoren), bevor man &ldquo;neue Elemente&rdquo; lediglich &ldquo;pr&uuml;ft&rdquo;. Zumal fraglich ist, was mit diesen Neuerungen gemeint sein soll: Die Einf&uuml;hrung fakultativer und obligatorischer Referenden (&ldquo;Volkseinwand&rdquo;, wie sie Michael Kretschmer einmal salopp ins Spiel gebracht hat)? Oder s. g. B&uuml;rgerr&auml;te, die im schlimmsten Fall als weitere Lackschicht auf der Demokratiefassade dienen sollen?<\/p><p>Die St&auml;rkung der Volksgesetzgebung (&ldquo;direkten Demokratie&rdquo;) in Deutschland m&uuml;sste ein besonderes Merkmal des BSW sein &ndash; auch im Sinne der eigenen Glaubw&uuml;rdigkeit. Es m&uuml;sste darum gehen, glaubhaft f&uuml;r eine St&auml;rkung der Mitentscheidung der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu k&auml;mpfen und so die Macht der Berufspolitiker &ndash; also auch potenziell die eigene Macht &ndash; zu beschneiden.<br>\nAnsonsten sehe ich die Partei Gefahr laufen, vorschnell in den Tr&ouml;gen der Macht in Bedeutungslosigkeit zu versinken.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nRuthger Fritze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ihr Vergleich mit fr&uuml;heren Koalitionen hinkt nach meiner Ansicht in wesentlichen Punkten. Bei den von Ihnen angesprochenen Parteien aus fr&uuml;herer Zeit, handelt es sich um etablierte Organisationen mit einem breiten Fundament an Mitgliedern und erfahrenen Politikern. Das ist bei der BSW jedoch (noch) nicht der Fall. Nach meiner Ansicht muss BSW mindestens bis nach der Bundestagswahl Geduld haben und in der Opposition bleiben. Sie ist f&uuml;r derartige Kompromisse noch nicht reif genug. Sie verliert dadurch mehr W&auml;hler als sie dazugewinnt. Und das w&auml;re schade, f&uuml;r die Partei und f&uuml;r unser Land.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nHeinz Weber<\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Lieber Herr Weber,<\/em><\/p><p><em>Vielen vielen Dank;aber gibt es f&uuml;r Ihre Ansicht irgendeine Begr&uuml;ndung? Wieso soll sich das BSW in der Opposition besser entwickeln als in einer Regierung?. Was hei&szlig;t es denn, f&uuml;r Kompromisse reif zu sein? Wieso wird man das in der Opposition eher schaffen als in der Regierung?<\/em><\/p><p><em>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/em><\/p><p><em>Albrecht M&uuml;ller<\/em><\/p><p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers:<\/strong> Lieber Herr M&uuml;ller, die Ver&auml;nderungsmacht der SPD von 1960 l&auml;sst sich leider nicht mit der jungen Pflanze BSW vergleichen, deswegen wird m.E. das Wachstum dieser wichtigen Pflanze zu diesem Zeitpunkt in einer Koalition behindert. Es m&uuml;ssen Zuviel Kompromisse geschlossen werden, so dass man BSW nicht mehr erkennt. Leider! Liebe Gr&uuml;&szlig;e Heinz Weber<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>sehr verehrter Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>ja, ich gebe ihnen recht: man sollte das BSW nicht voreilig verurteilen und abwarten, was konkret bei einer beteiligung an der landesregierung in Sachsen f&uuml;r die menschen herauskommt. die erfahrung der letzten beiden jahrzehnte lehrt jedoch, dass reibungsverluste w&auml;hrend der legislatur dazu f&uuml;hren, dass die urspr&uuml;nglichen forderungen so gut wie nie und selbst die vereinbarungen der koalitionsvertr&auml;ge kaum umgesetzt werden.<\/p><p>und beim s&auml;chsischen BSW kann ich leider keine figuren vom format, Brandt, Wehner, Schiller oder Wischnewski erkennen, die aufgrund ihrer pers&ouml;nlichkeit in der lage waren, das regierungshandeln in die gew&uuml;nschte richtung zu lenken.<\/p><p>ich w&uuml;rde deswegen mit herrn Schick sehr bef&uuml;rworten, wenn das BSW einstweilen in der opposition bliebe. auch w&uuml;rde dies dem vorwurf des steigb&uuml;gelhaltens um der eigenen posten willen, vorbeugend entgegen wirken.<\/p><p>mit bestem gru&szlig;<br>\nMartin Sutor<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktion, lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ihr Beitrag vom 18. Oktober hat mich veranla&szlig;t, dieses Papier, normalerweise lese ich solcherart Produkte nicht, erstmals in Augenschein zu nehmen. Nun ist der von Ihnen angesprochene Teilaspekt der Kritik an einer Relativierung der Schuldenbremse sicher nicht uninteressant, aber keineswegs der Aufregung wert, die diesem zugekommen ist. Viel relevanter ist doch die Gesamtstruktur des Papiers, die wie bei allen derartigen &auml;hnlich funktionellen Arbeiten darin besteht, eine mehr oder weniger umfangreiche Ansammlung von griffigen Worth&uuml;lsen zu sein. Beispiel: Ziff. 214 &ndash; &ldquo;Sachsengeld&rdquo; f&uuml;r erstmaligen&nbsp;Immobilienerwerb, verbunden mit der&nbsp; Verlockung &ldquo;&hellip;sp&auml;tere(r) Grunderwerbsteuersenkung f&uuml;r Ersterwerber. Geht es vielleicht noch etwas nebul&ouml;ser? W&auml;re es nicht Zeit f&uuml;r radikale und konsequente Ans&auml;tze wie:&nbsp;&ldquo;Wir schaffen die Grunderwerbssteuer f&uuml;r Ersterwerber im Falle des Kaufs zum Zwecke der Schaffung eines Familienheims ab.&rdquo;?<\/p><p>Da die Altparteien ohne das BSW nicht zu Potte kommen, d&uuml;rfen solche Chancen nicht vergeigt werden!&nbsp;Das ganze w&auml;re ohnehin f&uuml;r den sofortigen Schredder, wenn hier nicht das allgemein hochgepriesene BSW dieselben alten H&uuml;te auftragen w&uuml;rde wie diese Altparteien. Letzteres&nbsp;ist zu kritisieren, nicht die Kritik von Einzelheiten.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJ&uuml;rgen Keller<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren, glauben Sie wirklich, dass eine CDU gef&uuml;hrte Regierung in Sachsen die Schuldenbremse so sieht wie Frau Wagenknecht sie vielleicht sieht. Wir wissen es nicht genau, wie Frau Wagenknecht die Schuldenbremse wirklich sieht. Die Ampel hat gezeigt, wie sie die Schuldenbremse trotz allem FDP-Geschwurbel ad acta gelegt hat. Da gibt es Sonderverm&ouml;gen, da gibt es dies und jenes. Vieles wird verschleiert und kommt in andere Ressorts, wie z.B. die Kriegsert&uuml;chtigung und Gelder f&uuml;r die ach so demokratische Ukraine und die Lieblinge der Regierung, die Zionisten. Man vergesse nicht, dass Frau Wagenknecht sich ihre Mitstreiter aus der PdL zusammengeklaubt hat. Frau Wagenknecht selbst sagt heute dies und morgen jenes. Ich denke da nur an EIN Beispiel: Vor der Wahl, man darf die AfD nicht ausgrenzen &ndash; nach der Wahl &ndash; Brandmauer.<\/p><p>Haben Sie noch nicht bemerkt, dass das BSW nur dazu da ist, die AfD kalt zu stellen?&nbsp;Es ist eine waschechte Linkspartei mit einer Verzierung &ldquo;nationaler Einschlag&rdquo;, etwas Migrationsvernebelung und einen gro&szlig;en Touch puren Sozialismus. Wenn die CDU mit dem BSW ins Bett steigt, zeigt das umso mehr, was mit der CDU los ist. Ich freue mich aber dar&uuml;ber, dass diejenigen&nbsp;W&auml;hler eine Denkzettel erhalten, die das BSW und die CDU gew&auml;hlt haben. Ich denke, dass die eigentlich kein &ldquo;weiter so&rdquo; gewollt haben, aber jetzt werden sie es bekommen und sicherlich mit den Renegaten der Linkspartei noch schlimmer.&nbsp;<\/p><p>mfg Petra Wilhelmi<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo liebe Nachdenkseiten-Macher,<\/p><p>zum Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123353\">&ldquo;Schnelle Kritik am Koalitionspapier von Union, BSW und SPD in Sachsen: Die ist billig&rdquo;<\/a><\/p><p>ich gebe zu, ich habe nur den Artikel und den &ldquo;gr&uuml;n markierten&rdquo; Scan gelesen &ndash; nicht die Koalitionsvereinbarung.<\/p><p>Ich kann die Zur&uuml;ckweisung der Kritik von Herrn Schink nachvollziehen soweit es die Schuldenbremse betrifft.<\/p><p>Die gr&uuml;n markierten Passagen im Scan lassen tats&auml;chlich Spielraum, um f&uuml;r notwendige Investitionen Schulden(!) aufzunehmen.<\/p><p>Was MICH mehr st&ouml;rt, ist die auch hier vorkommende Formulierung von &ldquo;Sonderverm&ouml;gen&rdquo;.<\/p><p>Warum hat das BSW nicht durchgesetzt, Schulden auch als solche zu benennen und sie nicht hinter diesem Orwell&rsquo;schen Euphemismus zu verstecken?<\/p><p>Und dann musste ich schmunzeln:<\/p><p>W&auml;re dies eine Koalitionsvereinbarung OHNE das BSW, h&auml;tte Herr M&uuml;ller bestimmt die mehrfach vorkommenden Passagen kritisiert, in denen sich die Koalition&auml;re darauf verst&auml;ndigt haben, etwas zu PR&Uuml;FEN.<\/p><p>Er h&auml;tte mit Recht diese windelweiche Formulierung kritisiert, die so unverbindlich ist, wie nur irgendwas. Warum nicht auch hier?<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nEuer Leser<br>\nHartmut Braun<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>Ihren historischen R&uuml;ckgriff auf die Gro&szlig;e Koalition von 1966 halte ich nicht f&uuml;r so &uuml;berzeugend. Ich selbst, Jahrgang 1951, war von 1969 bis 74 aktives SPD-Mitglied und habe diese Zeit und vor allem diese Partei bewusst miterlebt.<\/p><p>Die SPD war damals eine Volkspartei mit langer Tradition, gefestigt, und konnte ein solches B&uuml;ndnis eingehen. Das BSW ist eine blutjunge Partei (trotz einiger erfahrener Politiker\/innen in seinen Reihen) mit wenig Mitgliedern, noch mitten im Aufbau.<\/p><p>BSW sollte der Versuchung der Machtbeteiligung widerstehen, vielleicht mit der Ausnahme Brandenburg, wo ja Herr Crumbach jahrzehntelang Genosse von D. Woidke war.<\/p><p>Grunds&auml;tzlich sollte eine junge linke Kraft wie BSW sich nicht den Kopf der Kartellparteien zerbrechen, sondern zuallererst um ihre Glaubw&uuml;rdigkeit besorgt sein. Wenn Sarah im Unterschied zu einigen Landespolitikern (Katja Wolf) skeptisch bis ablehnend ist, dann halte ich das f&uuml;r strategisch klug (Bundestagswahlen)!<\/p><p>Dass man auch aus der Opposition heraus etwas bewirken kann, sehen wir ja bei der AfD.<\/p><p>Insofern stimme ich Konstantin Schink zu, der ja schon vor Wochen in einem &ldquo;Short&rdquo; erkl&auml;rt hat, der richtige Platz f&uuml;r das BSW ist die Opposition.<\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e an Sie und Ihr hervorragendes Journalistenteam der NDS!<br>\nBj&ouml;rn Scherer-Mohr<\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Danke vielmals, lieber Herr Scherer-Mohr,<\/em><\/p><p><em>zwar habe ich gro&szlig;es Verst&auml;ndnis f&uuml;r Ihre Kritik. Aber eine Begr&uuml;ndung kann ich darin nicht erkennen. K&ouml;nnen Sie mir mal begr&uuml;nden, warum das BSW sich bei einer Beteiligung an einer Regierung weniger gut entwickeln k&ouml;nnen sollte als in der Opposition? Das sind doch voreilige , emotional gegr&uuml;ndete Einsch&auml;tzungen.<\/em><\/p><p><em>Sch&ouml;ne Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Albrecht M&uuml;ller<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller, liebes Nachdenkseiten-Team<\/p><p>Zugegeben empfinde ich den von Ihnen aufgegriffenen Einwurf von Herr Schink ebenfalls als eher undifferenziert.<\/p><p>Allerdings, und damit bin ich gewiss einer von vielen, sehe auch ich diese Zusammenarbeit des BSW mit den Systemparteien kritisch.<\/p><p>Deshalb denke ich, dass der von Ihnen herangezogene Vergleich mit der Grossen Koalition von 1966 so nicht in die aktuelle Bundesrepublik &uuml;bertragen werden kann.<\/p><p>Man muss kein Anh&auml;nger oder Sympathisant der AfD sein, um einfach n&uuml;chtern festzustellen, dass diese Partei die Wahlen in Th&uuml;ringen gewonnen hat. Das finde ich als Linker mit demselben linken Selbstverst&auml;ndnis wie dem von Jens Berger nicht toll, ist aber nun mal eine Realit&auml;t.<\/p><p>&Uuml;ber die Ursachen, warum die AfD &uuml;berhaupt erst diese Erfolge erringen konnte, wurde auch von den Nachdenkseiten viel Richtiges analysiert und geschrieben, weswegen ich darauf nun nicht weiter eingehen will.<\/p><p>Ich teile auch nicht die Ansicht, dass alle AfD-W&auml;hler Nazis und Ewiggestrige seien. Im Gegenteil halte ich die Wahl der AfD von breiten Gesellschaftsschichten f&uuml;r einen Akt der Verzweiflung und Selbstverteidigung gegen ein kaputtes Politsystem der etablierten Parteien, welches sich selbst, in Eigenregie, jeglicher Legitimit&auml;t beraubt hat.<\/p><p>Damit sage ich explizit nicht, dass die AfD im Kern andere Rezepte h&auml;tte als die bisherigen Mehrheitsparteien CDU, SPD, Gr&uuml;ne, FDP und Linke. Dass die AfD im Kern genau so neoliberal aufgestellt ist, daran kann kein Zweifel bestehen. Man kann &uuml;ber gewisse Str&ouml;mungen innerhalb der AfD streiten, aber eines muss man dabei feststellen:<\/p><p>Innerhalb der AfD scheint es mehr Meinungspluralit&auml;t zu geben als innerhalb der der etablierten Parteien, die ihre Reihen bereits rigoros ges&auml;ubert haben. Es steht zu erwarten, dass der AfD eine &auml;hnliche Katharsis bevorstehen wird, um irgendwann mainstream-kompatibel zu werden.<\/p><p>Genau dar&uuml;ber hat &uuml;brigens gerade erst Tom Wellbrock mit Dr. Sven Brajer und Walter van Rossum auf den Neulandrebellen gesprochen.<br>\nLink: <a href=\"https:\/\/www.neulandrebellen.de\/2024\/10\/afd-bsw-und-der-rest-wohin-bewegt-sich-deutschland\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">neulandrebellen.de\/2024\/10\/afd-bsw-und-der-rest-wohin-bewegt-sich-deutschland\/<\/a><\/p><p>Um zur&uuml;ck zum eigentlichen Thema zu kommen, m&ouml;chte ich die Frage aufwerfen, inwiefern denn unter dem Einfluss des BSW eine Kurs&auml;nderung seitens, hier im konkreten Fall der CDU und der SPD m&ouml;glich sein soll?<\/p><p>Es muss sich hier ganz unmittelbar der Verdacht aufdr&auml;ngen, dass sich das BSW zum Steigb&uuml;gelhalter f&uuml;r die bereits hinl&auml;nglich bekannte neoliberale und kriegstreiberische CDU\/SPD-Einheitspolitik degradieren l&auml;sst. Niemand kann doch realistischerweise diese Gefahr, und vor allem deren Folgen kleinreden; n&auml;mlich dass das BSW politisch erledigt w&auml;re, bevor es &uuml;berhaupt h&auml;tte durchstarten k&ouml;nnen.<\/p><p>Diese Politik, f&uuml;r welche sich das BSW meines Erachtens hier hergeben soll, ist, wie die &uuml;brige deutsche Politik hoch ideologisiert.<\/p><p>Das Dogma der Brandmauer, dass die AfD von der Macht fernzuhalten sei, halte ich pers&ouml;nlich f&uuml;r einen schwerwiegenden Fehler. Dass das best&auml;ndige Rumhacken auf der AfD diese nur st&auml;ndig st&auml;rker macht, dieser Beweis ist doch l&auml;ngst erbracht.<\/p><p>Ebensowenig sind all die Gleichsetzungen der AfD mit der NSDAP haltbar. Den politischen Diskurs auf diesem Niveau zu f&uuml;hren, ist einfach nur dumm. Der hochnotpeinliche Auftritt von Frau Esken im ORF steht exemplarisch f&uuml;r das ganze Ausmass dieser Diskursverwahrlosung, welche die etablierten Parteien weiter ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit beraubt und im selben Masse die Position der AfD alimentiert.<\/p><p>Nun soll sich das BSW, kaum erst erfolgreich in der politischen Landschaft gelandet, gleich als Mehrheitsbeschaffer f&uuml;r die gescheiterten Volksparteien SPD und CDU hergeben, nur zum reinen Machterhalt, ohne dass es daf&uuml;r angesichts der Wahlergebnisse eine &uuml;berzeugende Legitimit&auml;t g&auml;be.<\/p><p>Der Murks, den SPD und CDU seit &uuml;ber 20 Jahren veranstalten nun mit einer anderen Farbe zu mischen, zeugt von der ganzen Ohnmacht, mit der sich Leute wie Herr Voigt verzweifelt an die Macht klammern und sich dabei dieser wirklich unseligen Argumentationslinie von demokratischen und undemokratischen W&auml;hlerstimmen bedienen, womit sie genau die demokratiefeindliche Gesinnung offenbaren, die sie st&auml;ndig der AfD unterstellen.<\/p><p>Es sind genau diese orwellschen Diskursverschiebungen, die Hand in Hand mit der gescheiterten neoliberalen Politik der letzten 30 Jahre f&uuml;r den vollst&auml;ndigen Glaubw&uuml;rdigkeitsverlust der deutschen Politik verantwortlich sind. Warum muss nun das BSW, welches mit Leuten wie De Masi, P&uuml;rner oder von der Schulenberger glaubw&uuml;rdiges Personal mitbringt, sich unmittelbar aus reinen Machtinteressen wieder verbrennen &ndash; und nichts anderes kann bei all diesen Manoeuvres mit den gescheiterten SPD und CDU geschehen?<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Sag mir, wer dich lobt, und ich sag dir, was du falsch machst.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn nun der Mainstream voll des Lobes f&uuml;r diese Brombeerkoalition ist, dann sollte dies beim BSW alle roten Lampen leuchten und alle Alarmglocken klingeln lassen.<\/p><p>Zum Schluss m&ouml;chte ich auch noch die Frage aufwerfen, wie dieses Paktieren perspektiv weitergehen soll. Die AfD soll von der Macht um jeden Preis ferngehalten werden. Der Aufwand dazu wird immer schwieriger, die dazu notwendigen Koalitionen der sogenannten demokratischen Parteien werden immer abenteuerlicher werden m&uuml;ssen. Man ist mittlerweilen bei 3 Koalitionspartnern angelangt, sollen da noch eine vierte oder f&uuml;nfte dazu? Wie verl&auml;sslich sich damit Politik machen l&auml;sst, hat man in verschiedenen europ&auml;ischen L&auml;ndern auch gesehen.<\/p><p>Und dabei ist noch gar nicht mitber&uuml;cksichtigt, dass w&auml;hrenddessen die AfD weiter an Stimmen gewinnen wird. Im Osten wird sie absehbar bei absoluten Mehrheiten angelangen. Und dann?<\/p><p>Wenn inhaltlich bei den fr&uuml;heren Volksparteien SPD und CDU kein radikaler Sinneswandel einsetzt, und danach sieht es bei allem gutem Willen einfach nicht aus, dann gibt es schlicht keinerlei Grund daf&uuml;r, warum sich das BSW an Koalitionen mit CDU und SPD beteiligen sollte. Das BSW ist nicht in der Position, entsprechende Konditionen auszuhandeln, die zu einem grundlegenden Politikwandel f&uuml;hren k&ouml;nnten. Das ist v&ouml;llig illusorisch, und etwas anderes zu behaupten, ist nichts weiter als sich fleissig selbst in die Tasche zu l&uuml;gen.<\/p><p>Das m&ouml;chte ich einfach mal zu bedenken geben.<\/p><p>Liebe Gr&uuml;sse<br>\nPascal Spring<\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Sehr geehrter Herr Spring,<\/em><\/p><p><em>Gro&szlig;en Dank f&uuml;r Ihren Leserbrief. Der dritte Absatz ihres Leserbriefs beginnt mit dem Wort Deshalb. Es ist aber nichts an Gr&uuml;nden angegeben worden, auf das sich das deshalb beziehen k&ouml;nnte. Sie schreiben viel, aber nichts dar&uuml;ber, warum aus ihrer Sicht der Vergleich mit 1966 nicht m&ouml;glich sein soll.<\/em><\/p><p><em>mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/em><br>\n<em>Albrecht M&uuml;ller<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Tja, hochgelehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>auch altgediente Journalisten m&uuml;ssen sich gelegentlich mit den tats&auml;chlichen Wortbedeutungen auseinandersetzen.<\/p><p>Hier Ihr sch&ouml;nes Beispiel der&nbsp; Konfusion von Wort und Sinn:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Jetzt gegen das BSW wegen der Koalitionsvereinbarung in Sachsen zu polemisieren, ist ausgesprochen billig. Es ist unangemessen, wenn man die Formulierungen genau liest&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Schon im alten Kirchenlatrinum sprach man &ldquo;Vere dignum et iustum est, aequum et salutare&rdquo; .<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAlexander G. Roklum<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;ller diskutiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123353\">hier<\/a> &uuml;ber die Kritik von Herrn Konstantin Schink am Ergebnis der Koalitionsgespr&auml;che in Sachsen. Der sei wegen der Formulierungen zur Schuldenbremse &bdquo;fassungslos&ldquo;. Die Formulierung, &bdquo;Die Schuldenbremse darf nicht Hindernis f&uuml;r notwendige Investitionen in die Zukunft sein&ldquo;, halte jedoch alles offen und mache alles m&ouml;glich. 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