{"id":123585,"date":"2024-10-25T10:00:18","date_gmt":"2024-10-25T08:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123585"},"modified":"2024-10-25T16:44:12","modified_gmt":"2024-10-25T14:44:12","slug":"die-geschichtenerzaehler-der-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123585","title":{"rendered":"Die Geschichtenerz\u00e4hler der NATO"},"content":{"rendered":"<p>Der Kampf um unsere K&ouml;pfe ist in vollem Gange. &Uuml;ber &bdquo;russische Desinformation&ldquo; werden wir ausreichend, wenn auch nicht immer zuverl&auml;ssig informiert. Welche Rolle spielen aber die NATO und die sogenannten &bdquo;Centers of Excellence&ldquo; in Ost- und Nordeuropa im &bdquo;Cyberkrieg&ldquo;, und was bedeutet das f&uuml;r uns als europ&auml;ische Bev&ouml;lkerung? Der U.S.-amerikanische Historiker <strong>Joshua Rahtz<\/strong> gibt in diesem Artikel Einblicke in die Akteure und Strategien auf &bdquo;unserer&ldquo; Seite. &Uuml;bersetzt aus dem Englischen von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6631\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-123585-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241025_Die_Geschichtenerzaehler_der_NATO_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241025_Die_Geschichtenerzaehler_der_NATO_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241025_Die_Geschichtenerzaehler_der_NATO_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241025_Die_Geschichtenerzaehler_der_NATO_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=123585-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241025_Die_Geschichtenerzaehler_der_NATO_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241025_Die_Geschichtenerzaehler_der_NATO_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Dieses Reptil&ldquo;, schrieb Brecht einmal in sein Tagebuch und bezog sich dabei auf Thomas Mann, &bdquo;kann sich nicht vorstellen, dass irgendjemand etwas f&uuml;r Deutschland (und gegen Hitler) tut, ohne dass er von irgendwoher einen Befehl dazu erh&auml;lt.&ldquo; Die Manns hatten in Los Angeles Ger&uuml;chte verbreitet, Brecht sei ein Handlanger Moskaus: &bdquo;Verleumdungen &hellip; sie wissen ganz genau, dass sie gro&szlig;en Schaden anrichten k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><p><strong>Ausl&auml;ndische Einmischung<\/strong><\/p><p>Seit den ersten Anzeichen des &bdquo;Neuen Kalten Krieges&ldquo; kursiert in den USA eine &auml;hnliche Form von Verleumdungen als Waffe &ndash; Trump wird beschuldigt, als Handlanger des Kremls zu agieren und die Pr&auml;sidentschaft durch dessen Protektion gewonnen zu haben. Was zun&auml;chst wie eine blo&szlig;e Erfindung der Clinton-Demokraten im Wahljahr aussah, breitete sich bald auch in Europa aus. Dort fand es, ohne parteiische F&auml;rbung, in sch&auml;rferer geopolitischer Form Ausdruck, als das Europ&auml;ische Parlament im Jahr 2020 eine Untersuchung &uuml;ber &bdquo;Ausl&auml;ndische Einmischung in alle demokratischen Prozesse in der Europ&auml;ischen Union&ldquo; einleitete.<\/p><p>Der Bericht des INGE-Sonderausschusses (Anm. d. &Uuml;bersetzerin: Die Abk&uuml;rzung INGE steht f&uuml;r die franz&ouml;sische Bezeichnung des Ausschusses: &bdquo;Ing&eacute;rences &eacute;trang&egrave;res&rdquo;, was auf Deutsch &bdquo;ausl&auml;ndische Einmischung&ldquo; bedeutet.) zeichnete das Bild einer makellosen Europ&auml;ischen Union, die von russischen und chinesischen Machenschaften bedroht wird. Amerikas umfangreiche Aktivit&auml;ten innerhalb der EU wurden ignoriert &ndash; die Hauptquartiere des European und African Command, 70.000 stationierte Truppen, die Entf&uuml;hrung und Folterung von EU-B&uuml;rgern, die Nutzung europ&auml;ischen Territoriums f&uuml;r CIA-Gef&auml;ngnisse im Zuge des Krieges gegen den Terror, Industriespionage und das Abh&ouml;ren von Staatsoberh&auml;uptern in j&uuml;ngerer Zeit blieben allesamt unerw&auml;hnt. Stattdessen konzentrierte sich der Ausschuss ausschlie&szlig;lich auf die &ouml;stlichen Gegner der NATO und prangerte deren Versuche an, die EU durch Desinformation zu &bdquo;schw&auml;chen und zu spalten&ldquo;.<\/p><p><strong>Die globale Innenpolitik der USA<\/strong><\/p><p>Solche Anschuldigungen sind wohlbekannt und gut vorbereitet. Sie sind Bestandteile eines hybriden Kriegsmodells, das die USA seit dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts entwickelt haben. Zum Teil geschieht dies durch ein Netzwerk von NATO-Thinktanks, die in ganz Europa stationiert sind und sich dem erweiterten Aufgabenspektrum des B&uuml;ndnisses widmen, zu dem auch Operationen zur Steuerung der &ouml;ffentlichen Meinung geh&ouml;ren &ndash; im Grunde die globale <em>Innenpolitik<\/em> des US-Imperiums. Da sich politische Parteien von Organisationen mit Massenmitgliedschaft zu Verwaltungsorganisationen gewandelt haben, pr&auml;gen solche Zentren der Pseudo-Expertise zunehmend die seri&ouml;se Politik. Sie liefern vorgefertigte Darstellungen von Ereignissen und unterscheiden Freunde von Feinden (wie d&uuml;rftig die gesammelten oder fabrizierten Beweise auch sein m&ouml;gen), indem sie sich durch den Anschein akademischer Korrektheit als vertrauensw&uuml;rdig darstellen. Europa steht aufgrund seines geostrategischen Einflusses auf Eurasien &ndash; nach Zbigniew Brzezinskis Einsch&auml;tzung der &bdquo;wichtigste geopolitische Preis&ldquo; &ndash; nat&uuml;rlich im Mittelpunkt solcher Bem&uuml;hungen, an dessen westlichem Ende die &bdquo;entscheidenden und dynamischen Akteure&ldquo; Frankreich und Deutschland liegen. Die Integration des gr&ouml;&szlig;eren &bdquo;amerikanisch dominierten Westens&ldquo; und die effektive Zertrennung der Beziehungen zwischen Berlin und Moskau werden in Vorbereitung auf die endg&uuml;ltige Einkreisung der VR China durchgef&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Willkommen im Cyberkrieg<\/strong><\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/ccdcoe.org\/uploads\/2018\/10\/Geers2008_CyberspaceAndTheChangingNatureOfWarfare.pdf\">Cyberkriegsf&uuml;hrung<\/a> der NATO &ndash; d.h. digitale und internetbasierte Angriffe einschlie&szlig;lich Spionage, Propaganda und Sabotage der Infrastruktur &ndash; sowie andere militarisierte Eingriffe in die Zivilgesellschaft werden oft als neuartige Entwicklungen dargestellt. Tats&auml;chlich haben sie jedoch viel mit der Strategie der USA und der NATO in den fr&uuml;hen 2000er-Jahren gemeinsam, als &bdquo;Competitive Intelligence&ldquo; &ndash; die Zusammenarbeit verb&uuml;ndeter Geheimdienste zur Fabrikation und Aufwertung von Behauptungen &ndash; eingesetzt wurde, um ein Gef&uuml;hl der Dringlichkeit zu erzeugen und den Weg in Richtung Krieg zu beschleunigen. Vor der Invasion des Irak spielte beispielsweise das italienische SISMI eine Schl&uuml;sselrolle bei der Versorgung des Pentagons mit gef&auml;lschten Beweisen, wie die investigativen Reporter <a href=\"https:\/\/www.worldcat.org\/title\/123914657?oclcNum=123914657\">Carlo Bonini und Giuseppe D&rsquo;Avanzo belegten<\/a>. Auch die heutige hybride Kriegsf&uuml;hrung erinnert an ihre Vorl&auml;ufer, indem sie sich auf die Bev&ouml;lkerung im eigenen Land oder in verb&uuml;ndeten L&auml;ndern konzentriert. Snowdens <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/document\/2014\/02\/24\/art-deception-training-new-generation-online-covert-operations\/\">Enth&uuml;llungen von 2013<\/a> dokumentierten Versuche des GCHQ (Government Communications Headquarters, britischer Geheimdienst, zust&auml;ndig f&uuml;r Kommunikation und Cyberabwehr), die &Ouml;ffentlichkeit durch T&auml;uschung und Simulation zu manipulieren &ndash; von einem parallelen NSA-Programm (National Security Agency, U.S.-amerikanisches &Auml;quivalent) ist auszugehen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Centres of Excellence&rdquo; an der Ostflanke<\/strong><\/p><p>Trotz dieser Kontinuit&auml;ten haben die Denkfabriken der NATO &ndash; bestehend aus 28 sogenannten &bdquo;Centres of Excellence&ldquo; (Kompetenzzentren\/Exzellenzzentren) sowie vom US-Au&szlig;enministerium finanzierten Einrichtungen wie dem in Bratislava ans&auml;ssigen GLOBSEC &ndash; die im letzten Vierteljahrhundert der amerikanischen Kriegsf&uuml;hrung entwickelten Propagandamethoden deutlich verst&auml;rkt. Um einen Eindruck von diesem Wandel zu vermitteln, lohnt es sich, einige dieser NATO-nahen Organisationen und ihre Versuche zu untersuchen, die &ouml;ffentliche Meinung im Einklang mit den Priorit&auml;ten des B&uuml;ndnisses an seiner Ostflanke zu gestalten.<\/p><p>Das NATO-Kompetenzzentrum f&uuml;r strategische Kommunikation (StratCom) mit Sitz in Riga, das von J&#257;nis S&#257;rts vom lettischen Verteidigungsministerium geleitet wird, wurde 2014 gegr&uuml;ndet, um diplomatische und &Ouml;ffentlichkeitsarbeit sowie Informations- und psychologische Operationen zu koordinieren. Es wurde unter anderem ins Leben gerufen, um das Image der NATO nach der jahrzehntelangen Besetzung Afghanistans wiederherzustellen. <a href=\"https:\/\/stratcomcoe.org\/pdfjs\/?file=\/cuploads\/pfiles\/isaf_full_report_06-04-2016.pdf\">Ein kritischer Bericht<\/a> des pensionierten kanadischen Oberst Brett Boudreau mit dem Titel &bdquo;We Have Met the Enemy and He Is Us&ldquo; (Wir haben den Feind getroffen und er ist wir) kam zu dem Schluss, dass es &bdquo;kein Handbuch f&uuml;r eine einheitliche Doktrin der Alliierten zu strategischer Kommunikation&ldquo; gibt &ndash; nur eine &bdquo;sich widersprechende oder verwirrende&ldquo; Reihe von Richtlinien. Dementsprechend widmete sich das Rigaer Zentrum, das &uuml;ber ein Jahresbudget von knapp 600.000 Euro verf&uuml;gte und von NATO-Staaten auf Ad-hoc-Basis gesponsert wurde, der Entwicklung einer solchen &bdquo;Doktrin&ldquo; und des &bdquo;Konzepts&ldquo; der NATO-Kommunikation sowie der Bildung, Ausbildung und operativen Unterst&uuml;tzung. Im Jahr 2014 veranstaltete es ein Seminar zum Thema &bdquo;Weaponisation of Social Media&ldquo; (Kampfeinsatz von sozialen Medien) f&uuml;r &bdquo;ukrainische und georgische Regierungsvertreter&ldquo;. Es ver&ouml;ffentlicht au&szlig;erdem alle zwei Jahre die akademische Zeitschrift <em>Defence Strategic Communications<\/em> (strategische Kommunikation f&uuml;r Milit&auml;r und Sicherheitspolitik), die vom King&rsquo;s College London herausgegeben wird.<\/p><p><strong>Auf dem Weg in den totalen Cyberkrieg<\/strong><\/p><p>Die grundlegende Ausrichtung des Zentrums wird in Boudreaus grundlegendem Essay sowie in verschiedenen Beitr&auml;gen zu seiner Zeitschrift dargelegt. &bdquo;We Have Met the Enemy and He Is Us&ldquo; forderte die Beseitigung bestimmter &bdquo;Firewalls&ldquo; &ndash; oder Trennungen zwischen den Disziplinen der milit&auml;rischen Kommunikation. &Ouml;ffentliche Angelegenheiten und psychologische Operationen, ausl&auml;ndische und inl&auml;ndische Zielgruppen, politische und milit&auml;rische Bereiche: Solche bisher getrennten Teilbereiche der Propaganda sollten unter gemeinsamer Kontrolle zusammengef&uuml;hrt werden. Unterschiede zwischen psychologischen Operationen, die darauf abzielen, das Publikum zu manipulieren, und der &bdquo;wertneutralen&ldquo; Verbreitung von Informationen im Bereich der &ouml;ffentlichen Angelegenheiten w&uuml;rden damit formell abgeschafft. &bdquo;Die Trennung zwischen dem ausl&auml;ndischen und dem inl&auml;ndischen Publikum&ldquo;, schrieb Boudreau, &bdquo;ist eine fehlerhafte Grundlage f&uuml;r die Organisationsstruktur.&ldquo; Der Bericht empfahl au&szlig;erdem, die Trennung zwischen politischen und milit&auml;rischen B&uuml;ros f&uuml;r &ouml;ffentliche Angelegenheiten aufzuheben, um das Milit&auml;rpersonal der NATO von den Einschr&auml;nkungen bei direkt politischen Interventionen zu befreien.<\/p><p><strong>Soziale Kontrolle auf dem Social-Media-Schlachtfeld<\/strong><\/p><p>Auf den Seiten von <em>Defence Strategic Communications (DSC)<\/em> finden sich nicht weniger k&uuml;hne Inhalte. Zwei charakteristische Artikel aus der Er&ouml;ffnungsausgabe 2016 verraten viel &uuml;ber die neue PR-Strategie der NATO: <a href=\"https:\/\/stratcomcoe.org\/publications\/the-narrative-and-social-media\/162\">&bdquo;The Narrative and Social Media&ldquo;<\/a> (&bdquo;Die Erz&auml;hlung und Soziale Medien) von Miranda Holmstrom, Spezialistin f&uuml;r psychologische Operationen der US-Armee, und <a href=\"https:\/\/stratcomcoe.org\/publications\/its-time-to-embrace-memetic-warfare\/164\">&bdquo;It&rsquo;s Time to Embrace Memetic Warfare&ldquo;<\/a> (etwa: Es ist an der Zeit, Kriegsf&uuml;hrung anhand von Internet-Memes und viralen Inhalten mit Begeisterung einzuf&uuml;hren) von Jeff Giesea, einem von Softbank unterst&uuml;tzten Finanzier. Der erste Artikel gibt eine besonders frappierende Deutung der aktuellen Medienlandschaft und der Aktivit&auml;ten der NATO in diesem Bereich; der Zweite zeigt das Ausma&szlig;, in dem StratCom offen &uuml;ber den Einsatz von Desinformation nachgedacht hat. Holmstrom ihrerseits zielt darauf ab, &uuml;ber soziale Medien &bdquo;Herzen und K&ouml;pfe zu gewinnen&ldquo;, indem sie &bdquo;einfache, aber runde Erz&auml;hlungen verwendet, die leicht reproduziert werden k&ouml;nnen&ldquo;. Sie behauptet, dass &bdquo;Narrative&ldquo; als &bdquo;Rahmen f&uuml;r die Handlung und den Schauplatz einer Geschichte&ldquo; f&uuml;r &bdquo;Propaganda&ldquo; von grundlegender Bedeutung sind, da sie eine Form der Sinngebung darstellen, durch die Informationen gestaltet und erinnert werden k&ouml;nnen und sogar eine irrationale Reaktion auf Ereignisse f&ouml;rdern k&ouml;nnen.<\/p><p>&Auml;hnlich wie die Struktur der <em>fabula<\/em> in einem fiktionalen Werk verwendet Propaganda die Elemente &bdquo;Aufbau, Konflikt, Aufl&ouml;sung&ldquo;, um das Denken und Handeln einer Zielgruppe zu lenken. Dieses Prinzip kann auf die &bdquo;horizontale Propaganda&ldquo; angewendet werden, die durch Kontakte von Mensch zu Mensch, wie auf Twitter oder Facebook, verbreitet wird. Diese Form fordert zu Aktivit&auml;t und Beteiligung auf und &bdquo;schafft die Illusion von Wahlm&ouml;glichkeiten, freiem Willen und pers&ouml;nlicher Entscheidungsfindung&ldquo;. Giesea r&auml;t seinerseits dazu, Pseudonyme zu verwenden, um Social-Media-Nutzer in die Irre zu f&uuml;hren. Er empfiehlt &bdquo;aggressivere Kommunikationstaktiken&ldquo; und fordert die NATO auf, ihre Kapazit&auml;ten f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung von &bdquo;memetischen Kriegen&ldquo; zu erh&ouml;hen &ndash; also Operationen, die auf das Online-Universum zugeschnitten sind und bei denen es um &bdquo;soziale Kontrolle in einem Social-Media-Schlachtfeld&ldquo; geht.<\/p><p><strong>Deepfakes sind immer die anderen<\/strong><\/p><p>StratCom hat sich auch f&uuml;r die Software privater Unternehmen interessiert, wo &bdquo;Anwendungsprogrammierschnittstellen&ldquo; empfohlen werden, um Benutzer mithilfe der im <em>Digital Forensic Research Lab<\/em> des Atlantic Council entwickelten Tools zu verfolgen. In einem separaten Bericht &uuml;ber &bdquo;Social Media Manipulation&ldquo; r&uuml;hmt sich die Denkfabrik, mit den US-Senatoren Chuck Grassley und Chris Murphy zusammengearbeitet zu haben, um Interaktionen auf jedem ihrer Konten zu kaufen und so die Reaktionen der &Ouml;ffentlichkeit zu testen. Ein Beitrag von Tim Hwang aus dem Jahr 2020 f&uuml;r <em>DSC<\/em> mit dem Titel <a href=\"https:\/\/stratcomcoe.org\/cuploads\/pfiles\/nato_deepfakes_-_primer_and_forecast-1.pdf\">&bdquo;Deepfakes &ndash; Primer and Forecast&ldquo;<\/a> (etwa: KI-basierte F&auml;lschung &ndash; Einf&uuml;hrung und Ausblick) befasste sich mit technischen Innovationen der visuellen Desinformation und dem Einsatz k&uuml;nstlicher Intelligenz bei der Erstellung &uuml;berzeugender falscher Bilder und Videos. Hwang, der fr&uuml;her bei Google, dem MIT Media Lab und RAND t&auml;tig war und jetzt am <em>Center for Security and Emerging Technology<\/em> in Georgetown arbeitet, nahm 2016 an einem von der US-amerikanischen <em>Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA)<\/em> finanzierten Social-Media-Experiment teil. In seinem Artikel empfiehlt er, &bdquo;Kontakte zur technischen Medienforensik-Gemeinschaft&ldquo; aufzubauen, um sich f&uuml;r die &bdquo;Erforschung der psychologischen Dimensionen von Deepfakes&ldquo; Verst&auml;rkung zu holen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Bestimmte Operationen, die sich gegen die Zivilbev&ouml;lkerung richten, sind rechtm&auml;&szlig;ig&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das 2008 in Tallinn gegr&uuml;ndete <em>Cooperative Cyber Defence Centre<\/em> (CCD) ist eines der &auml;ltesten von der NATO akkreditierten Exzellenzzentren, das von einer Reihe von EU-NATO- und Nicht-EU-L&auml;ndern finanziert und personell ausgestattet wird. Es befasst sich mit den technischen Aspekten von Cyberkonflikten, Strategie und Recht. Seit 2009 finden hier j&auml;hrliche internationale Konferenzen zu diesen Themen statt, die Hunderte von Teilnehmern aus Milit&auml;r, Wissenschaft und Regierung nach Estland locken. Sie werden von US-amerikanischen Software-, Ger&auml;te- und Dienstleistungsunternehmen wie Microsoft gesponsert.<\/p><p>Das CCD erstellt die NATO-Richtlinien f&uuml;r die Cyberkriegsf&uuml;hrung, die im <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/catalogue\/catalogue.asp?isbn=9781107024434&amp;ss=exc\">Tallinn Handbuch<\/a> zusammengefasst sind. In seiner ersten Auflage enthielt das Handbuch 95 &bdquo;Regeln&ldquo;, die Staaten im Falle eines Cyberkonflikts einhalten m&uuml;ssen. Abgesehen von der &uuml;blichen Rhetorik &uuml;ber das Recht auf Selbstverteidigung ist das Dokument bemerkenswert f&uuml;r seine Auslegung von Cyberangriffen, die &bdquo;Personen verletzen oder t&ouml;ten oder Gegenst&auml;nde besch&auml;digen oder zerst&ouml;ren&ldquo; &ndash; man denke an Waffen wie die israelische Stuxnet, die gegen die iranische Infrastruktur eingesetzt wurde &ndash;, und die Ausnahmen, die es f&uuml;r den Krieg gegen Zivilisten vorsieht. &bdquo;Bestimmte Operationen, die sich gegen die Zivilbev&ouml;lkerung richten, sind rechtm&auml;&szlig;ig&ldquo;, hei&szlig;t es in Regel 31, darunter &sbquo;psychologische Operationen wie &hellip; Propagandasendungen&lsquo; oder &auml;hnliche Operationen &bdquo;im Rahmen der Cyberkriegsf&uuml;hrung&ldquo;. An anderer Stelle h&auml;lt das Handbuch<em> <\/em>den Einsatz von &sbquo;List&lsquo; und &sbquo;Falschinformationen&lsquo; f&uuml;r zul&auml;ssig.<\/p><p><strong>Rollenspiele f&uuml;r den Krieg<\/strong><\/p><p>Im Mittelpunkt der Aktivit&auml;ten des CCD steht die Organisation regelm&auml;&szlig;iger Milit&auml;r&uuml;bungen. <a href=\"https:\/\/ccdcoe.org\/news\/2020\/exercise-crossed-swords-2020-reached-new-levels-of-multinational-and-interdisciplinary-cooperation\/\">&bdquo;Crossed Swords&ldquo;<\/a> (gekreuzte Schwerter) wurde 2016 als sogenannte &bdquo;Red-Teaming&ldquo;-&Uuml;bung ins Leben gerufen, bei der die Teilnehmer Cyberangriffe simulieren und die F&auml;higkeit von Spezialeinheiten testen, eine offensive &bdquo;Cyberoperation in vollem Umfang&ldquo; durchzuf&uuml;hren.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\nAnm. der &Uuml;bersetzerin: Eine <strong>&bdquo;Red-Teaming&ldquo;-&Uuml;bung<\/strong> ist eine &Uuml;bung, bei der eine Organisation simulierte Angriffe oder Herausforderungen gegen ihre eigenen Systeme, Pl&auml;ne oder Strategien durchf&uuml;hrt, um Schwachstellen aufzudecken und die Widerstandsf&auml;higkeit zu verbessern. Ein &bdquo;Red Team&ldquo; (rotes Team) &uuml;bernimmt dabei die Rolle eines Gegners, der versucht, wie ein externer Angreifer oder Konkurrent zu denken. Zum Beispiel wird in der Cybersicherheit ein Red Team versuchen, in die Sicherheitssysteme der Organisation einzudringen, genau wie ein echter Hacker es tun w&uuml;rde. Das Ziel ist es, Schwachstellen zu entdecken und zu testen, wie gut die Verteidigungsmechanismen (meistens durch das &bdquo;Blue Team&ldquo;, also das blaue Team, dargestellt) auf diese Angriffe reagieren, sie erkennen und abschw&auml;chen k&ouml;nnen.\n<\/div><p>Seit 2018 wurden diese Milit&auml;r&uuml;bungen deutlich ausgeweitet und umfassen nun auch den &bdquo;cyberkinetischen&ldquo; Einsatz des Milit&auml;rs &ndash; ein Bereich der Cyberkriegsf&uuml;hrung, der der Infrastruktur oder dem Personal echten Schaden zuf&uuml;gen kann. Solche &Uuml;bungen gehen eindeutig &uuml;ber den angeblich defensiven Auftrag des CCD hinaus.<\/p><p><a href=\"https:\/\/ccdcoe.org\/exercises\/locked-shields\/\">&bdquo;Locked Shields&ldquo;<\/a>, das 2010 ins Leben gerufen wurde, ist heute eine der gr&ouml;&szlig;ten milit&auml;rischen Cyber&uuml;bungen der Welt, an der Teilnehmer aus Gruppen sogenannter &bdquo;Computer Emergency Response&ldquo; (Reaktion auf Computer-\/IT-Notf&auml;lle)-Teams teilnehmen, um &bdquo;die gesamte Komplexit&auml;t eines massiven Cybervorfalls&ldquo; zu simulieren. Neben Akademikern nehmen auch Delegierte des Milit&auml;rs, von Verteidigungsministerien und Polizeibeh&ouml;rden &ndash; darunter das FBI &ndash; an dem Kriegsspiel teil. Journalisten sind eingeladen, sich selbst zu verk&ouml;rpern, um dem Rollenspiel Authentizit&auml;t zu verleihen. Auch private kommerzielle Interessen sind vertreten: Das CCD hat beispielsweise formelle <a href=\"https:\/\/press.siemens.com\/global\/de\/pressemitteilung\/siemens-und-nato-ccdcoe-vertiefen-zusammenarbeit-bei-cybersicherheit-fuer\">Vertr&auml;ge mit Siemens<\/a>, die die Nutzung seiner Hard- und Software erm&ouml;glichen, w&auml;hrend das Unternehmen seinerseits die Simulationen nutzt, um seine eigenen Schwachstellen zu untersuchen.<\/p><p>In den letzten Jahren hat das CCD Angriffe auf einen Milit&auml;rflughafen, Energieversorgungssysteme und zentrale Computernetzwerke simuliert, ebenso wie Vandalismus auf Websites, die Verbreitung von Falschmeldungen, Datendiebstahl, die &Uuml;bernahme von Milit&auml;rdrohnen und die Entf&uuml;hrung von Flugzeugbetankungssystemen.<\/p><p>Im Jahr 2019 simulierte die &Uuml;bung die Verwendung von Desinformation, um &bdquo;Zweifel zu s&auml;en&ldquo;, und schickte Verteidigungsteams los, um ihrem Eindringen &uuml;ber soziale und traditionelle Medienkan&auml;le entgegenzuwirken. Wie StratCom profitiert auch das CCD von seinen Verbindungen zu US-amerikanischen Denkfabriken und Spionageagenturen: Zu seinen prominenten Botschaftern geh&ouml;rt Kenneth Geers, ein Stipendiat des Atlantic Council, der jahrelang f&uuml;r die NSA und die US-Marine gearbeitet hat und als &bdquo;Analyst f&uuml;r globale Bedrohungen&ldquo; bei FireEye, einem kalifornischen privaten Sicherheitsunternehmen, t&auml;tig war.<\/p><p>Dann gibt es auch noch die 2005 gegr&uuml;ndete Denkfabrik GLOBSEC (kurz f&uuml;r Global Security, also Globale Sicherheit) mit Sitz in Bratislava, die Nachfolgerin der Slowakischen Atlantischen Kommission, die 1993 gegr&uuml;ndet wurde, um den Beitritt der Slowakei zur NATO zu unterst&uuml;tzen. Im Gegensatz zu den Exzellenzzentren ist sie nicht offen auf die Ausbildung des Milit&auml;rs und der nationalen Sicherheitsapparate der NATO-Staaten ausgerichtet, sondern richtet sich eher an mittel- und osteurop&auml;ische L&auml;nder, wo sie die Konsolidierung und Erweiterung der NATO unterst&uuml;tzt, indem sie transatlantisch ausgerichtete nationale Kr&auml;fte in die Kreisl&auml;ufe des transatlantischen Kapitals und der offiziellen Stellen integriert. Dies ist der Zweck ihres regelm&auml;&szlig;igen &bdquo;Forums&ldquo;, das GLOBSEC als &bdquo;die herausragende internationale Strategiekonferenz an der Front einer wieder geteilten Welt&ldquo; bezeichnet. (Auf dem Treffen 2021 fand eine Diskussion zwischen Victoria Nuland und dem Moskauer Korrespondenten der <em>New York Times<\/em> sowie eine Sitzung mit dem Stabschef von Alexej Nawalny mit dem Titel &bdquo;Demokratischer Wandel in Russland: Wie kann man die Chancen erh&ouml;hen?&ldquo; statt.)<\/p><p><strong>Die Geschichtenerz&auml;hlung der NATO<\/strong><\/p><p>Als NATO-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg die Werbekampagne &bdquo;NATO 2030&ldquo; ank&uuml;ndigte, steuerte GLOBSEC eine Reihe zum Thema &bdquo;Geopolitischer Wettbewerb in der Informationslandschaft&ldquo; bei. Darin wurde eine verst&auml;rkte &ouml;ffentlich-private Zusammenarbeit zur Bek&auml;mpfung Russlands und Chinas gefordert und behauptet, dass die NATO die Subventionierung kleiner und mittlerer Unternehmen und NGOs beschleunigen m&uuml;sse. Zu diesem Zweck wurde Rigas StratCom als Kanal vorgeschlagen; es k&ouml;nnte &bdquo;eine verst&auml;rkte Interaktion mit den B&uuml;rgern eingehen, einschlie&szlig;lich der Bek&auml;mpfung von Desinformation und der F&ouml;rderung der Medienkompetenz und mehr&ldquo;. Die Denkfabrik kam auch zu dem Schluss, dass die &bdquo;Geschichtenerz&auml;hlung der NATO&ldquo; gesch&auml;rft werden m&uuml;sse. Als Erg&auml;nzung zu ihrer regelm&auml;&szlig;igen Ver&ouml;ffentlichung von Sachmedien sollte sie in Erw&auml;gung ziehen, in die Belletristik einzusteigen und Studios und Verlage f&uuml;r die Produktion von Filmen, B&uuml;chern und Videospielen zu gewinnen. Die NATO sollte in &bdquo;popul&auml;ren Hollywood-Filmen oder Online-Streaming-Reihen&ldquo; auftreten und eine gr&ouml;&szlig;ere Anzahl &bdquo;kreativer und unkonventioneller Vertreter&ldquo; gewinnen. Kein Akteur der Kulturindustrie darf vernachl&auml;ssigt werden.<\/p><p>Die Wissenschaft ist ein weiterer Bereich, in dem GLOBSEC aktiv ist. Das Stipendienprogramm &bdquo;Slovak Aid&ldquo; integriert belarussische Fachleute in die Reihen des kapitalistischen Managements, indem es ihnen slowakische Mentoren zuweist &ndash; n&auml;mlich die &Ouml;konomen und Industriellen, die f&uuml;r die schockartige Liberalisierung der 1990er-Jahre verantwortlich waren. Die Au&szlig;enposten von GLOBSEC auf dem Westbalkan fungieren als PR-Arm der NATO-Osterweiterung und haben zuletzt dazu beigetragen, die Aufnahme Nordmazedoniens (in die NATO, Anm. d. &Uuml;bersetzerin) im Jahr 2020 zu erleichtern.<\/p><p><strong>Zeitgen&ouml;ssischer Militarismus<\/strong><\/p><p>Trotz aller Rhetorik &uuml;ber einen &bdquo;neuen Kalten Krieg&ldquo; unterscheiden sich die politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Koordinaten des zeitgen&ouml;ssischen Militarismus von denen des 20. Jahrhunderts. Der Neoliberalismus bleibt ein globaler <em>&bdquo;pens&eacute;e unique<\/em>&ldquo; (einzige Denkweise), wie sehr sein Ruf auch durch aufeinanderfolgende Wirtschaftskrisen besch&auml;digt sein mag. Und die gr&ouml;&szlig;ten M&auml;chte in der aktuellen Konfrontation &ndash; die USA, Russland und China &ndash; sind entweder in milit&auml;rischen Angelegenheiten ungleicher geworden (USA-Russland) oder sie sind in einem weitaus fragileren Regime der globalen Kapitalakkumulation im Wesentlichen voneinander abh&auml;ngig geworden (USA-China).<\/p><p>Staaten m&uuml;ssen sich auch mit einer Reihe interner Spannungen auseinandersetzen. Eine davon ist die wachsende Unf&auml;higkeit fast aller Gesellschaften, angemessene Besch&auml;ftigungs- und Lebensstandards f&uuml;r gro&szlig;e Teile ihrer Bev&ouml;lkerung zu schaffen &ndash; wie man an den &bdquo;Rostg&uuml;rteln&ldquo; (ehemaligen Industriegebieten) sowohl in China als auch in den USA, im Hinterland Europas und an dem sozialen Abstieg gebildeter st&auml;dtischer Bev&ouml;lkerungsschichten sehen kann. Die politischen Folgen sind, dass Staaten mit der Erosion der Legitimit&auml;t und dem Ansteigen von &bdquo;populistischer&ldquo; oder anderer Unzufriedenheit konfrontiert sind. Die nachlassende Wirtschaftsleistung hat dazu gef&uuml;hrt, dass das Kapital immer direkter vom Staat abh&auml;ngig wird: Wo rentable Investitionen in die Produktion schwierig sind, hat sich die Umverteilung nach oben durch Korruption durchgesetzt &ndash; ein Prozess, den Robert Brenner <a href=\"https:\/\/newleftreview.org\/issues\/ii123\/articles\/robert-brenner-escalating-plunder\">anatomisch seziert<\/a> hat. Die staatsn&auml;chsten Kapitalsektoren &ndash; der Finanzsektor sowie die Sektoren, die das Milit&auml;r, die Polizei und die Geheimdienste umgeben &ndash; werden wirtschaftlich profitieren, aber sie antizipieren, dass die Gesellschaft ohne ein h&ouml;heres Ma&szlig; an Repression immer schwerer zu kontrollieren sein wird. Bem&uuml;hungen, die Herrschaft durch Zustimmung zu sichern, sto&szlig;en heute auf innenpolitischen und internationalen Widerstand, da die Interessen konkurrierender Bereiche innerhalb der nationalen Volkswirtschaften sowohl untereinander als auch mit internationalen Konkurrenten in Konflikt stehen. Das Ergebnis ist eine st&auml;rkere Konzentrierung f&uuml;r mit der Politik gut vernetzte Unternehmen und eine Tendenz zur Konfrontation im Ausland.<\/p><p>In den USA gibt es dar&uuml;ber noch eine Schicht imperialer Strategen, die sich der Einhegung und Kontrolle Chinas sowie der Integration Russlands in den amerikanischen Einflussbereich verschrieben haben. Bis 2018 haben nur wenige mit einem Krieg zwischen Amerika und seinem eurasischen Rivalen gerechnet. Heute sind ihre unabh&auml;ngigen und unkooperativen Entwicklungswege &ndash; erzwungen durch die wirtschaftlichen Realit&auml;ten, die alle Gesellschaften unter Druck setzen &ndash; zu einer unvermeidlichen Quelle von Reibung geworden. Eine koordinierte Aufwertung des Yuan oder ein Anstieg der chinesischen L&ouml;hne k&ouml;nnte die Wettbewerbsf&auml;higkeit der US-amerikanischen Fertigungsindustrie steigern, w&uuml;rde aber das welthistorische exportorientierte Wachstumsmodell der VR China untergraben, das darauf angewiesen ist, niedrigste Arbeitskosten mit High-Tech-Fertigung zu kombinieren. Gleichzeitig behindert die versch&auml;rfte US-Politik gegen&uuml;ber Russland den profitablen Export von Werkzeugmaschinen und Dienstleistungen aus Deutschland nach China &ndash; indem sie dessen Industrie der billigen Energie beraubt. Dies war aber Deutschlands Lebensader w&auml;hrend der Eurokrise des letzten Jahrzehnts.<\/p><p>Da die Beziehungen zwischen den wichtigsten Zonen des globalen Kapitalismus in eine offene und anhaltende Feindschaft gekippt sind, hat die Gestaltung der europ&auml;ischen &ouml;ffentlichen Meinung an Bedeutung gewonnen. Washington ist durch den inl&auml;ndischen und internationalen Druck, der aus einem Nullsummenspiel zwischen nationalen Herstellern und auf verschiedenen Sektoren resultiert, &uuml;berfordert und daher um die Konsolidierung Europas als atlantische Hochburg bem&uuml;ht. Hier fungiert die Ukraine als &bdquo;geopolitischer Dreh- und Angelpunkt&ldquo;, wie Brzezinski es ausdr&uuml;ckte. Ohne sie &bdquo;h&ouml;rt Russland auf, ein eurasisches Imperium zu sein&ldquo;.<\/p><p><strong>Das von Washington verordnete Schicksal annehmen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r einige gro&szlig;e europ&auml;ische Unternehmen hat dieses Sicherheitsprogramm klare wirtschaftliche Vorteile. Aber f&uuml;r die Mehrheit der europ&auml;ischen Bev&ouml;lkerung, die aufgefordert wird, &bdquo;f&uuml;r den Frieden zu frieren&ldquo;, wird es viele Opfer verlangen. Die Zerst&ouml;rung lebenswichtiger heimischer Industrien und die Inflation der Milit&auml;rbudgets folgen der jahrzehntelangen Sparpolitik, die dem Sozialstaat auferlegt wurde. In diesem Zusammenhang m&uuml;ssen auch die Anordnungen zur Intensivierung des &bdquo;memetischen&ldquo;, psychologischen und Informationskriegs verstanden werden (Anm. der &Uuml;bersetzerin: &bdquo;Memetischer Krieg&ldquo; bedeutet die gezielte Verbreitung von kulturellen Elementen, Ideen und Narrativen, um Meinungen, &Uuml;berzeugungen oder Verhaltensweisen in der Gesellschaft zu beeinflussen). Die digitalen Sabotage&uuml;bungen des CCD und seiner Partner zeigen, dass die NATO-Propaganda letztlich darauf abzielt, die Bev&ouml;lkerung der Klientelstaaten (d.h. Staaten, die politisch, wirtschaftlich oder milit&auml;risch von einer anderen, oft m&auml;chtigeren Nation abh&auml;ngig sind) f&uuml;r ihr von Washington verordnetes Schicksal gef&uuml;gig zu machen. Seit dem Krieg gegen den Terror hat sich das B&uuml;ndnis als beeindruckend anpassungsf&auml;hig erwiesen und aus seinen selbst diagnostizierten Fehlern in raffinierter Weise gelernt. Antikriegsinitiativen sollten sich dar&uuml;ber klar werden und sich auf die neuen harten Bandagen in der Auseinandersetzung um Krieg oder Frieden gefasst machen.<\/p><p><em>Dieser Artikel wurde zuerst im englischen Original am 5. Mai 2023 auf dem Blog &bdquo;Sidecar&ldquo; der britischen Zeitschrift <a href=\"https:\/\/newleftreview.org\/sidecar\/posts\/natos-fabulators\">New Left Review<\/a> ver&ouml;ffentlicht, er st&uuml;tzt sich auf die Ergebnisse eines <a href=\"https:\/\/left.eu\/issues\/rhetoric-and-reality-of-disinformation-in-the-european-union\/\">Berichts aus dem Jahr 2021<\/a>, der von der Linken im Europ&auml;ischen Parlament in Auftrag gegeben wurde.<\/em><\/p><p><em>&Uuml;ber den Autor: <strong>Joshua Rahtz<\/strong> ist ein US-amerikanischer Historiker. Er hat an der University of California, Los Angeles, in Geschichte promoviert. Derzeit lehrt er in Berlin.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ PX Media<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123508\">Er&ouml;ffnung des neuen Hauptquartiers f&uuml;r die NATO in Rostock: &bdquo;Vereint stehen wir, vereint k&auml;mpfen wir&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114263\">Florian Warweg interviewt Sevim Dagdelen: NATO-Mythen und die Klage &bdquo;wegen Beihilfe zum V&ouml;lkermord&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123523\">Wieder ein Beispiel f&uuml;r den desolaten Zustand der Tagesschau und f&uuml;r die fortw&auml;hrende Russen-Hetze<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123405\">&bdquo;Von Panzern zu Tweets&ldquo; &ndash; Wie wir in den Informationskrieg gerieten<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/42eea654e1b44d78b988975b8e1b21f6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kampf um unsere K&ouml;pfe ist in vollem Gange. &Uuml;ber &bdquo;russische Desinformation&ldquo; werden wir ausreichend, wenn auch nicht immer zuverl&auml;ssig informiert. 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