{"id":1236,"date":"2006-04-28T16:21:47","date_gmt":"2006-04-28T14:21:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1236"},"modified":"2016-02-11T11:52:02","modified_gmt":"2016-02-11T10:52:02","slug":"perspektive-deutschland-ein-neues-tarnwort-wurde-erfunden-die-soziale-leistungsgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1236","title":{"rendered":"\u201eperspektive deutschland\u201c. Ein neues Tarnwort wurde erfunden: Die \u201esoziale Leistungsgesellschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Mehrheit der Deutschen fordert eine energische Modernisierung ihres Landes. Drei Viertel der Bundesb&uuml;rger sind der Meinung, dass die Reformen der vergangenen Jahre nicht ausreichen. Gro&szlig;e Einigkeit auch bei der Richtung der Ver&auml;nderung: 83 Prozent sprechen sich f&uuml;r eine bessere Belohnung von Leistung aus, 54 Prozent pl&auml;dieren f&uuml;r weniger Staat mit einer st&auml;rkeren privaten Risikoabsicherung. Gleichzeitig w&uuml;nscht sich der Gro&szlig;teil mehr sozialen Ausgleich und nimmt den Staat in den Bereichen Gesundheit, Rente und Bildung in die Pflicht.&ldquo; So fasst die <a href=\"http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/#topmenu\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/#topmenu\">&bdquo;Perspektive Deutschland&ldquo;<\/a>, eine Initiative von McKinsey, Stern, ZDF und WEB.DE ihre neueste Online-Umfrage zusammen, an der sich 620.000 Menschen beteiligt haben sollen.<br>\nEin typisches Beispiel einer politisch einseitigen Propagandakampagne, in der mit unseri&ouml;sen Umfrageergebnissen Gehirnw&auml;sche zugunsten des herrschenden &bdquo;Reform&ldquo;-Kurses betrieben werden soll.<br>\n<!--more--><br>\n&Uuml;ber die (inzwischen 5) zur&uuml;ckliegenden Umfragen der selbsternannten &bdquo;perspektive deutschland&ldquo; haben wir mehrfach berichtet:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Wie man des Volkes Meinung ins Gegenteil verkehrt&ldquo;: &bdquo;Mehr sozialen Ausgleich&ldquo; fordern die Deutschen &ndash; &uuml;ber ein klares Bekenntnis zu Reformen wird berichtet&ldquo;. (Umfrage 2005)<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2005\/18\/05180201.php\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.freitag.de\/2005\/18\/05180201.php\">Freitag<\/a><\/li>\n<li>&bdquo;Perspektive Deutschland 2004&ldquo;, eine Umfrage, die exemplarisch ist f&uuml;r die Umdeutung von Kritik an der &bdquo;Reform&ldquo;-Politik in die Forderung nach weiter gehenden Reformen.<br>\nQuelle: <a href=\"?p=287\">NachDenkSeiten vom 28.4.2005<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Auch die tendenzi&ouml;sen Fragestellungen und &uuml;ber die suggestiv vorgegebenen Antworten dieser angeblich &bdquo;repr&auml;sentativen&ldquo; Umfragen haben wir informiert.<br>\nQuelle: <a href=\"?p=317\">NachDenkSeiten vom 22.10.2005<\/a><br>\nQuelle: <a href=\"?p=302\">NachDenkSeiten vom 18.12.2005<\/a><\/p><p>Zur Erinnerung nur ein Beispiel: Der Umfrageteilnehmer wurde gefragt, ob er &bdquo;mehr Markt&ldquo; oder &bdquo;mehr Staat&ldquo; m&ouml;chte. Zur Erl&auml;uterung der Alternative wurde behauptet, dass bei mehr Markt die Wirtschaft schneller wachse, bei mehr Staat es jedoch weniger Wachstum g&auml;be (vgl. Schaubild 8 S. 28 des vorl&auml;ufigen <a href=\"http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/files\/presse_2006\/pd5-Projektbericht.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/files\/presse_2006\/pd5-Projektbericht.pdf\">Projektberichtes [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a>).<\/p><p>Dreimal d&uuml;rfen Sie raten, was bei dieser Alternative mit ihren suggestiv vorgegebenen, unsinnigen Konsequenzen als Umfrageergebnis herauskam:<br>\n61% sprachen sich f&uuml;r &bdquo;mehr Markt&ldquo; und 12% f&uuml;r &bdquo;mehr Staat&ldquo; aus. H&auml;tten Sie sich etwa f&uuml;r weniger Wachstum und mehr Arbeitslosigkeit ausgesprochen? (&Uuml;brigens zu den 12% geh&ouml;rte ich und eine Vielzahl unserer Leserinnen und Leser.) Man k&ouml;nnte diese Beispiele, wie mit Tendenzfragen ein vorgefasstes Ergebnis best&auml;tigt werden sollte, beliebig fortsetzen. Das war nicht nur bei der letzten Umfrage so.<\/p><p>Es ist nicht zu viel gesagt, dass mit diesen Umfragen immer das oben zitierte erw&uuml;nschte politische Ergebnis herauskommen kann.<br>\nMan sollte deshalb besser und genauer nicht von einer Meinungsumfrage sprechen, sondern von einer Umfrage, mit der sich McKinsey und die Initiatoren ihre neoliberalen Vorurteile best&auml;tigen lassen.<\/p><p>Aber da die Befragten nicht so bl&ouml;d und leichtgl&auml;ubig sind, wie die Befrager meinen, kommen dennoch Ergebnisse heraus, die der &bdquo;perspektive deutschland&ldquo; so gar nicht schmecken. Man k&ouml;nnte und muss eigentlich bei fairer Interpretation n&auml;mlich zu einer den Intentionen der Befragung geradezu gegenteiligen Interpretation der Umfrageergebnisse kommen:<\/p><p>Etwa dass die Deutschen zunehmend f&uuml;r mehr soziale Gerechtigkeit eintreten, denn 76% der mitmachenden B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger sind der Ansicht, dass die sozialen Unterschiede schrumpfen sollten. Im Vorjahr hatten nur 57% f&uuml;r geringere soziale Unterschiede pl&auml;diert (S. 7).<br>\nSelbst unter den tendenzi&ouml;sen Fragealternativen sprechen sich noch 38% f&uuml;r mehr staatliche Verantwortung bei der sozialen Sicherheit aus und nur 37% f&uuml;r mehr &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo;. Im Vorjahr war das Verh&auml;ltnis noch umgekehrt 43% waren f&uuml;r mehr &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; und nur 32% f&uuml;r mehr staatliche Verantwortung. Man k&ouml;nnte, ja man m&uuml;sste daraus geradezu den Schluss ziehen, dass die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die &bdquo;Reformen&ldquo; (die ja alle auf mehr angebliche Eigenverantwortung zielen) deutlich nachgelassen hat.<br>\nAber die Umfragemacher ziehen daraus den gegenteiligen Schluss.<\/p><p>Auch hinsichtlich des Vertrauens der Befragten in die &bdquo;Reformen&ldquo; k&ouml;nnte man zu ganz anderen Ergebnisse kommen, als die Befrager vorgeben:<\/p><p>So geht etwa beinahe die H&auml;lfte davon aus, dass die bisherigen &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo; nichts bringen, ja dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt noch verschlechtern wird (S. 9). Die H&auml;lfte der Teilnehmer h&auml;lt die bisherigen &bdquo;Reformen&ldquo; nicht f&uuml;r erfolgreich und kaum jemand (15%) glaubt davon profitieren zu k&ouml;nnen (S. 34).<\/p><p>Dass die Menschen noch Vertrauen in die Renten- und Gesundheits-&bdquo;Reformen&ldquo; h&auml;tten, l&auml;sst sich nun beim besten Willen auch nicht gerade sagen:<br>\n&bdquo;Knapp zwei Drittel der Befragten erwarten, dass sich das Leistungsangebot der staatlichen Sicherungssysteme verschlechtern wird (60%) (S.62). Fast ebenso viele Menschen bef&uuml;rchten, im Alter f&uuml;r Lebensunterhalt und Gesundheitskosten nicht mehraufkommen zu k&ouml;nnen (58%)&ldquo; (S. 11). 69% der Menschen mit einem Nettohaushaltseinkommen von unter 2000 Euro bef&uuml;rchten gar Altersarmut (S. 62). <\/p><p>Das zeigt, warum 83% der Befragten bei der Rentenversicherung und 75% bei der gesetzlichen Krankenversicherung einen dringenden Verbesserungsbedarf sehen (S.63).<br>\nR&uuml;ckl&auml;ufig zu den Vorjahren meint nur eine Minderheit von insgesamt 37%, das die Risiken privat getragen werden sollten, w&auml;hrend 56% eher f&uuml;r die Beibehaltung des Sozialstaates pl&auml;dieren und der Ansicht sind, es soll wenigstens so bleiben wie es ist (18%), ja der Staat sollte sogar viel mehr Lebensrisiken absichern (38%) (S. 31). <\/p><p>Die Zahl derjenigen, die sich &bdquo;f&uuml;r eine umfassende Absicherung durch die gesetzliche Krankenversicherung&ldquo; hat gegen&uuml;ber den letzten Umfragen deutlich abgenommen. 53% sprechen sich f&uuml;r eine solidarisch finanzierte einkommensabh&auml;ngige Finanzierung des Gesundheitswesens aus und nur 38% f&uuml;r Kopfpauschalen. (S. 12)<br>\n&bdquo;Die Mehrheit entscheidet sich f&uuml;r eine umfassende, staatlich garantierte soziale Sicherung. Und eine knappe Mehrheit m&ouml;chte, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung so umfassend wie heute bleiben, auch wenn das weiter steigende Beitr&auml;ge mit sich bringt&ldquo;, hei&szlig;t es im Kleingedruckten (S.32).<br>\n&bdquo;Im Jahr 2005 ist der Ruf nach staatlicher Absicherung von Lebensrisiken lauter geworden&ldquo; hei&szlig;t es in einer Zwischen&uuml;berschrift (S.63).<\/p><p>Angesichts solcher Einsch&auml;tzungen mahnt verst&auml;ndlicher Weise eine gro&szlig;e Mehrheit Reformen bei der Rente und bei der gesetzlichen Krankenversicherung an (S.38), der Druck zielt aber auf ganz andere Reformen als solche, wie sie die &bdquo;perspektiven deutschland&ldquo; vorgeben und die mit der &bdquo;Agenda begonnen haben&ldquo; (so B&ouml;rsch-Supan S. 33), n&auml;mlich auf mehr staatliche Vorsorge und nicht auf Privatisierung und Eigenverantwortung.<br>\nIn einer Gegen&uuml;berstellung von privater und staatlicher Vorsorge sprechen sich insgesamt 48% f&uuml;r eine (eher) umfassende Absicherung durch den Staat aus, finanziert durch einkommensabh&auml;ngige Steuern und Beitr&auml;ge. Dieses Ergebnis &uuml;berrascht auch schon deshalb nicht, weil etwa die H&auml;lfte der Befragten angibt, dass ihnen kaum genug Geld &uuml;brig bleibt, um zus&auml;tzlich private Altersvorsorge zu betreiben(51%) (S. 68). Eine m&ouml;gliche Erh&ouml;hung von Steuern und Beitr&auml;gen nehmen die Befragten dabei ausdr&uuml;cklich in Kauf (S. 65). <\/p><p>Wie wenig die B&uuml;rger etwa von der &bdquo;Reform&ldquo; halten, die Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre zu erh&ouml;hen, zeigt sich darin, dass nur 17% das f&uuml;r eine &bdquo;geeignete Ma&szlig;nahme zur Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung&ldquo; ansehen. (S. 11)<\/p><p>Auch an einen Erfolg der Arbeitsmarkt-&bdquo;Reformen&ldquo; glaubt kaum jemand, knapp die H&auml;lfte macht sich inzwischen sogar pers&ouml;nlich Sorgen um den Verlust des Arbeitsplatzes (S.25). Kein Wunder also, dass 75% f&uuml;r den Arbeitsmarkt dringenden Handlungsbedarf sehen (S.40). Als wichtigste Voraussetzung f&uuml;r das Entstehen neuer Arbeitspl&auml;tze sehen die H&auml;lfte der Teilnehmer eine gute Nachfrage in ihrer Branche und je ein knappes Drittel innovative Produkte und ein gutes Management (S.42).<br>\nAn einen Erfolg der Hartz-Gesetze glaubt offenbar kaum einer der Teilnehmer.<\/p><p>Und wie wenige die Befragten von &bdquo;noch weiter gehenden Reformen&ldquo; halten, zeigt sich darin, dass 73% nicht daran glauben, dass durch die von der neuen Bundesregierung geplante Lockerung des K&uuml;ndigungsschutzes und einer Ausweitung der Probezeit auf 24 Monate in ihrem Betrieb neue Arbeitspl&auml;tze geschaffen w&uuml;rden (S. 46). Sogar lediglich 7% der befragten Arbeitslosen meinen, dass der K&uuml;ndigungsschutz in der heutigen Form Besch&auml;ftigungsangebote f&uuml;r Arbeitslose verhindere (S. 47).<\/p><p>Wie man aus solchen Umfrageergebnissen res&uuml;mieren kann, den Deutschen gingen die &bdquo;Reformen&ldquo; (gedacht ist dabei immer an die bisherigen &bdquo;Reformen&ldquo;) nicht weit genug und 8 von 10 B&uuml;rgern wollten, dass der Reformprozess z&uuml;gig vorangetrieben wird. Das l&auml;sst sich nur noch mit ideologischer Verbohrtheit und der offensichtlichen Absicht zur Meinungsmanipulation erkl&auml;ren.<\/p><p>Um die Diskrepanz zwischen den Umfrageergebnissen und den erw&uuml;nschten politischen Botschaften zur verdecken, schafft man ein neues Tarnwort: &bdquo;die soziale Leistungsgesellschaft&ldquo;.<br>\nDie Deutschen wollten eben beides: &bdquo;zum einen eine st&auml;rkere Leistungsorientierung und &ldquo;mehr Markt&rdquo;, zum anderen aber auch eine Sicherung des sozialen Ausgleichs.&ldquo; Die Quadratur des Kreises also.<\/p><p>Die Initiatoren der &bdquo;perspektiven deutschland&ldquo; setzen wohl darauf, dass sich kaum einer die Studie um Detail ansieht. Sie bauen darauf, dass allenfalls ihre <a href=\"http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/#topmenu\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/#topmenu\">Presseerkl&auml;rung<\/a> in der &Ouml;ffentlichkeit kommuniziert wird. Und dort lautet das Fazit:<\/p><blockquote><p>Die Mehrheit der Deutschen fordert eine energische Modernisierung ihres Landes.<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung: Wo kommt der Begriff &bdquo;Modernisierung&ldquo; in der Umfrage vor? Woraus wird eine Mehrheit daf&uuml;r abgeleitet und durch welche Befragungsergebnisse gest&uuml;tzt? Die Initiatoren der &bdquo;perspektive deutschland&ldquo; setzen darauf, dass unter &bdquo;Modernisierung&ldquo; das verstanden wird, was man mit der bisherigen &bdquo;Reformpolitik&ldquo; betreibt. Mit diesem Fazit, wollen sie der &Ouml;ffentlichkeit vorspiegeln, dass die Mehrheit diese Art der &bdquo;Modernisierung&ldquo; fordert.<\/p><blockquote><p>Drei Viertel der Bundesb&uuml;rger sind der Meinung, dass die Reformen der vergangenen Jahre nicht ausreichen.<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung: Die Umfrage zeigt eher das Gegenteil, n&auml;mlich dass die Teilnehmer der Meinung sind die &bdquo;Reformen der vergangenen Jahr&ldquo; haben nichts gebracht, sie machen ihnen Angst und ihre eigene Perspektive f&uuml;r Deutschland ist eher voller Sorge. Wie vorstehend gezeigt wurde, fordern sie viel eher eine R&uuml;ckkehr und einen Ausbau des Sozialstaates, statt seines Abbaus.<\/p><blockquote><p>Gro&szlig;e Einigkeit auch bei der Richtung der Ver&auml;nderung: 83 Prozent sprechen sich f&uuml;r eine bessere Belohnung von Leistung aus, 54 Prozent pl&auml;dieren f&uuml;r weniger Staat mit einer st&auml;rkeren privaten Risikoabsicherung.<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung: Das ist eine schlichte Fehlinterpretation, um nicht zu sagen eine Irref&uuml;hrung der &Ouml;ffentlichkeit, wenn man sich etwa nur die Umfragewerte zur Alternative zwischen staatlicher und privater Risikoabsicherung ansieht.<\/p><blockquote><p>Gleichzeitig w&uuml;nscht sich der Gro&szlig;teil mehr sozialen Ausgleich und nimmt den Staat in den Bereichen Gesundheit, Rente und Bildung in die Pflicht.<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung: Einmal abgesehen, dass nicht ein Gro&szlig;teil sondern eine deutliche Mehrheit diesen Wunsch &auml;u&szlig;ert, ist dies das eigentliche Ergebnis der Studie. Dieses Ergebnis wird jedoch in den Hintergrund geschoben, weil es nicht zu der Botschaft passt, die die &bdquo;Perspektive Deutschland&ldquo; verbreiten will.<\/p><p>Machen Sie doch einfach mal den Test und &bdquo;googeln&ldquo; Sie unter dem Suchwort &bdquo;Perspektive Deutschland&ldquo; und stellen Sie selbst fest, wie oft Sie diese S&auml;tze nachgedruckt lesen k&ouml;nnen. Sie werden erkennen, dass die Methode der Meinungsbeeinflussung erfolgreich ist. (Eine l&ouml;bliche Ausnahme macht diesmal der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,413132,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,413132,00.html\">SPIEGEL<\/a>).<\/p><p>Man fragt sich was die Initiatoren antreibt einen solchen Aufwand zu betreiben um Botschaften zu verk&uuml;ndigen, die man doch t&auml;glich von den einschl&auml;gigen PR-Agenturen und Experten des neoliberalen Reformkurses h&ouml;ren kann, von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; bis hin zu unseren bekannten &bdquo;Experten&ldquo;:<\/p><p>McKinsey erz&auml;hlt doch auch sonst immer nur diese Story, von den Reformnotwendigkeiten. Nun gut, f&uuml;r die ist diese Studie eine Marketing-Ma&szlig;nahme. Was hat aber der &bdquo;Stern&ldquo; und das &bdquo;ZDF&ldquo; veranlasst, nun schon zum wiederholten Male eine so teure Umfrage zu finanzieren, mit der offenkundig politisch einseitige Propaganda zu machen versucht wird?<\/p><p>Besonders entt&auml;uschend ist, dass sich Altbundespr&auml;sident Richard von Weizs&auml;cker als &bdquo;Schirmherr&ldquo; f&uuml;r diese Kampagne hergibt. Der sich sonst so redlich Gebende d&uuml;mpelt zwar in seinem Statement hin und her, um dann v&ouml;llig widersinnig die &bdquo;mutige&ldquo; Fortf&uuml;hrung des &bdquo;Reformkurses&ldquo; zu fordern:<br>\n&ldquo;Die Ergebnisse von Perspektive-Deutschland sind eine anspruchsvolle Mischung scheinbar widerspr&uuml;chlicher Elemente. Diese Kombination von links und rechts, dieses Sowohl-als-auch statt des polarisierenden Entweder-oder kennzeichnet eine neue Entwicklung &ndash; die soziale Leistungsgesellschaft. Es gilt nun, den begonnenen Reformkurs mutig fortzuf&uuml;hren, dabei aber das Ziel des sozialen Ausgleichs nicht aus den Augen zu verlieren. Der deutliche Auftrag an die Politik lautet, die sozialen Ziele nicht aufzugeben, aber Anreize zu schaffen, die das private Angebot zur Leistung f&ouml;rdern.&rdquo;<\/p><p>Leider ein typisches Beispiel f&uuml;r die herrschende Korruption des Denkens und der Sprache: &bdquo;Soziale Leistungsgesellschaft&ldquo;.<\/p><p>Am Rande bemerkt:<\/p><ul>\n<li>Auch diese Umfrage bezweifelt die h&auml;ufig genannte Zahl, wonach in Westdeutschland 43% und in Ostdeutschland immerhin noch 24% der Akademikerinnen kinderlos seien, sie kommt auf einen deutlich niedrigeren Wert von 30 % (S.78).<\/li>\n<li>Entgegen der inzwischen allgemein verbreiteten Behauptung und trotz der auch hier tendenzi&ouml;sen Fragestellung der Online-Umfrage sprechen sich nur 39% der Befragten sprechen daf&uuml;r aus, dass Studenten Studiengeb&uuml;hren bezahlen m&uuml;ssen sollten. 52% wollen es wie bisher belassen und von den Studierenden sind es sogar 75% (S. 100).<\/li>\n<li>Die wohlfeilen Parolen &uuml;ber die Privatisierung der Hochschulen (3%)und &uuml;ber mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen (11%) finden offenbar &uuml;berhaupt keinen Anklang (S. 99).<\/li>\n<\/ul><p>Und noch etwas Interessantes: Beim wissenschaftlichen Beirat dieser &bdquo;perspektive peutschland&ldquo; (S.132 f.), treffen wir auf einige den NachDenkSeiten-Leserinnen und Lesern einschl&auml;gig bekannte &bdquo;Experten&ldquo; z.B.:<\/p><ul>\n<li>Axel B&ouml;rsch-Supan vom Mannheimer Research Institute f&uuml;r the Economics of Aging, der zu beachtlichen Teilen von der Versicherungswirtschaft finanziert und f&uuml;r sie gutachterlich t&auml;tig und ein Protagonist f&uuml;r die Privatsorge ist. F&uuml;r ihn ist der Sozialstaat ein &bdquo;Luxusgut&ldquo; (S.33 des Projektberichts)<\/li>\n<li>Thiess B&uuml;ttner vom Ifo-Institut aus dem Stall des markfundamentalistischen Hans-Werner Sinn und Mitunterzeichner des Hamburger Appells.<\/li>\n<li>Joachim Winter gleichfalls Mitunterzeichner des Hamburger Appells<br>\n(Anmerkung: Der <a href=\"?p=873\">Hamburger Appell<\/a> wurde von 250 Professoren des marktradikalen &ouml;konomischen Mainstreams unterzeichnet und wurde weitlich von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ausgeschlachtet.)<\/li>\n<\/ul><p>Quelle 1: <a href=\"http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/02019.php#t0\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/02019.php#t0\">&ldquo;perspektive deutschland&rdquo;<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/files\/presse_2006\/pd5-Projektbericht.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.perspektive-deutschland.de\/files\/presse_2006\/pd5-Projektbericht.pdf\">&ldquo;perspektive deutschland &ndash; Projektbericht [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a><br>\nQuelle 3: <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/13\/0,1872,3926893,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/13\/0,1872,3926893,00.html\">ZDF<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Mehrheit der Deutschen fordert eine energische Modernisierung ihres Landes. Drei Viertel der Bundesb&uuml;rger sind der Meinung, dass die Reformen der vergangenen Jahre nicht ausreichen. 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