{"id":12363,"date":"2012-02-28T17:08:06","date_gmt":"2012-02-28T16:08:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12363"},"modified":"2015-02-03T10:54:59","modified_gmt":"2015-02-03T09:54:59","slug":"occupy-wdr-nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12363","title":{"rendered":"Occupy WDR? Nein danke!"},"content":{"rendered":"<p>Das ist schon ein Kunstst&uuml;ck, das Ihrer Autorin gelungen ist: &Uuml;ber zweitausend W&ouml;rter formte sie zu einem Artikel, in dem keine einzige Behauptung stimmt, kein lustvoll ausgebreitetes Ger&uuml;cht einer &Uuml;berpr&uuml;fung auf seinen Wahrheitsgehalt standhielte. Das mag damit zusammenh&auml;ngen, dass man Erika Fuchs eher in Entenhausen kennt als im seri&ouml;sen Medienjournalismus, der beispielsweise seine Quellen benennt, aber sei&rsquo;s drum. Von <strong>Wolfgang Schmitz<\/strong>, WDR-H&ouml;rfunkdirektor<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Anmerkung:<\/strong> Dieser Beitrag stellt eine Erwiderung zum Artikel <a href=\"?p=12301\">&bdquo;Occupy WDR&ldquo;<\/a> der NachDenkSeiten-Autorin Erika Fuchs dar. Frau Fuchs hat &ndash; ebenso wie die NachDenkSeiten-Redaktion &ndash; diese Erwiderung mit einigem Erstaunen und Unverst&auml;ndnis zur Kenntnis genommen. Da die NachDenkSeiten jedoch &ndash; anders als der WDR &ndash; eine offene Debattenkultur pflegen, ver&ouml;ffentlichen wir auch das Schreiben von Herrn Schmitz, distanzieren uns jedoch in aller Form von dessen Inhalt. Erika Fuchs hat bereits ihrerseits auf das Schreiben von Herrn Schmitz <a href=\"?p=12365\">geantwortet<\/a>.<\/em> <\/p><p>Der Reihe nach: Der WDR wird erfreulicherweise von einer leidenschaftlichen Journalistin geleitet, die mit Entschiedenheit daf&uuml;r eintritt, dass im WDR, aber auch in der ARD, die Angebote von H&ouml;rfunk, Fernsehen und Internet  deutliches &ouml;ffentlich-rechtliches Profil zeigen, dass sie &ndash; wie es dem Programmauftrag entspricht &ndash; mit Information, Bildung und Unterhaltung alle Gruppen unserer Gesellschaft erreichen. Eine Intendantin, die, was der Autorin Ihres Beitrags offenbar ein Gr&auml;uel ist, sogar mit Verlegern spricht, statt mit ihnen zu prozessieren, weil sie eine Verst&auml;ndigung f&uuml;r die journalistische Landschaft der Zukunft sinnvoller findet als einen Dauerkonflikt, den niemand gewinnen kann.<\/p><p>Unser Programmauftrag wird t&auml;glich von Redakteurinnen und Redakteuren und vielen freien MitarbeiterInnen umgesetzt. Das k&ouml;nnen sie um so erfolgreicher, je genauer einzelne Angebote definiert sind. Dazu gibt es Unterst&uuml;tzung aus der Medienforschung, aber nat&uuml;rlich auch aus dem Marketing: Wir wollen wissen, was unser Publikum bewegt, wie es lebt, welche Medienangebote es nutzt, damit wir nicht an den Menschen vorbei senden. Beispiel Radio: Unsere sechs UKW-Programme sind so aufeinander abgestimmt, dass sie insgesamt eine m&ouml;glichst breite H&ouml;rerschaft erreichen. Dazu ist es sinnvoll, f&uuml;r jede einzelne Welle zu bestimmen, welche Gruppen sie in erster Linie erreichen soll und welche Vorraussetzungen erf&uuml;llt werden m&uuml;ssen, dass dies gelingt. Daraus entwickelt sich der &ldquo;Markenkern&rdquo;; die Konstruktion von &ldquo;Musterh&ouml;rererInnen&rdquo; macht das Ergebnis eines solchen Prozesses anschaulich. <\/p><p>Das alles ist seit langem kleines Einmaleins der Marktforschung und hat nichts mit Stromlinienf&ouml;rmigkeit und Gleichmacherei zu tun. Wohl aber mit dem, was Ihr Beitrag polemisch mit &ldquo;Durchh&ouml;rbarkeit&rdquo; und &ldquo;Quotendenken&rdquo; diffamiert. Ja, ich will, dass m&ouml;glichst viele Menschen &ldquo;ihr&rdquo; WDR 2, WDR 3 oder &ldquo;Funkhaus Europa&rdquo; m&ouml;glichst viele Stunden am Tag durchh&ouml;ren und ihnen so zu einer hohen Akzeptanz verhelfen. Erfreulicherweise gelingt uns das ja auch: &Uuml;ber die H&auml;lfte aller Menschen in Nordrhein-Westfalen schaltet jeden Tag ein Radioprogramm des WDR ein. Und daf&uuml;r sollten sich Redakteurinnen und Redakteure sch&auml;men? Deshalb sollte es &ldquo;g&auml;ren&rdquo; im Sender? <\/p><p>Unruhe g&auml;be es, und das zu Recht, wenn wir mit den uns anvertrauten Geb&uuml;hrengeldern nicht versuchten, m&ouml;glichst viele Menschen von unserer journalistischen und k&uuml;nstlerischen Arbeit zu &uuml;berzeugen. Oder, wenn die Erfindung von &ldquo;Markenkernen&rdquo; und &ldquo;Musterh&ouml;rern&rdquo; Alibi daf&uuml;r w&auml;re, Qualit&auml;t und Vielfalt zu Gunsten einer fl&auml;chendeckenden Boulevardisierung aufzugeben. Dies ist aber, davon h&auml;tte sich eine seri&ouml;s recherchierende Autorin ohne besondere M&uuml;he &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, nicht der Fall. Nicht im WDR-Fernsehen, wo die von Ihnen gescholtene &ldquo;Aktuelle Stunde&rdquo; in den letzten Jahren ihre landespolitische Berichterstattung sogar ausgeweitet hat, und auch nicht im Radio.<br>\nDas w&auml;re &uuml;brigens einer kundigen Medienjournalistin aufgefallen, dass das, was sie als im R&uuml;ckzug begriffen beklagt, dem WDR gar nicht erlaubt ist: Eine fl&auml;chendeckende lokale Berichterstattung. Der WDR unterh&auml;lt keine Lokal-, wohl aber elf Regionalstudios und damit das teuerste und differenzierteste regionale Netz aller Landesrundfunkanstalten. Und hier wird auch nicht abgebaut, im Gegenteil: Auf WDR 2 ist seit Anfang des Jahres mehr Platz f&uuml;r eine formal abwechslungsreiche Berichterstattung &uuml;ber die wichtigen Themen der Regionen.<\/p><p>Und die hochwertige Kulturberichterstattung im Radio? Verschwindet? Nat&uuml;rlich nicht. Genau so wenig, wie die Fachkompetenz von Redakteurinnen und Redakteuren &uuml;berfl&uuml;ssig wird. Richtig ist, dass WDR 3, das Musik gepr&auml;gte Kulturprogramm, einer Organisationsreform unterzogen wird. Dabei soll zusammenwachsen, was schon lange zusammen geh&ouml;rt h&auml;tte: RedakteurInnen von Wort und Musik, die gemeinsam Programm machen, finden sich endlich in einer Abteilung wieder. Sie werden unterst&uuml;tzt von einer kleinen Planungsredaktion, die daf&uuml;r sorgen soll, dass die Koordination von langfristiger Planung und Tagesprogramm besser funktioniert. Es passiert nichts, was nicht in jeder Redaktion, auch au&szlig;erhalb des WDR, state of the art w&auml;re.<br>\nUnd das Programm WDR3? &Auml;ndert sich grunds&auml;tzlich weder in seiner Struktur noch in seinem Auftrag. Es gibt K&uuml;rzungen, aber es gibt auch neue Angebote. Und versprochen ist: Mit WDR 3 und WDR 5 wird es &ndash; wie nirgendwo sonst &ndash; weiterhin zwei Programme geben, die die besonderen Interessen einer Minderheit von H&ouml;rerInnen an kritischer und reflektierender Begleitung der gesellschaftlichen Entwicklung auch aus ungew&ouml;hnlicher Perspektive, an wortk&uuml;nstlerischer Avantgarde, an tief- und hintergr&uuml;ndigen Features, an Neuer Musik oder an einem attraktiven Angebot von vier hochwertigen Klangk&ouml;rpern in gro&szlig;er F&uuml;lle und Qualit&auml;t bedienen werden.<br>\nZwei anspruchsvolle Radioprogramme, f&uuml;r die mehr Geld ausgegeben wird als f&uuml;r alle anderen Wellen zusammen, die sehr viel mehr Publikum erreichen.<\/p><p>Das war &uuml;brigens, liebe Frau Erika Fuchs, auch schon so, als die angeblich &bdquo;intellektuellenfeindliche, auf Quoten fixierte&ldquo; Intendantin Monika Piel als H&ouml;rfunkdirektorin amtierte &ndash; auch wenn es vermutlich nicht in die von lauter Vorurteilen verengte Optik dieses Beitrags der &ldquo;Nachdenkseiten&rdquo; passt.<br>\nUnd, liebe Frau Fuchs, im WDR ist das Murren nicht gr&ouml;&szlig;er als anderswo. Was es allerdings gibt, ist eine entfaltete Diskussionskultur, die von vielen klugen und selbstbewussten Kolleginnen dazu genutzt wird, kritischen und gestaltenden Anteil zu nehmen an der Entwicklung von Radio, Fernsehen und Internet. <\/p><p>Occupy WDR? Danke f&uuml;r das Angebot. Die Besetzer sind schon da &ndash; in unseren Redaktionen arbeiten sie an einem zukunftsf&auml;higen &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk f&uuml;r alle. Dabei ist kritische Begleitung von au&szlig;en ausdr&uuml;cklich erw&uuml;nscht. Die vorgebliche Solidarit&auml;t aber, in der sich dieser Artikel gef&auml;llt, hilft niemandem, sondern spielt nur denen in die H&auml;nde, die dem &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk von Herzen alles Schlechte w&uuml;nschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist schon ein Kunstst&uuml;ck, das Ihrer Autorin gelungen ist: &Uuml;ber zweitausend W&ouml;rter formte sie zu einem Artikel, in dem keine einzige Behauptung stimmt, kein lustvoll ausgebreitetes Ger&uuml;cht einer &Uuml;berpr&uuml;fung auf seinen Wahrheitsgehalt standhielte. Das mag damit zusammenh&auml;ngen, dass man Erika Fuchs eher in Entenhausen kennt als im seri&ouml;sen Medienjournalismus, der beispielsweise seine Quellen benennt,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12363\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[41,161],"tags":[313,1255,1552],"class_list":["post-12363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienanalyse","category-wertedebatte","tag-oerr","tag-einschaltquote","tag-wdr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12363"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12368,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12363\/revisions\/12368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}